Einspruch im Namen der Menschenwürde

Am Donnerstag soll im Bundestag über PID abgestimmt werden. Der ehemalige Bundesverfassungsrichter Ernst-Wolfgang Böckenförde meint, die PID sei ein Selektionsinstrument. Der Staat kann niemanden zu der Entscheidung ermächtigen, ob ein anderer weiterleben darf oder verworfen wird.

Die Würde, die ein fertiges Wesen auszeichnet, lässt sich nicht von seinem Lebensprozess abspalten, muss diesen vielmehr mit umfassen. Nimmt man nämlich eine bestimmte Phase dieses Lebensprozesses von der Anerkennung und Achtung, die dem Menschen von seiner Würde her geschuldet ist, aus oder sucht sie prozesshaft abzustufen, weil er doch erst ein Acht- oder Sechzehnzeller sei und zur ohnehin ungewissen Nidation noch nicht gekommen sei, reißt man ein Loch in die Entwicklung des einzelnen individuellen Menschen selbst. Soll die Achtung der Würde jedem Menschen als solchem gelten, muss sie ihm von Anfang an, dem ersten Beginn seines Lebens zuerkannt werden.

Dieser erste Beginn des eigenen Lebens des sich ausbildenden und entwickelnden Menschen liegt nun aber in der Verschmelzung von Samenzelle und Ei, dem Abschluss der Befruchtung. Durch sie bildet sich ein gegenüber Samen- und Eizellen, die auch Formen menschlichen Lebens sind, neues und eigenständiges menschliches Lebewesen. Das ist heute gesicherte naturwissenschaftliche Erkenntnis. Auch die Stellungsnahme der Leopoldina – Nationale Akademie der Wissenschaften geht davon aus, dass mit der Bildung des neuen Zellkerns das vollständige individuelle menschliche Genom entstanden ist.

Es sind, wie Herta Däubler-Gmelin in einem nun bald zehn Jahre zurückliegenden großen Interview (Däubler-Gmelin: Würde des Embryos ist unbezweifelbar) feststellte, alle Grundvoraussetzungen und Fähigkeiten dafür vorhanden, dass ein individueller Mensch entsteht beziehungsweise sich als solcher entwickelt. Das genetische Programm der Entwicklung ist fertig vorhanden, bedarf keiner Vervollständigung mehr oder eines qualitativen Sprunges, entfaltet sich vielmehr von innen her nach Maßgabe eigener Organisation. Hier, und nicht erst irgendwann später, setzt die Würde des Menschen ein und ebenso die Verpflichtung der Rechts- und Verfassungsordnung, sich schützend vor dieses Leben und seine Entwicklung zu stellen.

Hier der Artikel: www.faz.net.

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Johannes Strehle
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Johannes Strehle

Böckenförde befasst sich auch mit dem Verhältnis zwischen PID und Abtreibung
und weist auf die illegale Abtreibungspraxis hin.
Was tun die Evangelikalen, um diese Praxis zu beenden?

Schandor
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Schandor

Wo kann ich unterschreiben, auf dass ich etwas dagegen unternehmen kann? Können denn „die Evangelikalen“ etwas unternehmen? Ich möchte schon, wüsste aber nicht, wie und wo. Ich könnte auf das gute (!) Buch der Inquisi, sorry, Kongregation für Glaubenslehre hinweisen: „Die Unantastbarkeit des menschlichen Lebens“, das mit einem Nachwort des geschätzten Philosophen Robert Spaemann daherkommt. Die Botschaft dieses Buches ist im Großen und Ganzen ganz einfach: Abtreibung ist Mord. Punktum. So heißt es auf S. 23: „Es [die befruchtete Eizelle] würde niemals menschlich werden, wenn es das nicht schon von diesem Augenblick an gewesen wäre. Aber: „Nur wer Gott kennt,… Weiterlesen »

Johannes Strehle
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Johannes Strehle

@ Schandor „Können denn “die Evangelikalen” etwas unternehmen?“ Evangelikale in Führungs- und Schlüsselpositionen haben zur Genüge bewiesen, dass sie das Knowhow haben für Marketing, Werbung, Mobilisierung, Organisation, Logistik und Fundraising für Mega-Evangelisationen, Events, Kongresse, Jesus-Märsche. Konkrete Vorschläge: • Eine Aufsehen erregende Großdemonstration Berlin 21, gemeinsam mit Katholiken, Orthodoxen und Muslimen für die Grundwerte des Morgen- und Abendlandes Jede evangelikale Gemeinde schickt mindestens einen Bus, jede Gemeinde, für die PID bisher kein Thema war, schickt zwei Busse. Die Evangelikalen haben die Chance, aus der erzkonservativen, fundamentalistischen Ecke zu kommen. Die Bundeskanzlerin ist für ein uneingeschränktes PID-Verbot. In der FAZ haben sich… Weiterlesen »

Schandor
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Schandor

@Johannes Strehle

Du siehst mich beeindruckt. Ja, das überzeugt. Das ist was, das hat was. Leider ist und bleibt es ein pium desiderium: Der Wohlstand (dem ich übrigens nicht angehöre) hat auch deutschsprachige Christen lahmgelegt. Einige wenige löbliche Ausnahmen gibt es ja überall. Aber man wird nicht damit rechnen dürfen, dass derlei in unserer Generation vonstatten gehen kann. Dazu müssen andere Verhältnisse her, die wir uns aber auch nicht wünschen, fürchte ich. Oder liege ich da so falsch?

Johannes Strehle
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Johannes Strehle

Aus einer Stellungnahme („Auswahl statt Schicksal?“) von Giovanni Maio, Professor für Bioethik an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, in der FAZ vom 14.03.2011: „Die Präimplantationsdiagnostik wirft grundsätzliche Menschheitsfragen auf … Die für das Überleben ausgesuchten Embryonen werden später in dem Bewusstsein leben müssen, dass sie es dem Willen ihrer Eltern zu verdanken haben, nicht vorher getötet worden zu sein. Sie müssen in dem Bewusstsein leben, dass sie gezeugt, aber zunächst nicht angenommen wurden. Ein nicht sichtbarer Genbefund hätte ihren Tod bedeutet. Dieses Bewusstsein ist eine schwere Hypothek. Denn damit der Mensch sich überhaupt selbst annehmen kann, muss er erst einmal von anderen… Weiterlesen »

Peter
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ja man sollte etwas organisieren

Johannes Strehle
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Johannes Strehle

Der einzig denkbare „ethisch relevante Referenzpunkt“ eines Theologen Ein Theologe und ein Humangenetiker zu Böckenförde Auf eine Stellungnahme von Professor Dr. phil. Dipl. theol. Gerd Doeben-Henisch antwortete Dr. med. Konrad Oexle vom Institut für Humangenetik der TU München: „… Auf Böckenfördes Argumentation zur Menschenwürde entgegnet Doeben-Henisch, dass „die Betrachtung des . . . Individuums ohne Betrachtung . . . der Population praktisch sinnlos ist“. Dies erinnert fatal an völkische Zeiten, als das Recht des Volkes über das Recht des Individuums gestellt wurde. Vom Volk zum Boden ist es nicht weit, und so gelangt auch Doeben-Henisch von der „Population“ über deren… Weiterlesen »

Johannes Strehle
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Johannes Strehle

Über die und aus der Antrittspredigt von Dr. Abraham Kuyper im Dom von Utrecht am 10. November 1867: „Diesem Prediger ist es nicht genug, dass das Evangelium sonntags verkündigt werde, während das Leben seinen eigenen Weg geht. Seine Kirche soll mehr sein als eine Oase in der Wüste … nein, „kein Gebiet des Lebens bleibe euch Christen fremd“, „der Christus, der in der Gemeinde lebt, darf sich nicht verborgen halten, sondern muss sich der Welt offenbaren“. „Von einer auf das Gebetskämmerlein oder die Kirche beschränkten Religion weiß Calvin nichts.“ … Kuyper will eine Kirche, die in Wahrheit das Heerlager des… Weiterlesen »

Johannes Strehle
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Johannes Strehle

Kuyper über die Halben und Ganzen: „… wenn es notwendig wurde, sich von alten, ihm auch theologisch nahestehenden Genossen zu trennen, weil sie nicht aus dem Stadium der Erwägungen heraus und zum praktischen Handeln fortzuschreiten vermochten, war ihm das stets ein großes Leid.“ „Die Erfahrung, die der einsam Gelassene hier im Kampf um Gottes Wort und zwei Jahre danach … im Kampf um theologische Ehrlichkeit machen musste, festigte ihn in seiner Überzeugung, dass die Halben und die Ganzen nie gemeinsam zu ernsthaftem Streit und zu aufbauender Arbeit antreten könnten.“ „Was Kuyper unter den „Halben“ und „Ganzen“ verstand, hat er selbst… Weiterlesen »

Johannes Strehle
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Johannes Strehle

Aus Wilhelm Kolfhaus‘ Bericht über das Leben von Dr. Abraham Kuyper: „Die Aufgabe vollends, außer dem Gebiet der Theologie und der Kirche auch das des öffentlichen und politischen Lebens dem Unglauben streitig zu machen, war überhaupt noch nicht ins Auge gefasst. In dem Banner der Utrechter Theologie stand nichts von der Himmel und Erde erfüllenden Königsherrschaft des Christus Gottes; das erschien ihm als eine Schwachheit und Halbheit an den Führern einer Kirche, die berufen war, die Schlachtordnung des lebendigen Gottes zu sein. Diese Theologie war nicht durchdrungen von dem Bewusstsein des Sieges, sondern lebte in unaufhörlicher Angst vor neuen Angriffen.… Weiterlesen »

Johannes Strehle
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Johannes Strehle

Evangelischer Theologe sorgt für die Mehrheit: „PID-Verbot moralisch verwerflich“ Die Mehrheit des Bundestages hat den am weitesten gehenden Gesetz-Entwurf zur Präimplantationsdiagnostik und ihren Folgen beschlossen. Zu verdanken haben wir das der Christlich Demokratischen Union und in der CDU einem evangelischen Theologen und ehemaligen Pastor, der es in der Bundestagsdebatte als moralisch verwerflich bezeichnete, die PID zu verbieten! Vorher hatte er für die Mehrheit gesorgt. „Der eigentliche Sieger und Mehrheitsbeschaffer ist der CDU-Abgeordnete Peter Hintze.“ „Nur Hintze konnte in der CDU so viele Mitkämpfer werben, dass eine absolute Mehrheit möglich wurde.“ „Der frühere Generalsekretär an der Seite des damaligen CDU-Vorsitzenden Kohl… Weiterlesen »

Schandor
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Schandor

@JS „Im Übrigen meine ich, dass die evangelikalen Führer, angefangen in den Gemeinden, ihrer politischen Verantwortung nicht gerecht werden.“ Könnte das daran liegen, dass die meisten dieser Führer nicht einmal wissen, dass sie politische Verantwortung haben? Gerade im freikirchlichen Sektor ist man ja vielerorts davon überzeugt, dass „die Welt nicht mehr lange steht“. Da gibt man sich betont apolitisch. Diese Dinge sieht man als Zeichen des Endes, daher gilt es, die Schotten nach innen dicht zu machen. „Wo in der Bibel werden wir aufgefordert, in der Politik mitzumischen“ — diesen Satz habe ich schon oft gehört. Es ist eine Schande.… Weiterlesen »

Johannes Strehle
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Johannes Strehle

Ausnahme wird zur Regel
„Gesetze, die Ausnahmefälle regeln sollen,
tendieren dazu, dass eine solche Ausnahme zur Regel wird.
Als in den siebziger Jahren die vorgeburtliche Diagnostik eingeführt wurde,
war sie für wenige Ausnahmen gedacht.
Heute gehören Fruchtwasseruntersuchungen zum gynäkologischen Standard.“
Salzburger Nachrichten

Ihr Wille geschehe
„Das neue Gesetz
setzt Eltern nicht mehr einem für viele diffusen ,Dein Wille geschehe‘ aus.
Sie haben in verantwortungsvollen Grenzen Gewissheit: Ihr Wille geschehe.“
Der Standard, Wien