Wissenschaft

Bibel als Weltliteratur

Die neue Lektüreliste für texanische Schüler hat viel Kritik auf sie gezogen – auch, weil die Bibel in der Schule gelesen werden soll. Kritiker erkennen darin einen weiteren Schritt hin zu einer schleichenden Aushöhlung der Trennung von Staat und Religion, die in den USA vorgeschrieben ist. Doch sie erweist sich die Liste in manchen Aspekten als sinnvoll, wenn es um die Vermittlung literarischer Kompetenz geht – meint Reinhard Zöllner. 

Er schreibt (FAZ, 11.07.2026, Nr. 158, S. Z2): 

Wer sich jedoch die Mühe macht, die siebzehnseitige Liste für die Jahrgangsstufen von Kindergarten bis Oberstufe tatsächlich zu lesen, stößt auf ein überraschend anderes Bild. Zweifellos ist der Lektüreplan insgesamt deutlich konservativer als vergleichbare Curricula in Europa. Er betont die amerikanische Gründungsgeschichte, die Verfassung, George Washington, Thomas Jefferson, Abraham Lincoln und die Geschichte von Texas. Daneben finden sich auch konservativ-libertäre Autoren wie die Atheistin Ayn Rand oder der schwarze Ökonom Thomas Sowell, der sich gegen Affirmative Action ausspricht. Der politische Akzent ist klar zu erkennen.

Aber für die Auswahl der biblischen Texte lässt sich eine solche Tendenz nicht ohne Weiteres behaupten. Der Kanon behandelt die Bibel nicht als Katechismus, sondern als Weltliteratur. Selbst wer den Lehrplanschreibern christlich-nationale Motive unterstellt, muss feststellen, dass das Ergebnis erstaunlich säkular und bildungsbürgerlich wirkt. Aufgenommen wurden insgesamt vierzehn biblische Geschichten und Texte, darunter aus dem Alten Testament die Geschichten von Noah, David und Goliath, Daniel in der Löwengrube, Psalm 23, Prediger 3 („Alles hat seine Zeit“), Hiob sowie der Sündenfall. Aus dem Neuen Testament kommen unter anderem die Seligpreisungen aus der Bergpredigt, das Gleichnis vom Verlorenen Sohn und das Hohelied der Liebe aus dem 1. Korintherbrief hinzu. Fast sämtliche ausgewählten Bibelstellen behandeln universale menschliche Fragen: Wie geht man mit Angst, Leid und Schuld um? Wie lebt man demütig? Was ist Liebe? Dies sind Themen, die man in Deutschland heute wohl als „Lebenskunde“ verstehen würde. Besonders aufschlussreich ist, was nicht auf der Liste steht. Ausgerechnet die Schöpfungsgeschichte fehlt. Wer in dem Lehrplan einen Versuch vermutet, den Kreationismus durch die Hintertür in den Englischunterricht einzuführen, dürfte überrascht sein. Statt Genesis 1 begegnen den Schülerinnen und Schülern erst Adam und Eva – als eine der großen Erzählungen über Freiheit, Schuld und menschliche Selbstüberschätzung. Die Zehn Gebote sind nicht dabei, ebenso keine Texte, die klassische christliche, aber konfessionell strittige Themen wie Rechtfertigung und Gnade, Kreuzigung, Auferstehung und Apokalypse behandeln. Nicht einmal Weihnachten kommt vor. Die Auswahl folgt insgesamt erkennbar nicht theologischen, sondern literarischen Kriterien. Viele der zu lesenden Texte sind zudem außerordentlich wirkmächtig; sie wurden in der Literatur- und Kulturgeschichte unzählige Male aufgegriffen.

Die Normalität des Progressiven

Leider gibt es nur wenige Soziologen, die eine traditionssensible Gesellschaft verteidigen. Der jüdische Philip Rieff ist da eine rühmliche Ausnahme. Aber woran liegt das? Warum sind die allermeisten Soziologen progressiv? 

James Manzi ist dieser Frage im englischen Sprachraum nachgegangen und zu dem Ergebnis gekommen, dass unter den Soziologen neunzig Prozent dem linken und nur fünf Prozent dem rechten politischen Spektrum zuzurechnen sind. Sein Vorgehen wirft sicher Fragen auf und am Ende ist das nichts anderes als ein „Eindruck“. Aber es scheint so, als ob es Verstärker gibt: „Wenn ein Großteil der Sozialwissenschaftler politisch nach links neigt, so ist nur folgerichtig, dass sich das in Summe auch auf ihre Forschung auswirkt. Man muss den Wissenschaftlern selbst keinen Strick daraus drehen. Vor persönlichen Vorannahmen ist niemand gefeit. Vielleicht begünstigt die Forschung mit dem ihr inhärenten Drang nach dem Neuen auch per se politisch progressive statt bewahrende Einstellungen. Problematisch ist jedoch, dass sich der Effekt ohne Gegenmaßnahmen mit der Zeit selbst zu verstärken droht, wie etwa der Soziologe Neill Gross gezeigt hat: Als links geltende Disziplinen ziehen mit der Zeit immer mehr linksgerichtete Nachwuchswissenschaftler an, was die Disziplinen wiederum linker macht.“

Hier ein weiterer Auszug aus einem FAZ-Artikel (27.05.2026, Nr. 120, S. N4):

In diesem Zusammenhang sorgt nun eine Studie für Aufsehen, die eine signifikante und seit Jahrzehnten zunehmende Linksorientierung der angelsächsischen Sozialwissenschaften nachweisen möchte. Anders als viele vor ihm hat ihr Verfasser James Manzi, ein Doktorand der Soziologie an der University of Oxford, dafür nicht die persönlichen Einstellungen der Wissenschaftler in den Blick genommen, sondern ihre Forschung. Dieser Unterschied ist entscheidend. Denn wo ein Anthropologe oder ein Ökonom in der Wahlkabine sein Kreuzchen setzt, ist zunächst einmal ebenso gleichgültig wie die Frage, was sein Lieblingsessen ist. Sein politischer Standpunkt wird erst dann erheblich, wenn er sich auf seine Arbeit auswirkt. Dann führt eine Homogenität der Einstellungen womöglich zu Homogenität in der Forschung.

Für seinen Aufsatz „The ideological orientation of academic social science 1960-2024”, der im Fachjournal „Theory and Society” erschienen ist, hat Manzi die Abstracts von knapp sechshunderttausend englischsprachigen Aufsätzen aus den Sozialwissenschaften untersucht. Zunächst fütterte er ein sogenanntes Large Language Model (LLM), also eine Art Künstliche Intelligenz, mit den Texten von amerikanischen Politikern, Medien und Thinktanks, die gemäß Manzis Vorannahmen einen bestimmten Punkt auf einer Rechtslinks-Skala von 0 bis 10 repräsentieren sollten. So verband er den Wert 3 („conservative“) mit Ron DeSantis, der Zeitschrift „National Review“ und dem Thinktank „Heritage Foundation“, den Wert 7 („progressive“) wiederum mit Elizabeth Warren, der „New York Times“ und dem „Center for American Progress“. Sodann forderte Manzi die KI auf, die sozialwissenschaftlichen Abstracts auf dieser so definierten Skala zu verorten.

Das Ergebnis: Von den rund dreißig Prozent der Abstracts, die das LLM als „politisch relevant“ einstufte, ordnete es neunzig Prozent dem linken und nur fünf Prozent dem rechten politischen Spektrum zu. Jede einzelne der elf untersuchten Disziplinen neigt politisch nach links, von einem Durchschnittswert von 5,7 in den Wirtschaftswissenschaften über 6,9 in der Soziologie bis hin zu 7,6 in den Gender Studies. Diese Tendenz hat sich über die Jahrzehnte kontinuierlich verstärkt, nur in den politiknahen Disziplinen (wie Kriminologie oder Politologie) gab es in den Siebziger- und Achtzigerjahren, der Thatcher- und Reaganära, eine leichte Gegenbewegung nach rechts. Die am weitesten nach links tendierenden Disziplinen waren zugleich auch die politisch homogensten, diejenigen also mit der geringsten Streuung der politischen Standpunkte.

Welchen Stellenwert hatte das Christentum im frühen Amerika?

Die USA feiern ihren 250. Geburtstag am 4. Juli 2026 – dem 250. Jahrestag der Annahme der Unabhängigkeitserklärung vom 4. Juli 1776. Eine gute Gelegenheit, darüber nachzudenken, welchen Stellenwert das Christentum im frühen Amerika hatte? Ist „christlicher Nationalismus“ vielleicht ein Anachronismus?

Die Historiker Miles Smith und Darryl Hart vom Hillsdale College diskutieren gemeinsam mit Michael Horton über die Geschichte des Christentums im frühen Amerika:

Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen nicht „wegzuerziehen“

Aus einem FAZ-Leserbrief zum Thema „Diskriminierung von Jungen“ (06.06.2026, Nr. 128, S. 7):

Kaum ein gesellschaftlicher Bereich wurde seit den späten Sechzigerjahren derart von politischen Glaubenssätzen durchdrungen wie das Bildungswesen. Die Vorstellung, geschlechtsspezifische Unterschiede seien weitgehend soziale Konstruktionen, gehört längst zum unhinterfragbaren Dogma vieler Bildungsfunktionäre. Die Folgen sind sichtbar: Jungen scheitern häufiger in der Schule, verlieren früher die Motivation und geraten häufiger in problematische Entwicklungen. Bemerkenswert ist dabei die Gleichgültigkeit, mit der dies oft hingenommen wird – nicht selten mit dem Hinweis, Männer würden später im Berufsleben ohnehin wieder profitieren. Man stelle sich vor, über schulische Benachteiligungen von Mädchen würde in vergleichbarer Weise gesprochen.

Der modische Begriff der „toxischen Männlichkeit“ spiegelt diese Geisteshaltung inzwischen auch sprachlich wider. Er steht sinnbildlich für ein kulturelles Klima, in dem männliche Eigenschaften zunehmend unter Generalverdacht geraten. Wer Jungen über Jahre vermittelt, sie seien zugleich privilegiert, problematisch und letztlich selbst schuld an ihrem Scheitern, darf sich über Frustration, Entfremdung und politische Radikalisierung eines Teils junger Männer nicht wundern.

Der Versuch, erkennbare Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen durch eine zunehmend feminisierte Pädagogik gleichsam „wegzuerziehen“, ist zum Scheitern verurteilt. Wirklichkeit lässt sich auf Dauer nicht ideologischen Wunschbildern unterordnen. Vielleicht sollte man deshalb endlich aufhören, die Dinge zu beschönigen, und das Kind beim Namen nennen: Vieles spricht dafür, dass wir es inzwischen mit einer ideologisch motivierten Diskriminierung von Jungen zu tun haben.

Paul Liessmann: Wissenschaft spricht nicht mit einer Stimme

In einer kürzlich gehaltenen Festrede über Wissenschaft hat der österreichische Philosoph Konrad Paul Liessmann sehr anschaulich darauf hingewiesen, dass der Aktivismus der Gegenwart nichts mit Wissenschaft zu tun hat. Die zunehmende Verzahnung von Wissenschaft und Politik verenge die Erkenntnis. Das gilt übrigens auch für die sogenannten Wissenschaftssendungen, die uns im Fernsehen „eineindeutige“ Handlungsanweisungen verkaufen.

Hier einige Auszüge aus der Rede von Prof. Liessmann (FAZ, 03.06.2026, Nr. 126, S. N4):

Das Verhältnis von Wissenschaft und Politik schien einmal so einfach. Sie erinnern sich: Kaum ein Imperativ erfuhr so viel begeisterte Zustimmung wie die schlichte Aufforderung: „Follow the science!“ – „Folgt der Wissenschaft!“. Das war eine der Parolen, mit denen Greta Thunberg die Klimabewegung enthusiasmierte, und der zeitweilige Schulterschluss zwischen „Scientists for Future“ und umweltbesorgten Aktivisten schien ein durchaus Erfolg versprechendes Bündnis zur Bekämpfung des globalen Klimawandels zu sein. Allen, die diesem Ruf nicht bereitwillig folgen wollten, konnte man Ignoranz, Wissenschaftsskepsis, Anfälligkeit für Verschwörungstheorien oder Schlimmeres vorwerfen. Aus den eindeutigen wissenschaftlichen Befunden schien doch klar hervorzugehen, was getan werden muss, nur beharrende Kräfte und renitente Bürger hatten die Zeichen der Zeit noch nicht erkannt.

An dieser vermeintlich plausiblen Argumentation ist jedoch einiges höchst fragwürdig. Allein die Annahme, es gäbe „die“ Wissenschaft, ist irrig. Abgesehen von den methodischen und atmosphärischen Welten, die Geistes- und Naturwissenschaften trennen, ist die neuzeitliche Wissenschaft durch Kontroversen, nicht durch Uniformität gekennzeichnet. Einander widersprechende Hypothesen und Theorien erzeugen eine Dynamik, die wohl gut bestätigte von eher unseriösen Konzepten unterscheiden lässt, aber keine Gewissheit geben kann.

…

Man darf sich nichts vormachen. Die Logik des politischen Aktivismus ist der Logik der Wissenschaften diametral entgegengesetzt. Es liegt im Wesen der modernen Wissenschaft, dass aus ihren Erkenntnissen tatsächlich keine unmittelbaren Handlungsanleitungen folgen. Wissenschaft beschreibt, erklärt, experimentiert, formuliert Hypothesen, entwirft Theorien und entwickelt Modelle, die unterschiedliche Szenarien antizipieren. Was dann getan, wie im Ernstfall gehandelt werden soll, ist keine Frage der Wissenschaft mehr, sondern eine politische Entscheidung. Man kann der Wissenschaft also gar nicht folgen, man kann bestenfalls Forschungsergebnisse in die Motive seines Handelns einfließen lassen.

Dem Aktivismus geht es deshalb nicht um Wissenschaft, sondern um deren Instrumentalisierung. Die Wissenschaft wird vorgeschoben, um politische Ziele über außerparlamentarische Verfahren durchzusetzen und um spektakuläre und medienwirksame Interventionen zu rechtfertigen.

Ein anderes Geschlecht, trotzdem unglücklich

Jungen Menschen mit Genderdysphorie geht es nach der Therapie nicht besser – womöglich weil ihre psychischen Probleme damit gar nicht gelöst sind. Hier ein Auszug aus einem Artikel von Felicitas Witte aus der FAZ:

Kinder und Teenager mit Genderdysphorie fühlen sich in ihrem Geschlecht als Mädchen oder Junge nicht wohl, leiden darunter und möchten so aussehen und behandelt werden, als gehörten sie zum anderen Geschlecht. Manche nehmen irgendwann Hormone und lassen sich operieren, um ihrem „Wunschgeschlecht“ zu entsprechen. Medizinische Transition nennt sich das. Logisch wäre, wenn es den Betroffenen danach besser ginge und sie glücklicher ihr „wahres Selbst“ leben könnten. Doch eine Studie aus Finnland lässt daran zweifeln. Denn auch nach Hormonen und Operation brauchen viele weiterhin Hilfe vom Psychiater, sogar mehr als vor der Transition.

Die Autoren werteten Daten von 18.726 Menschen unter 23 Jahren aus dem finnischen Gesundheitsregister aus. Darunter waren 2083, die sich zwischen 1996 und 2019 in der Genderdysphorie-Sprechstunde zweier Unikliniken vorgestellt hatten. Schon davor ging es ihnen psychisch deutlich schlechter als ihren Altersgenossen: Sie waren dreimal so häufig in psychiatrischer Behandlung gewesen. Jeder Zweite hatte sich einer Psychotherapie unterzogen, in der Vergleichsgruppe war es nur gut jeder Sechste. Es ist schon länger bekannt, dass junge Menschen mit Genderdysphorie häufig psychische Probleme haben. Je nach Studie sind davon 20 bis über 80 Prozent betroffen. Am häufigsten treten Angststörungen, Depressionen, ADHS, Essstörungen oder selbstverletzendes Verhalten auf.

„Die Studie zeigt erneut, wie wichtig es ist, zu klären, was Kinder oder Teenager psychisch belastet, bevor man eine eingreifende Therapie startet“, sagt Alexander Korte. Er war bis März 2026 leitender Oberarzt in der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Ludwig-Maximilians-Universität in München und arbeitet aktuell als Gutachter. 

Mehr (hinter einer Bezahlschranke): www.faz.net.

Kika – eine Politikschleuder

Geschlechterrollen, Rassismus, Kriminalität: Der öffentlich-rechtliche Kinderkanal Kika transportiert am laufenden Band politische Botschaften an die Kinder – will sie quasi erziehen:

Die Kika-Beiträge zählen laut Rundfunkstaatsvertrag zu Bildungsbeiträgen. Sie müssen regulär laut Medienstaatsvertrag nach fünf Jahren gelöscht werden. Die Länder wollen mit unterschiedlichen Löschfristen verhindern, dass die Mediatheken von ARD und ZDF private Streaming-Anbieter ausstechen. Bei keinem der von WELT ausgewerteten Beiträge war die Löschfrist abgelaufen.

Allen gemeinsam ist ihre unübersehbare Parteinahme. Das gilt auch für den 2023 erstmals veröffentlichten Beitrag über „Nick“, das Mädchen, das im falschen Körper geboren sei. „Besonders problematisch ist, dass die Sendung medizinische Eingriffe in ‚Nicks‘ Körper inklusive chemischer Kastration und Testosteronspritzen in eine kindgerechte Glückserzählung einbettet, an deren Ende Nick glücklich und akzeptiert ist“, kommentiert die Biologin Vollbrecht. Die Botschaft des Films nennt sie „fatal“: „Wer als Mädchen keine Barbies mag, bekommt die medizinisch animierte Erlösung als Junge.“

Meine Meinung: KiKA gar nicht erst einschalten. Das Programm hemmt die Kreativität von Kindern ohnehin.

Mehr: www.welt.de.

Trans: Teuer für Therapeuten

Eine Anfang April erschienene Langzeitstudie aus Finnland kommt zu dem Ergebnis, dass medizinische Geschlechtsumwandlungen bei einem Großteil der Jugendlichen nicht zu einer Verbesserung ihrer psychischen Gesundheit führen. Im Gegenteil: Psychische Erkrankungen nehmen sogar zu. In den USA verklagen aktuell 30 „Transkinder”, die eine Geschlechtsumwandlung hinter sich haben, ihre Therapeuten.

Ich zitiere aus dem Kampfblatt des Feminismus, der EMMA:

Varian war 16, als im Dezember 2019 ihre Brüste amputiert wurden. Ihr Psychologe, Dr. Kenneth Einhorn, hatte ihr immer wieder versichert, es würde ihr danach definitiv besser gehen. Ohne Mastektomie aber bestehe die Gefahr, dass sie sich umbringen würde. Das erklärte der Psychologe auch Foxʼ skeptischer Mutter Claire, einer Krankenschwester, die am Ende einknickte und die Einverständniserklärung unterschrieb. Dem Chirurgen, der dem Mädchen die Brüste abnahm, hatte Einhorn zur Überweisung der Patientin einen knappen Dreizeiler geschrieben. Dr. Simon Chin amputierte trotzdem.

Jetzt müssen beide Ärzte der heute 22-Jährigen zwei Millionen Dollar Schmerzensgeld zahlen. Das entschied das Gericht in White Plains, einem Ort rund 50 Kilometer nördlich von New York, am 31. Januar 2026 nach einem dreiwöchigen Prozess. Es ist in den USA der erste Fall, in dem Ärzte dazu verurteilt wurden, einer Jugendlichen, die ihre „geschlechtsangleichende Operation“ bereut, Schadenersatz zu zahlen. Aber es ist ganz sicher nicht der letzte. 30 weitere Fälle sogenannter „Detransitionierer“ liegen schon jetzt vor amerikanischen Gerichten. Sie alle werfen den Ärzten vor, was auch Fox Varian beklagt: „Ich war 16 und hatte sehr ernsthafte psychische Probleme. Ich war ganz offensichtlich nicht reif genug, die Entscheidung für eine solche Operation zu treffen. Und ich war ganz sicher nicht reif genug, mit den Folgen zurechtzukommen.“

Nach der OP ging es der 16-Jährigen nicht etwa besser, sondern schlechter. „Sie hatte immer noch Angstzustände, war immer noch depressiv und hatte die gleichen Probleme wie vorher“, berichtete Mutter Claire Deacon dem Gericht. Dazu kamen neue Probleme. Das Mädchen, das „die Operation schon bereute, als die Bandagen entfernt wurden“, begann sich zu ritzen. Jetzt war Fox Varian wirklich suizidal. Der Fall Varian sollte „ein Weckruf“ sein, erklärte nach dem Urteil die Psychologin Laura Edwards-Leeper. Sie gehört zu den bekanntesten Gender-Medizinerinnen des Landes und hatte 2007 die erste pädiatrische Gender-Klinik der USA in Boston gegründet. Heute ist sie eine der engagiertesten Warnerinnen vor einer Trans-Medizin, die aus dem Ruder gelaufen ist. „Wenn wir nicht sofort Kurskorrekturen vornehmen, prophezeie ich, dass wir entweder anhaltende Rechtsstreitigkeiten und Tragödien im Zusammenhang mit Detransitionen oder zunehmende Verbote von Behandlungen erleben werden.“ Beides ist schon jetzt der Fall.

Mehr: www.emma.de.

Die Massenuniversität frisst ihre Kinder

Der Althistoriker Michael Sommer beschreibt in einem WELT-Beitrag den Niedergang der Bildung in Deutschland, der nun durch die KI-Welle noch einmal beschleunigt wird. 

Zitat: 

Die Umorientierung der jungen Leute – weg von Ausbildungsberufen, rein in die Hochschulen – bekamen nicht nur die Arbeitgeber zu spüren, sie veränderte auch die Universitäten nachhaltig. Viele angehende Studenten glaubten nur zu gerne, was ihnen Politik und Elternhäuser versprachen: dass das Studium die Eintrittskarte für ein besseres Leben, vor allem besser bezahlte Jobs sein würde. Die Motivation, mit der Abiturienten ein Studium aufnehmen, hat sich so grundlegend gewandelt wie die Fertigkeiten, mit denen sie in die Hochschule kommen. Die intrinsische Motivation, sich auf Wissenschaft einzulassen, ist der extrinsischen Motivation gewichen, durch das Studium von der vermeintlichen Pole Position in den Arbeitsmarkt zu starten.

Die Politik hat – europaweit – auf die gewandelte Rolle der Universitäten reagiert, indem sie mit der Bologna-Reform das Studium in eine Prüfungsrallye umfunktioniert hat. Im Vordergrund steht statt sperriger Inhalte und Methoden das Sammeln von Zertifikaten, die den Absolventen als formal qualifiziert ausweisen. Weil aber die Grundbedingung der Studierfähigkeit mittlerweile bei mehr als der Hälfte der Studienanfänger nicht mehr oder nur noch zum Teil gegeben ist, verkommt das Zertifikatesammeln zur Farce. Alle wissen es, aber die Hochschulen sind willige Komplizen, weil sie ihre Größe und relative Finanzkraft den Studentenarmeen verdanken, die sie bis zum Examen durchschleusen.

Die Künstliche Intelligenz ist jetzt der Lackmustest für die Massenuniversität. Dass Professoren zurecht fürchten, von einer neuen, die Plagiatswelle noch übertreffenden Betrugslawine überrollt zu werden, ist im Grunde die Anerkenntnis dessen, dass die Universitäten heute ein dysfunktionales System sind und den Test nicht bestanden haben. Denn zum Betrügen gehören außer der KI noch zwei: Studenten, die sich Zertifikate erschleichen, und Professoren, die sie damit durchkommen lassen.

Mehr (hinter einer Bezahlschranke): www.welt.de.

„Das Autismus-Spektrum ist gescheitert“

Die in London lehrende Deutsche Uta Frith ist eine Pionierin der Autismusforschung. Sie trug maßgeblich dazu bei, den Begriff „Spektrum“ zu etablieren. Mittlerweile glaubt sie jedoch nicht mehr daran.

In einem Interview hat sie kürzlich, wie Die WELT berichtet, erklärt:

Im Interview mit dem „TES Magazine“ (früher „Times Educational Supplement“) schlägt Frith vor, künftig besser zwischen zwei Untergruppen zu unterscheiden. Die eine seien „Menschen, die in der frühen Kindheit diagnostiziert werden – in der Regel vor dem dritten oder fünften Lebensjahr, abhängig von Dingen wie ihren intellektuellen Fähigkeiten und ihrer Sprache.“ Von dieser Gruppe zu unterscheiden sei die andere, die erst viel später diagnostiziert wird: „Diese besteht aus vielen Jugendlichen, darunter viele junge Frauen. Dabei handelt es sich um Menschen ohne intellektuelle Beeinträchtigung, die vollkommen in der Lage sind, verbal und nonverbal zu kommunizieren, die sich aber in sozialen Situationen sehr ängstlich fühlen können. Sie sind vielleicht vor allem durch eine Art Überempfindlichkeit gekennzeichnet.“

Es ist laut Frith die zweite Gruppe, die mit erschreckender Geschwindigkeit wächst, während die Wachstumsrate der ersten Gruppe nur moderat ist. Und bei autistischen Kindern mit geistiger Behinderung habe es sogar überhaupt keinen Anstieg gegeben: „Diese Gruppe scheint ziemlich stabil zu sein.“

Mehr (hinter einer Bezahlschranke): www.welt.de.

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