Religionskritik

Der GlÀubige ist immer schon schuldig

Bei den Wiener Festwochen konnte man am Wochenende in Echtzeit verfolgen, wie der ideologische Relativismus ĂŒber den Gottesglauben zu Gericht sitzt – und am Ende zu dem von Anfang an postulierten Urteil kommt: der Gottesglaube ist gefĂ€hrlich! Besonders bedrĂŒckend fand ich den Vortrag von Michel Friedman (ab 1:24 im Videomitschnitt), der mit dem Gestus eines AufklĂ€rers demagogischen Unsinn verbreitete. Ich denke, er sollte selbst noch mal nachhören, was er da gesagt hat. Herr Friedman, lesen Sie mal Demokratie braucht Religion – gerade jetzt! (#ad) von Hartmut Rosa! 

Zum Beispiel im O-Ton: 

Ich bin Gott nicht dankbar. Und ich lasse mich dafĂŒr auch nicht bewerten. 
 Ich will mit meinen BĂŒchern keine Allgemeinwahrheiten verkĂŒnden und erst recht keine Macht haben. Religionen, Gottesreligionen und Menschenrechte und Demokratie sind nicht miteinander vereinbar. 

Diese Aussage bezeugt nicht nur einen Selbstwiderspruch, sie ist auch historisch untauglich. DIE TAGESPOST kommentiert zutreffend: 

Polemisch und mit unbelegten Unterstellungen durften dann Intellektuelle unterschiedlichen Formats undifferenziert ĂŒber die Religion an sich herziehen – besonders aggressiv der Chefredakteur von „Charlie Hebdo“, GĂ©rard Biard, der deutsche Talkmaster Michel Friedman und der Vorstandssprecher der Giordano-Bruno-Stiftung, Michael Schmidt-Salomon. Ihr Tenor: „Religion ist gefĂ€hrlich“ (Biard), „Glaube ist eine Waffe der Macht 
 und irrational“ (Friedman), „Wir sind mit einer Internationale der religiösen Fundamentalisten konfrontiert“ (Schmidt-Salomon). Gewiss, auch einige wenige kluge Christen kamen zu Wort, wurden skeptisch bis kopfschĂŒttelnd befragt. Der Grundduktus jedoch war: Die Errungenschaften der AufklĂ€rung, nĂ€mlich Freiheit und Menschenrechte, sind durch „eine Resakralisierung“ (Schmidt-Salomon) in Gefahr und mĂŒssen gegen die GlĂ€ubigen verteidigt werden.

Der Beitrag des Christentums zur Idee der MenschenwĂŒrde und damit zur Entwicklung der Menschenrechte blieb da natĂŒrlich gĂ€nzlich unter dem Radar. Beharrlich ausgeblendet blieb ebenso, dass die grĂ¶ĂŸten Massenmörder der Weltgeschichte – Mao, Stalin und Hitler – keine MĂ€nner der Religion, sondern ideologische Atheisten waren. All das passt wohl nicht ins Weltbild eines ideologischen Relativismus, der sich als unfĂ€hig erwies, zwischen den Religionen und ihren Menschenbildern zu differenzieren oder die blinden Flecken der glaubensfernen Ideologien ins Scheinwerferlicht zu rĂŒcken.

Mehr: www.die-tagespost.de.

„Christenfeindliche Straftaten in Deutschland stark gestiegen“

Anja Tang vom „Observatory on Intolerance and Discrimination against Christians in Europe“ (OIDAC) zufolge nehmen christenfeindliche Straftaten in Deutschland stark zu. Der christliche Glaube komme in den Medien ganz allgemein nicht gut weg. 

Zitat aus einem Interview mit Frau Tang: 

Ein Großteil der medialen Öffentlichkeit ist dem Christentum gegenĂŒber tendenziell negativ eingestellt oder zumindest verstĂ€ndnislos gegenĂŒber öffentlicher PrĂ€senz engagierter Christen. Hinzu kommt, dass einflussreiche Agitateure zunehmend christenfeindliche Haltungen verbreiten. Direkte Aufrufe zu Gewalt sind eher selten, aber auch hierfĂŒr gibt es Beispiele.

Im Februar wurde bei einer linken Demonstration in Hamm ein Schild mit dem Slogan „Die einzige Kirche, die erleuchtet sei, ist die, die brennt“ geschwenkt – also ein mehr oder weniger unverhohlener Aufruf, BrandanschlĂ€ge auf Kirchen zu verĂŒben. Es handelte sich um einen Protest gegen ein katholisches Krankenhaus, das aus GewissensgrĂŒnden Abtreibungen ablehnt. Solch ein Spruch ist angesichts der Rekordzahl an BrandanschlĂ€gen auf deutsche Kirchen nicht nur geschmacklos. Es muss nicht immer einen direkten Zusammenhang zu Gewalthandlungen geben, aber man sieht, dass eine christenfeindliche Rhetorik auch das gesellschaftliche Klima prĂ€gt.

Mehr (hinter einer Bezahlschranke): www.welt.de.

Die durchkritisierte Religion

Das Christentum ist in den vergangenen fĂŒnf Jahrhunderten einmal komplett durchkritisiert worden: von den Naturwissenschaften, der AufklĂ€rung und aus den eigenen Reihen. Ist die Kritik damit abgeschlossen oder bleibt noch etwas ĂŒbrig, das sich zu bemĂ€ngeln lohnte? Christian Röther hofft auf eine Erneuerung der Kirche durch Assimilation und kennt denjenigen, der es schaffen könnte.

Zeitgenössische Religionskritiker wiederholen meist nur, was schon andere vor ihnen formuliert haben. Kein Wunder: Was will man noch bemĂ€ngeln an einer Religion, die einmal komplett vom Kopf auf die FĂŒĂŸe kritisiert wurde? Die inzwischen Theologie betreibt mit der „historisch kritischen Methode“ und so ihre eigenen Fundamente schonungslos seziert.

NatĂŒrlich gibt es dennoch einiges zu kritisieren am Christentum. Aber vielleicht muss die Kritik erneut von innen kommen, um etwas zu bewirken? Wie damals bei Luther. Ein Mann schickt sich an, in der grĂ¶ĂŸten Kirche einiges auf den PrĂŒfstand zu stellen, was lange als gesetzt galt: den Zölibat, den Umgang mit HomosexualitĂ€t, die Rollen der Geschlechter. Sein Name, Sie ahnen es: Papst Franziskus.

Na dann!

Hier der DLF-Beitrag:

 

Atheisten aus Desinteresse

Der Soziologe und Journalist Uwe Bork sprach im DLF ĂŒber die gottesfernen Landschaften auch im Westen der Republik:

Zu den MĂ€rchen – oder etwas intellektueller formuliert: zu den Narrativen des deutschen Bewusstseins gehört es zwar, dass der Westen Deutschlands Teil der christlichen Kernlande dieser Welt war, wĂ€hrend im Osten jahrzehntelang die Heiden herrschten und statt die Dreifaltigkeit lieber das Dreigestirn Marx, Engels und Lenin anbeteten.

Dieses Bild ist jedoch falsch. Sicher, in der DDR gehörte der Atheismus trotz einer Blockflöte spielenden Ost-CDU gleichsam zum Tafelsilber einer im dialektischen Materialismus geschulten Elite. Aber auch im Westen ist das Bekenntnis zum christlichen Gott schon lange nicht mehr zwingend fĂŒr Seelenheil und Karriere.

Hier wie dort vielleicht blĂŒhende, doch gottesferne Landschaften. Nur, dass im Westen der schöne Schein des Christentums noch gerne aufrechterhalten wird und den Pastoren wenigstens zu Weihnachten ein volles Haus garantiert. Im Osten erfolgte der Bruch mit den Resten der christlichen Tradition hingegen offen und Rituale wie die Konfirmation fielen als Jugendweihe in staatliche HĂ€nde.

Borgs PlĂ€doyer fĂŒr einen öffentlichen Diskurs ĂŒber die WahrheitsansprĂŒche der Religionen kann ich nur unterstĂŒtzen. Leider haben sich die christlichen Kirchen auf den diakonischen Auftrag zurĂŒckgezogen und stellen sich kaum noch der Religionskritik. Fehlt ihnen der Glaube an die eigene Sendung?

Hier:


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Gewalt im Namen Gottes?

Hier noch kurz der Hinweis auf zwei apologetische Veranstaltungen:

  • Heute Abend spricht Dr. Christian Hofreiter (Direktor von Ravi Zacharias Ministries Deutschland) in der FEG MĂŒnchen-Mitte um 19.30 Uhr ĂŒber das Thema: „Gewalt im Namen Gottes. Intoleranz der Religionen“.
  • Morgen, am 21. MĂ€rz, gibt es von 10.00 bis 17.00 Uhr am MBS-Studienzentrum in Bielefeld eine Vorlesung zu dem Thema: „Die Strafe liegt auf ihm 
“: Das „stellvertretende SĂŒhneopfer“.

Zum Inhalt der Veranstaltung in Bielefeld:

„Keine Begriffe des theologischen Wortschatzes rund um das Kreuz haben mehr Kritik hervorgerufen, als ‚Genugtuung‘ und ‚Stellvertretung‘“, schrieb John Stott 1986 in seinem vielleicht wichtigsten Buch: Das Kreuz. Die SĂŒhnetat von Jesus Christus ist einerseits biblisch so vielfĂ€ltig und profund bezeugt, dass sie mit Recht zum Herz des christlichen Glaubens gezĂ€hlt wird, andererseits musste Josef Blank bereits 1986 feststellen: „Wahrscheinlich begegnet heute keine Lehre des Christentums grĂ¶ĂŸeren Schwierigkeiten als die traditionelle Lehre, daß uns Jesus Christus durch seinen stellvertretenden SĂŒhnetod am Kreuz von unseren SĂŒnden erlöst hat.“Dass Gott sich in der Person seines Sohnes stellvertretend fĂŒr die gefallene Menschheit hingibt und Tod und Fluch als Strafe fĂŒr die SĂŒnden der Menschen trug und sie so mit Gott dem Vater versöhnte, ist ein schon sehr frĂŒh beschriebenes VerstĂ€ndnis des Kreuzestodes. Der Rationalismus der AufklĂ€rung hat allerdings einen radikalen Bruch mit der Vorstellung eines stellvertretenden Opfers ausgelöst. Durch die „aufgeklĂ€rten“ Weichenstellungen haben sich in der Neuzeit humanisierende SĂŒhnetheologien durchgesetzt und das biblische SĂŒhneverstĂ€ndnis weitgehend an den Rand gedrĂ€ngt. Dieses Seminar zeichnet die Entwicklung nach und will dazu beitragen, die verschiedenen biblischen Deutungen fĂŒr das Geschehen auf Golgatha besser zu verstehen. Die Botschaft, dass Jesus Christus fĂŒr uns Menschen eine vollkommene SĂŒhne erwirkt hat, wird dabei hervorgehoben und durch exegetische Studien begrĂŒndet.

Ausserdem nochmals der Hinweis auf die Vorlesung mit Peter O’Brien, ebenfalls am 21. MĂ€rz in MĂŒnchen.

Sigmund Freud und die Religion

Will man heute Freud angemessen gedenken, so braucht es ein gehöriges Maß “Entmythologisierung”. Besondere Beachtung verdiene laut Bonelli, Leiter der Forschungsgruppe Neuropsychiatrie an der Sigmund Freud UniversitĂ€t Wien, Freuds VerhĂ€ltnis zur Religion sowie seine ausgeprĂ€gte WissenschaftsglĂ€ubigkeit. Die Nachrichtenagentur KATHPRESS hat mit ihm gesprochen und meldet:

“Freud hat Religion schlichtweg abgelehnt, sie gar als Pathologie behandelt.” Religion sei fĂŒr ihn immer “ein Reibebaum” gewesen: “Er hat sie abgelehnt, aber zugleich hat ihn Religion auch fasziniert”. Der Grund fĂŒr diese Ablehnung sei “schlichtweg der Zeitgeist” gewesen: Es entsprach der Stimmung des ausgehenden 19. Jahrhunderts, dass Technik alles und Religion nichts war. “Darwin hat die Entstehung des Menschen erklĂ€rt, alles schien technisch machbar.” Gefangen im geschlossenen System Freud sei ganz dieser Weltanschauung verfallen gewesen, so Bonelli. Das werde nicht zuletzt bei Freuds Skizze der menschlichen Psyche als “psychischer Apparat” deutlich. “Bei Freud gibt es keinerlei Freiheit”, bringt Bonelli das Problem auf den Punkt: “Der Mensch ist eine Maschine, alles hat seinen Grund im Ich, Es oder Über-Ich”. Hinzu komme, dass Freuds Thesen – entgegen seinem eigenen Beharren auf strenger Wissenschaftlichkeit – bis heute “weder beweisbar noch falsifizierbar sind”, so Bonelli, sondern “ein eigenes, in sich geschlossenes System” darstellen. Dieses System habe Freud so sehr gegen Kritik immunisieren wollen, dass er sogar einzelne FĂ€lle, die er selbst zur StĂŒtzung seiner Thesen heranzog, “gefaked” hat, so Bonelli. Damit jedoch sei klar, dass Freud nicht etwa nĂŒchterner Beobachter gewesen sei, sondern “seine Weltanschauung, vor allem seinen Materialismus, tief hineingesenkt hat in seine Theoriebildung”. Als Person sei Freud ein schwieriger Charakter gewesen, so der Psychiater Bonelli weiter – “wie man es oft bei narzistischen Persönlichkeiten feststellen kann”: So verbat der aus jĂŒdischer Familie stammende erklĂ€rte Atheist Freud etwa nach der Heirat mit seiner Frau Martha, einer glĂ€ubigen JĂŒdin, dieser jede Form der ReligionsausĂŒbung. Seinen Kindern gegenĂŒber sei Freud eher distanziert gewesen, wenngleich er sich fĂŒr sie und ihre Entwicklung aus wissenschaftlich-psychologischer Sicht interessiert zeigte. Seinen SchĂŒlern und Mitarbeitern sei Freud “mal großvĂ€terlich, mal wie ein Tyrann” erschienen, der keine anderen Meinungen neben seinen eigenen duldete, so Bonelli.

Hier ein DLF-GesprĂ€ch ĂŒber Freud mit Raphael Bonelli:

WĂ€re die Welt ohne Religion besser?

Tim Keller schreibt in Warum Gott? (P. 346):

Die Kommunisten in der Sowjetunion, China, Kambodscha und anderswo, aber auf ihre Art auch die Nazis in Deutschland waren entschlossen, die ReligionsausĂŒbung einzudĂ€mmen, um zu verhindern, dass sie die Gesellschaft spaltete oder die Macht des Staates gefĂ€hrdete. Das Ergebnis war regelmĂ€ĂŸig nicht mehr Friede und Harmonie, sondern mehr UnterdrĂŒckung. Die tragische Ironie dieser Situation hat Alister McGrath in seiner Geschichte des Atheismus so beschrieben: „Im 20. Jahrhundert finden wir eines der grĂ¶ĂŸten und traurigsten Paradoxe in der Geschichte der Menschheit: dass die grĂ¶ĂŸte Intoleranz und Gewalt dieses Jahrhunderts von denen praktiziert wurden, die glaubten, dass die Religion zu Intoleranz und Gewalt fĂŒhrt.“

Kirchen werden bestohlen und geschÀndet

In Deutschland wurden 19 christliche Kirchen im vergangenen Jahr geschÀndet. Aber Kirchenvertreter mahnen zurecht, dies nicht mit der harschen Verfolgung von Christen in anderen LÀndern zu vergleichen.

Ein Bericht ĂŒber „Hass-Verbrechen gegen religiöse Minderheiten“ des BĂŒros fĂŒr Demokratische Institutionen und Menschenrechte der OSZE in Warschau warnt vor zunehmender Intoleranz und sogar Gewalt gegenĂŒber Christen in Deutschland. Im Jahr 2012 hĂ€tten deutsche Behörden 414 christenfeindliche Straftaten gemeldet. Davon seien immerhin 18 gewalttĂ€tig gewesen. Zur Lage der Christen in den anderen LĂ€ndern kann der Bericht nichts aussagen, da nur Deutschland, Kanada, Schweden und Finnland der OSZE Material ĂŒber religiös motivierte Straftaten ĂŒbermittelten.

Unter den aus Deutschland gemeldeten Taten werden als Beispiele vier FĂ€lle von Friedhofs- und 19 FĂ€lle von KirchenschĂ€ndung angefĂŒhrt. Ein Übergriff richtete sich demnach gegen eine orthodoxe Kirche, dreimal wurden evangelische GotteshĂ€user angegriffen, in zehn FĂ€llen katholische Kirchen. In 16 weiteren FĂ€llen wurden christliche Kirchen und Einrichtungen bestohlen oder mit Graffiti-Slogans beschmiert. Hinzu kommen die Zerstörung einer christlichen Ikone und Vandalismus in mehreren FĂ€llen.

GĂŒnther Lachmann  und Matthias Kamann berichten in ihrem Beitrag fĂŒr DIE WELT auch ĂŒber den Kongress zur „Christenverfolgung heute“: www.welt.de (siehe auch diesen Bericht zum Kongress: www.idea.de).

An dieser Stelle zudem der Hinweis, dass das Jahrbuch zur Verfolgung und Diskriminierung von Christen heute (Bonn, VKW, 2013) erschienen ist. Es kann hier bestellt werden: www.genialebuecher.de.

Christenverfolgung2013

Hauptsache gut erzÀhlt

Wenn ich lese, was der Chefredakteur der evangelischen Zeitschrift chrismon schreibt, weckt das bei mir große Sympathien fĂŒr die Religionskritiker des 20. Jahrhunderts. Hans Albert hat beispielsweise den Hermeneutikern und Existentialisten unter den Theologen vorgeworfen, sie immunisierten sich gegen Kritik, indem sie fĂŒr den Glauben einen Raum jenseits von Wissenschaft, Metaphysik und Moral reklamierten. Das religiöse Terrain könne gar nicht mit der Skepsis kollidieren, weil es jenseits des Wirklichkeitsanspruches von Wissenschaft und Erkenntnistheorie stehe (vgl. z.B. Hans Albert, Kritik der reinen Hermeneutik).

In der neuesten Ausgabe von chrismon (06/2012, S. 22) lĂ€sst sich dieses Immunisierungsmanöver wieder wunderbar nachweisen. Der SchleiermacherschĂŒler Arnd Brummer bekommt dort von einem befreundeten und aufklĂ€rerischen Anwalt gesteckt, dass die neutestamentliche Pfingstgeschichte doch nur erfunden sei. Brummer kann dem nur zustimmen und bekennt, dass diese Geschichte genau deshalb wahr sei, weil sie jemand erfunden habe. „Lukas hat sich die Pfingstszene in der Apostelgeschichte ausgedacht und die Bethlehemgeschichte am Beginn seines Evangeliums ebenso. Beide sind historisch nicht belegt. Und dennoch sind sie wahr.“

So richtig kann das den Juristen nicht ĂŒberzeugen. Also legt Brummer nach und fĂŒhrt ein originelles Wahrheitskriterium ein: die emotionale Betroffenheit. „Ich kann glauben, was ich fĂŒr wahr halte. Und den Wahrheitsgehalt einer Geschichte erkenne ich an ihrer Wirkung, an dem, was sie mir vermittelt – daran, ob sie mich erreicht.“ Also keine kritischen Fragen stellen, Glaube ist Sache einer Offenbarung, Sache einer gefĂŒhligen Offenbarung:

Glaube ist eine Sache der Offenbarung. Wenn sich einem ­Menschen in einem Gedicht, in einer Sinfonie, in einem Bild oder in einer biblischen Geschichte etwas offenbart, was ihn bewegt, beeindruckt, rĂŒhrt oder ins Zweifeln stĂŒrzt, dann wird es nicht dadurch falsch, dass es weder „historisch“ noch „wissenschaftlich“ beweisbar oder belegbar ist. Ich habe Menschen im Kino weinen und lachen sehen. Warum? Ist doch alles nur „erfunden“? Ich konnte mich nicht satthören an den selbst erdachten Gutenachtgeschichten meiner Urgroßmutter und schlief meistens getröstet und zufrieden ein. Augenblicke von Wahrheit, von Überschreitung meiner alltĂ€glichen Wirklichkeit, die wahr sind, weil sie in mir lebendig werden.

Leute, Leute. Wie arm ist doch so eine „aufgeklĂ€rte“ Glaubenslehre. Die JĂŒnger haben anrĂŒhrende Geschichten erfunden, erzĂ€hlt und sind dann oftmals fĂŒr ihr „Storytelling“ gestorben. Da kann ich nur sagen: Mehr Religionskritik bitte! Und dem Agnostiker und Anwalt kann ich nur raten: Skeptisch bleiben! Nein: Noch skeptischer werden!

Wie bekennt der Autor des 2. Petrusbriefes?: „Denn nicht weil wir klug ausgedachten Mythen gefolgt sind, haben wir euch die Macht und das Kommen unseres Herrn Jesus Christus kundgetan, sondern weil wir Augenzeugen seines majestĂ€tischen Wesens geworden sind.“ Und der 1. Johannesbrief beginnt so:

Was von Anfang an war, was wir gehört haben, was wir mit unseren Augen gesehen haben, was wir geschaut und was unsere HĂ€nde berĂŒhrt haben, das Wort des Lebens — das Leben ist erschienen, und wir haben gesehen und bezeugen und verkĂŒndigen euch das ewige Leben, das beim Vater war und uns erschienen ist —, was wir nun gesehen und gehört haben, das verkĂŒndigen wir euch, damit auch ihr Gemeinschaft habt mit uns. Die Gemeinschaft mit uns aber ist Gemeinschaft mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus. Und dies schreiben wir, damit unsere Freude vollkommen sei.

Der gestorbene und auferstandene Christus ist nicht das Ergebnis einer spitzfinden VerkĂŒndigung, sondern das apostolische Zeugnis wird nur und erst durch das Christusgeschehen ermöglicht. Wir dĂŒrfen und sollen erzĂ€hlen, weil Gott in Jesus Christus gehandelt hat.

Hier der Beitrag aus der Zeitschrift chrismon: chrismon.evangelisch.de.

 

Michael Schmidt-Salomon hat recht

Die Basler Zeitung hat in einer vierteiligen Serie zum Thema Atheismus Michael Schmidt-Salomon interviewt. Der Philosoph spricht davon, dass die Vernunft ĂŒber den Glauben gestellt werden mĂŒsse (man stelle sich mal vor, ein fĂŒnfjĂ€hriges Kind wĂŒrde das so machen). Daraufhin gab es so viele Kommentare von Lesern, dass die Zeitung beschloss, AuszĂŒge aus der Diskussion ebenfalls zu veröffentlichen.

Das Medienmagazin pro schreibt:

Der 44-JĂ€hrige hofft, dass die Menschheit der „kollektiven Wahnidee“ der Religion absagt und sich endlich ausschließlich des Verstandes bedient. Die Evolution soll dabei helfen. Im Interview mit der Schweizer Zeitung stellt er indes klar: „FĂŒr den evolutionĂ€ren Humanismus gibt es keine ‚ewigen Wahrheiten‘, keine ‚heiligen Schriften‘ und selbstverstĂ€ndlich auch keine unfehlbaren Propheten, Priester oder Philosophen.“

Er sei sich „sicher, dass Moses, Jesus und Mohammed irgendwann im kollektiven Bewusstsein der Menschheit ebenso verblassen werden wie zuvor Atum, Thot, Horus, Isis, Amun, Zeus, Dionysos, Pan, Poseidon, Hera, Jupiter, Venus, Vesta, Teutates, Taranis, Odin oder Thor.“ Es sei nicht zu erwarten, dass die Menschheit in 20.000 Jahren „ausgerechnet an den abrahamitischen Religionen festhalten wird“.

Aber Achtung: Hier stimme ich Schmidt-Salomon (ausnahmsweise) herzlich zu:

Schmidt-Salomon kritisiert im Interview den „aufgeklĂ€rten Glauben“ als „logisch inkonsistent“. „Denn kann man sich redlicherweise noch als ‚Christ‚ bezeichnen, wenn man weder an die ‚Schöpfung‘ noch an die ‚Auferstehung von den Toten‚ glaubt? Meine Erfahrung ist: Viele aufgeklĂ€rte ‚christliche Theologen‘ sind in Wahrheit getarnte ‚sĂ€kulare Humanisten‘, die aus sozialen Konventionen heraus noch einen ‚religiösen Dialekt‘ sprechen, der einigermassen fromm klingt, es aber lĂ€ngst nicht mehr so meint.“

Mehr: www.pro-medienmagazin.de.

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