Film

Rebellen des Denkens

ROT.jpgAls ich vor einigen Tagen die Dokumentation Rebellion of Thought vorstellte, hatte ich noch keine Gelegenheit, den Film in voller Länge zu sehen. In der Nacht vom Freitag zum Samstag war es endlich so weit. Meine Familie ging zu Bett, ich füllte mir ein Glas Rotwein und legte die DVD ein. Um es gleich zu sagen: Der Film ist ein Gesamtkunstwerk von atemberaubender Qualität und Schönheit. Musik, Kameraführung und Dramaturgie sind geradezu perfekt aufeinander abgestimmt und gehen unter die Haut.

Als die Filmemacher Brad und Kent C. Williamson damit begannen, Philosophen und Theologen über den Umbruch von der Moderne zur Postmoderne zu befragen, war ihnen selbst noch nicht klar, dass sie das Projekt auf unerwartete Weise verändern sollte. So verknüpft der Film sachliche Informationen über die Postmoderne und Dialoge der Macher über ihre Reise zu einem authentischen Christsein mit anderen kleinen Geschichten.

Die Schnittfolge ist extrem rasant, so dass die Gesprächspartner manchmal ihre Sätze nicht beenden können. Das macht den Film sehr unruhig, passt aber zur Kultur der Postmoderne. Auch die verschiedenen Frames, die das Videobild rahmen, sind stilgerecht und untermalen den Perspektivialismus. Die gewollte Fragmentarisierung ist jedoch zugleich eine Schwäche des Films. Nur selten wird ein Gedanke zu Ende geführt. Der Film will inspirieren, nicht erklären.

Zu den interviewten Experten gehören Leute wie Bruce Benson (Philosoph, Wheaton), D.A. Carson (Neutestamentler, Trinity), Jim Spiegel (Philosoph, Taylor) oder Angus Menuge (Philosoph, Concordia). Auch Win Corduan (Taylor), mein ehemaliger Lehrer im Fach Religionsphilosophie, ist dabei (habe ihn kaum wiedererkannt).

Der großer Schocker kommt am Ende des Films. Ich gebe es zu: Ich saß fassungslos im Sessel und hatte Tränen in den Augen.

Hier gibt es eine Pressemappe zum Film.

Rebellion of Thought

Vor wenigen Tagen ist in den U.S.A. eine DVD über den Postmodernismus mit dem Titel REBELLION OF THOUGHT erschienen. Das redaktionell von David Fletcher (Wheaton College) verantwortete Projekt enthält Interviews mit evangelikalen Hochschuldozenten über die Wurzeln und Strukturen postmodernen Denkens und führt in die postmoderne Kultur ein.

Bei YouTube kann ein Trailer zum Film abgerufen werden.

Die befragten Kritiker des Postmodernismus sind:

  • Angus Menuge (Philosoph, Concordia University)
  • D.A. Carson (Neutestamentler, Trinity Evangelical Divinity School)
  • Jim Spiegel (Philosoph, Taylor University)
  • Bruce Ellis Benson (Philosoph, Wheaton College)
  • Gene Edward Veith, Jr. (Journalist, World Magazine)

Expelled – No Intelligence Allowed

Der Filmemacher Mark Mathis produziert derzeit einen Kinofilm über Wissenschaftler, die sich zum Intelligent Design (ID) bekennen und deshalb mit allerlei Repressalien zu kämpfen haben. Durch den Film führt der amerikanische Schauspieler und Journalist Ben Stein.

Während der Trailer viel versprechend aussieht, wird das Projekt vom Nachrichtenmagazin Der Spiegel als fundamentalistische Propaganda für den Kreationismus eingestuft. Vorgeworfen wird den Produzenten, dass sie R. Dawkins, Paul Z. Myers und andere Evolutionisten unter dem Vorwand interviewt hätten, einen ausgewogenen Streifen über die aktuelle ID-Debatte zu drehen. Tatsächlich sei die Dokumentation jedoch eine Verteidigung des ID-Konzeptes. Die Produzenten und Ben Stein weisen den Vorwurf zurück und erklärten The New York Times, dass kein Interviewpartner über die Absicht des Films im Unklaren gelassen worden sei. Die Tatsache, dass der Film ursprünglich »Crossroads« heißen sollte und dann zu »Expelled – No Intelligence Allowed« umbenannt wurde, hätte rein werbetechnische Gründe gehabt.

Ingmar Bergman ist tot

bergmann.jpgAm 30. Juli verstarb Ingmar Bergman im Alter von 89 Jahren. Wie seine Schwester mitteilte, ist der große schwedische Filmregisseur in seinem Haus auf der Ostseeinsel Farö für immer eingeschlafen.

Bergman hat mit seinen Filmen »die Verzweiflung unserer Generation am deutlichsten dargestellt« schrieb der christliche Apologet Francis Schaeffer 1968. Mit Filmen wie Wilde Erdbeeren, Wie in einem Spiegel, Das Schweigen oder Szenen einer Ehe verstand es Bergman, die seelischen Abgründe und die Einsamkeit der modernen Menschen so eindrucksvoll darzustellen, dass man selbst heute noch beim Zuschauen physischen Schmerz empfinden kann. Wie kein anderer zeigte der Schwede, dass Menschen einander nicht selbstlos lieben können und zum Alleinsein verdammt scheinen.

Die ›Billigproduktion‹ Das Siebente Siegel (1957) mit Max von Sydow als Ritter Antonius Block in der Hauptrolle ist einer meiner Lieblingsfilme. Bergmann sagte über den Film: »Das Siegel ist einer der wenigen Filme, die meinem Herzen wirkliche nahestehen« (Bilder, S. 208). Weiter schrieb Bergman zum Film (Bilder, S. 208–209):

Damals lebte ich mit den welken Resten einer kindlichen Frömigkeit, einer völlig naiven Vorstellung von einer, wie man sie nennen könnte, außerirdischen Erlösung.

Zur gleichen Zeit manifestierte sich meine heutige Überzeugung: Der Mensch trägt seine eigene Heiligkeit, und sie ist irdisch, sie verfügt über keine außerirdischen Erklärungen. In meinem Film lebt also ein leidlich unneurotischer Rest einer aufrichtigen und kindlichen Frömmigkeit. Sie vereinigt sich friedlich mit einer schroffen, rationalen Auffassung der Wirklichkeit.

Das Siegel ist einer der absolut letzten Ausdrücke manifester Glaubensvorstellungen, Glaubensvorstellungen, die ich von meinem Vater geerbt und seit der Kindheit mit mir herumgetragen hatte.

Als ich das Siegel machte, waren Gebet und Fürbitte zentrale Realitäten meines Lebens. Das Verrichten eines Gebets war eine völlig natürliche Handlung.

Holger Lahayne hat in einem Artikel Bergmans Weg in den Unglauben nachgezeichnet.

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Die Zitate entstammen: Ingmar Bergman, Bilder, Köln: Kiepenheuer & Witsch, 1991. Abbildung des Buchcovers mit freundlicher Genehmigung des Verlages Kiepenheuer & Witsch (der Titel ist nicht mehr lieferbar).

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