Erotische Gottesdienste

Sex verkauft sich – auch im Gottesdienst. Da wird in der Kirche der Playboy verteilt oder auf dem Kirchentag ein erotischer Gottesdienst angeboten. Pfarrer Ralf Schmidt will besonders „cool“ auftreten und bot einen geiles Event an, einen erotischen Abendmahlsgottesdienst.

„Die Kirche ist nicht sexualfeindlich, nicht leibfeindlich“, sagte Ralf Schmidt, evangelischer Pfarrer der Erlösergemeinde Mainz-Kastel. Auch in der Sexualität sei Gott gegenwärtig. Doch die Kirche habe in der Vergangenheit die Themen Sex und Erotik vernachlässigt.

Der Gottesdienst soll mit Musik, Tänzen und Düften alle Sinne ansprechen. Außerdem sollen rote Rosenblätter von der Empore regnen und ein erotisches Bild an die Wand projiziert werden, kündigt der Pfarrer an. Eintritt ist erst ab 16 Jahren.

Abfällige, vulgäre Reden über Sexualität will er nicht aussparen: „Alle Welt, auch meine Schüler, redet von „Poppen“ und „Ficken“, und diese Worte kommen auch in der Predigt vor.“ Er wolle diesen Begriffen aber „gute Worte, um Sexualität zu beschreiben“ entgegensetzen. Innerhalb der Kirche sorgt die Ankündigung von Schmidt für Neugierde. Ein Sprecher der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) sagte: „Wir sind gespannt auf den Gottesdienst. Grundsätzlich betrifft das Evangelium aber alle Lebensbereiche, auch Sexualität und Erotik.“

Journalisten des STERN waren dabei und meinen, die Besucher gehörten mehrheitlich zu den Leuten jenseits der 70. Da fällt mir wieder ein, was Kurt Tucholsky über die Kirchen schrieb:

Atemlos jappend laufen sie hinter der Zeit her, auf dass ihnen niemand entwische.

Kommentare

  1. Welchen Gott beten die da an? Kenne ich den?

  2. Ist ja herrlich dass man jetzt wieder etwas hat worüber man sich aufregen kann. Die zwei genannten vulgären Wörter hat er dann garnicht verwendet in seiner Predigt. Und wenn ich lese was so Bestandteile des Gottesdiensts waren, ist das ja schon fast prüde im Vergleich zum Hoheslied Salomos.

  3. @nik

    aber du regst dich ja auch auf, dass man sich aufregt, wobei ich mich dann wieder aufrege, dass du dich aufregst, weil man sich aufregt, warum also die Aufregung? 🙂

    Nein aber mal im ernst. Wenn man die Bilder sieht, ist das eher zum schmunzeln. Aber das Gedankengut dahinter ist mir unbegreiflich.

  4. @Armin
    Ich habe doch garnicht gesagt, dass ich mich darüber aufrege, dass jemand sich aufregt. Aber du hast wahrscheinlich recht, touche. Ich habe mich aufgeregt übers Aufregen.
    Danke dass du mich darauf aufmerksam gemacht hast. Jetzt rege ich mich schon deutlich weniger auf.
    Beste Grüße

  5. Eigentlich ist doch alles ganz einfach: die Frage ist doch nicht, was derjenige oder diejenige meint oder denkt, sondern was Gott uns sagt. Und das ist eigentlich kaum misszuverstehen: „…sondern wie der, der euch berufen hat, heilig ist, sollt auch ihr heilig sein in eurem ganzen Wandel.“ (1Pe 1,15) und daher auch folgerichtig: „Lasst kein faules Geschwätz aus eurem Mund gehen, sondern redet, was gut ist, was erbaut und was notwendig ist, damit es Segen bringe denen, die es hören.“ (Eph 4,29).

  6. Daniel meint:

    Wahrscheinlich ist es Pfarrer Schmidt zu peinlich, über Gott zu reden.

  7. @alle: Hier wird es noch konkreter:

    In seiner Predigt sagte der nach eigenen Worten mit einem Mann „verpartnerte“ Schmidt, dass Lust und Liebe von Gott und nicht vom Teufel kämen: „Erotik und Lust sind keine vom Glauben abgetrennten Sperrbezirke.“ Als Erfahrungen von Leib und Seele machten sie Lust auf mehr. An einer Stelle wurde Schmidt konkret: „Mein Hintern, meine Hände, meine Zunge, mein Penis, meine Ohrläppchen sind Landeplätze der Lust … Wir sind vor Gott Liebende, Streichelnde und lustvoll Schreiende.“ Im Anschluss an den Gottesdienst sagte Schmidt den anwesenden Journalisten, dass er „die vulgären Begriffe“ aus der Predigt gestrichen habe, „weil sich sonst alle nur auf diese Worte gestürzt hätten“. Er räumte ein, dass ihn der Medienrummel überrollt habe. Auf den Gottesdienst würde er heute nicht noch einmal in dieser Weise aufmerksam machen.

    Liebe Grüße, Ron

  8. @Ron,

    das ist dann nicht mehr zum schmunzeln. Ich hatte nur ein paar Fotos vom Gottesdienst gesehen, die ältere Personen mit roten Tüchern in der Hand zeigen.

    Das ist doch ähnlich wie in der Diskussion über Rob Bells Meinung zur Homosexualität. Es dreht sich alles nur noch um den Menschen als Messlatte aller Dinge, mit all seinen perversen und entarteten Sünden, die er krampfhaft zu rechtfertigen sucht. Dabei wird versucht Gott und sein Wort zu verbiegen und zu verdrehen, bis man meint die Lösung gefunden zu haben.

    Anstatt endlich die eigene Verlorenheit und absolute Sündhaftigkeit einzusehen. Endlich zu verstehen, dass wir alle abgrundtief böse und verdammt sind, und nur durch Christus gerettet werden können – mit allen Konsequenzen. Dann hört auch dieser Quatsch mit „erotischem Gottesdienst“ auf, weil man sich so etwas nicht mehr wagen würde, aus Furcht vor dem Zorn Gottes, weil wir ihn fürchten und ernst nehmen.

    Hier mal Spurgeon über Psalm 36,2:
    „Es ist aus Grund meines Herzens von der Gottlosen Wesen gesprochen, daß keine Gottesfurcht bei ihnen ist.“ Die Sünden der Menschen sind das äußere Zeichen für ein inneres Übel. Wer ständig und vorsätzlich sündigt, kann keine Achtung vor dem großen Richter der Welt haben. Selbst wenn die Gottlosen fromme Worte im Munde führen, müssen wir doch angesichts ihrer bösen Taten feststellen, daß sie überhaupt keine Frömmigkeit besitzen. Bosheit ist die Frucht einer atheistischen Wurzel. Wie kann man es wagen, Gottes Gesetz zu brechen, wenn er überall gegenwärtig ist? Wie kann man sündigen, wenn man Gott fürchtet? Das muß ein verwegener Empörer sein, der es wagt, unter den Augen des Monarchen in dessen eigenem Palast zu rebellieren! Was für theoretische Ansichten schlechte Menschen auch vertreten – sie können nur als Atheisten bezeichnet werden, da sie es praktisch sind. Wer heute keine Gottesfurcht kennt, wird später den Schrecken der Hölle kennenlernen.“

  9. achach… – mal wieder ein mittelkleines „church-bashing“ angesagt? Na gut… (bringt ja auch Quote/blog-einträge…)
    Und INHALTLICH?
    Wieviel Gottesdienste finden statt? Jeden Sonntag? Völlig unspektakulär, mit guter Schriftauslegung und ernsthafter Gestaltung?
    Ich war gestern in einem völlig ´normalen´Gottesdienst: umrahmt mit der “ Toccata und Fuge D-Moll (Johann Sebastian Bach )BWV 565″(das war fantastisch!), im Mittelpunkt die Predigt über 2.Mo.33,12-23: eine sehr gute Auslegung!
    Und der Gottesdienst inMAinz-Kastel? Profilneurotiker Pfr. Schmidt? Aufsehen um jeden Preis ?
    Was ich ansonsten gelesen habe, war allenfalls halb so spektakulär wie die reißerischen Ankündigungen (s.o.) erwarten ließen; die besagten Ausdrücke sind offenbar nicht gefallen!

    Na schön: bad news are good news!
    (Das ist der Geist der Zeit…)

  10. Solche unerhörten „Events“ mögen die Ausnahme sein, aber Fakt ist, dass neben den vielen guten Gottesdiensten, die jeden Sonntag in bundesdeutschen Gotteshäusern abgehalten werden, es auch einen Haufen an neumodischem Müll gibt. Mein Hauspfarrer (Beisitzer des Präsidiums der EKD-Synode) ist so einer: Im Fundraising (Stichwort Kirchenrenovierung) unschlagbar, auf den Kanzel jedoch eine Beleidigung, nicht rhetorisch – salbungsvoll reden kann er -, sondern inhaltlich. Immer zu haben für musikalisch-meditative Gottesdienste und die berüchtigten Bildinterpretations-Predigten und so einen Quatsch.

    Es muss nicht immer so spektakulär sein, dass es in die Presse kommt. Aber meine Erfahrung sagt mir: Die eingesetzten Methoden und Stilmittel korrelieren erheblich mit der inhaltlichen Qualität einer Predigt. Je ausgefallener die Methoden und Themen, desto weniger „Wort Gottes“.

  11. @ernst
    Church Bashing? Na wenn du meinst.

    „Ein Hund bellt, sobald er seinen Herrn
    angegriffen sieht. Ich wäre wohl lasch, wenn
    ich angesichts eines Angriffs gegen die
    Wahrheit Gottes verstummen würde, ohne
    etwas verlauten zu lassen.“
    (Johannes Calvin)

  12. theonik meint:

    ?erotische??? „Gottesdienste“???? – also jetzt unabhängig davon ob man sich über Sprache und theologische Inhalte von Predigten auslässt und hier scheint meiner Meinung nach formal u.U. eine Anbiederung an die heutige sexualisierte Sprache stattzufinden, was ich einerseits mutig finde, weil es sicher auch zum Nachdenken anregt andererseits eben wie hier schon gesagt, effektheiserisch und eventheiserisch daher kommt.
    Man sollte meiner Meinung nach die Sache noch von einer anderen Seite betrachten: Nämlich von der Frage was wir im Gottesdienst eigentlich feiern, den gekreuzigten und Auferstandenen Christus, vielleicht sollte/müsste man Pfr. Schmidt daran erinnern. Und dann stellt sich für mich schon die Frage was sind „erotische“ (Liebe besteht ja nicht nur aus Eros, was ist mit Liebe und Wahrheit?) Gottesdienste?

  13. Johannes meint:

    @ernst (und andere): Es geht hier nicht um „church bashing“ und ich bin dankbar, dass in diesem Blog soetwas kritisiert wird! Würde es nicht mehr kritisiert, würde doch der Eindruck vermittelt, alles sei gleich-gültig. Aber das ist es nicht. Solche Veranstaltungen machen jedoch das Evangelium, in dem es um Leben und Tod geht – und das für Zeit und Ewigkeit -, lächerlich. Wäre diese Kirche noch eine christliche, evangelische Kirche, hätte dieser Pfarrer jetzt ein Kirchenzuchtsverfahren am Hals. Aber wo es keine Lehre gibt, kann es auch keine Irrlehre mehr geben und dann hat auch nichts mehr Konsequenzen – genauso gut könnte sich ein Pfarrer auf die Kanzel stellen und „blub blub“ sagen. Wer soll so eine Kirche und so einen Glauben noch wirklich ernst nehmen?

  14. Johannes Strehle meint:

    „Wieviel Gottesdienste finden statt? Jeden Sonntag?
    … mit guter Schriftauslegung …?“ (ernst)
    Eine rhetorische Frage.
    ernst meint also,
    dass viele Gottesdienste mit guter Schriftauslegung stattfinden.
    Wer vom herrschenden Bibelverständnis und der daraus folgenden Theologie der deutschen Universitäten und der deutschen evangelischen Kirchen ausgeht, muss zu diesem Ergebnis kommen.
    Wenn wir von einem konservativen Bibelverständnis, wie es beispielsweise von Spurgeon, Schaeffer und Lewis vertreten wurde oder von Evangelium 21 vertreten wird, und der daraus folgenden Theologie ausgehen, ist allerdings die allgemeine Richtung der Kirchen das entscheidende Problem, nicht einzelne Auswüchse. Die sind nur Symptome.
    (Es ist mir klar, dass das Bibelverständnis von Schaeffer und Lewis alles andere als identisch waren, sie repräsentieren die Bandbreite des konservativen Bibelverständnisses.)

  15. Bettina Klix meint:

    „Die Moderne arbeitet an einem Projekt, das kaum jemals in den Vordergrund der Aufmerksamkeit tritt: Es ist die Abschaffung der Sünde. Nicht, indem sie die Einsicht in die Sündhaftigkeit des Menschen besonders förderte und ihnen dann einen Ausweg wiese, sondern indem sie die Sünde für eine Fiktion, für nicht-existent erklärt.“
    So schön hat es der Katholik Lorenz Jäger in seinem Buch „Hauptsachen“ gesagt.
    Dass es möglich ist, innerhalb der evangelischen Kirche an diesem Projekt ungestört mitzuarbeiten, ist schon grauenerregend.

  16. @ Johannes S. –
    JA, ich meine in der Tat, dass viele „dass viele Gottesdienste mit guter Schriftauslegung stattfinden“.
    Und es trifft einfach nicht zu, dass in Deutschland dem „herrschenden Bibelverständnis und der daraus folgenden Theologie der deutschen Universitäten und der deutschen evangelischen Kirchen“ (= falsch) auf der einen ein konservatives Bibelverständnis „wie es beispielsweise von Spurgeon, Schaeffer und Lewis vertreten wurde oder von Evangelium 21 vertreten wird“ (= richtig) auf der anderen Seite gegenüberstünde. Die Realität ist viel differenzierter, vielleicht auch verwirrender.

    @ Bettina – was Du zitierst, sehe ich zwar ähnlich. Aber: für dieses „Projekt“ kann man in allen Kirchen (und Freikirchen!) Beispiele unterschiedlicher Art finden.

  17. theonik meint:

    @ernst: danke für den post, es gibt nun mal unterschiedliche theologische Positionen un eine Zuordnung ist zwar sinnvoll aber oft auch innerhalb einer position nur schwer abzugrenzen, eine pauschale „Verurteilung“ eine fundierten wissenschaftlich theologischen Auseinandersetzung mit dem Wort Gottes scheint da oft noch mitzuschwingen

  18. Johannes meint:

    @Bettina Klix: Danke für dieses treffende Zitat!

  19. Auf Facebook gab’s über den Vorfall eine kleine Diskussion und hier insbesondere darüber, inwieweit eigentlich die Bibel unser Fundament sein sollte und die Predigt allein Auslegungspredigt. Immer wieder begegne ich dabei der Meinung, die Bibel sei nicht mehr wert als die „Überlieferungen“ oder wie man die menschliche Meinungsvielfalt heute auch nennen mag. Unabhängig also vom Thema der Predigt macht mir die grundsätzliche Vorgehensweise Sorge. Hätte er über das Hohelied gepredigt, wäre es wahrscheinlich erotischer geworden aber er hätte auf sicherem Boden gestanden. Ein solches Fundament aber verlässt die Kirche immer mehr, und die Menschen folgen ihr in jegliche Richtungen.

  20. @ nik

    zu spät – schon gelesen …………………………………..

  21. Johannes Strehle meint:

    ernst hat recht:
    Man kann und muss gegebenenfalls differenzieren.
    (Ich habe deshalb auf die Bandbreite hingewiesen.)
    Daraus folgt aber nicht,
    dass Zusammenfassungen nicht möglich oder nicht zulässig sind.
    Differenzierungen sind gut und notwendig,
    dürfen aber nicht dazu führen,
    dass man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht.
    Christus schreibt in seinem Brief an die Gemeinde in Laodizea:
    O dass du doch kalt oder heiß wärst!
    Auch das wäre gegebenenfalls zu differenzieren.
    Aber die Differenzierung wird nicht dazu führen,
    dass aus „kalt“ „heiß“ wird oder umgekehrt.
    Christus hält in diesem Kurzbrief,
    in dem es um Leben und Tod der Gemeinde geht,
    eine Differenzierung nicht für erforderlich.
    Selbstverständlich gibt es nicht nur das Gegenüber von „kalt“ oder „heiß“,
    sondern auch „lauwarm“
    – einen geistlich/geistig lebensbedrohlichen Zustand.
    Auch „lauwarm“ wäre gegebenenfalls zu differenzieren.
    Von Pastoren, die die Bibel so verstehen,
    dass Jesus von einem Menschen gezeugt wurde,
    dass er nicht (im Sinne des Sühneopfers) für uns gestorben ist ,
    dass er nicht leiblich auferstanden ist,
    und die praktizierende Homosexuelle segnen,
    ist keine Predigt auf der Grundlage eines konservativen Bibelverständnisses
    zu erwarten.
    Selbstverständlich sind auch nicht alle Predigten gut,
    die von einem konservativen Bibelverständnis ausgehen.
    Aus der Antwort von ernst auf Bettina Klix schließe ich,
    dass wir uns einig sind:
    In allen Kirchen und Freikirchen wird an dem Projekt gearbeitet,
    dass Sünde eine Fiktion ist.
    „Viel“ ist eben ein relativer Begriff.

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