Autorenname: Ron

Eine neue Generation Hexen

Hexen werden auch heutzutage mit groben Vorurteilen bekämpft, erklärt ein kurzer Artikel in der Welt. Das Christentum war etwas für alte, weiße Männer. Die Zukunft gehört den Feministinnen. Die Lieben Zauberei und Kontrolle:

Und doch haben die gemeinsamen Aktionen dazu beigetragen, dass der Hexenkult nicht mehr nur als seltsames Hobby einer Gruppe Esoterikfans gesehen wird, sondern als feministische Waffe selbstbewusster Frauen, die sich gegen den konservativen Männermainstream auflehnen. Eben so, wie es Frauen schon Jahrhunderte vor ihnen getan haben. „Männer, die katholische Kirche und der von Weißen geprägte Mainstream haben Zauberkraft stets verteufelt. Aber sie überlebt bis heute“, sagt Frankie.

…

„Die alten Hexen lebten stets in der Angst davor, entdeckt zu werden, ihre Arbeit zu verlieren oder vor Freunden und Familie für verrückt gehalten zu werden“, sagt sie. Dass nun jeder einen so direkten und unkomplizierten Zugang zum Erfahrungsschatz der Hexen hat, beobachtet sie mit Vorsicht.

Mehr: www.welt.de.

Einsamkeit, mein treuer Begleiter

„Sünde hat Einsamkeit hervorgerufen, aber wir müssen erkennen, dass Einsamkeit an sich keine Sünde ist“, meint Steve DeWitt. Er schreibt:

Wir müssen Einsamkeit spiegelverkehrt betrachten und richtig auf sie reagieren, wenn wir weise werden wollen. In den paar Jahrzehnten, in denen ich alleine lebte, war mir meine Einsamkeit nicht wie ein Freund, sondern wie ein Feind. Sie diente dazu, mich an meine früheren Beziehungsversagen zu erinnern – Beziehungen, von denen ich mir erhofft hatte, dass sie mir dieses schmerzliche Gefühl wegnehmen würden. Hierin liegt die lauernde Gefahr von Einsamkeit: wenn sie nicht dein Freund ist, ist sie aller Wahrscheinlichkeit nach ein vernichtender Gegner in deinem Leben. Wir alle kennen Menschen, deren Bewältigungsmechanismus Selbstisolation ist, welche entweder auf ein Fehlen von Beziehungen oder auf Kummer bezüglich Beziehungen zurückzuführen ist (Spr 18,1). Für diese Menschen wird Einsamkeit eher zu einer Schlucht, in der sie leben, anstatt zu einem Tal, das sie durchqueren.

Mehr: www.evangelium21.net.

Ein glattes Fehlurteil

Das Amtsgericht Bremen hat den Pastor Olaf Latzel wegen Volksverhetzung verurteilt. Die Strafe beträgt drei Monate Haft, umgewandelt in eine Geldstrafe zu 90 Tagessätzen à 90 Euro (siehe dazu hier und hier).

Der idea-Redakteur David Wengenroth, promovierter Jurist und Prädikant der Evangelischen Kirche von Westfalen, erkennt in dem Richterspruch des Amtsgerichts Bremen ein klares Fehlurteil:

Das Urteil des Amtsgerichts Bremen gegen Olaf Latzel ist ein glattes Fehlurteil. Die Urteilsbegründung, die Richterin Ellen Best am 25. November in dem Konzertsaal „Die Glocke“ ablieferte, strotzte von juristisch-handwerklichen Fehlern, falschen Behauptungen und logischen Widersprüchen. So sagte Best gleich zu Beginn ihrer Ausführungen, die Entscheidung sei „nicht einfach“ gewesen, weil es „kaum obergerichtliche Rechtsprechung“ gebe, an der sie sich hätte orientieren können. Das ist, mit Verlaub, Quatsch. Mit den Urteilen verschiedener Ober- und Bundesgerichte zum Tatbestand der Volksverhetzung, kann man Regalmeter füllen. Wie wenig Latzels Äußerungen in die Reihe der „volksverhetzenden“ Äußerungen passen, wäre ihr klar geworden, wenn sie sich auch nur eine Handvoll davon angesehen hätte. Tat sie aber nicht.

Ich folge der Einschätzung von David Wengenroth und hoffe sehr, dass ein höheres Gericht angerufen wird und es zu einem fairen Urteil kommt.

Hier der ganze Artikel: www.idea.de.

„Für Freiheit in Forschung und Lehre“ und die Ideologien der Ungleichwertigkeit

Sandra Kostner hat eine brillante Analyse der Stellungnahme „Für Freiheit und Forschung in der Lehre“ vorgelegt  (FAZ vom 25.11.2020, Nr. 275, S. N4). Worum geht es? Die Forschungsstelle für Interkulturelle Studien (FiSt) der Universität Köln veröffentlichte im Sommer ein Positionspapier, indem vordergründig mehr Freiheit in Forschung und Lehre eingeklagt wird. Es heißt dort etwa:

An Universitäten und Hochschulen gilt die Freiheit von Forschung und Lehre. Auf dieser Basis haben wir als Professor*innen oder Dozent*innen das Recht und die Pflicht, unsere Schwerpunkte in Forschung und Lehre frei zu wählen, Forschung und Lehre im Sinne guter wissenschaftlicher Praxis zu gestalten und im Rahmen wissenschaftlich fundierter Debatten Meinungen, die Ideologien der Ungleichwertigkeit beinhalten, zu widersprechen. 

Das klingt vordergründig zunächst ganz gut, so wie auch der folgende Auszug:  

Die Geschichte der Meinungsfreiheit zeigt, wie sich unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit Rassismus artikulieren und in Institutionen einschreiben konnte, der dazu beigetragen hat, bestimmte Sichtweisen und Menschen systematisch auszuschließen. Meinungsfreiheit ist eine Freiheit, die historisch hart erkämpft wurde und um die auch heute immer wieder neu gerungen werden muss.

Erstaunlich dabei ist, dass genau die Stellungnahme, die für mehr Freiheit in Forschung und Lehre eintritt, den Ausschluss bestimmter Sichtweisen fordert.

Wie geht das? Dies geht, indem bestimmte Positionen unter Ideologieverdacht gestellt werden. Das Dokument lässt beispielsweise vermuten, dass aus der Perspektive der „Initiator*innen“ bereits diejenigen Ideologen sind, die eine strenge gendergerechte Sprache z.B. aus ästhetischen, philosophischen oder ökonomischen Gründen meiden. Tatsächlich geht es den fünfzehn Strategen nämlich darum: Argumente, Thesen und Meinungen, die im Widerspruch zu ihrer eigenen Weltanschauung stehen, sollen aus dem Raum der universitären Diskurse herausgedrängt werden. Methodisch lässt sich diese Ziel dadurch erreichen, dass bestimmte Auffassungen als „rassistisch“, „rechtsextrem“ oder „menschenverachtend“ eingeordnet werden. Auf diese Weise wird im Namen der Toleranz die Freiheit Andersdenkender beschnitten. So lässt sich sehr schön zeigen, dass die Neue Toleranz doktrinär ist.

Sandra Kostner schreibt: 

Die in Anschlag gebrachte Begründung lautet: Grenzen der Freiheit sind notwendig, um Diskriminierung und menschen verachten de Äußerungen zu bekämpfen und dergestalt die Menschen- und Grundrechte zu verteidigen. Konkrete Beispiele für „diskriminierende bzw. menschenverachtende Äußerungen“ werden nur an einer Stelle genannt. Umso aussagekräftiger legen die angeführten Beispiele die Weltanschauung und Ziele der Autorengruppe offen. Die Beispielsätze lauten „Der Islam gehört nicht zu Deutschland“ und „Das Kopftuch ist ein Zeichen der Unterdrückung“. 

Mit Diskriminierung und Menschenverachtung werden schwere juristische und ethisch-moralische Geschütze aufgefahren, um inopportune Äußerungen als nicht unter den Schutz der Meinungs- und Wissenschaftsfreiheit fallend zu delegitimieren. Die Autorengruppe geht aber noch einen Schritt weiter und versucht sich an einer aktivistisch motivierten Instrumentalisierung der Grundrechte. Wie viele andere Antirassismus-Aktivisten nehmen sie Artikel 1 und Artikel 3 des Grundgesetzes ins Visier. So legen sie nahe, dass ein Satz wie „Das Kopftuch ist ein Zeichen der Unterdrückung“ eine Verletzung der in Artikel 1 verankerten Würde des Menschen sowie einen Verstoß gegen die in Artikel 3 festgeschriebene Gleichberechtigung der Geschlechter und gegen das Benachteiligungsverbot aufgrund der Religion darstelle. 

Mit dieser Vorgehensweise ist es sehr leicht möglich, bestimmte Akteure daran zu hindern, überhaupt Teilhaber kommunikativen Handels an den Hochschulen zu werden. Vielleicht deshalb, weil sie sachlich nicht widerlegt werden können? Wissenschaft muss offen bleiben für Anfragen, die nicht mit der eigenen Weltanschauung im Einklang stehen.

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Suzanne Moore verlässt Guardian

Der Guardian sieht sich selbst als eine der liberalsten Zeitungen der Welt. Doch vor allem junge Mitarbeiter haben die sehr erfahrene Journalistin Suzanne Moore so lange unter Druck gesetzt, bis sie schließlich hingeschmissen hat. Der Grund für das Mobbing: Sie hat in Artikel das Konzept der Transsexualität infrage gestellt:

Moore argumentierte in ihrem Beitrag zu dem Thema, dass es bedenklich sei, wenn Frauen zum Schweigen gebracht würden. Dann schrieb sie, dass das Geschlecht biologisch bestimmt und nicht nur ein „Gefühl“ sei. Wörtlich heißt es: „Weiblich ist eine biologische Klassifikation, die für alle lebenden Arten gilt… Selbst wenn sie ein Frosch sind.“

Der Konflikt wird sich meiner Meinung nach in den nächsten Jahren massiv verschärfen. Die EU hat etwa gerade unter der Federführung von Frau Ursula von der Leyen die LGBTIQ Equality Strategy 2020–2025 veröffentlicht. Ein Blick in das Dokument lohnt sich. Die Partei der Grünen hat zudem erst am letzten Wochenende das queerste Parteiprogramm überhaupt verabschiedet. Möglicherweise zählen bald diejenigen, die es anders sehen als der politischen und kulturelle Mainstream, zu den am stärksten unter Druck gesetzten Leuten.

Ich empfehle die Lektüre dieses Welt-Artikels: www.welt.de.

„Stimme sein und stärken“

Das Netzwerk Evangelium21 stellt sich hinter das „Kasseler Memorandum“, das Bibel und Bekenntnis in Kassel auf der letzten Konsultation verabschiedet wurde (siehe hier). Wer wissen möchte, was für Fragen und Perspektiven auf dem Online-Treffen erörtert wurden, sollte sich z.B. den Vortag von Markus Till anhören:

„Anders Amen“ – Die Vermarktung einer verstaubten Institution

Die FAS berichtet in dem ganzseitigen Beitrag „Die Sinnfluencer“ (FAS vom 22.11.2020, Nr. 47, S. 13) über ein Pastorinnenpaar, das vom Kirchenfunk damit beauftragt ist, einer verstaubten Institution frischen Wind einzuhauchen:

Produziert werden die Videos von „Anders Amen“ vom evangelischen Kirchenfunk Niedersachen/Bremen. „Sinnfluencer“ nennt die evangelische Kirche ihre digitalen Helden. Die Kirche hat viel nachzuholen in Sachen digitales Storytelling, in Sachen Nachwuchs und vor allem: in Sachen Diversität …

Die beiden Pastorinnen, so unterschiedlich sie auch sind, eignen sich hervorragend für die positive Vermarktung einer verstaubten Institution. Die evangelische Kirche als eine Heimat für queere Personen, für Regenbogenfamilien, für alle eben.

Mit welchen Themen will denn die Kirche Menschen an sich binden? Siehe hier:

  • Hanky Code vs. Kirchenjahr – Wer hat von wem geklaut?
  • Mein Outing & unser Kennenlernen
  • Sex in der Kirche?! Queere Pastorinnen über Sex vor der Ehe, Pornos & Lecktücher
  • My Roots – unsere Coming-out-Storys mit Anders Amen, Jolina Mennen, Kostas Kind und vielen mehr …
  • Was ist SÜNDE? Glaubensfragen
  • Sexy Barbara Schöneberger & queere Wahrheiten
  • Was ist LGBTIQA*?
  • Ehe für ALLE?! Die große Trau-Pfarrschule

Hier mal eine nicht jugendfreie Beispielsendung von „Anders Amen“:

Bemerkenswert finde ich, dass die FAS den missionarischen Eifer des evangelischen Kirchenfunks nicht im Ansatz hinterfragt. Kann man nicht wenigstens mal darüber nachdenken, ob ein plansexuelles Bravo-TV das ist, was der Kirche weiterhilft? Ausgeholt wird freilich gegen Leute, die das noch so sehen, wie – sagen wir mal – die meisten Leute in Europa vor 20 Jahren. Denn:

In einem Ethik-Seminar, das sie zusammen im Studium besuchten, gab es etwa den Prof, der es immer wieder fertigbrachte, Homosexualität in die Nähe von Pädophilie zu rücken, wie sie es empfanden. Im Namen des evangelischen Glaubens wurden gerade in Freikirchen in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder sogenannte Konversionstherapien vorgenommen, die seit Juni 2020 für unter Achtzehnjährige verboten sind.

Ellen Radtke sagt an einer Stelle (Minute 12:49): „Je mehr man sich damit beschäftigt, desto weniger überfordert das“. Ich gehe fast davon aus, die beiden Pastorinnen beschäftigen sich kaum noch mit etwas anderem.

Themelios 45 (2/2020)

Themelos2 2020In der aktuellen Ausgabe von Themelios gibt es erneut interessante Artikel und Buchbesprechungen. Ich empfehle besonders den Aufsatz „Is ‚Online Church‘ Really Church? The Church as God’s Temple“ von Ronald L. Giese. Er kommt zu dem Ergebnis: 

Online-Kirche ist keine Kirche. Das ist ein Widerspruch, kein Oxymoron. Einige der Dinge, die eine Kirche tut, kann man sicherlich online durchführen. Vielleicht lassen sich einige Teile in bestimmten Kontexten besser online erledigen als durch persönliche Begegnungen. Andere lassen sich vielleicht am besten in einem hybriden Modell verwirklichen. Der Grund dafür, dass eine Online-Kirche keine Kirche ist, ist mindestens ein doppelter. Erstens sind alle Indikatoren, sowohl die historischen (die vergangenen und zukünftigen Tempel) als auch die bildlichen (die Verzweigungen der Kirche als heutiger Tempel), dass Gottes Wohnung in der Kirche an einem Ort ist. Und die Indikatoren sind, dass sich dieser Ort an einem Ort befindet, nämlich in der Ortsgemeinde.

Der Inhalt: 

  • Pursuing Scholarship in a Pandemic: 227 Reflections on Lewis’s “Learning in War-Time” – Brian J. Tabb
  • Praise and Polemic in Our Global Pandemic – Daniel Strange
  • The Use of Leviticus 18:5 in Galatians 3:12: Redemptive-Historical Reassessment – Jason S. DeRouchie
  • Celebration and Betrayal: Martin Luther King’s Case for Racial Justice and Our Current Dilemma – James S. Spiegel
  • Christ and the Concept of Person – Lydia Jaeger
  • The “Epistle of Straw”: Reflections on Luther and the Epistle of James – Martin Foord
  • Interpreting Faith in the Reformation: Catholic and Protestant Interpretations of Habakkuk 2:4b and Its New Testament Quotations – Mario M.C. Melendez
  • The Resurgence of Two Kingdoms Doctrine: A Survey of the Literature – Michael N. Jacobs
  • Why Not Grandchildren? An Argument against – Reformed Paedobaptism – Gavin Ortlund
  • Is “Online Church” Really Church? The Church as God’s Temple – Ronald L. Giese, Jr.
  • PASTORAL PENSÉES: Text-Criticism and the Pulpit: Should One Preach about the Woman Caught in Adultery? – E. Miller

Hier gibt es die Ausgabe im PDF-Format oder für die Bibelsoftware Logos: themelios.thegospelcoalition.org.

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Verachtung für das eigene Fremde

Pseudohistorische Serien und Romane feiern einen Erfolg nach dem anderen. Doch darin zeigt sich nur ein neues Unverständnis gegenüber der Geschichtlichkeit menschlicher Existenz. Das historische Bewusstsein wurde längst durch ein moralisches Besserwissertum ersetzt, meint Alexander Grau in einem Beitrag für die NZZ:

Doch allem scheinbaren Interesse am Historischen zum Trotz fremdeln die westlichen Gesellschaften mit der Geschichte – insbesondere mit ihrer eigenen.

Denkmäler werden geschleift, Institutionen und Strassen umbenannt, alte Texte überarbeitet und Museumsbestände kritisch durchforstet. Nie zuvor in der Geschichte stand eine Gesellschaft ihrer eigenen Vergangenheit mit so viel Reserviertheit gegenüber. Gilt das 19. Jahrhundert als das Zeitalter des Historismus, also des Bewusstseins für die eigene Geschichtlichkeit und von deren Verklärung, so droht das 21. Jahrhundert eine Epoche der vollständigen Enthistorisierung zu werden, der Preisgabe des historischen Denkens.

Mehr: www.nzz.ch.

VD: FL

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