„Schöne neue Welt“

Edward Snowden nutzt für die digitale Kommunikation vermutlich den Verschlüsselungsdienst Lavabit. US-Medien wie die WASHINGTON POST meldeten gestern, dass dieser Anbieter nun seine Dienste überraschend eingestellt hat. „Grund sind möglicherweise“, wie auch DER SPIEGEL heute bekanntgibt, „Versuche der US-Behörden, Zugriff auf die Kundendaten zu erlangen. ‚Ich sehe mich gezwungen, eine schwierige Entscheidung zu fällen – entweder mitschuldig an Verbrechen gegen das amerikanische Volk zu werden oder zehn Jahre harte Arbeit aufzugeben und Lavabit zu schließen‘, schreibt der Besitzer des E-Mail-Diensts, Ladar Levison, auf der Internetseite des Unternehmens.“

Lavabit-Besitzer Levison ist über die Entwicklung sehr besorgt und teilt mit: „Solange es keine klaren Aktionen des Kongresses oder der Justiz gibt, kann ich nur jedem dringend davon abraten, private Daten einem Unternehmen anzuvertrauen, das direkte Verbindungen zu den Vereinigten Staaten hat.“ (Original: „This experience has taught me one very important lesson: without congressional action or a strong judicial precedent, I would _strongly_ recommend against anyone trusting their private data to a company with physical ties to the United States.“)

Sollte sich bestätigen, dass Levison durch US-Behörden unter Druck gesetzt wurde, liefert das Szenario ausreichend Stoff für einen weiteren Brave New World-Roman. Die Anbieter von Kommunikationsplattformen und Cloud-Lösungen à la Facebook, Apple, Google, Microsoft oder Amazon müssen den Behörden gezwungenermaßen Zugang zu den Kundendaten verschaffen und sind zugleich Eigentümer kritischer journalistischer Plattformen wie der WASHINGTON POST. Schöne neue Welt.