April 2011

Berlin unfähig zum Umgang mit Religion

Der evangelische Landesbischof Markus Dröge hat den Umgang mit Religion in Berlin kritisiert. Die Stadt sei »stark von einer Kultur geprägt, die nicht gelernt habe, mit diesem Thema umzugehen«, sagte Dröge kürzlich bei einer Abendveranstaltung im Berliner Dom. Radio Vatikan meldet weiter:

Die Verankerung in der eigenen Religion sei jedoch eine wichtige Voraussetzung zur Entwicklung von Toleranz. In der Veranstaltung zum Thema »Integrationsbremse Religion?« kritisierte auch der in den USA lehrende Missions- und Religionswissenschaftler Christoffer Grundmann einen religiösen Analphabetismus in Deutschland. Dies erschwere den Umgang mit Menschen fremder Glaubensvorstellungen. In einer multikulturellen Gesellschaft sei Unfähigkeit auf diesem Gebiet ein Haupthindernis für Integration. Für die Stabilität einer solchen Gesellschaft sei es unabdingbar, dass ihre Mitglieder »kompetent über das eigene Welt- und Lebensverständnis Auskunft geben können«.

Quelle: www.oecumene.radiovaticana.org.

Die verschwindende Religiosität der Schweizer

Hanniel stellt eine Studie zur Religiosität der Schweizer vor. Inbesondere die Typisierung ist beachtenswert. Die Studie unterscheidet zwischen vier Haupttypen der Religiosität;

  1. Institutionelle
  2. Alternative
  3. Distanzierte
  4. Säkulare

Zum Ergebnis der Studie heißt es:

Auch wenn einzelne Individuen komplizierte Glaubensbiographien in fast jeder erdenklichen Richtung aufweisen können, sind die Entwicklungen im Aggregat relativ klar: Es finden sich – im Durchschnitt gesehen – keine Anzeichen dafür, dass sich die Säkularen und die Distanzierten in Richtung einer alternativen Religiosität entwickeln; die Gesamtentwicklung deutet bis jetzt eher in Richtung einer weiteren Distanzierung und schliesslich einer Religionslosigkeit.

Hier mehr: www.hanniel.ch.

Wer Terry Jones verachtet, muss ihn ignorieren

Meine im September 2010 geäußerten Befürchtungen haben sich leider erfüllt. In Afghanistan starben Menschen, weil ein Verrückter in den USA zündelte. Trotzdem ist die eigentliche Tragik der Gewaltausbruch in Masar-i-Scharif. Kaum jemand in den USA unterstützt den Koran verbrennenden Hassprediger Terry Jones. Die Muslime sollten lernen, solche irrationalen Blasphemien zu ertragen.

Nun sind Kausalketten nicht immer identisch mit Verantwortlichkeiten. Wenn Christen im Jemen hingerichtet werden, weil sie in der Bibel lasen, haben die Mörder ein Verbrechen verübt, nicht die Christen. Ebenso gilt in Afghanistan: Wer Norweger und Schweden umbringt, weil er sich durch eine zutiefst blasphemische Tat verletzt fühlt, begeht ein Verbrechen, das durch nichts zu rechtfertigen ist. Mord wiegt tausendfach schwerer als jede Form der Gotteslästerung. Wer den Blick allein auf Terry Jones richtet, läuft Gefahr, die wahren Schuldigen zu entschuldigen.

Hier mehr: www.zeit.de.

Love Wins 2.0

Da ist doch tatsächlich noch ein zweites Promotionsvideo zum Buch Love Wins im Internet aufgetaucht. Hier:


McKinsey über Kirche und Säkularisierung

Der Katholik Thomas von Mitschke-Collande ist deutscher Senior Director der Unternehmensberatung McKinsey und berät unter anderem die Deutsche Bischofskonferenz sowie verschiedene Bistümer.

Der DLF hat einen Beitrag mit dem promovierten Betriebswirt über das Profil der Katholischen Kirche gesendet. Von Mitschke-Collande beurteilt den Zustand der Katholischen Kirche – wie man schnell merkt – als Betriebswirtschaftler, nicht als Theologe. Zurecht weißt er darauf hin, dass es einen groben Dualismus von Glaubenslehre und Lebenswirklichkeit gibt. 80 Prozent der katholischen Christen leben nicht so, wie es die Moraltheologie empfiehlt. Dass die Spannung beseitigt werden kann, indem die Lehre der Praxis angepasst wird, bezweifle ich allerdings. Die Kirche sollte, wie von Mitschke-Collande an einer Stelle sagt, lieber im eigentlichen Wortsinn »evangelischer« werden.

[podcast]http://podcast-mp3.dradio.de/podcast/2011/04/01/dlf_20110401_0936_776ab6db.mp3[/podcast]

JesusHouse: Nick Vujicic

Gestern war Nick Vujicic bei JesusHouse (siehe hier ab ca. der zweiten Minute [allerdings MTV-Format]). Großartig, wie dieser Mann in einer scheinbar aussichtslosen Situation durch Jesus Christus Lebensmut findet und nun einer der größten Ermutiger ist, die es auf unserer Welt gibt.

Wer Nick kennenlernen möchte, sollte sich dieses Video anschauen:



Hier noch ein Artikel von Marcus Mockler über Nick. Sein Buch gibt es hier:

Reaktionäres JesusHouse

Dennis Sand klärt auf, über die Evangelikalen. Als Expertin steht ihm Frau Oda Lambrecht zur Seite. Sie weiß ja, wie bedrohlich Menschen sind, die die Bibel unvoreingenommen lesen (vgl. hier).

»Das ist das eigentlich Problematische«, sagt Lambrecht. »Man gibt sich modern, vertritt aber durch und durch reaktionäre Werte.« Und die werden den Jugendlichen langfristig vermittelt. Zwar spricht man offen über Sex – aber nur um für die Jungfräulichkeit vor der Ehe zu werben. Zwar gebe es deutliche Differenzierungen innerhalb der evangelikalen Bewegung – was aber alle Gruppierungen eint, so Lambrecht, ist ein Weltbild, das sich aus einem engen Bibelverständnis ableitet.

»Mit der Regionalisierung von JesusHouse hat die Missionsarbeit nun eine neue Dimension erreicht. Man holt die Jugendlichen da ab, wo sie sind und wo sie wenig andere Angebote finden«, ist im ZEIT-Beitrag zu lesen. Die Regionalisierung von JesusHouse gibt es seit 1998. Woher sollte Dennis das auch wissen. Damals war er 13.

Hier der Beitrag über die Gefährlichkeit von Jungendlichen, die über die Sache mit Jesus nachdenken: www.zeit.de.

Weltweite Evangelische Allianz verurteilt den Mord an UN-Mitarbeitern

Wutentbrand haben am Freitag Hunderte Demonstranten in Afghanistan das Büro der Vereinten Nationen in Masar-i-Scharif gestürmt und dabei mindestens elf Menschen getötet. Die UNO bestätigte am späten Freitagabend, dass sieben ihrer Mitarbeiter zu den Opfern gehören, darunter vier nepalesische Wachleute. Hintergrund für die Proteste ist die Koran-Verbrennung durch einen Pastor aus dem US-Staat Florida. Dort wurde ein Koran in Spiritus getränkt und verbrannt (siehe hier).

Afghanistans Präsident Hamid Karzai hatte die Aktion als Verbrechen gegen die Religion verurteilt und die USA und die Vereinten Nationen aufgerufen, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Prediger in der Blauen Moschee, einer bekannten Gebetsstätten in Afghanistan, hatten dann am Freitag gegen Koran-Verbrennungen in den USA gehetzt und die Menge aufgestachelt, berichteten Einwohner von Masar-i-Scharif. Nach dem Freitagsgebet seien rund 2000 Menschen durch die Straßen der Stadt gezogen und hätten Parolen gegen die USA und die UNO skandiert. Afghanische Behörden vermuten, dass sich Extremisten unter die zunächst friedlichen Demonstranten gemischt haben und so aus der Protestaktion eine Gewaltorgie wurde (siehe hier).

Die Weltweite Evangelische Allianz (WEA) hat sowohl die Verbrennung des Koran durch eine winzige Splittergruppe in den USA, als auch die Ermordung von UN-Mitarbeitern in Afghanistan auf das Schärfste verurteilt. Wie der Generalsekretär der WEA, der Kanadier Geoff Tunnicliffe, in einer Erklärung mitteilte, könne eine verabscheuungswürdige Tat, die mit dem christlichen Glauben nichts zu tun habe, niemals eine noch verabscheuungswürdigere Tat rechtfertigen. Tunnicliffe sprach den Angehörigen der UN-Mitarbeiter sein tiefes Beileid aus und forderte muslimische Leiter weltweit auf, gewaltbereite Menschen zu beruhigen und deutlich zu machen, dass die Koranverbrennung von allen christlichen Kirchen verurteilt worden wäre.

Der Vorsitzende der Theologischen Kommission der Weltweiten Evangelischen Allianz, Thomas Schirrmacher, erklärte, die Koranverbrennung sei gegen den eindeutigen Willen Jesu geschehen, der seinen Jüngern sowohl das Schwert gegen andere untersagt habe, als auch den Ruf nach Feuer vom Himmel. Die Gemeinde in Gainesville habe im Beisein von Terry Jones habe mit ihrem Akt den Namen Jesu Christi vor aller Welt in den Schmutz gezogen. Er verwies darauf, dass sich die WEA mehrfach massiv gegen die Koranverbrennung gewandt und in den USA in dieser Sache einen Schulterschluss mit muslimischen Leitern vollzogen habe.

Schirrmacher verwies auch darauf, dass die WEA Jones und andere mehrfach gewarnt hatte, dass den Preis für seinen Irrsinn nicht Jones und andere im sicheren Amerika, sondern Unschuldige in aller Welt bezahlen müssten. Genau das sei jetzt geschehen, sowenig die Verbrennung eines Buches die Ermordung von Menschen rechtfertigen könne.

Dass bei dem Anschlag auch Hindus und Nichtreligiöse ermordet wurden, zeige, so Schirrmacher, dass der Islamismus nicht nur gegen das Christentum antrete, sondern gegen alle Andersdenkenden mobil mache. Dagegen müssten sich friedliebende Menschen aller Religionen und Weltanschauungen gemeinsam wenden. Religionsfreiheit, Frieden und Gerechtigkeit seien unteilbar.

Dezisionismus bei Karl Barth

Wolfhart Pannenberg schreibt über die theozentrische Wende bei Karl Barth (Problemgeschichte der neueren evangelischen Theologie in Deutschland, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, S. 201):

Es ist ein tief ironisches Phänomen, daß gerade der entschlossene Theozentrismus Barths, der allen Anthropozentrismus und Subjektivismus der neuzeitlichen Theologie überwinden sollte, auf eine äußerste Zuspitzung eben dieses von Barth bekämpften Subjektivismus hinausläuft. Die anthropologische Begründung der Theologie bei Schleiermacher konnte immerhin noch mit dem Anspruch auf Allgemeingültigkeit auftreten, und ähnliches gilt – wenn auch mit Einschränkungen noch von der ethischen Begründung der Wahrheit des christlichen Offenbarungsanspruchs in der Erweckungstheologie von Tholuck bis hin zu Wilhelm Herrmanns Beschreibung des »Weges zur Religion«.

Die Wurzel für diese »Entscheidungstheologie« liegt nach Pannenberg – angelehnt an Karl Löwith – in Kierkegaards »Sprung in den Glauben« (vgl. S. 204,  zum »Sprung« siehe auch hier).

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