Der liberale Theologe Friedrich Wilhelm Graf hielt die Predigt auf der Beerdigung des Philosophen Jürgen Habermas. Dabei stellte er heraus, dass es vernünftige Religion nur insoweit gibt, als sich in den Vorstellungswelten der Religionen rationale Gehalte finden lassen, die die Humanisierung der Menschen befördern. In Schleiermacherscher Tradition ist auch die Idee vom göttlichen Gericht ein solcher Gehalt.
Ich zitiere aus der Predigt (FAZ, 01.04.2026, Nr. 77, S. N3):
Auch mit Blick auf das Ende der Zeiten erfanden die Frommen ganz unterschiedliche Szenarien. Die einen entwickelten Vorstellungen wie die sogenannte Apokatastasis toon pantoon, die Wiederbringung, Wiederherstellung aller Dinge am Ende der Zeiten, wo alle geschaffenen Wesen, auch die Sünder, mit Gott versöhnt werden – Gottes Liebe könne jeden Widerstand überwinden. Solche Allversöhnungsszenarien standen in harter Konkurrenz zu Vorstellungen vom definitiven Ende aller kosmischen Wirklichkeit in einem universellen Weltenbrand. Auch konkurrierten sie mit dem sogenannten Infernalismus, Erzählungen von der ewigen Verdammnis der Bösen, Gottwidrigen. Dass gerade die Schreckensvisionen vom großen, alles vernichtenden Weltenbrand und die mythische Grundunterscheidung von Himmel und Hölle dazu einluden, immer neue Bilder des dereinst Kommenden zu zeichnen, muss ich nicht erläutern.
Diesen Wildwuchs an fiktionalen Bildern und Phantasmen begrifflich zu ordnen, bereitete den gelehrten Theologen erhebliche Schwierigkeiten. Nirgends wurde so viel gestritten wie im Themenfeld der Eschatologie. Aber die Theologen konnten zumindest relative Ordnung stiften: Dazu dienten ihnen insbesondere die bombastischen Totalitätsbegriffe der alteuropäischen, entscheidend von Aristoteles inspirierten Metaphysik, also Begriffe wie das Ganze, Gottes Vorsehung, Gottes Weltregierung, die Welt überhaupt und sofort.
Daraus resultiert für uns Heutige ein Problem: Immer wieder und mit größter gedanklicher Konsequenz hat Jürgen Habermas darauf insistiert, dass uns seit der Kantischen Revolution der Denkungsart solche metaphysischen Ganzheitsbegriffe nicht mehr (oder nur um den Preis eines epistemologischen Selbstbetrugs) zur Verfügung stehen. Wir können also die alten Mythen der Endzeit nur mit nachmetaphysischen Denkmitteln zu übersetzen versuchen. Das ist nicht leicht, aber man muss es versuchen.
Hier wird das Problem, mit dem die liberale Theologie kämpft, sehr gut herausgestellt. Nach der „Kantischen Revolution“ ist alles anders. Was aber, wenn Kant und die sich ihm anschließende liberale Theologie sich geirrt haben?
Siehe dazu: Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft.
Das ist kein „Problem“, mit dem irgendwer „kämpft“. Den Steuerzahler, der diese Elfenbeintürme zwangsweise finanzieren darf, interessiert dieses Thema nicht die Bohne. Es ist ein alleiniges Produkt eines staatskirchlichen Zwangsabgabensystems, ohne das die „liberale Theologie“ gar nicht existieren würde. Die feine Gesellschaft lässt sich schlicht vom Pöbel durchfüttern (was bekanntlich ja sehr biblisch ist) und produziert dabei reichlich heiße Luft, an der sich irgendwer abarbeiten darf.
Das gab es zu allen Zeiten der Geschichte und ist immer fest mit der jeweiligen feudalen Tradition verknüpft. Geht diese unter, verschwindet der ganze Theoriekram automatisch mit ihr. Das war beim Fall des Ostblocks der Fall: Nichts von den Säulenheiligen und deren Theoriegebäuden ist noch übrig. Das wird auch beim vorhersehbaren Fall des Westens so sein.
Graf hat bis zu einem gewissen Punkt Recht. Wir streiten über Allversöhnung oder nicht,
Vor-, Mittel- oder Nachentrückung, Wieder- oder Glaubenstaufe. Dazu kommen Lehren der Adventisten, NAK und Zeugen Jehovas usw. Wer soll denn da noch durchblicken. Dann wird darauf mit Toleranz in der Auslegung reagiert und in der EAK immer mehr früher unbiblische Lehre akzeptiert. Aber wo endet dann diese Toleranz?Wenn man das alles gesamthaft nimmt ist es schon zu verstehen, wenn Leute liberal werden und das ganze Evangelikale für viele wie Comedy wirkt..
Die Bibel ist zuverlässig überliefert, daher die klare Aussage in Hebräer 9, 27 „Sterben müssen alle Menschen; aber sie sterben nur einmal, und darauf folgt das Gericht“.
Wir streiten über Allversöhnung oder nicht, Vor-, Mittel- oder Nachentrückung, Wieder- oder Glaubenstaufe. Dazu kommen Lehren der Adventisten, NAK und Zeugen Jehovas usw. Wer soll denn da noch durchblicken. Die durch die „Aufklärung“ erfolgte Liberalisierung erlaubte überhaupt erst diese Vielfalt. Denn vorher wurde sowas von der Kirche rigoros verfolgt. Das Kirchenvolk reagierte auf die Liberalisierung wiederum mit Säkularisierung, also Abwendung vom bunten Theologen-Haufen. Dann wird darauf mit Toleranz in der Auslegung reagiert und in der EAK immer mehr früher unbiblische Lehre akzeptiert. Aber wo endet dann diese Toleranz? Die Kleriker wiederum sehen in schwindenden Splittergrüppchen die Aufforderung zur Vereinigung. Die geht natürlich nicht, ohne dass jeder sein Steckenpferd, seinen Lieblingsirrtum, behalten darf. Wenn man das alles gesamthaft nimmt ist es schon zu verstehen, wenn Leute liberal werden und das ganze Evangelikale für viele wie Comedy wirkt.. Einmal das gesamte ökumenische Konglomerat der Beliebigkeit über Ockhams Rasiermesser und es bleibt eine übersichtliche Nichtreligiösität übrig – also genau das, was die Mehrheit… Weiterlesen »
Dem Kommentar muss ich in Teilen schon Recht geben‘ denn entweder gibt es so was wie ein evangelikales richtig oder falsch, das verteidigt wird und man sich von anderen Haltungen bewusst abgrenzt und trennt oder: jeder Fromme wird nach seiner Facon selig was man bei der aktuellen Vielfalt in der EAD jedem Liberalen auch zugestehen muss.
Manche theologische Diskussion fühlt sich für mich an wie die Diskussionen der Fußballfans in meiner Firma. Es geht um Detailverliebtheit, Austausch von Soezialwissen, Bedienung eines Hobbys einer Leidenschaft, die aber keine Relevanz für das Leben ausserhalb des Fußballs hat. 95 % aller Christen, die hier auf die Seite kommen verstehen doch nicht mal um was es hier geht.Der Fussball lässt grüßen…..
Dazu passt Kirchenbesuche Erntedank vs. Fußballzuschauer – vor und nach Corona:
Der Fußball ist die relevante und gemeinschaftsstiftende Religion. Wird man auch im Sommer 2026 wieder bewundern dürfen.
entweder gibt es so was wie ein evangelikales richtig oder falsch, das verteidigt wird und man sich von anderen Haltungen bewusst abgrenzt und trennt oder: jeder Fromme wird nach seiner Facon selig was man bei der aktuellen Vielfalt in der EAD jedem Liberalen auch zugestehen muss Die in die Industrialisierung hineingeborenen vielfältigen Lehren sollen ja unbedingt an „kommende Generationen“ weitergetragen werden. Auch Herrn Graf is das wichtig, wie https://theoblog.de/ein-gott-zum-kuscheln/12282/ zeigt. Die Krise dieser Lehrer sieht man erst beim Vergleich der Kohortengrößen: Wenn die Größe der Gemeinde einer durchschnittlichen Großstadt von zwei Staats- und einem Dutzend Freikirchen geburtenbedingt auf insgesamt einen größeren Hauskreis zusammenschrumpft, dann bleibt dort nach diesen Vorstellungen ungefähr ein Abbild des ACK übrig – mit durchschnittlich einer Person pro heute existierender Konfession. In Wirklichkeit hat dieser Hauskreis aber einen Leiter und der hat theologische Präferenzen. Seine Schäfchen werden ungefähr dasselbe glauben, das ist nämlich der sozialen Kohäsion dienlich. Der Leiter hat vielleicht bei ökumenischen Aktivitäten mindestens ein Dutzend… Weiterlesen »