Francis Schaeffer

Heiligkeit und Liebe

Zwei Jahre vor seinem Tod sprach Francis Schaeffer in einem Interview über das Verhältnis der Christen zur Kultur (New Wine, Vol. 14 no., 2 Feb, 1982, S. 4-9). Er sprach dabei auch über die Demonstration von Gottes Heiligkeit und Liebe:

Die Schrift sagt deutlich, dass Gott ist heilig und Gott die Liebe ist. Unsere Aufgabe ist also, diese beiden Eigenschaften in allen unseren Beziehungen zu demonstrieren, auch in unseren persönlichen Kämpfen, in unserem theologischen Ringen, bei den Problemen, die in unseren lokalen Kirchengemeinden entstehen und in den Situationen, mit denen wir als Ganzes in unserer Gesellschaft konfrontiert werden.

Nach langen Kämpfen, damals in den Jahren als L’Abri gegründet wurde, sah ich, dass man sagen könnte, du demonstrierst die Heiligkeit Gottes und du würdest nur hart und derb sein. Auf der anderen Seite könnte man sagen, dass du die Liebe Gottes zeigtest und du kompromittiertest dich nur. Ich sah auch, dass du humanistische Nachahmungen jeder dieser Eigenschaften erbringen könntest. Was man jedoch nicht in eigener Kraft tun kann – noch nicht einmal auf schlechte Weise – ist, sowohl die Liebe Gottes als auch seine Heiligkeit gleichzeitig zu demonstrieren. Das kann nur durch das Wirken des Heiligen Geistes in unserem Leben getan werden.

Hier das vollständige Interview: www.samizdat.qc.ca.

Zehn Dinge, die du über Francis Schaeffer wissen solltest

Bei Evangelium21 ist ein Beitrag von William Edgar, Professor für Apologetik am Westminster Theological Seminary in Philadelphia (USA), erschienen. Es heißt dort:

10 things schaeffer teaser

In den frühen 50er Jahren erlebte Francis eine tiefe, aufwühlende geistliche Krise. Während er beständig für die richtige Lehre eingetreten war und sie verteidigt hatte, sah er, wie sein eigenes geistliches Leben mit der Zeit verdorrte. Das brachte ihn dazu, angefangen bei den Grundlagen, alles noch einmal zu durchdenken.

Er ging aus der Krise hervor mit einem neuen Bewusstsein dafür, dass der christliche Glaube wirklich Realität ist. Er fragte seine Frau Edith einmal, ob es in ihrem Leben irgendeinen Unterschied machen würde, wenn alle Stellen in der Bibel über den Heiligen Geist und das Gebet gestrichen würden. Sie kamen zu der Einschätzung, dass es keinen Unterschied machen würde. Deshalb entschlossen sie sich zu einer neuen Abhängigkeit von der Realität des Geistes Gottes und des lebendigen Gebets.

Mehr: www.evangelium21.net.

 

Francis Schaeffer erklärt seine Apologetik

Jemand hat sich freundlicherweise die Mühe gemacht, ein altes Interview mit Francis Schaeffer zu digitalisieren. Francis Schaeffer beantwortet in L’Abri Fragen von Frank und erklärt ausführlich seine apologetische Arbeitsweise, aber auch, weshalb das Christentum eine solide Grundlage für freie Gesellschaften ist. Im Teil 6 geht es übrigens um die Rechfertigungslehre und das Thema Bekehrung.

Ich liste nachfolgend die Teile des Gesprächs:

Teil 1 (46 Minuten):

Teil 2 (46 Minuten):

Teil 3 (46 Minuten):

Teil 4 (39 Minuten):

Teil 5 (30 Minuten):

Teil 6 (30 Minuten):

Teil 7 (30 Minuten):

Der Preis der Reinheit

Francis Schaeffer schreibt:

Biblische Liebe ist nicht nur fader guter Wille oder eine vage Freundlichkeit. Biblische Liebe ist etwas sehr Wirkliches und Realistisches. Gott liebt seine Kinder, die Christus als ihren Retter angenommen haben, so sehr, dass er manchmal Schmerzen durch Züchtigung verursacht. Und wahre biblische Liebe in uns muss auch manchmal zu Schmerz bei Menschen führen, unsere Brüder in Christus mit eingeschlossen. Wenn ein Vater sein Kind züchtigt, tut er es, weil er es liebt. Als Spurgeon zu seiner Zeit seine Stimme erhob, tat er das, weil er sowohl die Lehre über biblische Reinheit als auch die Lehre über biblische Liebe verstand. Wenn wir wahre Liebe zum Herrn, zu den Verlorenen und zu unseren Brüdern in Christus haben, dann werden wir bereit sein, einen großen Preis für persönliche Reinheit und für die Reinheit der Gemeinde zu zahlen. Wenn wir nicht dazu bereit sind, dann fehlt unserer Liebe etwas. Das Ziel muss sein, dass sich unsere Liebe auf praktische Weise so zeigt, dass wir gemeinsam untadelig in Heiligkeit vor Gott, unserem Vater, gegründet sind, – und wie viel mehr ist das wichtig, wenn das Kommen unseres Herrn Jesus Christus so nahe scheint.

Der Aufsatz aus dem Jahr 1951 erschien 2009 erstmals in deutscher Sprache und kann hier heruntergeladen werden: SchaefferReinheit.pdf.

Francis Schaeffer: Großevangelisationen

Kurz vor seinem Heimgang sprach Francis Schaeffer noch einmal bei einer Fragen & Antworten-Runde zu dem Thema „Evangelisation“. Kurz: Schaeffer war nicht grundsätzlich gegen Großevangelisationen. Aber er legte sehr viel Wert darauf, dass der Inhalt des Evangeliums klar verkündigt wird (also keine emotionsgeladene Verkündigung ohne Inhalt). In unserer Zeit brauchen wir – so Schaeffer – viele persönliche Gespräche, da wir die die Botschaft des Evangeliums gründlich erklären müssen. Er legte viel Wert auf die „wahre Wahrheit“ des Glaubens. Eine typische Formulierung von ihm lautet: Es gibt nur einen Grund, Christ zu sein: die Botschaft des christlichen Glaubens ist wahr.

Die Rettung vor dem Gericht

Francis Schaeffer (Kirche am Ende des 20. Jahrhunderts, 1973, S .54–55):

Wie sieht nun diese Lösung aus? Paulus sagt, es gebe für den Menschen ohne Bibel und den Menschen mit Bibel dieselbe Lösung. Er nennt uns eine erstaunliche Lösung für das Problem des Menschen. Sie erscheint uns nur dann nicht erstaunlich, wenn wir sie so oft gehört haben, daß wir einfach nicht mehr hinhören. Wenn Sie sich aber einmal in die Lage versetzen könnten, Sie würden mit dieser Antwort plötzlich zum erstenmal konfrontiert, würden also nicht sofort abschalten, weil Sie die evangelikale Phraseologie so gut kennen, sondern wären einmal wirklich gepackt von der Größe der Lösung Gottes für das wirkliche Dilemma, die wahre Schuld des Menschen, dann würden Sie einsehen, daß das Wort »erstaunlich« nicht übertrieben ist.

»Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht; es ist ja eine Gotteskraft (das griechische Wort lautet dynamis, das Dynamit Gottes, die explosive Kraft Gottes) zum Heil für jeden, der glaubt, zunächst für den Juden und dann auch für den Griechen« (Rö 1,16). Paulus erweitert das in Rö 3, 23—26: »Denn alle haben gesündigt und ermangeln der Herrlichkeit Gottes«. Denken Sie daran, wen Paulus hier anspricht — die intellektuelle und kultivierte griechische und römische Welt. »Denn alle haben gesündigt und ermangeln der Herrlichkeit Gottes«. Im Griechischen ist das noch deutlicher — denn alle haben gesündigt (in der Vergangenheit), und sie ermangeln im Augenblick (in der Gegenwart) der Herrlichkeit Gottes. Aber sie werden »geschenkweise gerechtfertigt.«

Hier wird der Errettung keine humanistische Note hinzugefügt. Der Mensch versucht immer wieder der Erlösung seinen Humanismus zur Seite zu stellen. Ob es nun die Juden zur Zeit des Paulus waren, die klassische katholische Kirche mit ihrem Hinzufügen von Werken oder der moderne Theologe — immer ist es dasselbe. Stets versucht der Mensch, ein humanistisches Element in die Errettung hineinzuschmuggeln. Aber wo es um die Errettung des einzelnen geht, lehnt die Heilige Schrift jeden Humanismus ab. Der Mensch wird »aufgrund der Erlösung in Christus Jesus geschenkweise gerechtfertigt. Ihn hat Gott in seinem eigenen Blut als Sühnmal hingestellt durch den Glauben, um seine Gerechtigkeit zu erweisen. Die früher begangenen Sünden ließ er hingehen in der Zeit der Geduld Gottes, weil er seine Gerechtigkeit erweisen wollte in der jetzigen Zeit, auf daß er selbst gerecht sei und den gerecht mache, der aus dem Glauben an Jesus ist.«

Die Notwendigkeit des Gerichts

Francis Schaeffer (Kirche am Ende des 20. Jahrhunderts, 1973, S .53–54):

Aber lassen Sie mich eine Warnung unterstreichen: Gottes Gericht ist nicht nur gerecht, es ist auch notwendig. Dies ist die einzige Botschaft, die in der Mentalität des 20. Jahrhunderts etwas ausrichten kann, weil sie die einzige Botschaft ist, die auf die beiden großen Probleme aller Menschen wirklich eine Antwort gibt — des modernen Menschen und des Menschen in allen Zeiten und an allen Orten. Zunächst einmal braucht der Mensch Absoluta, Universalien, etwas, aufgrund dessen er urteilen kann.

Wenn man keine Basis für seine Urteile hat, dann fällt die Realität auseinander, dann kann man Phantasie und Wirklichkeit nicht mehr unterscheiden, dann wird der einzelne Mensch wertlos, und Recht und Unrecht werden bedeutungslos.

Es gibt zwei Möglichkeiten, Gottes Gericht über die Menschen als unsinnig abzutun. Zum einen kann man sagen, daß es kein Absolutes gibt. Dann muß man aber die Folgerung in Kauf nehmen: Wenn Gott nicht aufgrund eines hundertprozentigen Maßstabes richtet, dann ist er wahrhaftig jener alte Mann mit langem Bart. Und schlimmer noch — nicht nur der Mensch lebt im Relativismus, sondern Gott selbst ist vom Relativismus gebunden. Gott muß der Richter sein, dessen eigener Charakter das Gesetz des Universums bildet, sonst haben wir keine absoluten Werte. Wir brauchen uns nicht zu scheuen, davon zu sprechen, daß der einzelne vor Gott treten muß, um gerichtet zu werden — und zwar in der vollen historischen Bedeutung des Wortes »Gericht«. Es ist genau umgekehrt. Wenn das nicht zutrifft, dann haben wir nichts Absolutes mehr, und dann haben wir keine Antwort mehr für den Menschen des 20. Jahrhunderts.

Man kann auf eine zweite Art das Gericht Gottes über den einzelnen abstreiten, indem man dem Menschen seine Bedeutsamkeit nimmt und sagt, er sei eine Maschine oder er sei chemisch oder psychologisch determiniert, so daß er seine Handlungen in dieser Welt gar nicht selbst bestimmen könne.

In einem solchen Falle ist er natürlich nicht verantwortlich und kann gerechterweise nicht gerichtet werden. Aber wahre Bedeutsamkeit ist das zweite Bedürfnis des Menschen, und wenn der Mensch nicht wahrhaft bedeutsam ist, dann haben wir ihn im Namen des Christentums wieder in den großen Topf des Denkens des 20. Jahrhunderts zurückgestoßen, wo der Mensch eine Null wird.

Es geht mir um folgendes: Der einzelne ist nicht von der Schöpfung her von Gott getrennt. Er ist vielmehr von seiner Natur her auf eine persönliche Verbindung mit Gott angelegt; wegen seiner Rebellion gegen Gott ist er von Gott getrennt, und deshalb müssen wir die Lösung unterstreichen, die uns die Heilige Schrift nennt.

Warum passen Christen sich dem Weltdenken an?

Francis Schaeffer schreibt in Kirche am Ende des 20. Jahrhunderts (Wuppertal: R. Brockhaus Verlag, 1971, S. 14):

Viele von uns werden jedoch von Voraussetzungen [Anm.: gemeint sie nichtchristliche Denkvoraussetzungen, wie z.B.: „es gibt keinen Gott“ oder „ethische Werte sind fließend“) wie von den Masern »angesteckt«. Warum passen sich die Menschen denn der nachchristlichen Welt an? Meiner Überzeugung nach nicht aufgrund von Tatsachen, sondern weil uns unsere fast monolithische Kultur die andere Antwort aufgezwungen hat — nämlich die Naturkausalität, nicht in einem offenen System; an dessen Anfang ein persönlicher Gott steht, wie die frühen modernen Wissenschaftler glaubten, sondern in einem geschlossenen System. Nicht die Tatsachen widersprechen den christlichen Denkvoraussetzungen, sondern die christliche Perspektive wird einfach als undenkbar hingestellt. Je besser die Universität, desto besser die Gehirnwäsche.

Ein Gott, der wirklich da ist

Francis Schaeffer schreibt in Kirche am Ende des 20. Jahrhunderts (Wuppertal: R. Brockhaus Verlag, 1971, S. 49–50):

Der Theologe, der sagt, man solle Gott lieben, der aber nicht genau weiß, welche Beziehung zwischen seinem Wort »Gott« und dem Gott, der wirklich da ist, besteht, redet Unsinn. Es ist lächerlich, von der Liebe zu einem Gott zu reden, der gar nicht da ist. Betrachten Sie z. B. den modernen Theologen, der behauptet, das Gebet habe keine reale Grundlage. Das sagt Robinson in seinem Buch Gott ist anders eindeutig, indem er behauptct, es gebe keine wirkliche vertikale Beziehung zu Gott. Ein solches vertikales Verhältnis zu Gott ist einfach deshalb unmöglich, weil Gott — für Robinson — nicht ein solcher Gott ist, der einer vertikalen Beziehung einen Sinn verleihen könnte. Aber Gott ist ein persönlicher Gott, und deshalb ist die Aufforderung, ihn zu lieben, kein Unsinn.

Oder betrachten Sie andererseits den Humanisten, der den Menschen für eine Maschine hält. Wenn ich eine Maschine bin, chemisch oder psychologisch determiniert, dann ist mein Versuch der Liebe zu Gott bedeutungslos. Weiter: wenn Gott jenes große philosophische »Andere«, das unpersönliche All, ein panthcistisches »Etwas« ist, dann ist die Aufforderung, Gott zu lieben, entweder eine Illusion oder ein grausamer Schwindel.

Das gesamte Christentum steht und fällt mit der Existenz und dem Wesen Gottes und der Existenz und der Natur des Menschen — der Existenz und Natur des »Ich«. Aus diesem Grunde ist die einzige hinreichende Basis für das christliche Leben des einzelnen und der Gemeinde eine persönliche Beziehung zu dem Gott, der da ist und der persönlich ist.

Darüber hinaus müssen wir aber durch unser Leben zeigen, daß wir wissen: Gott ist wirklich da. Wir sagen allzu oft, Gott existiere, und bleiben dann in einer scholastischen, theoretischen Orthodoxie stecken. Allzu oft bekommt die Welt den Eindruck, daß wir unser ganzes organisatorisches Programm aufstellen, als existiere Gott gar nicht und als ob wir alles selbst auf der Grundlage moderner Reklametheorien machen müßten.

Stellen wir uns einmal vor, wir wachten morgen früh auf, öffneten die Bibel und stellten fest, daß zwei Dinge herausgenommen worden seien, nicht wie die Liberalen sie herausstreichen, sondern wirklich herausgenommen. Stellen wir uns vor, Gott hätte sie entfernt. Der erste fehlende Punkt sei die wirkliche Kraft des Heiligen Geistes und der zweite Punkt die Realität des Gebets. Folglich würden wir weiter den Befehlen der Schrift gehorchen und auf der Basis dieser neuen Bibel zu leben beginnen, die nichts über die Kraft des Heiligen Geistes und nichts über die Kraft des Gebets aussagte. Ich möchte Ihnen eine Frage stellen: Würde sich dadurch morgen unser Leben wirklich von dem Leben unterscheiden, das wir gestern noch geführt haben? Glauben wir wirklich, daß Gott lebt? Wenn wir es tun, dann leben wir anders.

Fragen & Antworten mit Francis und Edith Schaeffer

Der christliche Apologet Francis Schaeffer starb am 15. Mai 1984. Jetzt sind Videoaufnahmen vom März 1984 aufgetaucht und zur Verfügung gestellt worden. Schaeffer spricht in dieser Runde mit  Fragen & Antworten über seine schwere Erkrankung, über den Niedergang des Evangelikalismus (vgl. Die große Anpassung) und die Notwendigkeit der Evangelisation. Edith spricht zum Beispiel über die Wichtigkeit, die Kinder gut zu unterweisen.

Was Schaeffer über den Evangelikalismus sagt, ist so unvorstellbar aktuell, dass ich es erst nicht glauben wollte. Besonders seine Anmerkungen zur Methodologie und zum – wie wir heute sagen würden – postmodernen Wahrheitsverständnis, sind auffallend gegenwartsnah.

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