Gesellschaft

Lehrer im Gefängnis, weil er Transgender-Ideologie nicht mitträgt

Dürfen Lehrer gezwungen werden, Kinder so anzusprechen, wie diese es wünschen? Eine irische Schule sagt Ja und hat einen Lehrer suspendiert, der es nicht tun will. Dieser beruft sich auf seinen Glauben. Obwohl die Schule der Anglikanischen Kirche gehört, sitzt der Lehrer Enoch Burke nun im Gefängnis. 

Die NZZ berichtet: 

Burke begründet seine Weigerung mit seiner religiösen Überzeugung und beruft sich aufdie Glaubensfreiheit. Er ist evangelikaler Christ und macht geltend, es laufe seinenÜberzeugungen zuwider, einen Jungen nicht als Jungen anzusprechen. Gott habe dieMenschen als Mann und Frau geschaffen. «Transgenderismus ist mit meinemchristlichen Glauben nicht vereinbar», sagt Burke: «Er widerspricht der Bibel, dem Ethosder Church of Ireland und den moralischen Grundsätzen meiner Schule.»
Der letzte Punkt ist insofern bemerkenswert, als die Wilson’s Hospital School von deranglikanischen Church of Ireland betrieben wird. Die Kirche hat sich zur Frage noch nichtgeäussert. Äussern müssen wird sich hingegen das Gericht, der High Court in Dublin.Und zwar bald, denn Enoch Burke sitzt weiterhin in Haft. Er wäre vor ein paar Tagenfreigelassen worden, wenn er bereit gewesen wäre, sich an die gerichtliche Verfügung zuhalten.

Stellt sich die Frage: Was sollen Lehrer tun, wenn ein Schüler gern wie eine Katze angesprochen und behandelt werden möchte?

Mehr: www.nzz.ch.

Schwarz-Rot-Gold ist wie der Regenbogen

Wenn durch Umdeutung ein Geschehen, ein Zeichen oder ein Begriff eine andere Bedeutung oder einen neuen Sinn zugewiesen bekommt, indem man das Geschehen, das Zeichen oder den Begriff in einen neuen Kontext stellt, nennt man das Reframing. Das Reframing ist heutzutage sehr beliebt, auch in der Theologie oder in der Ethik. Man spricht von „Sünde“ oder „Familie“, meint damit aber etwas ganz anderes als das, was diese Begriffe im christlichen Kontext über Jahrhunderte hinweg bedeutet haben. Sünde ist etwa nicht mehr Übertretung des göttlichen Gebots und damit Auflehnung gegen Gott, sondern selbstschädigendes Verhalten. 

Ein wunderschönes Beispiel für politisches Reframing bietet (wahrscheinlich unfreiwillig) aktuell der sächsische Ministerpräsident. Auf die Frage, was er von der Regenbogenflagge auf dem Reichstag hält, antwortet Michael Kretschmer dem Magazin Cicero:

Die deutschen Nationalfarben, Schwarz-Rot-Gold, drücken genau das aus, was auch die Farben des Regenbogens zeigen sollen. Unser Land steht genau für diese Freiheit, steht für Gleichberechtigung, für die Vielfalt der Lebensentwürfe. Dafür weht unsere schwarz-rot-goldene Flagge über dem Reichstag. Ein selbstbewusstes Statement: Die schwarz-rot-goldene Flagge bleibt hängen, weil sie die Farben des Regenbogens sozusagen mit enthält.

Kretschmer legt übrigens noch nach und bekennt, dass er den CSD klasse findet: „Und ich bin auch schon beim Christopher Street Day gewesen. Unsere Junge Union ist mit einem Wagen dabei gewesen. Die jungen Leute hatten unglaublich viel Spaß, und das freut mich. Wir leben in einem offenen Land, in dem vieles möglich ist.“

Bei so viel Euphorie darf man fragen: Was spricht eigentlich dagegen, die Regenbogenflagge als Flagge der Bundesrepublik Deutschland anzunehmen? Irgendwie steht doch der Regenbogen auch noch für die Einheit des Volkes und politische Mitbestimmung, und er steht auch für die Prioritäten des politischen Tagesgeschäfts.

Fire in the Streets

Hanniel hat das Buch Fire in the Streets von Douglas Groothius gelesen. Es geht um die Kritische Rassentheorie. Hier ein Auszug:

Es wird die Aufgabe der Verkündigung innerhalb der nächsten Jahre zu sein, die biblischen Grundkategorien auf die aktuellen Fragen der Zeit anzuwenden. Dazu gehören:

  • Wahre moralische Schuld (Francis Schaeffer, zit. 30): Alle Menschen sind durch wahre moralische Schuld von Gott getrennt.
  • Versöhnung (32f): Die Wiederherstellung des Bruchs durch die wahre moralische Schuld geschieht durch Rechtfertigung von göttlicher Seite. Selbstversöhnung und Selbstrechtfertigung sind unzureichende, unmögliche menschliche Versuche.
  • Anbetung (36): Wenn jemand vor einem anderen Sterblichen niederkniet, kommt dies falscher Anbetung aufgrund von Selbsthass gleich.
  • Bundesschluss (43): Ein (nationaler) Bundesschluss wird mit dem Bewusstsein der Ehre und Verpflichtung gegenüber der transzendenten Realität geschlossen und verfügt über bindende moralische Kraft für alle Bürger.
  • Vaterlandsliebe (56): Qualifizierter Patriotismus dient dem Gemeinwohl. Gott hat uns als Bürger und Mitglieder einer Kirchgemeinde als handelnde Wesen in die Geschichte hineingestellt.
  • Rassismus (64): Individuen, die abwertende Überzeugungen und negative Emotionen über Mitglieder ausserhalb ihrer eigenen Rasse hegen und pflegen
  • Ideologie (88): Eine engstirnige und illegitime, von Eigeninteressen geleitete Sichtweise, die weder rational noch wahr sein kann;

Deshalb sind aus christlicher Sicht abzulehnen:

  • Vergangene Diskriminierung durch gegenwärtige Diskriminierung zu bekämpfen (61)
  • Unqualifizierter Egalitarismus: Er führt zu grassierender Ungleichheit (vgl. 62)
  • Pauschale Schuldzuweisung für sozio-ökonomische Ungleichheiten (66)
  • Standpunkttheorie: Menschen innerhalb einer Gruppe können sich nicht über ihren sozial konditionierten Standpunkt hinausbewegen (vgl. 76)
  • Weisse Menschen sind schwarzen gegenüber minderwertig (77)
  • Zugang zu Institutionen und Stellen nur aufgrund von Gruppenzugehörigkeiten (80)
  • Eine Sicht, die Diskussionen über andere Standpunkte ausser dem eigenen revolutionären ausschliesst (91)

Hier: hanniel.ch.

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„T“ wie Transideologie

Carl Trueman zeigt in seinem Buch Der Siegeszug des modernen Selbst, dass die LGBTQ+-Bewegung unter anderem im Blick auf das „T“ tief gespalten ist. Die Einheit unter dem Dach des Regenbogens ist nicht inhaltlicher, sondern politischer Natur. Unter dem Verweis auf den „Opferstatus“ soll die Sittlichkeit in der Gesellschaft nämlich neu geordnet werden. Trueman schreibt (deutsche Ausgabe erscheint im Herbst):

Im Rückblick war der Zusammenschluss von L und G der Schlüsselmoment, der den Anschluss weiterer Minderheiten der LGBTQ+-Bewegung ermöglichte und dafür sorgte, dass das Bündnis nicht stabil und kohärent werden würde. Als die lesbischen Frauen beschlossen, mit schwulen Männern öffentlich gemeinsame Sache zu machen, entschieden sie damit, den Widerstand gegen die Heteronormativität über das biologische Geschlecht zu stellen. Die Einbeziehung der Trans-Gemeinschaft erweiterte dann einfach den damals aufgestellten Grundsatz, dass die Ausgrenzung durch die heterosexuelle Vorherrschaft das einzig Entscheidende bei öffentlichen Kampagnen war. Doch der Preis, den der klassische Feminismus zahlte, war hoch. Der Status von Transgender-Personen ist heute Gegenstand erbitterter Auseinandersetzungen unter denjenigen, die sich für die Rechte der Frauen eingesetzt haben. Das 2008 geprägte abwertende Akronym TERF, das für »trans-ausschließenden radikalem Feminismus« steht, bezeugt, dass einige Feministinnen sich dagegen wehren, dass Männer chirurgisch in Frauen verwandelt werden können. In diesem Zusammenhang sind vor allem Janice G. Raymond und Germaine Greer zu nennen.

Inzwischen mehren sich die Anzeichen für eine tiefe Spaltung innerhalb der LGBTQ+-Bewegung. Peter Heck schreibt in dem Artikel: „Es ist soweit: ‚LGB drop the T‘ ist ein Trending auf Twitter, da Schwulenaktivisten sich gegen Transgender-Aktivisten wenden“:

Es war immer unhaltbar. Die einzige Frage war, wie lange sich die politische LGBT-Bewegung im Ruhm ihrer unbestreitbar erfolgreichen Auslöschung traditioneller gesellschaftlicher Normen und sexueller Sitten sonnen würde, bevor sie sich die Zeit nehmen würde, dies zu bemerken. Aber mit dem Hashtag #LGBdroptheT, der in den letzten ein oder zwei Wochen mehrfach auf Twitter auftauchte, scheint es offensichtlich, dass zumindest in bestimmten Kreisen die Revolutionäre das tun, was Revolutionäre immer tun: sich gegeneinander wenden.

Und noch etwas zum „T“, also dem Transgender-Konzept: Die Zeitschrift Emma hat ein Interview mit der Biologin und Nobelpreisträgerin Christiane Nüsslein-Volhard über die Transideologie und ihre naiven Erfüllungsgehilfen gehalten, das es wirklich in sich hat.

Hier ein Auszug:

Emma: Frau Prof. Nüsslein-Volhard, der Queer-Beauftragte der Bundesregierung, Sven Lehmann, behauptet: Der Ansicht zu sein, dass es zwei Geschlechter gebe, sei unwissenschaftlich. Es gebe viele Geschlechter.

Christiane Nüsslein-Volhard: Das ist unwissenschaftlich! Da hat Herr Lehmann vielleicht den Grundkurs in Biologie verpasst.

Emma: Dann holen wir den hier doch mal nach.

Christiane Nüsslein-Volhard: Ach herrje. Also gut: Bei allen Säugetieren gibt es zwei Geschlechter, und der Mensch ist ein Säugetier. Da gibt es das eine Geschlecht, das die Eier produziert, zwei X-Chromosomen hat. Das nennt man weiblich. Und es gibt das andere, das die Spermien produziert, ein X- und ein Y-Chromosom hat. Das nennt man männlich. Und wenn sich ein Ei mit einem Spermium vereinigt, entsteht ein neues Wesen.

Emma: Als die Biologie-Doktorandin Marie-Luise Vollbrecht an der Humboldt-Universität in der „Nacht der Wissenschaften“ einen Vortrag zur Zweigeschlechtlichkeit halten wollte, gab es Proteste. Die Uni sagte den Vortrag ab.

Christiane Nüsslein-Volhard: Wollen die jetzt etwa auch den Biologie-Unterricht abschaffen? Wollen wir gar nicht mehr wissen, wer wir sind und wie das Geschlecht bestimmt wird? Soll das jetzt niemand mehr lernen, weil das pfui ist? Ich erinnere mich allerdings, dass es schon Ende der 1980er Jahre Hetzkampagnen gegen den Forscher gab, der das geschlechtsbestimmende Gen auf dem Y-Chromosom entdeckt hatte. Man unterstellte ihm offenbar, er würde nur deshalb, weil er das Gen entdeckt hatte, das die Testosteronproduktion anregt, irgendwas Furchtbares mit der Menschheit anstellen. Das war völlig verrückt, ich war entsetzt! Aber da sieht man, dass die Leute keine Ahnung von Biologie haben. Der Mangel an Bildung auf diesem Gebiet ist ganz schlimm.

Mehr hier: www.emma.de.

Udo Vetter: Selbstbestimmungsgesetz präsentiert großes Missbrauchspotenzial

Strafverteidiger Udo Vetter meint zum geplanten deutschen Selbstbestimmungsgesetz: „Der Staat eröffnet mit diesem Gesetz auch Exhibitionisten die Möglichkeit, sich ganz legal Zutritt zu Schutzräumen für Frauen zu verschaffen.“ In einem Interview mit der NZZ erklärt er, weshalb er über die geplante Rechtsprechung entsetzt ist. 

Unter anderem sagt er:

Ja, genau das glaube ich: zum Spass, aus politischem Protest oder um einen Vorteil zu gewinnen. Wir leben in einer Zeit der Polarisierung, und dieses Gesetz wäre offensichtlich dazu geeignet, zu polarisieren. Teenager könnten ihr Geschlecht als Ausdruck einer Rebellion ändern. Auch Leistungsvorzüge sind ein denkbarer Grund. Es gab in der Schweiz einen Fall, in dem ein Mann kurz vor dem Renteneintritt die Rente als Frau beantragte, weil Frauen die Rente dort ein Jahr früher zur Verfügung gestellt wird. 

Erfahrungen aus den USA und England zeigen Ähnliches. In England wird es Strafgefangenen ermöglicht, im Rahmen einer Selbstidentifizierung als Frau in den Frauenvollzug zu gehen, was tatsächlich zahlreich beantragt wird. In den USA wurden Insassinnen von selbsterklärten Transfrauen, die biologische Männer waren, geschwängert.

Mehr: www.nzz.ch.

Öffentlich-rechtliche Umerziehung

Rundfunk und Fernsehen maßen sich eine sprachliche Erziehung an, die ihnen nicht zusteht. Sie verhalten sich dabei nicht nur zutiefst undemokratisch, es widerspricht auch dem Auftrag der öffentlich-rechtlichen Medien, meint Heike Schmoll in ihrem Kommentar für die FAZ. Optimistisch prognostiziert sie, dass die Sprachgemeinschaft dem Ökonomieprinzip folgen wird und sich die unkomplizierten Schreib- und Sprechweisen durchsetzen werden:

Davon, dass es Frauen und andere Identitäten ausschließe oder nur mitmeine, kann nicht die Rede sein. Wer so argumentiert, interpretiert grammatische Strukturen wissentlich oder unwissentlich fehl. Aber die soll es nach Auffassung einer Minderheit auch lieber nicht geben. Laut einer internen Anweisung für den Sprachgebrauch in Ministerien soll das generische Maskulinum möglichst gemieden werden. Warum eigentlich? Weil es angeblich nicht gendergerecht ist, was auch immer das eigentlich sein mag? Durch ihr Gendern stärken die Sender die Aversion der Mehrheit, sich minderheitskonformen Sprachideologien anzuschließen.

Vermutlich wird sich das Gendern in einigen Segmenten einbürgern – an Universitäten und Hochschulen, obwohl auch die eigentlich verpflichtet sind, die amtliche sprachliche Norm zu befolgen. Aber bisher hat die Sprachgeschichte gelehrt, dass die Sprachgemeinschaft dem Ökonomieprinzip folgt. Das bedeutet, dass die meisten Sprecher sich umständlicheren Formulierungen nicht anschließen werden, sondern die bequemste und verständlichste sprachliche Ausdrucksweise wählen. So wird es auch beim Gendern sein.

Und was ist mit den öffentlich-rechtlichen Medien? „Deren Aufgabe ist laut Medienstaatsvertrag, die ‚Grundsätze der Objektivität und Unparteilichkeit der Berichterstattung, der Meinungsvielfalt sowie die Ausgewogenheit ihrer Angebote zu berücksichtigen‘. Doch das scheint die Sender wenig zu kümmern. Sprachliche Marotten einiger Redakteure wurden so zur allgemeingültigen Sprachnorm.“

Lassen wir uns diese unsägliche Umerziehung nicht gefallen! Ein Leser kommentierte das die geschlechtergerechte Sprache verharmlosende FAZ-Interview mit der Sprachwissenschaftlerin Damaris Nübling zutreffend mit folgenden Worten:

Die Tatsache, dass seit Jahren ‚top down‘ versucht wird, die skurrilen Genderformen in der Sprache durchzusetzen, ist doch offenkundig: in der Politik, Teilen der Verwaltung, in Kirchen, Gewerkschaften, nicht zuletzt in großen Medien, insbesondere im ÖRR, neuerdings auch Großunternehmen usw. Die Prämissen der Gendervorstellungen wurden weitgehend kritiklos akzeptiert, eine Debatte drüber wollte man lange nicht führen. Jetzt aber, nachdem der Protest immer größer und zahlreicher wird, fordern Vertreter wie die Frau Professorin Toleranz ein. Und behauptet sogleich, dass Gendersprache ein ‚inklusiveres Sprechen‘ ermögliche – eine glatte Verdrehung der Tatsachen: Gendersprache ist die exklusive Sprache einer privilegierten akademischen Blase, die ihre grotesken Vorstellungen der Mehrhheit der Menschen aufzwingen will. Kein normaler Mensch spricht so!

Mehr (hinter einer Bezahlschranke): www.faz.net.

Wissenschaftler kritisieren Genderpraxis des ÖRR

Im öffentlich-rechtlichen Rundfunk breiten sich „geschlechtergerechte Sprachformen“ in allerlei Formaten aus, bis hin zu den Nachrichtensendungen. 70 Linguisten und Philologen ist es nun zu viel. Diese Praxis sei ideologisch, missachte gültige Regeln und produziere „sozialen Unfrieden“. In ihrem Aufruf heißt es:

Seit 2020 hat die Verwendung der sogenannten gendergerechten Sprache im öffentlich-rechtlichen Rundfunk (ÖRR) in erheblichem Maße zugenommen. Ausgangspunkt dieser Sprachpraxis ist die Bewertung des generischen Maskulinums als diskriminierende Sprachform, die wir als Sprachwissenschaftler und Philologen zurückweisen. Wir fordern eine kritische Neubewertung des Sprachgebrauchs im ÖRR auf sprachwissenschaftlicher Grundlage.

Die Sprachverwendung des ÖRR ist Vorbild und Maßstab für Millionen von Zuschauern, Zuhörern und Lesern. Daraus erwächst für die Sender die Verpflichtung, sich in Texten und Formulierungen an geltenden Sprachnormen zu orientieren und mit dem Kulturgut Sprache regelkonform, verantwortungsbewusst und ideologiefrei umzugehen. Mehr als drei Viertel der Medienkonsumenten bevorzugen Umfragen zufolge den etablierten Sprachgebrauch – der ÖRR sollte den Wunsch der Mehrheit respektieren.

Der Germanist und Buchautor Fabian Payr (Autor des Buches Von Menschen und Mensch*innen, vgl. hier) ist Initiator des Aufrufs. Er teilte der Zeitschrift WELT mit: „Die Sender des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sind sprachprägend. Sie sind, was einst Luthers Bibel war: ein Modell für ein einheitliches Deutsch. Es könne daher nicht angehen, dass in den Anstalten beim Sprachgebrauch Laissez-faire herrsche.“

Hier der Aufruf „Wissenschaftler kritisieren Genderpraxis des ÖRR“: www.linguistik-vs-gendern.de.

Kulturkampf ums Geschlecht

Die Ampelregierung will sexuellen Minderheiten das Leben erleichtern. Kritiker fürchten jedoch die gesamtgesellschaftlichen Folgen. Der Redakteur Ben Krischke hat für die aktuelle Ausgabe des Magazins Cicero einen empfehlenswerten Artikel zur Debatte über die sexuelle Selbstbestimmung geschrieben („Kulturkampf ums Geschlecht“, Cicero, Nr. 8/2022, S. 15–25). Nachfolgende einige Auszüge:

Just an jenem Tag, an dem Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) und Bundesfamilienministerin Lisa Paus (Grüne) ihre „Eckpunkte“ für das von der Bundesregierung geplante Selbstbestimmungsgesetz in Berlin vorstellen, findet drei Kilometer südwestlich vom Haus der Bundespressekonferenz entfernt eine Demonstration statt. Eine kleine Gruppe Aktivisten hat sich Ende Juni vor der norwegischen Botschaft versammelt. Anlass ist eine strafrechtliche Ermittlung in Norwegen, die für Außenstehende wie Satire klingen mag. Für Christina Ellingsen aber könnte sie bald schon bitterer Ernst werden. Die Norwegerin ist Mitgründerin des Frauenrechtsnetzwerks „Women’s Declaration International“ (WDI) und hat eventuell gegen ein seit dem Jahr 2020 geltendes Gesetz verstoßen. Dieses stellt „Geschlechtsausdruck“ und „Geschlechtsidentität“, wie es darin heißt, unter besonderen Schutz. Ellingsens mögliches Vergehen: Sie hat öffentlich behauptet, dass Männer keine Lesben seien – und wurde dafür von einem transidenten Mann, der sich als Lesbe identifiziert, angezeigt. Sollte es zu einer Anklage kommen, drohen ihr in Norwegen bis zu drei Jahre Haft.

Was nach radikal-liberaler Gesellschaftspolitik klingt, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als Ausdruck einer konsequenten Weigerung, biologische Tatsachen anzuerkennen. Es ist ein entscheidender Schritt in ein postfaktisches Geschlechtersystem, in dem Begriffe wie Mann und Frau nur noch relativ wären. Bedenken indes werden von Verfechtern des Selbstbestimmungsgesetzes beiseitegeschoben und als „reaktionär“, „transphob“ oder einfach nur „rechts“ markiert. Biologin Galuschka, die Mitglied der Grünen ist, formuliert es so: „Wir versuchen, die Debatte zu führen, doch die andere Seite will sie verhindern.“

An vorderster Front kämpft der Queerbeauftragte der Bundesregierung, Sven Lehmann (Grüne). Als Galuschka und vier weitere Autoren einen Gastbeitrag in der zum Axel-Springer-Verlag gehörenden Tageszeitung Die Welt veröffentlichten, in dem sie eine transaffirmative Berichterstattung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks beklagten, weil dort zu positiv über Transsexualität berichtet werde, meldete sich Lehmann ebenfalls in der Welt zu Wort. Er schreibt: „Das Pamphlet trieft vor Homo- und Transfeindlichkeit, ist wissenschaftlich nicht fundiert und arbeitet mit Fake News.“ Und weiter: „Die Autor*innen sprechen in ihrem Text von einer ,bestätigte(n) wissenschaftlichen Erkenntnis der Zweigeschlechtlichkeit‘. Spätestens hier kann man den Text eigentlich weglegen und als quasi-kreationistisches Erzeugnis ignorieren.“

An der Reaktion des Queerbeauftragten der Bundesregierung wird deutlich, dass er gar nicht mehr um eine sachliche Debatte bemüht ist, sondern das Autorenteam, das in dem besagten WELT-Artikel die transaffirmative Berichterstattung des ÖRR aufdeckte und kritisierte, auf schäbige Weise diffamiert (vgl. dazu hier). Die Autoren seien homo- und transfeindlich, hätten von Wissenschaft keine Ahnung. Tatsächlich verbreitet freilich Sven Lehmann Pseudowissen, denn in den harten Wissenschaften ist unstrittig, dass die Biologie nur zwei Geschlechter kennt (siehe hier).

Wenn solche Aktivisten Politik, Wissenschaft und Bildung prägen, ist es um eine freiheitliche und aufgeklärte Gesellschaft schlecht bestellt. Wir erleben derzeit, wie Krischke treffend schreibt, einen „Kulturkampf, der längst nicht mehr nur im Internet oder in Büchern ausgetragen wird“. Ein Journalist, der bei der Präsentation des Selbstbestimmungsrechtes fragte, wie man mit Frauen umgehen solle, die sich mit einem biologischen Mann in der Saune oder in der Umkleide nicht wohlfühlen, antwortet die Bundesfamilienministerin: „Transfrauen sind Frauen, und deswegen sehe ich da jetzt keinen weiteren Erörterungsbedarf.“

Ich empfehle die Lektüre des gesamten Artikels. Der Erwerb der August-Ausgabe von Cicero lohnt sich!

Warum die Biologie nur zwei Geschlechter kennt

Auffällig viele Journalisten und Gender-Experten sind derzeit um den Nachweis bemüht, dass es mehr als zwei Geschlechter gibt (vgl. hier). So behaupten zwei Sprachwissenschaftlerinnen in der ZEIT, einen „Konsens, was definitiv und im Detail das Geschlecht festlegt“, gebe es „in der Forschung nicht“. Folglich existierten selbstverständlich mehr als zwei Geschlechter.

Es blüht die Pseudo-Expertise, meinen Uwe Steinhoff und Aglaja Stirn in einem Gastbeitrag für die FAZ und verteidigen die Expertise von Marie-Luise Vollbrecht:

Der Biologin wird von diesen Expertise abgesprochen und die besagte Wahrheit zur unwissenschaftlichen „Meinung“ erklärt. Es kommt einem der Kinderreim „Wer es sagt, der ist es auch“ in den Sinn. Denn Vollbrechts Kritiker sind entweder völlig frei von biologischer Expertise oder doch zumindest von dem Willen, diese gegen den genderideologischen Zeitgeist auch in Anschlag zu bringen.

So behaupten zwei Sprachwissenschaftlerinnen in der „Zeit“, einen „Konsens, was definitiv und im Detail das Geschlecht festlegt“, gebe es „in der Forschung nicht“. Dies belege „eine Vielzahl von Forschungsliteratur (etwa Nature: Ainsworth, 2015 oder Making Sex Revisited: Voß, 2011)“. Der Aufsatz in „Nature“ ist jedoch keine „Forschungsliteratur“, sondern lediglich ein Essay einer Wissenschaftsjournalistin. Die hat zudem auf die kritische Nachfrage: „Behaupten Sie, es gebe mehr als zwei Geschlechter?“ auf Twitter klargestellt: „Nein, nicht im mindesten. Zwei Geschlechter, mit einem Kontinuum von Variationen in der Anatomie/Physiologie.“ Ainsworth behauptet also genau dasselbe wie Vollbrecht. Unseren Sprachwissenschaftlerinnen ist das entgangen.

Das ZDF wiederum, dem eine Autorengruppe, der auch Vollbrecht und der Erstautor des vorliegenden Artikels angehören, die Verbreitung der Falschaussage der „Vielgeschlechtlichkeit“ vorgeworfen haben, bestätigt den Vorwurf abermals mit einem Interview, bei dem man sich fragt, wie lange das ZDF hat suchen müssen, um einen Evolutionsbiologen zu finden, der sich unklar genug ausdrückt, um die intendierte Botschaft zu senden. So redet der Interviewte von der „chromosomalen Geschlechtsbestimmung“ und erklärt, dass Männer „ein X- und ein Y-Chromosom, Frauen zwei X-Chromosomen“ besitzen. Erstens sind Männer und Frauen evolutionsbiologisch keine Geschlechter, sondern die Geschlechter sind das männliche und das weibliche, und das gibt es nicht nur bei Männern und Frauen, sondern auch bei Jungen und Mädchen wie auch bei Spargel. Zweitens sind Menschen mit Turner- oder Klinefelter-Syndrom (beides chromosomale Anomalien) ebenfalls Frauen oder Männer. Er meint zudem: „Es gibt keine klaren Kategorien männlich/weiblich, es gibt nur einen Durchschnitt.“ Falsch. Um statistisch den Durchschnittswert einer Klasse bestimmen zu können, muss man zunächst einmal die Elemente der Klasse identifizieren können. Anders gesagt: Um zu berechnen, wie der Durchschnittsmann aussieht, muss man zunächst wissen, was ein Mann ist – dafür bedarf man klarer Kategorisierung. Als i-Tüpfelchen des Interviews bekommen wir dann auch noch sozialkonstruktivistische Slogans: „Wenn ich aber Geschlecht darüber definiere, wie ein Mensch reagiert und sich verhält, dann sind zwei Geschlechter nur ein soziales Konstrukt.“

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