Rückblick auf die 3. Spurgeon-Konferenz

Viele Menschen glauben, das Johannesevangelium sei geschrieben worden, um zu zeigen, was Jesus alles für die Menschen getan habe. Das Hauptanliegen des Evangeliums ist allerdings ein anderes. „Es ist geschrieben worden, damit die Menschen glauben, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit sie durch den Glauben an ihn das Leben haben“, erklärte Andrew Page auf der diesjährigen Spurgeon-Konferenz, die vom 18. bis 21. Mai in München gemeinsam vom Martin Bucer Seminar und dem Netzwerk Evangelium21 veranstaltet wurde. Ich persönlich habe die Konferenz und die Gemeinschaft sehr genossen. Andrews Auslegung des Johannesevangeliums war sehr originell, erhellend und gewinnbringend.

E21 hat inzwischen eine Mitteilung zur Konferenz veröffentlicht. Stefan Beyer, Stammgast in München, hat bereits seinen persönlichen Rückblick publiziert. Es heißt dort:

Es ist ein Wunder des Wirkens des Heiligen Geistes, wenn er verlorenen, blinden Menschen die Augen öffnet. Das geschieht aber nicht unvermittelt, sondern immer durch das Wort Gottes. Die Bibel ist der Schauplatz, wo wir die Herrlichkeit Christi sehen können. Wenn wir das Evangelium anderen verkündigen oder selbst im Glauben wachsen wollen, dann müssen wir das Wort Gottes lesen und den Herrn bitten, die Augen unseres Herzens für die Herrlichkeit des Christus zu öffnen.

Darum lasse auch ich, nachdem ich von eurem Glauben an den Herrn Jesus und von eurer Liebe zu allen Heiligen gehört habe, nicht ab, für euch zu danken und in meinen Gebeten an euch zu gedenken, daß der Gott unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Herrlichkeit, euch den Geist der Weisheit und Offenbarung gebe in der Erkenntnis seiner selbst, erleuchtete Augen eures Verständnisses, damit ihr wißt, was die Hoffnung seiner Berufung und was der Reichtum der Herrlichkeit seines Erbes in den Heiligen ist. (Epheser 1:15-18)

Die Auslegung des Johannesevangeliums durch Andrew Page hat mir wieder neu geholfen, die Herrlichkeit des Sohnes Gottes zu sehen. Ich möchte noch mehr und noch tiefer erkennen, wie groß und wunderbar Jesus Christus ist. Genau dazu hat er mir sein Wort geschenkt und er lädt mich ein, ihn darin zu sehen.

Hier Stefans Rückblick: inara.tv.

2016 05 Spurgeon Konferenz AndrewPage KL

Andrew Page

2016 05 Spurgeon Konferenz MikeClark kl

Michael Clark

2016 03 Spurgeon Konferenz Teilnehmer kl

Teilnehmer der Spurgeon-Konferenz

Kommentare

  1. Schandor meint:

    „im Glauben wachsen“ — ?

    Man glaubt entweder, oder man tut es nicht. Wenn ich einen „starken Glauben“ brauche, dann ist die Quelle entweder unzuverlässig oder vertrauensunwürdig. Wie wäre es, sagte der Mann zu seiner Frau: Ich liebe dich! — und die Frau entgegnet innerlich: „Herr, mehre meinen Glauben!“. Was sagt das aus? Sie sagt sich innerlich: „Da brauch ich einen starken Glauben“!?

    Die Herrlichkeit Christi macht mir eher Sorgen als Freude, wenn ich die ungezählten Ermahnungen und prekären Stellen im NT betrachte, Dinge, um derentwillen der Apostel Paulus seine Anhänger „unter Tränen“ und „Tag und Nacht“ ermahnt — wie unsicher muss das Heil sein, wie prekär die Situation!

    Gibt es eigentlich eine Art Hierarchieschablone, die man an das NT anlegen kann, um zu sehen, welche Stelle in der Pyramide weiter oben steht? Ob zum Beispiel: „Wer an mich glaubt …“ + angeschlossener Verheißung stärker zu nehmen ist als Hebr 6,4ff, Hebr 10,26ff und all die Paränesen?

    Muss man an eine Art „fortschreitende Offenbarung“ glauben, bei der mehr zählt, was Paulus sagt als das, was Jesus zu Lebzeiten sagte? Der Dispensationalismus zum Beispiel hat diese Problematik elegant gelöst: Er hat „Heilszeiten“ in die Bibel hineingedichtet, um die Widersprüchlichkeit zu versöhnen. Plötzlich gilt uns nicht mehr, was Jesus in der Bergrede sagt. Elegant, aber völlig unglaubwürdig.

    Werden die Menschen nun nach ihren Werken gerichtet (Römer 6) oder nach ihrem Glauben? Was soll man glauben?

  2. Tim-Christian meint:

    @Schandor

    Zwei – vielleicht hilfreiche – Zitate:

    Zu 1:

    Es gibt Leute, die sagen, „wenn unser Glaube gut sei, so könne er eben nicht besser werden; denn er sei doch nur dann Glaube, wenn er sich unerschüttert, fest und unabbringbar auf Gottes Barmherzigkeit stütze. Wer so redet, der hätte besser daran getan, mit den Aposteln darum zu beten, der Herr möge ihm den Glauben mehren (Lk 17,5), als unbekümmert eine solche Vollkommenheit des Glaubens zu behaupten, wie sie nie einer von den Menschenkindern erreicht hat und auch niemand in diesem Leben erreichen wird. Sie sollen mir doch sagen, was für einen Glauben denn nach ihrer Meinung jener Mann gehabt hat, der da sprach: „Ich glaube, lieber Herr, hilf meinem Unglauben“ (Mk 9,24). Denn obwohl der Glaube dieses Mannes noch gar in den Anfängen steckte, so war er doch gut und konnte durch Behebung des Unglaubens besser werden. Aber zur Widerlegung dieser Leute gibt es keinen besseren Beweis als ihr eigenes Gewissen; denn wenn sie bekennen, dass sie Sünder sind – und das können sie doch nicht leugnen, ob sie nun wollen oder nicht -, so müssen sie eben diese Tatsache unumgänglich der Unvollkommenheit ihres Glaubens zuschreiben! (…) Ich möchte sie nun aber meinerseits fragen, ob sie es denn nicht merken, dass ein großer Teil ihres Herzens noch leer ist an Glauben, und ob sie denn nicht erkennen, dass der Glaube täglich aufs neue wächst.“

    Calvin, Inst. IV,14,7.8

    Zu 2:

    „Das Endgericht nach den Werken aufgrund des (in der Tora) offenbarten Willens Gottes wird nach Röm 2,16 von Christus durchgeführt werden. Es bleibt auch den Christen nicht erspart. Wie der Apostel in 1 Kor 3,10-15 ausführt, müssen auch sie bis hinauf zu den Aposteln am ‚Tage des Herrn‘ (1 Thess 5,2; 1 Kor 5,5; 2 Kor 1,14, Phil 1,6.10; 2,16) vor dem Kyrios erscheinen, und dann wird das Feuergericht (vgl. Jes 66,15-16; Mal 3,19; 2 Thess 1,8) erweisen, ob ihr Lebenswerk vor Gott tauglich oder untauglich war (vgl. auch 2 Kor 5,10); to ergon meint vom Kontext her die Summe aller Werke. Jeder einzelne Glaubende wird also im Gericht unvertretbar er selbst sein müssen. Hält sein Werk der Feuerprobe stand, darf er Lohn erwarten, hält es nicht stand, muss er mit Strafe rechnen, wird aber dennoch gerettet werden, ‚jedoch so wie durch Feuer hindurch‘ (1 Kor 3,15); vgl. Am 4,11 und Sach 3,2). Die Person des einzelnen Menschen gilt nach Paulus vor Gott mehr als ihr taugliches oder untaugliches Werk, und die Rechtfertigung der Gottlosen allein aus Glauben um Christi willen erfolgt nicht aufgrund von, wohl aber angesichts der Werke.“

    Peter Stuhlmacher, Biblische Theologie des NT, S. 337

  3. Schandor meint:

    einfach schrecklich.
    Und ich habe jahrzehntelang an ein „Evangelium“ geglaubt, das keines ist.

    Angenommen, Du sagst Deiner Frau heute Abend: „Um Dir zu vertrauen, brauche ich großen Glauben.“ Wäre das ein Kompliment?

    Aber im Hinblick auf Gott müssen wir so denken, oder was? Hier wollen wir im Glauben wachsen? Nein, mein Lieber, das ist uneigentliche Rede.
    Im Glauben kann man nicht „wachsen“, denn wenn man mit 0,005 Millipaulus beginnt, kommt man nicht irgendwann bei 1 an. Das ist Quatsch. Oder eben uneigentliche Rede. Nur was will man dann sagen?
    Ach der gute Calvin! Er meinte nicht den Glauben, sondern die Heiligung. Oder sonst was.

  4. Wir sollten zwischen seligmachendem Glauben und „Glauben“ unterscheiden. Der rettende Glaube ist nichts anderes als das vom Geist gewirkte Vertrauen in das Evangelium. Es gibt aber auch einen Glauben, der wächst. Das lässt sich daran zeigen, dass ja die Erkenntnis zum christlichen Glauben hinzugehört. Wachstum in der wahren Erkenntnis fördert auch den Glauben (vgl. z.B. Kol 1,10 o. 2Petrs 3,18).

    Liebe Grüße, Ron

  5. Tim-Christian meint:

    Verstehe das Problem nicht. Man kann doch sowohl in der Erkenntnis, als auch im Vertrauen auf Gott und das Evangelium wachsen. In gewisser Weise scheint der Glaube ja quantifizierbar zu sein, schließlich kann ein jeder nur so glauben, „wie Gott das Maß des Glaubens ausgeteilt hat“ (Röm 12,3). Auch Jesus geht ja in seinem Senfkorn-Gleichnis quasi von verschiedenen Glaubensgraden aus. Nicht zuletzt hat auch die reformatorische Theologie immer daran festgehalten, dass Gott durch den rechten Gebrauch von Wort und Sakrament unseren Glauben stärken will.

    Und um Schandors Bild aufzugreifen: Natürlich kann ein Ehemann nach 30 Jahren Ehe zu seiner Frau sagen: „Schatz, ich habe dir eigentlich immer vertraut, auch wenn es mir nicht immer leicht gefallen ist. Aber jetzt, nach all den Höhen und Tiefen die wir in den letzten 30 Jahren gemeinsam gemeistert haben, vertraue ich dir umso mehr.“

    (Freilich, die Rechtfertigung hängt nicht am Glaubensgrad. Der kleingläubige Zweifler und der bewährte Heilige, der mit seinem Glauben Berge versetzen kann, sind vor Gott gleich gerecht, weil beide in Christus.)

  6. Gast2 meint:

    @Schandor

    „Ach der gute Calvin! Er meinte nicht den Glauben, sondern die Heiligung. Oder sonst was.“

    Tja, was meinte er denn nun? Glaube, Werk, Heiligung? Diese Begriffe stehen ja in der Theologie scharf getrennt nebeneinander. Es soll aber Leute geben, die behaupten, dass es da keine scharfe Trennung gäbe, dass es etwas Verbindendes gäbe, dass es eigentlich gar keinen großen Unterschied gäbe. Ich weiß nicht mehr, wer das war.

    Meine Pfarrerin erzählt jedenfalls viel von Vielfalt, Toleranz und – gaaanz wichtig – Liebe. Mit Letzterem ist es dann auch mit der Ehefrau kein Problem: Einfach (!) nur (!) lieben (!) (es sei denn, sie wählt AfD, ist homophob, fremdenfeindlich, islamfeindlich … – und damit wissen Sie dann auch, was Sie glauben sollen).

    Das liebevolle (sexuelle) Miteinander der Menschen ist heute wichtig, denn es wird für das ewige Seelenheil gehalten. Manche empfinden das als kurzsichtig, gar blind – meine (alleinerziehende) Pfarrerin z.B. würde diesen gerne ihre Liebe bringen, um diesen endlich die Augen zu öffnen.

  7. Schandor meint:

    @Gast

    Gut gesagt, ja! Der schwammige Begriff des Glaubens ist dem schwammigen Begriff der Liebe sehr ähnlich: Jeder kann diese Begriffe nach Belieben füllen.

    @Tim-Christian

    Noch „mehr“ Vertrauen?
    Beispiel: Österreichs Straßen sind sicher. Dank neuer Geschwindigkeitskontrollen sind sie noch sicherer. Noch sicherer könnten sie werden, wenn …
    Na, merkt er was? Sicher ist nicht steigerbar, und einen Komparativ zum Glauben gibt es auch nicht. Entweder sind die Straßen sicher, oder sie sind es nicht.
    Du hast allerdings in der Hinsicht recht, dass Johannes (d. T.) anfangs auch glaubte, dann aber zweifelte. Im einen Fall hatte er Glauben, im anderen hatte er ihn verloren. Aber von „Stufen“ zu reden, ist kompletter Quatsch. Entweder ich glaube, oder ich glaube nicht. Die meisten Christen glauben, bis sie vor ernsthafte Schwierigkeiten gestellt werden. Dann ist’s oft aus mit dem Glauben. Was zählt, ist der INHALT des Glaubens, jene Frage also, die ich seit Jahren stelle und die jeder anders beantwortet, weil keiner das weiß.

    Deshalb bleibt die Sache ja auch so spannend, und deshalb ist Heilsgewissheit auch so dünn, so unglaublich verlierbar ––– und vielleicht sogar unendlich schädlich, wenn man etwa Arthur Pink (sorry, dass ich den wieder mal anführe) glauben darf.
    Bei Pink ist der Glaube alles andere als das, was die meisten Christen darunter verstehen.
    Aber Glaube ist das mentale Fürwahrhalten einer Sache und nichts darüber hinaus.
    Vertrauen ist schon mehr, keine Frage!
    Was aber verlangt die Bibel? Was? In meiner steht „Glaube“ –– aber das ist sicher irreführend. Glaube & Vertrauen ist eine mentale, mithin psychische Disposition. Nichts sonst, gar nichts. Und das wissen wir ganz genau.
    Nur folgt diesem Glauben auch die Tat! Denn wer glaubt, dass es regnet, der nimmt einen Schirm mit, und wer keinen mit hat, der soll nicht behaupten, er habe an Regen geglaubt ––– das glaubt ihm nämlich dann keiner.

  8. Gast2 meint:

    @schandor

    „Glaube & Vertrauen ist eine mentale, mithin psychische Disposition.“

    Würde ich so als Paradigma nicht unterschreiben. Das klingt mir nach zu viel Ratio, die eben der Glaube oftmals nicht ist. Wenn die Exousia auf Sie trifft, dann können Sie Ihre psychische Disposition in die Tonne kloppen – so wie bei den nichtsahnenden Fischern Simon und Andreas. Ich begreife Glaube eher als eine Art Habitus – und der kann wachsen. Innerlich wie äußerlich, nämlich dann wenn das Böse immer weniger Raum, das Gute immer mehr Raum im Herzen gewinnt. Dann interessiert die akademische Unterscheidung von Glaube und Werk nicht mehr wirklich.

  9. Tim-Christian meint:

    @Schandor

    Ich würde dieses Entweder-oder auch nicht mitmachen. Mit Calvin würde ich sagen, dass auch im Glaubenden ein Rest Unglaube und Zweifel verbleibt. Der Glaube muss wachsen, der Unglaube abnehmen, gleichsam verdrängt werden. Ins Paulinische gewendet, könnte man auch von einem Widerstreit zw. Geist und Fleisch reden. Der Geist wirkt in mir den Glauben, das stolze Fleisch begehrt dagegen auf und zweifelt an Gottes Verheißungen, an seiner Erwählung, seiner Existenz etc. Deshalb unterscheidet die Schrift ja auch zw. Zweifel und Unglaube – eine Unterscheidung, die in deinem Paradigma keinen Sinn ergeben würde. Es gibt eben auch den angefochtenen Glauben, der sich seiner selbst nicht gewiss ist. Luther: „Denn es kommt, ja es gehet also zu mit dem Glauben, dass oft der, so meinet, er glaube, nichts überall glaube und wiederum, der da meinet, er glaube nichts, sondern verzweifle, am allermeisten glaubt.“

  10. Tim-Christian meint:

    PS.

    Ich sehe gerade, dass ich mich missverständlich ausgedrückt habe, indem ich das Wort ‚Unglaube‘ auf zwei unterschiedliche Weisen gebraucht habe. Im zweiten Satz meine ich einen partiellen Unglauben, der auch im Glaubenden bleibt (zweifelnde Christen). Weiter unten meine ich den totalen Unglauben, der jeglichen Pistis-Glauben ausschließt (Atheisten, Anhänger anderer Religionen).

  11. Peter Geerds meint:

    Πιστεύω· βοήθει μου τῇ ἀπιστίᾳ.
    Ich glaube, hilf meinem Unglaube.
    Sowohl „glaube“ als auch „Unglaube“ haben die gleiche sprachliche Wurzel. Daher gehe ich davon aus, dass es durchaus biblisch ist, von einem wachsenden, sich vertiefenden Glauben zu sprechen – das beinhaltet auch die gegenteilige Entwicklung.

  12. Schandor meint:

    Nein.

    Entweder ist Glaube da, oder er ist es nicht.
    Außerdem hat der Mann zwar gesagt: hilf meinem Unglauben ––– aber genau das kann er NICHT gemeint haben. Er meinte: Hilf meinem Unglauben AB.

  13. Peter Geerds meint:

    Nein. 🙂

    Entweder ist Glaube da, oder er ist es nicht.

    Vergleiche mit Mt 17:20: ολιγοπιστιαν – wörtlich: wenig-Glaube.
    Der Mann hat nicht gesagt, hilf meinen Unglauben ab. Das griechische Wort, das dort steht, bedeutet einfach nur helfen bzw. zu Hilfe kommen. Du interpretierst zu viel hinein und machst es unnötig kompliziert.

  14. Schandor meint:

    Nun, ich glaube nicht. Die deutsche Übersetzung „Hilf meinem Unglauben“ ist – wortwörtlich genommen – schlicht Unsinn. Dann würde der Mann ja beten: Vermehre meinen Unglauben!
    Sorry, aber für mich ist Sprache mehr als nur ein unbeholfenes Mittel zur Übertragung von Gedanken.
    Und kleingläubig – was will das denn anderes sagen als einen Tadel für mangelnden Glauben?
    Lassen wir den schwammigen Begriff des Glaubens weg und wechseln wir zum griffigeren des Vertrauens: Ja, hier kann man von einem Mehr oder Weniger zurecht sprechen.
    Denn glauben heißt „der festen Meinung/Überzeugung sein, dass …“.
    Ich glaube ein bisschen an Gott – da siehst du sofort, wie unsinnig eine solche Formulierung ist. Entweder du glaubst an ihn, oder du tust es nicht.
    Der Mann hat nicht gesagt, hilf meinem Unglauben ab. Ja, da hast du recht. Aber genau das hat er gemeint. Das ist offensichtlich. Mann kann es nicht nicht sehen.

  15. Gast2 meint:

    @Schandor

    Ich kenne einen akademischen Lehrer, der im Austausch der Begriffe Glaube/Vertrauen die Lösung sah. Aber das ist doch keine wirkliche Lösung.

    All‘ Ihre Rede gegen das Wort Glaube kann auch auf den Begriff Vertrauen übertragen werden. Man vertraut oder man vertraut nicht. Wenn eine Ehefrau ihrem Ehemann seit 20 Jahre vertraut, dieses Vertrauen sogar als gewachsen bezeichnet wird, dann ist dieses Vertrauen weg, wenn sie zufällig eine schlüpfrige SMS auf dem Handy ihres Mannes entdeckt. Wenn die Ehefrau dann z.B. erkennt, dass das gar nichts mit ihrem Ehemann zu tun hat, dann ist das Vertrauen wieder da. Was ich damit sagen will: Der Mensch ist nichts Statisches. Das wechselt bisweilen „fröhlich“- gleichwohl gibt es bei aller Wechselhaftigkeit die Möglichkeit zur Entwicklung hin zu einem Mehr (oder anders ausgedrückt: zu einem Weniger an Wechselhaftigkeit). In der aktuellen Schau wird diese Entwicklung leicht übersehen, rückblickend (oder von außen) ist diese Entwicklung besser zu betrachten.

    Der o.g. Lehrer ist ein sog. Liberaler. Sinn und Zweck des Glaubens/Vertrauens sei ein Mensch-Werden. Nur das. Und frei von moralischen Keulen. Da es kein Jenseits gäbe, kommt es allein auf ein gutes Miteinander der Menschen an. Mittels Nächstenliebe. Da von Vertrauen zu reden sei menschlich anschlußfähiger als vom Glauben an eine nicht wirklich existierende metaphysische Figur.

    Lieber Schandor, ich erwähne diese Lehrer-Geschichte, weil sie zeigt, welcher anti-theologischer Unterbau bei der Verwendung von Begrifflichkeiten zutrage kommen kann. Ich leugne nicht, dass es eine sprachliche Nähe der beiden Begriffe gibt, aber es kommt hier nicht wirklich auf den Begriff an, sondern was systematisch gemeint ist.

    Besten Gruß!

  16. Schandor meint:

    @Gast2

    Das stimmt mich nachdenklich, in der Tat. Der Begriff ist offenbar recht dynamisch; wir fischen damit ins Trübe, und erst im Trüben (das wohlweislich im Trüben für das Trübe nicht trübe ist!) wird manifest, was je und je damit gemeint war.
    Dadurch entsteht das Problem, dass wir nie sicher sagen/wissen können, was mit Glaube eigentlich gemeint ist. Damit werden meine Befürchtungen von anderer Seite bestätigt. Aber gut, so ist das eben.

  17. Wenn ich mich lediglich auf ein „Entweder – oder“ zurückziehe, kann ich Folgendes nicht fassen:
    2. Thess. 1, 3:
    Wir sind Gott allezeit zur Danksagung für euch, liebe Brüder, verpflichtet; das ist recht und billig, weil euer Glaube überaus kräftig wächst und die brüderliche Liebe bei jedem einzelnen von euch allen zunimmt,
    (ähnlich 2. Kor. 10, 15)
    Es ist offensichtlich, dass hier keine Ungläubigen, die erst Glauben bekommen müssen, gemeint sein können.
    Trotzdem ist von Wachstum die Rede.

    Also ich neige einer Unterscheidung zwischen Qualität und Quantität zu. Letzteres kann den Umfang (basierend auf zunehmender Erkenntnis oder eben Überzeugung) und somit auch die Intensität (schwach oder stark bspw.) betreffen.
    Fasse ich „Glauben“ als qualitative Beschreibung im Sinne eines „Seins“, dann würde ich Schandor unbesehen zustimmen. Entweder „bin ich“ oder nicht. Es gibt kein Dazwischen.
    Im Rahmen eines „bin ich“ gibt es aber Abstufungen (sage ich mal, ohne wertend sein zu wollen).
    Bsp.: Es ist ein Unterschied, ob ich glaube, dass der Herr mächtig wirkt, wenn ER anwesend ist – oder ob ich glaube, dass der Herr aufgrund seiner Befugnis (Erkenntnis in dem Bereich vorausgesetzt) auch „lediglich“ durch sein Wort handeln kann.
    Illustration: der Hauptmann von Kapernaum (Matth. 8).
    Meiner Ansicht nach ist dieses Wachstum entscheidend an Erkenntnis gekoppelt. Je mehr ich über den Herrschaftsbereich meines Herrn weiß, je mehr ich über seine Zusicherungen an Gottes Volk weiß, desto weitreichender wird das Vertrauen oder eben das „Fürwahrhalten“. Das Ganze wird durch Erfahrungen untermauert. Gut, die muss man eigentlich nicht selber handgreiflich zuvor machen, weil Sein Wort auch hier ausreichend Belege bietet.
    Dann könnte man zweifelnde Gedanken runterbrechen auf ein selbstkritisches: Hältst du nun Gottes Wort für das Wort eines Gottes, der nicht lügen kann – oder nicht?
    So wie man nicht von jetzt auf gleich den gesamten Gehalt der Bibel erfasst – so gibt es ein Wachstum, ein Fortschreiten mit handelnder Konsequenz.

  18. Gast2 meint:

    @Schandor

    Nur eine kurze Rückmeldung zu „dass wir nie sicher sagen/wissen können“:

    Doch, wir können in vielen Dingen sagen und wissen, was mit Glaube eigentlich gemeint ist. Wir haben die Schrift.

    P.S. Was sind Ihre Befürchtungen von anderer Seite?

  19. Schandor meint:

    @Gast2

    Eben die genannte. Was ist der Inhalt des Glaubens? Oder anders formuliert: Was muss man glauben, dass man errettet wird? Genauer: Enthält der Glaube ein Tun? Und wenn ja, weshalb gibt es dann einen Widerstreit zwischen Glaube und Werk? Und wenn nein, worin habe ich dann Unrecht, wenn ich behauptet habe, der Glaube sei eine Sache der Gedanken? Was ist Inhalt des Glaubens, oder anders: was macht ihn aus? Was ereignet sich im Menschen, der glaubt zu seinem Heil? Was ist das? Ich habe das noch nie verstanden.

  20. Das Buch von Adolf Schlatter „Der Glaube im Neuen Testament“ mit einer Einführung von Peter Stuhlmacher Calwer Verlag kann ich nur weiter empfehlen!!!
    Gruß Lutz

  21. Gast2 meint:

    @Schandor

    Der Glaube enthält ein Tun oder das Tun enthält Glaube, wenn es von Herzen, genauer gesagt: aus den guten Anteilen des Herzens kommt. Und aus dem Herzen kommen nicht nur Gedanken. Das mag für unser naturwissenschaftlich aufgeklärtes Hirn schwer zu verstehen sein und wir sind deshalb geneigt, alles irgendeiner Hirnfunktion unterzuordnen. Aber das wäre viel zu kurz gedacht. Wir sind nicht nur unseren oder anderer Menschen Gedanken ausgeliefert, sondern es gibt noch größere Mächte und Gewalten, die nichts anderes im Sinn haben, als Glauben und Werke zu zerstören. Das Heil oder die Heiligung oder die Freiheit des Christenmenschen besteht nun darin, von den eigenen und der anderen bösen Gedanken und den Mächten und Gewalten frei zu werden.

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