Augustinus: Die Schriften haben den Kanon hervorgebracht

In De doctrina Christiane diskutiert der Kirchenvater Augustinus unter anderem die sprachliche Qualität der biblischen Schriften. Dabei macht er eine interessante Bemerkung zur Entstehung des Kanons. Er behauptet nämlich, dass diese Dokumente ihre Geltung nicht von der Kirche erhalten haben, sondern der biblische Kanon durch die ihnen innewohnende Autorität entstanden ist. Er schreibt (De doctr. chr. IV,6,9):

An dieser Stelle fragt vielleicht einer, ob unsere Bibelautoren, deren vom göttlichen Willen inspirierte Schriften uns in überaus heilbringender Autorität einen Kanon gebildet haben, nun weise oder auch beredt genannt werden müssen. Diese Frage wird von mir selbst und von denen, die mit mir einer Meinung sind, sehr leicht beantwortet. Denn sobald ich diese verstehe, kann mir nicht nur nichts weiser, sondern auch nichts beredsamer als diese erscheinen.

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16 Kommentare
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Helge Beck
6 Tage zuvor

wenn dem wirklich so wäre müssten wir nicht immer noch darüber diskutieren oder?

Jakob E
5 Tage zuvor

Über welche Schriften des Neuen Testaments wird denn ernsthaft diskutiert?
Es hat doch über die Zusammensetzung des Neuen Testaments von Beginn an überwiegend Einigkeit geherrscht.
Die Diskussionen wurden am Rand geführt und meist nur über einzelne Wackelkandidaten.
Der weit überwiegende Teil war bereits in den ersten Jahrhunderten der Kirche quasi Konsens…
..und ist es bis heute.

Helge Beck
5 Tage zuvor

Es hat doch über die Zusammensetzung des Neuen Testaments von Beginn an überwiegend Einigkeit geherrscht.

vs

Den ersten abgeschlossenen Kanon hat Markion (um 160) geschaffen. Er bestand aus einem von allen „jüdischen Spuren“ gereinigten Lukasevangelium und 10 Paulusbriefen. Markion, der die Identität von Schöpfer- und Erlösergott leugnete, wollte so seine Theologie stützen.“

https://www.bibelwissenschaft.de/bibelkunde/neues-testament/

Jörg
5 Tage zuvor

Ausnahmen (noch weitere Beispiele außer Marcion?) bestätigen die Regel, setzen sie nämlich voraus.

Solange weitgehende Einmütigkeit herrscht, dh solange etwas zu den Präsuppositionen der Kommunikation gehört, wird es nicht zum eigentlich Thema (gemacht), sondern wird wenn dann nur zufällig expliziert.

Marcion hatte Geld und Macht, seine abweichende Position nicht nur im kleinen Kreis sondern auch literarisch zu verbreiten. Und war dadurch ein erster Anlass, dass Kanonfragen expliziert und diskutiert wurden, da der davor unausgesprochen vorausgesetzte Kanon nun in Frage gestellt worden war.

Dass sein Kanon eine (ablehnende) Reaktion auf einen von ihm vorgefundenen Kanon war, kommt im Bull-Text/Link durch die Reinigungsmetapher zum Ausdruck.

Helge Beck
5 Tage zuvor

Es gab keine Regel bis ins 4. Jh. Beleg: Codex Sinaiticus –  älteste vollständig erhaltene Abschrift des Neuen Testaments. Inhalt:  das gesamte Neue Testament von Matthäus bis zur Offenbarung plus zwei apokryphe Schriften, den Brief des Barnabas und den Beginn des Hirten des Hermas.

Jörg
5 Tage zuvor

Es gab schon eine Regel im 4. Jhdt. Beleg: Schon der Sinaiticus hat die ab dem 6. Jhdt dann unisono vertretenen 27 Bücher – plus 2 Wackelkandidaten, die als Ausnahme die Regel bestätigen.

Matze
5 Tage zuvor

Und was ist jetzt der Mehrwert der Diskussion? Letzten Endes kann Gott alles beeinflussen und damit ist es egal ob es die Schweizer oder sonst wer erfunden hat. Es hängt alles an meinem persönlichen Glauben oder Nichtglauben

Jörg
5 Tage zuvor

Warum beteiligst Du Dich denn in der Diskussion, wenn sie für Dich keinen Mehrwert liefert? Du kannst doch einfach drüberhinweg lesen. Oder bis zum Ende warten – manches erschließt sich ja erst vom Ende her. Von daher ist Deine Frage zwar wichtig und wertvoll, bringt aber an dieser Stelle hier diese Diskussion nicht voran, sondern lenkt ab.

Ernst
4 Tage zuvor

Der codex sinaiticus ist ein Pergament aus dem 4. Jh, doch das, was darauf steht, ist eine Fälschung aus dem 19. Jh. Konstantin Simonides hat sie angefertigt. Und ist Tischendorf nachgereist, um ihn zur Rede zu stellen und ihm all die Stellen zu zeigen, die er darauf markiert hatte, die beweisen, dass es sein Werk war. War leider vergeblich. Eine äußerst korrumpierte HSS übrigens.

Matze
4 Tage zuvor

@ Jörg
Ich denke ich darf selbst entscheiden ob ich mich “ zur Zeit oder Unzeit“ in eine Diskussion einschalte. Ich kann mich an keine Zeit meines Christseins seit über 50 Jahren erinnern wo diese nicht diskutiert worden wäre. Dazu wird es auch immer wieder neue Erkenntnisse geben.
Und meine Frage sollte mit Absicht ablenken denn scheinbar wird sich teilweise unter Christen viel zu sehr über Nebensächlichkeiten diskutiert. Vielleicht ist das halt bequemer…

Helge Beck
4 Tage zuvor

Irgendwelche belegbaren Zahlen Daten Fakten zu „über die Zusammensetzung des Neuen Testaments hätte von Beginn an überwiegend Einigkeit geherrscht.“?

Helge Beck
2 Tage zuvor

well that’s what I thought

Simon
2 Tage zuvor

@Ernst Zur Geschichte um Simonides – rechtmäßig verurteilter aber genialer Fälscher seiner Zeit – und den angeblich von ihm geschriebenen Codex Sinaiticus fehlt mir die Phantasie, wie man das heute noch als „Fakt“ verkaufen möchte. Es war in erster Linie seine späte Racheaktion gegen Tischendorf, durch dessen Untersuchungen Simonides erst als Fälscher überführt und inhaftiert worden war. In England wurde die Darstellung von Simonides (nach seiner Haft) wohl weitgehend unkritisch hochgekocht, da man den Deutschen die sensationelle wissenschaftliche Entdeckung des C.S. nicht gönnte. Zitat WiBiLex,“Das Wissenschaftliche Bibellexikon im Internet“ über Tischendorf: „Die Widersprüche in seiner (d.h. Simonides) Darstellung, die offensichtlich nicht aus eigener Anschauung der Handschrift, sondern allein aus Tischendorfs vorläufigen Mitteilungen kombiniert war, erleichterten die Widerlegung dieser durchsichtigen Behauptung“.  Der Codex ist seit langem zweifelsfrei wissenschaftlich anerkannt. Ich wüsste nicht, dass es heute noch Historiker gibt, die diese Geschichte ernsthaft zu Gunsten von Simonides bewerten. Interessantes Buch: „Die Odyssee des Fälschers: Die abenteuerliche Geschichte des Konstantin Simonides, der Europa… Weiterlesen »

Helge Beck
2 Tage zuvor

Luther bezweifelte den kanonischen Status der Briefe des Jakobus, Judas, Hebräer und der Offenbarung.

Hans-Jörg Ronsdorf
1 Tag zuvor

Und das, obwohl er sie selbst nicht in ihrer Ursprache lesen konnte …

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