Robert Spaemann

Die Kranken selbst sollen eliminiert werden

Constantin Magnis hat für Cicero mit dem Philosophen Robert Spaemann über die Präimplantationsdiagnostik (PID) gesprochen:

Wie beurteilen sie als Moralphilosoph grundsätzlich die Haltung unserer Gesellschaft zum Leben?

Es geht uns zunehmend gar nicht mehr ums Leben selbst, sondern um Wohlbefinden. Das oberste Gesetz unserer Gesellschaft ist heute: Wohlbefinden vermehren, Leiden vermeiden. Aber wenn dies unser oberstes Prinzip ist, hat das ganz brutale Folgen. Und sie betreffen nicht nur unseren Umgang mit Embryonen, sondern auch mit dem Thema Sterbehilfe. In Holland werden heute schon Leute ohne ihre Zustimmung zu Tode befördert. Man muss sich klar machen, in welche Richtung sich das entwickeln kann. Goebbels hat damals sein Euthanasieprogramm mit »Ich klage an« vorbereitet, einem Film, der übrigens nur mit Mitleid operiert: Eine kranke Frau bittet darum getötet zu werden und ihr barmherziger Mann tut das schließlich. Am Ende wird er vor Gericht angeklagt, der Sinn des Filmes war es, das Gesetz anzuprangern, das Sterbehilfe unter Strafe stellt. Goebbels wollte damit freie Bahn für die Massentötung schaffen. Aber es begann mit dem hedonistischen Argument, mit Mitleid.

Für uns ist der Sinn des Lebens heute, Träger angenehmer Gefühle zu sein. Wenn es das nicht mehr ist, dann hat es zu verschwinden. Man versucht dem Leidenden zu helfen, aber wenn das nicht mehr gelingt, dann beseitigt man ihn.

Hier: cicero.de.

VD: EP

»Die Liebe überwindet alles«

Robert Spaemann gilt als einer der bedeutendsten deutschen Philosophen der Gegenwart. Im Gespräch mit Paul Baddespricht er über das Höchste der Gefühle, Homosexualität und Eros:

Liebe des Begehrens ist das, was die Antike Eros nennt – und der Eros ist bedürftig. Er sucht, was ihm fehlt. Darum liebt der Mensch Gott, aber Gott liebt nicht den Menschen. Die Liebe geht von unten nach oben, nicht von oben nach unten. Das Christentum aber lehrt eine Liebe, die auch von oben nach unten geht. Danach scheint mir die strikte Zweiteilung zwischen Begehren und Geben oder Wohlwollen nicht gerechtfertigt zu sein. Denn zur Liebe im vollen personalen Sinn gehört eben auch, dass man dem anderen die Möglichkeit gibt, selbst Geber zu sein. Einer, der immer nur geben und nicht nehmen will, der gibt nicht genug. Er muss auch dem anderen die Möglichkeit geben, seinerseits zu geben und zu schenken. Das scheint mir eine wichtige Erkenntnis zu sein, Liebe des Wohlwollens und Liebe des Begehrens hängen im Grunde tief miteinander zusammen.

Hier geht es weiter: www.welt.de.

Robert Spaemann über Glaubenszweifel

Der Philosoph Robert Spaemann gehört zu den wenigen zeitgenössischen Philosophen, die in ihren Veröffentlichungen die Gottesfrage mit einem klaren »Ja« beantworten. idea hat Spaemann, der zu den bedeutendsten katholischen Gelehrten gehört, zur Auferstehung Christi, zu Zweifeln von Philosophen und der Frage, wie es in der Ewigkeit aussieht, befragt. kath.net hat das Interview online publiziert.

Spaemann zum Zweifel:

Der Skeptizismus der Philosophie sollte so radikal sein, dass er sich auch gegen sich selbst richtet. Wie Friedrich Hegel sagte: Wir müssen auch Zweifel an unseren Zweifeln haben. Auch unser Zweifel könnte ja unberechtigt sein! Denn auch ein Philosoph braucht Gewissheiten. Wenn jemand tatsächlich pausenlos an allem zweifeln würde, führte dies zur Selbstzerstörung.

Hier das Interview: www.kath.net.

Jesus ist wahrhaftig auferstanden

Klaus-Peter Jörns spricht in seinem Interview mit dem Rheinischen Merkur (RM) aus, was viele Theologen denken:

RM: Sie glauben also nicht an die leibhaftige Auferstehung Jesu Christi?

Jörns: Nein. An eine so mirakulöse Geschichte kann ich nicht glauben. Alle Friedhöfe, die ich kenne, zeichnen sich dadurch aus, dass die Bestatteten dort verwest sind und nur die Knochen übrig bleiben. Mit Jesus wird es genauso gewesen sein.

RM: »Ist Christus aber nicht auferstanden, so ist euer Glaube nichtig«, heißt es im 1. Korintherbrief des Apostels Paulus. Ist nicht die leibhaftige Auferstehung der Kern des christlichen Glaubens?

Jörns: Das ist ein modernes Missverständnis von Auferstehung. Die Moderne versteht die Bildsprache nicht mehr, sondern materialisiert sie. Der Glaube an Jesus Christus, den Auferstandenen, wird so zu einem Mirakel. Es wird so getan, als wäre Jesus nicht nur wieder da, sondern als wäre er sogar gen Himmel gefahren. Wohin soll er denn gefahren sein? Das hat keinen Bezug zur Wirklichkeit, wie wir sie kennen. Paulus sagt: Jesus ist der »Erstgeborene von den Toten«. Auferstehung als Neugeburt setzt den wirklichen Tod samt Verwesung voraus. Das hat Paulus viel besser verstanden als diejenigen, die nur das Bild vom leeren Grab übernommen haben. Mit Sicherheit hat er auch den griechischen Brauch gekannt, »leere Gräber«, auf griechisch Kenotaphe, als Gedächtnisstätten ohne Leichen zu bauen. Und deshalb hat er den Begriff vom leeren Grab in seinen Auferstehungspredigten nicht verwendet.

Was bleibt da noch vom Auferstehungsglauben? Natürlich das Gefühl der Geborgenheit:

RM: Glaube drückt immer eine Beziehung zwischen Gott und Menschen aus. Das Entscheidende ist, dass Menschen sich in der Beziehung zu Gott geborgen fühlen und lernen, leben und sterben zu können und nicht nur zu müssen. Jesus hat gewusst, dass das Leben schwer ist und dass wir Gottes Liebe und Hilfe brauchen. Weil er sie uns ohne jede Bedingung zugesagt und die Leiden der Menschen geteilt hat, ist er mein Weg zu Gott und zum Leben.

Vielleicht ist ja gerade diese Gefühlsduselei das große erfahrungstheologische (und damit moderne) Missverständnis? Jedenfalls ist für den Philosophen Robert Spaemann die Kluft zwischen historisch-kritischer Theologie und Verkündigung völlig zu Recht unerträglich. Zu dem Umstand, dass viele deutschsprachige Theologen die biblischen Berichte von der Auferstehung nicht für historische Ereignisse halten, sagt er: »Die Jünger von Jesus waren keine Philosophen, sondern Fischer aus Galiläa. Sie haben nicht spekuliert, für sie zählten nur Fakten. Das leere Grab war für sie ebenso ein Beleg für die Auferstehung wie die späteren Erscheinungen des Herrn.«

Und zur Frage, ob Jesus einen Sühnetod gestorben ist, spricht Spaemann auch Klartext: »Es gibt viele Pfarrer, die das heute bestreiten. Sie stellen sich damit aber gegen den Kern der biblischen Botschaft.« Der Sühnetod Jesu löse das Dilemma zwischen Gottes Gerechtigkeit und Gottes Liebe. Christus erfülle mit seinem Kreuzestod beides: »Der Gerechtigkeit wird Genüge getan, indem Gott das Unrecht dieser Welt nicht ungesühnt lässt. Zugleich übt Jesus Christus gegenüber uns Menschen Barmherzigkeit, indem er selbst diese Strafe auf sich nimmt.« Für den Menschen seien Gerechtigkeit und Barmherzigkeit zwei verschiedene Eigenschaften, in Gott aber seien sie vereint.

Hier mehr: www.kath.net.

Wir gehen keinen vergnüglichen Zeiten entgegen

Robert Spaemann hat WELT ONLINE ein bemerkenswertes Interview gegeben und dabei das offensichtliche Problem der schwindenden Denk- und Meinungsfreiheit offensiv angesprochen: »Generell ist die Meinungsfreiheit jetzt schon auf katastrophale Weise eingeschränkt im Vergleich zu den 50er Jahren. Wir lebten damals in einem viel freieren Land. Heute liegen Tretminen überall. Das ist neu.«

Schon Jean Jacques Rousseau hat darauf hingewiesen, dass die »unbesiegbare Natur« zurück schlägt, wenn die Herrscher falsche Gesetze erlassen und gegen die Ordnung der Dinge verstoßen. Wahrheit lässt sich auch durch eine demokratische Entscheidung nicht beugen. Es kann sehr wohl einer demokratischen Entscheidung unterliegen – und das sagt auch Rousseau – wenn in einem Land gegen die Natur der Dinge gehandelt wird. Dann kann man nur abwarten, bis die Katastrophen eintreten und es sieht aus, als wären wir heute in genau dieser Lage. Es ist der Kern des Klimagipfels und es war der Ursprung der Bankenkrise, dass fundamentale Wahrheiten außer Acht gelassen wurden. Entweder wir beugen uns diesen eisernen Gesetzmäßigkeiten für unser Überleben, vor allem für das Überleben unserer Kinder und Enkel, oder wir tun es eben nicht und dann müssen allerdings nicht wir die Zeche zahlen, sondern unsere Nachkommen.

Leider sprechen heute wenige so klar wie der katholische Philosoph. DIE ZEIT schrieb mal über Spaemann: »… der Philosophieprofessor macht keine Professorenphilosophie, keine leidenschaftslose Archivarbeit an vergangenen Gedankensystemen. Seine Sprache ist intensiv und variantenreich; er schreibt von allen deutschen Philosophen das beste Deutsch. Die Denker der Vergangenheit, Platon, Augustinus oder Leibniz, sind für ihn nicht Forschungsgegenstände, sondern Gesprächspartner und Zeitgenossen einer ewigen Gegenwart«.

Hier der vollständige Text: www.welt.de.

Robert Spaemann entzaubert den Biologen Richard Dawkins

Nietzsches Übermensch ist wieder da – in den Werken eines Peter Sloterdijk und Richard Dawkins. Robert Spaemann hält den beiden Gottesleugnern sein christliches Menschen- und Gottesbild entgegen. Der Rheinische Merkur hat mit dem Mann gesprochen, der zu den den profiliertesten Philosophen der Gegenwart gehört. Wie zu erwarten, ist das Ergebnis eine spannende Lektüre:

Nietzsche musste eingestehen, dass »auch wir Aufklärer, wir freien Geister des 19. Jahrhunderts, noch an dem festhalten, was der Glaube Platons war und was der Glaube des Christentums ist, dass Gott die Wahrheit und dass die Wahrheit göttlich ist«. Wenn wir aber nicht mehr an Gott glauben können, wie er meint, dann können wir auch nicht mehr an Wahrheit glauben. Dann gibt es nur die subjektive Perspektiven: Jeder hat seine eigene Perspektive auf die Welt. Der vollkommene Relativismus. Niemand kann sagen, wie es wirklich ist. Das gibt es nur, wenn es Gott gibt. Nietzsche geht noch einen Schritt weiter, wenn er sagt: Mit dieser Erkenntnis zerstört die Aufklärung sich selbst; denn sie lebte von dem Pathos der Wahrheit; sie wollte die Menschheit über die Wahrheit belehren und aufklären, weg von Illusionen, weg vom Aberglauben. Aber nun führe die Aufklärung dazu, die Idee Gottes zu beseitigen, womit sie ihre eigenen Voraussetzungen beseitigt.

Deshalb sah Nietzsche in seinem Nihilismus, mit dem man nicht auf die Dauer leben könne, ein Durchgangsstadium. Jenseits des Nihilismus erwartete er eine Welt mit neuen selbst geschaffenen Mythen, die mit Wahrheit nichts zu tun haben. Der von ihm propagierte heroische Nihilismus, der dem Schicksal ins Auge sieht und so lebt, dass er in unendlichen Wiedergeburten immer wieder so leben möchte. Er muss am Ende scheitern und in der Spaßgesellschaft enden. Das hatte Nietzsche vorausgesehen, wenn er das Volk sagen lässt: »Ach Zarathustra, gib uns den letzten Menschen, und wir schenken dir den Übermenschen.«

Hier das Gespräch: www.merkur.de.

Gott ist kein Bigamist

Die Botschaft Jesu Christi richtet sich an die ganze Welt. Was das für das Verhältnis der Christen zu den Juden bedeutet, ist in der katholischen wie in der evangelischen Kirche immer wieder Gegenstand von Auseinandersetzungen. Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken hat nun eine »Erklärung« unter dem Titel »Nein zur Judenmission – Ja zum Dialog zwischen Juden und Christen« publiziert. Dort wird erklärt, es gebe zwei Völker Gottes, das jüdische Volk und die Heiden.

Der Philosoph Robert Spaemann erklärt in der FAZ, woran diese Erklärung krankt:

Die Kirche braucht angeblich die Juden nicht mehr. Sie ist zur Heidenkirche geworden und soll nun nichts anderes mehr sein wollen. Verschwinden muss nicht nur »Judenmission«, was immer das heißen mag, die Christen müssen auch aufhören, den Juden im Gebet das Beste zu erbitten, was jeder Christ seinem Nächsten erbitten kann: die Erkenntnis Jesu als seines Erlösers. Juden brauchen keinen Erlöser, lesen wir in der Broschüre. Das muss also wohl heißen, dass sie den »Gottesknecht« des Propheten Jesaja an die Christen abgetreten haben, die ihre Deutung des Todes Jesu als eines erlösenden Sühnetodes vor allem dem Gottesknechtlied des Jesaja verdanken, das sie an jedem Karfreitag lesen und in dem es heißt: »Fürwahr, er trug unsere Krankheit und lud auf sich unsere Schmerzen. Er ist um unserer Missetat willen verwundet und um unserer Sünden willen zerschlagen, … auf dass wir Frieden hätten. Und durch seine Wunden sind wir geheilt.«

Hier der vollständige Text: www.faz.net.

Robert Spaemann äußert sich über Intelligent Design

evolution.jpgDer aus einer vom Protestantismus zum Katholizismus konvertierten Familie stammende Philosoph Robert Spaemann (* 1927) nimmt in einem Interview mit der WirtschaftsWoche zu Kreationismus und Intelligent Design (ID) Stellung. Während die Redaktion des Journals ein „Berufsverbot“ für ID-Wissenschaftler zu befürworten scheint, setzt Spaemann sich für den Dialog mit Leuten ein, die ihr Fachgebiet beherrschen und trotzdem ungewohnte Denkwege einschlagen. Für problematisch hält Spaemann es dagegen, dass Wissenschaft oft in Scientismus umschlägt und einen Totalitätsanspruch erhebt.

Zum ganzen Interview mit Robert Spaemann geht es hier: Fantastische Annahmen.

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Bild mit freundlicher Genehmigung: jela65 (Photocase)

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