Überredungskunst à la Zimmer

Im Sommer letzten Jahres hielt Siegfried Zimmer beim „Freakstock“-Festival einen Vortrag zum Thema „Das Verständnis der Moderne als ein Schlüssel zum angemessenen Verständnis von biblischen Texten“. Holger hat sich den Vortrag angehört und analysiert. Danke!

Zimmers Ausführungen zum historischen Denken enttäuschen daher auf ganzer Linie. Der Boden ist bei ihm nun bereitet für ein aktuelles Beispiel. Er wendet sich natürlich wieder den konservativen Christen zu, denjenigen unter ihnen, die sagen, Frauen dürfen in der Gemeinde nicht leiten. „Jetzt gibt es tatsächlich fromme Leute, die meinen, man könne die Genderrolle der Frauen im Neuen Testament auch heute anwenden.“ Das sei ja wohl „granatendoof“. „Berücksichtigt den historischen Wandel! Der Fundamentalismus kann des net.“

Überredungskunst à la Zimmer. Die konservativen Christen, so die Unterstellung, können nicht historisch denken, weil sie die historische Bedingtheit des Lebens ignorieren, Beispiel Geschlechterrollen. Hier kann man dem Professor das Kompliment nur zurückgeben: granatendoof, dass es einem die Socken auszieht.

Zimmer tut so, als wollten diese Frommen das erste Jahrhundert kopieren bzw. 1:1 abbilden. Was Christen schon immer taten und bis heute tun, ist die Anwendung der biblischen Normen, Prinzipien, Vorgaben usw. in unserer Zeit. Zimmer reißt hier Gräben auf, die so gar nicht existieren. Auch evangelikale Theologie berücksichtigt natürlich den historischen Wandel! So ist das Verhältnis von Mann und Frau heute zweifellos ein anderes als in der Antike. Der Knackpunkt ist dabei einfach dieser: Gibt es in der Bibel Normen, die mit Autorität an uns herantreten? Hier einfach den historischen Wandel aus dem Zylinder zu ziehen, hilft nicht weiter. Das Eheleben hat sich so gewandelt, dass in vielen modernen Gesellschaften jede zweite Ehe geschieden wird. Dies ist in Theologie und Ethik, Predigt und Seelsorge natürlich zu berücksichtigen. Aber noch immer lehren und verkündigen die Christen, dass Gott – laut Bibel – will, dass Mann und Frau ein Leben lang zusammenbleiben. Würde Zimmer so jemand nun „das ist wohl granatendoof!“ entgegenschleudern?

Gibt es Ordnungen und Normen, die zeitlos gültig sind, die aber natürlich in unterschiedlichen Kulturen und Epochen unterschiedlich anzuwenden sind? Zimmer fängt dies an einer Stelle auf: „Natürlich gibt es Wahrheiten über den Menschen, die werden immer gelten.“ Jeder Mensch will geliebt sein; er hat Ängste Sorgen, Sehnsüchte – „das stimmt immer“, dies sind „tiefe Existenzwahrheiten“. Schön und gut, aber ist dies alles? Gibt es so etwas wie Offenbarungswahrheiten? Mehr als reine Existenzwahrheiten? Wie z.B., dass ein Herrscher einen Untertanen nicht nach Belieben töten darf, weil auch der König unter dem Recht steht? Hier ist natürlich an 2 Sam 11 zu denken (Davids Auftragsmord). Ist das etwa keine Wahrheit, die immer gilt?

In der nachaufklärerischen Theologie haben diese Offenbarungswahrheiten natürlich einen schweren Stand. Zimmer sollte hier mit offenen Karten spielen und seine Position klarstellen. Ich kann nicht erkennen, dass es unvernünftig sein sollte, dass ein personaler Gott sich personalen Wesen in Worten und Handlungen mitgeteilt hat, autoritativ mitgeteilt hat. Dies geht gewiss über Existenzwahrheiten, die der Mensch in sich selbst finden kann, hinaus. Jeder Mensch will nicht nur geliebt sein; die viel wichtigere Frage ist: Ist da ‘oben’ jemand, der mich liebt? Und was hat dies Wesen für einen Charakter? Hier gibt die Bibel eine definitive, ‘zeitlose’ Antwort.

Was soll man dazu sagen?

Die KBA, die „Konferenz Bibeltreuer Ausbildungsstätten“ mit über drei Dutzend Mitgliedern im deutschsprachigen Raum und Hort der zimmerschen Konservativen, formuliert im ersten Punkt der gemeinsamen Glaubensgrundlage, dass man an „die göttliche Inspiration und die Unfehlbarkeit der ganzen Heiligen Schrift“ glaubt. Nun gibt es hohe Verantwortliche in Werken der KBA, die „Worthaus“ ganz toll finden, empfehlen und verlinken.

Mehr: lahayne.lt.

Kommentare

  1. „Nun gibt es hohe Verantwortliche in Werken der KBA, die „Worthaus“ ganz toll finden, empfehlen und verlinken.“
    Gibt es da konkreteres dazu? Wer ist das genau und warum machen diese Leute das? Sind sie sich nicht bewusst, was sie da unterstützen? Wurden sie darauf hingewiesen? Legt jemand, außerhalb der Blogosphäre, seinen Finger in solche Wunden? Ich finde es gut, wenn konservativ-evangelikale mit offenem und kritischem Blick durch die evangelikale Welt gehen und auf Missstände hinweisen. Aber oft geschieht dies nur unter Gleichgesinnten und nur einer eingeschränkten Leserschaft zugänglich. Warum bemüht man sich nicht mal um einen kritischen Artikel über Zimmers Methodik und Denkweise in der idea oder beim ERF? Warum informiert man nicht die genannten KBA-Leute in einem offiziellen Schreiben (am besten mit guter Analyse, wie dieser Beitrag)? Es gibt doch sicher auch im konservativen Lager (also auch Leser auf diesem Blog) Personen, die entsprechende Kontakte haben und nutzen könnten oder liege ich da falsch? Ist Ulrich Parzany der einzige, mit konservativer Sicht und mahnenden Worten, der in der evangelikalen Medienwelt gute Kontakte hat? Kann dann nicht über ihn entsprechendes platziert werden? Warum nicht mal eine breit angelegte Medienoffensive? idea Spektrum Ausgabe zum Thema Liberalismus und Bibelkritik bei den Evangelikalen, verbunden mit einem Bericht oder einer Reihe im ERF und Artikel auch in anderen Zeitschriften (z.B. den Zeitschriften der Ausbildungsstätten der KGB, denen im Bundesverlag etc.). Ich würde so etwas begrüßen, habe aber weder einen in der evangelikalen Szene bekannten Namen, noch die entsprechenden Kontakte. Aber da gibt es sicher andere, die das könnten. Bitte tut doch etwas!
    Viele Gemeindeglieder wissen nichts davon und bekommen die theologische sehr wichtigen Hintergrunddebatten nicht mit. Aber die Gemeinden (damit auch deren Leiter) sollten informiert werden.

  2. @FL: Die konkreten Belege hat Holger gewiss auf Lager. @Holger, lieferst Du was?

    Zur Hermeneutik Zimmers habe ich mich in dem Beitrag: „Bibel und Bibelkritik“ in: Daniel Facius (Hg.). Der Bibel verpflichtet: Mit Herz und Verstand für Gottes Wort. Dillenburg: CV, 2015, geäußert.

    Siehe auch (u.a. mit Links auf Stellungsnahmen von A. Baum und R. Junker):

    http://theoblog.de/die-verborgenheit-gottes-bei-siegfried-zimmer/26292/

    http://theoblog.de/die-schwule-frage/25687/

    http://theoblog.de/diffamierung-als-bestes-argument/25234/

    http://theoblog.de/entmythologisierung-fuer-evangelikale/24294/

    http://theoblog.de/schadet-die-bibelwissenschaft-dem-glauben/23016/

    Liebe Grüße, Ron

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  3. Johannes G. meint:

    Mir ist nach wie vor schleierhaft, wie Worthaus und speziell Siegfried Zimmer zu solcher Popularität gelangt ist. Ich habe selten jemanden gehört, der so viel Halbwissen, Pauschalierungen, Behauptungen ohne Quellenangaben und fehlerhafte Argumente mit ebenso viel Arroganz vorgetragen hat.

    Diese Analyse ist auf jeden Fall begrüßenswert und der Autor hat dafür auch sicher einiges an Zeit aufgewendet. Ich hoffe nur, dass der Text Siegfried Zimmer auch direkt zugeht und er herausgefordert wird, dazu Stellung zu nehmen.

    Liebe Grüße
    Johannes

  4. Johannes Strehle meint:

    @ FL, Ron
    „Bitte tut doch etwas!“
    Ich halte es für notwendig,
    die einzelnen Mitglieder der „Konferenz Bibeltreuer Ausbildungsstätten“
    zu interviewen,
    was sie konkret in ihrer Ausbildung verstehen unter
    „der göttlichen Inspiration und der Unfehlbarkeit der ganzen Heiligen Schrift“
    wie sie Zimmer und andere beurteilen und
    welche Konsequenzen sie ziehen.
    Der Interviewer muss die Schliche der zeitgemäßen Evangelikalen,
    ihre Verschleierungen und Ausweichmanöver kennen,
    muss geschickt freundlich und gnadenlos sein.
    Der Interviewer darf sich selbst in seiner Vergangenheit
    nicht durch Unklarheit, faule Kompromisse und Slalom diskreditiert haben.
    Ich sehe darin eine Aufgabe
    für das Netzwerk Bibel und Bekenntnis oder die FTH Gießen.
    Ich schätze ideaSpektrum so ein,
    dass die Verantwortlichen das Ergebnis publizieren würden.
    IdeaSpektrum ist meines Wissens das einzige Medium in Deutschland,
    das alle Christen erreicht, die sich informieren wollen.
    Es erfüllt eine ganz wichtige Funktion. Ohne ideaSpektrum
    würden die Kirchen und Gemeinden völlig im Dunkeln munkeln.
    Kürzlich sprachen meine Frau mit einem Pastor,
    der auch gerne im Dunkeln munkelt
    und reflexhaft allergisch auf ideaSpektrum reagierte.
    Aufklärung und Transparenz ist unter den Evangelikalen das Gebot der Stunde,
    und zwar nicht allgemein, sondern konkret Personen-bezogen.

  5. gandalf meint:

    @Johannes G: Mich überrascht die Popularität überhaupt nicht. Es ist doch sehr modisch geworden, dass phänomenologisches Wahrnehmen („Alle Dinge und Erscheinungen der Welt sollen so erfasst und begriffen werden, wie sie sich dem Bewusstsein im Erleben originär zeigen, also ganzheitlich, geistig-intuitiv und sinnstiftend“) nun mit ausschliesslich positiver Wertung versehen wird. Das, wie Menschen sich empfinden, wie sie die Umwelt verstehen, wie sie ihre Bedürfnisse und Wünsche erleben soll achtsam und wertschätzend begleitet und bestätigt werden, einschliesslich der sich daraus ergebenden Lebensäußerungen (die praktische Umsetzung). Letztendlich beinhaltet es auch die implizite Verneinung jeglicher Skepsis und Vorsicht gegenüber den Regungen, Wünschen und Leidenschaften der menschlichen Natur.

  6. „Aufklärung und Transparenz ist unter den Evangelikalen das Gebot der Stunde, und zwar nicht allgemein, sondern konkret Personen-bezogen.“

    So ist es, lieber Johannes Strehle – und nicht nur hinsichtlich eines Interviews der „einzelnen Mitglieder der Konferenz Bibeltreuer Ausbildungsstätten“. Wenn es gelänge, bei solchen Interviews auch dem Interviewten zu vermitteln, dass es nicht um eine persönliche Abrechnung, sondern die Einladung zu einem gemeinsamen Ringen um die Wahrheit geht, dann wären diese Interviews ein guter Weg in eine neue Streit-Kultur.

  7. Sicher habe ich was auf Lager, werde nun aber keine Namen nennen. Alles in der Internetwelt frei zugänglich. Um nicht missverstanden zu werden: die KBA halte ich für eine sehr gute Einrichtung, wobei sie eben aber doch nur, soweit ich das erkennen kann, ein recht loser Zusammenschluss ist. Ein allgemeines Problem scheint mir die recht geringe normative Geltungskraft von Bekenntnissen zu sein. „Chicago“ hat sich ja auch unter den Bibeltreuen nicht so recht durchsetzen können. Daher ist dann wohl selbst bei KBA-Mitgliedern und ihrem Personal im Einzelfall nicht so ganz klar, wie denn Bibeltreue verstanden wird. Es ist eben kaum etwas an die Stelle von Chicago getreten. Die FTH hat ein gutes Bekenntnis, die STH nennt ‘nur’ das II Helveticum, und das TSR, wo Ron und ich ja waren (früher NLS; in der KBA) führt im Netz „Chicago“ gar nicht mehr an. Doch „Lausanne“ und das Allianzbekenntnis allein werden den Herausforderungen nicht gerecht. (Das TSR hatte ich aber, s.o., nicht im Blick!) Viele wichtige Weichen werden in der theologischen Ausbildung gestellt, und ich kann den Verantwortlichen in Deutschland (ist ja nicht meine Baustelle) nur empfehlen, sich mit all diesen aktuellen Herausforderungen im Unterricht intensiv zu beschäftigen – und dabei auch klare Positionen zu beziehen.

  8. Johannes Strehle meint:

    @ Gast2
    „Wenn es gelänge, bei solchen Interviews auch dem Interviewten zu vermitteln,
    dass es nicht um eine persönliche Abrechnung … geht …“
    Das kann ich nur unterstreichen. Es wäre völlig verrückt,
    wenn es darum ginge oder auch nur dieser Eindruck vermittelt würde.
    „… sondern
    (um) die Einladung zu einem gemeinsamen Ringen um die Wahrheit geht …“
    Es geht mir zunächst einmal vergleichsweise bescheiden
    „nur“ um Wahrheit im Sinne von Klarheit.
    Was denken und glauben die Verantwortlichen?
    Das soll der Interviewer versuchen herauszufinden, nicht zu bewerten.
    Ggf. kann er auch „nur“ (für die Leser) klar machen
    (nicht explizit, sondern durch die Antworten),
    dass der Interviewte nicht zu Klarheit bereit ist.
    „… dann wären diese Interviews ein guter Weg in eine neue Streit-Kultur.“
    Die Chancen für eine Streitkultur unter den Evangelikalen halte ich für so groß
    wie die Chancen für eine Streitkultur zu Jesu, Jeremias und Elias Zeiten waren.
    Wenn ich mich irre, um so besser.

  9. @FL
    Das Kernproblem, warum man zu keiner nachhaltigen Kritik an Ansichten wie von Siegfried Zimmer kommt ist aus meiner Sicht die Zerstrittenheit, die im reformatorisch/bibeltreuen Lager vorhanden ist. Es geht nämlich nicht nur um das, was wir nicht wollen, sondern um das, was vom Wort her richtig ist.
    Warum finden sich denn nicht alle möglichen Organisationen und Einzelpersonen vom E 21 über EBTC, Bibelbund und Leute wie Parzany, Peters, Nestvogel u.v.a. mehr z. B. zu einer gemeinsamen Erklärung zum Reformationsjubiläum zusammen, wo man anhand der „SOLAS“ das gemeinsame herausarbeitet, was das Evangelium ausmacht in Abgrenzung zur Mainstream-Theologie? Es sind schon klasse, dass viele Leute in Deutschland sehr genau anhand der Schrift herausarbeiten, was Gottes Wille ist. Die Mehrheit aber der „normalen Evangelikalen“ hat davon nach meiner Beobachtung keine Ahnung sondern lässt sich brav einschläfern.
    Um mich richtig zu verstehen:
    Es geht nicht darum die bestehenden Differenzen zwischen diesen Gruppen und Personen zu ignorieren. Wenn aber über die Zerstrittenheit bei Themen mit Prio B und C es nicht zu einem gemeinsamen Vorgehen bei den Punkten mit Prio A kommt wird es zu keinem öffentlichen Sichtbarwerden sowohl in der frommen Welt geschweige denn bei den säkularen Medien kommen.
    Deshalb plädiere ich für ein Alternativpapier zu „Zeit zum Aufstehen“. Vielleicht lesen hier auch die Verantwortlichen aus den o.g. Gruppen und die genannten Personen mit. Ich denke Kritik und prüfen ist gut, wir müssen aber auch etwas positiv schriftgemäßes dagegen setzen können

  10. Zum Thema Popularität:
    Ich selbst hatte einige Vorträge von Zimmer vor ca. 3 Jahren gehört. Zu dem Zeitpunkt war ich – kommend aus einer Pfingstgemeinde – nach einem Umzug gemeindelos und mich über Podcastpredigten informiert. Da in der Gemeinde, in der ich war, keine grundsätzliche Klarheit gepredigt wurde und viele Fragen recht oberflächlich beantwortet wurden blieben Fragen offen. Ich hörte Zimmers Vorträge zu Genesis und war fasziniert von seiner Art, bildhaft zu beschreiben. Für jemand, der nur „Du musst mehr glauben“ oder „Jesus liebt alle“-Predigten gehört hatte war Zimmer einer der ersten, der Hintergründe lieferte, was ich aufsog. Erst nach ca. dem dritten Vortrag bekam ich den Eindruck, dass er irgendwie unsauber spielt. Durch Gottes Gnade kam ich kurz darauf an MacArthur, White und Nestvogel, so dass mir dann die Augen geöffnet wurden und mir das Evangelium in seiner Fülle erstmals klar wurde.

    Aber ich stehe hier prototypisch für den typischen Evangelikalen: Ein unscharfes Evangelium, etwas Charismatik, etwas sucherorientiert, etwas ökumenisch, eine Menge Gesetz, untrainiert im Umgang mit Andersdenkenden und mit den harten Fragen zurückgelassen. Ich habe ca. 15 Freunde, die Zimmers Vorträge hören und begeistert sind. Ausnahmslos alle sind von der Gesetzlichkeit vieler evangelikalen/charismatischen Gemeinden und deren Unfähigkeit, Klarheit in entscheidenden Fragen zu beziehen frustriert.
    Was ich inzwischen im Gespräch mit diesen Freunden mache ist die Art und Weise, wie z.B. James White oder Chris Rosebrough in ihren Podcast vorgehen: Den Vortrag anhören, auf Stop drücken, analysieren, was gesagt wurde und die Wahrheit dagegenstellen. Was auffällt ist, dass Zimmer nur so von logischen Fehlschlüssen strotzt in seinen Vorträgen und sich nicht mal die Mühe macht, zahlreiche seiner Prämissen zu begründen. Er hätte in einer Debatte nicht den Hauch einer Chance, er funktioniert nur im Monolog. Da er aber seine Worte immer sehr genau abwägt legt den Verdacht nahe, dass er Fehlschlüsse bewusst nutzt, um den Zuhörer zu überzeugen. Es ist eine Tragik, dass seine Zuhörerschaft dies nicht erkennt und ihm Vertrauen schenkt. Letztlich ist sein Werdegang nach eigener Aussage auch die eines frustrierten Evangelikalen und genau diese Gruppe zieht er jetzt an.

    Ich erachte es für notwendig, ihn fair und ehrlich wiederzugeben und seine Widersprüche klar und ohne Polemik aufzuzeigen. Das ist ein langsamer Weg. Aber dadurch können Einzelne seiner Zuhörer zum Nachdenken bewegt werden.

  11. Schandor meint:

    Aber ich stehe hier prototypisch für den typischen Evangelikalen: Ein unscharfes Evangelium, etwas Charismatik, etwas sucherorientiert, etwas ökumenisch, eine Menge Gesetz, untrainiert im Umgang mit Andersdenkenden und mit den harten Fragen zurückgelassen.

    Ganz ausgezeichnete, großartige Definition für „evangelikal“!

  12. Johannes Strehle meint:

    @ Pete und Schandor
    Das finde ich auch:
    „Ganz ausgezeichnete, großartige Definition für „evangelikal“!“
    Nur „eine Menge Gesetz“ kann ich im evangelikalen Mainstream nicht feststellen.
    Es sei denn, die neuen strengen Gesetze des Zeitgeistes sind damit gemeint.
    Auf der Grundlage der Bibel als Wort Gottes
    kann ich nur „eine Menge“ Gesetzlosigkeit feststellen.

  13. @Matze

    Das wäre schon zu wünschen. Die Crux ist aber, dass schon (oder vor allem) bei der Zurdnung zu Prio A und dann folgerichtig B und C große Differenzen bestehen. Also wird es wohl beim Wunsch bleiben. Erfahrungsgemäß kommt es zu einer überbordenden Füllung von A. Die wenigen Dinge, die B/C zugeordnet werden können, erschöpfen sich in Vor-/Nachentrückung, freier Wille (??) oder dem Kopftuch.

    Ich bin da sehr illusionslos – zuviel habe ich leider schon erleben müssen.

    Und eine Frage am Rande: was würde ich/Ihr als unverzichtbar für A bennenen? In dieser Hinsicht halte ich Parzanys Statement für sehr gut – aber ich erlebe gleichzeitig, dass auch bei ihm das Haar in der Suppe gesucht wird.

  14. Theophil Isegrim meint:

    @ Matze:

    Darüber mache ich mir in letzter Zeit auch einige Gedanken zu. Jeder ist so in seiner Ecke und kocht sein Süppchen. Ich habe in letzter Zeit angefangen dafür zu beten, daß Gott sammelt und Einigkeit schafft. Liebe und Wahrheit.

  15. Johannes Strehle meint:

    @Matze und Christ
    Ich finde, Matze hat den Nagel auf den Kopf getroffen.
    Es ist die andere Seite „des großen evangelikalen Desasters“.
    Ron hat neulich auf einen Aufsatz Schaeffers
    zu „Einheit und Reinheit“ hingewiesen.
    Die eine Seite des großen evangelikalen Desasters
    sind die laufenden faulen Kompromisse
    zu Lasten der Reinheit im Interesse der Einheit.
    Ich kann nicht erkennen, dass Parzany sich davon gelöst hätte.
    Statements gibt es seit eh und je. Konsequenzen sind gefordert.
    Die andere Seite des großen evangelikalen Desasters
    bilden die Verteidiger reiner Lehre (bzw. einer Variante)
    in zweit- und dritt- usw. -rangigen Fragen zu Lasten der Einheit.
    Die erstrangigen Fragen müssen nicht erst formuliert werden.
    Diese Mühe haben uns kompetente Christen sehr früh abgenommen
    und die altkirchlichen Glaubensbekenntnisse formuliert.
    Es ist auch überliefert, wie sie von den Verfassern bzw. den Reformatoren
    verstanden wurden. Das ist entscheidend.
    Hinzu kommen die Grundlagen der christlichen Ethik.
    Sie sollten auch bei den Reformatoren zu finden sein.
    Im Rahmen dieser Einheit
    können die verschiedenen Gruppen und Personen ihre Differenzen pflegen,
    aber an der Front dürfen diese keine Rolle spielen.
    In der Nestvogel-Gemeinde muss man zum Beispiel glauben,
    dass die Schöpfungstage 24 Stunden lang waren.
    Dispense können „auf Antrag“ gewährt werden.
    Zur Form der Auseinandersetzung (Pete: fair, ehrlich, klar, ohne Polemik):
    Wir müssen klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben sein und
    für die Auseinandersetzung viel von den Propheten der Bibel lernen.

  16. Theophil Isegrim meint:

    @ Pete:

    Ich bin auf Zimmer durch einen Beitrag in „Faszination Bibel“ aufmerksam geworden. Habe mir ein paar Vorträge angehört, war begeistert, aber auch kritisch, weil mir einige Sachen doch etwas seltsam vorkamen. Ich habe ihn dann ein paar Mal live auf „Bibel erlebt“ auf dem Schönblick erlebt. Da gab es dann noch mehr Dinge, die mir negativ auffielen. Später habe ich Worthaus in Heidelberg besucht und ich fing an mich über seine Vorträge zu ärgern. Jedesmal brachte er seine Hetze über „die Bibeltreuen“ unter, ohne genau zu formulieren, wer das überhaupt sein soll.
    Mittlerweile ist das nur noch Training für mich. Einfach mal sich mit neuen Vorwürfen konfrontieren lassen und sich damit auseinander setzen.

    Und viele hören ihn gerne. Die meisten sind richtig nette Leute, die auf der Suche nach Erkenntnis sind. Sie tun mir auch leid, weil sie nicht durchschauen, was da abgeht. Dabei ist es gar nicht so schwer. Wer anfängt die Bibel zu relativieren, wer behauptet, diese und jene Worte Jesu stammen ja gar nicht von ihm (und nur die harte Bibelwissenschaft kann es klären, welche Worte von Jesus sind und welche ihm untergeschoben wurden {allerdings ändert sich das alle fünf Jahre, wie das nunmal in der Wissenschaft üblich ist}), dann weiß man, woher der Wind weht.

    Ich diskutiere ziemlich oft mit Leuten. Und ich muß leider feststellen, daß viele im evanglikalen Bereich unkritisch sind. Es gibt auch keine richtige Lehre. So wie das nunmal in unserer Zeit ist. Alles ist relativ und muß von Zeit zu Zeit neu verhandelt werden. Biblische Maßstäbe gelten nicht. Es ist ja alles nur Gnade und Liebe. Warum denn dann dogmatisch werden? Was soll der Ballast? Hauptsache wir haben uns alle lieb und haben Spaß miteinander.
    Aber worum geht es denn wirklich? Daß wir in inniger Beziehung mit unserem Herrn Jesus leben. Und da gibt es nunmal Hindernisse und Hürden, die die Gemeinschaft verhindern. Aber wird das noch in den Predigten behandelt? Wie kann ich mich denn Gott nahen und was hindert mich daran?

    Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Ohne mich könnt ihr nichts tun.

    So kommt es mir oft vor. Die Rebe ist zu weit weg vom Weinstock und bekommt deshalb nicht viel hin.

  17. Theophil Isegrim meint:

    @ Strehle:

    Parzany hat aber ganz deutlich Diener widersprochen. Er wurde deswegen auch heftig kritisiert, warum er das alle öffentlich gemacht hat. Ich nehme an, daß er vorher mehrmals versucht das intern zu klären. Aber Diener bringt öffentlich Stellungnahmen heraus und dann wurde es auch Zeit öffentlich darauf zu reagieren.
    Ich habe ja nun schon einiges von Parzany gelesen und ich bin damit sehr zufrieden. Er hat viel mehr Profil als früher.

    Schade, daß Nestvogel auf die 24h besteht. Das geht mir zu weit und man kann das auch wirklich anders auslegen. Das ist dann wieder übertrieben.

  18. Manche haben hier schon bemerkt, dass die „konservativen“ Evangelikalen gemeinsam stärker das herausstreichen sollten, wofür sie positiv stehen. Hier kann man effektiv, so glaube ich, an Zimmers Darstellung des Evangeliums ansetzen, die meist völlig defizitär ist und die so die klassisch reformatorische in hellerem Licht erscheinen lässt – wenn sie denn klar präsentiert wird. Zimmer definiert in einerm Vortrag: „Die raumschaffende Kraft der Liebe ist das Evangelium“. In einem Interview mit ERF Schweiz (TV-Sendung „Fenster zum Sonntag“) wurde er gefragt
    „Was wollte Jesus uns hinterlassen?“Warum kam er auf die Welt? Inkarnation, Kreuz usw. – wozu das Ganze? Eine Frage, die auf den Kern der christlichen Botschaft abzielt. Zimmer nun: Gott wollte uns durch die Propheten und am stärksten durch Jesus „zeigen, dass er sich mitteilen will; dass er Kontakt mit uns aufnehmen will; dass wir ihm wichtig sind. Und Jesus war eben ein Mensch, der vor allem die Barmherzigkeit gelebt hat; der Interesse an allen möglichen Menschengruppen hatte. Ja ich könnte sagen: Gott wollte uns durch Jesus ein kräftiges Stück zu spüren geben, welche Qualität er hat.“ Sünder erkennen damals wie heute: Gott ist wie Jesus, der sich für uns interessiert, und dann müssen wir unsere „Karten neu mischen“ und unser Verhalten danach ausrichten.
    Gott will sich uns mitteilen; er ist an uns interessiert. Ja sicher! Aber ist das wirklich alles?? Diese auf die Kommunikation Gottes reduzierte Gute Nachricht ist das homöopathisch dünne Evangelium à la Siegfried Zimmer! „Da solltet ihr mal drüber nachdenken“ – sein Mantra ist nur zu wahr.

  19. @Pete @ Teophil Isegrim @ Holger Lahayne
    Könnte man nicht einen Podcast aufziehen, der speziell das macht, was Pete alla Chris Rosebrough + James White machte? Ich bin gern dabei, habe seinen „Die Sache mit der Schlange“ – Vortrag schon mal minutiös (auf Papier) durchgenommen – es bleibt nichts bestehen. Kurz zusammengefasst: die biblische Offenbarung der Entstehung der Sünde wird (mit fadenscheinigen und v.a. wissenschaftlich unprofessionellen) Mitteln aufgelöst. Doch dann soll es auf einmal trotzdem wieder um die Sünde gehen, nur ist sie jetzt halt eben irgendwie da. Es gäbe viel, viel Material. Für Lutherisches Lärmen arbeiten wir gerade an einem Podcast, der solch eine Kolumne“ gerne beinhalten würde. Mein (schon lange geplanter) Arbeitstitel: „Kartenhaus“. Und wir hätten hier (wenn ich richtig interpretiere) auch das schon gewünschte, White Horse Inn ähnliche, Gemisch der verschiedenen Bekenntnisgruppen, die hier an einem Strang ziehen. Wir würden uns über Eure Meldung freuen! 😉 Oh @Ron, Du gerne auch!

  20. Johannes Strehle meint:

    @ Holger Lahayne
    Was bedeutet
    STH
    TSR
    NLS?
    „Daher ist dann wohl selbst bei KBA-Mitgliedern und ihrem Personal
    im Einzelfall nicht so ganz klar, wie denn Bibeltreue verstanden wird.“
    Das ist das Problem. HIER für Klarheit zu sorgen, halte ich für viel wichtiger,
    als sich im Einzelnen mit dem Irreführer Siegfried Zimmer zu befassen.
    Auch wenn das interessant und nicht unwichtig ist.
    Aber unsere Zeit ist begrenzt. Wir müssen Prioritäten setzen.
    „Viele wichtige Weichen werden in der theologischen Ausbildung gestellt,
    und ich kann den Verantwortlichen in Deutschland (ist ja nicht meine Baustelle)
    nur empfehlen, sich mit all diesen aktuellen Herausforderungen
    im Unterricht intensiv zu beschäftigen
    – und dabei auch klare Positionen zu beziehen.“
    Sehr richtig.
    Wenn das nicht bereits geschehen sollte, versagen die Verantwortlichen krass.
    Wir stehen im Krieg zwischen Licht und Finsternis.
    Der Feind tarnt sich als Engel des Lichts.
    Wenn unsere Vorkämpfer den Feind nicht erkennen, machen wir uns lächerlich.
    Und wenn unser Nachwuchs
    nicht glasklar über die Qualität der Ausbildungsstätten aufgeklärt wird,
    lassen wir die jungen Leute ins Verderben laufen.
    Kürzlich wechselte eine junge Frau,
    die in einer Brüdergemeinde groß geworden ist,
    von Wiedenest zur Baptisten-Ausbildung nach Elstal.
    Begründung: In Elstal wird die Ausbildung in Wiedenest anerkannt.
    Elstal steht nach meiner Einschätzung heute ungefähr da,
    wo die theologischen Fakultäten, von denen die EKD ihre Pastoren bezieht,
    vor 30 bis 40 Jahren standen.
    Damals wurde zum Beispiel das Vorstudium in Krelingen gegründet,
    um die Chancen für das geistliche Überleben der Studenten zu erhöhen.

  21. @Johannes Strehle
    Du hast natürlich recht, dass Anbiederung an den Zeitgeist hier und da ein großes Thema ist, v.a. bei emergent beeinflußten Gemeinden. Die meine ich hier allerdings nicht zuerst.

    Als „Gesetz“ meine ich alles, was ich für Gott tun muss (und was ich nach Rom 3:10-28) sowieso nie für meine Erlösung hinbekomme). Viele Predigten im evangelikalen Bereich liefen/laufen nach folgendem Muster:
    1) DU bekommst mit DEINER Entscheidung für Jesus das Ticket für den Himmel.
    2) Jetzt musst DU auch durch DEINEN Lebenswandel zeigen, dass Du es ernst meinst.
    3) Je nach geistlicher Strömung gibt es nun Varianten des Themas für die Predigt. Beispiele:
    „10 Punkte, wie ich ein besseres christliches Leben führe“,
    „Wie Du Jesus ganz in Dein Herz lässt“,
    „Gott kann Dich erst dann segnen, wenn Du den 10. gibst/ deine Sünden vollständig bekennst/mehr Bibel liest/etc….“
    Oder mein persönlicher Favorit an Jochauferlegung:
    „Sei im Zentrum des Willen Gottes“ (Peter Wenz)

    Das Problem ist IMHO vielfältig: Der Mensch steht im Zentrum der Verkündigung; das Evangelium ist Jesus in sein Herz aufzunehmen; Gott ist theoretisch souverän, aber nicht, wenn es um mich geht und er ist immer der Liebe unterworfen; das Wort Sünde wird für Christen in das Wort Problem gewandelt; Zorn Gottes gab es im AT; Gott hat seine Meinung zwischen AT und NT gewechselt; etc.etc. Das Thema Heiligung hab ich in knapp 20 evangelikalen Jahren nie gelehrt bekommen. Gibt es da überhaupt evangelikale Bücher?
    Wenn Heiligung nicht vorhanden ist, dann bleibt nur fromme Selbsthilfe. Das kann dann auch als charismatischer Hokuspokus wie Deklarieren, Befreiungsdienst, territoriale Geisteraustreibung, Sozo o.ä. getarnt sein. Das Grundmuster ist aber eben, dass ICH etwas tun muss, damit Gott/der hl. Geist/Jesus etwas tun kann. Oder im Extremfall bin ICH derjenige, der den hl. Geist nutzbar macht und ihm sagt, was er in MEINEM Sinne tun soll.

    Das Tragische für mich ist, dass es hier wirklich viele Menschen gibt, die ehrlich suchen und auch ehrlich versuchen zu lehren, aber eben nie die befreiende biblische Wahrheit in ihrer Gesamtheit kennengelernt haben. Oder wie Nestvogel in seinem Kirchengeschichtsvortrag sagte: Die Ideen und Philosophien sind nie nur im Studierzimmer eines Intellektuellen sondern haben direkte, praktische Auswirkungen für die Zuhörer, ohne dass sich diese ihrer Tragweite bewusst sind.

    @Alexander
    Darüber denke ich schon eine Weile nach 😀
    Eine gute, biblische Aufklärungsarbeit kann glaube ich sehr vielen Leuten helfen, die fragend sind. Ich hab auch schon einige Predigten minutiös zerlegt und mit Leuten angehört, wir hätten also Startkapital 😀 Ich arbeite momentan das SOZO-Handbuch der Bethelchurch durch (eine Sternstunde der Gesetzauferlegung), weil ich ca. 15 Leute kenne, die davon beeinflußt sind. Von daher: wie sende ich Dir meine email-Adresse?
    Ach und: Ich hatte mal, weil ich es nicht mehr aushielt, auf Zimmer-Fan-Territorium eine Kritik an ihn gerichtet (Hossa-Talk-Forum zum Thema sola scriptura), kannst gerne da mal nachsehen. Ich versuchte, mit größtmöglichem Respekt mich rein sachlich mit direkten Aussagen Zimmers auf rein inhaltlicher Ebene auseinanderzusetzen. Es wurden keine Bibelverse zitiert und Zimmer in keinster Weise persönlich angegangen. Dabei gab es zwei Reaktionen: 1) Du bist doch auch nur so ein evangelikaler Bibelfanatiker, mit Dir kann man nicht reden. 2) Ich verstehe in etwa, was Du sagst, kannst Du mir das genauer erklären.

    Für die zweite Gruppe lohnt es sich.

  22. @Alexander: Die Idee mit solchen Podcasts ist gut. Es steckt freilich auch viel Arbeit dahinter. Rosebrough und White, die Du erwähnt hast, leben davon (machen also fast nichts anderes). Wir müssten das (irgendwie) so nebenher machen. Schon eine gedämmte Aufnahmekabine wäre wohl eine Herausforderung.

    Dennoch: Neben der gründlichen Unterweisung in der gesunden Lehre brauchen wir in der Tat diese zugänglichen Formate der „Aufklärung“ und „Apologetik“. Ähnlich wie Pete treffe ich fast wöchentlich auf nette Leute, die gar nicht ahnen, worauf sie sich da einlassen.

    Wenn Ihr also was produziert habt oder produzieren wollt, freue ich mich, es auf TheoBlog.de anbieten oder verlinken zu können.

    Liebe Grüße, Ron

  23. Schandor meint:

    @Johannes Strehle & @lle, die es lesen wollen

    Ja, es muss Gesetzlichkeit heißen, nicht Gesetz.
    Gottes Gebote abtun, Menschengebote groß machen.

    Du sollst nicht rauchen. Denn wer raucht, schädigt den Tempel Gottes, und wer den Tempel Gottes schädigt, der … (was ist aber mit all den fettgefressenen Säcken, die ihren Körper viel schlimmer schädigen?).

    Du sollst nicht widersprechen.

    Du sollst nicht selber denken.

    Du sollst nicht anderer Meinung sein als die Gemeindeleitung.

    Du sollst – hier her gehören all die ungezählten Dinge, die zu tun wären, die viele aber nicht schaffen.

    Du sollst keine Theologie treiben (= fundamentalistisch/biblizistisch/freikirchlich)

    Du sollst kein Nichtfuturist sein in Fragen der Eschatologie usw.

    Die Liste ist endlos.

    Wovon brauche ich eigentlich Erlösung, wenn ich kein Sünder mehr bin?
    Wozu brauche ich Christus, wenn ich so heilig bin wie einige bekannte Kapitalchristen (ich nenn lieber keine)?
    Wofür soll Erlösung gut sein, wenn ich gegen meinen Willen (der alles andere ist als „erneuert“) leben muss und es nicht schaffe?
    Wozu, frage ich?
    Deshalb hat sich Christus auch abgewandt von den Huren, Säufern und Zöllnern und hat die Pharisäer so gelobt für ihren tadellosen Lebenswandel.

  24. Johannes Strehle meint:

    @ Pete
    „Das Problem ist IMHO vielfältig“
    Was bedeutet IMHO?

  25. Christian meint:

    @Johannes Strehle: Die Frage war zwar nicht an mich gerichet, dennoch gebe ich frecherweise die Antwort: IMHO = In my humble opinion.

  26. Theophil Isegrim meint:

    @ Alexander:

    Ich hatte mich auch schonmal mit einem Podcast gedanklich auseinander gesetzt. Allerdings nicht als Reaktion auf Zimmer. Zum einen bin ich kein Theologe. Es reicht für mich persönlich aus, ihn zu widerlegen, aber das taugt sicherlich nicht für die Allgemeinheit. Beispielsweise behauptete er bei einem Vortrag, die Schlange ist nur eine Projektion des Bösen des Menschen. Es ist keine richtige Person und schon gar nicht der Teufel. Wenn dem so wäre, wieso wird die Projektion dann später verflucht und bestraft, Feinschaft zwischen Eva und der Schlange gesetzt? Das paßt dann alles nicht mehr richtig zusammen. Außerdem stellt sich die Frage, wo denn das Böse vor dem Sündenfall herkam? Trugen sie das schon in sich? Das ist ein heikler Punkt. Da erscheint es mir schon plausibler, wenn das Böse, in persona des Teufels, an Adam und Eva heran getragen wurde und nicht daß sie es schon in sich trugen.
    Und zum anderen habe ich nicht das große Interesse soviel Aufheben um Zimmer zu machen. Dafür ist er zu unbedeutend.

    Fakt ist aber, daß es sehr viele gebildetete Christen im Evangelikalen Bereich gibt, die gerne in die Tiefe gehen würden. Die eine intellektuelle Herausforderung suchen, aber das Ganze natürlich nicht nur abgehandelt haben wollen. Der Glaube will ja auch gelebt werden.

    Ich hatte mir überlegt, ob es sich nicht lohnt biblische Geschichten neu zu erzählen. Es gibt so viele spannenden Geschichten im Evangelium, wenn die Menschen Jesus begegnen.

    @ Pete:

    Geh doch mal auf die HP von Alexander. Ist mit seinem Namen verlinkt.
    Ich muß mir seine HP mal in Ruhe anschauen. Da scheint es viel gutes Material zu geben.

  27. Theophil Isegrim meint:

    @ Pete:

    „2) Jetzt musst DU auch durch DEINEN Lebenswandel zeigen, dass Du es ernst meinst.“

    Schwieriges Thema. Aber vielleicht auch gar nicht so schwer. Von allein tut sich im Glaubensleben (meist) nichts. Ich muß auch wollen. Wie oft ermahnt Paulus zum Gehorsam gegen Gott, zum besseren Lebenswandel etc. Muß ich mir also dann doch die Glückseligkeit mit meinem Lebenswandel verdienen?

    Ich denke, meine innerliche Verfassung ist ganz entscheidend. Ich kann versuchen kraft meines Willens die Sünde zu meiden, in dem Glauben, damit sammle ich Pluspunkte bei Gott. Das ist dann die Werkegerechtigkeit, die nichts bringt.
    Oder mir ist bewußt, daß ich ein geliebter Sünder bin, der durch Gnade in die Ewigkeit eingehen wird. Ich bin mir bewußt, daß Sünde schlecht ist, daß sie mich von Gott trennt. Und deshalb versuche ich sie zu meiden. Nicht um mir damit etwas zu verdienen, sondern weil ich überzeugt bin, daß es richtig ist. Und Gott hilft mir dabei. Wenn ich wieder in Sünde gefallen bin, bekenne ich die Sünde und lasse sie mir vergeben und wage einen Neuanfang. Immer wieder. (Thema Heiliger Geist lasse ich in der Kürze auch mal außen vor)

    So kann es von außen aus betrachtet aussehen, als ob zwei genau dasgleiche machen, aber weil sie unterschiedlichste Beweggründe haben, ist es längst nicht dasselbe.

    Ich finde, der 1. Johannesbrief führt ein richtiges Schattendasein. Wann wird darüber mal gepredigt? Wer kennt ihn überhaupt? Na gut, er ist auch eine Zumutung. Johannes macht da keine Gefangen. Die Auslegung dazu von Lloyd-Jones, da geht es viel um Heiligung. Wie man seinen Glauben leben kann und was die Hindernisse sind.
    https://www.3lverlag.de/kennzeichen-eines-christen.html

  28. Johannes G. meint:

    Bezüglich der transportierten Botschaften verwundert mich die Popularität Zimmers nicht. Abgesehen von den formellen bzw. argumentativen Problemen finde ich sein Auftreten bzw. seine pauschalen Beleidigungen der „einfältigen Frommen“ aber einfach abstoßend (vielleicht wird das auch dadurch verstärkt, dass er meinen Dialekt spricht 😉 ). Selbst wenn er korrekt argumentieren und alle meine Positionen teilen würde, könnte ich seine Vorträge niemandem empfehlen. Das wäre mir einfach peinlich. Es ist mir daher völlig unverständlich, dass selbst viele Vertreter, die eigentlich zu Repräsentanten der Zielgruppe seiner „Kritik“ gehören, „Worthaus ganz toll finden, empfehlen und verlinkten“.

    Meiner Einschätzung nach brauchen wir vor allem eine sachlich fundierte schriftliche Auseinandersetzung mit denjenigen, die eine Relativierung der Orthodoxie für notwendig halten und vorantreiben. D.h. die konkreten Argumente und Denkvoraussetzungen Andersdenkender sollten ohne jegliche Polemik so fair und wohlwollend wie möglich widergegeben bzw. „ausgelegt“ und dann auf möglichst hohem aber allgemein zugänglichem Niveau konstruktiv kritisiert werden. Für unverzichtbar halte ich dabei auch so genannte Kreuzgutachen, um eine möglichst hohe Qualität bzw. sachliche Richtigkeit gewährleisten zu können.

    Die entsprechenden Aufsätze sollten dann zunächst den betreffenden Personen zugehen, so dass diese Stellung beziehen können. Sollte eine Reaktion erfolgen, können anschließend beide Texte öffentlich zugänglich gemacht werden. Diese Form einer „schriftlichen Debatte“ ist sicher sehr mühsam und nicht so „niederschwellig“ wie ein Podcast. Ich halte das aber für die beste Form, damit sich auch fachfremde Personen eine fundierte Meinung zu kontroversen Themen bilden können. Leider sehe ich aktuell in Deutschland niemanden, der eine Gruppe aus entsprechenden Fachleuten unter einem Dach sammeln und für eine solche Aufgabe motivieren könnte.

    @Pete
    Ich habe kurz deine Kommentare bei den Hossa´s überflogen. Die meisten Punkte sind ohne Zweifel berechtigt. Das erste von dir angesprochene Zitat von Zimmer ist meiner Einschätzung nach jedoch in dieser Form nicht falsch. Zimmers Aussage enthält auch kein Argument mit einer Schlussfolgerung, sondern ist eine einfache Behauptung. Ein fiktionaler Text kann meinem Verständnis nach durchaus mehr historische Wahrheit enthalten, als ein historischer Tatsachenbericht. In einem tausendseitigen Roman über die Passion Christi kann z.B. problemlos mehr historische Wahrheit enthalten sein, als in den Ausführungen von Flavius Josephus. Dein Einwand wäre berechtigt wenn Zimmer behauptet hätte, dass ein fiktionaler Text mehr historische Wahrheiten enthalten kann als ein vollständiger bzw. lückenloser historischer Tatsachenbericht. Ohne diese zusätzliche Annahme, die er sich nicht zu eigen gemacht hat, halte ich seine Aussage daher prinzipiell für korrekt.

    Liebe Grüße
    Johannes

  29. @Christ
    Auf die Gefahr hin mich zu blamieren werde ich als Nicht Theologe die essentiellen Punkte Prio A formulieren so wie ich es verstehe und habe versucht es so kurz wie möglich zu fassen:
    – Gott ist der Schöpfer dieser Welt und hat sich durch Altes und Neues Testament geoffenbart vor allem durch das Wirken seines zum Mensch gewordenen Sohnes Jesus.
    – Jeder Mensch ist seit dem Sündenfall vor Gott schuldig und kann aus sich selbst
    heraus vor Gott nicht gerecht werden
    – Jesus hat durch seinen Tod und die Auferstehung die einzige Möglichkeit hergestellt die Verbindung zu Gott wiederherzustellen. Gott bietet dieses Geschenk
    aus seiner souveränen Gnade heraus an. Dieses Geschenk darf in einer verbindlichen Lebensübergabe an Jesus im Glauben angenommen werden.
    – Durch die Errettung in Jesus erhalten wir die Gerechtigkeit vor Gott und wir werden von unserem geistlichen Stand zu Heiligen.
    – Durch das Wirken des Heiligen Geistes, den wir durch die Lebensübergabe empfangen haben, werden wir immer mehr in das Vorbild Jesus verwandelt, in dem
    wir die Größe unserer Errettung immer mehr begreifen, dadurch in unserem Vertrauen zu Jesus wachsen und unsere Seele wird immer mehr nach Gottes Willen (geoffenbart in der Bibel) und in der Abhängigkeit von Gott handeln.
    – Jesus hat seine Jünger dazu aufgefordert die Kosten der Nachfolge zu überschlagen. Den Nachfolger Jesu wird überreicher Segen als auch Schwierigkeiten bis hin zur Verfolgung erwarten
    – Den Erretteten in Jesus wissen um ewiges Leben mit Gott nach ihrem Tod, die anderen Menschen erwartet ewiges Getrenntsein von ihm.

  30. @Johannes G., Danke für Deine Rückmeldung.

    ——offtopic ——
    Dass ich hier die Hossa-Argumentation weiterführe, hätte ich auch nie gedacht ;-). Nur kurz, ich hab glaube ich weiter unten im Hossa-Thread den Fehlschluss genauer erläutert. Ich beziehe mich ja auf den Kontext des Interviews, das Zimmer gab, ich weiss nicht, ob Du das gehört hast. Dabei bezieht er sich auf eine rein fiktive Parabel, in der eine moralische Wahrheit steckt. Diese Tatsache nimmt er dann deduktiv als Ausgangspunkt und leitet davon ab, dass in einer rein fiktiven Erzählung mehr historische Wahrheit stecken könne, als in einem historischen Tatsachenbericht. Er vergleicht hier reine Fiktion mit reinem Tatsachenbericht. Das „mehr“ kann in diesem Kontext nicht so gedeutet werden, dass auf 1000 Seiten Roman mit historischer Anlehnung quantitativ mehr Historie stecken kann, als in einem Dreizeiler eines Historikers. Wenn dies getan wird, dann ist das Argument ausgetauscht, was auch gerne mit dem logischen Fehlschluss des Strohmannes bezeichnet wird: Die rein fiktive Erzählung in seinem Argument auszutauschen durch einen Roman mit historischer Basis ist eine andere Kategorie und nicht sein Argument gewesen.
    In Deinem Beispiel mit der Passion Christi ist die Grundlage des Films (neben anderen Quellen) die Erzählung aus den Evangelien. Die Evangelien sind aber natürlich vor allem Anderen zuerst als ein historischer Tatsachenbericht zu sehen. Damit ist die Passion Christi zu einem hohen Anteil basierend auf einem historischen Tatsachenbericht und nur zu einem kleinen Teil mit Details ausgeschmückt, die nicht in den Evangelien vorkommen. Substituiere ich diese Erkenntnis in Dein Argument ein, dann heißt es: Die Evangelien enthalten (quantitativ) mehr historische Wahrheit als der historische Tatsachenbericht von Flavius. Yup, das sehe ich ganz genau so. Das war aber nicht Zimmers Aussage.

    Gemeint im Kontext bei Zimmer ist, ganz im Sinne der historisch-kritischen Denkweise, dass es nicht wichtig sei, ob die Bibel historisch korrekt liegt oder nicht, da der eigentliche Sinn ja sowieso hinter den geschriebenen Worten verborgen ist. Er möchte mit seinem Beispiel nur die vorher bereits getroffene Behauptung untermauern.

    ——offtopic Ende ——

    Wie gesagt, eine Diskussion auf einer inhaltlichen Ebene wie hier mit Anhängern von Zimmer führen zu können wäre wunderbar. Mir fällt jedoch auf, dass bei Zimmer ein derartiger Personenhype bei seinen Fans ist, dass auch nur der Hauch an kritischer Auseinandersetzung sofort mit dem Fundi-Verdikt belegt wird.

    Das zeigt mir jedoch, dass ein Gespräch mit Leuten immer Geduld von unserer Seite braucht und die Bereitschaft, ein paar Schläge einzustecken.

    Eine schriftliche Debatte wäre wünschenswert, am Beispiel Zimmers halte ich es für unrealistisch. Er entzieht sich der Debatte. Das wundert mich nicht – er ist ein sehr cleverer Kopf, der wohlüberlegt spricht und einzelne Worte sehr genau wählt. Es ist nur meine Mutmaßung aus der Summe der Teile, aber es erscheint mir nahe, dass er genauso wohlüberlegt Fehlschlüsse anwendet, um beim Publikum sein Anliegen durchzubringen, unabhängig der Wahrheit.

    Zimmers Agenda kann für jeden geübten Zuhörer auf vielerlei Art entlarvt werden. Bei ihm muss man ja nicht mal unbedingt im ersten Schritt die theologischen Argumente mühsam einem unkundigen Zuhörer erklären – es geht bei ihm viel schneller, rein formell die vielen Fehlschlüsse unabhängig der theologischen Position aufzuzeigen. Natürlich hat sein Publikum einen postmodernen, subjektiven Wahrheitsbegriff. Diese Unlogik kann man aber natürlich auch nutzen, zu erklären, was Wahrheit ist. Damit sind bei meinen Gesprächen schon einige Leute ins Nachdenken gekommen.

    Ich halte daher auch eine Art Podcast/Webcast für sehr sinnvoll. Zum einen liest seine Zuhörerschaft keine langen schriftlichen Argumente (so wichtig und gut diese natürlich sind, aber die erreichen eine andere Zielgruppe). Zum anderen hat man dabei die Möglichkeit, ihm quasi eine Debatte und Auseinandersetzung aufzuzwingen, der Zuhörer hört/sieht ja auch seine theatralische Gestik. Gleichzeitig kann man den Zuhörer an der Hand nehmen und ihn Schritt für Schritt durch die Fehlschlüsse und theologischen Gedanken leiten und die Wahrheit gegenübersetzen.

  31. Johannes Strehle meint:

    @ Pete und Schandor
    Ich bin fasziniert von der Vielfalt des evangelikalen Mainstreams.
    Eure Beispiele für die Gesetzgebungskreativität sind mir zwar alle geläufig,
    aber von gestern und vorgestern.
    Meine Berührungspunkte mit dem evangelikalen Mainstream
    sind heute „fortschrittlicher“. Ich begegne hauptsächlich
    den Gesetzen des Zeitgeistes im evangelikalen Gewande,
    die ich mit dem alten Fritz zusammenfassen würde:
    Jeder soll nach seiner Façon selig werden.
    So verstehe ich auch Diener,
    den Vorsitzenden der Evangelischen Allianz und Präses des Gnadauer Verbandes.

    Zu Alexanders Vorschlag:
    Zimmer hat sein Bibelverständnis für „Worthaus“ beschrieben.
    Wer Zimmers Bibelverständnis für richtig hält
    (zum Beispiel hohe Verantwortliche
    in Werken der Konferenz Bibeltreuer Ausbildungsstätten),
    nachdem er sich mit der Grundfrage des Bibelverständnisses
    zum Beispiel an Hand der Apologetik Francis Schaeffers gründlich befasst hat,
    der kann Zimmer im Weiteren folgen, ohne immer seiner Meinung sein zu müssen.
    Dazu fordert er ausdrücklich auf.
    Es kann intellektuell interessant und anregend sein,
    wenn ich nach dem Gleichnis Schaeffers auf dem Weg zur Nordsee überlege,
    ob der eine oder andere Altarm des Rheins
    dem Menschen gemäßer ist als die begradigte ausgebaggerte Fahrrinne
    – wenn der richtige Weg über die Rhone zum Mittelmeer führt,
    sind diese Überlegungen nicht Ziel-führend. (Zeit ist ein kostbares Gut.)
    Mit der Wasserscheide müssen wir die Christen apologetisch befassen,
    nicht mit den Krümmungen des Flusslaufes in der falschen Richtung.

  32. Johannes G. meint:

    @Pete

    danke für deine Erläuterungen. Ich will dieses Detail hier nicht überstrapazieren, daher nur noch ein paar kurze Anmerkungen von mir.

    Dabei bezieht er sich auf eine rein fiktive Parabel, in der eine moralische Wahrheit steckt. Diese Tatsache nimmt er dann deduktiv als Ausgangspunkt und leitet davon ab, dass in einer rein fiktiven Erzählung mehr historische Wahrheit stecken könne, als in einem historischen Tatsachenbericht. Er vergleicht hier reine Fiktion mit reinem Tatsachenbericht.

    Vorneweg: Ich habe den Eindruck, dass Zimmer nicht wirklich so wohlüberlegt spricht, wie du es ihm zugestehst. So wie du es beschreibst, hat er eine irreführende Analogie gebraucht bzw. nicht klar zwischen zwei verschiedenen Formen der Wahrheit (moralisch und historisch) unterschieden. Das macht seine Aussagen diesbezüglich aber deshalb nicht zwingend falsch, sondern höchstens seine rhetorische Vorgehensweise moralisch fragwürdig.

    Du schreibst ihm hier jetzt zu, dass er gesagt habe, dass eine „rein“ fiktionale Erzählung mehr historische Wahrheit enthalten kann, als ein historischer Tatsachenbericht (wobei selbst das per Zufall möglich sein kann). Ich sehe jedoch nicht, wie du diese Aussage logisch aus seinen Ausführungen ableiten willst. Das angeführte Zitat gibt diesen Schluss jedenfalls nicht her und ich sehe auch nicht, dass er seine Analogie logisch bzw. deduktiv mit dem ursprünglichen Zitat verknüpft hat (dazu müsste er in etwa folgendes gesagt haben: „Weil ein rein fiktionaler Bericht eine moralische Wahrheit enthalten kann, kann ein rein fiktionaler Bericht auch mehr historische Wahrheit als ein historischer Tatsachenbericht enthalten“). Ich halte Zimmer zwar wohl für deutlich weniger clever als viele andere, aber ich denke nicht, dass er tatsächlich eine solch unsinnige und mehrfach falsche Schlussfolgerung vertreten würde. Da würde ich ihm im Zweifelsfall einfach einen unbedachten Fehler oder Versprecher zuschreiben (das meine ich übrigens u.a. auch mit einer „wohlwollenden“ Auslegung der Aussagen Andersdenkender).

    Liebe Grüße
    Jo

  33. Johannes Strehle meint:

    „Wer das erste Knopfloch verfehlt,
    kommt mit dem Zuknöpfen nicht zu Rande.“
    Johann Wolfgang von Goethe
    Es ist dann nicht sinnvoll,
    sich mit allen Knöpfen und Knopflöchern auseinanderzusetzen.

  34. @Matze

    Vielen Dank. In weiten Teilen kann ich Dir zustimmen – mit Ausnahme vielleicht vom dritt- und vorletzten Anstrich. Da glaube ich nicht, dass es explizit in einen unverzichtbaren Teil des Bekenntnisses hineingehört.

  35. @Pete

    Wie würdest Du die Antithesen zu Deinen Punkten 1+2 und in der Folge dann auch zu 3 formulieren?

  36. Johannes Strehle meint:

    @ Pete und Schandor
    Was mich sehr interessiert:
    Wer stellt denn diese Gesetze in der jeweiligen Gemeinde auf?
    Der Pastor?

  37. Mich bewegt zu Worthaus mal eine grundsätzliche Frage. Bisher kannte ich Worthaus/Prof. Zimmer nicht. Durch diesen Beitrag wurde ich angestoßen, mich einmal damit zu beschäftigen und habe mir auch einige Vorträge Zimmers angehört. Es hat mich sehr irritiert und geärgert, welche Alternativen Zimmer darin aufmacht, auch und gerade in seiner Auseinandersetzung mit dem sog. christlichen Fundamentalismus – Alternativen, die allermeist ins Nichts oder ins spekulative Abseits führen. Noch mehr habe ich mich darüber gewundert, von wem Worthaus oftmals geradezu begeistert empfohlen wird. Viele bekannte Namen sind da zu finden und auch so manche Gemeinden aus dem evangelikalen Umfeld, das ich kenne.

    Ich frage mich nun: in welches Defizit stößt Worthaus/Zimmer so erfolgreich mit dieser Herangehensweise an die biblischen Texte? Müssen sich die konservativen christlichen Kreise fragen lassen, ob sie dafür selbst einen Boden bereitet haben? Hart, ausgetrocknet und nach jeder Art von Erfrischung lechzend? Durch Unbeweglichkeit, Orthodoxie und eine Engführung im Verständnis von Bibeltreue, die sich nahezu nur noch durch Abgrenzung definiert?

    Man kann natürlich sagen: „sie suchen sich Lehrer, nach denen ihnen die Ohren jucken“, aber oft stoßen solche Bewegungen doch in vorhandene Defizite.

  38. rolf eicken meint:

    @Christ
    Was Sie im vorletzten Absatz schreiben, (24.8. 16.22) ist mir beim Lesen vieler Kommentare in diesem Blog schon 100-mal dr. den Kopf geschossen. Ich denke, Sie sind da ganz dicht an der evangelikalen Wirklichkeit.
    FG
    Rolf

  39. @Christ:
    das ist aus meiner Sicht auch genau das Problem und kann da Rolf Eicken nur beipflichten:
    Vor fast 40 Jahren wurden wir auf die Pfingstbewegung aufmerksam gemacht. Und es wurde davor gewarnt was nur ging. An was ich mich nicht erinnern kann ist, dass die Mahner glaubhaft eine reformatorisch/biblische Alternative dagegengestellt haben.
    Wir wollten ja Jesus ernsthaft nachfolgen, wir wollten mehr von ihm. Dort schien es mehr zu geben. Dass wir aber schon alles hatten, wurde uns aber nicht klar, deutlich und glaubhaft nahegebracht.
    Nun sind wir beim Heute. Meine Theologie hat sich geändert und bin meinem himmlischen Vater von Herzen dankbar, doch nur wo ist meine geistliche Heimat?
    Bieten die mir bekannten Gemeinden wirklich eine Alternative ? Wahrscheinlich gehöre ich zu den heimatlosen Christen wie ein Redner bei einer Konferenz des Maleachi Kreises im Frühjahr sagte.
    Wie bereits angedeutet sehe ich auf bibeltreuer/reformatorischer Seite wie @Christ viele Defizite. Es wird sich um Vor- und Nachentrückung, Frauenordination, Lobpreis mit Schlagzeug ja oder nein, Kleiderfragen, Länge der Schöpfungstage u.s.w nach allen Regeln der Kunst gestritten.
    Diese Fragen mögen richtig und wichtig sein sind aber nicht PRIO A.

    Für mich stellt einfach die Frage nach unserer Prioritätensetzung. Wir werden genügend Themen zum theologischen Diskurs finden, von noch viel mehr Ungeheuerlichkeiten hören, die in der christlichen Welt passieren und uns richtigerweise damit beschäftigen
    Doch was tun wir dafür, dass wir geistlich zusammenstehen und dadurch dazu beitragen dass (Namens-)Christen und Nichtchristen die befreiende und frohmachende Botschaft erfahren? Ist das aktuelle Geschehen nicht Mahnung genug?

  40. @ Matze

    Ja, genau das scheint mir das eigentliche Problem zu sein: wir wissen nicht, was wir haben (oder sind uns dessen nicht bewusst). Vielleicht stößt Worthaus/Zimmer durch seine ausschließliche Fixierung auf die Liebe Gottes genau deshalb in solch ein Vakuum. Dass Zimmer dabei vieles unter den Tisch fallen lässt, indem er nach eigener Aussage Jesus (wie er ihn verstehen will) über die Bibel stellt, fällt dann kaum auf. Aber dies fällt gerade dort auf fruchtbaren Boden, wo sich im Kampf gegen alles und nichts (Beispiele hast Du angeführt und ließen sich erweitern) ein Substanzverlust an Hoffnung und Angenommensein einstellt. Denn immer nur auf die Defizite bei Anderen hinweisen müssen, führt auf der einen Seite zu Ermüdung und Rechthaberei, auf der anderen aber auch zur Unwahrhaftigkeit sich selbst gegenüber.

    Herzliche Grüße

  41. Johannes Strehle meint:

    @ Christ, rolf eicken, Matze
    Selbstverständlich stoßen die Pfingstler, Charismatiker, Zimmer und viele andere
    in das große Loch
    der orthodoxen und der traditionell-konservativen Evangelikalen.
    Das große Loch ist die (nicht existente) Liebe Gottes.
    Die orthodoxen und die traditionell-konservativen Evangelikalen
    behaupten selbstverständlich
    (genauso wie die Pfingstler, Charismatiker, Zimmer usw.),
    dass sie Gott lieben und die Liebe Gottes praktizieren.
    Aber die Bibel fegt diese Behauptungen im ersten Brief des Johannes beiseite:
    Wer behauptet, Gott zu lieben, liebt aber seinen Bruder nicht,
    der lügt, d. h. der täuscht sich und andere.
    Ich kenne selbstverständlich die Antworten
    der orthodoxen und der traditionell-konservativen Evangelikalen:
    Gerade ihr Verhalten, behaupten sie, sei Ausdruck der Liebe zum Bruder.
    Und das pflegen sie sehr fromm zu begründen.
    Doch diese Behauptungen fegt Jesus im neuen Liebesgebot beiseite:
    Daran werden ALLE, d. h. vor allem die Nicht-Christen, ERKENNEN,
    dass ihr meine Schüler seid, dass ihr Liebe untereinander praktiziert.
    Der Umgang der orthodoxen und der traditionell-konservativen Evangelikalen
    untereinander wirkt auf Nicht-Christen mittelfristig
    ungefähr so attraktiv wie eine Vogelscheuche.
    Die Außenwirkung ist das einzige zuverlässige Kennzeichen der Liebe.
    Die Liebesbehauptungen
    der orthodoxen und der traditionell-konservativen Evangelikalen sind Lügen.
    Darauf reagieren die Pfingstler, Charismatiker, Zimmer usw.
    mit ihrer Pseudoliebe, die immerhin attraktiver ist als die Liebeslüge
    der orthodoxen und der traditionell-konservativen Evangelikalen.
    Jesus sagt den Orthodoxen seiner Zeit: Euer Vater ist der Vater der Lüge.

  42. @Pete
    meine Mail müsste glaub ich in meinem Profil hier sien, ansonsten gerne über unsere Homepage und den „Zurücklärmen“ Tab. Bin gespannt!
    @Ron
    Vielen Dank für Dein Feedback. Absolut, christ und Dr. White machen das als ihren Hauptberuf. aber wenn wir zum Beispiel an der Häufigkeitsschraube drehen lässt sich sicher mind. eine monatliche Episode machen. Mehrere Pastoren in der LCMS machen Podcasts auch nebenberuflich. Wir sagen bescheid, wenn’s soweit ist.
    @ Theophil Isegrim
    Danke für Deine Empfehlung unserer HP! Hoffe, Du findest einiges was erbaulich ist. Und speziell zu dem Schlangenvortrag: Du hast Deinen Finger auf der Wunde: die biblische Erklärung für das Böse wird von Z. aufgelöst nur um mit nichts ersetzt zu werden. Soweit ich verstehe sieht er in der Schlange, wie Du richtig sagts, einen Aspekt des Menschlichen Ich und das ganze als inneren Monolog. Aber hier braucht man nicht mal theologisch zu argumentieren. Rein literaturtheoretische Fragen reichen schon aus: Welche innertextlichen Argumentationen gibt es dafür, dass eine Auslegung auf einen inneren Monolog hin jemals vom Verfasser intendiert war? Welcher andere Schöpfungsmythos (literarisch gesprochen) zeigt ein symbolisches Selbstverständnis? Das Ganze ist an sch schon rein textkritisch unhaltbar! Es kann – wie Zimmer beweist – hineingelesen werden. Doch ein Anspruch, das dies die intensionsnahste Auslegung ist (und da müssen wir noch nicht mal von Gott selbst als dem Autr reden) ist rein pragmatisch absurd. Da kann man nur F.F. Bruce in Bezug auf einen anderen Autoren zitieren: „Take the story of the changing of the water into wine in John ii, a story in many ways unique among the miracle stories of the Gospels. It is possible to treat it as one writer does, who suggests that the water remained water all the time, but that Jesus had it served up as wine in a spirit of good-humoured playfulness, while the master of the ceremonies, entering into the spirit of the harmless practical joke, says: ‚Of course, the best wine! Adam’s wine! But why have you kept the best till now?‘ -but to do so betrays an almost incredible capacity for missing the whole point and context of the story, while it is ludicrous to link such an account with the following words: ‚This beginning of signs did Jesus in Cana of Galilee, and manifested his glory‘ (verse l 1), to say nothing of its irrelevance for the purpose of the fourth gospel: ‚These things are written that you may believe that Jesus is the Messiah, the Son of God‘ (Jn. xx. 31). Such a reconstruction is not even worthy to be dignified with the name of rationalization.
    Da kann man nicht mal mehr von Rationalisierung sprechen!

  43. @Alexander: Wundebar! Seid mutig!

    Liebe Grüße, Ron

  44. @Johannes Strehle

    Jesus sagt den Orthodoxen seiner Zeit: Euer Vater ist der Vater der Lüge.

    Sorry, aber viele Schriftgelehrte zur Zeit Jesu waren gerade nicht orthodox. Wenn irgendetwas falsch war bei ihnen, dann ihre Theologie. Daraus folgten auch ihre falschen/bösen Werke. Allein, dass sie mehrheitlich Jesus als den verheißenden Messias ablehnten, zeigt deutlich, wie falsch/verdorben/böse ihre Theologie/ihr Denken war.

  45. @Johannes G.

    Danke Dir Johannes für Deine Gedanken.
    Du hast natürlich völlig recht, dass im Zweifel für den Angeklagten gelten sollte, das ist ja auch Teil des Respektes. Sein Zitat ist natürlich im Kontext seines anderen Gesagten zu sehen, daher komme ich zu dem Schluss.
    Was mein Rückschluss zu Zimmers Cleverness angeht, so komme ich auch erst nach wiederholtem aufmerksamsten Hören von vier seiner Vorträge zu dem Schluss. Falls Du Zeit hast, ist der zweite Teil des Hossatalks, bei welchem er seinen Werdegang erläutert auch in dieser Hinsicht sehr aufschlussreich: Wenn die Moderatoren ihm ein Etikett verpassen wollen, dann findet er sehr viele detailreiche Worte um sich ganz genau zu positionieren. Auch z.B. bei seinem Genesisvortrag wählt er von Anfang an bestimmte Worte wie „Erzählgemeinschaft“ etc. die er oft wiederholt, bevor er es irgendwann mal erklärt. Diese Methode macht er fast ständig. Was ihn manchmal etwas dahingeschnoddert erscheinen läßt ist natürlich seine großväterliche, schwäbische Art und manche Kraftausdrücke. Das glaube ich aber inzwischen ist im Gesamtpaket nur Teil der Rolle, die er als Unterhalter und Vortragender abgibt.

    @Johannes Strehle
    zur Frage, wer die Gesetze aufstellt: Das ist sicher eine umfassende Sache, meiner Erfahrung nach ist das ganze System eben so strukturiert, dass häufig das Sehnen des Fleisches, doch etwas zur Erlösung beitragen zu können, fromm verpackt befriedigt wird. Da gibt es gut gemeinte Ratschläge, wie ich z.B. ein besseres Leben führen kann. Wenn ich das aber eben nicht in das Gesamtpaket einpacke (wen Gott gerecht macht, den heiligt er auch) dann bin ich als Prediger gutgemeint auf einem ganz schmalen Grad zur Werksgerechtigkeit. Wenn man dann gleichzeitig im Gottesdienst noch Besucher ansprechen möchte, wird es schwierig: Wie soll den ein Ungläubiger ein geheiligtes Leben führen können, ohne von Gott regeneriert zu sein? Da muss ich als Prediger dann den Spagat machen, und Lebenstips für Gläubige und Ungläubige geben.
    Und natürlich sind in der ganzen Suppe dann auch Bücher von Wohlstandspredigern wie Joyce Meyer/Osteen u.ä.
    Auch Zehntenpredigten sind sehr beliebt, da wird dann Malachi auf uns bezogen und der Gläubige wieder unters Gesetz gestellt.
    Die Liste läßt sich lange fortsetzen…

    @Alexander
    Danke Dir, bin gerade in den Urlaub gefahren, Internet nur übers Handy 😀 Ich melde mich, sobald ich aus dem wieder da bin, in 2 Wochen.

    @Christ
    Antithesen muss ich im Moment schuldig bleiben, der Urlaub, ich bitte um Verständnis.

  46. Hallo, ich habe heute erst die Diskussion auf dieser Seite entdeckt. Da es immer wieder auch um die Konferenz Bibeltreuer Ausbildungsstätten geht (KBA), deren Vorsitzender ich bin, möchte ich ein paar Hinweise geben, die helfen, ein paar Fragen zu klären.
    Das Schriftverständnis der KBA ist im ersten Satz des Glaubensbekenntnisses auf der Website der KBA ausgesprochen (http://bibelschulen.de/index.php?id=11): Wir glauben und bekennen 1.die göttliche Inspiration und die Unfehlbarkeit der ganzen Heiligen Schrift. Dieses Bekenntnis ist intern durch ein Memorandum spezifiziert und sieht zwei Zugangswege, die im Sinne dieses Bekenntnisses möglich sind: 1. Die Chicago-Erklärung und 2. Die Hermeneutik der Demut in der Definition durch Hempelmann.
    Die KBA ist tatsächlich ein Netzwerk und kein Dachverband der bibeltreuen Ausbildungsstätten. Sie kann Bedingungen formulieren, unter denen eine Ausbildungsstätte der KBA beitreten kann und sie kann zur Not eine solche auch wieder ausschließen. Ansonsten hat sie aber keine Befugnisse, in die Angelegenheiten der Ausbildungsstätten hinein zu redigieren. Ihre Hauptaufgabe ist die Vernetzung und die Auseinandersetzung mit relevanten Themen einmal jährlich bei der KBA-Konferenz. Die wird übrigens dieses Jahr (17.-19.11.2016) in Brake stattfinden und sich mit der Theologie von Professor Zimmer auseinandersetzen.
    Vielleicht helfen diese wenigen Informationen schon mal zur Klärung einiger der hier angesprochenen Fragen.

  47. Johannes Strehle meint:

    @ Alexander
    Ich wünsche euch viel Spaß und, dass Eure Arbeit für viele nützlich ist,
    insbesondere dass viele Zimmer-Anhänger
    zur Einsicht, zum Umdenken und zu Konsequenzen kommen.
    Über Erfolgsmeldungen würde ich mich freuen,
    insbesondere über Erfolge bei den Multiplikatoren,
    insbesondere bei „den hohen Verantwortlichen
    in Werken der Konferenz Bibeltreuer Ausbildungsstätten“,
    die „Worthaus“ ganz toll finden, empfehlen und verlinken.“
    Ich befürchte, dass diese auf dem von Euch geplanten Weg nicht ansprechbar sind.
    Sodann wünsche ich Euch große Erfolge bei den Schafen/Laien,
    die hinter Zimmer herlaufen.
    Ich befürchte, dass diese sich nicht auf Argumentationen wie die
    zu dem „Schlangenvortrag“ einlassen werden, und seien sie noch so überzeugend.
    Nach dem Hinweis auf
    Schaeffers Gleichnis der Wasserscheide und Goethes Gleichnis der Knopfleiste
    noch ein Gleichnis:
    Es geht darum, die Bewohner eines Hauses zu warnen,
    das einstürzen wird, weil das Fundament nicht tragfähig ist.
    Es kann im Einzelfall sinnvoll sein,
    den Bewohnern Risse in den Obergeschossen zu zeigen.
    Wenn ich sie dann aber nicht umgehend über die Ursache aufkläre
    (das nicht tragfähige Fundament), werde ich meiner Verantwortung nicht gerecht.
    Ich hoffe, dass Ihr zusammenstellt und dazu Stellung nehmt,
    was Zimmer über sein Bibelverständnis sagt.
    Das ist in erster Linie wichtig für unsere Auseinandersetzungen. Zum Beispiel:
    „Die Bibel hat starke Passagen, und sie hat schwache Passagen.
    Es gibt in der Bibel auch fremde Dinge,
    die für uns auch unwichtig inzwischen sind.
    Es gibt auch sehr problematische Dinge.
    Also es hat keinen Sinn, sich da etwas vorzumachen.
    Man muss die besten Aspekte der Bibel herausziehen,
    also ihre stärksten Seiten nutzen, und die hat sie.
    Und man darf nicht blind alles glauben.“
    Wichtig ist,
    dass uns Nebenkriegsschauplätze nicht vom Kampf an der Hauptfront abhalten.
    Die Hauptfront kam in dieser Debatte ins Visier:
    Erstens: Welches große Defizit der konservativen Christen und Gemeinden
    führt zu dem Zulauf für Zimmer und andere?
    Zweitens: Was hindert die verantwortlichen konservativen Christen daran,
    ihrer Verantwortung im Kampf mit den Relativierern und Subjektivierern
    gerecht zu werden, nämlich für das Heilsnotwendige gemeinsam zu streiten
    (und es nicht bei Statements zu belassen)
    und die sekundären und tertiären Fragen in diesem Kampf beiseite zu lassen?
    Es ist erfreulich,
    dass Ulrich Neuenhausen sich zu Wort gemeldet hat und
    dass die diesjährige KBA-Konferenz
    sich mit der Theologie von Professor Zimmer auseinandersetzt.
    Alexander, wer von den am Zimmer-Projekt Beteiligten
    besucht die Konferenz und berichtet für TheoBlog?

  48. Am Schluss meines heutigen Blogposts habe ich versucht, das hier weiter oben angesprochene Vakuum auszuloten, das S. Zimmer vermeintlich füllen kann. Vielleicht für manche von Interesse. http://jonaserne.blogspot.com/2016/09/selbstgezimmerte-bibelwissenschaft.html

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