Die Marke Heidegger

Eggert stellt in einem ZEIT-Artikel die These auf, dass die Familie des Philosophen jahrzehntelang versuchte, dass Image des Denkers zu kontrollieren und kritische Stimmen klein zu halten.

Als Anfang des Jahres Martin Heideggers Schwarze Hefte veröffentlicht wurden, war das Entsetzen in der Öffentlichkeit groß. In seinen geheimen Notizbüchern legte der Philosoph eine Judenfeindschaft an den Tag, die selbst seine Kritiker kaum für möglich gehalten hätten. Heidegger sprach vom Krieg des „Weltjudentums”, und noch nach 1945 beklagte er eine jüdische „Rachsucht”, deren Ziel es sei, die „Deutschen geistig und geschichtlich auszulöschen”. Nicht einmal erwähnt, geschweige denn bedauert werden die Opfer des Holocausts.

Doch warum erfuhr die Öffentlichkeit erst so spät von Heideggers Judenfeindschaft? Und wenn der Antisemitismus seine Philosophie viel tiefer prägte als bisher gedacht: Sollten sich davon nicht Spuren in der Gesamtausgabe finden lassen, die seit 1975 im Verlag Vittorio Klostermann erscheint?

Es gibt Spuren, aber sie wurden von den Erben mit Eifer verwischt. Die Erben üben eine strikte Kontrolle über die Gesamtausgabe aus, sie beanspruchen Deutungshoheit über das Heidegger-Bild in der Öffentlichkeit und versuchen, kritische Stimmen klein zu halten.

Wie diese Kontrolle funktioniert, hat zum Beispiel Peter Trawny erlebt, heute Professor in Wuppertal und Herausgeber der Schwarzen Hefte. 1995 betrauten ihn Professor Friedrich-Wilhelm von Herrmann, letzter Privatassistent Martin Heideggers und „leitender Herausgeber” der Gesamtausgabe, sowie Hermann Heidegger, Sohn Martins und Nachlassverwalter, mit der Herausgabe von Band 69 – der um 1938 geschriebenen Geschichte des Seyns.

Trawny machte eine erschreckende Entdeckung. Er stieß in der Handschrift auf eine Passage, in der Heidegger fragt, „worin die eigentümliche Vorbestimmung der Judenschaft für das planetarische Verbrechertum begründet ist”. Soll der skandalträchtige Satz in die Gesamtausgabe aufgenommen werden? Er habe sehr dafür plädiert, sagt Trawny heute, sich aber damals, als 31-Jähriger ohne sichere akademische Stellung, gegen von Herrmann und Hermann Heidegger nicht durchsetzen können – der Satz wird unterschlagen. Laut Trawny mit der Begründung, dass die Gesamtausgabe eine Ausgabe „letzter Hand” sei, die den „Denkweg” des Meisters als abgeschlossenen Text wie aus einem Guss präsentiere – und keine historisch-kritische Ausgabe, die Änderungen des Autors kenntlich und so die Textgeschichte überprüfbar mache.

Nun fehlt Heideggers Überlegung über die „Vorbestimmung der Judenschaft zum planetarischen Verbrechertum” auch schon in einer Abschrift des Manuskripts, die sein Bruder Fritz später angefertigt hat. Martin Heidegger prüfte die Abschriften des Bruders immer nach, er dürfte die Auslassung mithin gebilligt haben. Hat also der Meister selbst bereits sein Bild retuschiert und gefälscht?

Hier mehr: www.zeit.de.

Gott richtet Grenzen ein

Zur Würde des Menschen gehört auch, dass er ihm gesetzte Grenze akzeptiert. Nachfolgend ein Zitat aus dem sehr empfehlenswerten Buch Als Mensch in Gottes Welt von Lydia Jaeger (Bonn, 2012, S. 68–69):

LydiaJaegerVon Anfang an stellt die Heilige Schrift den Menschen als ein begrenztes Wesen dar, das an einen bestimmten Platz gestellt wurde, den Gott für ihn eingerichtet hat: „Der HERR Gott nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten des Paradieses, um ihn zu bebauen und zu bewahren“ (Genesis 2,15). Zwar ist es nicht so einfach, die geographischen Angaben in diesem grundlegenden Text zu entschlüsseln, dennoch wird deutlich, dass das Paradies ein spezieller Ort ist, den Gott als Aufenthaltsort für den Menschen vorbereitet hat. Somit ist der Mensch von Anfang an lokalisierbar. Dies ist jedoch bei weitem kein störender Nachteil für den Menschen, sondern zeugt von der Zuneigung des Schöpfers zu seinem Geschöpf: Es geht um einen Ort voller Annehmlichkeiten, den der Herr eingerichtet hat. Das Bewohnen dieses Ortes ist somit für den Menschen ein Segen, gleichzeitig aber auch der Platz, an dem er seiner Berufung nachkommen soll. Der Mensch ist berufen, das weiterzuführen, was der Schöpfer an Sorge und Aufwand in die Entstehung des Paradieses investiert hat. Bis zur letzten Vision im Neuen Testament ist das Schicksal des Volkes der Erretteten eng mit einem Ort verknüpft, denn es soll nicht nur die neue Erde bewohnen, sondern speziell das neue Jerusalem (Offenbarung 21,1–22,5). Somit hebt selbst die Ewigkeitsperspektive die räumliche Einordnung des Menschen nicht auf, denn diese gehört zum Schöpfungsakt dazu und ist daher gut – sehr gut sogar. Der Verlust dieses Ortes ist eine der tragischen Folgen des Sündenfalls. Kains Klage vor Gott ist typisch für das Leid des Sünders, der weit weg vom Paradies umherirrt: „Mein Fehler ist zu schwer zu tragen. Siehe du vertreibst mich heute von der Fläche dieses Landes, vor deinem Angesicht muss ich mich  verstecken. Ich werde auf der Erde umherirren wie ein Flüchtiger und wer mich findet, wird mich töten“ (Genesis 4,13–14).

Die Verankerung in Raum und Zeit bedeutet eine Begrenzung für den Menschen. Er befindet sich immer in einem definierten Raumzeitgefüge und kann nicht gleichzeitig überall sein. Hofft man, dieser menschlichen Grundbedingung durch den technischen Fortschritt zu entkommen, unterliegt man einer Selbsttäuschung, denn trotz aller Entwicklungen im Bereich der Medizin und der modernen Kommunikation, hat jeder von uns nur ein Leben zu leben. Wenn wir uns davon loslösen wollen, erliegen wir den verführerischen Worten der Schlange, die bereits den ersten Menschen dazu bringen wollte, Gott gleich sein zu wollen.

Plantinga: Ratschläge für christliche Philosophen

Warum erteilt der US-amerikanische Philosoph Alvin Plantinga christlichen Philosophen und anderen Wissenschaftlern und Künstlern Ratschläge? Ganz einfach:

Erstens ist es nicht nur in der Philosophie so, dass wir Christen stark von der Praxis und den Methoden unserer nicht-christlichen Kollegen beeinflusst sind. (Allerdings ist es wegen der Rechthaberei der Philosophen und der weitverbreiteten Streitigkeiten in der Philosophie vermutlich einfacher, dort ein Einzelgänger zu sein, als in den meisten anderen Disziplinen.) Dasselbe gilt für fast jede wichtige gegenwärtige intellektuelle Disziplin: Geschichte, Literatur- und Kunstkritik, Musikwissenschaft und die Sozial- und Naturwissenschaften. In allen diesen Bereichen gibt es Vorgehensweisen, allgegenwärtige Annahmen über das Wesen der Disziplin (zum Beispiel Annahmen über das Wesen der Wissenschaft und ihren Platz in unserer intellektuellen Welt), Annahmen darüber, wie wir in einer Disziplin Fortschritt erzielen können und wie ein wertvoller und lohnenswerter Beitrag von ihr aussehen könnte, und so weiter. Wir absorbieren diese Annahmen, wenn nicht mit der Muttermilch, so spätestens dann, wenn wir unsere eigentliche Disziplin erlernen. In all diesen Bereichen lernen wir, unser Fachgebiet unter der Leitung und dem Einfluss unserer Kollegen zu betreiben.

Aber in vielen Fällen passen diese Annahmen und Vermutungen nicht so leicht mit der christlichen oder theistischen Weltsicht zusammen. Dies wird in vielen Bereichen ersichtlich: In der Literaturkritik und der Filmtheorie, wo sich der kreative Anti-Realismus (siehe unten) austobt, in der Soziologie und der Psychologie und den anderen Humanwissenschaften; in der Geschichtswissenschaft und sogar in einem großen Teil der gegenwärtigen (liberalen) Theologie. Obwohl weniger offensichtlich, trifft das ebenso auf die sogenannten Naturwissenschaften zu. Der australische Philosoph J. J. C. Smart bemerkte einst, dass ein (aus seiner naturalistischen Sichtweise) nützliches Argument, um diejenigen, die an die menschliche Freiheit glauben, vom Irrtum ihrer Sicht zu überzeugen, darin besteht, sie darauf hinzuweisen, dass die gegenwärtige mechanistische Biologie anscheinend keinen Raum für den freien Willen des Menschen lasse: Wie könne sich denn zum Beispiel so etwas wie freier Wille im evolutionären Lauf der Dinge entwickelt haben? Sogar in der Physik und Mathematik, jenen starken Bastionen der reinen Vernunft, kommen ähnliche Fragen auf. Diese Fragen haben mit dem Inhalt jener Wissenschaften zu tun, und der Art, wie sie sich entwickelt haben. Sie haben auch damit zu tun, wie (wenn sie wie heute üblich gelehrt und praktiziert werden) diese Disziplinen künstlich von den Fragen getrennt werden, die das Wesen der Objekte betreffen, welche sie untersuchen – eine Trennung, die nicht dadurch festgelegt wird, was am ehesten der Natur des Fachgebietes entspricht, sondern durch eine weitgehend positivistische Vorstellung des Wesens von Wissen und des Wesens der intellektuellen Aktivität des Menschen.

Und drittens brauchen hier, wie in der Philosophie, Christen eine Autonomie und Ganzheitlichkeit. Wenn die gegenwärtige mechanistische Biologie tatsächlich keinen Raum für die menschliche Freiheit lässt, dann braucht es eine Alternative zur mechanistischen Biologie, und die christliche Gemeinschaft muss sie entwickeln. Wenn die gegenwärtige Psychologie grundlegend naturalistisch ist, dann ist es Aufgabe der christlichen Psychologen, eine Alternative zu entwickeln, die gut mit dem christlichen Supranaturalismus [Anm.: Also der Sicht, dass es mehr als nur Materie gibt und dass der Mensch eine übernatürliche Seele hat.] zusammenpasst, die also ihren Anfang bei grundlegenden wissenschaftlichen Wahrheiten wie: Gott hat die Menschheit nach seinem Bild geschaffen, nimmt.

Die vollständige Abhandlung gibt es in der nächsten Ausgabe von Glauben & Denken heute. Ich danke hier schon mal sehr herzlich Jonas, Ivo und Roderich für die Übersetzungsarbeit!

Wagenknecht’s ideologisches Sendungsbewußtsein

Starke Worte, die der Musiker und Schriftsteller Reiner Kunze vom Stapel gelassen hat. Bravo!

Frau Wagenknecht nennt die Friedliche Revolution von 1989 eine „direkte Konterrevolution“. Wir haben es bei Frau Wagenknecht also mit einer Gegnerin des Prager Frühlings, mit einer Gegnerin der Entspannungspolitik der Brandt-Scheel-Regierung, mit einer Gegnerin der Friedlichen Revolution von 1989 und mit einer Vertreterin eines nach ihren eigenen Worten „konsequenten, kompromißlosen Kampfes“ zu tun, dessen „letztliches Ziel … die Überwindung dieser Gesellschaftsordnung“ ist (gemeint ist die Gesellschaftsordnung der Bundesrepublik Deutschland). Kann man noch extremer links sein?

In diesen programmatischen Äußerungen von Frau Wagenknecht paaren sich politische Finsternis und ideologisches Sendungsbewußtsein, wie man es nach Auschwitz und dem stalinistischen GULAG nicht für möglich halten sollte. Wenn Frau Wagenknecht im Zusammenhang mit ihrer Wahl an die Fraktionsspitze der Partei „Die Linke“ mitteilt, sie lasse ihre Mitgliedschaft in der „Kommunistischen Plattform“ ruhen, ist das nach meinem Verständnis ein Schläfertum mit Ansage.

Hier mehr: www.deutscherarbeitgeberverband.de.

Restored To Our Destiny

Brian Mattson ist  nicht nur ein guter Gitarrist (das Soloalbum „Beckon Me“ gibt es auf iTunes), sondern vor allem ein exzellenter Theologe. Das Bavinck-Institut hat mit ihm über seine Dissertation:

gesprochen. Mattson hat völlig recht, wenn er meint, die Metaphysik lasse sich nicht dauerhaft ausblenden. Die neusten Entwicklungen in der Philosophie und Theologie signalisieren denn auch eine mächtige Rückkehr metaphysischen Denkens.

Mattson sagt:

But metaphysics more broadly has clearly fallen on hard times, and we often think its demise is of more recent vintage than it really is. One of the benefits of reading Bavinck is that it becomes clear that the rejection of metaphysics is not, as conventional wisdom sometimes has it, a byproduct of postmodernism’s critique of foundationalism. Bavinck’s entire theology is presented in contrast to the anti-metaphysical climate of the late nineteenth century. What is so significant, to me, at any rate (and getting at your question), is how modernism’s rejection of metaphysics invariably resulted in a collapse of the Creator/creature distinction, seen, for example, in Bavinck’s relentless critiques of the pantheism of Hegel and Schelling. This is one thing that certainly hasn’t changed in the much-vaunted “postmodern turn.” Rejecting “metaphysics” seems as much today the “gateway drug” for pantheism just as much as it was in Bavinck’s context.

I am not sure I am adequately answering your question, so I’ll stick with this: I do believe, as did Bavinck, that metaphysics cannot be wished away. With respect to his modernist interlocutors he recognized that they were not rejecting metaphysics; they were providing an alternative metaphysics. I believe the same is true with postmodernism. And if we want to replace the metaphysical worldview the Bible presents to us we will not be improving matters. Depart from the Trinitarian Creator/creature distinction at your own risk. Not only will you not have an adequate doctrine of covenant, in the end you won’t have a doctrine of God or creation left either.

Hier das Interview: bavinckinstitute.org.

Vaughan Roberts in München

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Ich möchte an dieser Stelle nochmals darauf hinweisen, dass es an diesem Samstag die Gelegenheit gibt, Vaughan Roberts in München zu hören. Ein beeindruckender Lehrer spricht über ein wirklich wichtiges Thema: den vollzeitlichen Dienst. Gasthörer sind herzlich willkommen. Es wird an diesem Tag keine Gebühr erhoben, jedoch eine Kollekte gesammelt, um die Ausgaben für die Veranstaltung zu decken.

Vaughan Roberts studierte Rechtswissenschaften am Selwyn College in Cambridge, wo er Präsident der CICCU (Cambridge Christian Union) war. Nach einer kurzen Studienzeit in Südafrika zog er nach Oxford, um Theologie zu studieren. Seitdem lebt er in Oxford und arbeitete erst als Vikar in der St. Ebbe Kirche und wurde dann 1998 zum Rektor ernannt.

Vaughan hat etlicher Bücher veröffentlich, darunter God’s Big Picture, das auch in Deutsch als Gottes Plan – kein Zufall! beim 3L-Verlag erschienen ist. Im Jahr 2013 war er einer der Hauptredner auf der Evangelium21-Konferenz in Hamburg.

Weiter Informationen finden sie im Flyer: roberts_2_web.pdf.

Anmelden können Sie sich hier: www.bucer.de.

Einstein und die Religion

Wie die FAZ berichtete, hat die Princeton University Press die „Collected Papers of Albert Einstein“ kostenlos online zugänglich gemacht. “Von nun an kann jeder unter http://einsteinpapers.press.princeton.edu durch alle bisher edierten Schriften und Briefe Einsteins navigieren. Das Material ist das der bislang erschienenen 13 Bände der ‚Collected Papers‘ und reicht von den Jugendjahren des 1879 geborenen Physikers bis ins Jahr 1923. In den kommenden Jahren wird es weiter ergänzt werden.“

Band 13 der Schriften enthält ein Dokument, dem Einsteins Einstellung zur Religion entnommen werden kann (S. 622, siehe zu Anlass und Quelle S. 623). Ich zitiere:

Als man Professor Einstein um seine Meinung über Religion bat, hat er auf nächstfolgende Fragen untenstehende Antworten erteilt:

[Fragen]

1) Denken Sie, dass wissenschaftliche Wahrheit und religiöse Wahrheit auf verschiedenem Standpunkten stehen?

2) Fördern sich die Beiden, das heisst kann die wissenschaftliche Entdeckung den religiösen Glauben verbessern und Aberglauben beseitigen, weil dass religiöse Gefühl zur wissenschaftlichen Entdeckung Anstoß geben kann?

3) Welchen Begriff haben Herr Professor über „Gott“?

4) Wie ist die Meinung des Herrn Professor über den „Heiland“?.

[Antworten]

1) Es ist schon nicht leicht, mit dem Wort „wissenschaftliche Wahrheit“ einen klaren Sinn zu verbinden. So ist der Sinn des Wortes „Wahrheit“ verschieden, je nachdem es sich um eine Erlebnistatsache, einen mathematischen Satz oder eine naturwissenschaftliche Theorie handelt. Unter „religiöser Wahrheit“ kann ich mir etwas Klares überhaupt nicht denken.

2) Wissenschaftliche Forschung kann durch Förderung des kausalen Denkens und Überschauens den Aberglauben vermindern. Es ist gewiss, dass eine mit religiösem Gefühl verwandte Überzeugung von der Vernunft bezw, Begreiflichkeit der Welt aller feineren wissenschaftlichen Arbeit zugrunde liegt.

3) Jene mit tiefem Gefühl verbundene Überzeugung von einer überlegenen Vernunft, die sich in der erfahrbaren Welt offenbart, bildet meinen Gottesbegriff; man kann ihn also in der üblichen Ausdrucksweise als „pantheistisch“ bezeichnen (Spinoza).

4) Konfessionelle Traditionen kann ich nur historisch und psychologisch betrachten; ich habe zu ihnen keine andere Beziehung.

Die „große Lüge der Frauenpolitik“

Das Ministerium für Gesundheit und Emanzipation (!) in NRW hatte Bordellbetreiber, Prostituierte und Freier eingeladen, Empfehlungen für die künftige Prostitutionspolitik des Landes zu erarbeiten. Nun plädiert NRW fast geschlossen dafür, Prostitution von jedem Imagemakel zu befreien und die Frauen für ein Leben in, nicht außerhalb der Prostitution zu stärken. Kurz: „Es soll keinen Grund mehr geben, seinen Körper nicht zu verkaufen“. Auf diesen Nenner bringt es Lea Ackermann, Vorsitzende der Frauenrechtsorganisation Solwodi, in einem bemerkenswerten Interview, das bei WELT online gelesen werden kann.

Frau Ackermann stellt die richtige Frage:  „Und man muss all die Politiker, die Prostitution nun attraktiv gestalten wollen, schon mal fragen: Wünschen Sie sich denn auch, dass Ihre eigene Tochter anschaffen geht?“

Hier die Leseempfehlung: www.welt.de.

Herold Seines Kommens

Die Zeitschrift Herold Seines Kommens der Herold-Schriftenmission wird immer besser. Die aktuelle Ausgabe Nr 696 (12/2014) enthält eine Predigt über den Weihnachtstext Lukas 2,1–14 von Ludwig Hofacker sowie einen Artikel von Erwin Lutzer zu dem Thema „Jesus Christus – nur ein außergewöhnlicher Mensch?“

Lutzer schreibt:

EmberWir könnten alle religiösen Horizonte durchforschen, in Bibliotheken alles über die großen religiösen Lehrer der Weltgeschichte nachlesen und besonders auch, was sie über sich zu sagen hatten, wir könnten zahllose Propheten finden, aber keinen bevollmächtigten, sünd-losen Retter. Christus hat keine Konkurrenten. Und falls sich ein solcher fände, der seine Sündlosigkeit behauptet, würden wir gerne überprüfen, ob er sich wirklich mit dem Wesen und Handeln Jesu vergleichen lässt. Angesichts der Forderung der Sündlosigkeit wird das religiöse Feld sehr überschaubar, denn es bleibt nur einer bestehen: Christus wird seinem Ruf gerecht! „Denn einen solchen Hohenpriester mussten wir auch haben, der heilig, unschuldig, unbefleckt, von den Sündern geschieden und höher ist als der Himmel. Er hat es nicht nötig wie jene Hohenpriester, täglich zuerst für die eigenen Sünden Opfer darzubringen und dann für die des Volkes; denn das hat er ein für alle Mal getan, als er sich selbst opferte“ (Hebr 7,26–27).

Die empfehlenswerte Zeitschrift, die ab 2015 eine neue Gestaltung bekommt, kann hier bestellt werden: www.herold-schriftenmission.de.

Das Buch der Mitte

Ich hoffe, irgendwann einmal eine Rezension zu Das Buch der Mitte (Basel: fontis Verlag, 2014) veröffentlichen zu können. Da ich das in diesem Jahr wegen anderer Verpflichtungen nicht mehr schaffe, will ich das Werk wenigstens kurz erwähnen. Das Buch der Mitte Vishal Mangalwadi 204004Der Autor Vishal Mangalwadi ist ein indischer Philosoph, der durch Gottes Gnade Christ geworden ist. Im Buch der Mitte erzählt er lebendig, was er auf seiner eigenen Suche nach der Wahrheit erlebt hat. Zugleich webt er viele anspruchsvolle Themen in seine Erzählungen ein. Er zeigt anhand zahlreicher Beispiele, welch prägende Kraft die Bibel bei der Entstehung und Entwicklung Europas gehabt hat. Das Buch liest sich, was wir der Erzählweise des Autors und der guten Übersetzungsarbeit verdanken, sehr eingängig. Damit wir mal einen Eindruck bekommen, ein Beispiel. Zur Entstehung der unabhängigen Justiz schreibt Mangalwadi (S. 474–475):

Das Buch des Theologen Theodor von Beza (1519-1605) De iure magistratuum (dt. Über das Recht der Obrigkeiten) wurde 1573 veröffentlicht, ein Jahr nach Hotmans Buch und in Absprache mit ihm. Sein großes Thema ist die Unabhängigkeit der Justiz; es zählt zu den Originalquellen des Gedankens von der Unverletzlichkeit der Menschenrechte, der 200 Jahre später in der amerikanischen Bill of Rights (zehn Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten) Ausdruck fand. Vor Beza war in Europa allgemeiner intellektueller Konsens -vorgetragen von angesehenen Denkern wie Thomas von Aquin -, dass Könige nur von höherrangigen Personen, also entweder vom Kaiser oder vom Papst, abgesetzt werden konnten. Beza hingegen schuf eine biblische Basis dafür, dass die politische Macht in die Hände der rangniederen Beamten gelegt wurde, in die Hände der Richter. Er vertrat die Ansicht, die Richter und Beamten ständen nicht im Dienst des Königs, sondern seines Reiches. Folglich sei ihre vorrangige Aufgabe nicht, dem König zu dienen, sondern sich für das Wohl des Königreichs einzusetzen. Die amerikanische Idee des Amtsenthebungsverfahrens, wonach der Präsident vom Kongress angeklagt und seines Amtes enthoben werden kann, kommt aus Bezas Buch. Beza baute seine These auf der Aussage Hotmans auf, «… dass ein Volk auch ohne König existieren kann, während man sich einen König ohne Volk noch nicht einmal vorstellen kann».15 Aus Gottes Sicht geht es immer in erster Linie um das Volk. Gott knüpfte die Ämter von Königen und Obrigkeiten an klare Bedingungen – unter anderem an die Verpflichtung, dem Volk zu dienen. Gesetzt den Fall, ein König erteilte einen unrechtmäßigen Auftrag, einen unschuldigen Bürger zu töten, dann hätten die Richter das Recht und die Pflicht, dem König den Gehorsam zu verweigern, um Gott zu gehorchen und das Volk zu schützen. Der König sei wie ein Vasall seines Königreiches. Wenn er das Vertrauen missbrauche, habe er sein Amt verwirkt. Darüber hinaus, so argumentierte Beza auf der Basis der Konzile von Basel und Konstanz, hätten die Konzile auch das Recht, einen Papst abzusetzen, da Christus das wahre Oberhaupt der Kirche sei und nicht der Papst. Dieser bahnbrechende Gedanke protestantischer Ethik führte später dazu, dass die Unfehlbarkeit der Päpste hinterfragt wurde. Westliche Gelehrte mögen die grundlegende Rolle Bezas für die Prägung des politischen Denkens in Europa ignorieren, dennoch profitieren alle im Westen von seinem Erbe – dem Prinzip der unabhängigen Justiz.

Leser, die mit den Büchern von Francis Schaeffer vertraut sind, werden schnell merken, dass Mangalwadi in einem verwandten Geiste schreibt. Tatsächlich ist Mangalwadi von Schaeffer und von L’abri geprägt. Ranald Macaulay, Schwiegersohn von Edith und Francis Schaeffer, schreibt denn auch über das Buch: „Seit dem Buch von Francis Schaeffer, Wie können wir denn leben?  wurde uns keine solch übersichtliche und weitreichende Entfaltung der Probleme unseres globalen Gemeinwesens mehr nahegebracht.“ Mangalwadi steht für eine biblisch fundierte „transformative Theologie“, die sich von ideologisch aufgeladenen „Theologien der Hoffnung“ erfrischend absetzt und die Zentralität von Bibel und Evangelium betont. Der Verlag schreibt über das Buch:

Als Buch der Bücher wurde die Bibel aus der Mitte gedrängt. Sola scriptura – «allein die Schrift», lehrte einst Martin Luther. Aber die Reformation ist lange her, und längst haben andere Kräfte ihren Alleinstellungsanspruch in den Ring geworfen. Dieser Verlust der Mitte ist heute mit Händen zu greifen. Vishal Mangalwadi hat genau das großartig dokumentiert. Vor allem aber konzentriert er sich auf die Epochen der Gravitationskraft der Bibel, die über Jahrhunderte hinweg immer wieder Menschen inspirierte und Kultur erschuf. Ob Menschenrechte, technologischer Fortschritt, Musik, Architektur oder Demokratie-Entwicklung: Immer stand die kulturprägende Kraft der Bibel jenen Menschen zur Seite, die die Welt mit neuen Innovationen beschenkten. «Das Buch der Mitte» ist das seltene und glückliche Zusammenkommen von lebendiger Erzählung, nüchterner Beweisführung und überraschenden Einsichten, die uns den Schatz der Bibel wieder vor Augen führen und zerrissene Landkarten wieder zusammensetzen. Ein Muss für sprachfähige Christen.

Ich kann mich dem Votum nur anschließen. Ein herzliches Dankeschön an den Verlag fontis und die Übersetzer dafür, dass sie das recht umfängliche Projekt mit über 600 Seiten in Angriff genommen haben! Ich wünsche dem Buch eine weite Verbreitung. Vielleicht sucht der ein oder andere ja noch ein Geschenk für das Weihnachtsfest? Das Buch der Mitte ist ein wunderbares Präsent für Menschen, die auf der Suche sind. Es hilft darüber hinaus Zweiflern oder Verantwortlichen in der Jugend- und Studentenarbeit. Profitieren werden auch Christen, die sich von Kunst und Kreativität angezogen fühlen und in ihrem Umfeld wenig Verständnis dafür ernten. Pastoren können von dem Buch ebenfalls einen Nutzen ziehen, macht der Autor doch deutlich, wie wichtig die Botschaft der Heiligen Schrift für das gesamte Leben ist. Abschließend noch ein kurzes Video, indem Vishal Mangalwadi sein Buch vorstellt:

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