Erettete Jesus Israel aus Ägypten?

Die 28. Auflage des Nestle-Aland (NA28) ist seit einigen Monaten auf dem Markt (siehe hier). Das neue Griechische Testament bietet einen überarbeiteten textkritischen Apparat und integriert die bisherigen Ergebnisse der Arbeit an der „Editio Critica Maior“ (ECM).

Die ECM ist eine umfängliche kritische Ausgabe des griechischen Neuen Testaments, die vom Institut für Neutestamentliche Textforschung in Münster verantwortet wird. Bis 2030 soll das Projekt, das von der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften subventioniert wird, abgeschlossen sein. Die Untersuchung der sogenannten „Katholischen Briefen“ (Jakobusbrief, Petrusbriefe, Johannesbriefe, Judasbrief) ist sehr weit fortgeschritten und wurde deshalb in der 28. Ausgabe des Novum Testamentum Graece berücksichtigt (siehe dazu hier: www-user.uni-bremen.de).

Der Grundtext hat sich gegenüber der 27. Auflage an insgesamt 34 Stellen geändert. Die meisten Revisionen sind von geringfügiger Bedeutung. Eine Liste mit allen Änderungen zwischen NA27 und NA28 gibt es bei Bibel-Works.

Eine NA28-Lesart ist allerdings bemerkenswert und so möchte ich kurz darauf eingehen. Es betrifft den Judasbrief, der – dies nebenbei – meines Erachtens heute zu wenig Beachtung findet (Wer hat mal eine Predigt zum Judasbrief gehört?).

Worum geht es? In den meisten deutschsprachigen Ausgaben heißt es in Judas 1,3–9 (Züricher Übersetzung):

„Es haben sich nämlich gewisse Leute bei euch eingeschlichen, über die das Urteil in der Schrift schon lange voraus gefällt wurde: Gottlose sind sie, die die Gnade unseres Gottes ins Gegenteil verkehren, in bare Zügellosigkeit, und die den einzig wahren Herrscher, unseren Herrn Jesus Christus, verleugnen. Ich will euch — obwohl ihr dies alles schon wisst — daran erinnern, dass der Herr das Volk zwar ein für alle Mal aus dem Land Ägypten gerettet, die aber, die ihm ein zweites Mal keinen Glauben schenkten, der Vernichtung preisgegeben hat. Auch die Engel, die die Grenzen ihres Herrschaftsbereichs nicht eingehalten hatten, sondern ihre Wohnstätte verließen, hält er mit ehernen Fesseln in der Unterwelt fest für den großen Tag des Gerichts. Ja, Sodom und Gomorra und die umliegenden Städte, die auf ähnliche Weise Unzucht getrieben haben und andersartigem Fleisch hinterhergelaufen sind, stehen als abschreckendes Beispiel vor aller Augen: Sie erleiden die Strafe ewigen Feuers. Auf ähnliche Weise freilich beschmutzen auch diese Träumer das Fleisch, sie missachten die Autorität des Herrn und lästern die himmlischen Majestäten.“

Mir geht es um den Vers 1,5: „Ich will euch — obwohl ihr dies alles schon wisst — daran erinnern, dass der Herr das Volk zwar ein für alle Mal aus dem Land Ägypten gerettet, die aber, die ihm ein zweites Mal keinen Glauben schenkten, der Vernichtung preisgegeben hat.“

Egal, ob die deutschen Übersetzungen auf dem Textus receptus oder auf dem NA26/NA27 beruhen: der HERR hat sein Volk aus dem Land Ägypten gerettet (NA27: πάντα ὅτι [ὁ] κύριος ἅπαξ). Im NA28 heißt es nun, dass Jesus sein Volk aus dem Land Ägypten gerettet hat (N28: ἅπαξ πάντα ὅτι Ἰησοῦς).

Das Komitee, das den Text des NA26 bzw. des Greek New Testaments verantwortete, war sich dessen bewusst – wie Bruce M. Metzger in seinem textkritischen Kommentar hinsichtlich der Urteilsfindungen erhellend schreibt (A Textual Commentary on the Greek New Testament, 1975, S. 723–724) –, dass die Lesart „Jesus“ durch Handschriften stärker bezeugt ist (A, B, 33, 81, 322, 323, 434, …). Dennoch hat sich eine Expertenmehrheit gegen die Lesart entschieden, weil sie als theologisch schwierig bis unmöglich gilt und der Autor des Judasbriefes den Namen „Jesus“ sonst immer nur in Verbindung mit „Christus“ verwendet (vgl. Judas 1,1.4.17.21.25). Streng genommen hat die Kommission damit gegen eine Regel verstoßen, die sie sonst selbst lehrt, nämlich dass im Zweifel die schwierigere Lesart vorzuziehen sei (lectio difficillior).

Der NA28 wählt nun das stärker bezeugte „Jesus“, welches sich übrigens schon in der lateinischen Vulgata findet. Die ESV, die auf einer kritischen Rezeption des NA27 beruht, hatte sich bereits 2001 für die Variante mit Ἰησοῦς entschieden und übersetzt: „… Jesus, who saved a people out of the land of Egypt, afterward destroyed those who did not believe.“

Einerseits fällt diese Lesart nicht sonderlich ins Gewicht. Schon in Vers 4 bezeichnet Judas (vgl. 1,1) diejenigen, die den einzig wahren Herrscher, unseren Herrn Jesus Christus, verleugnen, als Gottlose. Da Jesus dort „Herr“ genannt wird (κύριον ἡμῶν Ἰησοῦν Χριστὸν), liegt es auf der Hand, dass „Herr“ (κύριος) in Vers 5 ebenfalls auf den präexistenten Jesus verweist. Insgesamt bezeichnet Judas sogar vier Mal Jesus als „Herrn“ (V. 1,4.17.21.25). Hinzu kommt, dass die Verfasser neutestamentlicher Schriften außerhalb alttestamentlicher Zitate eher selten mit dem Begriff „Herr“ auf Gott referenzieren.

Andererseits ist die Aussage von V. 5 univok trinitarisch, wenn dort tatsächlich „Jesus“ zu lesen ist. Vergegenwärtigen wir uns kurz den Zusammenhang.

Judas ermahnt seine Leser, für den einen Glauben zu kämpfen, der „den Heiligen ein für alle Mal überliefert worden ist“ (V. 3). Es gibt etliche Leute, die die Gnade Gottes mit Zügellosigkeit vertauschen und Gott als Herrscher verleugnen. Um zu zeigen, dass auf die Verführer das Gericht wartet, erinnert Judas an den Auszug aus Ägypten (V. 5), auf Engel, die ihre Kompetenzen überschritten haben (V. 6) und auf die sexuelle Unmoral in Sodom und Gomorra sowie in den umliegenden Städten (V. 7). So, wie diese Ungehorsamen das Gericht trifft, wird auch die Verführer, die sich in die Gemeinden einschleichen, das Gericht treffen.

Im ersten Beispiel rettet Gott sein auserwähltes Volk aus Ägypten und vernichtet diejenigen, die ihm nicht vertrauten. Das ist ein Verweis auf 4 Mose 14,20–24, wo es heißt:

„Doch so wahr ich lebe und die ganze Erde der Herrlichkeit des HERRN voll werden soll: Alle Männer, die meine Herrlichkeit und meine Zeichen gesehen haben, die ich in Ägypten und in der Wüste getan habe, und die mich nun schon zehnmal auf die Probe gestellt und nicht auf meine Stimme gehört haben, werden das Land nicht sehen, das ich ihren Vorfahren zugeschworen habe, und alle, die mich verachten, werden es nicht sehen. Meinen Diener Kaleb aber, bei dem ein anderer Geist war und der treu zu mir gehalten hat, werde ich zum Lohn dafür in das Land bringen, in dem er gewesen ist, und seine Nachkommen sollen es in Besitz nehmen.“

Die große Volkesmenge missachtet das Wirken Gottes und wird deshalb vom Einzug ins verheißene Land ausgeschlossen. Nur Kaleb und Josua nehmen das Land ein, da sie sich vom Geist Gottes leiten ließen und treu waren.

Das zweite Beispiel geht wahrscheinlich auf 1Mose 6 zurück. Die Engel haben unberechtigterweise ihren Herrschaftsbereich verlassen und werden „in Fesseln der Finsternis“ im Abgrund für das endgültige Gericht aufbewahrt (vgl. 2Petr 2,4).

Wer ist nun derjenige, der die Israeliten aus der Gefangenschaft errettete und die Ungehorsamen der Vernichtung preisgab? Wer hält die Engel mit ehernen Fesseln in der Unterwelt fest für den großen Tag des Gerichts? Gemäß der NA28-Lesart führt kein Weg an demjenigen vorbei, der eines Tages kommen wird, um „Lebende und Tote zu richten“ (2Tim 4,1): Jesus.

Kommentare

  1. Siehe bereits Philipp Bartholomä, „Did Jesus Save the People out of Egypt? A Re-examination of a Textual Problem in Jude 5,“ NovT 50 (2008) 143–58.

  2. Joel213 meint:

    Habe mir jetzt grade erstmal im NA27 die Lesartalternativen angeschaut. 🙂 Spannender Beitrag Ron, thx!

  3. rolf eicken meint:

    @Ron, Danke für diese hochinteressante Geschichte. Das ist doch mal etwas Neues. Eure jüdischen Kollegen werden sich dafür bedanken, dass Ihr ihnen den Moses als Führer aus der ägyptischen Diaspora entführen wollt. nmM. ist es unzweifelhaft, dass mit der Anrede „Herr“ der Gott JHWH gemeint ist. Aber, Chapeau, ein Versuch war`s wert. Die Geschichte mit dem Auszug aus Ägypten ist ja ganz spannend, aber wahrscheinlich gut erfunden. Der Auszug erfolgte klugerweise tatsächlich mE. während eines Interregnums um 1335 – 1350 v. Chr., also nach Echnaton und vor Tut ench Amun. ( kann auch zw. 2 Ramsesregentschaften gewesen sein)
    MfG
    Rolf

  4. Alexander meint:

    Super Hinweis, danke! Wie ist denn die Geschichte von Jud 5 in NA? Hatte man vor NA 26 schon die Lesart „Iesous“ und greift jetzt sozusagen wieder darauf zurück, so dass NA 26/27 mit der Lesart „kyrios“ in Jud 5 gleichsam nur ein Intermezzo war? Hat jemand die alten Ausgaben zur Verfügung und kann das nachschlagen?

    (@rolf eicken: Wären Sie so freundlich, sich zumindest ein kleines bisschen Sachkenntnis anzueignen, ehe Sie posten? Schlagen Sie doch z.B. zum Einstieg einmal das Wort „Präexistenz“ nach und lesen Sie sich daneben ein wenig in das Themenfeld „Neutestamentliche Textkritik“ ein.)

  5. NA 25 (1963) kyrios
    Nestle 20 (1950) kyrios
    Nestle 7 (1923) kyrios

    Bei allen dreien wird iesous im textkritischen Apparat erwähnt.

  6. rolf eicken meint:

    @Alexander
    Danke für den Hinweis auf die Präexistenz Jesu. Mit meinem Beitrag wollte ich ja gerade nicht auf die Exegese und Hermeneutik zu den Thema eingehen. Vielleicht versuchen Sie es mal etwas weniger verbissen; glauben Sie mir, es lebt sich dann viel gelassener und fröhlicher. Gut gefällt mir übrigens die Erzählung von Platon in Phaidros über die unsterbliche Seele. Das ist nämlich weder spitzfindig noch verbissen.
    MfG
    Rolf

  7. @Christoph: Danke. Den Aufsatz kannte ich nicht. Freut mich, dass die Ergebnisse übereinstimmen. Bartholomä schreibt S. 157:

    However, while the transcriptional probabilities favor Ίησοΰς as the original reading, many have concluded that this reading is simply too difficult. But in this paper I have sought to demonstrate that even in light of intrinsic probability the Ίησοΰς reading is indeed not too hard. Although difficulties remain, in light of v. 4 and in light of the evidence both in the New Testament and other early Christian writings, it seems totally reasonable. The internal evidence in no way pre­ cludes Ίησοΰς as the original variant, yet, in fact it even seems to prefer it. This is in agreement with the external evidence in its support of Ίησοΰς as the superior reading. I therefore conclude that the textual decision about the subject of Jude 5 reflected in the Editto Critica Maior (as opposed to several recent text-critical studies) is justified.

    Liebe Grüße, Ron

  8. Alexander meint:

    @Peter: Danke!

  9. rolf eicken meint:

    Ich muss mich korrigieren: bei Platon muss es: Phaidon heißen und nicht Phaidros.

  10. Das finde ich echt spannend. Würdet ihr sagen, dass es sich insgesamt lohnt, die neue Auflage anzuschaffen?

  11. @Malte: Das hängt davon ab, ob Du regelmäßig textkritisch arbeitest, zum Beispiel in der Predigtvorbereitung. Falls Du das bisher mit dem NA26/27 nur sehr selten machst, wirst Du das wahrscheinlich auch in Zukunft nur selten tun. Falls Du den Apparat heute schon nutzt, lohnt sich die Anschaffung, da die Ausgabe für etliche Jahre bedeutsam bleibt. Den reinen Text der NA28 gibt es aber auch online:
    http://www.nestle-aland.com/en/read-na28-online/

    Liebe Grüße, Ron

  12. @ Ron: Vielen Dank! Ich lese tatsächlich recht oft im NTG, arbeite aber kaum textkritisch. Danke für den Link!

  13. Johannes Strehle meint:

    Zu rolf eicken:
    „Die Geschichte mit dem Auszug aus Ägypten ist ja ganz spannend, aber wahrscheinlich gut erfunden.“
    „Vielleicht versuchen Sie es mal etwas weniger verbissen;
    glauben Sie mir, es lebt sich dann viel gelassener und fröhlicher.
    Gut gefällt mir übrigens die Erzählung von Platon in Phaidon über die unsterbliche Seele.
    Das ist nämlich weder spitzfindig noch verbissen.“

    Wenn man dann noch berücksichtigt,
    dass die Hölle, „die Strafe ewigen Feuers“, wie Judas schreibt,
    bekanntlich im finsteren Mittelalter durch die katholische Kirche erfunden wurde,
    um ihre Schäflein bei der Stange zu halten,
    dann lesen sich der Judasbrief und der Rest der Bibel in der Tat „viel gelassener und fröhlicher“.
    Das glaube ich Ihnen.

    Wenn man die Erfindungen nicht berücksichtigt, dann könnte einem doch etwas mulmig werden:
    „Ich will euch — obwohl ihr dies alles schon wisst — daran erinnern,
    dass der Herr das Volk zwar ein für alle Mal aus dem Land Ägypten gerettet,
    die aber, die ihm ein zweites Mal keinen Glauben schenkten, der Vernichtung preisgegeben hat.“

    Wenn die unsterbliche Seele zu gegebener Zeit allerdings
    ganz unverbissen ohne Spitzfindigkeit feststellen müsste,
    dass Theologen die Deklaration von Fakten als Erfindungen zur Entwarnung erfanden,
    dann werden diese Theologen große Mühe haben,
    ihre Schäflein auf Dauer (ewig) bei Laune (gelassen und fröhlich) zu halten.

  14. Nochmals zu Anfrage von Alexander:
    Weiß jemand, warum Nestle sich bereits in den ersten Auflagen für kyrios entschieden hat?

  15. @Peter: Ich weiß es nicht. Vielleicht, weil die Ausgaben von Tischendorf, Soden, Hort, Weiss, und Merk „kyrios“ lesen? Keine Ahnung.

    Liebe Grüße, Ron

  16. Alexander meint:

    Ich denke, den Grund, warum sich Nestle & Co. für „kyrios“ entschieden haben, hat wahrscheinlich Ron oben schon genannt: „Iesous“ erschien „theologisch schwierig bis unmöglich“. Aber ich wüsste auch gern, ob dazu irgendwer mal was geschrieben hat.

    In der ECM steht zur neuen Entscheidung für „Iesous“ leider bislang auch nicht viel, p. 33*: „Die Diskussion, die zu dem Text von 5/12-20 führte, war besonders intensiv. Darauf wird in den ‚Begleitenden Untersuchungen‘ einzugehen sein.“ Wir werden also auf die ‚Untersuchungen‘ warten müssen. (Oder sind die schon erschienen?! Ich bin da nicht auf dem Laufenden.)

  17. Roger Omanson schreibt dazu, dass iesous als Leseart die schwierigere ist, aber an dieser Stelle zu schwer. Dazu führt er zwei Gründe auf:
    1. Der Verfasser verwendet sonst iesous xristos.
    2. Der Bezug des Exodus auf Jesus erscheint unmöglich.
    Das ganze wird für einen Lesefehler des Kürzels „kc“ (für kyrios) zu „ic“ (für iesous) gehalten.

    Gruß
    Peter

    R. Omanson: A Textual Guide to the Greek New Testament. Stuttgart: Deutsche Bibelgesellschaft 2006. Seite 520-521.

  18. rolf eicken meint:

    @ Johannes Strehle – ohne jede Ironie: Ihr Kommentar ist Spitze, es ist ein Vergnügen ihn zu lesen, ich habe herzlich gelacht. Danke !

  19. Ich halte es für problematisch, hier von der Schwierigkeit einer Lesart zu sprechen. Die Kategorien der Schwierigkeit einer Lesart sind die Grammatik, allerhöchstens noch die Theologie des Autors. Sprachlich-grammatisch sind alle Varianten problemlos, für die Bestimmung einer theologischen Schwierigkeit ist die Textbasis zu klein. Dasselbe gilt grundsätzlich auch für den Stil des Autors, wobei die Häufung von Ausdrücken mit „Jesus“ und Titel gerade angesichts der Kürze auffällt, sodass dieses Argument das am ehesten stichhaltige in der ganzen Diskussion ist. Schlussfolgerung: Jesus ist die einzige Lesart mit stichhaltigem Argument – einem Gegenargument. Aus kyrios lassen sich beide Alternativlesarten ableiten, wenn außerhalb von AT-Zitaten normalerweise theos gesetzt wird und angesichts der Verschreibungsmöglichkeit kc > ic (man beachte: Weglassen ist einfacher und häufiger als hinzufügen). Die Entstehung und Verbreitung von Jesus lässt sich zudem als dadurch begünstigt erklären, dass im vorhergehnden Kontext kyrios Attribut zu Jesus ist (dh als bewuste oder unbewusste Explikation einer Interpretation des Textes durch einen Kopisten) und es schon in der frühen Kirchengeschichte Belege einer dergestaltigen Christologie gibt, die Jesus mit JHWH im AT gleichsetzt usw (der 2. Punkt von Omanson trägt also nicht nur nichts zur Frage der „Schwierigkeit“ hier bei, er ist auch inhaltlich falsch, da unhistorisch). AUch die SOnderlesarten kyrios jesus und theos christos lassen sich leichter von kyrios her erklären, nämlich ebenfalls Explikation einer Interpretation mittels einer „Glosse“, dh hinter dem „originalen“ ersten element kyrios (> theos) wird die Bezugsperson expliziert: der herr/gott, [nämlich] Jesus/Christus.

    Der interne Befund (dh die Lesartenebene) spricht soweit ich sehe also für kyrios. Und der externe Befund (dh die Handschriftenebene) ist für eine hochkontaminierte, dh (auf Handschriftenebene) nicht-stemmatisierbare, Überlieferung wie das NT nicht entscheidend, da das Kriterium der „Güte“ von Handschriften inhaltlich unbestimmt ist.

  20. Noch eine kleine Ergänzung zum Textbefund:

    Novum Testamentum – Textum graecum ex codice vaticano, latinm ex vulgatae editionis exemplarubis romanis correctum – edidit Valentinus Loch (1862)
    Er hat leider keinen textkritischen Apparat.
    Novum Testamentum graece – ad fidem potissimum codicis vaticani B recensuit, varias lectiones codicis B, textus recepti, editionum griesbachii lachmanni tischendorfii integras adiecit – Philippus Buttmann (1874)
    Er hat einen sehr kleinen textkritischen Apparat – zu Jud 5 kennt er keine Varianten.
    Beide Textausgaben haben übrigens iesous im Text stehen 🙂

  21. Hier gibt es die Unterschiede des NA 27 zum NA 28 zum Anschauen.

    http://www.grundtexte.de/index.php?option=com_attachments&task=download&id=338

  22. Der Codex Sinaiticus hat Kyrios, während Alexandrinus und Vaticanus iesous haben.

  23. Ich habe in Bibel von 1400-1550 auch Jesus anstatt Gott gefunden.

  24. Jesus stand schon 1550 in den Überstzungen:
    • 1550 (Quentell): Bibel. Das ist Alle Bücher Alts und News Testaments/ Mit Auslegung etlicher dunckler Ort un besserung vieler verruckter wort und spruche
    http://www.offene-bibel.de/blog/sebastian_walter/alte_bibeln_und_kommentare_-_apologie_und_linkliste

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