Bücher

Fremde neue Welt im Podcast

Jörg Lackmann und Thomas Powilleit von der EfA Stuttgart haben zwei liebevoll gestaltete und hilfreiche Podcasts zu dem Buch Fremde neue Welt von Carl Trueman produziert. Hier kann man reinhören:

Teil 1: Fremde neue Welt:


Teil 2: Fremde neue Welt:

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Abtreibungsdebatte: „Sexualität und Kinderwunsch stimmen nicht überein“

Die Befürworter eines Abtreibungsrechts melden sich vermehrt zu Wort, nachdem eine von der Regierung eingesetzte Expertenkommission empfohlen hat, in den ersten zwölf Wochen einer Schwangerschaft Abbrüche zu legalisieren (den Hinweis auf beide nachfolgend besprochene Stellungnahmen verdanke ich einem Beitrag der TAGESPOST).

Der Jurist und Journalist Heribert Prantl empfiehlt in einem Beitrag für die SZ die vollständige Abschaffung des § 218. Er beruft sich auf ein Votum der beiden Höchstrichter Ernst Gottfried Mahrenholz und Berthold Sommer zum letzten Urteil des Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahr 1993. Dort haben diese erklärt: „Zu den spezifischen Grundbestimmungen menschlichen Seins“ gehöre, dass „Sexualität und Kinderwunsch nicht übereinstimmen“. Prantl versteigt sich zu der Aussage: „Der 218 ist daher dem Buchstaben und dem Geiste nach immer noch ein Recht zur Ächtung der Frau … Paragraf 218 ist bis heute Ausdruck der Missachtung der Frau.“

In der WELT hat sich Professor Kai Möller gegen das Verbot der Abtreibung ausgesprochen. Er schreibt:

Klar erscheint mir jedoch, dass die in Deutschland geltende Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts verfehlt ist, da sie das Demokratieprinzip verletzt. Zur Erinnerung: das Bundesverfassungsgericht hat entschieden, dass die Legalisierung der Abtreibung nicht mit der Pflicht des Staates, menschliches Leben zu schützen, vereinbar ist. Nochmals: es ist aus moralischer Sicht natürlich gut vertretbar, gegen Abtreibung zu sein. Aber als verfassungsrechtliche Vorgabe ist diese Haltung verfehlt, denn sie erklärt die politischen Überzeugungen aller derjenigen, die aus guten, rechtfertigbaren Gründen für die Legalisierung der Abtreibung eintreten, für illegitim. Die Richter des Bundesverfassungsgerichts haben in ihren Urteilen zum Schwangerschaftsabbruch ihre eigenen moralischen Präferenzen dem ganzen Land aufgezwungen.

Möller bringt ein von der Philosophin Judith Jarvis Thomson entwickeltes Argument in die Debatte ein:

Für den Lebensschützer liegt das Hauptargument auf der Hand: Eine Abtreibung bedeutet die Zerstörung menschlichen Lebens. Niemanden, auch nicht Frauen, die sich für eine Abtreibung entscheiden, lässt dieser Punkt völlig kalt. Insofern kann ich nachvollziehen, wenn Menschen aus echter Überzeugung die Meinung vertreten, dass Abtreibung als Zerstörung menschlichen Lebens und insofern im Grundsatz als rechtswidrig anzusehen sein sollte, wie es dem geltenden Recht entspricht.

Für die Gegenposition gibt es auch gute Gründe. Das stärkste Argument wurde von der amerikanischen Philosophin Judith Jarvis Thomson entwickelt. Ihr Beispiel ist folgendes: Stellen Sie sich vor, dass während Ihres Schlafs ein berühmter Violinist, der eine schlimme Nierenkrankheit hat, an Sie angeschlossen wird, sodass er Ihre Nieren benutzt und so am Leben bleiben kann. Hätten Sie das Recht, die Verbindung zu kappen, wenn das den sicheren Tod des Musikers bedeuten würde?

Ganz klar lautet die Antwort: ja, das Recht hätten Sie, denn niemand darf Ihren Körper gegen Ihren Willen benutzen. Thomson argumentiert nun, dass es sich bei der Schwangerschaft ähnlich verhält. Selbst wenn man davon ausginge (was sie für zweifelhaft hält), dass der Fötus ein Recht auf Leben hat, bedeutet dies nicht, dass die Frau verpflichtet ist, ihm ihren Körper zur Verfügung zu stellen. Man könnte sagen: wenn sie dies tut, dann ist es ein Akt der Liebe, aber es liegt im Wesen der Liebe, das diese nicht erzwungen werden kann und darf.

Dieses Analogieargument wird von den Abtreibungsbefürwortern sehr gern herangezogen. Deshalb an dieser Stelle der Hinweis, dass sich Johannes Gonser in seinem Buch Abtreibung – ein Menschenrecht? (#ad) sehr gründlich damit befasst hat. Seiner Einschätzung nach ist nicht nur die Übertragbarkeit der Analogie problematisch. Er argumentiert auf Grundlage diverser ethischer Prinzipien für die These, dass dieses Argument selbst durch das Zugeständnis der Analogie fehlschlägt und zeigt auf, welche in moralischer Hinsicht weiteren problematischen Implikationen sich aus den darin propagierten Annahmen ergeben.

Lebensrechtler, die den Stellungnahmen von Prantl und Möller sachlich gut begründet widersprechen möchten, sind gut beraten, wenn sie die Abhandlung von Gonser gründlich studieren.

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Schönheit und Relevanz

In unseren Tagen ist die Apologetik einer christlichen Sexualethik eine große Herausforderung. Ein hilfreicher Text, der sich dieser Aufgabe verpflichtet weiß, ist jetzt als Schönheit & Relevanz: Biblische Sexualethik gut begründen und weise verteidigen bei Evangelium21 erschienen. Ursprünglich wurde der Text in einer langen Version von der Presbyterian Church in America (PCA) herausgegeben. Zu den Autoren gehören Tim Keller, Kevin DeYoung und Bryan Chapell.

Hier aus Auszug aus dem Geleitwort:

Wir erleben etwa, wie sich Jugendliche vom Glauben ihrer Eltern abwenden, weil sie nicht bereit sind, verstaubte Vorstellungen über Sexualität anzunehmen. Viele empfinden die christliche Moral generell als unattraktiv, einengend und lebensverneinend. Die Verantwortlichen in den Gemeinden sehen sich mit der sehr grundsätzlichen Anfrage konfrontiert, ob eine historische christliche Sexualethik noch haltbar ist oder sie der Zeit entsprechend generalüberholt werden muss.Wir dürfen dieser Infragestellung nicht ausweichen, sondern sollten sie vielmehr als Gelegenheit begreifen. Wir sind nämlich quasi gezwungen, dass Wesen und Ziel der christlichen Sichtweise auf Identität, Sexualität und Ehe im Kontext unserer Zeit bewusst nochmals zu durchdenken. Es gilt, die große biblische Vision des von Gott geschaffenen Menschen mit dessen Sexualität neu plausibel zu machen und damit deren Schönheit, Relevanz und Realitätsbezug vor Augen zu führen. Das Booklet Schönheit und Relevanz möchte dabei helfen, biblisch begründete Antworten auf die aktuellen Herausforderungen zu finden.

Das deutschsprachige Booklet ist gemeinsam mit dem Fachnetzwerk Designed in der Schweiz veröffentlicht worden. Vielen Dank für die Zusammenarbeit! 

Der Text kann hier heruntergeladen werden. Demnächst kann dort das Booklet auch in gedruckter Form bestellt werden.

Eckhard J. Schnabel: New Testament Theology

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Viele Leute in Deutschland kennen Eckhard J. Schnabel noch aus der Zeit, in der er in Deutschland lebte und an der Freien Theologischen Hochschule unterichtete. Inzwischen ist er Mary French Rockefeller Distinguished Professor für Neues Testament am Gordon-Conwell Theological Seminary (Hamilton, MA, USA). Kürzlich hat er eine Theologie des Neuen Testaments mit 1176 Seiten vorgelegt. Paul Gesting hat sie gelesen und stellt und das Buch vor:

Schnabel zeigt seine Affinität zur deutschen Wissenschaft in der Art, wie er sein Material anordnet. Er folgt eher einer historischen Gliederung des Materials (Johannes der Täufer, Verkündigung Jesu, dann Paulus, dann andere neutestamentliche Autoren) als den eher thematischen Ansätzen, die viele der englischsprachigen Standardwerke zur neutestamentlichen Theologie bevorzugen. Er lehnt jedoch die Methode des 19. Jahrhunderts (wie sie von William Wrede und in jüngerer Zeit von Heikki Räisänen vertreten wurde), das Neue Testament nur durch die historische Linse und ohne theologische Annahmen oder Agenda zu betrachten, ab. Schnabel sieht seine Arbeit zu Recht in den „theological convictions of the exegete“ (theologischen Überzeugungen des Exegeten) verortet (S. 9).

Schnabel verfolgt in seinem Projekt insgesamt jedoch eher einen „thematischen Ansatz“, indem er das Thema „Jesus als Messias“ als verbindendes Prinzip anführt, auch wenn seine einzelnen Kapitel dem historischen Ansatz folgen. Auf diese Weise wird versucht, die Einheit des Neuen Testaments über alle Autoren hinweg zu bewahren, anstatt die „Theologien“ der einzelnen Autoren zu betrachten (wie es in einigen Büchern der neutestamentlichen Theologie der Fall ist).

Das verbindende Thema „Jesus ist der Messias“ wird in Kapitel 3 umrissen und zieht sich durch das ganze Buch. Allerdings sieht Schnabel weitere ähnlich verbindende Themen in der Erfüllung von Gottes Verheißungen (§ 8.3, Kapitel 10 u. 21) und in der neuen Schöpfung (Kapitel 15 u. 26).

Mehr: www.evangelium21.net.

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Wahrheiten und Mehrheiten

Ob Klima-, Umwelt- oder Gesundheitskrise: Die Machtworte der Wissenschaft verheißen – so argumentieren viele Politiker und Journalisten – Abhilfe. Tatsächlich aber verbündet sich hier naive Wissenschaftsgläubigkeit mit einem tendenziell undemokratischen Machtanspruch. Jakob Hayner stellt das Buch Wahrheiten und Mehrheiten von Peter Strohschneider vor, in dem der heute so verbreitete Szientismus unter die Lupe genommen wird: 

Mit klarer Argumentation und nüchterner Analyse nimmt Strohschneider auf knapp 200 Seiten einige der Irrtümer über Wissenschaft und Politik auseinander, die in den vergangenen Jahren geradezu endemisch geworden sind. Der 1955 geborene Strohschneider ist zwar von Beruf Literaturwissenschaftler, war aber auch langjähriger Vorsitzender des Wissenschaftsrats und der Deutschen Forschungsgemeinschaft, zudem Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina. Kurz: Hier spricht ein Mensch der Wissenschaft aus intimer Kenntnis der Sache.

„Wahrheiten und Mehrheiten. Zur Kritik des autoritären Szientismus“ heißt das Buch von Strohschneider. Szientistisch, in Abgrenzung zu szientifisch (schwer einzudeutschen: wissenschaftistisch statt wissenschaftlich), nennt Strohschneider die „Follow the Science“-Pose, die allein „die Fakten“, aber keinerlei Erkenntnis- und sonstige Wissenschaftsprobleme kennt, sondern ausschließlich einen alternativlos wirkenden Handlungsdruck aufbaut. Zu finden ist das bei Gruppierungen wie „Scientists for Future“ oder bei Leuten, die es wie der SPD-Politiker Karl Lauterbach vom Twitter-Troll zum Minister gebracht haben.

Ein Zitat aus dem Buch (Wahrheiten und Mehrheiten: Kritik des autoritären Szientismus, 2004, S. 135–136):

So „sorgt die Rhetorik des Notstands für despotische Verhältnisse,“ und dieser Schritt lässt sich nicht nur in politischen Stellungnahmen wie denjenigen der Jugendklimabewegung oder von Karl Lauterbach verfolgen, sondern auch an gesellschaftstheoretisch erheblich ambitionierteren Beispielen. So hat etwa der Soziologe Anthony Giddens, in den neunziger Jahren einer der intellektuellen Väter des britischen New Labour-Projektes, schon vor über einer Dekade in seinem Buch The Politics of Climate Change durchbuchstabiert, wie manifestes Politikversagen behoben werden könne, indem man diese Politics um alles Politische programmatisch bereinige. Es müsse „der scharfe Gegensatz von Links und Rechts sowohl ideologisch als auch in der parteipolitischen Praxis überwunden werden […].“ Denn tatsächlich bestehe längst kein sachlicher Dissens mehr über das, was bei der Bekämpfung des Klimawandels ‹eigentlich› erforderlich sei. Vielmehr seien es allein politische Gegnerschaften, welche die richtigen Entscheidungen behinderten. Und gegen diese Blockaden durch das Politische empfahl Giddens nun einen parteiübergreifenden monitoring body. Dieser sollte die Verfolgung von Klimaschutzzielen nicht bloß überwachen, sondern gegebenenfalls auch selbst direkt in die entsprechende Gesetzgebung eingreifen. Unüberhörbar ist, dass dieser klimapolitische Herrschaftsentwurf bis in jene Vorstellungen des bundesrepublikanischen Gesundheitsministers hinein nachhallt, nach welchen Politik durch Szientifizierung ertüchtigt werden soll.

Mehr (hinter einer Bezahlschranke): www.welt.de.

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Wie die Luft die wir atmen

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Glen Scrivener möchte uns in seinem Buch Wie die Luft, die wir atmen „die Augen dafür öffnen, dass das, was wir in unserer Welt erleben, die fortdauernden Nachbeben der Jesus-Revolution sind“ (S. 16). Dabei ist es nicht nur sein Anspruch, gläubige Christen in zehn kurzen Kapiteln auf nur 256 Seiten von dieser These zu überzeugen und ihnen Mut zu machen, „ihren Weg weiterzugeben“ (S. 16). Vielmehr möchte er gerade der Gruppe der unreligiösen Menschen zeigen, was das Evangelium bedeutet.

Lukas Meier hat das Buch gelesen und schreibt: 

Eins ist sicher: Langweilig wird dieses Buch nie. Es erinnert an eine Netflix-Serie mit dramatischen Szenen, starken Kontrasten, verwegenen Charakteren und schnellen Schnitten. Nirgendwo verweilt der Blick länger. Rastlos schweift das Auge über ganze Jahrhunderte hin und nimmt nur grobe Konturen wahr. Man bleibt stets aufmerksam, erwartet gespannt die nächste Wendung, den nächsten Einfall, den nächsten Akteur auf der Bühne.

Die Argumentation ist mutig, bisweilen gewagt. Nachweise für die aufgestellten Behauptungen fehlen weitgehend. Natürlich könnte und müsste man alles viel differenzierter sagen – darauf weist der Autor zu Beginn des Buches auch gleich selbst hin. Scrivener führt keinen wissenschaftlichen Beweisgang. Er erzählt eine Geschichte, die mitreißt, die zur Identifikation einlädt, die nicht zuletzt auch unterhalten soll. Und das tut sie, auch dank der gelungenen Übersetzung, die dem Tempo und der Dramatik des Buches gerecht wird.

Am Ende klappt man die Buchdeckel zu und ist ermutigt, denn bei der Lektüre wird einem wieder ganz neu klar: Der christliche Glaube ist ein einzigartiges und wundervolles Geschenk Gottes, das nicht nur unsere westliche Zivilisation, sondern auch das Leben von Millionen Menschen unendlich viel besser, freier und leichter gemacht hat. Es lohnt sich, an diesem Glauben festzuhalten, wohin auch immer unsere Gesellschaft sich weiterentwickeln mag.

Mehr: www.evangelium21.net.

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Die Dreiteilung des alttestamentlichen Gesetzes

Die klassische Dreiteilung des alttestamentlichen Gesetzes wird heute von vielen Theologen abgelehnt, mitunter auch von jenen, die in der Tradition der reformierten Theologie stehen. Zumindest sind viele gegenüber dieser Unterscheidung misstrausch.

Um ein Beispiel zu nennen: D.A. Carson hält es für möglich, dass sich die Kategorien Moralrecht, Zivilrecht und Zeremonialgesetz aus der Schrift entwickeln lassen – auch wenn sie dort nicht ausdrücklich gelehrt werden. Aber diese Unterscheidung ist problematisch, wenn wir sie a priori in die Schrift eintragen. Er schreibt („Mystery and Fulfillment: Toward a More Comprehensive Paradigm of Paul’s Understanding of the Old and the New“, in: P.T. O’Brien u. M.A. Seifrid (Hrsg.), Justification and Variegated Nomism: The Paradoxes of Paul, Bd. 2, Baker Academic; Tübingen: Mohr Siebeck u. Grand Rapids, MI: Baker Academics, 2004, S. 429):

Kurz gesagt, das Problem mit der Dreiteilung des Gesetzes, die als Mittel zur Erklärung von Kontinuität und Diskontinuität zwischen den Testamenten auf Thomas von Aquin zurückgeht, besteht darin, dass sie versucht, ein apriorisches Raster zu konstruieren, um herauszufinden, welche Teile des Gesetzes Christen halten oder tun müssen, und dass sie davon ausgeht, dass Paulus ein solches Raster übernommen haben muss, auch wenn er es nicht ausdrücklich nennt. Wenn wir uns stattdessen in dieser Hinsicht enger an die paulinische Terminologie halten, können wir immer noch sinnvollerweise von der Dreiteilung aus einer a posteriori-Perspektive sprechen: Nachdem wir die Muster von Kontinuitäten und Diskontinuitäten, die Paulus aufstellt, beobachtet haben, können jene Gesetze des alten Bundes, die Christen in einer Weise „erfüllen“, die ihrer Funktion innerhalb des alten Bundes am ehesten entspricht, sicher als „moralisch“ bezeichnet werden, ohne zu befürchten, dass eine a priori-Definition Paulus‘ Denken domestiziert.

Das Buch From the Finger of God: The Biblical and Theological Basis for the Threefold Division of the Law von Philip S. Ross untersucht die biblische und theologische Grundlage für die klassische Unterteilung des alttestamentlichen Gesetzes. Es beleuchtet einige der Auswirkungen dieser Unterteilung auf die Lehre von der Sünde und der Sühne und kommt zu dem Schluss, dass die Theologen diese Unterteilung zu Recht als in der Heiligen Schrift verwurzelt und die Zehn Gebote als ewig verbindlich ansahen.

Auch für jene, die die Dreiteilung ablehnen, liefert das Buch eine solide Darstellung und Erklärung der alten Differenzierung. Es verfolgt die Spuren nicht nur zurück bis zu den Kirchenvätern, sondern sucht schon im Judentum nach Indizien und macht dafür Anleihen bei den Untersuchungen von Walter Kaiser (S. 20): 

Kaiser weist darauf hin, dass die Suche nach den Ursprüngen der Dreiteilung, die bei den Kirchenvätern endet, nicht weit genug zurückreicht. Obwohl er nicht behauptet, dass sie von den Rabbinern stammt, zitiert er Montefiores und Dalmans Zeugnis über die Unterscheidung zwischen „schweren“ und „leichten“ Geboten durch die Rabbiner.

Wenn Montefiore recht hat, kannten die Rabbiner die Unterscheidung zwischen zeremoniellen und moralischen Geboten, und im Großen und Ganzen betrachteten sie die „moralischen“ als wichtiger und grundlegender als die „zeremoniellen“ – sie akzeptierten eine Zweiteilung. Dies mag den Grundstein für den von einigen Kirchenvätern bevorzugten Ansatz gelegt haben, und in späteren Kapiteln wird sich zeigen, dass der Vorrang des „moralischen“ Gesetzes eine fest etablierte Ansicht war.

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Elisabeth Elliots dritte Ehe

Die Missionarin und Autorin Elisabeth Elliot (1926–2015) ist für viele Christen (auch) in Deutschland eine wertvolle Ratgeberin geworden. Sie hat zum Beispiel erzählt, wie lange sie auf ihre Ehe mit Jim wartete. Fünf Jahre dauert es, bis Jim Elliot den Eindruck hatte, Gott erlaube ihm, Elisabeth zu heiraten. Fünf quälend lange Jahre. Literarisch verarbeitet in dem Buch Eine harte Liebe (#ad).

Zusammen mit ihrem Mann Jim arbeitete Elisabeth später als Missionarin im östlichen Teil von Ecuador. Und auch dort hat Gott ihr und ihrem Mann sehr viel abverlangt. Im Januar 1956 wurden Jim und vier weitere Missionare von Huaorani-Indianern ermordet.

Elisabeth missionierte weiter und hat viele anrührende Bücher geschrieben. Ihre Leser spürten die Tiefe, lernten von ihrem Gottvertrauen – und ahnte etwas von dem Schmerz, der sie begleitete.

Was ich nicht wusste und möglicherweise auch viele ihrer Leser bisher nicht erfahren haben: Die dritte Ehe von Elisabeth verlief sehr unglücklich. In zwei neuen Biographien wird davon berichtet.

Liz Charlotte Grant, die sich inzwischen von ihrer evangelikalen Herkunft distanziert, hat in einem Artikel die Biographien vorgestellt und dabei auch ihre Ehe mit Lars Gren beschrieben. Ehemänner finden hier ihr Anti-Vorbild.

Einige Auszüge:

Die Biografin Ellen Vaughn beschreibt die Logik von Elliots dritter Ehe folgendermaßen: „Ich konnte … Elisabeths verständliche Einsamkeit, ihr tiefes Bedürfnis nach Bestätigung, ihren körperlichen Hunger, ihre Müdigkeit und ihren Wunsch, ‚beschützt‘ zu werden, sehen, die sie allmählich und heimtückisch, Schritt für Schritt, in eine schwierige dritte Ehe führten, die sie für den Rest ihres langen Lebens einschränkte und kontrollierte.“ Elliot „tauschte … Freiheit gegen Sicherheit. Sie wurde zu einem Menschen, dessen höchster Wert der Wunsch war, sich sicher zu fühlen.“ Leider hatte Gren keine Sicherheit zu bieten, und seine Anwesenheit verschlimmerte Elliots Schmerz nur noch.

Beide Biographen beschreiben eine dramatische Einschränkung von Elliots Freiheit, nachdem sie das dritte Mal geheiratet hatte. Gren bestimmte, wann sie eine Tasse Tee trank, ein Bad nahm und wann sie schlief. Er kontrollierte häufig den Kilometerzähler ihres Autos und vergewisserte sich, dass sie keine ungeplanten Stopps eingelegt hatte. Er kontrollierte das Thermostat im Haus. Er belauschte ihre Telefongespräche und hatte das letzte Wort darüber, ob sie ihre Freunde besuchte, wobei er Einladungen für sie oft in letzter Minute ablehnte. Wenn er wütend auf seine Frau war, weigerte er sich tagelang, mit ihr zu sprechen. Und am schmerzlichsten für Elliot war, dass Gren „ihr willkürlich den Zugang zu ihrer Tochter, ihrem Schwiegersohn und ihren Enkelkindern, die sie über alles liebte, verwehrte“, schreibt Vaughn.

Die Manipulationen verschlimmerten sich, als Elliots Ehemann die Leitung der „Elisabeth-Elliott-Industry“ übernahm, wie Austen es in einem Interview bezeichnete. Austen schreibt: „Er stellte sie auf dem Podium vor, justierte ihr Mikrofon, verwaltete den Büchertisch und sorgte dafür, dass sie aß. Er entschied, wann sie sich ausruhte, wann sie arbeitete und wann sie sich unterhielt … er tadelte sie für Fehler beim Sprechen … und kritisierte sogar ihre Körperhaltung.“ Gren hielt einen zermürbenden Redeplan für die introvertierte Elliot aufrecht, die oft Alpträume vom öffentlichen Reden hatte und sich in ihren späteren Jahren lieber aus dem öffentlichen Leben zurückgezogen hätte. Sie fügte sich jedoch den unerbittlichen Erwartungen von Gren, und so wuchs ihr Einfluss (zu ihrem Leidwesen) weiter.

Noch lange nach ihrer Alzheimer-Diagnose in den 1990er Jahren hielt Elliot wegen Gren eine Vielzahl von Vorträgen – selbst nachdem sie die Fähigkeit zu sprechen verloren hatte. Mindestens einmal ließ Gren sie lächelnd auf der Bühne sitzen, während er ein Band mit einer Rede abspielte, die sie Jahre zuvor aufgenommen hatte. Erst als ein Arzt das Ende ihrer Reise anordnete, wurde sie von den Zumutungen ihres Mannes erlöst.

Mehr: therevealer.org. Siehe auch den Artikel „Elisabeth Elliot und die tröstliche Souveränität Gottes“ von Miriam Münch.

VD: NP

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Bollwerke des Unglaubens

Immer mehr Menschen im Westen bezeichnen sich als Atheisten oder sind zumindest praktische Atheisten. Sie leben so, als ob es Gott nicht gäbe.

Christliche Apologeten reagieren auf diese traurige Wirklichkeit meist, indem sie rationale Argumente für Gottes Existenz entwickeln. Ich will nicht sagen, dass das unwichtig ist. Ich bin im Gegenteil der Meinung, dass die Klärung religionsphilosophischer Fragen vom Standpunkt des christlichen Glaubens aus notwendig ist. Und doch greift das allein zu kurz. Was viele Menschen in den praktischen oder theoretischen Atheismus treibt, ist die gefühlte Abwesenheit Gottes, wie der spätmoderne Mensch sie erlebt.

Joseph Minich hat genau darüber ein anspruchsvolles und doch hochspannendes Buch geschrieben. Er zeigt, dass die jüngsten technologischen und kulturellen Veränderungen im Westen dazu geführt haben, dass Gott „nicht mehr gebraucht wird“. In dem Maße, in dem die moderne Technokultur unsere Wahrnehmung der Realität und unseren Glauben an das Unsichtbare umgestaltet, verstärkt sie ihrerseits das scheinbare Schweigen Gottes.

Der beste Film, den ich 2023 gesehen habe, heißt „Stowaway – Blinder Passagier“ (2021, Regie: Joe Penna). Eine dreiköpfige Raumschiff-Crew reist zum Mars. Sie finden einen blinden Passagier an Bord. Sauerstoffmangel treibt die Astronauten in schwierigste ethische Dilemma.

Trotz kleiner Mängel im Drehbuch ein atmosphärisch und intellektuell begeisternder Film. Was mich vor allem berührt hat: Es geht um große Menschheitsfragen, etwa um Zeit, Schönheit, Wissenschaft, Schmerz, Familie und den Sinn des Lebens. Aber Gott kommt gar nicht mehr vor, noch nicht einmal als Denkmöglichkeit. Uns begegnet die Kultur, die Joseph Minich in Bulwarks of Unbelief: Atheism and Divine Absence in a Secular Age (dt.  Bollwerke des Unglaubens: Atheismus und göttliche Abwesenheit in einem säkularen Zeitalter) beschreibt. Doch am Ende drängen sich Gedanken wie Nächstenliebe, Stellvertretung und Opfer auf. Es ist fast so, als wenn sich das Evangelium – von den Autoren wohl eher unbeabsichtigt – Mitten im „Schweigen Gottes“ Gehör verschafft.

Hier der offizielle Trailer:

Das Buch Bulwarks of Unbelief gibt es in einer Logos-Version und im Buchhandel (#ad).

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Theologie für Kinder: „In jeder Hinsicht genial“

Ich zitiere Yvonne Schwengeler aus ihrer Besprechung des Buches Theologie für Kinder, ethos, 2/2024, S. 62):

„Des vielen Büchermachens ist kein Ende, und viel Studieren macht den Leibmüde“,sagte schon Salomo. Diese Bibelstelle wird oft scherzhaft zitiert angesichts der grossen Zahl an Büchern, die jährlich produziert werden. „Nichts Neuesunter der Sonne“, stellt man oftmals fest. Bei der Publikation „Theologie für Kinder“ ist das anders. Selbst über Jahrzehnte in dieser Branche tätig, habe ich nie etwas Vergleichbares gesehen. Bevor ich das Buch gelesen hatte, war ich eher skeptisch. Ich erwartete eine trockene, theoretische Abhandlung, von der ich mir nicht vorstellen konnte, dass Kinder dafür zu begeistern sind. Falsch, ganz falsch! Das Buch ist in jeder Hinsicht genial und ich hätte mir gewünscht, dieses Werk schon an der Hand zu haben, als unsere Kinder noch klein waren! Biblische, heilsgeschichtliche Wahrheiten werden hier lebendig und prägnant weitergegeben. Themen sind zum Beispiel die Lehre von Gott, vom Menschen, von der Sünde, von Verheissung und Gesetz, von Christus, vom Heiligen Geist, von der Adoption in die Familie Gottes, von der Verwandlung, von der Gemeinde, von der Endzeit, von Gottes Wort.

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