Historische Theologie

Vor 500 Jahren besuchte Martin Luther Rom

»Sei gegrüßt, heiliges Rom!« Voller Erwartungen wanderte Luther 1510 nach Rom. Seine mit der Reise verbundenen Hoffnungen wurden allerdings herbe enttäuscht.

Der DLF informiert über Luthers Aufenthalt in der Stadt. Obwohl ich die Auffassung, Luthers Abneigung gegen Rom sei vor allem durch menschliche Verletzungen bestimmt gewesen, nicht teile, kann ich alles in allem den Beitrag empfehlen.

Hier der Mitschnitt: dlf_20100406_0944_ed4f97e8.mp3.

Die Christusbotschaft des Ken Wilber

In ihrem neuen Buch Spirituelle Kräfte des Neuen Zeitalters beschreiben Martin und Elke Kamphuis die Christusbotschaft des in den Emerging Church-Kreisen so geschätzten Ken Wilber wie folgt (siehe auch hier):

Inhalt seiner Verkündigung solle die sogenannte Christusschaft aller Menschen gewesen sein, die gemäß Ken Wilber zum Märtyrertod am Kreuz führte. Ein Medium will folgende Botschaft von Jesus bekommen haben: «Ich lebte, um die Möglichkeiten der Menschen zu zeigen. Was ich getan habe, können alle Menschen tun, und was ich bin, können alle Menschen sein.» Darum solle er seinen Jüngern den folgenden Auftrag gegeben haben: «Gehet hin in alle Welt und predigt den Menschen das Evangelium von der Allmacht der Menschen.»

Wilber ist der Meinung, die damaligen Menschen hätten Jesu Botschaft nicht verstanden, weil sie in ihrer evolutionären Bewusstseinsentwicklung noch nicht auf seiner Ebene angekommen waren. Dies solle auch für seine Jünger gegolten haben, die sich gemäß Wilber noch auf einer niedrigeren Bewusstseinsebene befanden, indem sie noch an einen Gott außerhalb von sich selbst glaubten. Da Jesus den spirituellen Stand seiner Jünger erkannte, solle er es für notwendig gehalten haben, sie über Gott als den Vater zu unterrichten, statt über ihre eigene Göttlichkeit. Zeichen der Höherentwicklung der Menschen des Neuen Zeitalters soll die Erkenntnis über «die wahre Botschaft Jesu» sein. Diese könne folgendermaßen lauten: «Jesus war nicht Mensch wie wir, sondern wir sind Götter (Gott) wie er.»

Für Wilber steht fest, dass der wesentliche Inhalt der Lehre Christi «reine Gnostik war». Die Gnostik bietet Erlösung über die eigene Erkenntnis der Wahrheit an. Die Wahrheit solle z.B. lauten: «Gib die Suche auf nach Gott, der Schöpfung und anderen Dingen. Suche ihn, indem du dich selbst als Ausgangspunkt nimmst. … Dich selbst kennen, heißt Gott kennen».

Das Buch, das sich kritisch mit der Esoterik und dem New Age-Denken auseinandersetzt:

  • Martin und Elke Kamphuis: Spirituelle Kräfte des Neuen Zeitalters: Von der Wirklichkeit Gottes und der Gefahr kosmischer Kräfte, Basel u. Gießen: Brunnen Verlag, 2010, 160 S., 9,95 Euro

kann hier bestellt werden:

Von großen Theologen lernen: Interview mit Gerald McDermott

51vWzzJAzEL._SL160_.jpgTrevin Wax hat mit Gerald McDermott über sein neuestes Buch gesprochen. In The Great Theologians stellt McDermott einflussreiche Theologen wie Athanasius, Aquin, Luther oder Schleiermacher vor. McDermott selbst sagt zur Auswahl der vorgestellten Denker:

Generally, these are the eleven whom I consider to have had the most influence on the history of Christian thought.

  • Origen’s way of reading shaped Bible interpretation for the next 1500 years.
  • Von Balthasar, a contemporary of Barth, is fast becoming the most important Catholic theologian for this new century.
  • Athanasius saved the church from degenerating into a little sect of Greek philosophy.
  • Augustine was perhaps the most influential of all theologians—East or West—teaching us all, for instance, the meaning of grace.
  • Thomas Aquinas was declared by the Catholic Church to be its foremost Doctor (teacher), and showed us all how faith relates to reason and the meaning of »sacrament.«
  • Luther’s efforts to reform the Catholic Church were the principal stimulus to the rise of Protestantism.
  • Calvin was the first and greatest teacher of that second great Protestant tradition, the Reformed movement.
  • Edwards was the greatest religious thinker to grace the American continent and also the premier Christian thinker about how God relates to beauty.
  • Friedrich Schleiermacher was the father of liberal theology.
  • John Henry Newman was the great reformer of the Church of England who famously became a Catholic and showed us how doctrine develops through time.
  • Barth was the most influential of all 20th-century theologians.

Hier das Interview. Das Buch:

  • Gerald McDermott: The Great Theologians: A Brief Guide, Inter Varsity Press, 2010, 210 S., ca. 16 Euro

kann hier bestellt werden:

Vor 450 Jahren starb der Reformator Philipp Melanchthon

PhilippMelanchthon.jpegVor 450 Jahren verstarb der Humanist und Reformator Philipp Melanchthon (1497–1560) in Wittenberg. Der Deutschlandfunk hat anlässlich dieses Jubiläums eine 5-teilige Reihe über den sprachbegabten Theologen produziert.

Im ersten Teil wird ausführlich über seine Liebe zur Horoskopie berichtet. Melanchthon hat übrigens auch für Martin Luther ein Horoskop erstellt.

Hier die Links zu den hörenswerten Podcasts:

Bekannter Evangelikaler sympathisiert mit »Ja« zur gleichgeschlechtlichen Ehe

James Jones, Bischof von Liverpool, hat seine sexualethischen Überzeugungen geändert und plädiert für eine »menschlichere Pastoraltheologie«. Zur neuen Linie gehört die kirchliche Unterstützung für ein zivilrechtliches »Ja« zur gleichgeschlechtlichen Ehe. Brisant an der Sache: Jones, übrigens ein Förderer von Steve Chalke’s transformativen Theologie, steht der Evangelischen Allianz sehr nah.

Hierhier und hier mehr dazu.

Post-Reformation Digital Library

Die »Post Reformation Digital Library« des Calvin College sollte sich jeder genauer anschauen, der den reformatorischen Literaturkanon besser kennenlernen möchte. Etliche der alten Dokumente sind inzwischen digitalisiert. So zum Beispiel ein Dokument, das ganz in meiner Nähe entstanden ist:

  • Olevian, Caspar: Der Gnadenbund Gottes, Erkläret in den Artickeln vnsers allgemeynen, vngezweiffelten Christlichen Glaubens, vnd in den angehengten zeichen vnd sigeln, welche man die H. Sacramenta nennet d.i. die Artikel des alten, waren ungezweiffelten christlichen Glaubens …, Herborn 1590

Zur Post-Reformation Digital Library heisst es:

The Post-Reformation Digital Library is a collection of resources relating to the development of theology during the Post-Reformation/early modern era (ca. 16th-18th c.), hosted by the H. Henry Meeter Center for Calvin Studies of Calvin College and Calvin Theological Seminary. The Post-Reformation Digital Library (PRDL) is a select bibliography focusing on primary source documents on early modern theology and philosophy, spanning publicly-accessible collections from major research libraries, independent scholarly initiatives, and corporate documentation projects.

Hier die Adresse: libguides.calvin.edu.

VD: JW

Brian McLaren: Eine neue Form des Christentums

Kevin DeYoung hat mit einer ausführlichen Besprechung des Buches:

begonnen.

Die Serie kann hier mitverfolgt werden: thegospelcoalition.org.

Auch Tim Challies hat das Buch gelesen und schreibt:

Er leugnet den Sündenfall, er leugnet die Ursünde, er leugnet die Verderbtheit [des Menschen], er leugnet die Existenz der Hölle …

Seine Rezension gibt es hier: www.challies.com.

Emergente Theologie

Spencer Burke spricht mit Tim King über die jetzt anbrechende Welt, in der sich alle Menschen lieb haben. Ja, das ist wirklich geheimnisvolle Theologie, eben ein transzendentes Mysterium.

Augustinus-Ausgabe aus dem Kreis um Martin Luther?

In Paris hütet ein Privatgelehrter eine von alter Hand kommentierte Augustinus-Ausgabe. Gehört sie nach Wittenberg? Die FAZ schreibt:

Vor allem mit Hilfe des vor einigen Jahren verstorbenen Tübinger Kirchenhistorikers Heiko Oberman, seines Kollegen Gerhard Hammer und des Manuskript-Experten Karlfried Froehlich von der Universität Princeton gelang es allerdings, einige der Marginalien des besonders üppig annotierten achten Bandes als Texte von Martin Luther, Philip Melanchthon und Wenzeslaus Linck zu identifizieren. Es sind insbesondere die augustinischen »Enarrationes in Psalmos«, denen der Glossator Kommentare aus Luthers »Summarien über die Psalmen und Ursachen des Dolmetschens« und Lincks »Kurtz Summaria oder außzüge der Psalmen« gegenüberstellt. Schlüsseltexte von Melanchthon wiederum finden sich vor allem bei Augustinus‘ Anmerkungen zu den Psalmen 31 und fünfzig. Bis heute sind allerdings kaum mehr als die Hälfte der Randbemerkungen ihren Quellen zugeordnet.

Vieles deutet darauf hin, dass der unbekannte Scribent seine Arbeit um 1536 beendet hat. Peter Way schließt das aus datierten Hinweisen auf zeitgenössische Ereignisse. Die letzte Notiz bezieht sich auf die Enthauptung von John Kardinal Fisher am 22. Juni 1535. Heinrich VIII. hatte sie befohlen. Sie findet in Form eines kurzen Nachrufs auf Fisher neben dem Vorwort im ersten Band der Edition Erwähnung. Für Way ist dieses Datum mehr als nur ein Kuriosum. Es ist Teil seiner Indizienkette, die mitten in die Denkstuben der Wittenberger Reformatoren führt: Der Annotator muss ein Mann mit Zeit, Geduld und außergewöhnlicher Bildung gewesen sein.

Offenbar hat er neben bemerkenswerten sprachlichen Fähigkeiten auch über profunde editorische Kenntnisse verfügt. Immerhin hat er ungefähr 50.000 Einzelkorrekturen vorgenommen. Für seine Arbeit muss er Zugang zu einer guten Bibliothek gehabt haben. Aber nicht nur das: Er muss in der Lage gewesen sein, auf Originalmanuskripte der großen Reformatoren zuzugreifen. Etliche der Textstellen, die in den Marginalen auftauchen, lagen zum Zeitpunkt ihrer Niederschrift noch nicht in vervielfältigter Form vor: »Wie aber hätte jemand aus ihnen zitieren können, wäre er nicht einer jener Scholaren gewesen, die Luther an der Wittenberger Leucorea um sich geschart hatte?«

Hier mehr: www.faz.net.

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