Bücher

Eckhard J. Schnabel: New Testament Theology

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Viele Leute in Deutschland kennen Eckhard J. Schnabel noch aus der Zeit, in der er in Deutschland lebte und an der Freien Theologischen Hochschule unterichtete. Inzwischen ist er Mary French Rockefeller Distinguished Professor für Neues Testament am Gordon-Conwell Theological Seminary (Hamilton, MA, USA). Kürzlich hat er eine Theologie des Neuen Testaments mit 1176 Seiten vorgelegt. Paul Gesting hat sie gelesen und stellt und das Buch vor:

Schnabel zeigt seine Affinität zur deutschen Wissenschaft in der Art, wie er sein Material anordnet. Er folgt eher einer historischen Gliederung des Materials (Johannes der Täufer, Verkündigung Jesu, dann Paulus, dann andere neutestamentliche Autoren) als den eher thematischen Ansätzen, die viele der englischsprachigen Standardwerke zur neutestamentlichen Theologie bevorzugen. Er lehnt jedoch die Methode des 19. Jahrhunderts (wie sie von William Wrede und in jüngerer Zeit von Heikki Räisänen vertreten wurde), das Neue Testament nur durch die historische Linse und ohne theologische Annahmen oder Agenda zu betrachten, ab. Schnabel sieht seine Arbeit zu Recht in den „theological convictions of the exegete“ (theologischen Überzeugungen des Exegeten) verortet (S. 9).

Schnabel verfolgt in seinem Projekt insgesamt jedoch eher einen „thematischen Ansatz“, indem er das Thema „Jesus als Messias“ als verbindendes Prinzip anführt, auch wenn seine einzelnen Kapitel dem historischen Ansatz folgen. Auf diese Weise wird versucht, die Einheit des Neuen Testaments über alle Autoren hinweg zu bewahren, anstatt die „Theologien“ der einzelnen Autoren zu betrachten (wie es in einigen Büchern der neutestamentlichen Theologie der Fall ist).

Das verbindende Thema „Jesus ist der Messias“ wird in Kapitel 3 umrissen und zieht sich durch das ganze Buch. Allerdings sieht Schnabel weitere ähnlich verbindende Themen in der Erfüllung von Gottes Verheißungen (§ 8.3, Kapitel 10 u. 21) und in der neuen Schöpfung (Kapitel 15 u. 26).

Mehr: www.evangelium21.net.

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Wahrheiten und Mehrheiten

Ob Klima-, Umwelt- oder Gesundheitskrise: Die Machtworte der Wissenschaft verheißen – so argumentieren viele Politiker und Journalisten – Abhilfe. Tatsächlich aber verbündet sich hier naive Wissenschaftsgläubigkeit mit einem tendenziell undemokratischen Machtanspruch. Jakob Hayner stellt das Buch Wahrheiten und Mehrheiten von Peter Strohschneider vor, in dem der heute so verbreitete Szientismus unter die Lupe genommen wird: 

Mit klarer Argumentation und nüchterner Analyse nimmt Strohschneider auf knapp 200 Seiten einige der Irrtümer über Wissenschaft und Politik auseinander, die in den vergangenen Jahren geradezu endemisch geworden sind. Der 1955 geborene Strohschneider ist zwar von Beruf Literaturwissenschaftler, war aber auch langjähriger Vorsitzender des Wissenschaftsrats und der Deutschen Forschungsgemeinschaft, zudem Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina. Kurz: Hier spricht ein Mensch der Wissenschaft aus intimer Kenntnis der Sache.

„Wahrheiten und Mehrheiten. Zur Kritik des autoritären Szientismus“ heißt das Buch von Strohschneider. Szientistisch, in Abgrenzung zu szientifisch (schwer einzudeutschen: wissenschaftistisch statt wissenschaftlich), nennt Strohschneider die „Follow the Science“-Pose, die allein „die Fakten“, aber keinerlei Erkenntnis- und sonstige Wissenschaftsprobleme kennt, sondern ausschließlich einen alternativlos wirkenden Handlungsdruck aufbaut. Zu finden ist das bei Gruppierungen wie „Scientists for Future“ oder bei Leuten, die es wie der SPD-Politiker Karl Lauterbach vom Twitter-Troll zum Minister gebracht haben.

Ein Zitat aus dem Buch (Wahrheiten und Mehrheiten: Kritik des autoritären Szientismus, 2004, S. 135–136):

So „sorgt die Rhetorik des Notstands für despotische Verhältnisse,“ und dieser Schritt lässt sich nicht nur in politischen Stellungnahmen wie denjenigen der Jugendklimabewegung oder von Karl Lauterbach verfolgen, sondern auch an gesellschaftstheoretisch erheblich ambitionierteren Beispielen. So hat etwa der Soziologe Anthony Giddens, in den neunziger Jahren einer der intellektuellen Väter des britischen New Labour-Projektes, schon vor über einer Dekade in seinem Buch The Politics of Climate Change durchbuchstabiert, wie manifestes Politikversagen behoben werden könne, indem man diese Politics um alles Politische programmatisch bereinige. Es müsse „der scharfe Gegensatz von Links und Rechts sowohl ideologisch als auch in der parteipolitischen Praxis überwunden werden […].“ Denn tatsächlich bestehe längst kein sachlicher Dissens mehr über das, was bei der Bekämpfung des Klimawandels ‹eigentlich› erforderlich sei. Vielmehr seien es allein politische Gegnerschaften, welche die richtigen Entscheidungen behinderten. Und gegen diese Blockaden durch das Politische empfahl Giddens nun einen parteiübergreifenden monitoring body. Dieser sollte die Verfolgung von Klimaschutzzielen nicht bloß überwachen, sondern gegebenenfalls auch selbst direkt in die entsprechende Gesetzgebung eingreifen. Unüberhörbar ist, dass dieser klimapolitische Herrschaftsentwurf bis in jene Vorstellungen des bundesrepublikanischen Gesundheitsministers hinein nachhallt, nach welchen Politik durch Szientifizierung ertüchtigt werden soll.

Mehr (hinter einer Bezahlschranke): www.welt.de.

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Wie die Luft die wir atmen

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Glen Scrivener möchte uns in seinem Buch Wie die Luft, die wir atmen „die Augen dafür öffnen, dass das, was wir in unserer Welt erleben, die fortdauernden Nachbeben der Jesus-Revolution sind“ (S. 16). Dabei ist es nicht nur sein Anspruch, gläubige Christen in zehn kurzen Kapiteln auf nur 256 Seiten von dieser These zu überzeugen und ihnen Mut zu machen, „ihren Weg weiterzugeben“ (S. 16). Vielmehr möchte er gerade der Gruppe der unreligiösen Menschen zeigen, was das Evangelium bedeutet.

Lukas Meier hat das Buch gelesen und schreibt: 

Eins ist sicher: Langweilig wird dieses Buch nie. Es erinnert an eine Netflix-Serie mit dramatischen Szenen, starken Kontrasten, verwegenen Charakteren und schnellen Schnitten. Nirgendwo verweilt der Blick länger. Rastlos schweift das Auge über ganze Jahrhunderte hin und nimmt nur grobe Konturen wahr. Man bleibt stets aufmerksam, erwartet gespannt die nächste Wendung, den nächsten Einfall, den nächsten Akteur auf der Bühne.

Die Argumentation ist mutig, bisweilen gewagt. Nachweise für die aufgestellten Behauptungen fehlen weitgehend. Natürlich könnte und müsste man alles viel differenzierter sagen – darauf weist der Autor zu Beginn des Buches auch gleich selbst hin. Scrivener führt keinen wissenschaftlichen Beweisgang. Er erzählt eine Geschichte, die mitreißt, die zur Identifikation einlädt, die nicht zuletzt auch unterhalten soll. Und das tut sie, auch dank der gelungenen Übersetzung, die dem Tempo und der Dramatik des Buches gerecht wird.

Am Ende klappt man die Buchdeckel zu und ist ermutigt, denn bei der Lektüre wird einem wieder ganz neu klar: Der christliche Glaube ist ein einzigartiges und wundervolles Geschenk Gottes, das nicht nur unsere westliche Zivilisation, sondern auch das Leben von Millionen Menschen unendlich viel besser, freier und leichter gemacht hat. Es lohnt sich, an diesem Glauben festzuhalten, wohin auch immer unsere Gesellschaft sich weiterentwickeln mag.

Mehr: www.evangelium21.net.

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Die Dreiteilung des alttestamentlichen Gesetzes

Die klassische Dreiteilung des alttestamentlichen Gesetzes wird heute von vielen Theologen abgelehnt, mitunter auch von jenen, die in der Tradition der reformierten Theologie stehen. Zumindest sind viele gegenüber dieser Unterscheidung misstrausch.

Um ein Beispiel zu nennen: D.A. Carson hält es für möglich, dass sich die Kategorien Moralrecht, Zivilrecht und Zeremonialgesetz aus der Schrift entwickeln lassen – auch wenn sie dort nicht ausdrücklich gelehrt werden. Aber diese Unterscheidung ist problematisch, wenn wir sie a priori in die Schrift eintragen. Er schreibt („Mystery and Fulfillment: Toward a More Comprehensive Paradigm of Paul’s Understanding of the Old and the New“, in: P.T. O’Brien u. M.A. Seifrid (Hrsg.), Justification and Variegated Nomism: The Paradoxes of Paul, Bd. 2, Baker Academic; Tübingen: Mohr Siebeck u. Grand Rapids, MI: Baker Academics, 2004, S. 429):

Kurz gesagt, das Problem mit der Dreiteilung des Gesetzes, die als Mittel zur Erklärung von Kontinuität und Diskontinuität zwischen den Testamenten auf Thomas von Aquin zurückgeht, besteht darin, dass sie versucht, ein apriorisches Raster zu konstruieren, um herauszufinden, welche Teile des Gesetzes Christen halten oder tun müssen, und dass sie davon ausgeht, dass Paulus ein solches Raster übernommen haben muss, auch wenn er es nicht ausdrücklich nennt. Wenn wir uns stattdessen in dieser Hinsicht enger an die paulinische Terminologie halten, können wir immer noch sinnvollerweise von der Dreiteilung aus einer a posteriori-Perspektive sprechen: Nachdem wir die Muster von Kontinuitäten und Diskontinuitäten, die Paulus aufstellt, beobachtet haben, können jene Gesetze des alten Bundes, die Christen in einer Weise „erfüllen“, die ihrer Funktion innerhalb des alten Bundes am ehesten entspricht, sicher als „moralisch“ bezeichnet werden, ohne zu befürchten, dass eine a priori-Definition Paulus‘ Denken domestiziert.

Das Buch From the Finger of God: The Biblical and Theological Basis for the Threefold Division of the Law von Philip S. Ross untersucht die biblische und theologische Grundlage für die klassische Unterteilung des alttestamentlichen Gesetzes. Es beleuchtet einige der Auswirkungen dieser Unterteilung auf die Lehre von der Sünde und der Sühne und kommt zu dem Schluss, dass die Theologen diese Unterteilung zu Recht als in der Heiligen Schrift verwurzelt und die Zehn Gebote als ewig verbindlich ansahen.

Auch für jene, die die Dreiteilung ablehnen, liefert das Buch eine solide Darstellung und Erklärung der alten Differenzierung. Es verfolgt die Spuren nicht nur zurück bis zu den Kirchenvätern, sondern sucht schon im Judentum nach Indizien und macht dafür Anleihen bei den Untersuchungen von Walter Kaiser (S. 20): 

Kaiser weist darauf hin, dass die Suche nach den Ursprüngen der Dreiteilung, die bei den Kirchenvätern endet, nicht weit genug zurückreicht. Obwohl er nicht behauptet, dass sie von den Rabbinern stammt, zitiert er Montefiores und Dalmans Zeugnis über die Unterscheidung zwischen „schweren“ und „leichten“ Geboten durch die Rabbiner.

Wenn Montefiore recht hat, kannten die Rabbiner die Unterscheidung zwischen zeremoniellen und moralischen Geboten, und im Großen und Ganzen betrachteten sie die „moralischen“ als wichtiger und grundlegender als die „zeremoniellen“ – sie akzeptierten eine Zweiteilung. Dies mag den Grundstein für den von einigen Kirchenvätern bevorzugten Ansatz gelegt haben, und in späteren Kapiteln wird sich zeigen, dass der Vorrang des „moralischen“ Gesetzes eine fest etablierte Ansicht war.

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Elisabeth Elliots dritte Ehe

Die Missionarin und Autorin Elisabeth Elliot (1926–2015) ist für viele Christen (auch) in Deutschland eine wertvolle Ratgeberin geworden. Sie hat zum Beispiel erzählt, wie lange sie auf ihre Ehe mit Jim wartete. Fünf Jahre dauert es, bis Jim Elliot den Eindruck hatte, Gott erlaube ihm, Elisabeth zu heiraten. Fünf quälend lange Jahre. Literarisch verarbeitet in dem Buch Eine harte Liebe (#ad).

Zusammen mit ihrem Mann Jim arbeitete Elisabeth später als Missionarin im östlichen Teil von Ecuador. Und auch dort hat Gott ihr und ihrem Mann sehr viel abverlangt. Im Januar 1956 wurden Jim und vier weitere Missionare von Huaorani-Indianern ermordet.

Elisabeth missionierte weiter und hat viele anrührende Bücher geschrieben. Ihre Leser spürten die Tiefe, lernten von ihrem Gottvertrauen – und ahnte etwas von dem Schmerz, der sie begleitete.

Was ich nicht wusste und möglicherweise auch viele ihrer Leser bisher nicht erfahren haben: Die dritte Ehe von Elisabeth verlief sehr unglücklich. In zwei neuen Biographien wird davon berichtet.

Liz Charlotte Grant, die sich inzwischen von ihrer evangelikalen Herkunft distanziert, hat in einem Artikel die Biographien vorgestellt und dabei auch ihre Ehe mit Lars Gren beschrieben. Ehemänner finden hier ihr Anti-Vorbild.

Einige Auszüge:

Die Biografin Ellen Vaughn beschreibt die Logik von Elliots dritter Ehe folgendermaßen: „Ich konnte … Elisabeths verständliche Einsamkeit, ihr tiefes Bedürfnis nach Bestätigung, ihren körperlichen Hunger, ihre Müdigkeit und ihren Wunsch, ‚beschützt‘ zu werden, sehen, die sie allmählich und heimtückisch, Schritt für Schritt, in eine schwierige dritte Ehe führten, die sie für den Rest ihres langen Lebens einschränkte und kontrollierte.“ Elliot „tauschte … Freiheit gegen Sicherheit. Sie wurde zu einem Menschen, dessen höchster Wert der Wunsch war, sich sicher zu fühlen.“ Leider hatte Gren keine Sicherheit zu bieten, und seine Anwesenheit verschlimmerte Elliots Schmerz nur noch.

Beide Biographen beschreiben eine dramatische Einschränkung von Elliots Freiheit, nachdem sie das dritte Mal geheiratet hatte. Gren bestimmte, wann sie eine Tasse Tee trank, ein Bad nahm und wann sie schlief. Er kontrollierte häufig den Kilometerzähler ihres Autos und vergewisserte sich, dass sie keine ungeplanten Stopps eingelegt hatte. Er kontrollierte das Thermostat im Haus. Er belauschte ihre Telefongespräche und hatte das letzte Wort darüber, ob sie ihre Freunde besuchte, wobei er Einladungen für sie oft in letzter Minute ablehnte. Wenn er wütend auf seine Frau war, weigerte er sich tagelang, mit ihr zu sprechen. Und am schmerzlichsten für Elliot war, dass Gren „ihr willkürlich den Zugang zu ihrer Tochter, ihrem Schwiegersohn und ihren Enkelkindern, die sie über alles liebte, verwehrte“, schreibt Vaughn.

Die Manipulationen verschlimmerten sich, als Elliots Ehemann die Leitung der „Elisabeth-Elliott-Industry“ übernahm, wie Austen es in einem Interview bezeichnete. Austen schreibt: „Er stellte sie auf dem Podium vor, justierte ihr Mikrofon, verwaltete den Büchertisch und sorgte dafür, dass sie aß. Er entschied, wann sie sich ausruhte, wann sie arbeitete und wann sie sich unterhielt … er tadelte sie für Fehler beim Sprechen … und kritisierte sogar ihre Körperhaltung.“ Gren hielt einen zermürbenden Redeplan für die introvertierte Elliot aufrecht, die oft Alpträume vom öffentlichen Reden hatte und sich in ihren späteren Jahren lieber aus dem öffentlichen Leben zurückgezogen hätte. Sie fügte sich jedoch den unerbittlichen Erwartungen von Gren, und so wuchs ihr Einfluss (zu ihrem Leidwesen) weiter.

Noch lange nach ihrer Alzheimer-Diagnose in den 1990er Jahren hielt Elliot wegen Gren eine Vielzahl von Vorträgen – selbst nachdem sie die Fähigkeit zu sprechen verloren hatte. Mindestens einmal ließ Gren sie lächelnd auf der Bühne sitzen, während er ein Band mit einer Rede abspielte, die sie Jahre zuvor aufgenommen hatte. Erst als ein Arzt das Ende ihrer Reise anordnete, wurde sie von den Zumutungen ihres Mannes erlöst.

Mehr: therevealer.org. Siehe auch den Artikel „Elisabeth Elliot und die tröstliche Souveränität Gottes“ von Miriam Münch.

VD: NP

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Bollwerke des Unglaubens

Immer mehr Menschen im Westen bezeichnen sich als Atheisten oder sind zumindest praktische Atheisten. Sie leben so, als ob es Gott nicht gäbe.

Christliche Apologeten reagieren auf diese traurige Wirklichkeit meist, indem sie rationale Argumente für Gottes Existenz entwickeln. Ich will nicht sagen, dass das unwichtig ist. Ich bin im Gegenteil der Meinung, dass die Klärung religionsphilosophischer Fragen vom Standpunkt des christlichen Glaubens aus notwendig ist. Und doch greift das allein zu kurz. Was viele Menschen in den praktischen oder theoretischen Atheismus treibt, ist die gefühlte Abwesenheit Gottes, wie der spätmoderne Mensch sie erlebt.

Joseph Minich hat genau darüber ein anspruchsvolles und doch hochspannendes Buch geschrieben. Er zeigt, dass die jüngsten technologischen und kulturellen Veränderungen im Westen dazu geführt haben, dass Gott „nicht mehr gebraucht wird“. In dem Maße, in dem die moderne Technokultur unsere Wahrnehmung der Realität und unseren Glauben an das Unsichtbare umgestaltet, verstärkt sie ihrerseits das scheinbare Schweigen Gottes.

Der beste Film, den ich 2023 gesehen habe, heißt „Stowaway – Blinder Passagier“ (2021, Regie: Joe Penna). Eine dreiköpfige Raumschiff-Crew reist zum Mars. Sie finden einen blinden Passagier an Bord. Sauerstoffmangel treibt die Astronauten in schwierigste ethische Dilemma.

Trotz kleiner Mängel im Drehbuch ein atmosphärisch und intellektuell begeisternder Film. Was mich vor allem berührt hat: Es geht um große Menschheitsfragen, etwa um Zeit, Schönheit, Wissenschaft, Schmerz, Familie und den Sinn des Lebens. Aber Gott kommt gar nicht mehr vor, noch nicht einmal als Denkmöglichkeit. Uns begegnet die Kultur, die Joseph Minich in Bulwarks of Unbelief: Atheism and Divine Absence in a Secular Age (dt.  Bollwerke des Unglaubens: Atheismus und göttliche Abwesenheit in einem säkularen Zeitalter) beschreibt. Doch am Ende drängen sich Gedanken wie Nächstenliebe, Stellvertretung und Opfer auf. Es ist fast so, als wenn sich das Evangelium – von den Autoren wohl eher unbeabsichtigt – Mitten im „Schweigen Gottes“ Gehör verschafft.

Hier der offizielle Trailer:

Das Buch Bulwarks of Unbelief gibt es in einer Logos-Version und im Buchhandel (#ad).

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Theologie für Kinder: „In jeder Hinsicht genial“

Ich zitiere Yvonne Schwengeler aus ihrer Besprechung des Buches Theologie für Kinder, ethos, 2/2024, S. 62):

„Des vielen Büchermachens ist kein Ende, und viel Studieren macht den Leibmüde“,sagte schon Salomo. Diese Bibelstelle wird oft scherzhaft zitiert angesichts der grossen Zahl an Büchern, die jährlich produziert werden. „Nichts Neuesunter der Sonne“, stellt man oftmals fest. Bei der Publikation „Theologie für Kinder“ ist das anders. Selbst über Jahrzehnte in dieser Branche tätig, habe ich nie etwas Vergleichbares gesehen. Bevor ich das Buch gelesen hatte, war ich eher skeptisch. Ich erwartete eine trockene, theoretische Abhandlung, von der ich mir nicht vorstellen konnte, dass Kinder dafür zu begeistern sind. Falsch, ganz falsch! Das Buch ist in jeder Hinsicht genial und ich hätte mir gewünscht, dieses Werk schon an der Hand zu haben, als unsere Kinder noch klein waren! Biblische, heilsgeschichtliche Wahrheiten werden hier lebendig und prägnant weitergegeben. Themen sind zum Beispiel die Lehre von Gott, vom Menschen, von der Sünde, von Verheissung und Gesetz, von Christus, vom Heiligen Geist, von der Adoption in die Familie Gottes, von der Verwandlung, von der Gemeinde, von der Endzeit, von Gottes Wort.

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Michel Foucault

Michel Foucault gehört zu den einflussreichsten Denkern des 20. Jahrhunderts. Er hat es geschafft, seine Ideen in der breiten Gesellschaft zu etablieren und spielt heute zum Beispiel in der Pädagogik eine große Rolle. Ich habe im TheoBlog mehrfach Stellung bezogen und etwa darauf verwiesen, dass zumindest für den frühen Foucault zur Entzauberung des Subjekts die Abschaffung von Verboten gehörte: „Aufhebung der sexuellen Tabus, Einschränkungen und Aufteilungen; Praxis des gemeinschaftlichen Lebens; Aufhebung des Drogenverbots; Aufbrechung aller Verbote und Einschließungen, durch die sich die normative Individualität konstituiert und sichert. Ich denke da an alle Erfahrungen, die unsere Zivilisation verworfen hat oder nur in der Literatur zuläßt“ (Michel Foucault, Von der Subversion des Wissens, 1987, S. 95).

Es ist erfreulich, dass der christliche Denker Christopher Watkin ein Buch über Michel Foucault geschrieben hat. Daniel Vullriede stellt es vor und erwähnt Stärken wie Schwächen:

Ein überaus einflussreicher Denker des letzten Jahrhunderts war der französische Philosoph Michel Foucault (1926–1984). Wer sich z.B. ernsthaft mit dem Phänomen der Postmoderne auseinandersetzen möchte, wird um diesen intelligenten atheistischen Denker nicht herumkommen.

Auch wenn Foucault sich selbst nicht als postmodernen Denker sah und nicht die einzige Schlüsselperson für diese Epoche ist; auch wenn der Höhepunkt der Foucault-Renaissance längst überschritten ist – seine Thesen und Anfragen waren rückblickend ein Katalysator für den westlichen Kulturkreis. Sie lassen sich noch heute im Bereich der Philosophie, Soziologie, Pädagogik, Kunst, sowie in den Politik-, Geschichts-, Kultur-, Medien- und Sprachwissenschaften, und nicht zuletzt in den unterschiedlichsten Ansätzen der Gender Studies ablesen. Doch wofür stand der französische Philosoph und wie können sich Christen zu ihm positionieren?

Um Foucaults Werk und Person zu verstehen, bietet Christopher Watkin eine kompakte, gut lesbare und zugleich tiefgehende Einführung. Der britische Autor arbeitet als Professor für französische Literatur und Philosophie an der australischen Monash University (Melbourne). Er zeigt, wie man sich Foucault neugierig und kritisch nähern kann, entwickelt dabei aber einen ganz eigenen Ansatz, der den Lesern kernige Alternativen zu Foucault bietet.

Für wen ist dieses Buch interessant? Christen, die philosophisch, theologisch oder apologetisch interessiert sind, werden hier eine gelungene Analyse finden; ebenso Gläubige, die im Bereich der Sozial- und Verhaltenswissenschaften unterwegs sind. Auch Leser mit ganz anderen Überzeugungen und einer atheistischen Weltanschauung können viel von Watkins Studie lernen und ihn als angenehmen, fairen und herausfordernden Gesprächspartner wahrnehmen.

Mehr: www.evangelium21.net.

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Empfehlenswerter Bücher zum Thema „Pornographie“

David, Betreiber der Internetseite Unbeschwert laufen, hat eine hilfreiche deutschsprachige Liste empfehlenswerter Bücher zum Thema „Pornographie“ zusammengestellt. Eine sehr gute Ressource für Betroffene, die tiefer gehen wollen; Gruppenleiter; Jugendleiter u. Jugendmitarbeiter; Pfarrer/ Pastoren u. Gemeindeleiter u. Älteste; Gemeindemitarbeiter; Seelsorger u. Berater.

Die Liste kann in zwei Versionen hier jeweils als PDF-Datei heruntergeladen werden: unbeschwert-laufen.de.

Tara Isabella Burton: Self-Made

Tara Isabella Burton hat ein interessantes Buch mit dem Titel Self-Made: Creating Our Identities from Da Vinci to the Kardashians geschrieben (Hodder & Stoughton 2023). Sie folgt in gewisser Weise den Spuren, die Charles Taylor oder auch Carl Trueman gelegt haben. Und doch unterscheidet sich ihr Urteil über unser Zeitalter von dem dieser beiden Autoren.

Taylor stimmt sie darin zu, dass inzwischen der expressive Individualismus „die Art und Weise dominiert, wie wir im modernen Leben über uns selbst denken“ (S. 16). Allerdings glaubt Burton nicht, dass wir in ein säkulares Zeitalter eingetreten sind. Sie meint, dass sich der religiöse Glaube nur verschoben habe. Die Menschen glauben nicht mehr an einen allmächtigen Gott, der sie geschaffen hat und vor dem sie verantwortlich sind. Sie haben diesen Glauben ersetzt durch den Glauben daran, dass sie selbst Götter seien.

Sie schreibt (S. 16):

Ich bin jedoch nicht der Meinung [von Taylor, Anm. R.K.], dass diese Verschiebung einen Übergang von einer religiösen zu einer säkularen Weltanschauung darstellt. Vielmehr glaube ich, dass wir den Glauben an das Göttliche nicht so sehr abgeschafft, sondern vielmehr verlagert haben. Wir haben uns von der Vorstellung eines Schöpfergottes da draußen abgewandt und Gott stattdessen in uns selbst verortet – genauer gesagt, in der numinosen Kraft unserer eigenen Wünsche. Unsere Besessenheit von der Selbsterschaffung ist auch eine Besessenheit von der Vorstellung, dass wir die Macht haben, von der wir einst glaubten, dass Gott sie hat: uns selbst und unsere Realitäten neu zu gestalten, nicht nach dem Bild Gottes, sondern nach dem unserer eigenen Wünsche.

Philip Rieff oder Carl Trueman kann sie nicht darin folgen, dass die moderne oder spätmoderne Pflicht zur Selbsterschaffung des Menschen eine Erzählung des kulturellen Niedergangs sei. Sie sieht im Narrativ der Selbsterschaffung zwar keine erfolgreiche Geschichte des Fortschritts, aber eben auch keine der problematischen Regression. Die Menschen versuchen laut Burton einfach „das Rätsel zu lösen, wie wir als Wesen leben können, die sowohl überwältigend mächtig als auch erschreckend verletzlich sind und ohne unser Einverständnis in eine Welt gedrängt werden, deren Zweck und Bedeutung wir vielleicht nie wirklich erkennen können“ (S. 19).

Alexandra Davis hat kürzlich für Public Discourse ein Interview mit Tara Isabella Burton geführt. Ich kann es allen empfehlen, die sich für das Thema interessieren und zugleich die Zeit fehlt, das gesamte Buch zu lesen.

Burton betreibt alles in allem eine solide Kulturhermeneutik. Und sie wird Recht damit haben, dass dieses Narrativ der erfolgreichen Selbsterschaffung inzwischen auch über die Kirchenkanzeln in das kulturelle Bewusstsein eindringt. Dort, wo nicht mehr Gott selbst im Mittelpunkt steht und angebetet wird, werden ursprünlich christliche Ideen für die Selbstoptimierung verzweckt.

Sie sagt:

In der Pop-Psychologie gibt es diese Erzählung, dass sich die Menschheit verbessert, dass wir alle zu unserem besten Selbst werden, und dass diejenigen von uns, die nicht zu unserem besten Selbst werden, irgendwann aussterben, und das ist gut so, denn es gibt eine Art grundlegendes Wachstum. Das Universum will, dass wir erfolgreich sind; das Universum will, dass wir reich sind. Und das ist nicht nur eine Randsportart der Selbsthilfe-Industrie, sondern wird auf den Kirchenkanzeln der reichen Leute an der gesamten Ostküste gepredigt. Es gibt Leute wie William Ellery Channing oder Henry Ward Beecher, diese christlichen Prediger, die diese Ideologie in das kulturelle Bewusstsein der Amerikaner einbringen.

Hier geht es zum Interview: www.thepublicdiscourse.com.

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