Heilige Scheiße

heilige_scheisse.jpgIm Winter 2010 saß ich knapp zwei Stunden mit Anne Weiss im Café einer Berliner Jugendherberge, um über den christlichen Glauben zu sprechen. Gemeinsam mit Stefan Bonner stecke die Journalistin damals in den Vorarbeiten für ein neues Buch zum Thema »Wären wir ohne Religion besser dran?«. Das Gespräch war offen und nett, so wie auch der anschließende Austausch mit einigen Seminarteilnehmern beim Mittagessen. Der religionskritische Geist schwebte allerdings schon damals durch die Räume (vgl. die Mitteilung des Humanistischen Pressedienstes hier).

Inzwischen ist das Buch:

  • Stefan Bonner u. Anne Weiss: Heilige Scheiße: Wären wir ohne Religion wirklich besser dran?, Bastei Lübbe: Köln, 2011.

erschienen. Im Interview stellen die Autoren ihr Werk vor:

 

Daniel Dangendorf hat das Buch gelesen und eine Rezension verfasst, die ich freundlicherweise hier einstellen darf:

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„Wenn Gott uns liebt, warum gibt es dann die Flippers?“

Fragen wie diese bewegen die Bestsellerautoren Stefan Bonner und Anne Weiss (Generation Doof) in ihrem neuen Bestseller Heilige Scheiße – Wären wir ohne Religion wirklich besser dran?. Das Werk schaffte es auf Anhieb in die Top 20 der Spiegel-Bestsellerliste in der Kategorie Sachbuch. Es will „Ahnungslose und Erleuchtete unter die Lupe nehmen“ und erklärt: „Immer mehr Menschen finden, dass sie auch als Heidenkinder einen Heidenspaß haben können“. Wozu brauchen wir die Kirche noch? Was treibt Menschen an, zur Kirche zu gehen? Und warum brauchen viele Menschen die Kirche anscheinend nicht mehr?

Die Autoren fangen das kirchenkritische Klima in Deutschland vorzüglich ein. Vieles stinkt zum Himmel. Was den Kirchen vorgeworfen werden kann, kommt zur Sprache: die mangelnder moralischer Integrität, die die Menschen eher „einem Kachel- als einem Kirchenmann zutrauen“ (S. 130) bis hin zum empörenden Ausruf „Kinderficker!“ einer Gottesdienststörerin (S. 45). Weltjugendtagsbesucher werden zitiert, die eigentlich nicht wegen des Papstes, sondern zum Saufen und Partymachen gepilgert sind. Die Mitgliedschaft vieler Menschen in den Großkirchen wird mit einer ADAC-Mitgliedschaft verglichen, die man in Anspruch nimmt, wenn sie für eine romantische Hochzeit oder die traditionelle Taufe benötigt wird. Besonders heftig trifft es die Katholiken. Verhältnismäßig gut kommen die Jesus-Freaks davon, obwohl bei White-Metal à la „Jesus Skins“ die Autoren dann auch skeptisch werden.

Stellenweise vermittelt das Buch den Eindruck, nur durch Dummheit gewönne man Zugang zum Glauben. Gilt also die alte Maxime: „credo quia absurdum“ , d. h. ich glaube, weil es unvernünftig ist? Als Illustration dient den Autoren der Kreationismus, der „wie die Sintflut“ von Amerika nach Deutschland schwappt und Europa gefährdet und durch „Wort und Wissen“ oder Schulen wie das „Martin Bucer Seminar“ (MBS) verbreitet wird. Der Kreationismus sei eine amerikanische Erfindung und hierzulande verbreiteten nun Einrichtungen wie das MBS ein so gefährliches Schöpfungsmodell. Letzteres nur, weil Ron Kubsch „gegenüber einigen Ansprüchen der Evolutionstheorie skeptisch“ bleibt und ich darauf bestehe, dass das Bekenntnis zum Schöpfer für alle christlichen Konfessionen unverzichtbar ist. Wer die Kreationismusdebatte kennt, weiß, dass beide Aussagen waschecht zum christlichen Glauben gehören. Vertreter einer theistischen Evolution, wie der katholische Experte Kardinal Schönborn, kommen freilich nicht besser weg. Dass man sich in einem Theologiestudium mit den Quellentexten von Evolutionsbiologen oder -philosophen und von Kreationisten auseinandersetzt, sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Den Buchautoren ist das suspekt.

Der Bibel wird unter der fachmännischen Unterstützung von den Herren Finkelstein, Langbein und Deschner Vernunft und Wahrheitsgehalt abgesprochen. Sie ist „das schönste Märchenbuch der Welt“. Dass alle drei Referenzen mit einer am Ideal der Objektivität ausgerichteten Wissenschaft „wenig am Hut haben“, wird den Lesern vorenthalten. Finkelstein ist ein zum Minimalismus neigender Archäologe, Langbein Autor des „Lexikons der biblischen Irrtümer“ und Deschner Herausgeber der „Kriminalgeschichte des Christentums“. Wer herausfinden will, ob „Apollo 11“ 1969 tatsächlich auf dem Mond gelandet ist, sollte nicht nur Verschwörungstheoretiker befragen. Die Expertenauswahl in Sachen Bibel zeigt, dass die Autoren eben auch zu dem Volk gehören, dem sie attestieren: absolute Unkenntnis in religiösen Fragen. „Colgate“ wird mit „Golgata“ verwechselt.

Menschen brauchen keine Religion, um ethisch verantwortlich handeln zu können. Als Gewährsmann für diese Überzeugung dient Michael Schmidt-Salomon und sein „Manifest des evolutionären Humanismus“. Schmidt-Salomon ersetzt die Zehn Gebote durch Angebote wie „fair zu anderen zu sein, nicht zu lügen und zu betrügen, offen für Kritik zu sein, die Dinge zu ergründen, bevor man sie verurteilt, das Leben zu genießen und es in den Dienst einer größeren Sache zu stellen, um die Erde zu einem lebenswerteren Ort zu machen“. Das klingt schon fast wieder religiös oder christlich. Setzen nicht auch solche Angebote etwas voraus, was über den Menschen hinausweist, also zum Beispiel den Glauben an Wahrheit oder Liebe? Überhaupt läge es nah, auch den Glauben anderer wenigstens andeutungsweise unter die Lupe zu nehmen. Glaube an einen allmächtigen Gott ist gerade noch tolerierbar, insofern dieser Glaube reines Privatvergnügen bleibt. Ein Gottesglaube, der über das Hobby hinausgeht, – so muss man Bonner und Weiss verstehen –, geht zu weit (S. 244 – 245). Anders ist es mit dem Glauben von Roger Willemsen. Der Journalist glaubt nicht an einen Sinn des Lebens, sondern daran, dass sich jeder selbst seinen Sinn setzen kann. Soweit so gut. Aber das Zitat geht weiter: „Das kann ein humanitärer sein, dass kann ein Aufklärungsgedanke sein“ (S. 244). Warum, frage ich mich, darf ein existenzialistischer Glaube aufklären und der Gesellschaft dabei helfen, humaner zu werden, der Glaube an Gott indes nicht?

Historische Errungenschaften des Christentums blenden die Autoren aus. Sie sägen damit den Ast ab, auf dem sie sitzen. Dass die Abschaffung der Sklaverei kein Produkt säkularer Aufklärung, sondern dem entschiedenen und unermüdlichen Engagement ernsthafter Christen zu verdanken ist, wird ebenso verschwiegen wie die Tatsache, dass die Idee der Menschenwürde gesellschaftlich ohne das Christentum keinen Eingang gefunden hätte. So ist z. B. die neutestamentliche Idee einer universalen Kirche von Juden und Heiden aller Völker in der ganzen antiken Welt ein Novum. So eine Idee steht einer Diskriminierung aufgrund von Rasse und Geschlecht grundsätzlich entgegen. So etwas liest man freilich nicht in Deschners Kriminalgeschichte, sondern z. B. im sogar von Kritikern hochgelobten Buch Toleranz und Gewalt des katholischen Theologen Arnold Angenendt. Angenendt kann trotz selbstkritischer Vorgehensweise trendige Vorwürfe gegen das Christentum entkräften. Derartige Forschungsarbeiten bedienen allerdings das Erkenntnisinteresse der Autoren weniger.

Es spricht Bände, dass meine eigene Position gekürzt zitiert wird. Für den Stil ihres Buches ist mein Standpunkt schlichtweg zu komplex. Mit differenzierten Botschaften lässt sich Geld schwer verdienen. Die „Generation Doof“ muss mit plakativen Parolen leben. Schade! Für ein friedliches und tolerantes Miteinander könnte es ein Vorteil sein, wenigstens zu versuchen, andersdenkende Menschen nuanciert wahrzunehmen. Die Autoren haben es versucht, sind jedoch auf halbem Weg stehen geblieben. Sie machen in weiten Teilen ihren persönlichen Vorurteilen Luft. Dabei ist die „Generation Doof“ gar nicht zu dumm, wie es die Autoren ihr unterstellen. Sie wird eher durch die Knebelung der Wahrheit „dumm gehalten“. Mögen die Leser gründlich lesen und sich dabei grob an Kant orientieren: „Habt den Mut, euch eures eigenen Verstandes zu bedienen! Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner medienstimulierten Unmündigkeit.“

Wir dürfen den Kopf schütteln über die Fehler und so manche erschütternde Eskapaden der Kirche. Über kirchliches Kanaanäisch und die hilflos wirkenden Anläufe vieler Christen, die um jeden Preis „hip“ und modern wirken wollen, sollten wir schmunzeln. Das Buch animiert dazu streckenweise auf amüsante Weise. Eins haben die Autoren allerdings übersehen: Christen glauben nicht an sich selbst, sondern an Christus. Sie setzen ihr Vertrauen nicht auf die Kirche, sondern auf Gott. Auch Christen bauen eine Menge „Scheiße“. Auf Gott ist trotzdem Verlass. Wie sagte Jesus einmal? „Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder“ (Mk 2,17). Wer zu seinem Unvermögen steht, auf Gott hört und ihm vertraut, wird das erfahren und dabei hoffentlich sehen, dass er beim Gang zur Kirche seinen Verstand nicht an der Garderobe abgeben muss. Gottes Liebe steht dem, der glaubt, offen. Sie befreit, wo sie Menschen verändert, zur Nächstenliebe und Toleranz. Warum gibt es die Flippers? Weil Gott viel Geduld mit uns hat!

Daniel Dangendorf

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Die Rezension gibt es hier als PDF-Datei mit Anmerkungen: RezensionHS.pdf.

Kommentare

  1. Roderich meint:

    Die Autoren machen ja einen sympathischen Eindruck.

    Habe das Buch letztens mal durchgeblaettert. Von der Argumentationsweise war ich nicht sehr begeistert. Das Buch will den Eindruck von „Ausgewogenheit“ erwecken. Jedoch werden fast nirgends die _Argumente_ der christlichen Seite ernsthaft aufgenommen und diskutiert – stattdessen wird ein „Experte“ der Gegenseite zitiert, vorzugsweise etwa der humanistischen Union.
    Beim Thema Evolution z.B. sagen Christen, es bestehen Lücken bei der Evolutionstheorie. Anstatt, dass die Autoren diesem Einwand inhaltlich nachgehen, also einige Gedankengänge von Wort und Wissen oder von der Intelligent Design Bewegung aufnehmen und widerlegen, wird sofort Herr Kutschera zitiert: „Das ist Unsinn“ (oder so ähnlich – habe das Buch gerade nicht vorliegen).

    Das wäre so, als würde man ein christliches Buch schreiben, man zitiert einen Atheisten, der sagt: „Religion ist gefährlich“. Anstatt auf diese These näher einzugehen, befragt man dann einfach den Leiter des Baptistenbundes, ob das stimmt. Seine Antwort: „Das ist ja völliger Quatsch. Religion ist nicht gefährlich“. „Ausserdem haben wir den Vorsitzenden der Evangelischen Allianz gefragt. Die Antwort: „So ein Quatsch. Religion ist nicht gefährlich“. Dazu haben wir noch den Rektor eines Bibelseminars gefragt, er sagt: „Das ist ja hahnebüchen. Ist alles schon widerlegt“. Also, nach unserer ausgewogenen Recherche kommen wir zum Schluss, Religion ist wahrscheinlich nicht gefährlich.

    Wenn ein Christ so ein Buch schreiben würde, müssten die Leser ja denken, das ist nicht wirklich seriös. Darf man sich also im Namen des Humors die Argumente sparen? Wenn ich recht sehe, erhebt das Buch gar nicht den Anspruch, inhaltlich zu argumentieren, sondern will Religion lächerlich machen. Das ist natürlich etwas billig – verkauft sich aber gut.

    (Man kann sich natürlich einfach ein paar Bibelstellen aus dem Alten Testament nehmen, sie aus dem Kontext greifen, und sagen: „So was kann doch heute keiner mehr glauben“. Das ist aber wie wenn man einen Maserati sieht, und man sieht darauf ein paar Kratzer, und fokussiert sich ganz auf die Kratzer und sagt: das ist kein schönes Auto. Anstatt dass man sich mit dem Motor, dem Fahrverhalten, der Geschwindigkeit, der Form, dem Komfort etc. auseinandersetzt. )

    Das Christentum hat die Welt ja nachhaltig zum Guten verändert (siehe das Buch von Alvin Schmidt: „Wie das Christentum die Welt veränderte“. Etwa wie durch das Kommen Jesu Christi die Idee der Barmherzigkeit in die Welt kam, oder wie unser Verständnis von Rechtsstaat, Gewaltenteilung, Menschenwürde, Wertschätzung des Lebens etc. durch Nachfolger Jesu entscheidend geprägt wurden etc – das sind Fakten, die ignoriert werden.

    Der Untertitel des Buches ist leider irreführend – „Wären wir ohne Religion wirklich besser dran?“, da er suggeriert, die Autoren wollten die Meinung mancher Atheisten („Wir sind ohne Religion besser dran“) hinterfragen, und würden Argumente bringen, warum wir eben nicht besser dran sind ohne Religion. (Korrekt müsste der Untertitel lauten: „Sind wir MIT Religion wirklich besser dran?“. Denn der überwältigende Schwerpunkt des Buches macht sich über Religion lächerlich, und die Grundrichtung ist deutlich gegen Religion).

    Es mag ja sein, dass die Autoren „offen“ sind und nach Wahrheit noch suchen – die eigentliche Mühe des Suchens haben sie aber noch vor sich. (Dazu gehört das intensive sich Beschäftigen mit den Quellen, mit den Fakten, und mit den Argumenten der Gegenseite).

  2. Gute Kritik, Roderich. Danke dafür!

  3. Wir Jesus-Folger denken da wahrscheinlich alle gleich darüber. Mit wem Gott einmal durch die Bibel gesprochen hat, den lässt er nicht mehr los. Und er lässt sich nicht davon abbringen, die seinen zu rufen. Erst recht nicht durch überflüssige Bücher wie dieses. Dazu passend die Losung von morgen: «Ich bin gekommen, die Sünder zu rufen und nicht die – eh schon – Gerechten.» (Mt 9,13, Einfügung zwischen Gedankenstrichen von mir). Hoffentlich nehmen viele Leser das provokante Buch zum Anlass, selbst kritisch in der Quelle nachzuforschen.

  4. Gedankensalat meint:

    Einfach nur eine kurzes Danke für solche Artikel wie „Heilige Scheiße“

    Hilft „den dicken Faden zu verlieren“ und mal wieder einen Blick für die Nuancen des Lebens zu finden.
    – Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner medienstimulierten Unmündigkeit.“ –

    Gefällt mir gut und regt an zum weiterdenken.

  5. Bei unserem seit 2010 allgegenwärtigen Thema „Missbrauch im Raume der (ev.) Kirche“ bahnen sich z.T. Gedanken, wie offensichtlich in dem Buch beschrieben, ihren Weg.

    Dies spiegelt auch die Austrittswelle aus den Kirchen wider.

    Dabei steht nach meinen Eindrücken heute aber der Widerspruch zwischen Glaubensgemeinschaft und Machtapparat besonders im Fokus.

    … „Christen glauben nicht an sich selbst, sondern an Christus. Sie setzen ihr Vertrauen nicht auf die Kirche, sondern auf Gott. Auch Christen bauen eine Menge „Scheiße“. “ …

    Ja, der Glaube an „etwas Höheres“ lässt alles Irdische wenn es drauf ankommt irrelevant erscheinen, doch sobald dies zu einem „Dauerablass“ stilisiert wird, wird es gefährlich, denn es ist nicht im Sinne der Gemeinschaft, sondern im Sinne des Egoismus in Brüderschaft mit dem virtuellen, aber von allen zu akzeptierenden verbündeten „Höheren“.

    Letztendlich geht es aber ja nicht darum, ob wir mit oder ohne Glauben besser dran wären, sondern darum wie wir miteinander in Würde umgehen. Ein würdevoller Umgang gibt unendlich viel Raum für ein friedliches Miteinander egal wievieler Glauben, auch jener, die sich Glauben nicht nennen!

  6. Lieber Herr Kohn,
    ich teile Ihre interessanten Gedanken zur Austrittswelle aus der Kirche und bin mir sehr wohl bewusst, dass ein so sensibles Thema wie die Missbrauchsskandäle auch nicht mit einem (in ihren Worten) „Dauerablass“ unter den Teppich gekehrt werden dürfen sondern gründlich und konsequent aufgearbeitet werden müssen. Als Autor der Rezension möchte ich jedoch darauf hinweisen, dass es bei dem Schlussstatement „Christen glauben nicht an sich selbst, sondern an Christus…“ nicht um eine Jenseitsvertröstung geht, die alles Irdische und alle irdischen Makel der Gläubigen als irrelevant abtut. Deswegen heißt es auch in Bezug auf Gottes Liebe wenige Sätze später: „Sie befreit, wo sie Menschen verändert, zur Nächstenliebe und Toleranz.“ Es gilt hier theologisch gesprochen, die richtige Balance zu wahren zwischen auf der einen Seite der Kirche als Gemeinschaft von Sündern, die nur aufgrund der Rechtfertigung Bestand hat (siehe Bonhoeffer, Gemeinsames Leben u.a. Luthers „simul iustus et peccator“), und auf der anderen Seite der mit der Rechtfertigung verbundenen Berufung zur Heiligung und damit zur tatsächlichen Veränderung der eigenen Lebensweise andererseits. Es kann und darf also nicht einfach auf die Ewigkeit vertröstet werden, denn letztlich tritt Gott ja in Christus gerade in die menschliche Wirklichkeit hinein, um sie zu erneuern und zu verändern.
    Ihrem Schlussplädoyer für mehr Toleranz und einen würdevollen Umgang miteinander stimme ich vollen Herzens zu, möchte aber betonen, dass die Glaubensfrage dabei nicht irrelevant ist und geschichtlich auch nicht irrelevant war. Dem christlichen Gottes- und Menschenbild ist es letztlich zu verdanken, dass viele Menschen auch unterschiedlichen Glaubens heute in Würde und Frieden miteinander leben können. Die Glaubensfrage ist entscheidend für die Definition von „Würde“ und hier hat gerade der christliche Glaube eine unheimlich große Chance aber auch eine große Verantwortung für die Gesellschaft und bedeutet nicht Vertröstung auf etwas Höheres.
    Ich hoffe, ich habe ihr Anliegen richtig verstanden!
    Herzliche Grüße,
    Daniel Dangendorf

  7. Roderich meint:

    … zu dem Thema „Respekt vor religiösen Gefühlen anderer“ sei noch folgendes erwähnt:

    Alexander Solschenitzyn gab vor einigen Jahren mal ein SPIEGEL Interview. Der SPIEGEL fragte spottend, wie er denn meine, dass Russland wieder aufgebaut werden könne, und ob er auf die Hilfe von guten Feen und Engeln vertrauen würde. Solschenitzyn antwortete (sinngemäß), SO lasse er nicht mit sich reden, und Rußland habe viele gute Feen und Engel nötig, gerade auch um das Land wieder aufzubauen. (Nicht, dass er an Feen glauben würde, aber Solschenitzyn meinte, dass das Heilige unbedingt notwendig sei, weil „das Heilige“ bzw. die Ehrfurcht davor auch die Kernmotivation für moralisches Verhalten sei).

    Das gilt auch für uns: gerade heute brauchen wir eine „Ehrfurcht vor dem Heiligen“ in unserer Gesellschaft, brauchen wir „das Heilige“ in unserer Gesellschaft.

    Das heißt, ein Verspotten von Heiligem ist keine kleine Sache.

    (Nichts gegen Humor. Gott hat Humor geschaffen, Gott hat selber auch Humor. Man darf als Christ auch über sich selbst lachen; der jüdische Humor ist ja bekannt und berühmt und erstreckt sich auch auf religiöse Aspekte. Jedoch ist es ein grosser Unterschied, ob man bewußt versucht, einen Kampf gegen das Heilige zu führen, und dabei den Spott bewusst als Kampfmittel einsetzt, oder ob man aus Selbstkritik oder einfach wirklich aus Freude am Humor über manche Aspekte lacht bzw. so ein Buch schreibt… Ich kann die Motive der Autoren nicht ganz einschätzen, vermutlich ist beides ein wenig dabei: ein kleiner Teil „positiver Humor“, und eine ganz gehörige Prise böswilliger Spott. Aber wie dem auch sei – Motive beurteilen ist so eine Sache, man kann sich auch irren, und es ist auch nicht unsere Aufgabe, sondern man muss sich an die Argumente bzw. an das halten, was der Text sagt. Günter Rohrmoser sagte immer, man solle dem Gegner immer die besten Motive unterstellen, und tat dies auch konsequent).

    Augustinus schrieb am Anfang seines Buches „Die Stadt Gottes“ bzw. „Der Gottesstaat“, dass die Barbaren, als sie Rom eroberten, alles brandschatzten, nur nicht die Kirchen, weil sie spürten, dass dort etwas „Heiliges“ sei; Heiden, die vorher über Kirchen und Christen gespottet hatten, suchten dann in diesen Kirchen Zuflucht vor den Barbaren.

    Was ist davon zu halten, wenn Leute heute GAR keinen Respekt mehr vor dem Heiligen haben, oder vor dem, was anderen heilig ist? Sind sie dann nicht gar _schlimmer_ als die Barbaren, die Rom in Schutt und Asche legen?
    Sind Christen, denen dies EGAL ist, wenn der Name Christi verunglimpft wird, nicht auch schlimmer als die Barbaren?

    Ist es dann vielleicht – wie Günter Rohrmoser sagte – nur noch unser momentan noch vorhandener wirtschaftlicher Wohlstand, der aber auf sehr dünnem Eis steht, der unsere Gesellschaft vor dem Übergang in die totale Barbarei schützt?
    (Das sagte Solschenitzyn auch in seiner Harvard-Ansprache von 1976 (A World Split Apart), als er darauf verwies, dass bei einem Stromausfall in den USA die Plünderungen begannen – dass also die Barbarei gar nicht mehr so fern sei, sondern – unter der Decke des Wohlstandes – im Denken der Menschen bereits vorhanden sei).

    Wenn Menschen heute über alles, was heilig ist, lachen, wie würden sich die gleichen Menschen dann in anderen Umständen verhalten, z.B. wenn hier keine Demokratie / Rechtsstaat mehr herrschen würden?
    (Lachen die gleichen Menschen dann nicht auch über Schwache, Kranke, Leute, die am Strassenrand liegen etc.?)

    Wie es in Psalm 22,4 heißt: Gott thront über dem Lobpreis der Heiligen etc. – Dort, wo Lobpreis geschieht (durch Wort, Lied und Leben), wohnt Gott.
    Andersherum muss man leider sagen: dort, wo Spott über Christus ist, kann Gott nicht wohnen. Das ist keine kleine Sache.

    Ganz unabhängig von diesem Buch: Wenn ein Einzelner bewusst über Gott spottet, darf er sich nicht wundern, wenn sich Gott zurückziehen MUSS – und das Feld dann frei wird für andere Mächte. Man darf sich dann nicht wundern, wenn man „unerwünschten Besuch“ von dämonischen Mächten erhält. (Das kann man als Gericht Gottes ansehen, oder einfach als Konsequenz aus dem eigenen Verhalten).

    Natürlich gibt es bewußte Satanisten, die sich dieser Tatsache sogar bestens bewußt sind, und sogar die Gegenwart von Dämonen WÜNSCHEN; das ist aber gewiß nur eine kleine Minderheit. (Daß Satanisten vom Satan getäuscht werden, muß man nicht extra erwähnen).

    Das gleiche gilt für eine ganze Gesellschaft. Wenn das Verständnis für das Heilige verloren geht und das Christentum verspottet wird, darf man sich nicht wundern, wenn immer mehr Menschen in Depressionen verfallen, dämonische Gebundenheiten, etc. die Folge sind.
    Und man darf sich dann nicht wundern, wenn unsere Freiheit – die ja indirekt ein Resultat des Christentums ist – auch auf politischem und wirtschaftlichem Gebiet bald wegfällt, und die Demokratie nicht mehr lange hält. Denn Demokratie lebt davon, dass einzelne gutes „Self Government“ haben und sich freiwillig an bestimmte Werte halten; davon, dass es funktionierende Familien gibt, dass Leute freiwillig ehrlich sind, dass Leute freiwillig hart arbeiten, etc.

    Psalm 1:

    Wohl dem, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen noch tritt auf den Weg der Sünder noch sitzt, wo die Spötter sitzen, sondern hat Lust am Gesetz des Herrn und sinnt über seinem Gesetz Tag und Nacht! Der ist wie ein Baum, gepflanzt an den Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit, und seine Blätter verwelken nicht. Und was er macht, das gerät wohl. Aber so sind die Gottlosen nicht, sondern wie Spreu, die der Wind verstreut. Darum bestehen die Gottlosen nicht im Gericht noch die Sünder in der Gemeinde der Gerechten. Denn der Herr kennt den Weg der Gerechten, aber der Gottlosen Weg vergeht.

    Das kann man auch sehr gut auf ein ganzes Land übertragen: wohl dem Land, wo die Menschen Gott loben, und das Wort Gottes ernstnehmen, und es zumindest nicht verspotten. Es ist „gepflanzt an den Wasserbächen“. Wenn ein Land Gott verspottet, wird es ihm nicht gut tun.

  8. Ich komme im obigen Buch ebenfalls auf mehreren Seiten vor und habe ähnliche Erfahrungen mit den Autoren gemacht. Ich wurde auch nicht von einer „Anne Weiss“ über Facebook nach einem Interview angefragt, sondern von einer „Ann-Kathrin Schwarz“. Das wundert schon, warum die Autorin ihren richtigen Namen (welcher ist es dann nun?) verschweigt.

    Die Zitate von mir sind alle richtig wieder gegeben. Nun war mir nicht klar, dass sie in diesem Zusammenhang stehen, bzw. für solche eine Argumentationskette ge- (miss-) braucht werden. Nach meiner Erinnerung hatte ich den beiden auch eher etwas Gegenteiliges auf den Weg gegeben: Nach meinem Gefühl ist Religion bei den Jugendlichen heute überhaupt nicht „out“, ganz im Gegenteil. Nun ja.

  9. Am meisten kann ich dem Kommentar von Ruderich beipflichten. Die Autoren gehen nicht auf die Grundfeste des christlichen Glaubens ein, auch wenn sie hinterher vielleicht – FÜR SICH SELBST – entscheiden würden, dass das alles nicht sein kann.

    Ich musste bei diesem Buch zwischendurch immer wieder längere (wochenweise) Lesepausen machen. Habe dann aber doch immer wieder mich gezwungen weiter zu lesen, da ich denke, ich kann ein Buch nur dann wirklich beurteilen, wenn ich es auch bis zum Ende gelesen habe. Hätte ich mir schenken können und hätte die investierte Zeit lieber für meine stille Zeit mit Gott benutzt.

    Nun, allen die sowieso nicht an Gott glauben, dafür eine Rechtfertigung suchen und vielleicht noch auf der Suche danach sind, welche Götzen (Geld, Freizeit, Spiel, Spass, Esotherik u.s.w.) nun für diese Personen am besten geeignet sind, sei dieses Buch sehr empfohlen. Ausserdem Glauben an unseren Herrn Jesus Christus wird hier alles sehr detailliertt beschrieben und ihr wisst schon vorher genau, auf welchen Götzendienst ihr Euch da einlasst.

    Die paar Verweise die es tatsächlich auf die Bibel gibt, sind ziemlich aus dem Zusammenhang gerissen. Die Bibel kann man nicht lesen wie ein Kochrezept, oben anfangen und wenn ich unten bin weiss ich alles über die Zubereitung der Speise.

    Auch der Begriff „Autoren“ für die Schreiber der biblischen Bücher stört mich erheblich. Hierbei handelt es sich – zumindest im neuen Testament – um Augenzeugen, die ohne Ghostwriter, Lektoren u.s.w. ausgekommen, weil sie einfach das niedergeschrieben haben was sie erlebt haben. Obwohl zugegeben, die Paulus Briefe wurden größtenteils nur von Paulus diktiert.

    Immer wieder, ganz besonders zum Schluss, wird die Frage gestellt, warum Gott das alles so zulässt. Welthunger, Artensterben …….! Keine Ahnung warum dass so ist. Das würde ja bedeuten, dass alle Christen Gottes vollkommenden Plan kennen. Nicht Gott zerstört diese Welt, dass sind wir Menschen, weil Gott uns nicht in unserer persönlichen Entscheidungsfreiheit einschränkt. Wir können uns für oder gegen ihn entscheiden, dass liegt bei uns.

    Ich stelle mir gerade mal vor, wie es wohl wäre, wenn alle Menschen sich dazu entscheiden würden, ihr Leben so zu führen, dass es Gott gefällt, dann hätten wir diese Probleme sicherlich nicht.

    Ich finde auch, dass der Unterschied zwischen Religion und Glaube nicht klar erklärt wird. Die meisten Nichtchristen – und leider auch viele Christen – glauben doch Hingabe zu Gott wird praktiziert, wenn sie jeden Sonntag 1 Stunde in die Kirche gehen und schauen mit tippelnden Füssen auf die Uhr, wenn die Stunde vorüber ist und der Gottesdienst noch immer andauertt.

    Das ist RELIGION!

    Sich aber jeden Tag Gott, gleich früh morgens, hinzugeben, den Kontakt zu anderen Christen suchen, Nichtchristen bei passender Gelegenheit (und ich meine wirklich wenn es passt) von Gott zu erzählen und jeden Schritt im Leben in Gottes Hände zu legen und auf seine weise Führung zu vertrauen, völlig unabhängig davon ob ich zu einer Kirche gehöre, das ist GLAUBE!

    Ich z.B. bin aus der kath. Kirche ausgetreten und gehöre nun zur Freien evangelischen Gemeinde.

    Damit will ich auf keinen Fall ausdrücken, dass es in den staatlichen geförderten Kirchen nicht auch wahre Christen gibt.

    Zu guter letzt finde ich es aber sehr positiv, dass Stefan und Anne es dem Leser überlassen doch an Gott zu glauben. Auf den letzten 5 Seiten habe ich immer darauf gewartet, dass dem Leser gesagt wird, er solle nicht an Gott glauben, dass haben sich die Autoren „Gott sei Dank“ verkniffen. Vielen Dank dafür liebe Anne und lieber Stefan.

  10. tantascha meint:

    Das Buch ist wohl eine gehörige, passende Backpfeife für ein kraftlos gewordenes Salz.
    Man sollte es so machen wie die ersten (wahrhaftigen) Christen: Sie wurden Christen genannt, weil sie dem Christus ganz genau ähnlich waren.
    Warum geht diese seichte „Christengesellschaft“ nicht auf solcherlei Angriffe ein und lässt sich zur längst fälligen Buße leiten?

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