Feuilleton

Feuilleton & Kunst

„Green Culture“

Claudia Roth will Kreative stärker auf Nachhaltigkeit einschwören. Kunst und Kultur sollen inhaltlich Einfluss auf die Klima-Debatte nehmen. Es erinnert irgendwie an den Sozialismus, wenn die Politik dem Kunstbetrieb vorschreibt, was zu tun ist. Künstler sind in der Regel allerdings Leute, die sich nicht vor einen Karren spannen lassen wollen. Ich hoffe, das Ansinnen geht nach hinten los und wenigstens einige „Kulturschaffende“ decken auf, dass sie verzweckt werden sollen, indem sie einen bestimmten Narrativ unters Volk bringen. 

Thomas Schmid schreibt für DIE WELT: 

Was bringt „Green Culture“ für die Kultur? Schnell merkt man, dass es nicht nur um Nachhaltigkeit, sondern mindestens ebenso um Politik, um Einflussnahme geht. Die Kultur soll vor den Wagen der ökologischen Transformation gespannt werden. Die Frage, was dieser Staatsinterventionismus der Kultur nützen könne, wird nicht einmal gestellt.

Claudia Roth hat es präzise formuliert: „Wir müssen das Leben auf unserem Planeten sichern – und der Kultur kommt dabei eine zentrale Rolle zu. Nicht nur, indem sie ihren eigenen ökologischen Fußabdruck deutlich reduziert, sondern auch, indem sie mit Mitteln der Kunst dabei hilft, gesellschaftliche Entwicklungen und Perspektiven in ihrer Komplexität zu reflektieren und sichtbar zu machen.“

Was Roth hier vergleichsweise vorsichtig formuliert, hört sich im Programm einer der „Green Culture“-Konferenzen schon entschiedener an. Da wird der „Kultur- und Kreativwirtschaft“, die sogleich das Kürzel „KKW“ verpasst bekommt, eine explizit politische Aufgabe zugeschrieben: „Die Kultur- und Kreativwirtschaft (KKW) kann Einfluss darauf nehmen, wie die Geschichte der Klimakrise erzählt wird. Die KKW übernimmt hier die Rolle des Übersetzers der Wissenschaft, trägt die Erzählung in die Welt hinaus und kann der Geschichte einen Hoffnungsschimmer verleihen.“ Sorgt also dafür, dass korrekt erzählt wird, dass die Botschaft der Wissenschaft korrekt ins Allgemeinverständliche übersetzt wird.

Der fast heilsgeschichtliche Ton solcher Zeilen kann nicht verbergen, dass hier beinharte Geschaftlhuber und Netzwerker am Werk sind. Dass hier ein politisches Projekt geplant wird, das – wie viele andere Initiativen zur Hebung des allgemeinen moralisch-politischen Niveaus – in eine Menge neuer Planstellen und Arbeitsplätze münden wird. Auch wenn das schamhaft beschwiegen wird: Das Ganze ist auch ein Geschäft.

Mehr (hinter einer Bezahlschranke): www.welt.de.

Besser als Eden

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Pünktlich zur E21-Frauenkonferenz ist das Buch Besser als Eden: Wie die Geschichte der Bibel deine eigene verändert von Nancy Guthrie erschienen. Der Verlag schreibt über das Buch:

Nancy Guthrie verfolgt in Besser als Eden neun biblische Motive, die sich wie ein roter Faden durch die gesamte Bibel ziehen. Sie zeigt mit jedem Motiv Biblischer Theologie, wie die neue Schöpfung noch viel herrlicher sein wird als die erste. Aber die Hoffnung auf ein noch besseres Eden ist nicht nur Zukunftsmusik. Guthrie illustriert anhand vieler Beispiele und ihrer eigenen Erfahrung, wie diese Hoffnung schon heute dein gesamtes Leben verändern kann. Das Buch eignet sich für die persönliche Lektüre, aber durch den angehängten Diskussionsleitfaden mit Fragen zu jedem Kapitel auch für Kleingruppen.

Nancy Guthrie ist Bibellehrerin in ihrer Heimatgemeinde, der Cornerstone Presbyterian Church in Franklin (USA), sowie weltweit auf verschiedenen Konferenzen. Sie hat zahlreiche Bücher und Podcasts veröffentlicht. Sie und ihr Mann haben eine Organisation gegründet, um Erholung für Ehepaare anzubieten, die den Tod eines Kindes erlebt haben.

Eine Leseprobe und eine Bestellmöglichkeit gibt es hier: verbum-medien.de.

Identität nicht von Likes und Klicks bestimmen lassen

Evangelium21 hat eine Meldung zur Evangelium21-Regionalkonferenz Südwest zum Bei Jesus Ruhe finden online gestellt. Peter Krell rät Christen, sich nicht von den digitalen „Spielzeugen“ bestimmen zu lassen:

Peter Krell, Pastor der Hoffnungskirche in Kaiserslautern, eröffnete seinen Vortrag zum Thema „Ruhe finden – inmitten einer digitalen Welt“ mit einem Hinweis auf Epheser 5,15. Paulus ermahnt dort die Christen, sorgfältig darauf zu achten, wie sie ihr Leben führen, und die Zeit auszukaufen. Die digitalen Medien, die einerseits unser Leben erleichterten, könnten uns gleichzeitig davon abhalten, auf Jesus und sein Reich fokussiert zu leben. Zu viel digitaler Konsum entwöhne uns vom Beten und Bibellesen. Schnell könne es passieren, dass Algorithmen, die auf mich und Konzerninteressen abgestimmt sind, zum Captain meines Lebens werden. „Likes und Klicks sagen mir dann, wer ich bin“, so Krell. Der eigentliche Captain sei jedoch Jesus Christus. „Er ist der Retter, der über mein Versagen triumphiert hat.“ Auf ihn sollten wir hören und schauen und die digitalen Werkzeuge so einsetzen, dass Gott damit geehrt werde.

Die Regionalkonferenz Südwest wurde bereits das zweite Mal in der Hoffnungskirche veranstaltet. Die dritte Konferenz ist für den 18. bis 19. Oktober 2024 geplant. Als Hauptredner hat der bekannte Theologieprofessor Joel Beeke vom Puritan Reformed Theological Seminary (Grand Rapids, USA) zugesagt. Referent der nächsten Hauptkonferenz, die vom 20. bis 22. Juni 2024 in der Arche-Gemeinde Hamburg veranstaltet wird, ist der Kirchenhistoriker Carl R. Trueman.

Mehr: www.evangelium21.net.

Erbauliches

Am vergangenen Samstag fanden zwei ermutigende Konferenzen statt. Auf dem Schönblick in Schwäbisch-Gmünd gab es einen Studientag des Netzwerks Bibel & Bekenntnis. Freitagmittag sind Matthias Lohmann und ich auf dem Weg nach Kaiserslautern kurz vorbeigefahren. Die Plauderei mit Markus Till, Ulrich Parzany, David Bennett, Martin Grünholz und anderen war herzerfrischend. Ulrich Parzany hat völlig recht, wenn er sagt

Ich erlebe immer wieder, wie stark die Besucher durch solche Veranstaltungen ermutigt werden. Sie sehen, dass sie nicht allein sind. Das brauchen wir in diesen Zeiten mehr denn je, damit wir als Christen angesichts der Missachtung des Wortes Gottes und dreister Irrlehren in den Kirchen nicht resignieren oder bitter werden.

Ich vermute, dass Bibel & Bekenntnis demnächst einige Vorträge online stellen wird. 

In Kaiserslautern feierten wir in der Hoffnungskirche mit ca. 360 Leuten die zweite Regionalkonferenz Südwest zum Thema „Ruhe finden. Von innerer Rastlosigkeit zu geistlich gesundem Leben“. Das Team um Peter Krell hat eine beeindruckende Gastfreundschaft geübt und so konnten wir die Gemeinschaft miteinander und mit unserem wunderbaren Herrn Jesus Christus genießen. 

Einige Impressionen vom Konferenztag gibt es hier: www.youtube.com.

Alle wollen eine Diagnose

ADHS, Autismus, Depressionen: Psychiatrische Diagnosen sind gerade für junge Menschen attraktiv geworden, beobachtet Therapeut Thorsten Padberg. Er hat eine Theorie, was hinter dem Hang steckt, jede ungute Eigenschaft zur psychischen Erkrankung zu erklären. Bedenkenswert:

Doch wehe, es klappt nicht, was wir uns vorgenommen haben! Das „Weirde“ hat uns überaus erfolgreich gemacht, aber auch ungewöhnlich empfindlich. Ständig sind wir mit uns selbst beschäftigt. Wir kehren unsere besten Seiten heraus. Wenn etwas gut klappt, ist das ganz unser Verdienst, wenn nicht: alles unsere Schuld. Ganz einfach. Oder liegt es vielleicht doch an ADHS?

Sie kommen nicht mit all den vielen Menschen um Sie herum klar? Beschämend, sind doch soziale Kompetenzen so unendlich wichtig. Früher hätte man sie dafür zu einem Kommunikationstraining gejagt! Heute sind Sie nur ein ganz klein wenig autistisch, im Gehirn halt anders verdrahtet. Dafür kann man ja nix. Und bevor mich jemand faul nennt, verweise ich auf meine Neurotransmitter, die mir und meinen Projekten leider depressiv im Wege stehen.

Hier:

Dorothee Sölle als politische Mystikerin

Am 22. August 2024 habe ich hier im Blog auf das Buch Dorothee Sölle auf der Spur von Konstantin Sacher verwiesen. Ergänzend dazu sei noch erwähnt, was Prof. Werner Thiede in seiner Rezension zum Buch geschrieben hat (IDEA, Nr. 28, 2023, S. 46):

Indem sie den Spuren „aufgeklärter“, nach-theistischer und nach-metaphysischer Sichtweisen folgte, konnte sie mit Ausblicken auf ein Leben nach dem Tod, auf eine Auferstehung der Toten und ein kommendes Gottesreich nicht viel anfangen. Insofern war es nur folgerichtig, dass sie „Mystik“ verband mit „Widerstand“: Atheistisch an Gott glaubende Menschen sollten ihre Endlichkeit akzeptieren und das einst vom Himmel her Erhoffte nach Möglichkeit selber zu realisieren versuchen. Denn Gott – von Sölle „neu verstanden“ – habe keine anderen Hände als die unseren; Wahrheit sei etwas, was man wahr mache. Eine so verstandene Mystik muss freilich politisch sein, braucht zum Beispiel das „Politische Nachtgebet“ und tatkräftiges Engagement. Das von ihr gedeutete Evangelium dränge in die Richtung der „Befreiung aller“. Kein Wunder, dass Sölles provokante Positionierung einst die Bewegung „Kein anderes Evangelium“ entstehen ließ war doch der geschichtliche Jesus keineswegs politisch aktiv gewesen und sein Königtum „nicht von dieser Welt“!

Die radikale Abwendung von der biblischen und kirchlichen Tradition, die nur noch als Steinbruch für eine moderne Mystik benutzt wird, hätte bei einem ausgewiesenen Theologen wie Sacher doch noch deutlichere Sachkritik verdient.

Studien zum genderneutralen Maskulinum

Verfechter einer „gendergerechten“ Sprache wollen das generische Maskulinum aus dem Formenbestand des Deutschen tilgen. Sie berufen sich dabei auf ein falsches Narrativ. Der Sprachwissenschaftler Eckard Meineke zeigt ein einem umfangreichen Buch, was hinter dieser Deformierung der deutschen Sprache steckt. 

Die WELT schreibt dazu: 

Es ist schon seltsam: In einer Gesellschaft, in der angeblich über alles geredet werden kann, wird ausgerechnet die grammatische Form der Rede mit Tabus belegt. Ganz oben auf der Liste der Sprachformen, die in Behördenbriefen, Politikerreden und öffentlich-rechtlichen Sendungen auffällig vermieden werden, steht dabei das „generische Maskulinum“. Es hat den denkbar schlechtesten Ruf. Als „männlich“ und anti-emanzipatorisch geschmäht, da Frauen und Diverse angeblich nur „mitgemeint seien“, gilt es als Inbegriff einer rückständigen Sprachpraxis, von der sich eine sogenannte „geschlechtergerechte Sprache“ im Namen einer höherwertigen Diskursmoral abgrenzt.

Vor allem Journalisten und Pressesprecher sind bestrebt, diese Sprachform tunlichst aus allen Mitteilungen zu verbannen, und sie durch umständliche, oft missverständliche Wendungen zu ersetzen, etwa, indem Partizipien zu „geschlechtergerechten“ Bezeichnungen umgedeutet werden. Da werden Mitarbeiter zu „Mitarbeitenden“, oder Schauspieler zu „Schauspielenden“. Und eine Gesundheitsstudie befragt „Hamburgerinnen und Hamburger“. Ein gewaltiger Aufwand wird also betrieben, um den Gebrauch einer Form zu vermeiden, die seit 1200 Jahren von Sprechern, Hörern und Lesern problemlos verwendet und verstanden wird: das „generische Maskulinum“ als geschlechtsneutrale Form.

Dazu hat der Sprachwissenschaftler Eckard Meineke nun ein umfangreiches Buch veröffentlicht, von dem zu wünschen wäre, dass es an Journalistenschulen und Universitäten zur Pflichtlektüre wird. Meineke behandelt darin das genderneutrale Maskulinum. Darunter ist ein neutraler Allgemeinbegriff zu verstehen, der sich auf Personen ungeachtet ihres Geschlechts bezieht. Seine Verwendung hat bewährte Vorteile, denn auf diese Weise lässt sich verallgemeinernd von Personen sprechen, ohne deren Geschlecht schon durch die Wortwahl „markieren“ zu müssen: etwa dann, wenn die Geschlechtszugehörigkeit für die beabsichtigte Aussage keine Rolle spielt („die Teilnehmer“). Auch ein Femininum kann genderneutral funktionieren („die Person“). Ebenso wie das neutrale Genus („das Kind“).

Mehr (hinter einer Bezahlschranke): www.welt.de.

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Links ist nicht woke

Die amerikanische Philosophin Susan Neiman, Autorin des Buches Links ≠ woke, ist davon überzeugt, das die Linke der Gegenwart mit ihrer „Wokeness“ die linken Ideale verraten hat. Die identitätspolitischen Debatten zeugen von einem Verrat am Univeralismus (alle Menschen sind gleich). Die NZZ schreibt: 

Linke, die nur noch über Rasse und Gender redeten, statt sich den tatsächlich entscheidenden wirtschaftlichen Ungleichheiten zu widmen, hätten sich, so Neimans Vorwurf, von den Zielen linker Politik verabschiedet.

Und nicht nur das. Sie verrieten auch die philosophischen Ideen, die für das Selbstverständnis der Linken von zentraler Bedeutung seien: das Bekenntnis zum Universalismus, die Unterscheidung zwischen Gerechtigkeit und Macht und die Überzeugung, dass Fortschritt möglich sei. Eine Linke, die woke ist, ist für Neiman nicht mehr links. Und Woke dürfen nicht beanspruchen, für die Linke zu sprechen.

Mehr: www.nzz.ch.

Johnny Cash: „Oh, I am weak, oh, I know I am vain.“

Heute, vor 20 Jahren, ist Johnny Cash gestorben. Ueli Bernays hat für die NZZ einen anrührigen Artikel über die Entstehung seines Alterswerks „American Recordings“ geschrieben. Darin heißt es:

Der Titelsong von «Unchained» aber verbreitete bereits Bitterkeit. Rastlos und sinnlos habe man die Zeit durchgebracht, meint hier ein lyrisches Ich, das deshalb klagt und weint: «Oh, I am weak, oh, I know I am vain.» Da scheint allein der Tod noch für Erleichterung sorgen zu können. Noch wechselte Johnny Cash ab zwischen elegischem und tröstlichem Tonfall. Auf «Solitary Man» dominierte aber eine morbide Grundstimmung. Songs wie «I See a Darkness» (von Will Oldham) und «The Mercy Seat» (von Nick Cave) handeln von Verzweiflung und Todesangst.

Dann verdunkelten sich nach der Jahrhundertwende gleichzeitig Johnny Cashs Welt und seine Existenz; seine düsteren Elegien erschienen rückblickend wie ein böses Omen. Terroranschläge erschütterten das gelobte Land Amerika. Johnny Cash, der seine Gesundheit lange durch Alkohol und andere Gifte strapaziert hatte, wurde immer mehr von Asthma und Parkinson-ähnlichen Leiden geplagt. Und als im Mai 2003 seine geliebte Gattin June gestorben war, blieb ihm angesichts des eigenen Todes nur die Zwiesprache mit seinem Jesus.

Mehr: www.nzz.ch.

Christopher Ash: Die Psalmen

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Im Verlag Verbum Medien ist in der Reihe „Die Bibel erklärt“ gerade eine kleine Auslegung zu den Psalmen von Christopher Ash mit einem ergänzenden Arbeitsheft erschienen. Christopher Ash zeigt, wie wir das Buch der Psalmen lesen und anwenden können. Nicht jeder Psalm wird erörtert. Er nimmt den Leser mit auf die Reise durch sechzehn Psalmen-Paare, die jeweils unterschiedliche Arten von Psalmen repräsentieren. Dazu gehören einige sehr bekannte und solche, die häufig übergangen werden. Wichtig ist ihm, zu zeigen, wie viele in den Psalmen formulierten Ankündigungen in Jesus Christus ihre letztgültige Erfüllung gefunden haben. 

Im zusätzlichen Arbeitsheft führt der Autor in sieben Bibelarbeiten durch Beispiele aus allen fünf Büchern des Psalters. Er zeigt, wie sie durch Jesus erfüllt wurden. Dadurch verändert sich unser Zugang, wie wir sie lesen, uns an ihnen erfreuen und sie singen. Das Arbeitsheft bietet eine gründliche Betrachtung des Textes, einen Fokus auf die praktische Anwendung im Alltag und Fragen, die wirklich ins Gespräch führen.

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Der „Die Bibel erklärt“-Kommentar zu den Psalmen kann hier derzeit zum Einführungspreis bestellt werden: verbum-medien.de.

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