Religionsfreiheit

Islam in Europa als Herausforderung

Die Globalisierung ist für Europa ein Thema von großer Bedeutung. Die Welt ist näher zusammengerückt. Das gilt auch für die islamische Welt und Europa. So ergeben sich neue Chancen ebenso wie Herausforderungen für die Gestaltung einer gemeinsamen Zukunft im 21. Jahrhundert.
Auf Einladung des »Personenkomitees Aufeinander zugehen« in der oberösterreichischen Stadt Traun sollte Frau Prof. Dr. Christine Schirrmacher am 21. Mai über den »Islam in Europa als Herausforderung für Staat, Gesellschaft und Kirche« referieren. Der Vortrag, der nach Protesten besonders von Mitgliedern der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich abgesetzt wurde (vgl. idea), kann in einer schriftlichen Version hier herunter geladen werden: www.islaminstitut.de.

Evangelikale Reaktion auf muslimische Verständigungsinitiative

Die Weltweite Evangelische Allianz (WEA) hat in einem Schreiben einen eigenen Beitrag zu einer christlich-muslimischen Verständigungsinitiative geleistet. Das Dokument, das am 11. März veröffentlicht wurde, ist eine Antwort auf ein Gemeinsames Wort von 138 muslimischen Geistlichen, das diese zum Ende des Fastenmonats Ramadan im Oktober an den Vatikan, die orthodoxen Kirchen, den Weltkirchenrat, die anglikanische Weltgemeinschaft sowie die Weltbünde der Lutheraner, Reformierten, Baptisten und Methodisten gerichtet hatten. Darin wiesen sie auf Gemeinsamkeiten in der Bibel und im Koran hin, insbesondere auf das Doppelgebot, Gott und den Nächsten zu lieben.

In dem vom Direktor des Internationalen Instituts für Religionsfreiheit der WEA, Prof. Thomas Schirrmacher (Bonn), verfassten und von ihrem Internationalen Direktor, Geoff Tunnicliffe (Markham), unterzeichneten Antwortschreiben lädt die Dachorganisation von rund 420 Millionen Evangelikalen Muslime zu Gesprächen über Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden großen Weltreligionen ein: »Lassen Sie uns im direkten Gespräch über unsere Differenzen sprechen und versuchen, einander durch gute Argumente zu überzeugen, ohne Gewalt und Androhung von Gewalt, und damit über die Differenzen in den politischen Strategien oder in der Handlungsweise der Regierungen hinauszugehen.«

Die WEA betont die Verpflichtung der Christen zum Frieden, wie sie etwa in der Bergpredigt Jesu oder in den Briefen des Apostels Paulus zum Ausdruck kommen. Die Weltallianz geht auch auf den Aufruf der muslimischen Gelehrten an Christen ein, Muslime zu werden, indem sie »Gott anbeten sollen, ohne ihm einen Partner zur Seite zu stellen«. Diese Einladung könne man nicht annehmen. Im Gegenzug lädt die Allianz Muslime zum Glauben an den Gott ein, »der unseren Widerstand gegen ihn und unsere Sünde durch das vergibt, was sein Sohn Jesus Christus für uns am Kreuz getan hat«. Es gehe nicht darum, Streit zu suchen. Vielmehr seien Christen von der Wahrheit ihres Glaubens ebenso überzeugt wie Muslime von ihrer. Die Allianz verweist unter anderem auf das Jesus-Wort »Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich« (Johannes 14,6).

Die fundamentalen Unterschiede im Gottesverständnis zwischen Islam und dem christlichen Glauben seien der Allianz bewusst. Zum besseren Verstehen werde es langer, aufrichtiger Gespräche bedürfen. Auch beim Verständnis der Liebe Gottes bestünden tiefe Differenzen. So glaubten Christen im Unterschied zu Muslimen, dass der Tod Jesu am Kreuz der größte Beweis der Liebe Gottes zu den Menschen sei. Man werde die Unterschiede jedoch niemals zum Vorwand nehmen, Muslime nicht zu lieben oder den Frieden zu gefährden.

Die WEA kommt auch auf die Religionsfreiheit als Menschenrecht zu sprechen. Man wolle, dass Christen und Muslime in Frieden zusammenleben können. Frieden werde man nicht dadurch erreichen können, dass man sich zunächst in allen Unterschieden einig werde. Vielmehr sollte man den Anhängern aller Religionen ermöglichen, ihren jeweiligen Glauben in vollem Maße auszuüben und zu verbreiten, und allen Menschen erlauben, ihre Religionszugehörigkeit frei zu wählen.

Die WEA bringt ferner Bedenken auf drei Gebieten zum Ausdruck. Sie bittet Muslime, zwischen dem christlichen Glauben und der westlichen Welt zu unterscheiden. Das Christentum sei keine westliche Religion, und die Mehrheit der Menschen im Westen lebten nicht nach Gottes Willen. Zum zweiten zeigt sich die Allianz verwundert, dass die Muslime davon sprechen, dass Christen Krieg gegen Muslime wegen ihrer Religion führten, sie unterdrückten und vertrieben. »Wo führen Christen Krieg gegen Muslime?« fragt die Allianz. Die dritte Sorge betreffe das Schicksal von Christen in überwiegend muslimischen Ländern. Oft sei es ihnen nicht gestattet, ihren Glauben ungehindert auszuüben; manche säßen in Haft, andere würden ermordet. Man bitte darum, den Christen das gleiche Maß an Frieden und Gerechtigkeit zukommen zu lassen, wie den dort lebenden Muslimen.

Im November 2007 hatten bereits eine große Anzahl christlicher Theologen eine Antwort auf die muslimische Verständigungsinitiative unter dem Titel »Gott und den Nächsten zusammen lieben« in der Zeitung New York Times veröffentlicht. Darin wurde die Gottes- und Nächstenliebe als »zentrale Gemeinsamkeit« der beiden Religionen bekräftigt. Das Papier wurde heftig kritisiert, da die Unterschiede zwischen den Religionen verwischt und die Bedeutung von Jesus Christus relativiert wurde.

Das originale Dokument gibt es hier: We_Too_Want_to_Live_in_Love.pdf. Eine deutsche Übersetzung kann heruntergeladen werden unter: WeToWant.pdf.

Iranische Regierung will Todesstrafe für Apostaten

Als alarmierenden Verstoß gegen die Menschenrechte und die Religionsfreiheit bezeichnet die Islamwissenschaftlerin Prof. Dr. Christine Schirrmacher vom Institut für Islamfragen das geplante iranische Gesetz zur Festlegung der Todesstrafe für muslimische Apostaten. Da bisher eine gesetzliche Festlegung dieser Strafe fehlte, konnten die Richter auch entsprechend lange Gefängnis- oder harte Arbeitsstrafen verhängen. Da sich der Gesetzesentwurf nach Artikel 112 auf alle Aktionen gegen die innere und äußere Sicherheit des Landes bezieht, wären künftig auch iranische Christen, die aus Deutschland oder anderen Ländern abgeschoben würden, von einer Verurteilung bedroht und in Lebensgefahr. Nachdem der Gesetzesentwurf bereits im Januar vom Kabinett genehmigt wurde, steht die erwartete Zustimmung des Parlaments noch aus. Das Gesetz würde neben Konvertiten zum Christentum auch liberale Denker und Mitglieder der religiösen Minderheit der Baha’i betreffen.

Die vollständige Pressemitteilung gibt es hier: PM0034.pdf.

Auf nach »Little Bagdad«

jaramana1.jpgPetra Tabeling beschreibt in einem Artikel für Das Parlament (12. Nov. 2007, S. 3) den Exodus der Christen aus dem Irak. Mehr als 20.000 irakische Flüchtlinge haben im vergangenen Jahr Zuflucht in den Ländern der EU gesucht, davon allein 9.000 im liberalen Schweden. Der überwiegende Teil der irakischen Flüchtlinge sind Christen, die im Irak nur etwa drei Prozent der Bevölkerung ausmachen. Sie gehören den Chaldäern, der syrisch-orthodoxen oder der assyrischen Kirche an.

Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) dokumentiert im Jahrbuch Märtyrer 2007 die Situation der Christen im Irak. Der Beitrag über die größte Christenverfolgung der Gegenwart kann hier frei heruntergeladen werden: GfbV_auszug.pdf.

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Bild: Die Hauptstraße im Damaszener Viertel Jaramana. Viele der Schulkinder sind Iraker. Seit dem Ansturm der Flüchtlinge hat sich die Schülerstärke in vielen Klassen der syrischen Stadt von 25 auf 60 erhöht (Quelle: G.M. Keller mit freundlicher Genehmigung).

Wo sind die türkischen Christen?

TürkeiWußten Sie, dass vor knapp 100 Jahren der Anteil der Christen an der Gesamtbevölkerung in der Türkei bei 30 Prozent lag? Heute sind nur noch ca. 0,2 Prozent der in der Türkei lebenden Menschen Christen.

Während der diesjährigen Arbeit am Jahrbuch für Christenverfolgung hatte ich das Vergnügen, die Soziologin Tessa Hofmann kennenzulernen. Frau Hofmann, eine Expertin für Minderheiten- und Genozidforschung, verfügt über exzellente Kenntnisse der türkischen Geschichte. In ihrem Beirag zum Jahrbuch hat sie die Entchristianisierung und die Situation der Christen heute in der Türkei detailliert und eindrücklich beschrieben. Klingt das nicht spannend?

Das heutige türkische Staatsgebiet bildete für knapp zwei Jahrtausende ein zutiefst christlich geprägtes Land. Nicht nur, dass sich dort zahlreiche Schauplätze von Ereignissen des Neuen und Alten Testaments noch immer in Augenschein nehmen lassen – vom Archeberg Ararat im Armenischen Hochland bis zum auch von Muslimen verehrten Geburtsort Abrahams in Urfa –, sondern frühe und bis in das 20. Jahrhundert zahlenmäßig wie auch in ihren kulturellen Leistungen bedeutende christliche Gemeinschaften trugen erheblich zu dieser Prägung bei – auch nach der Eroberung der byzantinischen Hauptstadt Konstantinopel durch die Osmanen (1453). Dass wir trotz Apostelgeschichte, trotz der bedeutenden Kirchenväter, Märtyrer und Heiligen Kleinasiens – Basileios der Große etwa, Grigorios von Nazianz, Grigorios von Nyssa oder Nikolaos von Myra – die Türkei nicht mehr als uraltes christliches Kulturland begreifen, liegt an der Radikalität, mit der türkische Nationalisten im Verlauf eines knappen Jahrhunderts das Christentum in Kleinasien und Nordmesopotamien entwurzelten und die Erinnerung an seine Träger zu tilgen versuchten.

Gern können Sie den Aufsatz »Wer in der Türkei Christ ist, zahlt einen Preis dafür …« selbst lesen. Erfreulicherweise wurde er freigegeben und kann hier heruntergeladen werden: Hofmann_auszug.pdf.

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Bild: Creative Commons

Menschenrechtslage in China weiterhin bedrohlich

 

Chinesische FlaggeDie Menschenrechtslage ist in China vor Beginn der Olympischen Spiele 2008 nach wie vor dramatisch. Vor sechs Jahren, am 13. Juli 2006, beschloss das IOC die Vergabe der Olympischen Spiele 2008 an Peking. Nachfolgend erklärte das IOC, es werde die Menschenrechtslage in China beobachten und die Beachtung fundamentaler Rechte fordern. Doch nach Auffassung der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) hat sich bis heute nichts an der Situation geändert. Ein Beispiel für die anhaltende Verletzung von Menschenrechten durch chinesische Behörden ist der inhaftierte blinde Menschenrechtsaktivist Chen Guangcheng. Er wurde am 16. Juni auf Anweisung von Gefängniswärtern von Mitinsassen misshandelt. Deswegen und weil ihm anschließend eine medizinische Versorgung verwehrt wurde, trat er aus Protest in Hungerstreik.

Chen Guangcheng leitete eine Kampagne gegen die Zwangsabtreibung und Zwangssterilisation in der chinesischen Stadt Linyi, die im Süden der Provinz Shandong liegt. Die Kommunalbehörden zwingen Frauen, sich sterilisieren zu lassen, damit die staatlich verordneten Quoten der Familienplanung eingehalten werden.

Von September 2005 an wurde der blinde Menschenrechtler wegen angeblich »vorsätzlicher Zerstörung von Kollektiveigentum und der Behinderung des Straßenverkehrs« zunächst für zehn Monate unter Hausarrest gestellt und später zu vier Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Seine Berufungsklage hatte zunächst Erfolg und das Verfahren musste aufgrund mangelnder Beweise wiederholt werden. In dem darauf folgenden Verfahren wurde er jedoch wegen derselben Vorwürfe am 12. Januar 2007 zu exakt derselben Haftstrafe verurteilt.

Nach den Übergriffen wurde Chen Guangcheng mitgeteilt, dass er wegen »ungehorsamen Verhaltens« – er beharrt darauf, Rechtsmittel beim Oberen Provinzgericht einzulegen – bestraft wurde. Guangcheng, der in früher Kindheit erblindete, ist beim Verfassen des Antrags auf Hilfe seines Anwalts oder seiner Frau angewiesen. Besuch wird ihm jedoch nur einmal im Monat für maximal 30 Minuten gewährt. Dadurch ist es ihm unmöglich, Einwände gegen seine Haftstrafe zu Papier zu bringen.

Obwohl er sich seit Jahren intensiv mit Rechtshilfe beschäftigt, besitzt Chen Guangcheng keinen akademischen Abschluss, da ihm in China aufgrund seiner Blindheit das Erlangen eines Universitätsabschlusses verboten wurde. Daher war es ihm lediglich nur möglich, sich sein Wissen autodidaktisch anzueignen.

Ungeachtet der Zusagen der chinesischen Regierung, die Menschenrechtslage vor Beginn der Olympischen Spiele zu verbessern, stehen Misshandlung, Folter und Drangsalierung von Menschenrechtlern und Rechtsanwälten auf der Tagesordnung. Regelmäßig werden Betroffene in unfairen Prozessen zu Freiheitsstrafen verurteilt.

Wenn Christen als Bedrohung gesehen werden

Die Ermordung von drei evangelischen Christen in der 400.000 Einwohner zählenden Stadt Malatya in der Türkei am Dienstag sorgte weltweit für Entsetzen. Doch die Tat macht erneut deutlich, unter welchen Spannungen die Türkei leidet und mit welchen Kräften und Ideologien sie sich auseinander setzen muss. Von Religionsfreiheit ist das Land noch weit entfernt.

Am 19, April hat die Islamwissenschaftlerin Prof. Dr. Christine Schirrmacher, wissenschaftliche Leiterin des Islaminstituts in Bonn, eine Erklärung zur Religionsfreiheit in der Türkei abgegeben.

Download der Pressemeldung: pmweb2007-27.pdf

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