Gotteslehre

Heiligkeit und Liebe

Zwei Jahre vor seinem Tod sprach Francis Schaeffer in einem Interview über das Verhältnis der Christen zur Kultur (New Wine, Vol. 14 no., 2 Feb, 1982, S. 4-9). Er sprach dabei auch über die Demonstration von Gottes Heiligkeit und Liebe:

Die Schrift sagt deutlich, dass Gott ist heilig und Gott die Liebe ist. Unsere Aufgabe ist also, diese beiden Eigenschaften in allen unseren Beziehungen zu demonstrieren, auch in unseren persönlichen Kämpfen, in unserem theologischen Ringen, bei den Problemen, die in unseren lokalen Kirchengemeinden entstehen und in den Situationen, mit denen wir als Ganzes in unserer Gesellschaft konfrontiert werden.

Nach langen Kämpfen, damals in den Jahren als L’Abri gegründet wurde, sah ich, dass man sagen könnte, du demonstrierst die Heiligkeit Gottes und du würdest nur hart und derb sein. Auf der anderen Seite könnte man sagen, dass du die Liebe Gottes zeigtest und du kompromittiertest dich nur. Ich sah auch, dass du humanistische Nachahmungen jeder dieser Eigenschaften erbringen könntest. Was man jedoch nicht in eigener Kraft tun kann – noch nicht einmal auf schlechte Weise – ist, sowohl die Liebe Gottes als auch seine Heiligkeit gleichzeitig zu demonstrieren. Das kann nur durch das Wirken des Heiligen Geistes in unserem Leben getan werden.

Hier das vollständige Interview: www.samizdat.qc.ca.

Wie ist das mit dem Zorn Gottes?

Was ist eigentlich mit dem Zorn Gottes gemeint? Gehört der Zorn zum Wesen Gottes, so wie die Liebe? Ist der Gott des Alten Testaments ein zorniger Gott, während der Gott des Neuen Testaments ein Gott der Liebe ist?

Solche und viele andere Fragen beantwortet D.A. Carson in einem 12-Minuten-Interview (leider nur in engl. Sprache):

Credo Vol. 6/2 2016

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Die neue Ausgabe des Magazins Credo ist da. Das Hauptthema lautet: Prophet, Priester und König. Dabei ist ebenfalls eine Rezension zu dem bemerkenswerten Buch: Confessing the Impassible God: The Biblical, Classical, & Confessional Doctrine of Divine Impassibility (RBAP, 2015).

Die Ausgabe kann hier heruntergeladen werden: Prophet%20Priest%20King.pdf.

Gründlich Lesen (1): Braucht Gott dich?

Mir wird immer klarer, dass sich die erbauliche Literatur teilweise in kecker Weise von der Heiligen Schrift ablöst. Das, was in der Bibel steht, scheint langweilig zu sein. Also wenden sich einige Autoren anderen Quellen zu. Aber das Wasser, das sie dort schöpfen, ist angegammelt. „Mich haben sie verlassen, die Quelle lebendigen Wassers, um sich dann Brunnen auszuhauen, rissige Brunnen, die das Wasser nicht halten“, sagt Gott schon in Jeremia 2,13.

Kürzlich habe ich in einem Buch, das weite Verbreitung gefunden hat, folgenden „geistlichen Impuls“ gefunden:

Vor einigen Jahren habe ich bei George MacDonald einen erstaunlichen Gedanken gelesen. Vermutlich haben Sie schon mal gehört, dass in jedem menschlichen Herzen ein Leerraum ist, den nur Gott ausfüllen kann. (Wir haben weiß Gott schon alles Mögliche versucht, dieses Loch zu stopfen, ohne Erfolg). Aber nun behauptete der alte Dichter, dass es auch in Gottes Herz einen Raum gibt, den nur wir ausfüllen können. „Folglich gibt es auch in Gott selbst eine Kammer, zu der niemand sonst Zutritt hat, außer dem Einzelnen.“ Außer Ihnen. Dazu sind Sie geschaffen: einen Platz im Herzen Gottes einzunehmen, den sonst nichts und niemand ausfüllen kann. Unglaublich. Gott verzehrt sich nach Ihnen.

Was passt da nicht? Nun, im Gegensatz zu uns Menschen, die abhängige Wesen sind, ist Gott vollkommen und bedingungslos frei. Wir Menschen vergehen ohne Gott, dem Erhalter des Lebens. Gott ist anders. Er braucht uns Menschen nicht.

In der Gotteslehre spricht man von der „Aseität“ Gottes. Vom Wesen Gottes ist alles auszuschließen, was nicht sein Sein selbst ist. Gott ist die Fülle des Seins, in ihm gibt es, anders als bei uns, keine Seinsunvollkommenheit. Gott braucht nichts.

Das obige Zitat suggeriert hingegen, Gott brauche uns Menschen, um Gott zu sein. Es mag erhebend sein, zu lesen, dass Gott mich braucht, dass ich derjenige bin, der das „Loch in Gott stopft“, also Gott vollständig macht. Aber das ist Wahnwitz. Gott empfängt sein Sein nicht von uns Menschen. Gott ist der, der er ist (vgl. 2Mose 3,14).

Gott braucht dicht nicht. Du brauchst Gott.

Noch einmal „Gott erkennen“

Für Leseratten gibt es eine gute Nachricht. Das Buch Gott erkennen von J.I. Packer ist vom Herold Verlag in Zusammenarbeit mit dem EBTC neu aufgelegt worden. Ich habe Benjamin Schmidt vom Herold Verlag kurz zu dem Projekt befragt:

Noch einmal „Gott erkennen“

T075TheoBlog: Warum sollte das Buch heute noch gelesen werden?

Weil es zeitlose Wahrheiten über Gottes Wesen vermittelt. Im Vorwort der Ausgabe von 1973 schreibt Packer: „Die Überzeugung, die hinter diesem Buch steht, ist, dass die Unwissenheit über Gott – sowohl die Unwissenheit über sein Handeln wie auch die Unkenntnis über die persönliche Gemeinschaft mit Ihm – eine der Wurzeln für die Schwachheit der heutigen Kirche ist.“ Wir haben den Eindruck, dass diese Unwissenheit auch in evangelikalen Kreisen seither nicht weniger geworden ist. Theologie gilt für viele als trocken, unwichtig oder den Glauben eingrenzend. Packer zeigt, dass genau das Gegenteil der Fall ist.

TheoBlog: Eine neue Übersetzung ist sehr aufwendig.

Warum hat sich der Verlag dennoch dafür entschieden? Da die frühere Übersetzung schwer verständliche Aussagen enthielt und dem heutigen Stil nicht mehr ganz entsprach, haben wir uns dagegen entschieden, die einzelnen Passagen herauszusuchen und zu überarbeiten, und stattdessen den Text völlig neu übersetzt. Wir hoffen, dass uns das gelungen ist. Das Übersetzen selbst war für uns jedenfalls ein großer Segen.

TheoBlog: An welche Leser wendet sich das Buch?

Das Buch richtet sich in erster Linie an Christen, die mehr über Gott erfahren wollen; egal, ob das im persönlichen, gemeindlichen oder im Bibelschul-Studium geschieht. Dennoch fordert Packer immer wieder zum Glauben an Christus heraus und verleiht dem Buch daher auch einen evangelistischen Aspekt. Im Vorwort nennt er den Wunsch, dass „… Gott erkennen auch in seinem neuen Gewand weiterhin dazu beitragen [möge], Menschen zur Bekehrung zu führen und in ihrem Glauben zu stärken.“

TheoBlog: Gibt es ein Kapitel, das jedem Christen sehr zu empfehlen ist?

Das Kapitel über die Gotteskindschaft („Die Kinder Gottes“, Kap. 19) ist sehr zu empfehlen, da es gerade in unserer Zeit ein häufig vernachlässigtes und missverstandenes Thema ist.

Vielen Dank für das Gespräch!

– – –

Freundlicherweise hat der Herold Verlag eine Leseprobe zur Verfügung gestellt. Das im Gespräch erwähnte Kapitel 19 ist auch dabei: Gott erkennen Auszug.pdf.

Das Buch wird auf der E21-Konferenz in Hamburg zu erwerben sein (schon angemeldet?) und kann später über den Buchhandel bezogen werden.

Die Notwendigkeit der göttlichen Belehrung

Wilhelm Niesel schreibt in seiner Untersuchung zur Theologie Calvins (Wilhem Niesel, Die Theologie Calvins, 2. Aufl., München: Kaiser Verlag, 1957, S. 24–25):

Die ersten Worte der Institutio können nicht bedeuten, daß Calvin im folgenden seine eigenen Gedanken über Gott und den Menschen entwickeln wolle. Theologen und Philosophen versuchen das zwar immer wieder; aber Calvin weiß sehr wohl, daß »alles, was wir von uns selbst von Gott denken und auch reden, eitel Narrheit und kraftlos Ding ist«. Der menschliche Geist ist zu schwach, als daß er zu Gott dringen und ihn erfassen könnte. Wollen wir etwas Zutreffendes über Gott und damit auch über sein Verhältnis zum Menschen sagen, dann müssen wir von Gott selbst darüber belehrt werden. Das geschieht in der Heiligen Schrift. Sie allein gibt uns Aufschluß über Gott und uns selbst. »Zum Wort muß man kommen, in welchem Gott uns wohl und mit lebendigen Farben aus seinen Werken beschrieben wird, da die Werke Gottes nicht nach unserem verkehrten Urteil, sondern nach der Richtschnur der ewigen Wahrheit geschätzt werden«. Es ist so, »daß niemand auch das allergeringste Stücklein von der rechten heilsamen Lehre begreifen kann, er sei denn ein Schüler der Heiligen Schrift«. Also nicht Entfaltung einer philosopbia humana, wohl aber Darstellung der philosophia christiana, die uns in der Bibel von Gott gegeben ist, das scheint das Ziel der Theologie Calvins zu sein.

Gott ist nicht einfach die Liebe

Emil Brunner schreibt in seinem Werk Der Mittler über die Liebe Gottes (Tübingen: Mohr Siebeck, 1927):

Gott ist nicht einfach die Liebe. Gottes Wesen soll nicht mit einem einzigen Wort ausgesagt werden können. Der Vater geht nicht in den Sohn über, wie das Vorläufige in das Definitive übergeht. Der dunkle Hintergrund hinter der Gestalt des Sohnes darf nicht verschwinden, sonst verfallen wir im Glauben einer falschen Sicherheit. Aus der certitudo wird die securitas. Wir sollen es als das große unergründliche Wollen Gottes und niemals als Selbstverständlichkeit wissen, daß Gott die Liebe ist. Gott liebt wen er lieben will. Von seiner Liebe wissen, heißt sich erwählt wissen. Gott hört auch in der Liebe nicht auf, der freie Herr zu sein. Daß wir hier nicht an die Stelle der Bewegung den Ruhezustand, das platte, selbstverständliche Sosein setzen, das ist das andere entscheidend wichtige Anliegen, das die Trinitätslehre zum Ausdruck bringt. Gott ist der Vater und der Sohn. Wir sollen an Gott als die Liebe glauben, das heißt, wir sollen die Einheit in der Zweiheit, als die im Glauben stets neu zu überwindende Zweiheit haben. Gott ist nicht einfach die Liebe, er bestimmt sich als Liebe. Liebe ist sein Wille, nicht seine Natur, ob auch sein ewiger Wille. Als seine Natur aber müssen wir, auch in Christus, seine majestätische Souveränität und Heiligkeit verehren. Dieses Doppelte muß in der Bewegung bleiben: Gott ist die Liebe; aber auch: Gott ist die Liebe.

Open Theism

201103250527.jpgZum Buch über den »Open Theism« (d.i. eine Gotteslehre, die verneint, dass Gott die Zukunft kennt):

  • J. Piper; P.K. Helseth u. J. Taylor: Beyond the Bounds: Open Theism and the Undermining of Biblical Christianity, Wheaton, Illinois: Crossway Books, 2003, 395 S.

schreibt J.I. Packer:

Here is a weighty tract for the times, in which a dozen Reformed scholars survey the »open theism« of Pinnock, Sanders, Boyd, and colleagues, and find it a confused, confusing, and unedifying hypothesis that ought to be declared off limits. Some pages are heavy sledding, but the arguing is clear and strong, and the book is essential reading for all who are caught up in this discussion.

Der hilfreiche Sammelband kann hier gratis heruntergeladen oder über den nachfolgenden Button gegen Bezahlung bestellt werden:


VD: JT

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