Familienbild

Wie zeugen wir im Jahr 2030?

Unsere Generation erlebt tiefe Eingriffe in die Kultur des Sterbens und die Kultur des Zeugens (vgl. auch hier). In sogenannten „Kinderwunschzentren“ können sich Frauen Embryos unklarer Herkunft auftauen und einpflanzen lassen. Für 4500-6500 Euro. In Deutschland ist das noch verboten. Deshalb reisen die Paare dafür ins Ausland.

Rieke C. Harmsen beschreibt in „Embryo günstig zu kaufen – keine Auffälligkeiten“ einen neuen Trend, der eine ganze Liste von neuen ethischen Fragen aufwirft:

Künftige Eltern können neben Augen- und der Haarfarbe, Größe, Statur und Blutgruppe auch einen gewissen „Bildungsstand“ auswählen. Dass bei der Embryonenadoption Handlungsbedarf besteht, konstatierte schon der Bericht des Ausschusses für Technikfolgenabschätzung des Deutschen Bundestags von 2010. Darin wird auf die Bedeutung der biologischen Wurzeln eines Menschen verwiesen und erklärt, dass nach „jetzigem Forschungsstand“ eine anonyme Spende aus „psychologischer Sicht eher abzulehnen“ sei.

„Völlig unbekannt“ sei außerdem bislang die Situation der Eizellspenderinnen und Leihmütter, die ihre „Dienste“ deutschen Paaren zur Verfügung stellen – ebenso wie die „langfristigen körperlichen und psychischen Folgen für diese Frauen“. Die Liste der medizinischen, ethischen und rechtlichen Fragen, die mit einer Embryonenadoption einhergehen, ist kaum zu überschauen, stellt denn auch Breit-Keßler fest, und meint: „Wir müssen alles, was gedacht werden kann, auch denken und diskutieren“.

Hier: www.welt.de.

Kollektive Illusion

Aktuell wird in Politik und Gesellschaft über die rechtliche Einführung einer so genannten Homo-„Ehe“ diskutiert. Worum geht es? Was steht auf dem Spiel? Was sind die Unterschiede zwischen Ehe und homosexueller Partnerschaft? Was sind die Auswirkungen solch eines neuen Familienkonzepts auf die nächste Generation?

Christl R. Vonholdt, Fachärztin für Kinder und Jugendmedizin, erklärt in der TAGESPOST, weshalb durch die Einführung der „neuen Ehe“ die männlich-weibliche Struktur als Grundpolarität allen Lebens untergraben würde.

Zwei Merkmale unterscheiden die Mann-Frau-Beziehung von jeder homosexuellen Partnerschaft: Die leiblich-körperliche Vereinigung und das Potenzial zur Weitergabe des Lebens. Beides gehört zusammen. Ein leiblich-körperliches Einssein ist nur in der sexuellen Beziehung zwischen Mann und Frau möglich. Während in jeder anderen Form von Beziehung ein Einssein in seelischer oder geistiger Hinsicht möglich ist, bezieht die Ehe in einmaliger Weise die Leiblichkeit des Menschen ein: In der Mann-Frau-Beziehung passen die Genitalien perfekt zueinander und ineinander – und bilden gleichzeitig die schöpferische Einheit, aus der neues Leben entstehen kann. Die Ehe beruht damit auf der einzigartigen leiblichen Komplementarität von Frau und Mann – letztlich auf der biologischen Disposition eines jeden Menschen zur Heterosexualität.

Wie keine andere Gemeinschaft verbindet die Ehe die Geschlechter und Generationen miteinander. So trägt sie in einzigartiger Weise zum Zusammenhalt, zur Integration, zur Stabilität und Solidarität (zwischen Mann und Frau und zwischen den Generationen) und zum Frieden einer Gesellschaft bei. Eugen Rosenstock schreibt: „In der Ehe werden nicht nur leibliche Kinder gezeugt, es wird auch eine Leistung vererbt: der Friedensschluss der Geschlechter. Dieser Friedensschluss wird die Weltanschauung der Kinder bestimmen.“ Die Kulturleistung der Ehe ist einmalig. Wir können sie nicht hoch genug einschätzen.

Mehr: www.die-tagespost.de.

Das erste Paar und die Postmoderne

41UnW+fnr-L._SL500_AA300_.jpgKaum ein Thema wird in Gesellschaft und Gemeinde heute kontroverser diskutiert als die Frage nach der Rolle von Mann und Frau. Jacqueline Bee hat ihre bemerkenswerte Arbeit zur Geschlechteridentität 2009 als Buch veröffentlicht.

Der Verlag schreibt über den Inhalt:

Der biblische Schöpfungsbericht schildert Mann und Frau als Geschöpfe und Ebenbilder Gottes. Durch ihre Kreatürlichkeit sind sie unaufhebbar an ihren Schöpfer gebunden und relational auf ihn verwiesen. Die Gottebenbildlichkeit von Mann und Frau ist auch für die Beziehung und Abhängigkeit der Geschlechter von konstitutiver Bedeutung. Basierend auf einer absoluten Gleichwertigkeit umfasst die ursprüngliche Schöpfungsintention eine ontologische und funktionale Komplementarität. Mann und Frau sind aufeinander hin erschaffen, sie bedürfen und ergänzen einander. All dies steht in krassem Gegensatz zum postmodernen Verständnis, wonach die Geschlechteridentität des evolvierten, aufgeklärten und nach absoluter Freiheit und Unabhängigkeit strebenden Individuums nur noch biologisch verankert ist. Die Identität als Mann oder Frau vollzieht sich ausschliesslich in Erfüllung spezifischer Rollenerwartungen und wird damit als rein soziokulturelle Konstruktion verstanden, die beliebig modellier- und veränderbar ist. Ein sehr interessantes und entscheidendes Forschungsergebnis der vorliegenden Studie ist das Vorhandensein eines schöpfungsbedingt angelegten anthropologischen Grundskriptes, welches die Beziehung und Abhängigkeit der Geschlechter existentiell prägt. Die Autorin plädiert deshalb aufgrund der zunehmend problembelasteten Paarbeziehungen dafür, ein erneutes Bewusstsein dafür zu entwickeln, dass – entgegen dem postmodernen Verständnis – eben nicht alles unter der Sonne wandelbar ist.

 

 

Die Axt an die Wurzel

Die Bagatellisierung der Ehe schreitet voran. Daniel Deckers kommentiert in der FAZ das Gedrängele der Parteien um eine Neudefinition von Familie und Ehe mit klaren Worten:

Stellten die Parteien den Bundestagsabgeordneten eine Entscheidung in der Sache frei, würden beide Wünsche eher morgen als übermorgen Wirklichkeit. Denn wer nicht ohnehin davon überzeugt ist, dass weder Ochs und Esel den Lauf der Emanzipationsgeschichte aufhalten, der möchte am Ende nicht auf der falschen Seite der Barrikade gekämpft haben. Welches diese Seite ist, lässt sich nicht überhören. Wer es wagt, die Lebenslügen einer Gesellschaft mit spitzfindigen Unterscheidungen oder grundsätzlichen Erwägungen zu stören, der kann sicher sein, wegen „Diskriminierung“ und „Homophonie“ an den Pranger gestellt zu werden.

Ob das Grundgesetz als letzte Barriere gegen eine Bagatellisierung der Ehe („Verantwortung übernehmen“) und eine weitere Entleerung des Familienbegriffs taugt, steht vor dem Hintergrund der bisherigen Entscheidungen der obersten Bundesgerichte dahin. Doch bis zu einer letztlich konsequenten Abschaffung des Grundgesetzartikels sechs Absatz eins sollte nicht der als begründungspflichtig gelten, der auf der besonderen Schutzwürdigkeit von Ehe und Familie besteht, sondern der, der sie bestreitet.

Die Verfasser des Grundgesetzes hatten mit eigenen Augen gesehen und mitunter am eigenen Leib erfahren, wie die Nationalsozialisten Ehe und Familie in den Dienst völkischer Ideologie nahmen und zu zersetzen versuchten. In der DDR vollzog sich Ähnliches wenig später im Namen des Sozialismus.

Die besondere Schutzpflicht des Staates ist eine ebenso logische wie erfahrungsgesättigte Folge der besonderen Schutzbedürftigkeit von Ehe und Familie. Wer diese bestreitet, legt die Axt an die Wurzel des Staates und der Gesellschaft. Eine reale wie eine symbolische Ordnung würde zerstört, die auch von den meisten Zeitgenossen noch immer als Ideal angesehen wird.

Das Bild mit der Axt hatte übrigens auch Martin Rhonheimer bemüht.

Hier: www.faz.net.

Der Mann sieht rot

Dass Gleichstellung vor allem Frauenrechte stärken soll, ist ein Skandal, meint Monika Ebeling in der aktuellen Ausgabe Christ & Welt (07/2012):

Gleichstellungspolitik, die in der Vergangenheit weitgehend Frauenpolitik war, hat sich mehrerer für Frauen einseitig parteilicher Grundannahmen bedient. Man ging von einer Geschlechterhierarchie zwischen Mann und Frau aus. Es wurde die Frage der Schuld des Mannes in die Debatte um die Gleichstellung von Mann und Frau implementiert. Auch pflegte man jahrzehntelang ein Täter-Opfer-Schema zuungunsten des Mannes.

Der Zeitpunkt ist gekommen, sich von diesen Grundannahmen trennen zu können. Das körperliche, seelische und soziale Wohlbefinden von Männern sollte auch aus gleichstellungspolitischer Sicht einmal bewertet werden. 2011 ist der erste Männergesundheitsbericht erschienen, ein Pilotbericht der Stiftung Männergesundheit in Berlin. Macht es uns nachdenklich, dass Männer rund sechs Jahre früher sterben als Frauen? Fühlen wir uns zum Handeln veranlasst, wenn wir erfahren, dass Männer fast doppelt so oft unter chronischen Erkrankungen leiden wie das andere Geschlecht? Winken wir müde ab, wenn wir zur Kenntnis nehmen müssen, dass Männer an ihre körperlichen und seelischen Grenzen gehen? Es werden bei Männern beispielsweise 74,3 Prozent tödliche Wegeunfälle gemeldet. Die Problematik der Depression des Mannes ist seit Robert Enges Selbstmord endlich ins öffentliche Bewusstsein gedrungen. Im Männergesundheitsbericht heißt es, dass nicht erfüllbare Leitbilder Männergesundheit genauso belasten wie mangelnde Work-Life-Balance. Nur 8,6 Prozent der Männer arbeiten in Teilzeit. Viele Männer gehen berufliche Gesundheitsrisiken ein und verdienen damit ihren Lebensunterhalt. So ist es zum Beispiel bei der Berufsfeuerwehr, den Industriekletterern oder Dachdeckern.

Hier mehr: www.christundwelt.de.

Es war nie so anstrengend, ein Kind zu erziehen

Früher verlangten Eltern Gehorsam. Heute stellen viele Familien kaum noch Regeln auf, alles wird ausdiskutiert. Das Ergebnis: Kinder werden zu geliebten Nervensägen. Freia Peters schreibt für DIE WELT über die Wandlung der Erziehung:

Ecarius hat Familien zwischen 1908 bis 1994 analysiert und mehr als hundert Großeltern, Eltern und Kinder über ihre Erziehung befragt. „Es gibt einen steten Wandel vom Befehls- zum Verhandlungshaushalt“, sagt Ecarius. In der älteren Generation (1908-1929) war die Machtbalance zwischen den Generationen klar verteilt: Die Eltern verlangten Gehorsam, Unterordnung, Sauberkeit und Pünktlichkeit – wer sich nicht daran hielt, wurde bestraft.

In der jüngsten Generation (1967-1994) sind die Eltern nicht mehr Respekts- sondern Vertrauensperson. Es gibt keine klare Hierarchisierung mehr von Alt nach Jung. Das Kind steht stärker im Mittelpunkt, auch die Freizeit wird nach ihm ausgerichtet. Kinder müssen weniger im Haushalt helfen und haben zu Hause kaum Pflichten zu erfüllen. Fehlverhalten wird nicht mehr körperlich bestraft, sondern verhandelt und diskutiert. Zwar gibt es Regeln, aber nur wenige und die Übergänge sind fließend.

Mehr: www.welt.de.

Lebensformenwandel

Das „Institut für Demographie, Allgemeinwohl und Familie“ setzt sich im aktuellen Newsletter nachdenklich mit dem Wandel der Lebensformen und des Familienbegriffs auseinander:

Zu den Ritualen postmoderner Feuilleton-Diskurse gehört es, „Mythen“ zu „dekonstruieren“, die das Bewusstsein vermeintlich unaufgeklärter Zeitgenossen vernebelten. Eine besonders beliebte Zielscheibe ihrer Kritik ist die „soziale Konstruktion“ der Familie als Gemeinschaft von Vater, Mutter und Kindern. Dieses „idealisierte“ Bild der bürgerlichen Kernfamilie sei ein Relikt der Nachkriegszeit, das den Blick auf die „Dynamik“ familialer Lebensformen verstelle. Der Rückzug der Kernfamilie seit den 1960er Jahren bedeute keinen Verlust, sondern einen Gewinn an „Vielfalt“. Es gebe daher keine Krise, sondern einen „Wandel“ der Familie. Sie werde heute mehr mit „Partnerschaft“ assoziiert, während Kinder eine geringere Rolle spielten. Neue Lebensformen wie das „Living apart together“ (LAT) stünden für ein „verändertes Partnerschaftsideal, das stärker auf Autonomie setzt“. Familie wandele so ihre Gestalt: Sie sei „nicht mehr so stark auf den Haushalt beschränkt“ und habe „zunehmend den Charakter von sozialen Netzwerken“.

„Familie“ ist also alles und nichts. In Fernsehtalkshows ist solcher Beliebigkeit Beifall sicher, Erkenntniswert fehlt ihr jedoch ebenso wie praktischer Nutzen. Aufschlussreicher ist da die amtliche Bevölkerungsstatistik. Sie geht zunächst von den Haushalten als kleinster Zelle der Gesellschaft aus. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts verwendete sie dafür oft synonym den Begriff Familie. In der großen Mehrzahl der Haushalte lebten bis dato Eltern mit ihren Kindern; Single-Haushalte waren noch äußerst selten. Innerhalb weniger Jahrzehnte haben sich diese Verhältnisse in ihr Gegenteil verkehrt: Ein-Personenhaushalte sind zur (relativen) Mehrheit und Familienhaushalte zur Minderheit geworden. Leben wir also in einer Single-Gesellschaft? Das wäre ein Fehlschluss, der einen trivialen Sachverhalt übersieht: In Familienhaushalten leben immer mehrere Personen – ihr Anteil an der Bevölkerung ist deshalb wesentlich größer als der an der Zahl der Haushalte. Die Hälfte der Bevölkerung in Privathaushalten bilden noch immer Eltern mit ihren Kindern. Familien mit außerhalb des Haushalts lebenden Kindern sind dabei noch gar nicht berücksichtigt. Gemeinsam mit kinderlosen Paaren fallen sie unter die Kategorie „Paare ohne Kinder“. Zusammen bilden diese Paare etwa 30 Prozent der Gesamtbevölkerung, während etwa ein Fünftel als „Single“ ohne Partner im Haushalt lebt. Bleiben die Minderjährigen außen vor, dann ist etwa jeder vierte Erwachsene Single.

Hier: i-daf.org.

Mehr als Scheidungsstatistik

Die Scheidungsstatistik des Statistischen Bundesamtes löst regelmäßig eine Flut von Pressemeldungen aus. Die FAZ titelt: Die Ehe verliert an Bedeutung.

Die Zahl der Scheidungen in Deutschland ist im vergangenen Jahr abermals leicht gestiegen. Wie das Statistisches Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden mitteilte, wurden 2011 rund 187 600 Ehen geschieden. Das waren 0,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Fast die Hälfte der Paare hatte Kinder unter 18 Jahren. Insgesamt waren somit im Jahr 2011 rund 148 200 Minderjährige von der Scheidung ihrer Eltern betroffen, 2,1 Prozent mehr als im Vorjahr.

DIE WELT meldet: Elf von tausend Ehen werden geschieden:

Der Trend zur Trennung hat sich in Deutschland leicht verstärkt: Elf von 1000 Ehen sind 2011 geschieden worden. Im Durchschnitt dauert die Floskel „bis dass der Tod uns scheidet“ nur noch 14,5 Jahre.

Etwas einseitig wirken die Erklärungsversuche. „Gründe dafür seien ‚die längeren Ausbildungszeiten oder die immer stärker werdenden Anforderungen der Arbeitswelt an Flexibilität und Mobilität‘, sagte Egaler“, Präsidenten des Statistischen Bundesamtes.

Die Ursache liegen m.E. tiefer. Es geht auch um eine geistliche Krise (vgl.  Monopolverlust der Ehe). Im postmodernen Denken ist nämlich kein Platz mehr für stabile Werte oder Beziehungen. Da der Mensch die Erfindung von Machtdiskursen ist, orientiert er sich nicht an ewigen Wahrheiten, sondern handelt Normen und Beziehungen ständig neu aus. Lyotard weist darauf hin, dass permanente „Institutionen in beruflichen, affektiven, sexuellen, kulturellen, familiären und internationalen Bereichen wie in politischen Angelegenheiten“ durch „zeitweilige Verträge“ ersetzt werden (Jean-François Lyotard, Das postmoderne Wissen, S. 191). Ähnlich wertet der Soziologe Zygmunt Bauman: Bezeichnend für das „postmoderne Lebensspiel“ ist das Leben im Augenblick. Inbegriff der postmodernen Lebensstrategie ist die Gestalt des Touristen. Ein Tourist bindet sich nicht, kennt keinen Befriedigungsaufschub und vor allem: er konsumiert. In einer Zeit des globalen Kapitalismus ist alles auf Bedürfnisstimulation und rasche Befriedigung angelegt. Wie ein Nomade verhält sich der Tourist als Durchreisender. Das Leben bleibt episodenhaft, die Verpflichtungen sind überschaubar. Der Nomade bindet sich nicht an den Aufenthaltsort oder Partner. Wenn ein Stamm mit dem dazugehörigen Vieh einen Weideplatz abgegrast hat, zieht er weiter (Zygmunt Bauman, Flaneure, Spieler und Touristen. Essays zu postmodernen Lebensformen, 1997).

Der Preis ist freilich hoch.

Die Grunderfahrung der Menschen in der Postmoderne ist für ihn eine des Verlustes: des Verlustes an Gewissheit, Ordnung, Selbstsicherheit. Die aus allen traditionellen Bindungen, Ordnungen und Gemeinschaftsformen ‚entbetteten‘ und der Anarchie des wild gewordenen liberalen Marktes überlassenen Individuen reagieren auf die geänderte Situation mit Gefühlen der Angst und Orientierungslosigkeit (R. Eickelpasch u. C. Rademacher, Identität, 2010, S. 49–50).

Bezeichnend finde ich die Werbung, die DIE WELT online (wechselnd) neben den Scheidungszahlen platziert: „Secret – Spiele nach deinen Regeln: Leben deine Phantasie. Finde niveauvolle Partner für diskrete erotische Abenteuer.“

Anglikanische Kirche veweigert gleichgeschlechtlicher Ehe das Ja-Wort

Hier ein Bericht des DLFs über die Haltung der Church of England zur geplanten Revision des Eherechts. Sehr interessant sind die Worte des Premierministers David Cameron. Er nutzt die heute weit verbreitete Praxis des begriffliche „Reframing“, füllt den Begriff „Ehe“ also mit einem gänzlich neuen Inhalt und stellt den Gebrauch der herkömmlichen Definition als reaktionär dar. Ungefähr so: Konservative wie ich glauben an Beziehungen und Gelübde, weil sie uns binden. Deshalb bin ich für die gleichgeschlechtliche Ehe.

Die Eltern wollen nur noch überleben

Oft sind es Kinder, die heute den Mittelpunkt der Familie bilden. Aber Prinzen und Prinzessinnen brauchen Aufmerksamkeit, lassen sich wenig sagen und kosten viel Energie. Die Anzeichen mehren sich, dass ein Wunderland mit Königskindern und beruflich eingespannten Eltern besonders in den Städten mehr Kraft einfordert, als Eltern aufbringen können. Erschöpft, verzweifelt: Magazine für Eltern sprechen immer offener von dem Kraftakt, Kinder zu haben.

Es lohnt sich, den FAZ-Artikel über neue Trends in den Familienmagazinen zu lesen (Hervorgehbung von mir).

Radikaler als „Brigitte Mom“ aber greift niemand diese Stimmung auf. Reisereportagen heißen hier „Einer heult immer“ und die Redaktionsleiterin beschreibt den für sie perfekten Urlaub so: Sie bringt die Kinder in die Kita, lässt sie vom Vater abholen und taucht drei Tage lang in der eigenen Stadt ab, wo sie sich ein Hotelzimmer nimmt, in den „alten Lieblingscafés“ sitzt und mal richtig ausschläft. „Brigitte Mom“, wie „Balance“ und „Woman“ ein Ableger der Frauenzeitschrift „Brigitte“, war im vergangenen Herbst zunächst als „one-shot“ einmalig erschienen. Nachdem innerhalb weniger Wochen 70000 Exemplare verkauft waren, entschied man bei Gruner+Jahr, das Magazin solle regelmäßig erscheinen; Anfang Mai kam die zweite Ausgabe heraus. In der Titelgeschichte geht es um „die geheimen Muttergefühle“ – das sind dem Artikel zufolge „Langeweile, Hass, Erschöpfung, Verzweiflung, Aggression, Widerwillen, Hysterie, Neid, Überdruss“. Ein ganzes Magazin lässt sich offenbar mit dem Trend bestreiten, Stress und Überforderung offen zu thematisieren. Erziehungstipps oder Reportagen über Einzelschicksale – etwa ein Leben mit behindertem Kind – fehlen. In einer Pressemitteilung des Verlags heißt es, man wolle in „Brigitte Mom“ auch künftig auf solche „problemorientierten Ratgeber“ vollständig verzichten. Statt individuelle Schwierigkeiten von Kindern – Schulversagen, Ängste, Krankheiten – in den Blick zu nehmen, wie es Elternmagazine traditionell taten, ist jetzt das bloße Vorhandensein von Familie das Problem.

Hier der vollständige Artikel: www.faz.net.

Nach oben scrollen
DSGVO Cookie Consent mit Real Cookie Banner