Professor Karl Heim beschreibt in seiner Autobiografie Ich gedenke der vorigen Zeiten die Christenverfolgung durch die Bolschewiken in Riga (im heutigen Lettland). Zum Märtyrertod von August Eckhard sagt er (Hamburg: Furche Verlag, 1957, S. 79–80):
Ich wurde dort im Hause von Pastor August Eckhardt gastlich aufgenommen. Aber es lag damals schon über der Stadt Riga die unheimliche „Stille vor dem Gewitter“, das wenige Jahre darauf 1905 bis 1906 mit der baltischen Revolution beginnen sollte, um dann in der ersten und zweiten bolschewistischen Welle 1918/19, die durch den Namen des Märtyrers Traugott Hahn in der ganzen Christenheit bekannt ist, seine blutige Fortsetzung zu finden, und schließlich mit den schweren Opfern, die die Monate März bis Mai 1919 in Riga gekostet haben, zu seinem vorläufigen Abschluß kam. Pastor Eckhardt, der mich damals so freundlich in sein Haus ausgenommen hatte, sollte der letzten Welle der Verfolgung zum Opfer fallen, die im Mai 1919 über Riga ging. Schon in den Tagen, die ich in seinem Hause verbringen durfte, merkte ich ihm an, welche Stellung er zu der Frage einnehmen werde, vor die in der Zeit der drohenden Verfolgung jeder Geistliche gestellt wurde. Es war die Frage: Bleiben oder fliehen? Er sagte schon damals, was er ein Jahrzehnt später, als die drohende Verfolgung näherrückte, in einem Brief so ausdrückte: „Ich als Pastor halte das Bleiben für meine Pflicht sind Schuldigkeit … Was soll aus den andern werden, wenn alle die, welche ihnen noch Führer und Halt sein konnten, das Hasenpanier ergreifen?“
Er sollte dieses tapfere Wort bald genug in die Tat umsetzen müssen, als er während eines Gottesdienstes nach einer bedrückenden Stille auf die Kanzel eilte und der Gemeinde mitteilte, er sei verhaftet. Damals stimmte eine Frau das Lied „Ein feste Burg“ an, in das die Gemeinde einstimmt, während bewaffnete Männer durch das Seitenschriff des Doms eindrangen, um Eckhardt in das Zentralgefängnis abzuführen. Wenn ich recht berichtet bin, trat Eckhardt, als sein Name aufgerufen wurde, an der Spitze der Gemeinde seiner Getreuen in den Gefängnishof und stimmte mit ihnen den Vers an:
Laßt mich gehn,
laßt mich gehn, daß ich Jesum möge sehn.
Meine Seel ist voll Verlangen, ihn auf ewig zu umsangen
und vor seinem Thron zu stehn.Die Mörder, die im Gefängnishof schon schußbereit hinter ihren Maschinengewehren standen, waren von diesem Gesang so beeindruckt, daß sie erst zu schießen wagten, als der Vers ausgesungen war. Dann erst krachten die Schüsse, die den Gefängnishof in eine Stätte des Todes verwandelten. Am Vorabend dieser gewaltigen Ereignisse durfte ich in der gastlichen Pfarrwohnung von Pastor Eckhardt weilen, in deren stillem Frieden kurz vorher ein Kind angekommen war.