Studenten kommen heute oft ohne ausreichende Lesetechniken an die Universität und scheitern bereits am nötigen Lektürepensum. Zwei Leseforscher der Universität Bern wissen, wie es besser geht. Sie wissen auch, was erfolgreiche Leser anders machen.
Zwei Zitate aus einem Interview mit Thomas Nehrlich und Oliver Ulbrich:
Thomas Nehrlich: Dabei nehmen wir Informationen weniger genau und weniger nachhaltig auf, wenn wir eine PDF-Datei durchscrollen, als wenn wir einen Text auf Papier beziehungsweise im Buch lesen. Einen Text wissenschaftlich, im Studium, zu lesen, bedeutet eigentlich, ihn kritisch zu analysieren, indem wir bestimmte Stellen unterstreichen, in verschiedenen Farben hervorheben, Anmerkungen hinzufügen, Auszüge aufschreiben. Das sind ganz praktische Fertigkeiten, die wir erlernen können: das Handwerk des Lesens.
Oliver Lubrich: Diese Tendenz beobachten wir auch. Texte werden kürzer, und sie werden immer mehr zu Bildergeschichten oder zu Kurzfilmen. Dabei sind wir – auch in den sozialen Medien – von immer mehr Texten umgeben. Es ist bisweilen schwer, nicht in Kulturpessimismus zu verfallen. Aber es setzt auch eine Gegenbewegung ein: zurück zur Lektüre als Erfahrung der Entschleunigung, der Achtsamkeit, der neuen Aufmerksamkeit. Die Schallplatte hat ja auch ein Comeback, Vinyl ist cool. Das könnte auch für das Buch gelten. Meine Studierenden haben mir den Modebegriff des „performative male reader“ beigebracht: Junge Männer zeigen sich mit Büchern, um gut anzukommen.
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Die Frage nach dem „nötigen Lesepensum“ erübrigt sich, wenn Absolventen in textlastigen Berufen inzwischen durch Sprachmodell-Textgeneratoren ersetzt werden (soll ja selbst bei der EAD schon vorgekommen sein).
Das sieht man ja auch an genau solchen Interviews, wie sie ebenfalls aus dem Textgenerator stammen könnten. Das passende Gesellschaftsspiel dazu lautet übrigens „Rate den Prompt“.