Zeitgeist

Es ist ganz einfach – wir bleiben Mann und Frau

Die Schulbuchautorin Rieke Hümpel hat für DIE WELT auf gut verständliche Weise erklärt, warum es nur zwei Geschlechter gibt:

Sind Sie eine Frau oder ein Mann? Vermutlich brauchen Sie nicht allzu lange, um diese Frage zu klären. Doch mit schnellen Antworten soll künftig Schluss sein, wenn es nach den Anhängern der sogenannten Queer-Ideologie geht. Ihrem Glauben nach fährt nämlich ein Geist des Geschlechtes in den menschlichen Körper, der sich über das Gefühl ausdrückt. Der Körper wird zur Hülle, in dem das empfundene Geschlecht wie ein Flaschengeist in einer Flasche haust. Du bist, was du fühlst.

Mit Sven Lehmann hat die Bundesrepublik nun sogar einen Queer-Beauftragten. Die Regenbogenfahne (die zuvor erfolgreich den Homosexuellen aus der Hand genommen wurde) weht mittlerweile hart am Wind, adoptiert von den Instanzen dieser Gesellschaft. Wer es jetzt noch wagt, an der Geschlechter-Geist-Idee zu zweifeln und etwa Männer nicht aufgrund ihrer Gefühle als Frauen anerkennen will, wird sofort mit dem Vorwurf der Transphobie niedergebügelt.

Das Geschlecht ist biologisch. Es ist definiert als Hinentwicklung eines Organismus auf die Produktion eines bestimmten Keimzelltypus. Es gibt zwei Keimzelltypen. Beim Menschen heißen die, die sich auf die Eizellenproduktion hin entwickeln, Frauen. Diejenigen, die sich auf die Spermienproduktion hin entwickeln, sind die Männer. Frauen können Männerkleider tragen, Männer Frauenkleider. Doch ein Wechsel des Geschlechts ist beim Menschen nicht möglich. Das ist eine bestätigte Erkenntnis der Biologie. Menschen sind keine Clownfische. Die Biologie ist keine Ideologie, sondern eine anerkannte Naturwissenschaft – sie ist die Lehre des Lebens.

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Die empathischen Menschen sind die neuen Narzissten

Kaum eine Fähigkeit wird heute so gehypt wie die Empathie. Einfühlung ist Trend, jede Krise wird mit einem Gang zum Therapeuten beantwortet. Doch die Schattenseiten der Tugend blieben bislang weitgehend unthematisiert. 

Marie-Luise Goldmann stellt für DIE WELT den Roman Die Markierten der Isländerin Frida Ísberg vor, in dem der Tugend der Empathie der Kampf angesagt wird: 

Denn unsere Gegenwart ist nicht nur von handfesten Krisen geprägt, zu denen ein Krieg, eine Pandemie und ein Energiemangel gehören. Sondern es ist auch die Ära, in der psychologische Diagnosen wie Zauberpilze aus dem Boden schießen. So wie die Kategorien „toxisch“, „narzisstisch“, „traumatisch“ und „depressiv“ im Zweifel auf jede Störung passen, avanciert gleichzeitig das positive Gegenkonzept zum Patentrezept: die Empathie. Wer empathisch ist, sich also in andere Menschen hineinfühlen kann, befinde sich auf dem besten Weg zur Rettung der Welt und der eigenen Psyche – so der Tenor.

Das Problem: Der Hype um die Empathie führt zu einer bedrohlichen Aufspaltung in Partikularinteressen, aus denen kein gemeinsamer Nenner gebildet werden kann, weil alles bloß „eine persönliche Meinung“ ist, die man vor dem eigenen subjektiven Erfahrungshorizont zu begreifen habe. In der Kommentarfunktion auf sozialen Medien liest man Dinge wie „Nicht böse gemeint, ist nur meine Meinung“ oder „Sehe ich anders, aber du kannst ja deine Meinung haben, das ist okay“. Mit der Einsicht in die Begrenztheit menschlicher Perspektiven wird jedes Gespräch im Keim erstickt. Argumente werden als Waffen verunglimpft, Diskussionen als Kampf.

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Simulierte Liebe

Erich Fromm, der sich übrigens mit seinem ehemaligen Kollegen bei der Frankfurter Schule, Herbert Marcuse, zutiefst zerstritten hatte, schrieb einmal über den „Beziehungsbetrieb“ der Moderne/Spätmoderne (Jeffries, Grand Hotel Abrund, 2019, S. 354):

Wir leben in einem Zeitalter von Wegwerf-Lovern, in dem ausgeklügelte sexuelle Lust die Unvorhersehbarkeit der Liebe verdrängt hat, in dem die Suche nach Liebe etwas Ähnliches geworden ist wie Shoppen, und in dem wir von der Liebe verlangen, was wir auch von unseren anderen Einkäufen erwarten – Neuheit, Abwechslung, Verfügbarkeit.

Die Evangelische Kirche in Deutschland ist voll auf diesen Zug der redundanten Beziehungsethik aufgesprungen. Die Lust, das Vergnügen, der Konsum, das sexuelle Abenteuer gehen aus ihrer Sicht völlig in Ordnung. Zwei Beispiele: Das Portal der Kirche feiert einen Pfarrer, der nebenberuflich im Gemeindesaal als Drag-Queen auftritt und die Kundschaft dabei von der Jugendgruppe bewirten lässt. Einfach super! Und Pastor Max besucht den Dominus André, der seit neun Jahren in der Rotlichtszene „Sexarbeit“ leistet und ist – wie vorhersehbar – von seinem engagierten Einsatz begeistert. Es sei sehr wichtig, immer noch vorhandene Vorurteile abzubauen. Alle sexuellen Spielarten, egal ob SM oder Blümchensex, sind für Max völlig legitim. Es sei wichtig, dass wir darüber reden. 

Wie billig, durchschaubar und oberflächlich das alles ist, können uns sogar die linken Soziologen und Philosophen der Frankfurter Schule vor Augen malen. Es ist im Grunde der Versuch, auf dem Markt zu bleiben. Die Kirche will den Anschluss nicht verlieren und dockt an die Wünsche und Begehren der Menschen an.

Aber die Kirche schafft sich dabei ab. Gott hat seinem Volk die Möglichkeit eröffnet, tiefer zu schauen. Der Heilige Geist wurde nicht gesandt, um Sünde zu feiern oder zu propagieren. Der Heilige Geist ist gekommen, damit er die Welt von Sünde, Gerechtigkeit und Gericht überführt (vgl. Joh 16,8). In einer Kirche, die Gesetz und Evangelium verwirft, zieht sich Gottes Geist zurück und überlässt die Menschen „den Begierden ihrer Herzen“ (vgl. Röm 1,24). 

Ein großer Irrtum der Gendersprachbewegung

Der Linguist Tim Hirschberg hat für die Zeitschrift DIE WELT einen fundamentalen Irrtum der Gendersprachbewegung herausgestellt. Typographische Sonderzeichen wie das Sternchen oder der Doppelpunkt sollen laut Vertretern einer geschlechtergerechten Sprache bildliche Vorstellungen in uns hervorrufen. Liest man das, was die Ratgeber für Gendersprache sagen, „könnte man glauben, wir projizierten uns gegenseitig eine Art Diashow ins Hirn, wenn wir uns unterhalten oder schriftlich miteinander kommunizieren. Doch das ist eine ausgesprochen naive Vorstellung. Die Fokussierung auf die mentalen Bilder, die Sprache angeblich heraufbeschwört, bedeutet eines der größten und vielleicht auch folgenreichsten Missverständnisse des Gender-Diskurses.“

Hirschberg schreibt weiter: 

Es gibt eine lange philosophische Tradition – an vorderster Stelle ist Gottlob Frege zu nennen – die überzeugend darlegt, warum (mentale) Bilder für die Sprache eher unwichtig sind. Schon der Volksmund weiß, wer Zugang zur Gedankenwelt anderer hat, ist ein Gedankenleser und kein -seher. In diesem Sinne stellt sich sprachliche Bedeutung nicht als etwas Bildliches, sondern als etwas Abstrakt-Logisches dar – im Fachjargon spricht man von Propositionen.

Freges Begründung hob auf die großen individuellen Unterschiede ab, die bei den an die Sprache gekoppelten Vorstellungen zu beobachten sind. Manche assoziieren mit dem Wort „Liebe“ das Bild händchenhaltender Zweisamkeit, andere wiederum das eines biochemischen Hormoncocktails. Hätten solche Vorstellungen eine maßgebliche Funktion in der Sprache, müsste Kommunikation jämmerlich scheitern, denn alle wären in ihrer privaten Semantik gefangen.

Der Versuch, durch Sprache gewisse bildliche Vorstellungen in den Köpfen zu wecken, erinnert Hirschberg an die Arbeitsweisen von Werbeagenturen: 

Der Versuch, Angemessenheit oder gar Gerechtigkeit in visuellen Darstellungen zu suchen, hat bisweilen etwas Verzweifeltes. Davon zeugen die grafischen Illustrationen in vielen Broschüren, die für das Ziel der politischen Korrektheit alle möglichen Hauttöne, Leibesformen und Lebensstile in eine Abbildung hineinquetschen. Trotz der Anstrengungen bleibt stets eine Gruppe außen vor, seien es die Alten, Hässlichen usw. Der offensichtliche Anspruch, Diversität abzubilden, macht diesen Mangel dabei erst so richtig deutlich.

Wenn sich jemand gar zu sehr für bildliche Assoziationen interessiert, sollte einen das stutzig machen. Dann befinden wir uns nämlich im Metier der Werbetreibenden, und die wollen nicht die Welt verbessern, sondern ein Image konstruieren und pflegen. Das Gendersternchen folgt der Werbelogik und seine Einführung sorgt für die Reklamisierung der Sprache. Kein Wunder also, dass Wirtschaftsunternehmen so schnell auf diesen Zug aufgesprungen sind.

Mehr hinter einer Bezahlschranke: www.welt.de.

Lehrer im Gefängnis, weil er Transgender-Ideologie nicht mitträgt

Dürfen Lehrer gezwungen werden, Kinder so anzusprechen, wie diese es wünschen? Eine irische Schule sagt Ja und hat einen Lehrer suspendiert, der es nicht tun will. Dieser beruft sich auf seinen Glauben. Obwohl die Schule der Anglikanischen Kirche gehört, sitzt der Lehrer Enoch Burke nun im Gefängnis. 

Die NZZ berichtet: 

Burke begründet seine Weigerung mit seiner religiösen Überzeugung und beruft sich aufdie Glaubensfreiheit. Er ist evangelikaler Christ und macht geltend, es laufe seinenÜberzeugungen zuwider, einen Jungen nicht als Jungen anzusprechen. Gott habe dieMenschen als Mann und Frau geschaffen. «Transgenderismus ist mit meinemchristlichen Glauben nicht vereinbar», sagt Burke: «Er widerspricht der Bibel, dem Ethosder Church of Ireland und den moralischen Grundsätzen meiner Schule.»
Der letzte Punkt ist insofern bemerkenswert, als die Wilson’s Hospital School von deranglikanischen Church of Ireland betrieben wird. Die Kirche hat sich zur Frage noch nichtgeäussert. Äussern müssen wird sich hingegen das Gericht, der High Court in Dublin.Und zwar bald, denn Enoch Burke sitzt weiterhin in Haft. Er wäre vor ein paar Tagenfreigelassen worden, wenn er bereit gewesen wäre, sich an die gerichtliche Verfügung zuhalten.

Stellt sich die Frage: Was sollen Lehrer tun, wenn ein Schüler gern wie eine Katze angesprochen und behandelt werden möchte?

Mehr: www.nzz.ch.

Schwarz-Rot-Gold ist wie der Regenbogen

Wenn durch Umdeutung ein Geschehen, ein Zeichen oder ein Begriff eine andere Bedeutung oder einen neuen Sinn zugewiesen bekommt, indem man das Geschehen, das Zeichen oder den Begriff in einen neuen Kontext stellt, nennt man das Reframing. Das Reframing ist heutzutage sehr beliebt, auch in der Theologie oder in der Ethik. Man spricht von „Sünde“ oder „Familie“, meint damit aber etwas ganz anderes als das, was diese Begriffe im christlichen Kontext über Jahrhunderte hinweg bedeutet haben. Sünde ist etwa nicht mehr Übertretung des göttlichen Gebots und damit Auflehnung gegen Gott, sondern selbstschädigendes Verhalten. 

Ein wunderschönes Beispiel für politisches Reframing bietet (wahrscheinlich unfreiwillig) aktuell der sächsische Ministerpräsident. Auf die Frage, was er von der Regenbogenflagge auf dem Reichstag hält, antwortet Michael Kretschmer dem Magazin Cicero:

Die deutschen Nationalfarben, Schwarz-Rot-Gold, drücken genau das aus, was auch die Farben des Regenbogens zeigen sollen. Unser Land steht genau für diese Freiheit, steht für Gleichberechtigung, für die Vielfalt der Lebensentwürfe. Dafür weht unsere schwarz-rot-goldene Flagge über dem Reichstag. Ein selbstbewusstes Statement: Die schwarz-rot-goldene Flagge bleibt hängen, weil sie die Farben des Regenbogens sozusagen mit enthält.

Kretschmer legt übrigens noch nach und bekennt, dass er den CSD klasse findet: „Und ich bin auch schon beim Christopher Street Day gewesen. Unsere Junge Union ist mit einem Wagen dabei gewesen. Die jungen Leute hatten unglaublich viel Spaß, und das freut mich. Wir leben in einem offenen Land, in dem vieles möglich ist.“

Bei so viel Euphorie darf man fragen: Was spricht eigentlich dagegen, die Regenbogenflagge als Flagge der Bundesrepublik Deutschland anzunehmen? Irgendwie steht doch der Regenbogen auch noch für die Einheit des Volkes und politische Mitbestimmung, und er steht auch für die Prioritäten des politischen Tagesgeschäfts.

„T“ wie Transideologie

Carl Trueman zeigt in seinem Buch Der Siegeszug des modernen Selbst, dass die LGBTQ+-Bewegung unter anderem im Blick auf das „T“ tief gespalten ist. Die Einheit unter dem Dach des Regenbogens ist nicht inhaltlicher, sondern politischer Natur. Unter dem Verweis auf den „Opferstatus“ soll die Sittlichkeit in der Gesellschaft nämlich neu geordnet werden. Trueman schreibt (deutsche Ausgabe erscheint im Herbst):

Im Rückblick war der Zusammenschluss von L und G der Schlüsselmoment, der den Anschluss weiterer Minderheiten der LGBTQ+-Bewegung ermöglichte und dafür sorgte, dass das Bündnis nicht stabil und kohärent werden würde. Als die lesbischen Frauen beschlossen, mit schwulen Männern öffentlich gemeinsame Sache zu machen, entschieden sie damit, den Widerstand gegen die Heteronormativität über das biologische Geschlecht zu stellen. Die Einbeziehung der Trans-Gemeinschaft erweiterte dann einfach den damals aufgestellten Grundsatz, dass die Ausgrenzung durch die heterosexuelle Vorherrschaft das einzig Entscheidende bei öffentlichen Kampagnen war. Doch der Preis, den der klassische Feminismus zahlte, war hoch. Der Status von Transgender-Personen ist heute Gegenstand erbitterter Auseinandersetzungen unter denjenigen, die sich für die Rechte der Frauen eingesetzt haben. Das 2008 geprägte abwertende Akronym TERF, das für »trans-ausschließenden radikalem Feminismus« steht, bezeugt, dass einige Feministinnen sich dagegen wehren, dass Männer chirurgisch in Frauen verwandelt werden können. In diesem Zusammenhang sind vor allem Janice G. Raymond und Germaine Greer zu nennen.

Inzwischen mehren sich die Anzeichen für eine tiefe Spaltung innerhalb der LGBTQ+-Bewegung. Peter Heck schreibt in dem Artikel: „Es ist soweit: ‚LGB drop the T‘ ist ein Trending auf Twitter, da Schwulenaktivisten sich gegen Transgender-Aktivisten wenden“:

Es war immer unhaltbar. Die einzige Frage war, wie lange sich die politische LGBT-Bewegung im Ruhm ihrer unbestreitbar erfolgreichen Auslöschung traditioneller gesellschaftlicher Normen und sexueller Sitten sonnen würde, bevor sie sich die Zeit nehmen würde, dies zu bemerken. Aber mit dem Hashtag #LGBdroptheT, der in den letzten ein oder zwei Wochen mehrfach auf Twitter auftauchte, scheint es offensichtlich, dass zumindest in bestimmten Kreisen die Revolutionäre das tun, was Revolutionäre immer tun: sich gegeneinander wenden.

Und noch etwas zum „T“, also dem Transgender-Konzept: Die Zeitschrift Emma hat ein Interview mit der Biologin und Nobelpreisträgerin Christiane Nüsslein-Volhard über die Transideologie und ihre naiven Erfüllungsgehilfen gehalten, das es wirklich in sich hat.

Hier ein Auszug:

Emma: Frau Prof. Nüsslein-Volhard, der Queer-Beauftragte der Bundesregierung, Sven Lehmann, behauptet: Der Ansicht zu sein, dass es zwei Geschlechter gebe, sei unwissenschaftlich. Es gebe viele Geschlechter.

Christiane Nüsslein-Volhard: Das ist unwissenschaftlich! Da hat Herr Lehmann vielleicht den Grundkurs in Biologie verpasst.

Emma: Dann holen wir den hier doch mal nach.

Christiane Nüsslein-Volhard: Ach herrje. Also gut: Bei allen Säugetieren gibt es zwei Geschlechter, und der Mensch ist ein Säugetier. Da gibt es das eine Geschlecht, das die Eier produziert, zwei X-Chromosomen hat. Das nennt man weiblich. Und es gibt das andere, das die Spermien produziert, ein X- und ein Y-Chromosom hat. Das nennt man männlich. Und wenn sich ein Ei mit einem Spermium vereinigt, entsteht ein neues Wesen.

Emma: Als die Biologie-Doktorandin Marie-Luise Vollbrecht an der Humboldt-Universität in der „Nacht der Wissenschaften“ einen Vortrag zur Zweigeschlechtlichkeit halten wollte, gab es Proteste. Die Uni sagte den Vortrag ab.

Christiane Nüsslein-Volhard: Wollen die jetzt etwa auch den Biologie-Unterricht abschaffen? Wollen wir gar nicht mehr wissen, wer wir sind und wie das Geschlecht bestimmt wird? Soll das jetzt niemand mehr lernen, weil das pfui ist? Ich erinnere mich allerdings, dass es schon Ende der 1980er Jahre Hetzkampagnen gegen den Forscher gab, der das geschlechtsbestimmende Gen auf dem Y-Chromosom entdeckt hatte. Man unterstellte ihm offenbar, er würde nur deshalb, weil er das Gen entdeckt hatte, das die Testosteronproduktion anregt, irgendwas Furchtbares mit der Menschheit anstellen. Das war völlig verrückt, ich war entsetzt! Aber da sieht man, dass die Leute keine Ahnung von Biologie haben. Der Mangel an Bildung auf diesem Gebiet ist ganz schlimm.

Mehr hier: www.emma.de.

Wissenschaftler kritisieren Genderpraxis des ÖRR

Im öffentlich-rechtlichen Rundfunk breiten sich „geschlechtergerechte Sprachformen“ in allerlei Formaten aus, bis hin zu den Nachrichtensendungen. 70 Linguisten und Philologen ist es nun zu viel. Diese Praxis sei ideologisch, missachte gültige Regeln und produziere „sozialen Unfrieden“. In ihrem Aufruf heißt es:

Seit 2020 hat die Verwendung der sogenannten gendergerechten Sprache im öffentlich-rechtlichen Rundfunk (ÖRR) in erheblichem Maße zugenommen. Ausgangspunkt dieser Sprachpraxis ist die Bewertung des generischen Maskulinums als diskriminierende Sprachform, die wir als Sprachwissenschaftler und Philologen zurückweisen. Wir fordern eine kritische Neubewertung des Sprachgebrauchs im ÖRR auf sprachwissenschaftlicher Grundlage.

Die Sprachverwendung des ÖRR ist Vorbild und Maßstab für Millionen von Zuschauern, Zuhörern und Lesern. Daraus erwächst für die Sender die Verpflichtung, sich in Texten und Formulierungen an geltenden Sprachnormen zu orientieren und mit dem Kulturgut Sprache regelkonform, verantwortungsbewusst und ideologiefrei umzugehen. Mehr als drei Viertel der Medienkonsumenten bevorzugen Umfragen zufolge den etablierten Sprachgebrauch – der ÖRR sollte den Wunsch der Mehrheit respektieren.

Der Germanist und Buchautor Fabian Payr (Autor des Buches Von Menschen und Mensch*innen, vgl. hier) ist Initiator des Aufrufs. Er teilte der Zeitschrift WELT mit: „Die Sender des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sind sprachprägend. Sie sind, was einst Luthers Bibel war: ein Modell für ein einheitliches Deutsch. Es könne daher nicht angehen, dass in den Anstalten beim Sprachgebrauch Laissez-faire herrsche.“

Hier der Aufruf „Wissenschaftler kritisieren Genderpraxis des ÖRR“: www.linguistik-vs-gendern.de.

Kulturkampf ums Geschlecht

Die Ampelregierung will sexuellen Minderheiten das Leben erleichtern. Kritiker fürchten jedoch die gesamtgesellschaftlichen Folgen. Der Redakteur Ben Krischke hat für die aktuelle Ausgabe des Magazins Cicero einen empfehlenswerten Artikel zur Debatte über die sexuelle Selbstbestimmung geschrieben („Kulturkampf ums Geschlecht“, Cicero, Nr. 8/2022, S. 15–25). Nachfolgende einige Auszüge:

Just an jenem Tag, an dem Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) und Bundesfamilienministerin Lisa Paus (Grüne) ihre „Eckpunkte“ für das von der Bundesregierung geplante Selbstbestimmungsgesetz in Berlin vorstellen, findet drei Kilometer südwestlich vom Haus der Bundespressekonferenz entfernt eine Demonstration statt. Eine kleine Gruppe Aktivisten hat sich Ende Juni vor der norwegischen Botschaft versammelt. Anlass ist eine strafrechtliche Ermittlung in Norwegen, die für Außenstehende wie Satire klingen mag. Für Christina Ellingsen aber könnte sie bald schon bitterer Ernst werden. Die Norwegerin ist Mitgründerin des Frauenrechtsnetzwerks „Women’s Declaration International“ (WDI) und hat eventuell gegen ein seit dem Jahr 2020 geltendes Gesetz verstoßen. Dieses stellt „Geschlechtsausdruck“ und „Geschlechtsidentität“, wie es darin heißt, unter besonderen Schutz. Ellingsens mögliches Vergehen: Sie hat öffentlich behauptet, dass Männer keine Lesben seien – und wurde dafür von einem transidenten Mann, der sich als Lesbe identifiziert, angezeigt. Sollte es zu einer Anklage kommen, drohen ihr in Norwegen bis zu drei Jahre Haft.

Was nach radikal-liberaler Gesellschaftspolitik klingt, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als Ausdruck einer konsequenten Weigerung, biologische Tatsachen anzuerkennen. Es ist ein entscheidender Schritt in ein postfaktisches Geschlechtersystem, in dem Begriffe wie Mann und Frau nur noch relativ wären. Bedenken indes werden von Verfechtern des Selbstbestimmungsgesetzes beiseitegeschoben und als „reaktionär“, „transphob“ oder einfach nur „rechts“ markiert. Biologin Galuschka, die Mitglied der Grünen ist, formuliert es so: „Wir versuchen, die Debatte zu führen, doch die andere Seite will sie verhindern.“

An vorderster Front kämpft der Queerbeauftragte der Bundesregierung, Sven Lehmann (Grüne). Als Galuschka und vier weitere Autoren einen Gastbeitrag in der zum Axel-Springer-Verlag gehörenden Tageszeitung Die Welt veröffentlichten, in dem sie eine transaffirmative Berichterstattung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks beklagten, weil dort zu positiv über Transsexualität berichtet werde, meldete sich Lehmann ebenfalls in der Welt zu Wort. Er schreibt: „Das Pamphlet trieft vor Homo- und Transfeindlichkeit, ist wissenschaftlich nicht fundiert und arbeitet mit Fake News.“ Und weiter: „Die Autor*innen sprechen in ihrem Text von einer ,bestätigte(n) wissenschaftlichen Erkenntnis der Zweigeschlechtlichkeit‘. Spätestens hier kann man den Text eigentlich weglegen und als quasi-kreationistisches Erzeugnis ignorieren.“

An der Reaktion des Queerbeauftragten der Bundesregierung wird deutlich, dass er gar nicht mehr um eine sachliche Debatte bemüht ist, sondern das Autorenteam, das in dem besagten WELT-Artikel die transaffirmative Berichterstattung des ÖRR aufdeckte und kritisierte, auf schäbige Weise diffamiert (vgl. dazu hier). Die Autoren seien homo- und transfeindlich, hätten von Wissenschaft keine Ahnung. Tatsächlich verbreitet freilich Sven Lehmann Pseudowissen, denn in den harten Wissenschaften ist unstrittig, dass die Biologie nur zwei Geschlechter kennt (siehe hier).

Wenn solche Aktivisten Politik, Wissenschaft und Bildung prägen, ist es um eine freiheitliche und aufgeklärte Gesellschaft schlecht bestellt. Wir erleben derzeit, wie Krischke treffend schreibt, einen „Kulturkampf, der längst nicht mehr nur im Internet oder in Büchern ausgetragen wird“. Ein Journalist, der bei der Präsentation des Selbstbestimmungsrechtes fragte, wie man mit Frauen umgehen solle, die sich mit einem biologischen Mann in der Saune oder in der Umkleide nicht wohlfühlen, antwortet die Bundesfamilienministerin: „Transfrauen sind Frauen, und deswegen sehe ich da jetzt keinen weiteren Erörterungsbedarf.“

Ich empfehle die Lektüre des gesamten Artikels. Der Erwerb der August-Ausgabe von Cicero lohnt sich!

Warum die Biologie nur zwei Geschlechter kennt

Auffällig viele Journalisten und Gender-Experten sind derzeit um den Nachweis bemüht, dass es mehr als zwei Geschlechter gibt (vgl. hier). So behaupten zwei Sprachwissenschaftlerinnen in der ZEIT, einen „Konsens, was definitiv und im Detail das Geschlecht festlegt“, gebe es „in der Forschung nicht“. Folglich existierten selbstverständlich mehr als zwei Geschlechter.

Es blüht die Pseudo-Expertise, meinen Uwe Steinhoff und Aglaja Stirn in einem Gastbeitrag für die FAZ und verteidigen die Expertise von Marie-Luise Vollbrecht:

Der Biologin wird von diesen Expertise abgesprochen und die besagte Wahrheit zur unwissenschaftlichen „Meinung“ erklärt. Es kommt einem der Kinderreim „Wer es sagt, der ist es auch“ in den Sinn. Denn Vollbrechts Kritiker sind entweder völlig frei von biologischer Expertise oder doch zumindest von dem Willen, diese gegen den genderideologischen Zeitgeist auch in Anschlag zu bringen.

So behaupten zwei Sprachwissenschaftlerinnen in der „Zeit“, einen „Konsens, was definitiv und im Detail das Geschlecht festlegt“, gebe es „in der Forschung nicht“. Dies belege „eine Vielzahl von Forschungsliteratur (etwa Nature: Ainsworth, 2015 oder Making Sex Revisited: Voß, 2011)“. Der Aufsatz in „Nature“ ist jedoch keine „Forschungsliteratur“, sondern lediglich ein Essay einer Wissenschaftsjournalistin. Die hat zudem auf die kritische Nachfrage: „Behaupten Sie, es gebe mehr als zwei Geschlechter?“ auf Twitter klargestellt: „Nein, nicht im mindesten. Zwei Geschlechter, mit einem Kontinuum von Variationen in der Anatomie/Physiologie.“ Ainsworth behauptet also genau dasselbe wie Vollbrecht. Unseren Sprachwissenschaftlerinnen ist das entgangen.

Das ZDF wiederum, dem eine Autorengruppe, der auch Vollbrecht und der Erstautor des vorliegenden Artikels angehören, die Verbreitung der Falschaussage der „Vielgeschlechtlichkeit“ vorgeworfen haben, bestätigt den Vorwurf abermals mit einem Interview, bei dem man sich fragt, wie lange das ZDF hat suchen müssen, um einen Evolutionsbiologen zu finden, der sich unklar genug ausdrückt, um die intendierte Botschaft zu senden. So redet der Interviewte von der „chromosomalen Geschlechtsbestimmung“ und erklärt, dass Männer „ein X- und ein Y-Chromosom, Frauen zwei X-Chromosomen“ besitzen. Erstens sind Männer und Frauen evolutionsbiologisch keine Geschlechter, sondern die Geschlechter sind das männliche und das weibliche, und das gibt es nicht nur bei Männern und Frauen, sondern auch bei Jungen und Mädchen wie auch bei Spargel. Zweitens sind Menschen mit Turner- oder Klinefelter-Syndrom (beides chromosomale Anomalien) ebenfalls Frauen oder Männer. Er meint zudem: „Es gibt keine klaren Kategorien männlich/weiblich, es gibt nur einen Durchschnitt.“ Falsch. Um statistisch den Durchschnittswert einer Klasse bestimmen zu können, muss man zunächst einmal die Elemente der Klasse identifizieren können. Anders gesagt: Um zu berechnen, wie der Durchschnittsmann aussieht, muss man zunächst wissen, was ein Mann ist – dafür bedarf man klarer Kategorisierung. Als i-Tüpfelchen des Interviews bekommen wir dann auch noch sozialkonstruktivistische Slogans: „Wenn ich aber Geschlecht darüber definiere, wie ein Mensch reagiert und sich verhält, dann sind zwei Geschlechter nur ein soziales Konstrukt.“

Mehr hinter einer Bezahlschranke: www.faz.net.

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