Niederlande: Übergriffe auf Juden häufen sich

Ich habe im Dezember 2010 darauf verwiesen, dass sich in den Niederlanden die Situation für die Juden zunehmend verschlechtert und ein prominenter Politiker die Orthodoxen unter ihnen aufgefordert hat, das Land zu verlassen. Ein aktueller Beitrag des DLF bestätigt diese Meldung und deutet darüber hinaus an, dass erste bekennende Juden das Land tatsächlich verlassen, weil der Antisemitismus unerträglich geworden ist.

Hier der Beitrag:

Kommentare

  1. AndreasA meint:

    Gute Güte!

  2. Rückendeckung bekämen die Juden ausgerechnet von dem „Rechtspopulisten“ Geert Wilders und „Rechtspopulismus“ bedeute in den Niederlande nicht zwangsläufig Antisemitismus. Oha!

  3. Rückendeckung bekämen die Juden in den Niederlanden ausgerechnet von dem „Rechtspopulisten“ Geert Wilders, da „Rechtspopulismus“ dort – anders als in Deutschland – nicht mit Antisemitismus verbunden sei. So ein Schwachsinn.

  4. Schandor meint:

    Mich hätte interessiert, *wieso* es dazu kommt. In Deutschland grassierte der Antijudaismus (Der Begriff Antisemitismus hat sich zwar durchgesetzt, ist aber schlicht falsch) ja schon Ende des 19. Jahrhunderts. Sigmund Freud etwa berichtet, dass er bei einem Spaziergang mit seinem Vater schon in frühen Jahren schnell vom Gehsteig runtermusste, wenn ein deutscher Herrenmensch angelatscht kam. Später dann wurde mit den „Protokollen“ Judenhetze betrieben usw. usf.
    Aber das dürfte doch in den Niederlanden heute anders sein. Ist dieser Judenhass geschichtlich verankert? Woraus speist er sich? Ist er eine causa sui? Oder „verdankt“ er sich einfach der Verallgemeinerung, derzufolge die Juden an der finanziellen Krise „schuld“ seien? Ich kann es mir nicht erklären…

  5. Joel213 meint:

    Ich denke das die Mehrheit der Muslime in Europa die jüdischen Menschen einfach hasst. Ich würde mich auch nicht als Jude zu erkennen geben in Berlin, Köln oder sonstwo in Deutschland. Das wäre bei uns nicht anders als in Amsterdam.

  6. Schandor meint:

    ja, das ist nachvollziehbar.

  7. @ DAvid: Wieso soll das „Schwachsinn“ sein??

  8. @ernst
    Das bezieht sich auf den Begriff des Rechtspopulismus.

  9. schlimm ist, dass der muslimische antisemitismus zu wenig angesprochen und angegangen wird – gerade auch hier in deutschland!

  10. Roderich meint:

    @Schandor: tja, das ist natürlich eine sehr komplexe Frage, warum es überhaupt zu Antisemitismus kommt.
    (Wie soll man darauf in Kürze antworten…?).

    Dennoch mal ein paar Gedanken:
    1.) Konkret in Europa ist heutzutage v.a. die Zunahme des moslemischen Bevölkerungsanteils verantwortlich. (Lies mal von Mark A. Gabriel: Islam and the Jews. Darin wird beschrieben, aus meiner Sicht recht überzeugend, warum der Islam inhärent antisemitisch ist. Das Christentum hingegen ist nicht inhärent antisemitisch, war aber historisch (teilweise) antisemitisch. Mit inhärent meine ich: ausgehend von den grundlegenden Schriften, also Koran und Hadithe, ist der Islam antisemitisch. Es gibt viele Koranverse, die sehr antisemitisch sind, u.a. den Kampf gegen Juden fordern etc. Mohammad hat selbst dieses Beispiel vorgelebt, u.a. in einer Stadt alle 800 Juden umgebracht, hat Juden als seine Feinde erklärt etc. – das seht auch in den Suren und Hadithen.)
    D.h. leider gilt die Gleichung: je mehr (ernsthafte) Moslems in einem Land, desto antisemitischer wird es.
    Je mehr bibeltreue Christen, desto weniger Antisemitismus. (Oh weia, eine Vereinfachung… 🙂 Aber damit meine ich: wenn Christen die Bibel richtig verstehen, können sie keine Antisemitisen sein).

    2.) Gemaess 1. Mose 15 etc. hat Gott das jüdische Volk in mancher Hinsicht besonders gesegnet, womöglich besonders begabt, u.a. mit besonderer Intelligenz. (Man denke an die hohe Zahl von Nobelpreistraegern jüdischer Herkunft und die herausragenden Beiträge in Wissenschaft etc.).
    Erfolg erzeugt in einer gefallenen Welt leider auch immer Neid. Viele erfolgreiche Geschäftsleute sind auch jüdisch. Reichtum erzeugt leider auch immer Neid.

    3.) Gott hat das jüdische Volk erwählt. Leute, die nicht an den biblischen Gott glauben, und etwas anderes absolutstellen als Gott und sein Wort, erwählen sich andere Götter. Im Falle Hitlers hatte er u.a. die arische Rasse und das Deutsche Volk als erwählt betrachtet, daher war natürlich kein Platz für ein anderes erwähltes Volk mehr. (Hitler hatte ja Pläne, nach den Juden auch die Christen zu beseitigen, da sich Christen auch als „auserwählt“ verstehen und auch aus anderen Gründen der Hitlerischen Religion und Weltanschauung im Wege standen).
    Man könnte das auch metaphysisch deuten und sagen, „der Feind“ (d.h. der Teufel) hat etwas gegen Gottes Volk und inspiriert den Antisemitismus, aber das mag als zu allgemeine Erklärung gelten.

    4.) Wie G. Rohrmoser in „Deutschlands Tragödie“ schreibt, war der Fehler des jüdischen Volkes, nicht mehr auf Gott zu sehen, sondern auf sich selber. D.h. sie dachten, sie seien „etwas Besonderes“, weil Gott sie auserwählt hatte. Dabei hatte Gott sie doch „nur“ auserwählt zur Ehre Gottes, d.h. das jüdische Volk sollte auf Gott hinweisen, und aller Welt die Herrlichkeit Gottes zeigen, indem es in den Geboten Gottes wandelt, in der Demut vor Gott und in der Nächstenliebe, etc. – siehe 5. Mose 4,6. (Wir können in gewisser Weise „froh“ sein, dass Israel das nicht getan hat, sonst wäre der Messias evtl. nicht gekommen etc – aber das bleibt natürlich Spekulation, ausserdem war ja von Anbeginn der Welt festgelegt, dass der Messias kommen würde, auch für die Heiden).
    (Ich habe mal mit einer persönlich zwar sympatischen aber leider etwas eingebildeten jüdischen Person diskutiert, die meinte, Juden (heute und historisch) seien bessere Menschen als alle anderen Völker, d.h. inhärent besser. Das ist natürlich falsch, denn: alle Menschen sind Sünder und ermangeln der Herrlichkeit, die sie bei Gott haben sollten – und haben die Erlösung in Christus nötig.)

    Eine gewisse „Einbildung“ sollte natürlich noch kein Grund für Antisemitismus sein. D.h. es wäre falsch, nun zu sagen: die Verantwortung liegt halt bei den Juden selbst, dass sie verfolgt werden – sollen sie sich halt nicht so für auserwählt halten… – Denn es gibt ja keinerlei Rechtfertigung für Diskriminierung oder gar Verfolgung. D.h. die „Ursachenanalyse“ von Antisemitismus ist auch eine heikle Sache. Sobald man – z.T. zu Recht – auf die Fehler hinweist, die das jüdische Volk gemacht hat, sehen manche dies als Rechtfertigung für Antisemitismus, was man als Christ aber ablehnen sollte.

    Gerade, weil dies so ein heikles Thema ist, gerade in BRD, wirst Du hier wohl kaum eine unbefangene öffentliche Debatte über dieses Thema finden.

    Aber ein „messianischer Komplex“, also die fälschliche Annahme, man sei moralisch und genetisch besser als andere, führt nun mal oft zu Neid. (Das ist übrigens eine Folge von „Materialismus“ bei Juden. Wenn ein Jude sein Volk nicht mehr „geistlich“ sieht, d.h. sich aus dem Glauben an Gott definiert, und nicht mehr auf Gott sieht, sondern auf die Menschen, d.h. anthropozentrisch statt theozentrisch wird, in dem Masse wird es zur Versuchung, die Erwählung von Gott und die besonderen Gaben nicht mehr geistlich zu verstehen, sondern auf die Menschen zu sehen und „das Volk per se“ (ob mit oder ohne Gott) für besser zu halten. Dem hält Jeremia ja entgegen: wer sich rühme, der rühme sich dessen, dass er Gott kennt, und man verlasse sich nicht auf „das Fleisch“, sondern auf Gott.

    Das ganze ist aber ein weites Feld…

  11. Schandor meint:

    Danke für die Analyse. Nun, selbstverständlich ist das ein weites Feld. Ich halte es nicht nur für müßig, es zu diskutieren oder selbst darüber zu sprechen, sondern für unmöglich. Die deutsche (und österreichische) Volksseele ist dazu nicht mehr in der Lage. Wie ich schon gesagt habe: Der Begriff „Antisemitismus“ ist falsch, da er vorgibt, etwas zu sein, was er nicht ist: Hass gegen die Nachkommen Sems — und wenn ich mich nicht irre, zählen auch viele muslimischen Völker zu den Nachkommen Sems.

  12. Roderich meint:

    Noch ein guter Buchtipp: Paul Johnson: A History of the Jews.
    Johnson ist (sehr sehr sehr belesener) Katholik (er ist auch Autor des Bestsellers „Modern Times“, eine ca. 1000 seitige Geschichte des 20. Jahrhunderts, ein Bestseller) und schreibt keineswegs antisemitisch, wobei er aber durchaus benennt, wenn / wo Juden auch mal was „verbockt“ haben. (Es waren glaube ich mindestens drei askenasisch-juedische Namen von Rezensenten auf dem Buchruecken, was ein – vom Verlag sicher als notwendig angesehener – „Beweis“ ist, dass das Buch nicht antisemitisch ist. Und das ist es auch sicher nicht.)

    Anders, aber auch sehr gut: die zwei Baende von Alexander Solschenitzyn „200 Jahre zusammen“ Untertitel des ersten Bandes: „Russisch-juedische Geschichte 1795 – 1916“, Untertitel des 2. Bandes: „Die Juden in der Sowjetunion“.
    Solschenitzyn zeigt u.a. die Verdienste, aber auch z.B. die massgebliche Rolle der Juden im revolutionaeren Gedankengut in Russland und bei der „Errichtung“ der kommunistischen Partei und des Kommunismus / der Sowjetunion.
    Das Buch wurde von einzelnen auch als antisemitisch bezeichnet, das ist aber vorhersehbar. FAZ, Spiegel und NZZ haben das Buch positiv gewuerdigt.
    Irgendwo sah ich mal eine Rezension, in der es hiess, das Motiv von Solschenitzyn sei die Naechstenliebe gewesen. Er benennt zwar (auch) die „Suenden“ der Juden, bzw. wo sie Fehler gemacht haben. Er ordnet das aber auch richtig ein, und zieht keine antisemitischen Schlussfolgerungen. (Wie er mal sagte, sei ein Aspekt auch, zur Reue aufzurufen – und das ist eine Tat der Naechstenliebe).

    @Schandor, ich gebe Dir aber recht, das solche Themen sehr schwer zu diskutieren sind. Gerade in BRD.
    Ich will aber trotzdem daran festhalten, dass es christliche Aufgabe bleibt, Juden die Versoehnung mit Gott durch das Evangelium von Jesus Christus zu predigen. Das ist das, um was sich alles dreht. Christus (seine Kreuzigung und Auferstehung) ist bzw. sind das Zentrum der Weltgeschichte. Wenn man so will, war Christus auch am Anfang der Weltgeschichte (durch Ihn wurde die Welt gemacht, siehe Hebraeerbrief), und Christus ist auch der wiederkommende Koenig und Herr und Richter aller Menschen, der Juden wie der Heiden.
    Ohne Christus anzunehmen, kann man den Heiligen Geist nicht haben. D.h. nach dem ersten Kommen Jesu kann man, wenn man nicht Jesus Christus als den Messias anerkennt, nicht den Heiligen Geist haben. D.h. man kann Gott auch nicht gefallen, wenn man Christus nicht hat. So verstehe ich die Bibel.
    In der Zeit des Alten Testamentes hatten einzelne Juden den Heiligen Geist, aber das war „im Glauben an den noch kommenden Messias“.

    So, nun habe ich fuer heute genug politisch inkorrekte Dinge gesagt. 🙂

  13. Schandor meint:

    @Roderich
    Danke für die Buchtips! Ein Geschichtsbuch ist für gewöhnlich eine Geschichte der Kriege. So etwas lese ich nicht, denn es langweilt mich zu Tode. Ich habe dagegen Peter Watsons „Das Lächeln der Medusa“ gelesen. Es hat sogar noch mehr Seiten und hat den Vorteil, so gut wie alles auszusparen, was Politik und Krieg heißt. Es ist eine Ideengeschichte des 20. Jahrhunderts. Großartig übersetzt.

    Nun, das mit den führenden Juden (ich nenne sie mal so) ist bekannt. Es ist auch bekannt — ob politisch nun korrekt oder nicht, schert mich nicht –, dass Juden maßgeblich an größeren Projekten der Weltgeschichte beteiligt waren, und zwar zum Guten wie zum Bösen. Dass Gott einzelnen unter ihnen großartige „Talente“ anvertraut hat, habe ich nie bezweifelt. Sie haben diese Gaben zum Guten wie zum Bösen verwendet.

    Die neurotische Art der BRD, mit diesem Thema umzugehen, ist in einem Maße lächerlich, das nicht mehr zu überbieten ist. Aber es ist verständlich. Vielleicht sogar gelenkt, ich weiß es nicht. Jedenfalls sind die Deutschen weniger „antisemitistisch“ als vielmehr antigermanisch, und in der Öffentlichkeit ist es geradezu chic, die eigenen Wurzeln in den Dreck zu ziehen. Mir ist das egal.

    Was das Eschaton anbelangt, ist klar: Die Christen müssen sich danach sehnen, dass die Juden ihren Messias in Jesus Christus erkennen; wie sollte sonst der gewaltige Segen auf die Christen kommen, von welchem Paulus in Röm 11 spricht? Ich stimme Dir vollinhaltlich zu.

    Herzliche Grüße

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