Bibelwissenschaft

„Und der Herr erhörte Hiskia …“

Hiskia

Die Bibel berichtet von Hiskia, dem König von Juda. Im 2. Buch der Könige und im 2. Buch der Chroniken finden sich, wie bei Jesaja, zahlreiche biographische, geistliche und politische Angaben zu seinem Leben und Wirken. Baumaßnahmen, Verschwörungen und der Krieg mit dem assyrischen Oberherrn, sowie die wundersame Errettung Jerusalems vor der Eroberung durch Sanherib werden detailreich geschildert.

In der Theologie werden – nicht überraschend – die historischen Zeugnisse der Bibel hinterfragt. „Traditionsliteratur“ nennt man die Berichte mitunter und vermutet zahlreiche Überarbeitungen, die wenig zeitgenössisches Material erahnen lassen. Obwohl gerade die Zusammenhänge um Hiskias Herrschaft auch in assyrischen und babylonischen Quellen sehr genau bezeugt werden, wird der Wert der biblischen Texte als historische Quelle oft marginalisiert.

Der Autor des Buches „Und der Herr erhörte Hiskia …“ vertritt die These, dass solche Zweifel an der Historizität der biblischen Texte zu einem guten Teil aus theologischen Vorannahmen resultieren und weniger aus historischem Arbeiten, den Texten und den Ereignissen selbst. Er blendet deshalb bewusst theologische Vorannahmen aus und vergleicht die Bibeltexte als Quellen mit den Quellen der umliegenden involvierten Kulturkreise.

Das Ergebnis verblüfft. Wer die zahlreichen Informationen nicht einfach wegen entsprechender historisch-kritischer Vorgaben ignoriert, erkennt, wie exakt und detailgenau die biblischen Beschreibungen sich in den Kontext der Geschichtsschreibung der angrenzenden Kulturräume einfügen.

Andreas Späth kommt zu dem Schluss, dass die biblischen Geschichten wirkliche Geschichte sind – freilich durch den eigenen Standpunkt und die eigene Theologie gefärbt. Aber genau darin unterscheiden sich die biblischen Quellen kein bisschen von denen der Assyrier, Babylonier oder Ägypter. Wer immer diese Texte verfasst hat, wusste genau, worum es ging.

Ein sehr hilfreicher und aufwendig gestalteter Band aus der Reihe: Altes Testament im Kontext (ATK). Wir dürfen auf weitere Bände hoffen.

Craig Evans: Können wir den neutestamentlichen Manuskripten vertrauen?

Unser Glaube gründet sich auf das Neue Testament – aber können wir den Überlieferungen wirklich vertrauen? Skeptiker verneinen dies und argumentieren, dass die Evangelienmanuskripte manipuliert wurden, um eine bestimmte theologische Agenda durchzusetzen. Doch ist das so?

Die hilfreiche Faithlife-Dokumentation Fragments of Truth mit Dr. Craig Evans und anderen gibt es hier (leider nur in englischer Sprache):

Der Bauer/Aland unter der Bibel-Software Logos

In dem Artikel „Why Did John Piper Say He Hardly Needs BDAG?“ beschreibt Mark Ward, weshalb er das Wörterbuch A Greek–English Lexicon of the New Testament and Other Early Christian Literature, 3rd ed. (BDAG) dreimal erworben (Buch, BibleWorks u. Logos) hat und wie John Piper und er selbst es unter der Bibel-Software Logos einsetzen.

Das deutschsprachige Ursprungswerk, den sogenannten Bauer/Aland, gibt es ebenfalls unter der Bibel-Software Logos. Zusammen mit dem The New Treasury of Scripture Knowledge (NTSK) kommt er bei mir auch oft zur Anwendung. Eine feine Sache, auch beim Bibellesen mit dem iPad! Es braucht nur ein paar Klicks, um die Wörterbücher durchstöbern zu können.

IMG 0382

Bildschirmfoto 2022 10 26 um 09 56 21

Wie man den Bauer/Aland unter Logos priorisiert, um ihn als Standardwörterbuch zu verwenden, erkläre ich in diesem kurzen Video:

Einsteigen mit Logos 9 Basic

Deutsch Basic 315

Die Bibel-Software Logos ist enorm leistungsfähig, aber natürlich recht teuer, wenn man eine große Bibliothek aufbaut. Bevor man einsteigt, sollte man sich das also gut überlegen. Der Hersteller hat daher ein kleines Paket geschnürt, mit dem man die Software kennenlernen und austesten kann. Logos Basic ist eine kostenlose Logos-Version mit vielen einzigartigen Funktionen zum Bibellesen. In diesem Paket gibt es übrigens die beliebten Videos vom BibleProject (Deutsch). Außerdem legt Faithlife einen Gutschein drauf, mit dem eine erste zusätzliche Bibel für unter 5€ erworben werden kann.

Mehr Infos hier: de.logos.com.

Bullinger: Wortlaut der Vulgata muss an Ursprachen geprüft werden

Das Konzil von Trient stellte 1546 im sogenannten Dekret über die Vulgata-Ausgabe der Bibel klar, dass die lateinische Übersetzung als authentisch zu gelten hat. Wörtlich heißt es in dem Erlaß (DH, 1506–1507):

Erwägend, daß der Kirche Gottes nicht wenig an Nutzen zuteil werden könne, wenn bekannt wird, welche von allen lateinischen Ausgaben, die von den heiligen Büchern im Umlauf sind, für authentisch zu halten ist, beschließt und erklärt dasselbe hochheilige Konzil überdies, daß diese alte Vulgata-Ausgabe, die durch den langen Gebrauch so vieler Jahrhunderte in der Kirche anerkannt ist, bei öffentlichen Lesungen, Disputationen, Predigten und Auslegungen als authentisch gelten soll, und daß niemand wagen oder sich unterstehen soll, diese unter irgendeinem Vorwand zu verwerfen. Außerdem beschließt es, um leichtfertige Geister zu zügeln, daß niemand wagen soll, auf eigene Klugheit gestützt in Fragen des Glaubens und der Sitten, soweit sie zum Gebäude christlicher Lehre gehören, die heilige Schrift nach den eigenen Ansichten zu verdrehen und diese selbe heilige Schrift gegen jenen Sinn, den die heilige Mutter Kirche festgehalten hat und festhält, deren Aufgabe es ist, über den wahren Sinn und die Auslegung der heiligen Schriften zu urteilen, oder auch gegen die einmütige Übereinstimmung der Väter auszulegen, auch wenn diese Auslegungen zu gar keiner Zeit für die Veröffentlichung bestimmt sein sollten.

Der Reformator Heinrich Bullinger hat in seiner Fünften Dekade gezeigt, dass Augustinus anderer Auffassung gewesen ist. Der Kirchenvater bestand darauf, die Vulgata in Zweifelsfällen an den Ursprachen zu überprüfen. Der Antistes der Zürcher reformierten Kirche vertrat insgesamt eine ausgewogene Position. Die Vulgata ist seiner Meinung nach hilfreich. Aber „wir alle fordern dazu auf, an zweifelhaften, umstrittenen, unklar übersetzten oder verfälschten Stellen auf griechische oder hebräische Quellen zurückzugehen. Authentisch ist nämlich das Buch, das hebräisch und griechisch abgefasst ist, schrieben doch weder die Propheten noch die Apostel lateinisch, sondern die Apostel griechisch und die Propheten hebräisch.“

Hier das Zitat im Zusammenhang (Schriften, Bd. V, 2006, S. 20–22):

Was ferner die allgemein verbreitete lateinische Übersetzung der Bibel betrifft, so verdammt oder verwirft sie kein vernünftiger Mensch schlechthin. Aber wir alle fordern dazu auf, an zweifelhaften, umstrittenen, unklar übersetzten oder verfälschten Stellen auf griechische oder hebräische Quellen zurückzugehen. Authentisch ist nämlich das Buch, das hebräisch und griechisch abgefasst ist, schrieben doch weder die Propheten noch die Apostel lateinisch, sondern die Apostel griechisch und die Propheten hebräisch. Wir verlangen hier nichts Ungehöriges und nichts, was die Papisten früher nicht selbst erlaubt hätten. So ist im Decretum Gratani, Distinktion 9, folgende Bestimmung zu lesen: »Der zuverlässige Wortlaut der altestamentarischen Bücher muss anhand der hebräischen Schriften überprüft werden, ebenso verlangt der zuverlässige Wortlaut der neutestamentarischen Bibel, dass man sich nach der griechischen Fassung richtet.«

Das sind übrigens Worte, die einem Brief des heiligen Augustin an den heiligen Hieronymus entnommen sind. Augustin schreibt ferner im elften Buch seiner Abhandlung gegen den Manichäer Faustus, Kapitel 2: »Sollte es eine Frage geben bezüglich der Glaubwürdigkeit der einzelnen Handschriften – wie denn in einigen Fällen Unterschiede im Wortlaut der Sätze bestehen, die allerdings selten sind und denen bekannt, die sich dem Studium der Heiligen Schrift widmen –, so muss unser Zweifel entweder durch Abschriften aus den Gebieten ausgeräumt werden, aus denen unsere Lehre selbst herstammt, oder, falls sich auch dort die Handschriften voneinander unterscheiden sollten, die häufiger überlieferte der seltener überlieferten und die ältere der jüngeren Fassung vorgezogen werden. Sollte dann noch immer ein Unterschied im Wortlaut bestehen bleiben, so muss die ältere Sprache, aus welcher der Text übersetzt worden ist, zu Rate gezogen werden.« Ebenso schreibt er im zweiten Buch seines Werks über die christliche Lehre, Kapitel 11: »Die Menschen lateinischer Zunge bedürfen zweier weiterer Sprachen zum Verständnis der Heiligen Schrift, der hebräischen und der griechischen, damit sie auf die älteren Textfassungen zurückgreifen können, wenn die lateinische Übersetzung irgendeinen Zweifel aufkommen lässt.« Und weiter: »Die, welche die Heilige Schrift aus dem Hebräischen ins Griechische übersetzt haben, können einzeln aufgezählt werden, nicht aber die, welche sie ins Lateinische übersetzt haben. Denn wer auch immer in der Frühzeit unseres Glaubens eine griechische Handschrift in die Hände bekam und von sich glaubte, er habe ein wenig Talent in diesen beiden Sprachen, der wagte es, eine lateinische Übersetzung anzufertigen.« Ebenfalls im zweiten Buch, Kapitel 12, wo er über die Verschiedenheit der Übersetzungen spricht, bemerkt er noch: »Dies hat das Verständnis mehr gefördert als gehemmt, solange nur die Leser nicht nachlässig sind. Denn mit der prüfenden Durchsicht mehrerer Handschriften hat sich manch dunkle Stelle klären lassen.« Wenn nun die Väter des Konzils von Trient dies alles mit einem Dekret in Abrede stellen und uns gegen jede Vernunft die lateinische Übersetzung als die authentische Fassung aufdrängen, ohne das Alter der Übersetzungen und die Ansicht der Väter zu berücksichtigen, sehen wir wiederum ganz deutlich, wenn wir nicht mit Blindheit geschlagen sind, was wir von ihnen zu erwarten haben.

Die Bibel als Literatur lesen

C.S. Lewis stellte einmal fest: „Die Bibel, die ja nun einmal Literatur ist, kann gar nicht richtig gelesen werden, außer als Literatur; und ihre verschiedenen Teile nicht anders als die verschiedenen Arten von Literatur, die sie sind.“ Diese häufig zitierte Aussage ist der Leitgedanke eines Artikels von Leland Ryken. Er schreibt in „Die Bibel als Literatur lesen“:

Wenn der literarische Charakter der Bibel anhand ihres Erfahrungsgehalts bestimmt werden kann, dann ist dies auch in Bezug auf die Formen möglich, die diesen Inhalt transportieren. Im Laufe der Jahrhunderte war die gängigste Methode, einen Text als literarisch zu bezeichnen, ihn bestimmten Gattungen oder literarischen Typen zuzuordnen. Schon seit Langem wurden einige Gattungen als expositorisch und andere als literarisch anerkannt. Der expositorische Diskurs vermittelt Informationen direkt und abstrakt (z.B. Berichte, Tagebucheinträge und Aufsätze). Zu den literarischen Gattungen gehören Geschichte oder Erzählung, Poesie, Satire, visionäres Schreiben, Sprichwort und Epistel. Die Bibel ist eine der umfangreichsten Sammlungen verschiedener literarischer Gattungen und Formen in der Welt. Ihr Vorhandensein zeigt klar, dass es sich bei der Bibel um Literatur handelt.

Ein zweiter Hinweis auf den literarischen Charakter der Bibel ist ihre hohe Qualität, die wir als Kunstfertigkeit bezeichnen und mit der wir automatisch Schönheit assoziieren. Allgemein kann man dies an der durchgängigen Struktur einer Geschichte oder dem sorgfältigen Aufbau eines Gedichts nach dem Prinzip von Thema und Variation erkennen. In Psalm 1 wird die Glückseligkeit des gottesfürchtigen Menschen so beschrieben, dass wir verschiedene Facetten eines einzigen Themas betrachten können. Die Schönheit des Wortes durchdringt die Bibel und macht sie zum aphoristischsten Buch, das wir kennen – voller einprägsamer, leicht zu merkender Aussagen. Die rhetorische Gestaltung ist eine Form der Kunstfertigkeit, wie in Matthäus 5,2–10 zu sehen ist, wo jede Seligpreisung dem gleichen Muster folgt: (1) Segenszusage, (2) Benennung einer Gruppe, (3) Grund für den Segen, der mit der Formel denn beginnt, und (4) Nennung einer versprochenen Belohnung. Zum Beispiel: „Glückselig sind die geistlich Armen, denn ihrer ist das Reich der Himmel!“ (Mt 5,3).

Mehr: www.evangelium21.net.

Das Schleierkapitel

Prof. Alexander Weiss hat kürzlich (unfreiwillig) über einen Bibeltext gepredigt, der seit Jahrhunderten Diskussionen auslöst. Es geht um das so genannte Schleierkapitel in 1. Korinther 11,2–16. Es sind so manche Dissertationen zu diesem Text geschrieben worden und doch bleiben viele Fragen offen. Die Auslegung von Alexander ist sehr hilfreich; er plädiert (mit dem scharfen Blick eines Althistorikers) für die Unterscheidung zwischen Prinzip und Anwendung und begründet das auch (vgl. den Kommentar von E.J. Schnabel, Der erste Brief des Paulus an die Korinther, 2018, S. 594ff.). Der stets fleißige Hanniel hat übrigens wichtige Punkte zusammengefasst.

Hier:

Reformations-Studienbibel bei Logos

RFRMTNSSTDNBBLDie Reformations-Studienbibel steht für die Tradition der ursprünglichen Genfer Bibel aus dem 16. Jahrhundert. Die beim 3L-Verlag erschienene deutschsprachige Ausgabe beabsichtigt, die Klarheit und Kraft dieser Ausgabe zurückzubringen. Sie enthält mehr als 40.0000 Vers-für-Vers-Erklärungen und etliche Essays zu theologischen Themen sowie 10 Glaubensbekenntnisse in reformierter Tradition. Das Alte Testament ist überwiegend in der Schlachter-Übersetzung 2000 wiedergegeben, das Neue Testament, das Buch der Psalmen und die Sprüche enthalten die Neue Genfer Übersetzung.

Eine digitale Ausgabe unter der Bibel-Software Logos ist in Vorbereitung. Vorbestellungen mit einem Rabatt sind möglich unter: de.logos.com.

Wuppertaler Studienbibel für Logos

Landingpage Wuppertaler Digitale AusgabeFür die Bibel-Software Logos erscheint Kommentarreihe Wuppertaler Studienbibel demnächst digital. Die Wertschätzung der Bibel, geistliche Tiefe und Glaubensverwurzelung der Autoren macht das Werk nach wie vor zu einem hilfreichen Arbeitsmittel.

Mehr Informationen und eine Möglichkeit zur kostengünstigeren Vorbestellung gibt es hier: deutsch.logos.com.

Nach oben scrollen
DSGVO Cookie Consent mit Real Cookie Banner