Bibelwissenschaft

Biblical and Ancient Greek (BAGL)

Freunde des Altgriechisch dürfen sich freuen: es gibt ein neues Online Journal für Koinē und Altgriechisch. Biblical and Ancient Greek Linguistics (BAGL), das frei zugänglich ist, beschreibt sich so:

Biblical and Ancient Greek Linguistics (BAGL), in conjunction with the Centre for Biblical Linguistics, Translation, and Exegesis at McMaster Divinity College and the OpenText.org project (www.opentext.org) is a fully refereed on-line and print journal specializing in widely disseminating the latest advances in linguistic study of ancient and biblical Greek. Under the senior editorship of Professor Dr. Stanley E. Porter and Dr. Matthew Brook O’Donnell, along with its assistant editors and editorial board, BAGL looks to publish significant work that advances knowledge of ancient Greek through the utilization of modern linguistic methods. Accepted pieces are in the first instance posted on-line in page-consistent pdf format, and then (except for reviews) are published in print form each volume year. This format ensures timely posting of the most recent work in Greek linguistics with consistently referencable articles then available in permanent print form.

Hier das Inhaltsverzeichnis der ersten Ausgabe: bagl.org/volume1.

Fragen an E.P. Sanders

Der Neutestamentler Andrie du Toit wurde während seiner Promotionszeit in Basel von Karl Barth und Oscar Cullmann geprägt, bevor er sich in Südafrika als Experte für neutestamentliche und jüdische Exegese etablierte.

Eher zufällig fand ich in einem Vortrag, den er bereits 1985 in Trondheim gehalten hatte und der 1988 erstmalig veröffentlicht wurde, kritische Anfragen von du Toit an E.P. Sanders. Obwohl wahrscheinlich nur diejenigen etwas mit dem Zitat anfangen können, die sich mit der so genannten „Neuen Pauluspektive“ befassen, gebe ich den Auszug nachfolgend unkommentiert wieder (Andrie du Toit, Focusing on Paul, hrsg. von Cilliers Breytenbach u. David S. du Toit, Walter de Gruyter, 2007, S. 316):

Die Fragen mehren sich: Hat Sanders den Kontext und die Eigenart seiner Dokumente genügend beachtet? Wieviel sonstiges Zeugnis für eine Soteriologie des Verdienstes ist seiner eklektischen Methode zum Opfer gefallen? Wird ein Spezialist wie Billerbeck, der 16 Jahre an diesem Material gearbeitet hat, sich wirklich völlig geirrt haben? War Sanders Methode ausreichend, um die Grundstimmung (bzw. Grundstimmungen) des palästinensischen Judentums gründlich aufzufangen? Haben auch die Synoptiker, beziehungsweise ihre Quellen, diese Grundstimmung so völlig mißverstanden? Wie ist die jüdische καύχησις mit einem echt durchlebten Gnadenbewußtsein zu reimen? Oder müssen wir annehmen, sie sei eine Illusion des Paulus gewesen? Konnten nicht auch Erwähltsein aus Gnade und Zugehörigkeit zum Bunde zu Formeln erstarren oder sogar, wie aus der Kirchengeschichte zu belegen ist, eventuell zu einem Status vor Gott werden? Hätte man den damaligen Inhalt dieser Begriffe nicht gründlicher analysieren sollen? Ist die Art des jüdischen Sündenbewußtseins im ersten Jahrhundert genügend untersucht? Sündenbewußtsein bestimmt ja weitgehend, wie man die Gnade versteht und erlebt.

Methodologisch gibt es aber noch eine andere ernste Frage: Die „soteriologischen“ Aussagen in den jüdischen Dokumenten sind, wie die christlichen, alle eschatologisch bestimmt, das heißt sie haben mit dem Zugang zum endzeitlichen Heil zu tun. Dann aber liegt der kritische Vergleichspunkt nicht zwischen den jüdischen Auffassungen über den Zugang zum Bund und dem paulinischen Erlösungskerygma, sondern zwischen den jüdischen und den christlichen Aussagen über den Zugang zum endzeitlichen Heil. Sobald das jedoch geschieht, kommen die ἔργα jedoch wieder ganz neu ins Spiel! (Die paulinische Rechtfertigung ist ja eine Vorwegnahme des eschatologischen Urteils des himmlischen Richters.) Selbstverständlich gab es im jüdischen Denken eine starke Korrelation zwischen dem Zugang zum Bund und zum endzeitlichen Heil. Prinzipiell waren sie aber keineswegs identisch. Paulus wäre mit der Behauptung, daß Israel aus Gnade zum Bunde erwählt wurde, völlig einverstanden (vgl. Rom 11:28f.; 9:4). Seine Kritik liegt anderswo.

Interview mit Greg Beale

Mark Dever hat kürzlich mit Greg Beale über Biblische Theologie gesprochen. Das Interview startet ziemlich amerikanisch (und bleibt es stellenweise), entwickelt sich allerdings mitunter auch substanziell. Es ist interessant, was Beale über seine theologische Entwicklung, die Eschatologie (!) und andere Autoren sagt.

[podcast]http://media.9marks.org/audio/interview20120401-Beale.mp3[/podcast]

Eckhard Schnabel geht zum Gordon-Conwell Seminar

Eckhard J. Schnabel, vielen noch bekannt als FTA-Dozent, ist zum Professor für Neues Testament an das Gordon-Conwell Theological Seminary berufen worden. Professor Schnabel wird im Herbst mit seiner Vorlesungstätigkeit beginnen.

“Dr. Schnabel is a scholar of remarkable diversity,” remarks Provost, Dr. Frank James. “He is not only a noted New Testament scholar who has written the definitive work on Christian Mission in the New Testament, but he also brings a global perspective having served on academic faculties in his native Germany, the Philippines, Latin American, Hong Kong, as well as the U.S. Dr. Schnabel’s international experience no doubt will serve our students well in our globalized world.”

Since 1998, Dr. Schabel has served on the faculty of Trinity Evangelical Divinity School, Deerfield, IL, currently as Professor of New Testament. He has also served as chair of the New Testament department at Freie Theologische Akademie, Giessen, Germany; as Program Director, Th.M. in Biblical Studies, at Asia Graduate School of Theology, Manila, Philippines; and as a professor at Wiedenest Bible College, Bergneustadt, Germany, and Asian Theological Seminary, Manila. He has also been a Visiting Lecturer or Visiting Professor at theological schools in Poland, Belgium, Philippines, Germany, Canada, Sri Lanka and Hong Kong, China.

Hier: www.gordonconwell.edu.

Schrieb ein Zeitzeuge das Markusevangelium?

Dass das Markusevangelium  von einem Zeitzeugen Jesu Christi geschrieben wurde, vermutet der US-amerikanische Handschriftenforscher Prof. Daniel B. Wallace (Dallas/Texas). idea meldet:

Er hat nach eigenen Angaben sieben Fragmente mit Auszügen aus dem Neuen Testament entdeckt, von denen sechs aus dem zweiten Jahrhundert stammten und eins aus dem ersten. Dabei handele es sich um einen Auszug aus dem Markus-Evangelium. Diese Datierung habe ein von Wallace namentlich nicht genannter Handschriftenexperte als gesichert bestätigt. Wallace kündigte an, Details über Fundort, Datierung und Inhalt im nächsten Jahr zu veröffentlichen. Die bisher ältesten Abschriften des Markus-Evangeliums stammen aus dem frühen dritten Jahrhundert. Experten sind sich einig, dass eine Bestätigung von Wallaces Vermutung zu einer neuen Sicht über die Entstehung der Evangelien führen werde. Zum einen würde sich herausstellen, wie gut die späteren Handschriften mit der ursprünglichen Fassung übereinstimmen, und zum anderen wäre dies ein Hinweis darauf, dass die Verfasser der Evangelien zeitlich sehr nahe an den Berichten über das Leben, Sterben und Auferstehen Jesu Christi waren.

Wallace ist eigentlich kein medienvernarrter Stimmungsmacher, sondern ein solider Neutestamentler. Wir müssen auf weitere Erklärungen und Materialien warten.

Ich erinnere mich noch an Vorlesungen von Carsten-Peter Thiede, der 1984 – Hypothesen von José O’Callaghan aufnehmend –, das Papyrusfragment 7Q5 Mk 6,52f zuordnete (das Buch habe ich noch). Thiede war sehr davon überzeugt, mit der abgeleiteten Frühdatierung von Markus richtig zu liegen. Durchsetzen konnte sich seine Theorie allerdings nicht.

Zu Wallace siehe auch hier: evangelicaltextualcriticism.blogspot.com.

Die Sache mit dem „Salz“

Falls mein Gedächtnis mich nicht vollends im Stich lässt, habe ich in den vergangenen Jahren keine Predigt über Gottes Heiligkeit, das Jüngste Gericht oder die Bundestreue des HERRN gehört. Ein Thema begleitet mich indessen anhänglich: „Ihr seid das Salz der Erde.“

Sollte Don Garlington mit seiner Untersuchung „‚The Salt of The Eaerth‘ in Covenantal Perspective“ richtig liegen (JETS Vol. 54.4, No. 5, December 2011, S. 715–48), wurde der tiefere Textsinn bei allen Predigten, die ich dazu gehört (oder auch selbst gehalten) habe, nicht erfasst.

Nein, es geht nicht darum, ob Salz mehr Konservierungsstoff als Gewürz war. Meist wird Matthäus 5,13 im Sinne von: „Seid rechtschaffene Bürger und würzt als Christen die Gesellschaft, in die Gott euch hineingestellt hat“, ausgelegt. Garlington hat die Redeweise im Kontext von AT und NT geprüft und meint, dass sie ausgerechnet nur im Rahmen einer soliden Bundestheologie angemessen verstehbar ist. Im Alten Testament hat das Salz demnach folgende gleichnishaften Bedeutungen:

  1. Symbol für Beständigkeit und Bundestreue;
  2. Symbol für die Bundesgemeinschaft;
  3. Symbol der Reinheit;
  4. Symbol für den Fluch.

Sein Fazit lautet (S. 748):

This study has argued that the “the salt of the earth,” as predicated of Jesus’ disciples, should be understood within a covenantal framework. Like any word of theological significance, salt is a covenant term, meaning that its covenantal association is not merely a nuance; it is the determining component of interpretation. In advancing the argument, the underlying assumptions were threefold: the unity of Scripture, the validity of biblical theology, and the factor of intertextuality. After an exegesis of the relevant OT texts, conclusions were drawn respecting their bearing on Matt 5:13 and parallels. These boiled down to four. (1) As “salt,” the disciples exhibit covenant fidelity and so preserve the continuance of the covenant. This category includes the probability that Jesus’ followers are conceived of as sacrifices in their own persons. (2) By virtue of their identification as salt, the disciples share in covenant fellowship, including that of the table, and thus form a society in communion with the covenant Lord. (3) The disciples impart purity to the creation, thereby causing it to be better than before—a new creation. (4) There is the punitive function of salt. If the world rejects the message of the disciples, their witness to the blessings of salvation turns into a condemnation of it. Apart from these four basic applications of salt to the passages in question, in Matt 5:13 and Col 4:6 salt takes on hues of wisdom, due to contextual considerations.

Ein insgesamt sehr interessanter Aufsatz, der in guten Bibliotheken online oder im Regal gefunden werden kann. Abonnieren kann man The Journal of the Evangelical Theological Society hier: www.etsjets.org.

Gaebelein: Die Einheit der Bibel

Rob Bradshaw hat freundlicherweise mit Genehmigung den Aufsatz:

  • Frank E. Gaebelein: “The Unity of the Bible,” Carl F.H. Henry, ed., Revelation and the Bible. Contemporary Evangelical Thought, Grand Rapids: Baker, 1958 / London: The Tyndale Press, 1959. S. 389-401

digitalisiert.

Gaebelein begründet die Einheit der Bibel christologisch:

The center of the Bible is the living Christ. Throughout its pages God the Holy Spirit who inspired it bears witness to the Person who unites all the manifold strands of history, prophecy, poetry, symbolism, and doctrine to bear witness to him and his saving work. Let us, therefore, rejoice that Christ is the center of the Bible, that in him alone it finds its living unity. Let us reverence the Bible as the only written revelation of God, the only completely truthful book, realizing that we reverence it most fully and honor it most highly when we see within its pages the Lord Jesus Christ and when we make him in whom its unity is centered the center of our own life and service.

Hier der Aufsatz: 24_unity_gaebelein.pdf.

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