Eine Religion des Friedens?

Nach jeder Attacke von Islamisten heißt es, sie dürfe nicht in Verbindung gebracht werden mit dem Islam, der eine Religion des Friedens sei. Dieses Beschwichtigen muss endlich aufhören, meint Ayaan Hirsi Ali. Sie hat recht!

Es gibt im Koran zahlreiche Aufrufe zu einem gewaltsamen Dschihad. Aber der Koran steht da keineswegs allein da. In zu großen Teilen des Islam ist der Dschihad ein durch und durch modernes Konzept. Die „Bibel“ des Dschihads im 20. Jahrhundert – und ein inspirierendes Werk für viele islamistische Gruppen heute – ist „Das Koran-Konzept des Krieges“, ein Buch, geschrieben Mitte der 1970er-Jahre vom pakistanischen General S. K. Malik. Er argumentiert, weil Gott – Allah – selbst jedes Wort im Koran geschaffen hat, sind die Regeln des Krieges im Koran von höherem Gewicht als die Regeln, die von Sterblichen aufgestellt wurden.

In Maliks Analyse der Strategie des Koran ist das Zentrum des Konflikts die menschliche Seele – und nicht irgendein physisches Schlachtfeld. Der Schlüssel zum Sieg, so habe es Allah durch die militärischen Aktionen des Propheten Mohammed gelehrt, sei es, die Seele des Feindes zu treffen. Und der beste Weg ist der Terror. Terror, so schreibt Malik, ist „der Punkt, an dem sich die Mittel und das Ziel treffen“. Terror, ergänzt er, „ist nicht das Mittel, um dem Feind eine Entscheidung aufzuzwingen. Er ist die Entscheidung selbst.“

Die Verantwortlichen für das Gemetzel in Paris – genauso wie der Mann, der 2004 den niederländischen Regisseur Theo van Gogh ermordete – wollen uns Terror oktroyieren. Und jedesmal, wenn wir uns auf ihre Sicht einer berechtigten religiösen Gewalt einlassen, geben wir ihnen genau, was sie wollen.

Mehr: www.welt.de.

Kommentare

  1. Mir scheint zwar die Unterscheidung zwischen (1) (persönlich) friedlichen Muslimen und (2a) dispositional oder gar (2b) manifest gewaltbereiten Muslimen wichtig zu sein (wobei die Unterscheidung von (1) und (2a) mitunter schwierig sein kann).
    Jedoch halte ich die Unterscheidung zwischen „Islam“ und „Islamismus“ ganz verkehrt. „Islam“ definiert sich über den Koran, das Leben Mohammeds und der ersten Generationen des frühen Islams. Mohammed ist das Vorbild der Muslime. Nach der irreführenden heutigen Lesart wäre er als ein Islamist zu bezeichnen, nicht als „normaler“ Muslim. Vor allem: Die Unterschiede zum Christentum bzgl. Haltung zur Gewalt könnten extremer kaum sein.

  2. Hallo Markus,
    interessanter Ansatz. Wenn ich den auf „Christentum“ übertrage, bekomme ich Probleme:
    „Christentum“ definiert sich über die Bibel … Das stimmt in unserer Zeit (leider) nicht. Man müsste wahrscheinlich formulieren: Christentum definiert sich über die Volkskirche(n).
    Die wichtigere Frage ist m. E. die nach dem Verständnis des Korans. Damit kannst du zumindest (1) und (2a) unterscheiden. Also: das Maß der korankritischen Ansichten macht den Unterschied zwischen Islam und Islamismus i. S. des Terrorismus aus. Ob allerdings der korankritische Islam überhaupt noch ein Islam bzw. der korankritische Moslem noch ein Moslem ist, ist eine weitergehende Frage 😉

  3. Hallo Peter,
    ja, da hast Du Recht. Die Frage ist, welche Definition bzgl. des Christentums sinnvoll ist. Aus sprachtheoretischen Gründen sollte eine Definition fixieren – sonst weiß man sozusagen nicht mehr, von was man spricht. Deshalb halte ich die Definition des Christentum über die Volkskirchen für nicht zutreffend.

  4. Mir scheint die folgende Beobachtung wichtig:
    Der Islam, so wie ihn Mohammed als historische Person selbst verstanden und gelebt hat,
    war eine Religion, die ausdrücklich auch eine politische und staatliche Seite hat. Also eine Religion,
    die einen Staat in ihrem Sinne formen und, falls ein solcher Staat entstanden ist, ihn in dieser
    Form erhalten will. Und zwar, weil er offenbar glaubte, dass staatlich/gesellschaftlicher Druck
    hilfreich und notwendig für die Untertanen eines solchen Staates ist, im Hinblick darauf, dass
    sie sich Gott richtig unterwerfen und damit ins Paradies kommen.
    Staaten aber verfügen notwendigerweise über Gewalt (Rom.13:4). Das Aufrichten von staatlicher Macht ist
    mit Anwendung von Gewalt gegen Widerstände notwendigerweise verbunden. Nicht umsonst
    hat auch Jesus gegenüber Pilatus gesagt, „Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Wäre mein Reich von dieser Welt, meine Diener würden kämpfen, daß ich den Juden nicht überantwortet würde; aber nun ist mein Reich nicht von dannen.“ (Joh.18:36).
    An dieser Stelle liegt für mich ein entscheidender Unterschied. Als Christ glaube ich nicht an einen
    von Christen aufzurichtenden Staat Gottes ich glaube dass Veränderung des Herzens durch den Heiligen Geist als Jünger Jesu das entscheidende in dieser Welt verändert. Ein frommer Muslim dagegen muss aus der historischen
    Praxis und dem Grundverstaendnis des Menschen glauben, es sei wesentlich auch seine Aufgabe
    einen „muslimischen Staat“ aufzurichten/zu verteidigen. So habe ich auch fromme muslimische
    Freunde erlebt, auch wenn sie wie ich den schrecklichen Weg eines Terroranschlags so wie ich
    verurteilen.
    In diesem Wunsch und Imperativ nach der Ausübung von irdischer Macht als Teil religiöser Überzeugung liegt aber sicher ein grosses Potential
    zu Unfrieden.
    Am radikalen Rand führt das in letzter Konsequenz eben dann auch zu Terroanschlägen, so wie das
    mit ähnlichen Prämissen ja genauso auch der Kommunismus als historisch blutigste aller Religionen/Ideologien
    in sich getragen hat und trägt.

    Sicher liegt darin auch ein ungeheure Schwäche des Islam. Denn wo teilweise an Stelle freiwilliger
    Herzensveränderung Systemveränderung tritt, ist das Ergebnis eben oft erschütternd ernüchternd.

    Es ist sicher kein Zufall, dass Prostitution im Iran eine Verbreitung hat, in einem Ausmass,
    den es im Westen so nicht gibt. Oder dass die konservative Stadt Trabzon in der Türkei nach Untersuchungen
    von Google ein Hort der Pädophilie ist. Oder dass nach Augenzeugenberichten von Freunden von mir vor Ort
    die Taliban in Afghanistan in einem Masse Promiskuität leben, gegen den westliche Länder auf einmal ungeheuer moralisch wirken.
    Das Modell von Mohammed funktioniert eben nicht so wenig wie der Kommunismus und sicher sind nicht wenige Menschen, auch radikalisierte
    darüber verzweifelt, wenn sie dann einmal die Dinge vor Ort sehen, wie sie wirklich sind.

    Mohammed ist historisch offenbar nicht wiedergeborenen Christen begegnet, wir sind ihm die Botschaft schuldig
    geblieben (Rom.1:14) und bleiben sie bis heute im allgemeinen der islamischen Welt schuldig und den Muslimen in den westlichen
    Ländern schuldig. Darin liegt für mich die eigentliche Tragödie.

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