Würde Jesus sich der Occupy-Bewegung anschließen?

Einige Fromme haben nichts anderes zu tun, als darüber zu diskutieren, ob Jesus sich den Protesten der Occupy-Bewegung anschließen würde. Natürlich gibt es auch schon christliche Trittbrettfahrer. Eine baptistische Gemeinde in Charlotte (USA) wirbt mit dem Wahlspruch „Occupy Church“ (Besetzt die Kirche).

Da fällt mir doch glatt der Occupy-Spruch des postmodernen Pop-Philosophen Slavoj Žižek ein (siehe hier):

Ah, dieser Hippie-Scheiß! Ist so öde. Lass uns lieber was essen gehen.

Mehr hier: www.idea.de.

Kommentare

  1. „Würde Jesus sich der Occupy-Bewegung anschließen?“

    Nein, warum auch? Der aus Kapitalismus generierte Reichtum ist doch ein Zeichen der Erwählung… 😉

  2. Roderich meint:

    Die Occupy Bewegung ist von linken Nostalgikern ins Leben gerufen worden, die die jetzige Unzufriedenheit mit „dem Kapitalismus“ so kanalisieren wollen, dass es eine Bewegung wird mit Momentum, um Leute wieder mehr nach links zu ziehen. (Das ist ja ungeachtet der Frage, ob sie in manchem recht haben).

    Jesus wuerde solche Strategien durchschauen und die Occupy-Leute daran erinnern, dass das Problem im Herzen liegt, nicht in den Strukturen. Auch die meisten, die dort demonstrieren, wuerden, wenn sie koennten, mit Aktien Geld verdienen.

  3. Roderich meint:

    Interessant noch zum Thema Rechtsextremismus und Heuchelei der Medien: gerade wollte ein Linksextremist Herrn Ackermann ermorden, und die Journalisten fragen nicht: „Wie gefährlich ist denn dieses linke Netzwerk“, sondern „welche Beweggründe könnte dieser Mörder bzw diese Gruppe gehabt haben?“. Ja, die Medien wecken fast schon wieder Verständnis für den Versuch des Mordes, denn überall hört man, Ackermann symbolisiere ja schliesslich den zügellosen Kapitalismus.

    Etwa vergleichbar wäre es gewesen, bei den Doener- Morden danach zu fragen, ob die Mörder denn nicht zurecht besorgt gewesen sein können, dass es hier zu viele Ausländer gibt.

  4. Da werden einseitig die Banken und Kapitalgeber für die Wirtschaftskrise und die Ungleichheit verantwortlich gemacht und gleichzeitig ist man für die Abschaffung der Studiengebühren, für die Einführung von schuldenfinanzierten Kindertagesstätten oder von Gemeinschaftsschulen …

    Wir haben die Schuldenkrise verdient! Die Politik hat über Jahrzehnte dieses böse Spiel mitgespielt und ist durch die Verschuldung in immer größere Abhängigkeiten hineingeraten. Gleichzeitig sind eben nicht nur die Politiker schuld. Das Volk wollte betrogen werden. Gewählt wurde, wer das Blaue vom Himmel hertunter versprochen hat.

    Liebe Grüße, Ron

  5. @Ron: Ich sehe das ganz ähnlich. Zum einen tragen ganz klar die Banken mit ihren spekulativen Geschäften Schuld, auf der anderen Seite ist es die massive Schuldenmacherei der Staaten, die durch große Teile der Bevölkerung unterstützt wurde.

    Mit dem Wissen, das Jesus in diese Welt kam um Sünder vor dem Zorn des Vaters zu eretten und nicht, um irgendein Wirtschaftssystem zu installieren, ist diese (nebensächliche) Frage aber noch nicht beantwortet: War Jesus denn nun eher Kapitalist oder Sozialist/Sozialdemokrat?

  6. @Theo: Nun, mit dieser Frage machst Du natürlich ein großes Fass auf und erfahrungsgemäß lassen sich solche Fässer auf einem Blog nicht ausschöpfen. Also kurz: weder noch. 😉

    Liebe Grüße, Ron

  7. Roderich meint:

    @Theo: Jesus betonte die Wichtigkeit von treuer Verwaltung bzw Haushalterschaft (=Management), und von Barmherzigkeit. Im Sozialismus gibt es kein Privateigentum, also ist Verwalterschaft nicht möglich, und die Barmherzigkeit wird dort zu 100% institutionalisiert, ist also keine mehr (wenn der Staat Dir Geld wegnimmt und es einem Bettler stiehlt, warst Du noch nicht barmherzig). Während ‚Leuten helfen‘ gut und biblisch ist, so ist ‚Zwangsenteignung‘ nicht der biblische Weg dahin.
    (Unsere sozialistischen Freunde haben zwar (im Bestfall) gute Absichten, gehen aber – treu ihrem Idol Karl Marx – sehr materialistisch an die Sache ran.
    Die Frage ist natürlich: was tun, wenn die Leute den Armen nicht freiwillig helfen? Muss der Staat da nicht nachhelfen? Das kann man so sehen, daher hatten die Gründerväter unserer Wirtschaftsordnung auch den Begriff ‚Soziale Marktwirtschaft‘ entworfen, vereinfacht gesagt: 90% Markt, und 10% sozialer Ausgleich. Dank Norbert Bluem und anderen ist die Staatsquote bzw der Anteil fuer Soziale Sicherung mittlerweile massiv angewachsen. Man muss nur mal googlen nach Sozialausgaben Bundeshauhalt. Laut http://www.rolf-schwanitz.de/haushalt.html sind die Ausgaben nur für soziale Sicherung inzwischen bei 49% des Gesamthauhalts – welch ein Wahnsinn!
    Das System ‚Soziale Marktwirtschaft‘ hat den Nachteil, das die Sozialsausgaben tendenziell immer steigen werden, auch weil die Politiker gerne Wahlgeschenke machen und die Waehler zwar ‚Sparen‘ des Staates gut finden, nur nicht für die Bereiche, wo diese Wähler selbst betroffen sind…

    Im Kapitalismus ist also prinzipiell christliches Wirtschaften und Barmherzigkeit möglich, im Sozialismus nicht. Ohne christliche Werte in der Bevoelkerung ist aber auch der Kapitalismus wenig wert.
    Ich empfehle das Buch ‚Economics. Von Wirtschaft und Misswirtschaft‘ von Henry Hazlitt, und ‚Prosperity and Poverty. The compassionate use of Resources in a World of scarcity‘ von E. Calvin Beisner.

    Für das Verständnis der Ursachen der Finanzkrise sollte man ‚Kasinokapitalismus‘ von Hans Werner Sinn lesen. Sehr gut und klar erklärt, mit Schaubildern etc. Ist auch schon ins Englische übersetzt worden und wird oft als das beste Buch dazu bezeichnet.

    Für die Frage nach einem alternativen (christlichen) System der Armenhilfe, siehe das Buch „The Tragedy of American Compassion“ von Marvin Olasky.

  8. @ Roderich: Ein interessanter Beitrag von Dir, aber ich habe Mühe damit, dass Du mit Schlagworten operierst. Was heisst schon „Kapitalismus“, „Sozialismus“ und „wenn der Staat Dir Geld wegnimmt“? Die ersten zwei bezeichnen zwei gedankliche Systeme, welche ja nach Vertreter anders aussahen und in der Realität niemals in Reinform auftraten; auch die „sozialistischen Länder“ des Ostblocks waren eben nicht sozialistisch, sondern „nur“ realsozialistisch. Und wozu der Realsozialismus führt, weiss ich als jemand, der mehrere Jahre in einem ehemals realsozialistischen Land gelebt hat. Nichts lustigem. Natürlich ist das auch ein Zeugnis dafür, dass sich der theoretische Kommunismus, wenn er auch eine Teilwahrheit über den Menschen erkannt hatte, niemals umsetzen lässt. Sein Ziel kann er nie erreichen, weil sein Menschenbild nicht der Wahrheit entspricht. Aber von dem reinen, undemokratischen Kommunismus spricht ja auch heute niemand mehr.
    Aber entspricht der reine Kapitalismus dem wahren Menschen? Vielleicht entspricht er mit seinem Gesetz des Stärkeren dem wirklichen, sündigen Menschen tatsächlich mehr als der Kommunismus; aber entspricht er dem wahren Menschen, so wie Gott ihn möchte?
    Vielleicht sagst Du jetzt: Ja, aber wir leben in einer gefallenen Welt und der Mensch ist eben nicht so, wie Gott ihn möchte; wir müssen realistisch sein. Bewegen wir uns dann nicht in einem unerträglichen Dualismus? Nach dem Motto: Sechs Tage denke und handle ich weltlich, und am siebten Tag lebe ich für das Reich Gottes? Natürlich ist das Reich Gottes nicht von dieser Erde, aber Du, als Kind Gottes, bist ja auch ein Teil dieses irdischen Gemeinwesens.
    Wenn Du als Christ die Möglichkeit hättest, politisch mitzubestimmen, würdest Du Deine Entscheide auf dem Menschenbild des homo oeconomicus abstützen und das Evangelium nur für die private Sphäre Deiner Mitbürger reservieren? Aber warum denn diese Zweiteilung?
    Das Evangelium ist doch immer ein Segen für alle Menschen, wenn es sich auswirken darf.
    Anstatt mit Schlagworten zu operieren stellen wir uns lieber die Gewissensfrage:
    Soll der Staat, verstanden als demokratisch legitimierte Agentur unseres Gemeinwohls, den Schwachen und unter die Räder Gekommenen, meinem Nächsten, helfen?
    Soll er nicht helfen? Weil der Staat mir dann das Geld wegnimmt?
    Das ist doch die Frage, und die hat mit dem wahrscheinlich kurzlebigen Phänomen „Occupy“ wenig zu tun.
    Ich wage jetzt einmal eine These: Vom biblischen Standpunkt her gesehen ist Privatbesitz nichts absolutes, so wie für uns moderne Christen. Aller Besitz ist von Gott (nicht vom Staat) geliehener Besitz. Privater Besitz und auch Wohlstand ist zwar an sich gut, aber für den Christen wächst mit dem Besitz die Verantwortung gegenüber der Gemeinschaft. Es ist also gerecht, wenn Bürger mit viel Geld der Gemeinschaft viel geben. Wenn Du aber davon sprichst, dass „der Staat dir Geld wegnimmt“ rennst Du einerseits offene Türen ein – niemand verlangt heute den Zwangskommunismus, oder hälst Du etwa unsere Steuern für illegitim? – und lenkst gleichzeitig ab von der Gerechtigkeitsfrage, welche auch in unserer Zeit nicht einfach erledigt ist.

  9. ist den die occupy-bewegung überhaupt eine „linke“ bewegung? sie scheint mir eher ein sammelbecken unzufriedener menschen verschiedener (auch politischer) hintergründe zu sein. das erklärt auch die diffuse anti-mentalität. ein gemeinsames „pro“ zu finden, dürfte schwierig werden.

    wenn allerdings gruppen, wie „occupy“ von „wir alle“ gegen die ominösen „da oben“ reden, wird mir ehrlich gesagt angst und bange. „wir sind die gute Mehrheit“ (99%) und die „1%“ bösen gehören mindestens vertrieben, wenn nicht gar schlimmeres, sollte man kritisch werden und bleiben. bewegungen, occupy – behauptet von sich die große mehrheit zu sein, aber eigentlich sind es nur ein paar wenige.

  10. auf zwei spannende artikel möchte ich hier noch verweisen:
    occupy und antisemitische strukturen: http://jungle-world.com/artikel/2011/48/44440.html
    occupy im bible belt: http://jungle-world.com/artikel/2011/49/44467.html

  11. @markus: Danke für die Links. Der Artikel von jungle world ist ja wirklich beängstigend:

    Der Antisemitismus der »Occupy«-Bewegung ist keine Randerscheinung, sondern ihr fest eingeschrieben – sowohl ihren Aktionen wie ihren Denkweisen.

    Liebe Grüße, Ron

  12. Roderich meint:

    @Lukas, das mit den Schlagworten: ich hatte ja auf die Frage von Theo versucht zu antworten (war Jesus Kapitalist oder Sozialist/Sozialdemokrat).
    Natürlich müsste man diese Begriffe definieren. Das Wort „Kapitalist“ ist ja auch einseitig, da ja auch der Kapitalist die anderen Produktions-Faktoren (Boden, Arbeit, heute auch Information bzw Wissen) genauso ernst nimmt. Man müsste Kapitalisten also am besten „ArbeitBodenKapitalWissenIsten“ nennen. Ist nur nicht so griffig…
    Meine Antwort ist also so: Jesus war mit Sicherheit kein Sozialdemokrat oder Sozialist, aber damit ist die Gerechtigkeitsfrage in der Tat noch nicht gelöst.
    Das Grundübel ist aber nicht das System, sondern das Herz des Menschen. Selbst wenn es das ideale Wirtschaftssystem gäbe: Das beste Wirtschaftssystem der Welt kann keinen Betrug, Korruption, etc. verhindern. Die Korruption im Herzen der Politiker würde das beste System der Welt in 3 Jahren wieder abschaffen oder verfälschen.
    Im Idealfall wären alle Menschen ehrlich, barmherzig, etc – sind sie bzw wir aber nicht. (Selbst wenn alle Menschen Christen wären, so brauchen wir auch dann Gewaltenteilung, denn selbst ein Christ kann leicht durch Macht korrumpiert werden. Wenn Du in einer christlichen Schule mit super-wiedergeborenen Christen, alle voll vom Heiligen Geist, jedem Schüler stets die selbe Note wie den anderen geben würdest, würde der Anreiz wegfallen sich anzustrengen, das heisst die Gesamtleistung wuerde stark abfallen.

    Lukas, wenn man Deinen Ansatz zu Ende denken würde, bräuchte man auch keine Polizei. Probier das mal, dann bricht schnell Chaos aus. Nein, wir müssen die Realität der Gefallenheit der Menschen in die Überlegung nach dem besten Wirtschaftssystem schon mit einbeziehen.
    Dann müsste man auch die Krankenhäuser abschaffen, denn ursprünglich wollte Gott ja keine Krankheiten, die kamen erst nach dem Sündenfall.

    Wie soll z.B. den Armen geholfen werden? Im Idealfall durch die Kirche. Konkret nach dem strengen Subsidiaritaetsprinzip: erst die Familie, dann die Kirche, dann die lokale Gemeinde, dann das Bundesland, dann die nationale Regierung.
    Siehe auch den sehr guten Vortrag von Abraham Kuyper über Armut, in dem er sagt: wenn der Staat hilft, dann soll staatliche Hilfe sich aber auf ein Minimum beschränken.

    Das ganze ist aber ein sehr weites Feld 🙂 und in einem Blog nicht gut erschöpfend zu behandeln.

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  1. […] „Occupy“-Bewegung läßt grüßen. Lieber BFP, ist das Dein „neues“, von der Bundesleitung abgesegnetes […]

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