Wer war Gandhi?

Und schon ist die Debatte um die neue Gandhi-Biographie in Deutschland angekommen. War Mahatma Gandhi bisexuell? Liebte er einen deutschen Bodybuilder? Und war er gar ein Rassist? Die neue Biografie von Joseph Lelyveld versetzt ganz Indien in Aufregung – ein Bundesstaat hat das Buch sogar bereits verboten.

Lelyvelds Buch »Great Soul. Mahatma Gandhi and His Struggle with India« hätte außerhalb von Fachkreisen kaum Aufsehen erregt, wären amerikanische und britische Kritiker nicht auf ein paar Details gestoßen, die sie so zuspitzen: Mahatma Gandhi war demnach bisexuell und hatte in Südafrika ein Verhältnis mit dem deutschen Architekten und Bodybuilder Hermann Kallenbach. Außerdem, so die Schlussfolgerung der britischen »Daily Mail«, war Gandhi ein Rassist. Das »Wall Street Journal« urteilt, Gandhi sei ein »sexuell verrückter Typ, politisch inkompetent und ein fanatischer Liebhaber« gewesen, einer, »der absolut grausam zu den Menschen in seinem Umfeld war«.

In Indien werden solche Behauptungen auch mehr als sechs Jahrzehnte nach der Ermordung Gandhis als geradezu blasphemisch angesehen. Gandhi gilt als »Vater der Nation«, er war der Anführer der indischen Unabhängigkeitsbewegung, die das Land 1947 von der britischen Kolonialherrschaft befreite. Und war er nicht mit 13 Jahren mit der gleichaltrigen Kasturbai verheiratet worden, hatte er nicht fünf Kinder mit ihr gezeugt, setzte er sich nicht für die Gleichheit der Menschen ein? Dass dieser Nationalheilige bisexuell und rassistisch gewesen sein soll, will vielen Indern nicht in den Kopf.

Hier der Artikel Hasnain Kazim aus Islamabad: www.spiegel.de.

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