Autorenname: Ron

Die Aktualität des Werkes: Der Gottesstaat

Chris Watkin lobt den Gottesstaat von Aurelius Augustinus dafür, dass er das Verhältnis der himmlischen Stadt und der irdischen Stadt zeitlos und gut ordnet: 

Die letzte Lektion, die Augustinus uns erteilt, besteht darin, wie er die Stadt Gottes und die irdische Stadt als miteinander verflochten und unentwirrbar in der heutigen Zeit darstellt, die aber dazu bestimmt sind, beim letzten Gericht getrennt zu werden.

Ein kulturkritischer Ansatz, der die Antithese überbetont, würde dazu neigen, die beiden Städte als völlig unterschiedlich zu betrachten – und wäre damit blind für die Art und Weise, wie sie von der Kultur geprägt wird. Ein Ansatz, der die Erfüllung überbetont, würde dazu neigen, die beiden Städte als alternative Ausdrucksformen derselben grundlegenden Werte zu sehen – und wäre damit unfähig, der Welt etwas anderes zu verkünden als eine aufgewärmte, gebrauchte Version seiner selbst.

Doch Augustinus’ biblischer Rahmen bedeutet, dass er nicht zwischen zwei unzureichenden Optionen wählen muss. Die Verflechtung der beiden Städte in der heutigen Zeit, hilft uns zu erkennen, dass „Kultur“ nicht etwas ist, das gehorsam vor der Kirchentür sitzt und darauf wartet, eingelassen zu werden; sie formt uns auch innerhalb der Kirche, ob wir wollen oder nicht.

Die getrennten Schicksale der beiden Städte erinnern uns daran, dass, so bequem sich die spätmodernen Annahmen auch anfühlen mögen (und wir machen uns etwas vor, wenn wir glauben, dass wir keine Postmodernen sind), sie nicht unser Zuhause sind und wir bereit sein müssen, sie zu kritisieren. Die Stadt Gottes liefert uns einen Entwurf für ein kulturelles Engagement in unserer Zeit, das sowohl bibeltreu als auch kultursensibel ist. Seine Brillanz ist oft nachgeahmt, aber nie übertroffen worden.

Mehr: www.thegospelcoalition.org.

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Tim Keller: Galater – ein Kommentar

VM Keller Galater Kommentar Webseite Mockup01 1080xDass das Evangelium unser ganzes Leben verändert, zeigt Tim Keller in seiner praktischen Auslegung des Galaterbriefes. Keller erklärt den frühen Brief des Paulus (vor dem Römerbrief verfasst!) und bietet relevante Anwendungen für das Leben. Der Kommentar kann wie jedes andere Buch von vorne bis hinten gelesen, für die Stille Zeit verwendet oder zur Predigtvorbereitung genutzt werden.

Besonders gut eignet er sich für den Einsatz in Hauskreisen. Neben dem Kommentar liegt daher ein Arbeitsheft für Gruppen und Leiter vor, um das Buch in Kleingruppen leichter studieren zu können.

Hier geht es zum Kommentar: verbum-medien.de.

Wie die woke Sprache die Welt verzerrt

Der Philosoph Peter Boghossian erklärt für das Magazin spiked, wie gesellschaftliche Diskurse durch die Einführung woker Begriffe unterminiert oder gar zerstört werden:

Zum Beispiel gibt es im Ungarischen kein spezifisches Wort für „Gender“. Folglich importieren und verwenden die Ungarn das englische Wort „Gender“ und damit auch den woken Diskurs, der mit diesem Begriff einhergeht … Das Gleiche ist mit anderen Sprachen wie Mandarin geschehen, wo es ebenfalls kein Wort für „Gender“ gibt … Der ideologische Inhalt dieser Worte ist im ausländischen Kontext viel deutlicher zu erkennen.

Mehr: www.spiked-online.com.

VD: CR

Das Gerede vom „sozialen Geschlecht“

Nachdem die Biologin und Nobelpreisträgerin Christiane Nüsslein-Volhard explizit festgestellt hat, dass es nur zwei Geschlechter gibt, wird jetzt von interessierter Seite behauptet, man könnte doch „Geschlecht“ auch in einem gänzlich anderen Sinne verstehen. Aber in welchem? Auf diese Frage bleiben die Verfechter der Vielgeschlechtlichkeit eine klare Antwort schuldig, meint Uwe Steinhoff in dem Cicero-Artikel: „Das Gerede vom ‚sozialen Geschlecht‘“:

Ein grundsätzliches Problem der Debatte ist sicherlich, dass Apologeten der Vielgeschlechtlichkeit und Sozialkonstruktivisten nicht begreifen, dass das wilde Umdefinieren von Begriffen und somit Neuetikettieren von Dingen nicht dasselbe ist, wie eine wissenschaftliche Entdeckung zu machen. Die wissenschaftliche Begriffsexplikation eines alltäglichen Begriffs hat nämlich dem Wissenschaftstheoretiker Rudolf Carnap zufolge eine Ähnlichkeit mit dem Alltagsbegriff aufzuweisen, sowie exakt und einfach und vor allem fruchtbar zu sein, das heißt sich für wissenschaftliche Erklärungen und Voraussagen zu eignen. Der oben definierte Geschlechtsbegriff ist ein Paradebeispiel für die Erfüllung dieser Kriterien. Die Geschlechterinflation des Ethikrates und der „gender studies“ ist es nicht. Und so haben wir hier eine Seite, welche aus einer klaren, nämlich auf die Biologie zurückgreifenden Definition von Geschlecht und einer empirisch bestätigten Tatsache logisch gültig die Zweigeschlechtlichkeit ableitet. Das heißt, sie hat ein Argument. Und wir haben eine andere Seite, die nicht einmal erklären kann, was sie mit „Geschlecht“ überhaupt meint. Das freilich macht ihre Verkündigung der „Vielgeschlechtlichkeit“ zu nichts als leerem Gerede.

Warum hat dann die These von der „Vielgeschlechtlichkeit“ in gewissen Kreisen solch großen Erfolg? Ganz einfach: Wissenschaftliche Fruchtbarkeit und publizistische Ausschlachtbarkeit müssen nicht notwendig konvergieren. Klare Begriffe nämlich machen bullshitting, um einen englischen Ausdruck zu benutzen, um einiges schwieriger. Um ein Beispiel anzuführen: Der Biologe geht mit einem klaren Begriff von Geschlecht nach Papua-Neuguinea, stellt wenig überraschend fest, dass es auch dort kein drittes gibt, erzählt das einem Journalisten, und dieser verzichtet ebenso wenig überraschend auf die Schlagzeile: „Immer noch nur zwei Geschlechter.“

Der in der „Methodik“ der gender studies Geschulte hingegen geht mit einem unklaren oder gar keinem Begriff von Geschlecht in den Dschungel, entdeckt dort zölibatär lebende bogenschießende Lesben, sagt sich, „Ach, die nenne ich mal ein Geschlecht“, erzählt das einem Journalisten – und wird prompt als innovativer und „progressiver“ Zeuge der Vielgeschlechtlichkeit gefeiert, nicht zuletzt von Aktivisten, die „neue Geschlechter“ „sichtbar“ machen wollen und dafür im gegenwärtigen politischen Klima auf Fördergelder hoffen dürfen.

Mehr: www.cicero.de.

Carl Trueman: Der Siegeszug des modernen Selbst

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Das Buch Der Siegeszug des modernen Selbst ist inzwischen in deutscher Sprache erschienen und kann bei dem Verlag Verbum Medien oder im Buchhandel bezogen werden.

Professor Stephan Holthaus, Rektor der Freien Theologischen Hochschule in Gießen, schreibt über das Buch:

»Carl Trueman, Professor für Bibel- und Religionswissenschaft am Grove City College, analysiert unsere westliche Kultur unter der Fragestellung: ›Was macht eigentlich den Menschen aus?‹ Die ›Identitätsfrage‹ durchzieht nach Trueman die neuere Geistesgeschichte vom Individualismus bis hin zur Genderdebatte und der LGBTQ+-Bewegung. Die ›sexuelle Revolution‹ begann schon mit der Infragestellung unseres ›Selbst‹ durch Rousseau, dann folgten Marx, Darwin, Shelley, Nietzsche, Freud und zuletzt die ›Neuen Linken‹. Weil wir Gott verloren haben, haben wir auch uns selbst verloren, so Trueman. Die Sexualisierung unserer Gesellschaft und die Suche nach Authentizität sind dabei Ausdruck einer kollektiven Verunsicherung des Menschen, der auf der Suche nach seinem echten Wesenskern ist. Diese geniale Gegenwartsanalyse bleibt nicht beim Lamentieren stehen, sondern zeigt auf, wie unglaublich wichtig der christliche Glaube und unsere Identität in Gott in der modernen Zeit sind. Summa: Eine sehr spannende, tiefgründige und hochaktuelle Lektüre. Absolut empfehlenswert!«

Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz, Professorin em. für Religionsphilosophie und vergleichende Religionswissenschaft am Institut für Philosophie der Technischen Universität Dresden, schreibt:

»Das Buch ist eine Augenöffnung – somit ein großer Dienst in verwirrten Zeiten. Es stellt sich der großen Aufgabe, vom Faktenwissen zum Orientierungswissen überzuleiten. Sofern heute Vernunft vielfach dehumanisiert wird, wird sie hier wieder in ihre Aufgabe eingesetzt: den Geist wahrheitsfähig zu machen.«

Harald Seubert, Professor und Fachbereichsleiter für Philosophie und Religionswissenschaft an der Staatsunabhängigen Theologischen Hochschule Basel (Schweiz) sagt zum Buch:

»Carl Trueman hat ein augenöffnendes Buch über die Bewusstseinslage eines Maß und Mitte verlierenden Individualismus vorgelegt. Er klärt schonungslos auf und zeigt, wie dieser Individualismus sich selbst abschafft. Die globale sexuelle Revolution hat tiefe Hintergründe: Hier werden sie souverän ausgeleuchtet und entschlüsselt. Wer wissen will, was in unserer Zeit vorgeht und wie sich proklamierte Freiheiten in ihr Gegenteil verkehren, muss dieses Buch lesen. Gerade Orientierung suchenden evangelikalen Lesern und Leserinnen wird das Buch Argumente und neue Klarheit geben. Ein Must-have!«

Im Geleitwort zur deutschen Ausgabe heißt es:

Carl Trueman zeigt in seinem Buch Der Siegeszug des modernen Selbst, dass wir in einer »entschöpflichten« (engl. decreated) und »entsakralisierten« (engl. desacralized) Welt leben. Mit Rückgriff auf Untersuchungen von Charles Taylor, Philip Rieff und Alasdair McIntyre zeichnet er kenntnisreich die Entwicklung nach, die zum »modernen Selbst« geführt hat. Die Fragen, die er stellt, sind von Gewicht und aktuell: Warum haben wir jenen metaphysischen Rückbezug verloren, der der menschlichen Identität und Moral über Jahrhunderte hinweg den nötigen Rückhalt gegeben hat, um Festigkeit und Bedeutung zu entwickeln? Wie ist es dazu gekommen, dass die stabile menschliche Natur sich verflüssigt hat und nun mehr und mehr verdampft? Woher stammt das Konzept eines Selbst, dass sich vor allem als psychologische und modellierbare Größe begreift? Woran liegt es, dass Sexualität – ja eigentlich eine zutiefst persönliche Angelegenheit – heute ein bemerkenswert öffentliches und machtpolitisches Thema geworden ist? Warum erscheint der Transgenderismus so vielen Leuten plausibel und unterstützenswert?

Der Historiker Carl Trueman geht in seiner Untersuchung zum »modernen Selbst« diesen Fragen und den zugrundeliegenden geistesgeschichtlichen Entwicklungen in einer Weise nach, die erkennen lässt, dass er verstehen möchte, was geschehen ist. Der Versuchung, vorschnelle oder polemische Kommentare und Antworten zu geben, widersteht er erfolgreich und liefert somit insbesondere christlichen Lesern einen nüchternen und zugleich erhellenden Beitrag zur Standortbestimmung. Die Kirchen brauchen dringend »ein tieferes und ganzheitlicheres Verständnis der modernen und postmodernen Gesamtlage«. Die spätmoderne Denkweise ist nämlich das Wasser, »in dem wir schwimmen, die Luft, die wir atmen«, wie Rod Dreher in seinem Vorwort schreibt. Wir können uns dem Einfluss dieser Kultur nicht nur nicht entziehen – allzu oft sind wir geneigte Teilhaber und Produzenten ihrer Lebensart.

Von mir gibt es für das Werk eine starke Empfehlung. Wer sich für das Thema interessiert, kommt an dieser Studie nicht vorbei. Wer sich für das Thema nicht interessiert, aber geistliche Leitungsverantwortung wahrnimmt, wird das Buch nicht ignorieren können, da uns Fragen um »Selbstverständnis«, »expressiven Individualismus«, »sexuelle Revolution« oder »Identität« in den nächsten fünfzehn Jahren intensiv beschäftigen werden.

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Craig Evans: Können wir den neutestamentlichen Manuskripten vertrauen?

Unser Glaube gründet sich auf das Neue Testament – aber können wir den Überlieferungen wirklich vertrauen? Skeptiker verneinen dies und argumentieren, dass die Evangelienmanuskripte manipuliert wurden, um eine bestimmte theologische Agenda durchzusetzen. Doch ist das so?

Die hilfreiche Faithlife-Dokumentation Fragments of Truth mit Dr. Craig Evans und anderen gibt es hier (leider nur in englischer Sprache):

Bullinger Digital

Der erhaltene Bullinger-Briefwechsel erstreckt sich von 1523 bis 1575 und gilt mit 12.000 überlieferten Briefen als einer der umfangreichsten Briefwechsel des 16. Jahrhunderts. Bullinger stand mit über 1.000 Personen in Kontakt, die Briefe behandeln ein breites Spektrum an Themen von theologischen Fragen über politische Ereignisse bis zu alltäglichen Begebenheiten. 

Die handschriftlichen Originale liegen mehrheitlich im Staatsarchiv Zürich und in der Zentralbibliothek Zürich und werden von diesen beiden Gedächtnisinstitutionen für Bullinger Digital restauriert und gescannt.

3.100 Briefe aus den Jahren 1523 bis 1547 wurden von der Heinrich-Bullinger-Briefwechseledition (HBBW), die am Institut für Schweizerische Reformationsgeschichte (IRG) angesiedelt ist, wurden bereits bearbeitet. Zu allen übrigen überlieferten Briefen hat das IRG die relevanten Metadaten wie Absender, Empfänger, Empfangsort, Briefdatum sowie Standort und Signatur des Originaldokuments auf Karteikarten erfasst. 

Hier geht es zum faszinierenden Portal Bullinger Digital: www.bullinger-digital.ch.

„Das Evangelium darf nicht verschwimmen“

Eine Initiativgruppe evangelikaler Theologen beklagen in einem Aufruf eine „fortschreitende Aushöhlung des Evangeliums“. Das Medienmagazin Pro meldet:

Selbst innerhalb ihrer eigenen evangelikalen Bewegung nehmen Theologen „eine Aushöhlung des Evangeliums“ wahr. Friedhelm Jung, Dozent am Bibelseminar Bonn, beobachtet dabei, dass es sowohl um dogmatische als auch um ethisch-moralische Ansichten gehe: „Sie haben lange gegolten, werden aber immer häufiger infrage gestellt“, betont er gegenüber PRO.

Mit ihrem Aufruf „Gemeinsam für das Evangelium“ wollen die sechs Initiatoren und 63 Erstunterzeichner verdeutlichen, dass es bei vielen Kontroversen nicht nur um eine Uneinigkeit in bestimmten Glaubensfragen oder ethischer Verantwortung gehe. Wenn die Bibel als Offenbarung Gottes infrage gestellt und biblische Maßstäbe an das gegenwärtige säkulare Denken angepasst werde, sei die Botschaft von der Rettung durch Jesus Christus selbst infrage gestellt und es werde ein anderes Evangelium verkündigt.

„Es gibt immer mehr Gemeinden und Christen, die die Jungfrauengeburt und den Sühnetod Jesu für verzichtbar halten“, erklärt Jung im Gespräch mit PRO. Auch im ethisch-moralischen Bereich gebe es viele Entwicklungen, die so nicht hinzunehmen seien. Vor allem Christen im Bereich der Coming-In-Bewegung würden praktizierte Homosexualität gar nicht mehr als Sünde sehen.

Mehr: www.pro-medienmagazin.de.

Verbum Medien ist ein Jahr alt

Am heutigen Reformationstag feiert der Verlag Verbum Medien einjähriges Jubiläum. Wir sind überwältigt und dankbar für das, was Gott in diesem letzten Jahr geschenkt hat. Wir durften 18 Bücher veröffentlichen und es werden, so hoffen wir, in den nächsten Jahren noch viele weitere dazu kommen.

Wir möchten den Tag bewusst mit euch feiern und deswegen gibt heute mit dem Code »jubvm23« für Bestellungen aus Deutschland und Österreich in unserem Shop kostenlosen Versand. Das Buch Der Siegeszug des modernen Selbst von Carl Trueman ist übrigens schon lieferbar. 

Hier geht es zur Verlagsseite: verbum-medien.de.

Die komplexe Lehre von der Liebe Gottes

3982288584 01 S001 LXXXXXXXD.A. Carsons Buch Die komplexe Lehre von der Liebe Gottes ist nun endlich auch in deutscher Sprache erhältlich. Das Buch geht auf Vorträge zurück, die Carson im Februar 1998 am Dallas Theological Seminary gehalten hat. Erörtert werden Fragen wie: Kann Gott angesichts seiner Unveränderlichkeit Gefühle haben? Wie verhält sich die Liebe Gottes zu seiner Souveränität und zu seinem Zorn?

D.A. Carson verteidigt in dem Werk den sogenannten Kompatibilismus, nachdem die absolute Souveränität Gottes die Verantwortung des Menschen nicht aufhebt. Er schreibt auf (S. 50–51):

Das vielleicht auffälligste Beispiel für Kompatibilismus findet sich in Apostelgeschichte 4,23–29. Die Kirche hat ihren ersten Hauch von Verfolgung erlebt. Petrus und Johannes berichten, was geschehen ist. Die Gemeinde betet zu Gott in der Sprache von Psalm 2. Ihr Gebet geht folgendermaßen weiter (4,27–28): „Und so ist es tatsächlich gekommen: Hier in dieser Stadt haben sich Herodes und Pontius Pilatus zusammen mit den heidnischen Nationen und den Stämmen Israels gegen deinen heiligen Diener Jesus verbündet, den du gesalbt hast. Doch indem sie so vorgingen, ist genau das eingetreten, was du in deiner Macht vorherbestimmt hattest und was nach deinem Plan geschehen sollte.“ Beachte genau: Einerseits gab es eine schreckliche Verschwörung, die Herodes, Pilatus, die heidnischen Behörden und die jüdischen Führer mitriss. Es war eine Verschwörung und sie sollten zur Rechenschaft gezogen werden. Andererseits taten sie das, was Gott in seiner Macht vorherbestimmt hatte und was nach seinem Plan geschehen sollte.

Wenn man einen Moment darüber nachdenkt, wird deutlich, dass jede andere Darstellung der Ereignisse das biblische Christentum zerstören würde. Wenn wir uns die Kreuzigung Jesu Christi ausschließlich als eine Verschwörung der damaligen politischen Behörden vorstellen und nicht als einen Plan Gottes (außer vielleicht, dass er im letzten Moment eingriff und beschloss, den Tod auf eine Weise zu nutzen, die er selbst nicht vorhergesehen hatte), dann bedeutet das, dass das Kreuz ein Unfall der Geschichte war. Vielleicht war es ein Unfall, der von Gott in seinem eigenen Interesse geschickt manipuliert wurde, aber es war nicht Teil des göttlichen Plans. In diesem Fall wird das gesamte Muster der im Vorfeld vorhergesagten Offenbarung zerstört: Yom Kippur, das Passahlamm, das Opfersystem und so weiter. Wenn dem so wäre, könntest du schon mal als Start den Hebräerbrief aus deiner Bibel herausreißen.

Wenn andererseits jemand die Souveränität Gottes beim Tod Jesu hervorhebt und begeistert davon spricht, dass aufgrund des Vorgehens aller Beteiligten „genau das eingetreten [ist], was du in deiner Macht vorherbestimmt hattest und was nach deinem Plan geschehen sollte“ (4,28) und dabei vergisst, dass es sich um eine böswillige Verschwörung handelte, wären Herodes, Pilatus, Judas Iskariot und die anderen vom Bösen entlastet. Wenn Gottes Souveränität bedeutet, dass alle, die ihm unterstehen, immun sind gegen den Vorwurf der Gesetzesverstöße, dann sind auch alle immun. In diesem Fall gibt es keine Sünde, für die gesühnt werden muss. Warum also das Kreuz? So oder so, das Kreuz wird zunichte gemacht.

Kurz gesagt, der Kompatibilismus ist ein notwendiger Bestandteil jeder reifen und orthodoxen Auffassung von Gott und der Welt. Er wirft unweigerlich wichtige und schwierige Fragen zur sekundären Kausalität auf, zur Frage, wie die menschliche Verantwortlichkeit begründet werden sollte und vieles mehr. Aus Platzgründen kann ich hier nicht auf diese Fragen eingehen.

Das Buch wurde von Solid Rock Verlag herausgegeben und kann hier bestellt werden.

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