Wenn Gott sich abwendet

Eine Besprechung des Buches Im Weltabenteuer Gottes leben von Günter Thomas wird in der nächsten Ausgabe von Glauben und Denken heute erscheinen. Ein Zitat, das den Geist des Essays gut sichtbar macht, möchte ich aber schon hier wiedergeben. Thomas, Professor für Systematische Theologie an der Ruhr-Universität Bochum, fragt (S. 60):

Könnte es aber sein, dass sich der lebendige Gott dann, wenn seine Lebendigkeit nicht mehr gesehen wird, abwendet? Könnte es sein, dass in der Weltchristenheit die überall schrumpfenden liberalen Kirchen des Westens nicht die Fackel tragen, sondern sich als ein erschöpfter und ausgezehrter Läufer letztlich selbst aus dem Lauf der Christentumsgeschichte nehmen? Könnte es sein, dass sie eine Episode in der Geschichte sein werden, weil sich Gott von ihnen abgewandt hat? Könnte es sein, dass Jesus das Versprechen ‚ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende‘ nicht aufkündigt, aber eben an anderer Stelle weiterführt, weil die westlichen Kirchen ihn gar nicht als lebendigen Christus dabeihaben möchten? Könnte es sein, dass Gott sein Angesicht vom westlichen Protestantismus abgewendet hat?

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FrankS

Diese Gedanken beschäftigten mich bereits in den frühen 90iger Jahren des letzten Jahrhunderts.

Ähnliche Stimmen hörte ich in der aktuellen Pandemie erneut. Die Anfrage, was die großen Kirchen den Menschen zu Corona zu sagen gehabt hätten, steht im Raum. In den Zeiten weitverbreiteter Not in den europäischen Nationen, scheint es seitens der Kirchen keine Botschaften mehr zu geben. Die Kirchen sind verstummt.

Haben sie kein Evangelium mehr oder nur eines, welches man aus ihrer Sicht angesichts von Pandemien nicht mehr laut ausrufen kann?

p.s.: Im letzten Satz des Zitats im Blogeintrag wird vermutlich „abgewendet“ gemeint sein.

Udo

Die gute Nachricht ist, dass Gott uns zugewandt bleibt in Jesus Christus. Noch ist Gnadenzeit, und wir können umkehren und Buße tun.
Das gilt auch für eine Kirche, die die Predigt von Sünde, Gericht und Rettung vor dem Zorn eines gerechten Gottes und den Aufruf zur Umkehr nicht mehr kennt, dessen Predigten und theologische Verlautbarung die Verwurzelung in Bibel und Bekenntnis vielfach verloren hat, die durch vieles inspiriert ist, aber wenig bis gar nicht vom Heiligen Geist. Ohne Umkehr muss eine solche Kirche nicht nur mit der Abwendung des lebendigen Gottes rechnen, sie steht damit auch unter dem Zorn Gottes, weil sie letztlich den verleugnet, der als einziger Rettung gebracht hat, Jesus Christus, wie er uns in der Heiligen Schrift, der Bibel, bezeugt ist.

Helge Beck

Könnte. Nix genaues weiß man nicht.

Clemens Altenberg

@ FrankS

Ja, die Kirchen bieten keine theologische Deutung von Corona (nur einzelne Extremisten verfallen halt in politische Verschwörungstheorien und missbrauchen den Glauben, indem sie Demos gegen die Corona Maßnahmen als Wallfahrten anmelden und sich auf Religionsfreiheit berufen um ohne Masken in Massen aufeinander zu picken und auf Wunder statt auf Wissenschaft setzen- nur Jesu Blut schütze vor Corona, keine Impfung – siehe letztes Wochenende in Wien).

Zur Anfangszeit im römischen Reich ist das Christentum durch seinen Umgang mit Seuchen groß geworden (sehr schön nachzulesen bei Rodney Stark, The Rise of Christianity), heute bietet es keine Antworten.

Sollten heute Predigten stattfinden wie sie  Paneloux in Camus´ Pest hält:  Gott bestraft mit der Seuche unseren Lebenswandel und unterzieht uns einer Prüfung? Wird das in evangelikalen Gemeinden so gemacht? Auch der theoblog wagt dies ja nicht.  

Jutta

https://www.evangelium21.net/media/1966/corona-und-christus Zwei ältere Schwestern im Herrn, 72 und 83 haben mir gesagt, sie sehen das so. GOTT wendeit sich ab und es geht uns zu gut. Nach dem Krieg waren die Kirchen voll … aber wahrscheinlich eben nur so lange, bis es Deutschland materiell wieder gut ging .. So manches Gesetz, das aus der Bibel kommt, wurde abgeschafft … Viel aus der Reformation wird ja abgelehnt .. vor allem wahrscheinlich das, was Luther noch sagte: Wir sind Bettler, das ist wahr .. grade gefunden: „Und Martin Luther? Auf seinem Schreibtisch fand man einen letzten Satz, kurz vor seinem Tod geschrieben: „Wir sind Bettler, das ist wahr.“ Dieser lutherische Schlusssatz ist wie ein theologisches Vermächtnis des ungewollten Reformators der christlichen Kirche. Wir haben Gott nichts vorzuweisen; wir haben keine Vorleistung erbracht, die uns dazu berechtigt, Gott gegenüber Ansprüche zu stellen. Wir können nur, bettlergleich, dankend und dankbar empfangen, was Gott uns zukommen lässt. Ein demütiges und demütigendes Bild am Ende eines… Weiterlesen »

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