Gesellschaft

Das Subsidiaritätsprinzip wiederentdecken

Martin Rhonheimer:

Subsidiarität“ staatlichen Handelns heißt in erster Linie: Achtung und Schutz des Privateigentums und damit Ermöglichung von Freiheit, Förderung der Selbstverantwortung, Begünstigung der Familie nicht durch Zulagen aller Art, sondern durch niedrige Steuern, und Ermöglichung unternehmerischer Kreativität, die zu Wohlstand führt, durch den Verzicht auf staatliche Privilegierungen einzelner Wirtschaftsbereiche mit Subventionen oder der gesetzlichen Errichtung von Marktschranken und staatlichen Monopolbetrieben. Doch tut der moderne überschuldete Sozialstaat genau das Gegenteil. Durch exorbitante Steuerbelastung, Umverteilung und bürokratisch-regulatorische Behinderung der unternehmerischen Freiheit auf allen Ebenen, gerade auch der Kleinstunternehmer, werden die Rechte der Eigentümer massiv missachtet. Der Staat verzerrt den Markt durch Regulierungen, Subventionen und gesetzliche Markteintrittsschranken (auf dem Arbeitsmarkt auch durch Mindestlöhne), sowie tarifäre und nichttarifäre Handelsbeschränkungen, die vor allem den ärmsten Ländern schaden. Im gleichen Zug haben sich der Staat und seine Bürokratien, die selbst ein Interesse an ihrem stetigen Wachstum haben, immer neuer Aufgaben angenommen.

Neu zu entdecken und zu reflektieren ist hier insbesondere der Zusammenhang des Subsidiaritätsprinzips mit der zentralen Rolle des Privateigentums, der Familie und des freien Unternehmertums. Sie sind es, die das Gemeinwohl generieren und die Grundlagen einer wirklich humanen und sozialen Gesellschaft bilden, die des Staates eben nur subsidiär bedarf – nicht als Schöpfer einer angeblichen „sozialen Gerechtigkeit“, welche Staat und Politik nie und nimmer herzustellen vermögen, sondern zuallererst einmal als Garant jener Rechte, die das menschliche Individuum und die Familie von Natur aus besitzen.

Mehr hier und hier: www.deutscherarbeitgeberverband.de.

Bankrott der Bildung

Die Beherrschung grundlegender Kulturtechniken wie Schreiben, Lesen und Rechnen ist bei Studenten nicht mehr selbstverständlich. Die Kritik daran ist legitim und notwendig, schreibt Roland Reuss. Wie recht er doch hat!

In dieses passt auch, wenn die Regionalzeitung daraufhin Kollegen ihr Sprachrohr leiht und ein Professor für Maschinenbau, der 2008 den Landes-Lehrpreis für besonders gute Lehre erhalten hat, den unschlagbaren Satz formulieren darf, die Studenten seien keineswegs „schlechter als vor Jahren“: „Sie können heute einfach andere Dinge als früher. Manches können sie besser, wie Präsentationen oder den Umgang mit digitalen Medien, manches schlechter wie Kopfrechnen oder Rechtschreibung.“

Es ist nie gut, wenn Theoreme, die schon in der gesuchten Theorie der Postmoderne dubios waren – hier: die Äquivalenz von allem mit jedem –, ihren Eingang in das Bildungswesen finden. Man kann die Stimme des Lehrpreisempfängers getrost auch noch zu den von Meyer geschilderten Krisensymptomen rechnen. Es ist eben nicht dasselbe, irgendwie unverstanden ein Smartphone zu bedienen, irgendwas in eine Präsentation einzudampfen – oder lesen und rechnen zu können.

Mehr: www.faz.net.

Gendertheorie ist ein kollektiver Irrtum

Recht hat er, der Alexander Grau:

Ideologische Konstruktivisten sind genötigt, ihren Konstruktivismus-Vorwurf zu erweitern. Um etwa zu zeigen, dass das Geschlecht eine soziale Konstruktion ist, muss man wiederum die Wissenschaft als Konstruktion entlarven.

Typisch für den ideologischen Konstruktivismus ist daher auch sein Entlarvungsgestus. Wie die Psychoanalyse, unterscheidet er zwischen dem oberflächlichen Schein und dessen tieferen Ursachen, die es zu demaskieren gilt. Wer dem widerspricht, bestätigt die Theorie nur, da er zeigt, wie sehr er in ideologischen Mustern befangen ist.

Wenn es ein wissenschaftliches Konzept gibt, das offensichtlich sozial konstruiert ist, dann ist es der radikale soziale Konstruktivismus selbst. Er ist ein pseudowissenschaftlicher Taschenspielertrick zu Durchsetzung (wissenschafts-) politischer Interessen. Man sollte sich nicht von ihm beeindrucken lassen.

Mehr: www.cicero.de.

VD: DV

„Ehe light“ wie in Frankreich?

Die „Ehe light“ ist in Frankreich ein Erfolg, die Schweiz will sie übernehmen. Auch Deutschland solle für unverheiratete Paare einen neuen Zivilstand schaffen, fordern nun Politiker der Grünen. Doch Juristen sind skeptisch.

Alan Cassidy schreib für die FAZ:

Verliebt, verlobt, verheiratet: Das war einmal. Immer mehr deutsche Paare leben heute ohne Trauschein zusammen. Die Zahl der geschlossenen Ehen ist seit 1970 um ein Drittel zurückgegangen, jedes dritte Kind wird unehelich geboren. Im Familienrecht hat dieser gesellschaftliche Wandel jedoch keinen Niederschlag gefunden. Bis heute kennt Deutschland nur die traditionelle Ehe, die erweiterte Lebensgemeinschaft für Homosexuelle – aber kein Rechtsinstitut für die Millionen von heterosexuellen Paaren, die unverheiratet bleiben wollen.

Mehr: www.faz.net.

Die Gesellschaft ist schuld

Versagen und Schuld werden heute viel zu oft mit mit dem Hinweis auf gesellschaftliche Zusammenhänge relativiert, meint Henryk Broder. Das lähmt die Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung und Leistung:

In einer Gesellschaft, in der niemand „zurückgelassen“ wird, in der jeder eine „zweite Chance“ bekommt, egal, was er angestellt hat, in der Noten und Zensuren abgeschafft werden, damit keiner bevorzugt oder benachteiligt wird, in der das Leistungsprinzip praktisch nur noch im Fußball und im Rennsport gilt, in einer solchen Gesellschaft verlieren immer mehr Menschen den Sinn für Realitäten und suchen ihr Heil in der Selbstüberschätzung. Passiert das bei Dieter Bohlens „DSDS“ oder Heidi Klums „GNTM“, kann es unterhaltsam sein. In anderen Bereichen ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass der Versuch fatal endet.

Es kommt noch etwas hinzu. Diese Gesellschaft hat nicht nur den Unterschied von tauglich und untauglich, begabt und unbegabt weitgehend aufgehoben, sie unterscheidet auch nicht mehr zwischen Gut und Böse.

Mehr: www.welt.de.

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Gender-Spezialisten am laufenden Meter

Wie langsam deutlich wird, vernichtet der Mindestlohn Minijobs. Aber alles kein Problem, denn die Gender-Politik schafft ja neue Stellen. Hildegard Strausberg spricht über die neuen Jobs, die durch die Geschlechtserforschung entstehen:

Denn längst hat sich unsere mächtige Gender-Lobby eine veritable Vermarktungsindustrie aufgebaut. Jedenfalls gibt es 146 entsprechende Professuren an Universitäten – plus weiteren fünfzig an Fachhochschulen. Nur mal ein Vergleich: Das entspricht nahezu der Anzahl unserer 191 Pharmazieprofessuren in der Bundesrepublik und liegt bald doppelt so hoch wie die Anzahl der Professuren in Altphilologie, von denen es – noch – 113 gibt.

Und natürlich produzieren diese Gender-Lehrstühle im ganzen Lande „Gender-Spezialisten“ am laufenden Meter. Also Tausende von jungen Leuten, die man eigentlich für die Arbeitslosigkeit ausbildet. Es sei denn, man erfindet Anschlussverwendungen, die allerdings eindeutig in die Kategorie „künstliche Arbeitsbeschaffung“ einzuordnen sind.

Hier: m.welt.de.

Was hat Semantik mit Religionsfreiheit zu tun?

Erzbischof Charles Chaput hat kürzlich festgestellt:

Das größte Problem unserer Kultur ist nicht die gleichgeschlechtliche Ehe oder die globale Erwärmung. Es ist nicht die Finanzierung der Abtreibung oder die Staatsverschuldung. Dies sind wichtige Fragen, klar. Doch das tiefer liegende Problem, dasjenige, welches uns lähmt, ist, dass wir Wörter wie Gerechtigkeit, Rechte, Freiheit und Würde, benutzen, ohne die Bedeutung ihres Inhalts zu teilen. Wir sprechen die gleiche Sprache, aber die Worte meinen nicht das Gleiche.

Mehr Katholisches dazu und zum LGBT-Lobbyismus gibt es hier und hier.

Brüllen im Hörsaal

Amerikanische Universitäten berichten von „Niederbrüllen“ und der Unterdrückung freier Diskussionen durch muslimische Studenten. Wie das Institut für Islamfragen meldet, fragt die Kriminologin Anat Berko in einem Artikel des Gatestone Institute (New York) vom 6. Januar 2015, warum Universitäten es muslimischen Studenten erlauben, durch Niederbrüllen oder Drohungen Hörsaalvorträge oder freie Diskussionen zu verhindern oder vorzeitig zu beenden.

Sie beschreibt eine Anzahl von Vorfällen, die sie selbst erlebt hat oder von anderen Referenten gehört habe, in denen Universitäten es Studenten erlaubt hatten, die akademische Freiheit zu missbrauchen und andere Studenten und Professoren an der Ausübung ihrer Rechte zu hindern. Sie ist überzeugt, dass das Problem weit verbreitet ist und noch zunähme. Es sei furchteinflößend, mitzuerleben, wie die akademische Freiheit in einer so großen Demokratie wie der USA von Studenten ausgehebelt würde und die Universitäten sie offenbar aus Furcht gewähren ließen.

Es gäbe aber auch Hoffnungsschimmer. Viele muslimische Studenten seien gerade wegen dieser Gewalt und Intoleranz radikaler Muslime aus ihren Heimatländern geflohen.

Ist jedes Kind hochbegabt?

Heike Schmoll hat für die FAZ beschrieben, wie die Ideologisierung der Schulen durch die progressiven Kultusministerien die Zukunftsfähigkeit Deutschlands gefährdet. Ein wenig mehr Empirie könne nicht nur nicht schaden, sondern sei notwendig.

Nach der Pisa-Hysterie ist die Abneigung gegen die Vielzahl von Studien und die empirische Bildungswissenschaft so gewachsen, dass die Propheten unter den sogenannten Bildungsfachleuten, David Precht etwa und Gerald Hüther, inzwischen wie Heilsbringer herumgereicht werden.

Ungetrübt von irgendeiner empirischen Forschung können sie so bizarre Thesen verbreiten wie diese: „Jedes Kind ist hochbegabt.“ Das kommt besonders gut an, weil dann eben alle hochbegabt sind. Der Erfolg der Bildungsgurus müsste die Kultusminister zutiefst beunruhigen, weil er ein Indiz für eine dumpfe Wissenschaftsfeindlichkeit ist, die sich ausbreitet. Ein vernünftiges Maß an empirischen Kenntnissen über die Schulwirklichkeit und vor allem das Können der Schüler ist dringend nötig.

Außerdem muss der muttersprachliche Unterricht dringend gestärkt werden. In anderen Ländern, in Frankreich und in China zum Beispiel, wird die Landessprache mit bis zu zehn Unterrichtsstunden gelehrt. Es ist ein Unding, dass Lehrstühle für Deutsch im Anfangsunterricht an Pädagogischen Hochschulen und Universitäten häufig mit Professoren besetzt werden, die weder ein Lehramtsstudium noch Staatsprüfungen, noch ein Referendariat, geschweige denn eine unterrichtspraktische Erfahrung vorweisen können. In jedem anderen ernst zu nehmenden wissenschaftlichen Fach taugte das für einen Aufruhr, nur in der Pädagogik wird es einfach geduldet. So zufällig sind die Rechtschreibdefizite also nicht.

Mehr hier: www.faz.net.

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Misstraut den Tablets!

Das iPad soll die Schulbildung verbessern. Wenn es doch so einfach wäre! Denn ist es wirklich besser, wenn Kinder von Maschinen lernen, und nicht von Menschen?

Jan Grossarth hat für die FAZ eine überzeugende Gegenrede verfasst:

Weil sie Bilder und Töne übermitteln können und Interaktivität, sind sie für ältere Schüler eine faszinierende Ergänzung zum Schulbuch, zum Fernseher oder zur Tafel, aber man soll sich keinen Quantensprung in der „Qualität der Bildung“ davon versprechen. Der Autor Tomasz Kurianowicz schrieb kürzlich für die „Neue Zürcher Zeitung“, auf dem Spiel stehe letztlich die Empathie: „Natürlich, es kostet Zeit und Mühe, ein Kind zu beschäftigen, sich mit ihm auszutauschen und reale Konversation zu betreiben. Viel einfacher ist es da, ihm ein iPad in die Hand zu drücken und sich der Verantwortung zu entziehen.“ Den Verlust von Empathie und Urteilsvermögen versuchen die Bildungstechnokraten sogar in eine Kompetenz umzudeuten. Doch wenn sich die Lehrer wie Roboter benehmen, müssen sie sich nicht wundern, wenn sie eines Tages ganz von Robotern ersetzt werden.

Mehr: www.faz.net.

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