Bibelwissenschaft

SBL Greek New Testament

Greek SBL.pngBibleGateway.com hat den Text und den textkritischen Apparat des SBL Greek New Testament (herausgegeben von Michael Holmes) veröffentlicht. Damit gibt es einen ziemlich hochwertigen griechischen Text im Unicode-Format gratis im Internet. Über die SBL heißt es:

The Society of Biblical Literature, in keeping with its mission to foster biblical scholarship, is pleased to sponsor, in association with Logos Bible Software, a new, critically edited edition of the Greek New Testament. The Greek New Testament: SBL Edition (SBLGNT), which is freely available in electronic form, will be useful to students, teachers, translators, and scholars in a wide variety of settings and contexts.

VD: DB

Vaughan Roberts: Gottes Plan – kein Zufall!

201104121924.jpgDie Bibel ist nach wie vor das meistverkaufte Buch. Trotzdem ist heute der durchschnittliche Europäer nahezu unwissend, was den Inhalt der Heiligen Schrift angeht. Bei Christen steht es um die Bibelkenntnis meist nur geringfügig besser. Wir kennen die zwei großen Teile, also das Alte und das Neue Testament. Wir haben unsere Lieblingsverse und -geschichten, so wie Vers 16 im 3. Kapitel des Johannesevangeliums oder das Gleichnis vom barmherzigen Samariter. Aber kennen wir den heilsgeschichtlich bedeutsamen Unterschied zwischen dem Noahbund und dem Abrahambund? Haben wir uns schon mal gründlich mit den Spreisevorschriften oder dem Aufbau des Tempels beschäftigt? Was eigentlich ist das Reich Gottes? Ist uns beim Bibellesen schon der Christus des Neuen Testamentes im Alten Testament begegnet?

Christen, die eine gute Sonntagsschule oder Jungschararbeit kennengelernt haben, sind im Vorteil. Sie erinnern sich an den Auszug von Ägypten, Daniel und die Löwengrube oder die Speißung der Fünftausend. Da aber auch in der Kinder- und Jugendarbeit oft das Spieleprogramm das Erlernen biblischen Stoffes ersetzt hat, ist auch die christliche Sozialisation keine Garantie dafür, dass die Bibel ein vertrautes Buch ist.

Nun ist eine Arbeitshilfe von Vaughan Roberts erschienen, die helfen kann, die Grundlinien der Bibel von Anfang bis Ende besser zu verstehen. Gottes Plan – kein Zufall!, erschienen beim 3L-Verlag, will jungen und gereiften Christen einen Überblick über die gesamte Bibel verschaffen und dabei zeigen, dass alle 66 Bücher dieses einen dicken Buches aufeinander bezogen sind und in einem engen Verhältnis zu Jesus Christus stehen.

Vaughan Roberts ist Rektor der anglikanischen St. Ebbe’s Kirche in Oxford (Großbritannien) und seit 2009 President des Proclamation Trust, einem Werk, dass besonders den auslegenden Predigtstil stärken möchte. Roberts hat viel Stoff aus dem Klassiker Gospel and Kingdom von Graeme Goldsworthy übernommen, aber dem Buch ein eigenständiges Profil verliehen. Einer kurzen Einleitung in die Bibel folgen acht Kapitel, die angefangen vom Schöpfungsbericht bis hin zum vollendeten Reich im Buch der Offenbarug führen. Die Kapitel sind mit Schlüsselversen, ansprechend gestalteten Tabellen und Abbildungen angereichert (vgl. die Abbildung anbei). Am Ende jeden Kapitels befinden sich Fragen zum vertiefenden Weiterstudium.

Da das Buch nur 158 Seiten umfasst, musste sich der Autor auf die wichtigsten Themen beschränken. Aber die Vereinfachung mitsamt einiger Unschärfen ist die klare Stärke des Buches. Der Leser erkennt schnell wichtige Grundmuster, die das erschließen der Heiligen Schrift enorm erleichtern. So lässt sich Bibel leichter im Zusammenhang lesen. Roberts:

Mit Ausnahme von einigen der Sprüche enthält die Bibel keine isolierten Aussprüche. Ich sollte mich davor in Acht nehmen, wahllos zuzugreifen und einzelne Verse ohne Rücksicht auf ihren Zusammenhang zu entnehmen. Es ist nahezu unvermeidlich, dass ich die Bibel missverstehe, wenn ich sie auf diese Weise lese. Jeder Vers muss im Kontext des Kapitels, in dem er auftaucht, verstanden werden, und jedes Kapitel im Licht des Buches als Ganzem. Und es gibt einen größeren Zusammenhang, den wir ebenso berücksichtigen müssen: die gesamte Bibel.

Roberts liest die Bibel christozentrisch. Er stellt klar heraus, dass Gott schon immer den Plan hatte, Jesus Christus als den Retter für die Welt zu senden. »Die ganze Bibel«, schreibt Roberts, »weist vom Anfang bis zum Ende auf ihn hin«. Obwohl der Autor so wegführt von der vorschnellen Frage: »Was bedeutet der Text für mich«, wird es dem Leser möglicherweise trotzdem »warm ums Herz«. Mir ging es bei der Lektüre ein wenig so wie den Jüngern von Emmaus. Nachdem Jesus ihnen Mose, die Propheten und alle Schriften »auf Christus hin« ausgelegt hatte, fragten sie sich: »Brannte nicht unser Herz, als er unterwegs mit uns redete, als er uns die Schriften aufschloss?« (Lk 24,32).

Das Buch mit kann die Bibellektüre erheblich bereichern und beleben. Ich empfehle es herzlich!

Hier eine Leseprobe und die Abbildung von oben als PDF: Schaubild.pdf.

Das Buch:

  • Vaughan Roberts: Gottes Plan – kein Zufall!: Die Bibel im Zusammenhang erklärt, Waldems: 3L Verlag 2011, 158 S., 12,20 Euro

kann hier bestellt werden:

Das Gesetzesverständnis der Neuen Paulusperspektive

Trefflicher als Ferdinand Hahn kann man es nicht formulieren (Theologie des Neuen Testaments, 3.1.1.1–3.1.1.3):

Lange Zeit besaß in der exegetischen Forschung die repräsentativ von Rudolf Bultmann vertretene Auffassung Geltung, wonach es im Judentum der Zeit Jesu, entscheidend geprägt durch die Pharisäer, ein Gesetzesverständnis gab, das ausschließlich am Tun des Menschen orientiert war, der sich durch sein gesetzestreues Verhalten Lohn und Heil erwerben wollte. Dabei wurde häufig von einem gegenüber dem Alten Testament depravierten Gesetzesverständnis gesprochen.

Gegen diese Auffassung hat vor allem E.P. Sanders Einspruch erhoben und darauf hingewiesen, daß in der jüdischen Literatur der vorchristlichen und christlichen Zeit das Gesetzesverständnis nicht abgelöst war von der vorausgegangenen gnädigen Zuwendung Gottes und der Zugehörigkeit zum Bund (»Bundesnomismus«). Das Tun der Menschen diente daher nicht dem Erwerb, sondern der Bewahrung des Heils. Im Zusammenhang damit hat James D.G. Dunn auf die Bedeutung von Beschneidung und Gesetzesobservanz als »identity marker« für jüdisches Selbstverständnis hingewiesen.

So wichtig diese Beobachtungen sind, es kann trotz der grundlegenden Bedeutung der Zugehörigkeit zum Bund nicht übersehen werden, daß es seit der prophetischen Tradition das Problem des Bundesbruches gab und daß darüber hinaus das endzeitliche Gottesgericht ein zunehmendes Gewicht erhielt. Die Folge war ein durchaus ambivalentes Verhalten zum Gesetz, das zwar nach wie vor entscheidendes Kennzeichen der Zugehörigkeit zu dem von Gott erwählten Volk war, zugleich aber im Blick auf das ausstehende Endgericht Ungewißheit und eigenes Streben nach Gerechtigkeit einschloß. Ein solches Verständnis ist jedenfalls bei Paulus vorausgesetzt.

The Bart Ehrman Project

Der Religionswissenschaftler Bart Ehrman ist in evangelikalen Kreisen groß geworden und zählt inzwischen zu den schärfsten Kritikern einer Offenbarungstheologie. Die Bibelkritik von Ehrman verunsichert junge Christen in den USA und vielen anderen Ländern. Durch seine Bücher Abgeschrieben, falsch zitiert und missverstanden oder Jesus im Zerrspiegel ist er inzwischen auch im deutschen Sprachraum bekannt.

Miles O’Neill, der an der gleichen Universität wie Barth Ehrman arbeitet, hat das »The Bart Ehrman Project« ins Leben gerufen, das sich kritisch mit den Thesen von Ehrman befasst.

Hier: ehrmanproject.com.

Spektakulärer Fund: Die Kirche von Laodizäa

Verschiedene Medien haben heute gemeldet, dass die »Siebte Kirche« (FAZ, 1. Februar 2011, Nr. 26, S. 29) in der Türkei gefunden wurde. Radio Vatikan teilt mit:

Archäologen haben im Südwesten der Türkei die sogenannte siebte Kirche von Asien aus der biblischen Offenbarung des Johannes entdeckt. Das teilte Kulturminister Ertugrul Günay laut türkischen Presseberichten am Montag beim Besuch der Grabungen mit. Die antike Stadt Laodizäa in der Landschaft Phrygien wird in der rätselhaften Apokalypse am Ende des Neuen Testamentes als Sitz der siebten christlichen Gemeinde erwähnt, die ein Sendschreiben Jesu erhält (Offb 3:14-22). Nach Angaben von Grabungsleiter Celal Simsek wurde die Kirche mit unterirdischen Radarmessungen geortet. Das Bauwerk sei im Wesentlichen im Originalzustand erhalten …

Nachtrag vom 02.02.2011: Bitte Kommentare lesen.

Kam der Apostel Matthäus bis nach Kirgistan?

Der See Issyk-Kul war ein frühes Zentrum des Christentums. An seinen Ufern vermuten Archäologen das Grab des Jüngers Matthäus. DIE WELT schreibt:

Insgesamt vermutet der Forscher, der seit 1985 in der Region des Issyk-Kul arbeitet, zwölf städtische Siedlungen rund um den See. Auf eine starke christliche Präsenz lasse sich aus elf Fundstellen sowie einem erhaltenen Katakombensystem schließen, so Ploskych. An zwei Stellen fänden sich konkrete Hinweise auf ein armenisches Kloster. Erste Hinweise auf das Kloster gebe es in einer mallorcinischen Karte des Forschers Kreskes aus dem Jahr 1375, auf der von einem See „Ysicol“ als Ruhestätte der Reliquien des heiligen Matthäus die Rede sei.

Eine erste Suchexpedition im 19. Jahrhundert endete erfolglos. Während der sowjetischen Herrschaft waren keine weiteren Grabungen in dem damaligen militärischen Sperrgebiet möglich. Ploskych wird am Issyk-Kul personell insbesondere durch Studenten aus Deutschland unterstützt. Bei einer internationalen Konferenz 2006 konnte er erste Ergebnisse präsentieren, darunter zahlreiche Funde von Bronzegegenständen und mit christlichen Symbolen gekennzeichnete Keramiken.

Schade, dass der Autor apodiktisch voraussetzt, der Apostel sei jemand anderes als der Evangelist Matthäus.

Hier: www.welt.de.

Die Bedeutung der Inspiration für die Autorität der Schrift bei Calvin

Shin Hye Yang hat an der Humboldt Universität zu Berlin über das Thema: »Die Bedeutung der Inspiration für die Autorität der Schrift bei Calvin« promoviert (Anlass gaben Kontroversen in der süd-koreanischen presbyterianischen Kirche). Shin Hye Yang widerspricht in seiner Arbeit B.B. Warfield, J.I. Packer, R. Nicole und vielen anderen, die davon ausgehen, dass Calvin an eine wörtliche Inspiration der biblischen Schriften glaubte.

Die Überprüfung der Argumente, die in der Forschung zum Beweis von Calvins Überzeugung von der inspirierten Unfehlbarkeit des Textes der Schrift vorgebracht werden, hat ergeben, dass die Belege, die herangezogen werden, diese Argumente nicht tragen.

1) Calvins Reden vom dictare des Heiligen Geistes und von den biblischen Verfassern als Werkzeugen, Sekretären oder Schreibern dieses Geistes legt den Ton darauf, dass der allem menschlichen Zeugnis vorangehende Gott der Urheber der Schrift ist. Die Autorität der Schrift stammt von ihm, indem er durch seinen Geist Menschen antreibt, seinem Willen entsprechend das von ihm Empfangene aufzuschreiben. Er fordert dabei den Gehorsam von Menschen als von ihm Beauftragten und sorgt durch seine Vorsehung dafür, dass sie seiner Herrschaft und ihrem Ziel dienen. Es ist aber nicht erkennbar, dass Gott im Sinne Calvins damit den Buchstaben und Wörtern, welche diese Beauftragten verwenden, eine ihnen immanente göttliche Qualität verleiht. Auch daraus, dass das dictare die Aufforderung an die biblischen Verfasser impliziert, nichts Eigenes hinzuzufügen, ist nicht mit W. Krusche zu folgern, dass die Inspiration auch die Form der Schrift betrifft.

2) Wie ich unter 3.2. schon summiert habe, leitet die Unterscheidung zwischen einem inspirierten unfehlbaren Urtext der Bibel und fehlerhaften Abschriften Calvins Umgang mit Fehlern und Versehen in vorliegenden Texten nicht.

3) In der Bibel berichtete Wunder und Weissagungen sowie die Überlieferungsgeschichte der Heiligen Schrift unterstützen nach Calvin die Glaubwürdigkeit und die Autorität der Schrift. Sie unterstreichen das ungewöhnliche und unbegreifbare Handeln Gottes, von dem die Texte berichten, verleihen der schriftlichen Form, in der das geschieht, aber keinen göttlichen Charakter. Dennoch gehören sie zur Verwirklichung des Heilswillens Gottes, für den Gott mit seiner allmächtigen Vorsehung sorgt, indem er Menschen für das Aufschreiben seines Handelns und das Überliefern der Schriften durch seinen Geist in Anspruch nimmt. Diese Schriften gehören darum in den dynamischen Prozess hinein, in dem Gott die Geschichte der erwählten Menschheit zu ihrem eschatologischen Ziel führt.

Obwohl mich Shin Hye Yang mit seiner These nicht überzeugt, bietet die Dissertation eine Menge Quellenmaterial und »Denkstoff«. Ich hoffe, dass sich bald jemand intensiv mit dem Ertrag auseinandersetzt und (vielleicht sogar) eine Antwort formuliert.

Die Dissertation kann hier heruntergeladen werden: yang.pdf.

Zur Entstehung des neutestamentlichen Kanons

201011161521.jpgSoeben ist ein weiteres Buch zur Entstehung des neutestamentlichen Kanons erschienen. Craig Blomberg schreibt über:

  • Chuck E. Hill: Who Chose the Gospels? Probing the Great Gospel Conspiracy, Oxford: Oxford University Press, 2010. 18,00 Euro, S. 304

in einer Rezension:

Hill’s work comes as a breath of fresh air after reading both the radical revisionists like Bart Ehrman and the more conservative revisionists like Lee McDonald. If anything, Hill could have made his case a bit more forcefully at times. Read the Gnostic and apocryphal corpora through from start to finish and you will not find a claim made anywhere by the authors of those Gospels that demonstrates that they were even wanting them to be accepted on a par with the canonical texts. Nor do the early orthodox heresiologists ever allege that the sectarians made such claims, as one would have expected to read if they had done so, if only for the sake of denouncing such those claims as a key reasons for rejecting the writings.

Qumran: Neue Technik könnte weitere Fragmente entschlüsseln

Wissenschaftler sind sicher, dass sie den rund 2000 Jahre alten Schriftrollen von Qumran weitere Geheimnisse entlocken können. DER SPIEGEL schreibt:

Ein Beduinenhirte hatte die verborgenen Schätze aus purem Zufall gefunden. Als der Mann im Jahr 1947 auf der Suche nach einem entlaufenen Tier war, spürte er die ersten Rollen in einer Felsspalte auf. Weitere Funde in insgesamt elf Höhlen machten schnell klar, dass es sich bei den sogenannten Qumran-Rollen um einen der wichtigsten archäologischen Funde des 20. Jahrhunderts handelte. Doch die dünnen Pergamentrollen, auf ihnen stehen unter anderem die bislang ältesten handschriftlichen Bibeltexte in hebräischer, aramäischer und griechischer Schrift, waren schon bei ihrer Entdeckung arg zerbröselt. Das hat die Entzifferung der Dokumente, die zwischen dem dritten Jahrhundert vor Christus und dem ersten Jahrhundert nach Christus entstanden, zu einem komplizierten Unterfangen gemacht. Nun glauben deutsche Materialwissenschaftler aber einen entscheidenden Schritt nach vorn gemacht zu haben. Rund 17.000 Fragmente gibt es – und viele von ihnen können bisher weder den einzelnen Fundhöhlen noch bestimmten Dokumenten zugeordnet werden. Nur einige gut erhaltene Rollen können künftig digitalisiert ins Internet gestellt werden. Nach Einschätzung der Berliner Bundesanstalt für Materialforschung (BAM) erlaubt aber eine neue Technik künftig eine eindeutige Zuordnung weiterer Schriftfragmente.

Hier mehr: www.spiegel.de.

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