Mit Präzision den Glauben verteidigen

Hanniel hat das Buch On Guard von William Lane Craig rezensiert:

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William L. Craig (geb. 1949), Philosoph und Theologe, legt mit diesem Buch in verständlichen Worten die Ergebnisse seiner Forschungsarbeiten vor. Eine „Stimme zum Buch“ kündigt an, dass hier der christliche Glaube „mit Leidenschaft und Verstand“ verteidigt werde. Nun, manche Zeitgenossen sprechen Christen ja vor allem den Verstand ab; andere beides! Um es vorwegzunehmen: Ich fand Verstand und Leidenschaft. Nicht nur tauchen schnauzende Professoren (S. 66) und ein Craig auf, der vor Verwunderung schon mal fast vom Stuhl fallen kann (S. 237). Das Buch trägt eine aussergewöhnlich persönliche Note. In zwei Einschüben beschreibt der Autor seinen persönlichen Weg. Zu den besonders berührenden Abschnitten gehört zweifellos die Geschichte einer schwerkranken alten Dame (S. 184–186).

Natürlich kommt auch der Verstand kommt auf seine Rechnung. Die Fragen sind so klar gestellt, dass sie es wert sind, wiedergegeben zu werden: Welchen Unterschied macht es, wenn Gott existiert? Warum existiert überhaupt etwas? Warum begann das Universum zu existieren? Warum ist das Universum so fein abgestimmt, dass Leben möglich ist? Können wir ohne Gott gut sein? In diesem ersten Teil werden die wichtigsten Argumente für Gott – das ontologische, kosmologische und moralische Argument – besprochen. Wer die Antworten überblicken möchte, kann sich am Anfang und am Schluss der Kapitel einen Überblick verschaffen. Craig baut gern persönliche Erlebnisse, kurze Geschichten und Vergleiche ein, was die Lektüre erleichtert. Um persönliche Stellungnahmen ist er nicht verlegen. Zum Beispiel: „Meiner Erfahrung nach ist das moralische Argument von allen das wirksamste Argument für die Existenz Gottes. Ich sage dies nur widerwillig, weil das kosmologische Argument mein Lieblingsargument ist“ (S. 155).

Leider sind wir die logischen Beweisführungen zu wenig gewohnt. Insofern muss sich der Nichtkundige erst mit diesem Vorgehen vertraut machen. Das Argument für die Feinabstimmung wird beispielsweise so aufgebaut (S. 118):

(1) Die Feinabstimmung des Universums ist entweder auf physikalische Notwendigkeit, Zufall oder Design zurückzuführen.

(2) Sie ist nicht auf physikalische Notwendigkeit oder Zufall zurückzuführen.

(3) Also ist sie auf Design zurückzuführen. Einwände darauf gehören selbstverständlich mit zur inhaltlichen Auseinandersetzung. Hier beeindruckt die Leichtigkeit, mit welcher der debattenerprobte Craig die Widerlegung vornimmt.

Im zweiten Teil entwickelt Craig schrittweise einen Überblick für die Glaubwürdigkeit der Person und Auferstehung Jesu. Er stellt fest: „Wir haben einen Mann vor uns, der sich selbst für den verheißenen Messias, Gottes einzigen Sohn und Daniels Menschensohn hielt, dem alle Herrschaft und alle Autorität gegeben würde, der den Anspruch erhob, mit göttlicher Autorität zu handeln und zu sprechen, der sich selbst für einen Wundertäter hielt und der glaubte, dass das ewige Schicksal der Menschen davon abhing, ob sie an ihn glaubten“ (S. 235). Die Auferstehung ist nach den Massstäben zeitgenössischer Geschichtswissenschaft so gut wie kein anderes Ereignis belegt.

Craig weiss natürlich nur zu gut, dass nach der Beantwortung der sachlichen Fragen zwei wichtige emotionale Themen im Raum stehen bleiben: Die Frage nach dem Leid und die nach der Exklusivität des christlichen Glaubens. Diese nimmt er sich am Schluss der beiden Teile gesondert vor.

Die vernünftige Beweisführung bildet jedoch nicht das Ziel des Buches. Craig schliesst sein Buch mit den Worten: „Meine Hoffnung ist, dass das Material in diesem Buch dazu beiträgt, dass Sie ein effektiverer Verkünder des Evangeliums an eine verlorene und sterbende Welt werden“ (S. 309). Seiner Leidenschaft gehört also das letzte Wort. Die angemessene Haltung des Christen beschreibt er so: „So wie es Fechter gelernt haben, im Wettkampf alle Angriffe zu parieren sowie selbst in die Offensive zu gehen, müssen auch wir immer „on guard“ (dt. sie bereit, dich zu verteidigen) sein“ (S. 12).

Wer soll dieses Buch lesen? Meine Antwort lautet pauschal: Es wäre schade, hier eine Einschränkung vorzunehmen. Das Buch ist für Skeptiker wie auch für Christen gleicherweise geeignet. Ich habe einen Sohn, der schon mit acht Jahren genau diese Fragen stellte, auf welche dieses Buch Antworten formuliert. Craig ist sich bewusst, dass Argumente allein keinen Glauben bewirken. Doch er nimmt den Leser, wo er auch immer stehen mag, auf die Reise mit. Er tut dies mit der Zuversicht, dass der souveräne Gott den Verstand und die Leidenschaft eines jeden Menschen erleuchten und entfachen kann.

On Guard: Mit Verstand und Präzision den Glauben verteidigen von William Lane Craig

Preis: EUR 12,90

2 gebraucht & neu erhältlich ab EUR 12,90

Kommentare

  1. Theophil Isegrim meint:

    „Craig ist sich bewusst, dass Argumente allein keinen Glauben bewirken.“

    Das stimmt. Und ein überzeugter Atheist, der vorher so stolz auf seine Argumente war, wenn die zerbröselt werden, nimmt er es dennoch nicht an. Er tut es einfach beiseite.

    Wenn ich merke, daß ich so jemanden gegenüber habe, breche ich die Diskussion recht schnell ab. Reine Zeitverschwendung.

    Dann gibt es aber die unentschlossenen. Die bislang immer nur die Argumente gegen Gott gehört haben. Gottgläubige können demnach nur scheuklappentragende Ignoranten sein, denen wohl auch die intellektuelle Beweglichkeit fehlt. Wenn die dann mal ein paar vernünftige Argumente pro Gott hören, dann bekommen sie Interesse und Mut. Für die lohnt sich der Einsatz.

  2. bellers, jürgen meint:

    glaube an gott ist bedingt von der vorherigen begnadigung durch ihn. sie sit nicht durch den menschen selbst zu bewirken.

  3. @ bellers

    Ich sehe das auch so, dass Gott die Bekehrung wirkt. Jedoch sollen wir Zeugen sein. Das ist unser Auftrag und wir geben ihm damit die Ehre.
    Ich habe mir das Buch besorgt und finde es sehr gut. Bekehren sich dadurch Menschen? Nein, sicher nicht. Es sei denn Gott will das so, und hat unser Zeugnis – auch mit Hilfe solcher Argumente – mit eingeplant.

    Oder sollen wir etwa unser Gehirn ausschalten, still dasitzen und einfach abwarten?
    Ich denke nicht, dass unser Auftrag so aussieht. Aber vielleicht hast du das auch gar nicht so gemeint.

    Gruß

  4. Roderich meint:

    @Jürgen,

    Glaube an Gott ist bedingt von der vorherigen Begnadigung durch ihn. Sie ist nicht durch den Menschen selbst zu bewirken.

    Das könnte man dann auch über das Predigen sagen. Wozu noch predigen und evangelisieren, wenn wir Menschen den Glauben ja nicht „bewirken“ können?

    (Wenn Gott eine Predigt nutzen kann, warum dann nicht auch ein Argument?).
    Wir sehen in Apg oft, wie Paulus mit Juden „stritt“, „argumentierte“ und Menschen „überzeugte“. Der Weg zum Glauben kann bei vielen also auch einen diskursiven Weg nehmen.

    P.S.: Was spricht gegen Groß- und Kleinschreibung?

  5. Schandor meint:

    @Roderich

    Stimme zu. Argumente allein können keinen Glauben bewirken, aber es sind ja eben nie „Argumente allein“.

    Wer aufmerksam zuhört und Irrtümer erkennt,
    Wer interessiert ist an der Wahrheit,
    Wer erkennt, dass Irrtümer Schaden anrichten,
    Wer an sein Sein nach dem Tode denkt,
    der denkt nach.

    Ist’s denn aber nicht so, dass der Mensch übersättigt ist an Informationen, träge, interesselos, wahrheitsverdrossen, verbildet? Dann kommt einer, und sagt: Ich kenne die Wahrheit. Schon sind die inneren Ohren zu. Wer ehrlich ist, ist wenigstens Agnostiker. Dem Agnostiker ist mit Argumenten beizukommen — wenn er denn bereit ist, zuzuhören und mitzudenken.
    Treffen wir denn aber nicht stets auf Menschen, mit denen wir ohnehin nur zwischen Tür und Angel sprechen können, denen wir also nichts übermitteln können? Und wenn jemand bereit ist für ein Gespräch, ist’s denn nicht so, dass er dann selbst voll ist von Inhalten, die er loswerden will? Zuhören? Wem denn? Wo denn? Übervoll ist der Zeitmensch von heute und froh, wenn ihm endlich mal wer zuhört.
    Und Theophil hat jene erwähnt, die die Sache „beiseite tun“. Die suhlen sich in der Unwahrheit, die sie stolz für ihren persönlichen Agnostizismus ansehen. Sie merken gar nicht, dass sie keine Mein-ung mehr haben, sondern nur den Einheitsbrei der Öffentlichkeit, vermischt mit eigenen Erinnerungen und Prädispositionen. Das reicht ihnen. Vielleicht befinden sie sich in keiner akuten Not — wer hört da zu?

    So muss es Argumente geben, und möge Gott die Lebenslage des Einzelnen so lenken, dass ihn die innere Not fragen lässt: Wo gehe ich hin? (= „Ohren öffnen“ in der Sprache Kanaans). Der wird dann hören.

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