Feuilleton

Feuilleton & Kunst

Christmas With My Friends II

christmasiiIm Oktober ist eine weitere Weihnachtsmusik-CD’s von Nils Landgren erschienen (vgl. Christmas With My Friends). Auch diese Produktion ist wieder richtig gut geworden. Johannes Kaiser hat für den NDR die Platte gehört und mit Landgren gesprochen. Er schreibt:

»Ich stehe auf Weihnachtsmusik«, gibt Landgren zu. »Wir sind ja alle mit so einer Art von Musik aufgewachsen. Ich fand es aber im jungen Alter ein bisschen zu viel. Diese Musik ist immer vollgefüllt mit Glockenspielen und Symphonieorchestern, doch ich wollte es gerne etwas mehr nachdenklich machen. Und deswegen habe ich es auf diese kleine Art und Weise gemacht. Wir sind zwar ziemlich viele Sänger, aber das sind eben nur wir.« Und damit meint Landgren vier Sängerinnen, Saxophon, Gitarre, Klavier, Bass und natürlich seine Posaune. Wenig Musiker sind das nicht, aber das hört man nicht.

Landgrens Weihnachtslieder kommen sparsam instrumentiert daher, sehr klar und durchsichtig ohne Schnörkel – einfach auf die Melodie reduziert. Er ist ein Wiederholungstäter: Bereits vor zwei Jahren hat sich der 52-Jährige ein erstes Mal getraut, sich an das Weihnachten seiner Kindheit musikalisch zu erinnern. Damit hatte er viel Erfolg. Offenkundig gibt es eine Menge Menschen, denen diese Art Weihnachten zu feiern ohne Kitsch und falsche Sentimentalitäten gefällt. Landgren jedenfalls hat es soviel Spaß gemacht, dass er jetzt ein zweites Weihnachtsprogramm zusammengestellt hat, dass nicht nur live zu erleben, sondern auch wieder auf CD nachzuhören ist.

An Material fehlt es nicht. Weihnachtslieder gibt es, ist man versucht zu sagen, so viele wie Weihnachtsbäume. Und die Grundprinzipien der Auswahl haben sich auch nicht geändert, wie Landgren weiß: »Ich habe alle gefragt, ob sie Lust hätten, Vorschläge zu machen. Wir haben alle Vorschläge in einem Topf gesammelt und dann haben wir geguckt, was darin lag. (…) Alles, was ich selbst aufnehmen wollte, war dabei. Wir haben es dann so gemacht, dass, wenn jemand ein Lieblingsstück gehabt hat, es für sie oder ihn reserviert war.«

Hier der ganze Beitrag und eine Einkaufsmöglichkeit: www.amazon.de.

Patti Smith & Christoph Schlingensief debattierten über Kunst und Religion

Der Künstler und Regisseur Christoph Schlingensief muss dem Tod ganz direkt ins Gesicht sehen, seitdem er im Januar 2008 erfuhr, dass er an einer besonders heimtückischen Art von Lungenkrebs erkrankt ist. Ihm wurde bereits der linke Lungenflügel entfernt, eine Chemotherapie folgte. Doch neue Knoten sind aufgetaucht.

DER SPIEGEL berichtet über einen Abend, den Schlingensief mit Patti Smith in München auf der Bühne verbracht hat. Zitat:

Schmal und ernst sitzt er auf dem Podium. Sein christliches Bild habe sich im Laufe des Jahres gewandelt, sagt er, der frühere Messdiener und »Provokationsprofi«, bei dem nie klar war, ob er wirklich an Gott glaubte oder ob er ihn nur für seine Kunstproduktion benutzte. Dafür schlachtete er auf der Bühne viel zu gerne die heiligen Kühe der Gesellschaft. Er ließ sein Publikum die geografische Lage von KZs raten, forderte »Tötet Helmut Kohl« oder zeigte Pornos im Wiener Burgtheater.

Schon im November bekannte Schlingensief in einem Interview mit der TAZ, dass er mit der Gottesfrage kämpft:

Ein göttliches Prinzip könnte ja sein, permanente Versuchsanordnungen zu machen, so wie wir das auch gerne machen, die dann eben krachen, in denen Leute umkommen oder glückselig sind, sechs Kinder kriegen und nie krank werden. Und er guckt sichs an. Das einzige Problem ist, ihn geht das dann wirklich an, er sitzt dann nicht in der Kantine und zuckt die Achseln, wieder zwei Wohnblocks mit Kindern weggebombt. Ihm tut das dann wirklich weh, aber er muss es trotzdem noch mal ausprobieren, um Erfahrungen zu sammeln. In dieser Hinsicht ist Gott oder dieses Prinzip ein ziemlich schweinischer Künstlerarsch.

Ich erlebe jetzt vieles anders und brauche nicht mehr unbedingt das Tamtam und Brimborium von irgendwelchen religiösen Sachen, obwohl ich die Glocken und den Weihrauch immer noch liebe. Manchmal, wenn es mir nicht gut geht, dann sitze ich hier und höre die Glocken bimmeln von zwei Kirchen in der Nähe, das erinnert mich an schöne Zeiten, als ich noch im katholischen Traumlandpark lebte. Was Gott angeht, habe ich elende Kämpfe, und was den Widerstand gegen das Sterben angeht, bin ich manchmal super geladen. Ich will definitiv nicht sterben. Ich will lange, lange leben, und ich bin verdammt glücklich mit dem, was ich habe.

So schön wir hier kann es im Himmel gar nicht sein. Das ist der Kernsatz.

Hier geht es zum ganzen Beitrag: www.spiegel.de.

Lars und die Frauen

lar.jpgWerden heute noch gute Filme gedreht? Werden heute noch gute Filme in Hollywood gedreht? Zweifellos! Der Film, den ich hier empfehlen möchte, heißt: Lars und die Frauen.

Es handelt sich dabei um eine schräge Oscar-nominierte Komödie. Der Außenseiter Lars, brillant gespielt von Ryan Gosling, ist kontaktscheu und beziehungsunfähig. Sozial isoliert lebt er in der Garage seines Bruder Gus. Doch auch Gus und seiner schwangeren Frau Karin fällt es schwer, Kontakt mit ihm zu halten.

Alles ändert sich, als plötzlich Lars an der Haustür Bianca vorstellt. Bianca ist eine Ex-Missionarin aus Brasilien. Ihre Eltern sind bei der Geburt gestorben. Lars fragt nach, ob sie bei Gus und Karin schlafen darf. Da er die tief religiösen Überzeugungen von Bianca respektiere, wolle er nicht mir ihr in einem Raum übernachten.

Es gibt eine Haken: Bianca ist tatsächlich eine lebensgroße Silikonpuppe, die Lars über das Internet in einem Versandshop für Sexartikel gekauft hat. Weil Lars die leblose Puppe wie eine echte Freundin behandelt, verzweifeln Gus und Karin. Rat und Hilfe finden sie bei der Ärztin Dr. Bermann und bei einer älteren Dame aus ihrer Kirchengemeinde. Dagmar Bermann, eindrucksvoll gespielt von Patricia Clarkson, hat eine psychologische Zusatzausbildung und durchschaut Lars‘ Wahnvorstellungen. Unter dem Vorwand, Bianca habe eine ernste Krankheit und müsse regelmäßig behandelt werden, ›erzwingt‹ sie regelmäßige Praxisbesuche, die sie für Gespräche mit Lars nutzt. Stück für Stück gelingt es ihr, den inneren Schmerz von Lars aufzubrechen und ihm seine Kontakt- und Berührungsängste zu nehmen. Familie, Arbeitskollegen und Stadtbewohner reagieren zunächst verwirrt, lassen sich jedoch allmählich auf das ›Spiel‹ ein. So öffnet sich Lars gegenüber den realen Menschen immer mehr, während sich seine Beziehung zur imaginären Bianca verschlechtert. Angekommen im Leben, braucht er die Puppe bald nicht mehr. Schlussendlich wird alles gut und Lars entdeckt seine Zuneigung für eine attraktive Arbeitskollegin aus dem echten Leben.

Der Film, übrigens mit einem Budget von nur 12 Millionen US-Dollar gedreht, wirkt an einige stellen überzogen (ich denke z.B. an das Wohlwollen der ganzen Kleinstadt oder die Beerdigung von Bianca). Aber insgesamt berührt er tief und steckt voller intelligenter psychologischer Details (z.B. die Klugheit der Ärztin, die Art, wie Lars und Gus ihre Familienkonstellation aufarbeiten, der Weitblick des Pastors).

Lars und die Frauen läuft in Deutschland ohne Altersbeschränkung. Ich würde ihn erst ab 14 schauen lassen, da er einige Anzüglichkeiten bietet und für jüngere Leute kaum verstehbar ist. Die DVD ist im Handel ab ca. 14,00 Euro zu haben.

Bei Youtube gibt es einen Trailer: www.youtube.com.

Christmas With My Friends

skivomslag_small_christmas.gifIch gestehe: Während der Adventszeit höre ich ganz gern Weihnachtsmusik. Leider sind aber viele Weihnachtsmusik-CD’s hoffnungslos verkitscht. So bleiben klassische Werke und ein paar sehr außergewöhnliche Produktionen. Zu den ausgefallenen Werken gehört Christmas With My Friends von Nils Landgren. Leuten, die ab und an gern Jazz hören, kann ich die Platte sehr empfehlen.

Einführung in die feministische Bibelauslegung

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Andreas Köstenberger ist nicht nur ein exzellenter Exeget, er ist mit einer exzellenten Exegetin verheiratet. Margaret Elizabeth Köstenberger hat jüngst eine Einführung und Kritik der feministischen Theologie vorgelegt, die ich sehr empfehlen möchte.

Wayne Grudem sagt über das Buch:

Dieses Buch ist ein außergewöhnlich wertvolle Einführung zu den feministischen Schriften über Jesus. Es fasst die gesamten Geschichte der feministischen Textauslegung zusammen, indem es jeden Autor fair darstellt und dann eine durchdachte Kritik vorlegt. Köstenberger’s einfühlsame, klare Auseinandersetzung zeigt, dass die verschiedenen feministischen Re-Interpretationen von Jesus nicht mit dem tatsächlichen Text der Evangelien übereinstimmen. Sie bietet auch hervorragende zusammenfassende Tabellen. Ein sehr nützliche, lesbare Ressource für alle, die verstehen wollen, wie der Feminismus die Bibel ständig neu interpretiert, um seine eigene Agenda durchzusetzen.

Johannes Calvin: Ein Herz für Andacht, Lehre und Doxologie

JC.jpgBurk Parson hat eine neue Einführung zu Johannes Calvin veröffentlicht.

  • Burk Parsons: The Humility of Calvin’s Calvinism
  • Derek W. H. Thomas: Who was John Calvin?
  • Sinclair B. Ferguson: Calvin’s Heart for God
  • D. G. Hart: The Reformer of Faith and Life
  • Harry L. Reeder: The Churchman of the Reformation
  • Steven J. Lawson: The Preacher of God’s Word
  • W. Robert Godfrey: The Counselor to the Afflicted
  • Phillip R. Johnson: The Writer for the People of God
  • Eric J. Alexander: The Supremacy of Jesus Christ
  • Thabiti Anyabwile: The Transforming Work of the Spirit
  • John MacArthur: Man’s Radical Corruption
  • Richard D. Phillips: Election and Reprobation
  • Thomas K. Ascol: Redemption Defined
  • Keith A. Mathison: Transforming Grace
  • Jay E. Adams: A Certain Inheritance
  • Philip Graham Ryken: The Believer’s Union with Christ
  • Michael Horton: The Principal Article of Salvation
  • Jerry Bridges: The True Christian Life
  • Joel R. Beeke: The Communion of Men with God

David F. Wells sagt zum Buch:

There is a fresh breeze blowing in these pages. A new generation has
discovered the riches of biblical truth to be found in John Calvin’s work.
Written in an inviting and accessible style, this book extends an invita-
tion to all to come and learn as well. However, what they will learn will
have far less to do with Calvin and far more to do with the centrality and
greatness of the triune God whom he served. Calvin would have wanted
it that way, and so do we.

Das Inhaltsverzeichnis von A Heart for Devotion, Doctrine, Doxology und eine Einführung von Iain H. Murray kann hier herunter geladen werden: www.ligonier.org.

Warum mich die neue Ausgabe von Calvins ›Institutio‹ enttäuscht

DSC_0725.JPGGestern öffnete ich erwartungsvoll die neue Ausgabe der Institutio, die vom Neukirchener Verlag anlässlich des Calvinjahres 2009 herausgegeben wurde. Da ich für das Buch stolze 49,90 Euro investierte, verband ich mit dem Öffnen der Verpackung – wie sich schnell herausstellen sollte – viel zu hohe Erwartungen.

Die guten Nachrichten zuerst: Das Papier ist etwas dicker als bei der alten Ausgabe im Frakturasatz, was Markierungen erleichtern sollte. Obwohl die Schriftgröße auch diesmal wieder extrem klein gehalten ist (mein Lineal zeigt 7pt an), ist der in einer lateinischen Serifenschrift gesetzte Text besser lesbar. An den 2-Spalten-Satz gewöhnt man sich recht schnell.

Die schlechten Nachrichten: Ich verstehe nicht, warum die Inhaltsangaben von Otto Weber entfernt wurden. Die Bemerkungen am Rand erleichterten die Orientierung enorm. Zudem gab es im Satzspiegel dadurch außen jeweils einen komfortablen Rand für kleinere Notizen. Da in der Kopfzeile jetzt nur eine kurze Kapitelangabe steht (z.B. II,3,1) verliert der Leser sehr schnell den Überblick. Die Tatsache, dass das Inhaltsverzeichnis auf die Hauptüberschriften reduziert wurde, verbessert die Übersichtlichkeit leider auch nicht.

Die Anmerkungen zur lateinischen Textfassung sind ebenfalls verschwunden. Überhaupt nicht nachvollziehbar ist für mich, warum das Buch kein Bibelstellenregister mehr enthält und das Begriffsregister von 151 auf 2 Seiten geschrumpft ist.

Schade!

Bob Dylan’s Jesus Years

bdyj.jpgJoel Gilbert hat einen Film über die »christlichen Jahre« des großen Künstlers Bob Dylan produziert. Die Dokumentation zeigt Konzertmitschnitte und viele Interviews mit Leuten, die Dylan während dieser Zeit nah standen.

Josh Hurst hat bereits eine Filmbesprechung veröffentlicht: www.christianitytoday.com.

Mehr Infos über den Film selbst und über Bestellmöglichkeiten gibt es hier: bobdylanjesus.com.

Die Albernheit der Kirche

christless-christianity.jpgTim Challies hat das Buch Christless Christianity von Michael Horton gelesen und seine Eindrücke publiziert. Hier sein Resümee:

Through all of this I’d suggest the most important statement in the book may just be this: »It is not heresy as much as silliness that is killing us softly.« This is where the book may be most useful for the conservative Christians who are the audience most likely to read it. All of us can fall into silliness without tossing aside the gospel. We can hold fast to Christian theology, even while allowing silliness and levity to pervade the very fabric of our church. A once-serious institution can become overrun by programs and purposes that slowly erode the gravity and simplicity of the church’s unique calling. This book is a call for the church to return to its biblical foundations and to remain true to those convictions. It is a clarion call and one that Christians would do well to heed. Christless Christianity is an excellent and timely book and one I would not hesitate to recommend to any Christian.

Die ganze Rezension gibt es hier: www.challies.com.

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