Religionsfreiheit

Sterben sollst Du für Dein Glück

Im aktuellen Heft Evangelische Verantwortung (1+2/2011, S. 3–11) beschreibt Sabatina James, warum sie sich gegen Zwangsheiraten engagiert und weshalb sie vom Islam zum Christentum konvertierte (und deshalb Polizeischutz braucht):

Ich habe dann die Bibel aufgeschlagen, die ich nicht einmal kannte, und da stand ein fettgedruckter Satz: »Wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen.« (Jer 29,13+14). Dieser Satz hat mich sehr berührt, denn es war wie eine Antwort auf meine Frage. Ich fing an, das Neue Testament zu lesen. Was mich zutiefst faszinierte, war diese eine Stelle, wo Jesus die Ehebrecherin verteidigt. Er sieht die Frau in ihrer Not, stellt sich nicht zu den Religiösen, die sie bestrafen wollen, sondern spricht sie frei. Es hat mich so berührt, weil ich mich in genau so einer Not gesehen und gemerkt habe, dass hier anscheinend ein Gott ist, der bedingungslos liebt. Die Frau hatte einen Fehler gemacht, und Gott hat sich trotzdem zu ihr gestellt!

Die Ausgabe mit dem empfehlenswerten Interview kann hier heruntergeladen werden: 31_1_2011-13_08_42-ev_1_2_11_web_26012011.pdf.

Christenverfolgung: EU-Außenminister uneins

Beim Thema Christenverfolgung sind die EU-Außenminister uneins: Sie konnten sich am 31. Januar in Brüssel nicht auf ein gemeinsames Dokument zum Schutz der Religionsfreiheit verständigen. Einige wollten nicht, dass speziell die Unterdrückung und Verfolgung von Christen erwähnt wird. idea schreibt:

Die Sprecherin für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Erika Steinbach (Berlin), bezeichnete es als zutiefst bedauerlich, dass auf europäischer Ebene keine Einigung darüber erzielt werden konnte, die Situation der Christen als größte verfolgte religiöse Minderheit zu erwähnen. Eine allgemeine Äußerung entfalte eine zu geringe Wirkung. Nur die Nennung von Tätern und Opfern erlaube es, die Lage der Christen zu verbessern.

Recht hat sie!

Mehr: www.idea.de.

Die Glaubensdiebe

In der FAZ ist heute ein lesenswerter Artikel des iranischen Schriftstellers Amir Hassan Cheheltan erschienen (20. Januar 2011, Nr. 16, S. 27). Viele Iraner fühlen sich, so Cheheltan, vom Christentum angezogen. Hauskirchen haben Konjunktur. Der Staatsapparat sieht das gar nicht gern.

Seit Weihnachten hat es in der Isla­mischen Republik eine Welle der Verhaftungen von Christen gegeben. Berichten zufolge sind das Hauptziel dieser Verhaftungen evangelikale Christen, die nach Angaben der Behörden ihre Aktivi­täten neuerdings verstärkt haben. Die Verantwortlichen haben betont, dass die Umtriebe dieser Evangelikalen auch in anderen Ländern des Nahen Ostens Probleme heraufbeschworen haben. In amtlichen Verlautbarungen bezeichnen sie diese als »zionistische Christen« und als korrupte Bewegung, die von den Vereinigten Staaten und Großbritannien unterstützt werde, weswegen sie als leuchtendes Beispiel für die »kulturelle Invasion des Feindes« gilt. Die Festgenommenen sind meist konvertierte Muslime oder Christen, die versucht haben, Muslime zur Konversion zu ermutigen.

Der Artikel ist nur in der gedruckten Ausgabe erschienen.

Schnelle: Christen, zum Abschuss freigegeben

Der renommierte Neutestamentler Udo Schnelle (Halle) hat in einem Leserbrief, der heute in der FAZ erschienen ist, zur Bedrohung der Christen durch den Islamismus Stellung genommen. Hier Auszüge (FAZ, 19. Januar 2011, Nr. 15, S. 32):

Der Anschlag auf koptische Christen in Alexandria zeigt deutlich die Strategie von Islamisten und konservativen islamischen Kreisen: Die islamische Welt soll christenfrei werden. Wo bis zum 7. Jahrhundert nach Christus überwiegend Christen lebten, die dann in der Regel gewaltsam zum Islam bekehrt wurden, soll es keine Andersgläubigen mehr geben. Zwar distanzieren sich viele arabische Regierungen verbal von.diesem Terror, zugleich bekämpfen sie ihn aber aus innenpolitischen Gründen nicht wirksam; Man muss kein Prophet sein, um die weitere Entwicklung vorauszuahnen: Jetzt sind auch die in Europa lebenden orientalischen Christen bedroht, und danach werden nach und nach die Christen insgesamt ins Visier genommen werden.

…

Dieser Terror trifft schon jetzt auf eine westliche Welt, die ihre eigenen (christlichen) Traditionen über Bord wirft, sich ständig selbst relativiert und offenbar nur noch in einer heiligen Individualität und im Geldverdienen den Sinn des Lebens sieht. Bei den Kirchen sieht es nicht viel besser aus; insbesondere die evangelische Kirche leidet schon seit Jahren an einer bemerkenswerten Selbsteinschüchterung. Wofür sie noch steht – außer verbaler sozialer Gerechtigkeit natürlich –, ist nicht ersichtlich; wirklich religiöse Inhalte traut sie sich offenbar nicht mehr zu verkünden.Mit einer solchen Haltung wird man den massiven Schrumpfungsprozess nicht stoppen können und ist man schon gar nicht auf die theologisch-ideologischen Herausforderungen der Zukunft eingerichtet: Christologie, Trinitätslehre, rituelle Gestalt des Glaubens, Religion und Recht, Staat und Kirche – welcher ethische Kodex soll gelten …

VD: AW

Fürbitte für bedrängte und verfolgte Christen in Indien

Auf Wunsch der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland haben der Rat der EKD und die Kirchenkonferenz beschlossen, an einem festen Ort im Kirchenjahr der Lage von bedrängten und verfolgten Christen mit einer Fürbitte zu gedenken. Dafür wurde der 2. Sonntag der Passionszeit, Reminiszere, ausgewählt. Das Kirchenamt gibt jedes Jahr dazu eine Materialhilfe heraus, die jeweils ein Land zum Schwerpunkt macht. Im Jahr 2011 wird besonders an die bedrängten und verfolgten Christen in Indien gedacht.

Hier das Material zur Fürbitte und eine Ausarbeitung über Hintergründe der Gewalt gegen Christen in Indien (2008):

Der Tod in Anatolien

Noch immer läuft in der Türkei das Verfahren gegen die Männer, die im April 2007 drei Christen in Malatya brutal ermordeten. Anfänglich hieß es, die Täter seien »irrgeleitete Fanatiker«. Doch der Prozess offenbart, dass sie wohl gut vernetzt waren mit einer unheilvollen Parallelwelt: Dem »tiefen Staat«. Michael Martens schreibt für die FAZ:

Das Massaker von Malatya erregte nicht nur in der Türkei Aufsehen. Ausländische Medien berichteten, türkische Politiker verurteilten die Tat. Die Festgenommenen waren junge Männer im Alter zwischen 19 und 20 Jahren. Irregeleitete Fanatiker, hieß es. Zunächst war das Medieninteresse groß, auch noch im November 2007, als der Prozess um die Christenmorde begann. Doch die Welt dreht sich weiter, Interessantes geschieht jeden Tag, und der Fall geriet aus dem Blick. Wer hat schon die Zeit, akribisch einen Prozess in einer türkischen Provinzstadt zu verfolgen, Akten zu lesen, Zeugenaussagen zu vergleichen, mit Anwälten zu sprechen? Die »European Stability Initiative« (ESI), eine in Berlin beheimatete Denkfabrik, hat sich die Zeit genommen. In ihrem an diesem Mittwoch erschienenen Bericht »Mord in Anatolien – Christliche Missionare und türkischer Ultranationalismus« hat sie den bisherigen Verlauf des Prozesses auf mehr als 45 Seiten skrupulös analysiert. Das Ergebnis ist eine Beschreibung türkischer Zustände, die lesen sollte, wer sich für die Türkei interessiert, zumal der Bericht nicht nur Ansichten, sondern vor allem empirische Belege oder zumindest überzeugende Indizien für diese Ansichten enthält. Im Kern steht die Frage, wer hinter den Messerwetzern von Malatya steht, da sich der Verdacht, die fanatische Jungmännerbande habe nicht allein gehandelt, im Prozess schnell bestätigte. Der Anführer des Quintetts repräsentiert den Typ des früh Gescheiterten, der sich mit einer »großen Tat« aus seiner raskolnikowschen Grüblerexistenz befreien will. Zweimal war er durch die Aufnahmeprüfung für die Universität gefallen, ein dritter Versuch scheiterte auf halbem Wege. Wo in Petersburg eine alte Pfandleiherin als Opfer herhalten musste, richtete sich der Hass des Untüchtigen in Malatya gegen ausländische Missionare und türkische Konvertiten – allerdings nach sorgfältiger Anleitung.

Hier mehr: www.faz.net.

Zur Situation der ägyptischen Christen

Die Morde von Nag Hammadi haben 2010 Aufmerksamkeit auf das sich seit Längerem verschlechternde Verhältnis zwischen der muslimischen Bevölkerungsmehrheit und der christlichen Minderheit des Landes gerichtet. Menschenrechtsorganisationen, Regierungen und internationale Organisationen kritisieren die abnehmende Religionsfreiheit in Ägypten und prangern die Zunahme gewaltsamer Übergriffe und die systematische Diskriminierung von Christen an. Was sind die Hintergründe und Ursachen für diese Entwicklung?

Dr. Andreas Jacobs, Auslandsmitarbeiter der Konrad-Adenauer-Stiftung in Ägypten, hat einen ausgezeichneten Bericht über die Lage der Christen in dem Land geschrieben.

Die Hintergründe für Nichtanerkennung des Übertritts vom Islam zum Christentum durch den ägyptischen Staat sind offenkundig. Seit 1972 gilt das islamische Recht, die Scharia, als Hauptquelle des Rechts. Ägypten bezeichnet sich als islamischen Staat. Nach klassischem islamischem Rechtsverständnis wird die Abkehr vom (islamischen) Glauben mit dem Tod bestraft. Dass diese Strafe im Ägypten der Gegenwart nicht verhängt wird, entspricht zwar dem Rechtsempfinden der allermeisten Ägypter, erzeugt auf Seiten der staatlich kontrollierten Religionsbehörden aber bereits einen gewissen Erklärungsbedarf. Eine Konversion vom Islam zum Christentum ist in Ägypten im derzeit vorherrschenden Verständnis des islamischen Rechts derart eindeutig unzulässig, dass ihre juristische Anerkennung den Staat in den Augen seiner Gegner eindeutig als »unislamisch« entlarven würde.

Wer sich mit oberflächlichen Medienberichten nicht zufrieden gibt und fundierte Hintergrundinformationen sucht, sollte sich das Dokument anschauen. Der Bericht:

  • Andreas Jacobs: »Unter muslimischer Führung: Zur politischen und gesellschaftlichen Situation der ägyptischen Christen«, KAS Auslandsinformationen 12/2010, S. 20–35

kann hier heruntergeladen werden: kas_21238-544-1-30.pdf.

Wo Christen gefährlich leben

Nach dem Anschlag auf christlich-orthodoxe Kopten in Ägypten hat Kanzlerin Angela Merkel dazu aufgerufen, die Religionsfreiheit weltweit zu verteidigen. In vielen Ländern ist die Situation der dort lebenden Christen schwierig. Sie werden diskriminiert, verfolgt, getötet. In einer interaktiven Grafik zeigt Stern.de die Situation der Christen weltweit.

Hier: www.stern.de.

VD: BH

Schirrmacher: Islamisten bestrafen wachsenden Mut der Christen

In der islamischen Welt werden alteingesessene Christengemeinschaften zum Ziel von Terror. Die Zeitschrift DIE WELT hat mit Thomas Schirrmacher über die Lage der Christen im Orient gesprochen:

Welt Online: Die Christen werden selbstbewusst – und dafür bestraft?

Schirrmacher: Ja, der historische Deal zwischen muslimischer Mehrheit und christlicher Minderheit wird zunehmend aufgekündigt. Er bestand darin, dass die orientalischen Christen nicht laut und schon gar nicht gegenüber dem Ausland über ihre rechtlichen Benachteiligungen klagten. Im Gegenzug ließ man sie als Bürger zweiter Klasse in Ruhe.

Welt Online: Wo sonst beobachten Sie das Ende dieses »Deals«?

Schirrmacher:
Offenkundig im Irak. Nachdem einige irakische Bischöfe begannen, die Weltöffentlichkeit über ihr Leid zu informieren, verschlimmerte sich die Lage der irakischen Christen noch.

Welt Online: Stehen die irakischen Bischöfe denn geschlossen hinter der Strategie öffentlicher Hilferufe?

Schirrmacher: Keineswegs! Viele Bischöfe plädieren dafür, lieber leise diskriminiert zu werden, statt sich laut zu beschweren und dafür ermordet zu werden. Ähnlich riskant leben die Christen in der Türkei: Der Mord an den drei Evangelikalen von Malatya lässt sich ebenfalls als Bestrafungsaktion verstehen. In Malatya war ein Zentrum alteingesessener Türken entstanden, die sich zum christlichen Glauben bekehrt hatten und nun offensiv Gleichberechtigung einforderten. Einige verlangten, in ihrem Ausweis den Eintrag »Muslim« durch »Christ« zu ersetzen, andere wagten, vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte zu ziehen – gegen ihren Staat. So viel Selbstbewusstsein dulden Radikalislamisten nicht.

Hier: www.welt.de.

Wir sind schuld

Muslimische Intellektuelle und Alltagsrassisten sind mitverantwortlich für den Hass auf die christlichen Kopten, sagt der muslimische Journalist Hani Shukrallah aus Kairo. Er hat einen bemerkenswert selbstkritischen Kommentar zur Lage der Kopten in Ägypten verfasst. DIE ZEIT hat eine Übersetzung publiziert:

Jetzt jedoch, zwei Jahrhunderte nach der Geburt des modernen Ägyptens und zu Beginn des zweiten Jahrzehnts des 21. Jahrhunderts, scheint das, was bisher undenkbar war, nicht mehr jenseits unserer Vorstellungskraft zu liegen: ein Ägypten ohne Christen. Ich hoffe, dass ich, falls das eintrifft, schon lange diese Erde verlassen haben werde. Doch ob tot oder lebendig, dieses Ägypten wird ein Ägypten sein, das ich nicht wiedererkenne und dem ich nicht angehören will.

Hier: www.zeit.de.

VD: EP

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