Was haben Slavoj Žižek und Lady Gaga gemein?

Moritz von Uslar hat den Pop-Philosophen Slavoj Žižek getroffen:

Einige Basisdaten: Žižek, 1949 im slowenischen Ljubljana geboren, wohnhaft in der slowenischen Hauptstadt, in London, New York und den Flughafen-Lounges dieser Welt. Sein Beruf: Philosoph, Psychoanalytiker, Kulturkritiker. Dieser Žižek, so sagt man, verbinde Jacques Laxans Psychoanalyse mit Marx’und Hegels Geschichtsphilosophie. Der Filmfan Žižek liebt es, bei seinen theoretischen Exkursen mit Bezügen aus der Popkultur zu spielen: So findet Indiana Jones zu Karl Marx, Kung Fu Panda zu Jacques Lacan und Star-Wars-Lego zu Judith Butler: unterhaltsame Sache. Die Theorie, so sagt man weiter, habe Žižek aus dem Elfenbeinturm der Universitäten geholt. Neben dem Italiener Antonio Negrid und dem Franzosen Alain Badiou gilt er als wichtigster Denker einer neuen Linken und platterdings als bekanntester und einflussreichster Philosoph Europas.

Vorm Vielsprecher Slavoj Žižek wird gewarnt: Er rede alle in Grund und Boden – schlimmer noch, er spucke beim Reden. Diesem Žižek brauche niemand Fragen zu stellen, er beantworte trotzdem alle Fragen. Wir wollen dem Sprechautomaten Žižek bei seinem Besuch in Frankfurt einmal anders begegnen – ein Experiment: Was erfährt der, der dem Philosophen, der ein Pop-Phänomen ist, drei Tage lang nur zuschaut? Was versteht der, der das Pop-Philosophie-Mysterium sich frei entfalten und agieren lässt? Pop, das wissen wir, hat seine eigene, für sich sprechende Intelligenz, Wahrheit und Tiefgründigkeit: Spannung auf der Oberfläche.

Žižek: großer Verführer, Entertainer, Rockstar, ein Elvis der Kulturtheorie (Untertitel eines Filmporträts über Slavoj Žižek). Mit seinem heruntergekommenen Äußeren und den zahlreichen, in aller Öffentlichkeit zelebrierten Ticks – der vortragende Žižek fummelt sich ununterbrochen an Nase, Bart, Haaren und T-Shirt herum – erfüllt dieser Philosoph ein leicht konjugierbares Klischee: Dieser Denker sieht aus, wie Menschen, die begrenzt viel vom Denken verstehen, sich einen Denker vorstellen. Der »hoffnungslos überfüllte Hörsaal« gehört bei ihm genauso dazu wie die sagenhafte Geschichte, dass er bis vor zwei Jahren mit einem argentinischen Unterwäschemodel verheiratet war. Neueste Gerüchte lauten, von der New York Post lanciert, der New York Times weitergesponnen und vom deutschen Verlag weder bestätigt noch dementiert: Der Philosoph unterhalte ein loses, trotzdem ernsthaftes Verhältnis mit dem Popstar Lady Gaga.

Mehr hier: Kapitalismuskritik-Zizek.pdf.

Kommentare

  1. Roderich meint:

    (Lieber Ron, der 1. und 3. Absatz sind doppelt)

    Irgendwie weiss man bei Zizek nicht so recht, ob man ihn ernst nehmen soll oder nicht – er ist zwar sehr unterhaltsam, jede Minute ein Witz, aber wann und wo findet man seine ernsthaften Aussagen?
    Siehe Zizek on Toilets: http://www.youtube.com/watch?v=rzXPyCY7jbs

    Und der war auch gut: see you in hell – or in communism.
    http://www.youtube.com/watch?v=Vf5L6kwJJtA

    Vielleicht kann man als geradliniger Denker heute den Kommunismus nicht mehr ernsthaft vertreten – deswegen wird so eine Kasperfigur so populär?

    (Jedenfalls scheint mir, manche nostalgische Linke in Medien heben ihn auf so ein Podest, und machen ihn so populär, da ihnen seine extremen wenn auch unbegründeten Meinungen so gefallen. Wenn ein Konservativer so auftreten würde, dann würde er in Null Komma Nix von den Medien zerrissen… )

  2. @Roderich: Danke, korrigiert. Zizek ist so populär, weil er auch Teil des Pop ist. Aber jenseits seiner Unterhaltsamkeit ist er auch ein origineller Denker, der gelegentlich Mainstream kritisch hinterfragt. Sicher hilft trägt seine linke Ausrichtung zur Popularität bei.
    Liebe Grüße, Ron

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  1. […] fällt mir doch glatt der Spruch des postmodernen Pop-Philosophen Slavoj Žižek ein (siehe hier): Ah, dieser Hippie-Scheiß! Ist so öde. Lass uns lieber was essen […]

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