Mit der Bekehrung des Herzens begann bei Augustinus auch die Bekehrung des Denkens. Die ersten Schriften sind von den Auseinandersetzungen mit dem ManichĂ€ismus geprĂ€gt und deutlich platonisch. Nach und nach wĂ€chst der Einfluss der biblischen Schriften und es gelingt Augustinus, das VerhĂ€ltnis von Erfahrung, Vernunft und Glauben auf höchstem NiÂveau zu durchdenken und zu systematisieren.
Sehr bewegend ist die Schrift Ăber den Nutzen des Glaubens, die er â entÂweder 391 o. 392 verfasst â, an seinen ehemaligen Studienkollegen HonoraÂtus schrieb. Augustinus hatte Honoratus wĂ€hrend seiner Studienzeit fĂŒr den ManichĂ€ismus gewonnen. Inzwischen Christ, hörte er davon, dass Honoratus öffentlich gegen das Christentum polemisierte. So verÂsuchte er mit dieser Schrift seinen Freund davon zu ĂŒberzeugen, dass das Christentum die Wahrheit ist. Sein Werk Der Gottesstaat gilt als das MeisÂterstĂŒck der altkirchlichen Apologetik und gehört zu den bedeutendsten BĂŒchern fĂŒr die abendlĂ€ndische Kultur ĂŒberhaupt. Gegen Ende seines Lebens verfasste er die Retractationes (426â427), ein Werk, in dem er seine LehrirrtĂŒmer benennt und Teile seiner Schriften korrigiert.
Von groĂer Bedeutung fĂŒr die Apologetik ist Augustinus‘ Behandlung der Frage nach der Beziehung von Glaube und Wissen. Das VerhĂ€ltnis von Glaube und Wissen (oder Glaube und Vernunft) spielt durch die ganze Philosophiegeschichte hindurch eine zentrale Rolle. Die PhilosoÂphie gilt als die Vernunftswissenschaft, die Erkenntnis rational zu beÂschreiben und zu begrĂŒnden versucht. Dem gegenĂŒber steht die Religion oder die Theologie, die vorrangig einen Glaubensanspruch und keinen Erkenntnisanspruch stellt. Wie können wir die Dialektik von Glaube und Wissen auflösen? Augustins Lösungsvorschlag entwickelte sich zu einem »Meilenstein« der christlichen Theologie und hat den Weg des christlichen Denkens bis in die Gegenwart hinein geformt.
In der Diskussion um das dialektische VerhĂ€ltnis von Glaube und WisÂsen haben sich zwei groĂe Traditionen herausgebildet. Die erste groĂe Tradition ist sich darin einig, dass zwischen Glaube und Wissen ein WiÂderspruch oder zumindest eine problematische Spannung besteht. Der Widerspruch oder die Spannung wurden innerhalb dieser Tradition bis zu Augustin in zwei Richtungen aufgelöst. GemÀà der ersten Lösung steht das Wissen ĂŒber dem Glauben. Wir könÂnen diese Auflösung Rationalismus nennen, da die Vernunft innerhalb dieser Tradition maĂgebliches Leitprinzip ist. Der Rationalismus möchte gerade den unsicheren Glauben oder das bloĂe Meinen (doxa) ĂŒberwinÂden und zur Erkenntnis vordringen (episteme). FĂŒr Platon ist beispielsÂweise die Meinung nur einer Vorform des Wissens. Glaube ist vage, WisÂsen dagegen ist sicher. DemgegenĂŒber behauptet die zweite Lösung, dass der Glaube ĂŒber dem Wissen steht. Wir können diese Auflösung Fideismus nennen, auch wenn der Fideismus als Bewegung sich erst im Frankreich des 18. und 19. Jh. ausbildete. FĂŒr den Fideismus ist der ĂŒbernatĂŒrliche Glaube die einzige Quelle des Glaubens und Ursprung wahren Wissens. Das Christentum steht im Widerspruch zur Philosophie. Zwischen der korrupten menschÂlichen Vernunft und der Weisheit Gottes wird ein unĂŒberwindbarer AbÂstand postuliert. Glaube ist nicht vollendete Philosophie, Glaube zerÂtrĂŒmmert alle Philosophie. Die Weisheit dieser Welt ist dem wahrhaftig Glaubenden bloĂe Torheit (vgl. 1Kor 1,18ff). Bis heute gilt Tertullians »credo quia absurdum« (dt. »Ich glaube, weil es unvernĂŒnftig ist.«) als unerÂreichter Leitspruch der fideÂistischen Denktradition (Von Tertullian selbst ist der Ausspruch nicht ĂŒberliefert, siehe dazu hier und die Kommentare zu diesem Beitrag).
Beide Lösungen konnten den Kirchenvater Augustinus von Hippo nicht ĂŒberzeugen. Er suchte nach einem ausgewogenes VerhĂ€ltnis von Glaube und Wissen (oder Glaube und Vernunft). Anregungen von CleÂmens von Alexandria und Origenes aufnehmend entwickelte er eine zweite groĂe Tradition, der gemÀà Glaube und Wissen aufeinander bezogen bleiben. Der Akt des Glaubens und der Akt des Wissens sind interaktiv miteinander verwoben. Augustinus wertet damit das Meinen bzw. den Glauben gegen Platon auf. Der Glaube durchdringt den gesamten ErÂkenntnisprozeĂ. Glaube und Vernunft sind fĂŒr Augustinus nicht zwei psychologisch streng zu unterscheidende KapazitĂ€ten, sondern sie gehöÂren zusammen. Das heiĂt in der Konsequenz: Wahre Philosophie ist wahre Theologie, wie auch umgekehrt wahre Theologie wahre PhilosoÂphie ist. In einer Predigt hat Augustinus seine Auflösung der dialektiÂschen Beziehungen von Glaube und Wissen auf die Formel »crede, ut intelligas« (dt. »glaube, um erkennen zu können«) gebracht. Diese Formel steht als Leitspruch ĂŒber der Denktradition, die Raum schafft fĂŒr eine Vernunftlehre im Rahmen des Glaubens. Die Vernunft regiert nicht den Glauben, sondern die Vernunft wird vom Glauben umschlossen. In seiÂnem Werk Ăber den Lehrer schreibt Augustinus: »Was ich demnach erkenne, das glaube ich auch; aber nicht alles, was ich glaube, erkenne ich auch. Alles aber, was ich erkenne, weiĂ ich; nicht jedoch weiĂ ich alles, was ich glaube.« Gewisse Dinge können demnach nur geglaubt werden, andere können dagegen gewusst werden. Die Denkinhalte, die gewusst werden, werden aber zugleich geglaubt. Es gilt also: Ohne Glaube kein Wissen, ohne Glaube kein Wissenserwerb, ja ohne Glaube kein Existieren (vgl. die Kind-Elternbeziehung). So sinnvoll es also sein kann, zwischen Glaube und Wissen zu unterÂscheiden, so ĂŒberflĂŒssig ist die scharfe Trennung der Begriffe. In einem gewissen Sinne sind die Begriffe sogar austauschbar.
Die Lösung von Augustinus lÀsst sich so darstellen:

Augustinus ist demnach weder Fideist noch Rationalist. Er stellt die VerÂnunft nicht ĂŒber den Glauben, will jedoch auch nicht vernunftlos glauÂben. Der wahre Glaube ist ein vernĂŒnftiger Glaube (intellectus fidei). Anders als manche KirchenvĂ€ter (z.B. Hieronymus) lehnt Augustinus die weltliche Bildung nicht ab. Er relativiert sie und macht den Glauben zum regulativen Prinzip. Er ordnet die »freien KĂŒnste« der heidnischen GeÂlehrten der Offenbarung Gottes unÂter.
Nun wird ja allmĂ€hlich klar, warum ein Augustinus-Motto oben auf dem Theoblog die Besucher begrĂŒĂt.
Eine hilfreiche Grafik ist das! Das (c), das hoffentlich nicht ignoriert wird, erinnert mich in diesen Tagen an den unglaublichen Umgang von sogenannten Christen mit den Geboten.
Ich kenne einige Menschen, die unglaubliche Opfer fĂŒr ihre Doktorarbeit brachten, menschlich, finanziell, gesundheitlich. Oder es dann doch nicht schafften und mit diesem Gescheitertsein leben mĂŒssen.
Mich wĂŒrd‘ interessieren, ob man bei Augustinus schon prĂ€suppositionelle ZĂŒge erkennen kann, wo er weder Rationalist ist (wie etwa Norman Geisler) noch Fideist (m. W. Karl Barth, Sören Kierkegaard, Donald Bloesch usw.)…
lg
Schandor
Hallo Schandor,
ich hĂ€tte zwei VerstĂ€ndnisfragen: Welche Merkmale definieren einen (christlichen) Rationalisten? Und inwiefern bzw. aus welchen GrĂŒnden siehst du Norm Geisler als Rationalist an?
GruĂ
Jo
@Johannes G. Hm, ich wĂ€hle den einfachen Weg. Kenneth D. Boa hat die bekanntesten Apologeten in seinem umfangreichen Buch zur Apologetik in (mehr oder weniger) vier Bereiche gegliedert: * Rationalisten (darunter als Hauptvertreter: Norman Geisler), * Evidentionalisten (Hauptvertreter: John W. Montgomery) * PrĂ€suppositionalisten (Hauptvertreter: Cornelius Van Til) * Fideisten (Hauptvertreter: Sören Kierkegaard). Es geht um die Argumentation („line of reasoning“). Ich empfehle dieses Buch, denn es ist nicht nur in einem Geist der Sanftmut verfasst, sondern versucht, die Vorteile aller Methoden zu sehen, wie dies ein Francis Schaeffer getan hat. Bitte betrachte mich nicht als DefĂ€tisten, wenn ich an dieser Stelle so ad hoc nicht in der Lage bin, hinlĂ€nglich anzugeben, inwiefern sich der Rationalismus definieren lĂ€sst. Man hat einem PrĂ€suppositionalisten (Gordon Clark) vorgeworfen, er sei Rationalist. Es hat m. W. Jahre gebraucht, diesen Vorwurf auszurĂ€umen. Ein Rationalist geht von der Vernunft als erster und wichtigster Instanz zur Findung von Wahrheit aus. Der Evidentialist verlĂ€sst sich auf Fakten oder zumindest… Weiterlesen »
Hallo Schandor, vielen Dank fĂŒr die kurze Zusammenfassung. Ich finde diese Kategorienbildung schwierig. Geisler selbst z.B. sieht sich sicher nicht als Rationalist im strengen Sinne an. Von daher halte ich es fĂŒr problematisch ihn als „Hauptvertreter“ zu nennen. Er vertritt die Ansicht, dass alle Wahrheit Offenbarung ist – entweder allgemeiner oder spezifischer Natur. Die Vernunft hingegen ist das von Gott geschaffene Werkzeug, um die Wahrheit in der Natur oder in der Schrift erkennen zu können. Dieser Sichtweise kann ich zustimmen. Ich meine ich kann vom Wort Gottes als erste Instanz nur ausgehen, wenn ich es „verstehe“. Um es zu verstehen, muss ich jedoch zwingend von der Vernunft Gebrauch machen. Ich habe in Geislers BĂŒchern bisher keinen Hinweis darauf gefunden, dass er seinen eigenen Verstand ĂŒber die Offenbarung Gottes stellt oder die Ansicht vertritt, dass „eigenes Nachdenken“ das Wort Gottes gar ersetzen kann. Ich meine manche Wahrheiten, wie z.B. die prinzipielle Existenz Gottes, sind rationalen Ăberlegungen durchaus zugĂ€nglich (s. z.B. Römer… Weiterlesen »
@Jo Ich stimme Dir zu. Die Einteilung *ist* problematisch, das bestreitet auch Kenneth Boa nicht. Ihm geht es auch eher um eine pragmatische Darstellung der verschiedenen Denkrichtungen. Dass die Vernunft (die ich vom Verstand unterscheide) ein von Gott geschaffenes „Werkzeug“ ist, sehe ich ebenfalls so. Aber, und hier tritt das Problem ein, offenbar kann man sich auf diese Vernunft nicht verlassen, denn wenn man in ihr ein wahrheitserkennendes Werkzeug erblickt, stellt sich sofort die Frage: Weshalb kann es dann kluge Menschen geben, die auf ganz andere Schlussfolgerungen kommen? Die Einteilung ist in erster Linie eine Frage der Epistemologie, denke ich. Wenn ich die Vernunft (und sei es nur in zeitlicher Hinsicht) der Wahrheitserkenntnis vorangehen lasse, bin ich per definitionem Rationalist, und dann ist meinem VerstĂ€ndnis auch Geisler ein Rationalist. Klar brauche ich meine Vernunft, um die Wahrheit zu erkennen, aber die Wahrheit ist wahr, ob ich vernĂŒnftig bin oder nicht, oder anders gesagt: Sie ist unabhĂ€ngig von meiner Erkenntnis. Ob… Weiterlesen »
Hallo Schandor, deine Schiffsmetapher gefĂ€llt mir sehr gut und ich kann ihr vollumfĂ€nglich zustimmen. Ich sehe die natĂŒrliche Theologie z.B. als ein Wegbereiter fĂŒr das Evangelium. Ich habe diese Erfahrung selbst gemacht und ich kenne einige Menschen, bei denen es ebenso war. Noch ein Wort zu deinem letzten Absatz: Den Vortrag von Geisler habe ich zufĂ€lligerweise letzte Woche angehört đ Sein entsprechendes Buch „Chosen but Free“ habe ich vor einiger Zeit ebenfalls gelesen. FĂŒr diese Publikation hat er einiges an Kritik eingesteckt. James White fĂŒhlte sich gar genötigt mit einem ganzen Buch zu antworten đ Meine EinschĂ€tzung ist, dass Geisler zwar einige gute Argumente vorbringt, jedoch die reformierte Position oftmals nur oberflĂ€chlich und teilweise auch falsch charakterisiert. Ein Problem hierbei ist sicherlich auch, dass es „die reformierte Sichtweise“ nicht gibt und Geisler hier nicht selten StrohmĂ€nner zusammenbaut. Nichtsdestotrotz haben aus meiner Sicht einige seiner Argumente durchaus Substanz und sollten unabhĂ€ngig von seinen sonstigen inhaltlichen und stilistischen Fehlern ernst genommen werden.… Weiterlesen »
@Jo Die thomistische Position subsumiert Boa — mit Vorbehalten — unter den Rationalismus, soweit ich mich erinnere. Es ist wieder mal eine Sache der Definition: Wenn sich schon Geisler mutatis mutandis als „Calvinisten“ bezeichnet (ein Schalk đ ), wird’s wirklich etwas schwierig. Die arminianische Sichtweise ist zuletzt inkonsistent und fĂŒr mich keine Option mehr. Der Calvinismus ist fĂŒr mich die einzig konsistente (wenn auch nicht transparente) Weltanschauung. Die Probleme, auf die Du da anspielst, kann ich mir denken: Könnte es sich um das KomplementĂ€rpaar SouverĂ€nitĂ€t(Vorsehung)/Verantwortung handeln? Es ist prinzipiell lösbar, und ich denke schon seit einiger Zeit an eine Art Handlungstheorie (Was ist „Handlung“, wann und wo beginnt sie bzw. endet sie? HeiĂt „Handeln“ bei Gott kategorisch dasselbe wie beim Menschen usw.). Ja, Richard Swinburne dĂŒrfte der Hauptvertreter sein, wenngleich sich bei ihm sicherlich auch evidentialistische ZĂŒge finden („reine“ Hauptvertreter dĂŒrfte es ohnehin nicht geben đ ) Norman Geisler — so Boa — ist heute einfach die herausragendste Figur, und… Weiterlesen »
@Bettina: đ
Liebe GrĂŒĂe, Ron
Liebe Bettina,
auch ich danke fĂŒr den Kommentar. Ich kann mir es nur so erklĂ€ren, dass viele gar nicht wissen, was eine Doktorarbeit, ein Urheberrecht und der Schutz geistigen Eigentums ist. Die Regeln hierfĂŒr gelten ĂŒbrigens auch fĂŒr Christen, wenn sie etwass verfassen!
Leider kenne ich nicht nur junge Menschen, die ihre Doktorarbeit trotz groĂen Opfern nicht zu Ende bringen konnten, sondern auch jene, die eine Ablehnung erfuhren, obwohl sie korrekt gearbeitet haben. Ich hoffe, einige Doktoranden klĂ€ren jetzt mal auf, damit alle wissen, um was es hier geht.
@Schandor,
deswegen habe ich bei meiner Wahl „mĂŒsste“ geschrieben đ Ich kenne zumindest niemanden, den ich völlig ohne Bedenken ausschlieĂlich einer dieser Kategorien zuordnen könnte oder der dies gar selbst tun wĂŒrde. Daniel von Wachter z.B. liegt meiner EinschĂ€tzung nach recht nahe bei Swinburne. Ich bin mir aber nicht sicher, ob er sich selbst als „Rationalisten“ nach der obigen Definition ansehen wĂŒrde…
Wenn es nicht zu umfangreich wird, wĂŒrde mich noch interessieren, in welcher Hinsicht die arminianische Sichtweise nach deinem VerstĂ€ndnis inkonsistent ist.
Liebe GrĂŒĂe
Jo
@Jo
Achso, verstehe. Wahrscheinlich werden sich wegen der fraglichen Konnotationen eher weniger Denker als „Rationalist“ bezeichnen …
Zu den Arminianern:
Doch, was *wird* zu umfangreich, wenigstens fĂŒr mich. Geht es Dir um den Nachweis der Inkonsistenz oder um den Nachweis, dass die Sichtweise unbiblisch ist? (Und ich sage nicht: meines Erachtens, sondern lasse das bewusst weg).
Die Inkonsistenz lĂ€sst sich gegebenenfalls nur anhand einer gegebenen Definition nachweisen, nicht im Allgemeinen, da man da einen Sack mit unvorhersehbar vielen Löchern stopfen mĂŒsste.
lg
Schandor
Hallo Ron, Danke fĂŒr die Reihe ĂŒber Augustinus. Ich bin schon sehr gespannt! Ganz kurz zu einer Art kleinem Kollateralschaden dieses Teils der Reihe: @ Ron: „Bis heute gilt Tertullians »credo quia absurdum« (dt. »Ich glaube, weil es unvernĂŒnftig ist.«) als unerreichter Leitspruch der fideistischen Denktradition.“ Es mag sein, dass Tertullian oftmals dieser Schuh angezogen wird, das geschieht aber zu Unrecht. 1.) Tertullian hat diesen konkreten Ausdruck nie verwendet. Was dem am nĂ€chsten kommt ist De carne Christi 5,4. Der Satz heiĂt (mit etwas Kontext): „crucifixus est dei filius: non pudet, quia pudendum est. et mortuus est dei filius: prorsus credibile est, quia ineptum est. et sepultus resurrexit: certum est, quia impossibile.“ (http://www.tertullian.org/articles/evans_carn/evans_carn_03latin.htm) In Ăbersetzung (nach H. Kellner, BKV): „Gottes Sohn ist gekreuzigt worden —- ich schĂ€me mich dessen nicht, gerade weil es etwas BeschĂ€mendes ist. Gottes Sohn ist gestorben —- das ist erst recht glaubwĂŒrdig, weil es eine Thorheit ist; er ist begraben und wieder auferstanden —- das ist… Weiterlesen »
@Schandor,
danke, diese ErklÀrung reicht mir schon bzw. mit diesen Informationen kann ich deinen Standpunkt einordnen. Ich sehe das Problem beim Arminianismus ebenso primÀr in der Exegese. Je nach Inhalt der Begrifflichkeiten lÀsst sich jedoch meiner EinschÀtzung nach durchaus ein konsistentes System bilden.
Wenn ich meine Probleme mit beiden Systemen plakativ zusammenfassen „mĂŒsste“ đ wĂŒrde ich wohl folgendes sagen – Bitte nicht als persönlichen Angriff werten đ – Was dem Arminianer an Theologie fehlt, fehlt dem Calvinisten an Philosophie…
Ich meine nach wie vor, dass es hier keine einfache oder vollstÀndig transparente Lösung gibt. Wobei die thomistische Position eher nÀher am Calvinismus als am Arminianismus liegt (doch auch hier gibt es unterschiedliche AnsÀtze und Auslegungen).
Liebe GrĂŒĂe
Jo
@AnderasA: Vielen Dank fĂŒr Deine hilfreichen Anmerkungen!
Wir wissen nicht, ob T. diesen Ausdruck verwendet hat, da in der Tat ein wörtlicher Beleg fehlt. Ich nutze die Phrase durch die Linse der Wirkungsgeschichte (besonders Kierkegaard o. andersherum Deschner: „Ich denke, also bin ich kein Christ“. Ich werde mich damit beschĂ€ftigen und das Skript gegebenenfalls ĂŒberarbeiten.
Liebe GrĂŒĂe, Ron
@Jo
„Was dem Arminianer an Theologie fehlt, fehlt dem Calvinisten an Philosophie⊓
Du siehst mich mehr als nur staunend — mir bleibt glatt der Atem weg!
(sehe ich ĂŒbrigens nicht als Angriff, wirklich nicht).
Aber diese Aussage habe ich wirklich staunend mehrmals lesen mĂŒssen, um zu glauben, was meine Augen da sehen.
Die arminianische Apologetik hat mich jahrelang nicht einmal da ĂŒberzeugen können, als ich schon glaubte, was sie mir verkaufen wollte. Als ich Bekanntschaft mit der „anderen Seite“ gemacht habe, sind mir quasi die „Schuppen von den Augen gefallen“!
Na, kein Problem; quot capita, tot sententiae …
lg
Schandor
@Schandor,
tja, so unterschiedlich können Argumente beurteilt und aufgefasst werden đ Zum besseren VerstĂ€ndnis wĂŒrde mich noch interessieren, welche Autoren der arminianischen Apologetik du gelesen hast. Sagt dir das Konzept des Molinismus etwas?
Falls du Interesse hast (und es dem Chef des Blogs nicht zu sehr Off Topic wird), kann ich meine Aussage gerne auch noch etwas nĂ€her ausfĂŒhren. Um ein MissverstĂ€ndnis gleich auszurĂ€umen: Mein Problem mit der klassischen reformierten Position besteht nicht aufgrund von irgendwelchen inneren WidersprĂŒchen, sondern in den aus diesem System resultierenden theologischen und philosophischen Implikationen.
Liebe GrĂŒĂe
Jo
@Jo
Hallo Jo!
Klar sagt mir das was, und ich lehne es ab. Inwiefern sollte es biblisch sein? Das nÀmlich sehe ich nicht.
Deinen letzten Satz: „Mein Problem mit der klassischen reformierten Position besteht nicht aufgrund von irgendwelchen inneren WidersprĂŒchen, sondern in den aus diesem System resultierenden theologischen und philosophischen Implikationen“ verstehe ich ehrlich gesagt nicht.
lg
Schandor
ps: Schlagabtausch. Wer argumentativ gewinnt, hat der auch etwas „fĂŒr“ die Wahrheit gewonnen?
Hallo Schandor, ich bin kein groĂer Freund von Schlagabtauschen. Dieses Thema halte ich eigentlich auch fĂŒr zu komplex, um es innerhalb eines Blogs angemessen zu verhandeln. Die Grundannahmen der verschiedenen Richtungen sind einfach zu verschieden und es ist sehr schwer, eine gemeinsame Basis zu finden. Wenn sich das gegenseitige VerstĂ€ndnis verbessert und wir voneinander und miteinander lernen können, ist von meiner Seite aus aber schon viel gewonnen đ In dieser Hinsicht möchte ich daher meine nachfolgenden AusfĂŒhrungen gerne verstanden wissen. Zum Einstieg möchte ich gerne das Beispiel des Molinismus aufgreifen. Wie ich erwartet habe, lehnst du das Konzept ab – u.a. weil du es fĂŒr unbiblisch hĂ€ltst bzw. weil es mit der reformierten Soteriologie kollidiert. Aus thomistischer Sicht kann ich dem Molinismus aufgrund diverser metaphysischer Probleme ebenfalls nicht zustimmen. Ich meine jedoch, dass es nicht ganz so einfach mit biblischen Argumenten ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Zum einen kann man nicht wenige Schriftstellen anfĂŒhren, die klar bezeugen,… Weiterlesen »
@Jo
Lieber Jo, zunĂ€chst danke ich Dir fĂŒr diesen bereichernden Beitrag. Ich gestehe frei, dass meine LĂŒcken in diesem Bereich zu groĂ sein dĂŒrften, um Paroli bieten zu können.
Ich selbst halte den Molinismus fĂŒr lĂ€cherlich. Dass D. A. Carson und Packer versuchen, Unlogik durch Integration von Paradoxien zu ersetzen, ist mir neu.
Im Anfang war die Logik, und die Logik war bei Gott, und die Logik war Gott.
Ja, ich weiĂ, das klingt provokativ. Aber von der Logik muss ausgegangen werden können. Wer die Logik aufgibt, mit dem ist nicht mehr sinnvoll zu diskutieren.
Ich bitte um ein wenig Geduld, ich möchte Deinen Beitrag etwas studieren und ĂŒberdenken, bevor ich schnelle Antworten schieĂe…
Liebe GrĂŒĂe!
Schandor
Hallo Johannes G.,
also ich lese auch mit groĂem Interesse sowohl die Reihe ĂŒber Augustinus als auch die Kommentare hier.
Ohne mich hier aktiv einmischen zu wollen:
kennst du dieses Buch?:
Hermann Cremer â Die christliche Lehre von den Eigenschaften Gottes, hrsg. von Helmut Burkhardt, Brunnen Verlag
http://www.cbuch.de/product_info.php/info/p3292_Cremer–Die-christliche-Lehre-von-den-Eigenschaften-Gottes.html
Philosophie und philosophische Kategorien spielen hier eine Rolle, Kategorien wie âFreiheitâ âŠ.
Die AusfĂŒhrungen sind nicht das, was man unter âallgemeinverstĂ€ndlichâ fĂŒhren wĂŒrde, aber fĂŒr wen die Materie nicht ganz neu ist, der wird wohl weniger Probleme im Nachvollziehen bekommen.
GruĂ Lutz
@Schandor, ich hatte schon befĂŒrchtet, du wĂŒrdest gleich mit einem doppelt so langen Beitrag antworten und die Sache artet in Stress aus đ Ich schĂ€tze es sehr, wenn nicht gleich „zurĂŒckgeschossen“ wird und man sich stattdessen mit seinem GegenĂŒber gedanklich auseinandersetzt und zunĂ€chst einmal die Position des anderen zu verstehen versucht đ Im ĂŒbrigen ist es bei mir zur Zeit insgesamt sowieso etwas stressig, da ich als guter Schwabe gerade mit meiner Frau ein „HĂ€usle“ baue und daher sicher auch nicht immer so schnell und ausfĂŒhrlich antworten kann, wie ich das gerne möchte. @Lutz, vielen Dank fĂŒr den Hinweis. Das Buch kannte ich bisher nicht und ich werde es mir sicher mal anschauen. Der Autor ist mir ebenfalls unbekannt, aber Pannenberg kenne ich zumindest vom Namen her, da William Lane Craig bei ihm seine Dissertation geschrieben hat đ In diesem Bereich ist mir bisher eigentlich nur angelsĂ€chsische Literatur bekannt (z.B. „The Nature of God: An Inquiry Into Divine Attributes“ von… Weiterlesen »
@Jo Lieber Jo! Zum ersten möchte ich Dir viel Gelingen beim HĂ€uslebauen wĂŒnschen (ich weiĂ, welche Belastung das fĂŒr alle Lebensbereiche sein kann). Zum zweiten möchte ich den Blog nicht fĂŒr laaaange und ĂŒberlange BeitrĂ€ge missbrauchen (bin schon einmal zu recht dafĂŒr von Alexander gerĂŒgt worden đ ). Ich habe gestern lange ĂŒber diese Dinge nachgedacht und bin zum Schluss gekommen, dass ich argumentativ nicht mithalten kann (was freilich nichts fĂŒr die Wahrheit einer Sache bedeutet, denn eine Sichtweise steht und fĂ€llt ja nicht mit meinem Mangel, sie hinlĂ€nglich gut vertreten zu können đ ) Naja, was soll ich sagen? Also sag ich einfach nur wenig: „Middle Knowledge“? Das ist mir Jesuitenunsinn. Gott hat kein „mittleres Wissen“, sondern absolutes Wissen. Gott ist Gott ist allmĂ€chtig ist allwissend ist Gott. Er hat alle Dinge zum Voraus bestimmt, und nicht eines, was gemacht ist, ist in letzter Konsequenz nicht auf ihn zurĂŒckzufĂŒhren. Und ja, ich glaube, dass auch die SĂŒnde dazuzĂ€hlt, wenngleich… Weiterlesen »
Lieber Schandor, vielen Dank fĂŒr die guten WĂŒnsche und deine RĂŒckmeldung. Und ja, wer zu einem Thema besser oder umfangreicher argumentieren kann muss natĂŒrlich deswegen nicht automatisch im Recht sein. Das lernt man spĂ€testens dann schmerzlich, wenn man eine Zeit lang verheiratet ist đ Mir geht es auch nicht darum irgendeine Position oder Doktrin um jeden Preis zu verteidigen. Ich möchte versuchen mir einen lernenden Charakter zu bewahren und offen fĂŒr Korrektur bleiben. Jeder, der gute Argumente gegen meine EinwĂ€nde oder Bedenken vorbringen möchte, ist mir willkommen. Aus deiner Aussage ĂŒber den Molinismus könnte man versucht sein, ein gewisses „genetisches Vorurteil“ im Sinne von „Von den Jesuiten kann ja sowieso nichts Brauchbares kommen“ herauszulesen đ Du konterst das Konzept zudem mit einem Text aus der Schrift. Darauf könnte ich wiederum z.B. mit 1. Samuel 23, 1-13 oder MatthĂ€us 11,23 antworten. Welche Schriftstelle „sticht“ jetzt die andere aus? Ich habe meine Zweifel, dass dieses Thema durch das gegenseitige Ausspielen von Bibelversen… Weiterlesen »
@Johannes G Je komplizierter die Dinge werden, desto nĂ€her kommt man der Wahrheit offenbar… Nein, im Ernst: ich glaube Dir ganz einfach nicht. Ich glaube nicht, dass es sich so verhĂ€lt, wie Du sagst. Willensfreiheit ist und bleibt eine Illusion. Unsere Motive sind unsere Determinanten; der Wille re-agiert hier nur. Wir sind nichts als Automaten, aber solche, denen der Automatismus durch den Denkapparat verborgen bleibt. Es ist, wie Calderon de la Barca sagt — ein „Welttheater“. Freilich kann man philosophiegeschichtlich alle möglichen Konzepte ausgraben und gegeneinander abwĂ€gen, aber damit wird man in eintausend Jahren nicht fertig. Und wenn Du das „richtige Wissen“ hĂ€ttest, was hĂ€ttest Du dann? Nichts als noetische Ruminationen, tauglich fĂŒr — gar nichts. Ein Gott, der den Modus Ponens anwenden muss, um das wissen einer kontrafaktualen Konditionale … das Zeitalter der Scholastik ist doch schon vorbei, nicht đ Das Problem verhĂ€lt sich so: Solange der Mensch versucht, etwas zu verstehen, was ihn transzendiert, solange verrennt er sich… Weiterlesen »
@Johannes G
Ach so ja, ein kleiner Nachtrag muss noch her:
Offenbar gibt es viele, viele, viele verschiedene Meinungen, Deinungen, Seinungen, Irrungen und Wirrungen — alle von echten Christen vertreten.
Scheint so, als sei es Gott nicht allzu wichtig, dass seine Kinder die richtigen Thesen ĂŒber die philosophisch-theologischen Implikationen systematischer Theoriebildungen zustande bringen, nicht wahr?
Damit will ich nicht den Wert des Denkens schmĂ€lern, nein, das sei ferne! Aber Apologetik ist nur Gedankenspielerei fĂŒr Christen, die sich selbst stets auch gedanklich versichern mĂŒssen, dass sie das Richtige glauben. Evangelistisch etwa sind sie völlig wertlos. Leider. Ich habe mich jahrejahrejahrelang mit allen möglichen Philosophien und Theorien beschĂ€ftigt. Sport fĂŒr die Synapsen, sonst nichts. Am Ende wird das stehen, was Aristoteles an den Anfang gesetzt hat — das Staunen. Das wenigstens weiĂ ich sicher.
Gott jedenfalls dĂŒrften unsere Gedankenspielerein ziemlich egal sein, denke ich đ
Liebe GrĂŒĂe, und setz einen Ziegel fĂŒr mich mit rein ins Haus đ
[…] Augustinus beschĂ€ftigt. Hier die aktuellen Darstellungen: Augustinus – Lehrer der Gnade 1 Augustinus – Lehrer der Gnade 2 Augustinus – Lehrer der Gnade 3 Augustinus – Lehrer der Gnade 4 Augustinus – […]