Theologiegeschichte

Emerging Churches und die Predigt

John S. Bohannon hat die Predigten von Mark Driscoll, Dan Kimball, Brian McLaren und Doug Pagitt untersucht. Resultat dieser Arbeit ist das Buch:

  • John S. Bohannon: Preaching and The Emerging Church, 2010, 367 S.

Kenton C. Anderson, Professor für Homiletik an der Trinity Western University (U.S.A.) schreibt dazu:

Much has been written about the emerging church, but little thought has been given to the preaching of this movement. John Bohannon offers us a thorough taxonomy of the homiletics of the emerging church, showing how the movement’s leaders measure up as expositors. In so doing, he offers each of us the opportunity to take the pulse of our own preaching. If the health of the church depends upon the quality of its preaching, we will want to pay attention to this critique.

Das Buch kann in der PDF Version hier gratis herunter geladen werden: preaching-and-the-emerging-ebook.pdf.

– – –

Anmerkung: Die Abbildung ist dem Buch entnommen.

Emerging Church (1989–2010)

Anthony Bradley meint, das Ende der Emerging Church-Bewegung sei gekommen:

The emerging church movement has ended. Andrew Jones, a leader of the movement in the U.K., wrote about the demise at the end of 2009. Rob Bell, the founding pastor of Mars Hill Bible Church in Grand Rapids, Mich., delivered an April 4 sermon on the Resurrection that marks, in my opinion, the end of an era. Bell recounts how Mars Hill started out to be a different kind of church without the baggage of watered-down “seeker” churches and the religious legalism of “traditional” churches. In a moment of wonderful honesty Bell admitted that Mars Hill had become a big institution that wounded people in similar ways as the churches many Gen-Xers swore they would not mimic. Jones affirms much of Bell’s experience on his blog.

Bedeutsamer scheint mir diese Anmerkung zu sein:

Because post-modernism as movement is dead as scientific realism emerged as a recent culture-shaping philosophical movement, the generation of Christians struggling to meet the challenges of post-modernism, instead of yelling at it hoping it would go way, are shifting as well to address a world asking different questions. While the effects of the emerging church movement will linger for some time we will begin to see books praising and attacking the movement go out of movement go out of print.

Für Christen eröffnete sich die Chance, vorauszudenken, anstatt hinter her zu laufen.
Hier der vollständige Artikel von Anthony Bradley: online.worldmag.com.

Die Christusbotschaft des Ken Wilber

In ihrem neuen Buch Spirituelle Kräfte des Neuen Zeitalters beschreiben Martin und Elke Kamphuis die Christusbotschaft des in den Emerging Church-Kreisen so geschätzten Ken Wilber wie folgt (siehe auch hier):

Inhalt seiner Verkündigung solle die sogenannte Christusschaft aller Menschen gewesen sein, die gemäß Ken Wilber zum Märtyrertod am Kreuz führte. Ein Medium will folgende Botschaft von Jesus bekommen haben: «Ich lebte, um die Möglichkeiten der Menschen zu zeigen. Was ich getan habe, können alle Menschen tun, und was ich bin, können alle Menschen sein.» Darum solle er seinen Jüngern den folgenden Auftrag gegeben haben: «Gehet hin in alle Welt und predigt den Menschen das Evangelium von der Allmacht der Menschen.»

Wilber ist der Meinung, die damaligen Menschen hätten Jesu Botschaft nicht verstanden, weil sie in ihrer evolutionären Bewusstseinsentwicklung noch nicht auf seiner Ebene angekommen waren. Dies solle auch für seine Jünger gegolten haben, die sich gemäß Wilber noch auf einer niedrigeren Bewusstseinsebene befanden, indem sie noch an einen Gott außerhalb von sich selbst glaubten. Da Jesus den spirituellen Stand seiner Jünger erkannte, solle er es für notwendig gehalten haben, sie über Gott als den Vater zu unterrichten, statt über ihre eigene Göttlichkeit. Zeichen der Höherentwicklung der Menschen des Neuen Zeitalters soll die Erkenntnis über «die wahre Botschaft Jesu» sein. Diese könne folgendermaßen lauten: «Jesus war nicht Mensch wie wir, sondern wir sind Götter (Gott) wie er.»

Für Wilber steht fest, dass der wesentliche Inhalt der Lehre Christi «reine Gnostik war». Die Gnostik bietet Erlösung über die eigene Erkenntnis der Wahrheit an. Die Wahrheit solle z.B. lauten: «Gib die Suche auf nach Gott, der Schöpfung und anderen Dingen. Suche ihn, indem du dich selbst als Ausgangspunkt nimmst. … Dich selbst kennen, heißt Gott kennen».

Das Buch, das sich kritisch mit der Esoterik und dem New Age-Denken auseinandersetzt:

  • Martin und Elke Kamphuis: Spirituelle Kräfte des Neuen Zeitalters: Von der Wirklichkeit Gottes und der Gefahr kosmischer Kräfte, Basel u. Gießen: Brunnen Verlag, 2010, 160 S., 9,95 Euro

kann hier bestellt werden:

Von großen Theologen lernen: Interview mit Gerald McDermott

51vWzzJAzEL._SL160_.jpgTrevin Wax hat mit Gerald McDermott über sein neuestes Buch gesprochen. In The Great Theologians stellt McDermott einflussreiche Theologen wie Athanasius, Aquin, Luther oder Schleiermacher vor. McDermott selbst sagt zur Auswahl der vorgestellten Denker:

Generally, these are the eleven whom I consider to have had the most influence on the history of Christian thought.

  • Origen’s way of reading shaped Bible interpretation for the next 1500 years.
  • Von Balthasar, a contemporary of Barth, is fast becoming the most important Catholic theologian for this new century.
  • Athanasius saved the church from degenerating into a little sect of Greek philosophy.
  • Augustine was perhaps the most influential of all theologians—East or West—teaching us all, for instance, the meaning of grace.
  • Thomas Aquinas was declared by the Catholic Church to be its foremost Doctor (teacher), and showed us all how faith relates to reason and the meaning of »sacrament.«
  • Luther’s efforts to reform the Catholic Church were the principal stimulus to the rise of Protestantism.
  • Calvin was the first and greatest teacher of that second great Protestant tradition, the Reformed movement.
  • Edwards was the greatest religious thinker to grace the American continent and also the premier Christian thinker about how God relates to beauty.
  • Friedrich Schleiermacher was the father of liberal theology.
  • John Henry Newman was the great reformer of the Church of England who famously became a Catholic and showed us how doctrine develops through time.
  • Barth was the most influential of all 20th-century theologians.

Hier das Interview. Das Buch:

  • Gerald McDermott: The Great Theologians: A Brief Guide, Inter Varsity Press, 2010, 210 S., ca. 16 Euro

kann hier bestellt werden:

Bekannter Evangelikaler sympathisiert mit »Ja« zur gleichgeschlechtlichen Ehe

James Jones, Bischof von Liverpool, hat seine sexualethischen Überzeugungen geändert und plädiert für eine »menschlichere Pastoraltheologie«. Zur neuen Linie gehört die kirchliche Unterstützung für ein zivilrechtliches »Ja« zur gleichgeschlechtlichen Ehe. Brisant an der Sache: Jones, übrigens ein Förderer von Steve Chalke’s transformativen Theologie, steht der Evangelischen Allianz sehr nah.

Hier, hier und hier mehr dazu.

Brian McLaren: Eine neue Form des Christentums

Kevin DeYoung hat mit einer ausführlichen Besprechung des Buches:

begonnen.

Die Serie kann hier mitverfolgt werden: thegospelcoalition.org.

Auch Tim Challies hat das Buch gelesen und schreibt:

Er leugnet den Sündenfall, er leugnet die Ursünde, er leugnet die Verderbtheit [des Menschen], er leugnet die Existenz der Hölle …

Seine Rezension gibt es hier: www.challies.com.

Emergente Theologie

Spencer Burke spricht mit Tim King über die jetzt anbrechende Welt, in der sich alle Menschen lieb haben. Ja, das ist wirklich geheimnisvolle Theologie, eben ein transzendentes Mysterium.

Was ist evangelikaler Fundamentalismus?

Was ist Fundamentalismus? Und inwiefern kann man diesen Begriff auf konservative Christen anwenden? Gleich zwei Bücher sind vor kurzem zu diesem Thema erschienen. Der Theologe und Religionssoziologe Thomas Schirrmacher erklärt in seinem Buch, wie man sich selbst vor Fundamentalismus schützen kann. In der Broschüre des Theologen Reinhard Hempelmann (EZW-Texte 206) werden Herkunft und verschiedene Strömungen des Evangelikalismus analysiert. Beide Materialien stellt das Christliche Medienmagazin pro hier kurz vor: www.pro-medienmagazin.de.

Ich habe bisher nur das EZW-Heft von Dr. Hempelmann überfliegen können. Den historischen Teil finde ich, soweit gelesen, informativ und sachlich. Gern lass ich mir natürlich sagen (S. 35):

Im christlichen Fundamentalismus kommen Aspekte zum Tragen, die den Protestantismus von Anfang an bestimmt haben: die Orientierung am Wort Gottes (sola scriptura), die Konzentration auf das Elementare und Fundamentale, das unbedingte Vertrauen auf den einen Gott, der sich in Christus den Menschen zuwendet.

Dass das Zitieren von Bibelsprüchen »nicht selten zum Ersatz für das eigene Nachdenken« geworden ist, mag sein (S. 38). Leider finde ich neben vielen zutreffenden Beobachtungen auch theologische Vorurteile, wie zum Beispiel (S. 35):

Falsch an ihm [dem christlichen Fundamentalismus] ist, dass er die Vielfalt des biblischen Zeugnisses nicht hinreichend wahrnimmt, dass er die christliche Freiheit leugnet, dass er Stilfragen zu Grundsatzfragen macht. Falsch an ihm ist, dass er die Verbindung von Glaube und Vernunft nicht ausreichend berücksichtigt.

Auch der angeboten »Fundamentalismusbegriff« überzeugt mich nicht (S. 31):

Ein Grundprinzip fundamentalistischer Strömungen ist das Prinzip der Übertreibung. Einsichten des Glaubens werden so übertrieben, dass sie das christliche Zeugnis verdunkeln, ja verkehren. Dies bezieht sich zwar zuerst auf das gesteigerte Schriftprinzip – verbunden mit einem Verbalinspirationsdogma –, darüber hinaus aber auch auf andere Ausdrucksformen und Motive der Frömmigkeit.

Überraschend schwach finde ich folgenden Vorschlag (S. 38):

Um einen Wort- oder auch Geistfundamentalismus aufzubrechen und zu öffnen, bedürfte es einer tieferen Wahrnehmung des Verhältnisses von Wort und Geist. Der »Buchstabe tötet, aber der Geist macht lebendig« (2. Kor 3,6), meinte Paulus. Fundamentalistische Strömungen sind blind für diese Unterscheidung zwischen Buchstabe und Geist, mit der Folge, dass die christliche Freiheit verdrängt, eingeschränkt und geleugnet wird.

War das das Anliegen von Paulus? War dieser »Aufbruch« die Errungenschaft des Protestantismus. Stellvertretend für andere zitiere ich hierzu Calvin (Institutio I, 9):

Wer die Schrift verwirft und sich dann irgendeinen Weg erträumt, um zu Gott zu kommen, der ist nicht eigentlich dem Irrtum, sondern der Raserei verfallen. So sind neuerdings einige Schwindelköpfe aufgetreten, die sich hochmütig für geisterfüllte Lehrer ausgeben — aber sie verachten alles Lesen der Schrift und machen sich über die Einfalt derer lustig, die nach ihrer Meinung an toten und tötenden Buchstaben hangen. Ich möchte nur fragen, was das denn für ein Geist sei, durch dessen Wehen sie so hoch daherfahren, daß sie die Lehre der Schrift als kindisch und unwesentlich zu verachten sich erkühnen! Sollten sie antworten, das sei Christi Geist, so ist das lächerliche Verblendung. Denn sie werden ja dann doch wohl zugeben, daß die Apostel Christi und die anderen Gläubigen in der Urkirche von keinem anderen Geiste erleuchtet gewesen sind. Aber dieser Geist hat keinen von ihnen die Verachtung des Wortes Gottes gelehrt, sondern sie haben nur größere Verehrung gelernt, wie ihre Schriften deutlichst bezeugen. So war es schon vom Propheten Jesaja vorhergesagt. Wenn er nämlich ausspricht: »Mein Geist, der in dir ist, und meine Worte, die ich in deinen Mund gelegt habe, sollen nicht von deinem Munde weichen noch von dem Mund deines Samens ewiglich« (Jes. 59,21), so bindet er das Volk des Alten Bundes nicht an eine äußerliche Lehre, als ob es noch in den Anfangsgründen steckte, nein, er lehrt, das werde das rechte und volle Heil der neuen Gemeinde unter der Herrschaft Christi sein, daß sie nicht weniger durch das Wort Gottes als durch den Geist regiert würde! Hier wird deutlich, daß jene Windbeutel in schändlichem Frevel auseinanderreißen, was der Prophet zu unverletzlicher Einheit verbunden hat. Man muß hierzu noch beachten, daß Paulus, der doch bis in den dritten Himmel entzückt worden ist, nicht aufhörte, in der Lehre des Gesetzes und der Propheten fortzu schreiten, wie er denn auch den Timotheus, einen Lehrer von so einzigartiger Vor bildlichkeit, zum Festhalten am Lesen der Schrift ermahnt (1Tim. 4,13). Und wie denkwürdig ist das Lob, das er der Schrift darbringt, wenn er sagt, sie sei »nützlich zur Lehre, zur Ermahnung, zur Besserung, daß ein Knecht Gottes vollkommen sei …« (2Tim. 3,16)! Was ist es doch für ein teuflischer Wahn, von einer bloß zeitlichen und vorübergehenden Geltung der Schrift zu phantasieren – wo sie doch die Kinder Gottes bis zum äußersten Ziele führt! Auch sollten doch jene Schwärmer angeben, ob sie eigentlich einen anderen Geist empfangen haben als den, den der Herr seinen Jüngern verheißen hat. Ich glaube zwar, daß sie vom tollsten Wahn gequält sind – aber das in Anspruch zu nehmen, so toll werden sie doch nicht sein! … Das Amt des Geistes, der uns verheißen ist, besteht also nicht darin, neue und unerhörte Offenbarungen zu erdichten oder eine neue Lehre aufzubringen, durch die wir von der überlieferten Lehre des Evangeliums abkommen müßten – sondern sein Amt ist eben, die Lehre in uns zu versiegeln, die uns im Evangelium ans Herz gelegt wird!

Wie sieht die Zukunft der Evangelikalen aus?

Die neue Ausgabe des 9Marks eJournals setzt sich mit der »Evangelikalen Bewegung« auseinander. Carl Trueman, Professor für Kirchengeschichte am Westminster Theological Seminary in Philadelphia (U.S.A.), macht sich große Sorgen über die Zukunft der Evangelikalen Bewegung:

Finally, too few evangelical academics seem to have much ambition. Perhaps this sounds strange: the desire to hold a tenured university position, to publish with certain presses, to speak at certain scholarly conferences, to be in conversation with the movers and shakers of the guild—these seem like ambitions that are all too common. Yet true ambition, true Christian ambition, is surely based in and directed towards the upbuilding of the church, towards serving the people of God, and this is where evangelical academics often fail so signally. The impact evangelical scholars have had on the academy is, by and large, paltry, and often (as noted) confined to those areas where their contributions have been negligibly evangelical. Had the same time and energy been devoted to the building up of the saints, imagine how the church might have been transformed. This is not to say that high-powered scholarship should be off-limits, nor that the immediate needs of the man or woman in the pew should provide the criteria by which relevance is judged; but it is to say that all theological scholarship should be done with the ultimate goal of building up the saints, confounding the opponents of the gospel, and encouraging the brethren. The highest achievement any evangelical theological scholar can attain is not membership of some elite guild but the knowledge that he or she has done work that strengthened the church and extended the kingdom of God through the local church. The day is coming when the cultural intellectual elites of evangelicalism—the institutions and the individuals—will face a tough decision. I see the crisis coming on two separate but intimately connected fronts. The day is coming, and perhaps has already come, when, first, to believe that the Bible is the Word of God, inspired, authoritative, and utterly truthful, will be seen as a sign at best of intellectual suicide, at worst of mental illness; and, second, to articulate any form of opposition to homosexual practice will be seen as the moral equivalent of advocating white supremacy or child abuse. In such times, the choice will be clear, those who hold the Christian line will be obvious, and those who have spent their lives trying to serve both orthodoxy and the academy will find that no amount of intellectual contortionism will save them. Being associated with B. B. Warfield will be the least of their worries.

Phil Johnson, Director von »Grace to You«, stellt unverblümt fest:

The gospel’s most dangerous earthly adversaries are not raving atheists who stand outside the door shouting threats and insults. They are church leaders who cultivate a gentle, friendly, pious demeanor but hack away at the foundations of faith under the guise of keeping in step with a changing world.

Hier mehr: eJournal201071janfeb.pdf.

Nach oben scrollen
DSGVO Cookie Consent mit Real Cookie Banner