Permanente Geschlechtsmarkierung

Gendersterne und andere „gerechte“ Sonderzeichen widersprechen den amtlichen Rechtschreibregeln. Dennoch machen sie sich schon im Unterricht für Grundschüler breit. Gerald Ehegartner schreibt: 

Gendern steht auch in einem Spannungsverhältnis zum sprachlichen Ökonomieprinzip. Untersuchungen zeigen, dass Sprachen Informationen trotz großer struktureller Unterschiede mit einer erstaunlich ähnlichen Rate von durchschnittlich rund 39 Bit pro Sekunde übertragen. Wird für eine vergleichbare Information mehr sprachliches Material benötigt, zum Beispiel mit der Paarform „Schülerinnen und Schüler“ oder mit „Schüler:innen“ statt „Schüler“, so verlängert sich tendenziell die Übertragungsdauer.

Sprache unterliegt einem natürlichen Ökonomisierungsdruck: Was häufig gebraucht wird, tendiert zu Verkürzung und Vereinfachung – nicht zu zusätzlicher Komplexität.

Gendern wirkt diesem Prinzip entgegen: Es erweitert oder markiert Personenbezeichnungen zusätzlich und unterbricht in der gesprochenen Form bei Sonderzeichen den Redefluss durch einen Glottisschlag. Zugleich markiert die Gendersprache permanent das Geschlecht – auch wenn dieses völlig unerheblich ist. Das gilt ebenso für die Paarform. Gendern sexualisiert damit die deutsche Sprache – nicht im Sinne einer Erotisierung, sondern einer permanenten Kategorisierung nach Geschlecht.

Dabei verlieren Tausende grammatisch maskuline Oberbegriffe wie „Bürger“ oder „Schüler“ ihre geschlechtsneutrale Funktion. Oberbegriffe sind für das abstrakte und schnelle Verarbeiten von Informationen jedoch unerlässlich.

Damit stellt sich die Frage, ob der Verlust einer universellen, generischen Ebene unsere Fähigkeit schwächt, sprachlich vom Besonderen zu abstrahieren und das Allgemeine zu denken. Der erzwungene Einschub der Geschlechterklasse fragmentiert jedenfalls die sprachliche Repräsentanz des Universalen – das generische, also geschlechtsneutrale Maskulinum muss einer permanenten Geschlechtsmarkierung weichen.

Mehr: www.welt.de.

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