Religionsfreiheit

Flüchtling oder Konvertiten im Asylverfahren

Sie möchten einem Flüchtling oder Konvertiten im Asylverfahren helfen? Das ist meist eine komplizierte Angelegenheit.

Was kann und sollte getan werden, wenn ein Gemeindemitglied oder ein Pfarrer von einem Flüchtling um Hilfe gebeten wird, um in Deutschland oder einem anderen Land Asyl zu erhalten? Das deutsche Ausländer- und Asylrecht ist komplex. So komplex, dass man von einem fachfremden Juristen – sollte es einen in der Gemeinde geben – nicht erwarten kann, dass er sich in die aktuelle Rechtslage und gängige Rechtssprechung »einliest«. Schicken Sie den Hilfesuchenden stattdessen immer zu allererst zu einer Flüchtlingsberatungsstelle.

Hier Empfehlungen des Arbeitskreises für Religionsfreiheit der Ev. Allianz und der IGFM: Asylantraege.pdf.

Niederlande: Übergriffe auf Juden häufen sich

Ich habe im Dezember 2010 darauf verwiesen, dass sich in den Niederlanden die Situation für die Juden zunehmend verschlechtert und ein prominenter Politiker die Orthodoxen unter ihnen aufgefordert hat, das Land zu verlassen. Ein aktueller Beitrag des DLF bestätigt diese Meldung und deutet darüber hinaus an, dass erste bekennende Juden das Land tatsächlich verlassen, weil der Antisemitismus unerträglich geworden ist.

Hier der Beitrag:

[podcast]http://podcast-mp3.dradio.de/podcast/2011/04/14/dlf_20110414_0954_ad98cea6.mp3[/podcast]

China: Behörden gehen hart gegen Christen vor

ch-map.jpgDie Behörden in der kommunistisch regierten Volksrepublik China gehen derzeit hart gegen Christen vor. Die Nachrichtenagentur idea meldet:

Auch Christen in Hausgemeinden, die sich der staatlichen Kontrolle entziehen, sind den Machthabern ein Dorn im Auge. Am 10. April wurden in Peking rund 170 Mitglieder der staatlich nicht registrierten Shouwang-Gemeinde vorübergehend festgenommen. Sie wollten einen nicht genehmigten Freiluftgottesdienst im Westen der Hauptstadt feiern. Die rund 1.000 Mitglieder zählende Gemeinde hatte sich nach Angaben des Hilfswerks China Aid Association (China-Hilfsvereinigung) mit Sitz in Midland (US-Bundesstaat Texas) zuvor in gemieteten Räumen in einem Restaurant zu Gottesdiensten versammelt. Dies wurde ihr jedoch untersagt. Auch durfte die Gemeinde kein Gebäude erwerben. Darauf entschloss sich ihre Leitung, den Gottesdienst im Freien abzuhalten.

Hier mehr: www.idea.de.

Ägypten: »Vom Geist der Revolution ist nichts übrig«

Am vergangenen Samstag haben die Ägypter mit großer Mehrheit für eine Verfassungsänderung in ihrem Land gestimmt. Daniel Ottenberg, Referent für Menschenrechte der Hilfsorganisation »Open Doors Deutschland«, hat die Zeit vor der Wahl in Ägypten verbracht. Im Gespräch mit pro erklärte er, warum eine Überarbeitung der Verfassung zum jetzigen Zeitpunkt den Christen in Ägypten schadet.

Das Militär sendet sehr gemischte Signale aus. Einerseits sehen wir Gesten guten Willens: Vor drei Wochen wurde in einem Vorort von Kairo eine Kirche niedergebrannt. Die Christen haben öffentlich demonstriert, das wurde sogar vom TV-Sender »Al Dschasira« aufgenommen und gesendet. Es gab eine Aufnahme, in der eine junge Demonstrantin ein Plakat in die Kamera hielt, auf dem stand: »Jesus ist Liebe«. Eine solche Freiheit für Christen hat es in Ägypten noch nie gegeben. Das Militär hat sofort bekannt gegeben, es wolle die Täter ermitteln, bestrafen und die Kirche wieder aufbauen. Wir haben in der vergangenen Woche erfahren, dass die Staatssicherheit aufgelöst worden ist. Das war die Behörde, unter der die Christen ganz besonders gelitten haben. Die Staatssicherheit hat Christen festgenommen, verhört, gefoltert und auch getötet. Die Frage ist: Was kommt jetzt? Christen sind in Ägypten noch immer in der Minderheit, sie werden nach wie vor diskriminiert und missachtet. Es ist kein Zufall, dass die Armee ausgerechnet kurz vor den Wahlen am vergangenen Samstag die Abschaffung der Staatssicherheit bekannt gegeben hat. Damit wollte man die Christen in Sicherheit wiegen. Auf der anderen Seite hat das Militär den Drahtzieher des Mordanschlags auf Anwar al-Sadat im Jahr 1981 in der vergangenen Woche aus der Haft entlassen. Sadat hatte sich zu seiner Zeit als Staatspräsident verstärkt für den Frieden mit Israel eingesetzt. In den Medien wurde sein Widersacher gefeiert und er verkündete seine Überlegung, sich zur kommenden Wahl zu stellen. Das ist beängstigend.

Hier das vollständige Gespräch: www.pro-medienmagazin.de.

Europa: Das Kreuz mit dem Kreuz

Der DLF hat einen aufschlussreichen Beitrag über das Kreuzessymbol im Urteil des Europäischen Gerichtshofs gesendet. Der Göttinger Juraprofessor Michael Heinich stellt fest, dass die Kirchen sich zu wenig für den eigentlichen Sinngehalt des Kreuzes einsetzen. Der Staat habe, so Heinich, die positive wie die negative Religionsfreiheit (d.i. das Recht, keiner Religion anzugehören) zu schützen. Der öffentliche Raum im Staat solle gerade nicht religionsfrei sein, da sonst der Staat religiös werde.

Hier:
[podcast]http://podcast-mp3.dradio.de/podcast/2011/03/18/dlf_20110318_0946_ba08faaa.mp3[/podcast]

Festnahmewelle wegen Christenmorden in der Türkei

Bei landesweiten Durchsuchungen hat die türkische Staatsanwaltschaft mindestens 20 Personen festnehmen lassen, darunter mehrere Angehörige des Militärs. DIE WELT berichtet:

Die türkische Staatsanwaltschaft hat vier Armee-Angehörige festnehmen lassen, die im Verdacht stehen, in den Mord an drei Christen im Jahr 2007 verwickelt gewesen zu sein. Unter den Festgenommenen sei ein ehemaliger Regimentskommandeur der Gendarmerie aus dem ostanatolischen Malatya, berichtete der türkische Nachrichtensender NTV.

Nach dem Anschlag auf einen türkischen Bibelverlag im April 2007 tragen Polizisten ein Opfer aus dem Gebäude. Fast vier Jahre später sind 20 Verdächtige festgenommen worden

Den Berichten zufolge untersucht die Staatsanwaltschaft, ob es einen Zusammenhang zwischen den Christenmorden und der mutmaßlichen Putschisten-Gruppe Ergenekon gibt.

Der DER STANDARD hat berichtet. Hier der Beitrag von WELT online: www.welt.de.

Religionspolitik steht vor erheblichen Veränderungen

Wissenschaftler der Universität Münster prognostizieren einschneidende Veränderungen für die christlichen Kirchen in Deutschland. Die Bevorzugung der Kirchen müsse aufhören, da sonst gegen das Gleichbehandlungsgebot im neutralen Staat verstoßen werde, meint der Politikwissenschaftler Ulrich Willems.

Während einer Tagung über Religionsfreiheit an der Universität sagte Juristen Fabian Wittreck wörtlich: »Da haben die Kirchen in Zukunft große Umbrüche zu erwarten.« Die Kirchen könnten hierzulande nicht mehr selbstverständlich mit einer Rechtsauslegung zu ihren Gunsten rechnen. Das betreffe etwa Kreuze in den Schulen oder die eigenen Arbeitsrechtslinien der Kirchen. Immer mehr Streitfragen würden durch europäische Gerichte entschieden.

Einzelheiten im zweiten Beitrag von »Notizen aus Religion und Gesellschaft« vom 10. März 2011 (ab Minute 00:38, allerdings sind alle Beiträge hörenswert):

[podcast]http://podcast-mp3.dradio.de/podcast/2011/03/10/dlf_20110310_0943_b085ba23.mp3[/podcast]

Die Muslimbrüder und die Zukunft Ägyptens

Viele Medien erwecken seit dem Umsturz in Ägypten den Eindruck, die Muslimbruderschaft habe sich für einen gemäßigten Islam entschieden und werde bei der Demokratisierung des Landes eine maßgebliche Rolle spielen. 65 Prozent der Bundesbürger sind inzwischen der Auffassung, dass die Bundesregierung eine ägyptische Regierung unter Führung der Muslimbruderschaft anerkennen sollte (siehe hier).

Unter Mubarak waren die Muslimbrüder jahrzehntelang offiziell verboten, wurden aber als größte politische Oppositionsgruppe geduldet. Jetzt bereiten sie die Gründung einer »Partei für Frieden und Gerechtigkeit« vor. Am vergangenen Freitag kehrte einer ihrer offiziellen Chefideologen, der gebürtige Ägypter Yusuf al-Qaradawi, zum »Tag des Sieges« nach Kairo zurück. Nach über 30 Jahren Predigtverbot durfte al-Qaradawi erstmals wieder das Freitagsgebet leiten – vor Hunderttausenden auf dem Tahrir-Platz. Ausgerechnet die »Koalition der Jugend der Revolution« hatte den derzeit über Fernsehen und Internet einflussreichsten muslimischen Gelehrten eingeladen – laut Islamwissenschaftlerin Christine Schirrmacher ein Besorgnis erregendes Signal angesichts der Haltung al-Qaradawis zu Demokratie und Menschenrechten, Israel und Selbstmordattentaten.

Erst kürzlich hatte ich darüber berichtet, dass Yusuf al-Qaradawi lobend davon spricht, Hitler habe durch die Schoah die Juden dorthin gebracht hat, wo sie hingehörten. Beim nächsten Mal, so al-Qaradawi, werden die Juden, so Allah es schenkt, den gläubigen Muslimen überlassen.

Hier eine Pressemeldung des Islaminstituts zur ägyptischen Muslimbruderschaft: PM0058.pdf.

Die neuen Christenverfolgungen

Paul Badde hat für Internationale Politik (IP) einen bemerkenswerten Artikel über Christenverfolgung geschrieben:

Denn die Lage der Christen ist heute weltweit völlig anders und wohl auch komplizierter als in den ersten Jahrhunderten des Römischen Reiches. Was davon blieb, ist: Verfolgung gehört zum Wesen der Christenheit. Nicht Verfolgung aber hat die Christenheit geschwächt, sondern vor allem die Irrlehren aus dem Innern der Kirche, die in fast jedem Jahrhundert in neuem Gewand auftreten: die Gnosis, der Markionsmus, der Manichäismus. Wo solche Häresien Oberhand gewannen, gerieten auch Christen in Versuchung, selbst zu Unterdrückern zu werden. Doch solange die Christenheit nicht schal wird, sondern Salz bleibt, wird sie auch eine Märtyrerkirche bleiben. Der Appell Benedikt XVI. richtet sich deshalb auch nicht an die Christenheit selbst. Vielmehr legt er den Vertretern der Nationen und Kulturen nahe, dass es dem Heil und Frieden der Welt dient, wenn Religionsfreiheit überall als Mutter der Grundrechte anerkannt wird. Es dient dem Islam, dem Judentum, dem Hinduismus. Religionsfreiheit dient der Menschheitsfamilie.

Das heute öffentlich zu verkünden, kann nur als Pflicht der Christen gegenüber dem Rest der Welt begriffen werden – und nicht als die Inanspruchnahme eines Privilegs. Denn Religionsfreiheit ist eines der am häufigsten verletzten Rechte weltweit. In Artikel 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte heißt es: »Jeder Mensch hat Anspruch auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit; dieses Recht umfasst die Freiheit, seine Religion oder seine Überzeugung zu wechseln, sowie die Freiheit, seine Religion oder seine Überzeugung allein oder in Gemeinschaft mit anderen in der Öffentlichkeit oder privat durch Lehre, Ausübung, Gottesdienst und Vollziehung eines Ritus zu bekunden.« Wo aber keine oder nur eingeschränkte Religionsfreiheit herrscht, werden häufig auch andere Menschenrechte missachtet.

Christen bilden in absoluten Zahlen die mit Abstand größte aus Glaubensgründen verfolgte Gruppe. Doch jede öffentliche Äußerung zu ihrem Schutz hat einen hohen Preis.

Hier: 02/2_2011_Badde.pdf.

Afghanistan: Mit Folter zurück zum Islam

Ein Afghane soll hingerichtet werden, weil er zum Christentum übertrat – es sei denn, er bekennt sich wieder zum Islam. Vor acht Monaten wurde der Konvertit vor der deutschen Botschaft in Kabul verhaftet – dann folgten Folter und Schikane. Hasnain Kazim berichtet für den SPIEGEL über den Vorfall:

Erstmals seit seiner Festnahme durfte Musa jetzt einem Journalisten ein Interview geben. Die Agenten hätten ihn »72 Tage lang gegrillt«, sagte er der »Sunday Times«. »Sie schlugen mich und folterten mich mit Stöcken. Sie sagten mir, ich solle zurück zum Islam konvertieren. Als ich mich weigerte, nannten sie mich einen dreckigen Ungläubigen«, zitiert die Zeitung ihn. Außerdem sei er aufgefordert worden, weitere Afghanen sowie Ausländer zu benennen, die Christen seien. Als er sich weigerte, sei er erneut geschlagen worden.

Später sei er in ein normales Gefängnis in Kabul verlegt worden, wo er sowohl von Gefängnismitarbeitern als auch von Mitgefangenen geschlagen und sexuell misshandelt worden sei.

Musa ist vor neun Jahren vom Islam zum Christentum übergetreten. Zu den Gründen schweigt er, aber die »Sunday Times« schreibt unter Berufung auf Freunde von ihm, er sei von den Fernsehbildern eines Bombenanschlags im pakistanischen Karatschi erschüttert gewesen – er habe sich gefragt, warum Muslime unschuldige Menschen töteten und habe sich daraufhin taufen lassen. »Die Bibel hat mich gelehrt, meine Feine zu lieben«, zitiert die Zeitung Musa. »Sie hat mich gelehrt, die andere Wange hinzuhalten, wenn mich jemand verletzt hat.«

Ein Richter und ein islamischer Geistlicher besuchten Musa laut »Sunday Times« in seiner Gefängniszelle und drohten ihm mit seiner Hinrichtung innerhalb von drei Tagen, sollte er sich nicht wieder zum Islam bekennen. Als Musa sich weigerte, soll der Mullah die Wärter angewiesen haben, „dieses schmutzige Tier“ aus der Zelle zu holen und zu schlagen. Erst auf Druck der US-Botschaft sei er in eine sichere Zelle verlegt worden und werde von Schlägen verschont. Auch mehrere Anwälte sollen sich geweigert haben, Musa zu verteidigen, solange er sich nicht zum Islam bekenne.

Leider ist es in islamischen Staaten nicht unüblich, Apostasie (Abfall vom Islam) mit dem Tod zu bestrafen. Hier ein Video zum Thema (leider nur in Englisch):




Hier der vollständige SPIEGEL-Beitrag: www.spiegel.de.

Nach oben scrollen
DSGVO Cookie Consent mit Real Cookie Banner