Theologie

Glauben & Denken heute 2/2105

GuDh016 d 4ec5ff6229Die neue Ausgabe von Glauben & Denken heute ist erschienen. Inhalt der Ausgabe 2/2015:

Artikel

  • Ron Kubsch: Editorial
  • Hanniel Strebel: Das unsichere Selbst
  • Ryan Hoselton: Ein zeitgemäßes Vorbild
  • David F. Wells: Auslegungen der Heiligen Schrift
  • Tim Keller: Die missionale Gemeinde
  • Thomas Schirrmacher: Contra Christenverfolgung und pro Religionsfreiheit

Rezensionen

  • Elke Mack: Eine Christliche Theorie der Gerechtigkeit (Micha Heimsoth)
  • Thomas Möllenbeck, Berthold Wald (Hg.): Gott – Mensch – Natur (Markus Widenmeyer)
  • Augustinus: Ad Cresconium – An Cresconius (Ron Kubsch)
  • Gregg R. Allison: Roman Catholic Theology and Practice (Hanniel Strebel)
  • Tobias Schulte: Ohne Gott mit Gott (Micha Heimsoth)
  • Ulrich Körtner: Die letzten Dinge (Daniel Facius)
  • Alister McGrath: The Intellectual World of C. S. Lewis (Hanniel Strebel)
  • John Bolt: Bavinck on the Christian Life (Hanniel Strebel)
  • Harald Seubert: Gesicherte Freiheiten (Helmut de Craigher)

Buchhinweise

  • Lisa Nienhaus: Die Weltverbesserer (Ron Kubsch)

Die Ausgabe kann hier heruntergeladen werden: GuDh016_f.pdf.

Von Martyn Lloyd-Jones lernen

220px-Martyn_Lloyd-JonesVaughan Roberts hat auf der E21-Regionalkonferenz in der Schweiz einen hervorragenden Vortrag über das Leben von Martyn Lloyd-Jones gehalten. Martin Manten hat exzellent übersetzt. Freunde von Martyn Lloyd-Jones, kirchengeschichtlich Interessierte und diejenigen, die sich (keine) Sorgen um den Evangelikalismus in Deutschland machen, sollten unbedingt reinhören.

Hier:

 

Vatikan: Juden ohne Glauben an Jesus Christus erlöst

Der Vatikan hat ein Dokument herausgebracht, in dem die katholische Kirche ausdrücklich auf jeden Versuch, Juden zum Christentum zu bekehren, verzichtet. Es heißt dort z.B.: „Aus dem christlichen Bekenntnis, dass es nur einen Heilsweg geben kann, folgt aber in keiner Weise, dass die Juden von Gottes Heil ausgeschlossen wären, weil sie nicht an Jesus Christus als den Messias Israels und den Sohn Gottes glauben.“ Pater Norbert Hofmann erläutert das Dokument mit den Worten: „Dieses Dokument bringt insofern auch neue Perspektiven, als es sagt: Die Juden sind gerettet, ohne an Jesus Christus als den Sohn Gottes und den Messias Israels zu glauben. Und das liegt im Heilsratschluss Gottes, das zu bewerkstelligen.“

Bei dem Dokument handelt es sich – so die Nachrichtenagentur kathnews unter Berufung auf den Vatikan – um keine offizielle Aussage des kirchlichen Lehramtes, sondern um „Überlegungen“ der Päpstlichen Kommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum. Ein wichtiges Ziel des Dialogs sei die gemeinsame „Bekämpfung aller Erscheinungen rassistischer Diskriminierung gegenüber Juden und aller Formen des Antisemitismus, der sicher noch nicht ausgerottet ist und immer wieder in verschiedenen Formen in unterschiedlichen Kontexten auftaucht“.

Das Dokument, das aus Anlass des 50jährigen Jubiläums von „Nostra Acetate“ verabschiedet wurde, kann hier in einer deutschsprachigen Übersetzung heruntergeladen werden: Vatikandokument-50-Jahre-Nostra-aetate.pdf.

Ebenfalls dazu ein Beitrag des DLF:

 

B. Pascal: Getröstet im Schmerz

Blaise Pascal schrieb 1651 in einem Brief an die Familie Périer in Clermont (Briefe I, Matthes & Seitz Berlin, 2015, S. 65)

Deshalb ist es auch unrecht, dass wir frei von Leid wie die Engel sein wollen, die kein natürliches Gefühl haben; doch es ist ebenso unrecht, dass wir keinen Trost finden wie die Heiden, welche die Gnade nicht fühlen; aber es ist recht, dass wir bekümmert und getröstet wie Christen sind, dass der Trost der Gnade über die natürlichen Gefühle obsiegt und dass wir wie die Apostel sagen können: »Man verfolgt uns, so segnen wir« [1 Kor 4,12], damit die Gnade nicht nur in uns, sondern auch siegreich in uns ist; so soll denn, indem wir den Namen unseres Vaters heiligen, sein Wille zu unserem werden; …

Die Stärkung der Familie und der Umweltschutz

Das Statistische Bundesamt hat im vergangenen Jahr darauf hingewiesen, dass der Anteil der Singlehaushalte in Deutschland bei 37,2 % liegt. Damit leben 17,1 % der Bevölkerung allein. Von diesen 13,4 Millionen Personen sind nur 17,6 % jünger als 30 Jahre. 42,0 % von ihnen leben in Großstädten mit mindestens 100 000 Einwohnern. Damit  handelt es sich bei den Singlehaushalten um den häufigsten Haushaltstyp in Deutschland.

Der daraus resultierende großzügige Umgang mit Ressourcen hat natürlich Auswirkungen auf den Umweltschutz. DIE ZEIT schreibt:

Das Umweltbewusstsein der Deutschen wächst – doch gleichzeitig schaden sie mit ihrem Lebensstil Umwelt und Klima immer noch erheblich. Zu diesem Ergebnis kommt das Umweltbundesamt und prangert vor allem die hohe Zahl von Singlehaushalten an. Sie seien ein besonders großer Energiefresser: „Wohnt ein Mensch allein, bedeutet das oft mehr Platz für den Einzelnen, was mit mehr Aufwand für Strom und Heizung verbunden ist“, schreiben die Experten. Demnach lebt inzwischen in rund 40 Prozent aller Häuser und Wohnungen ein Mensch allein.

Je mehr Haushalte es gibt, so rechnet es das Umweltbundesamt vor, desto mehr Konsumgüter wie Autos, Waschmaschinen, Kühlschränke und Computer werden angeschafft. Deren Herstellung hat ebenfalls negative Folgen für Umwelt und Klima. Die einzigen Geräte, von denen heute weniger im Umlauf sind als früher, seien Gefriertruhen.

In Sachen Konsum, schreibt das Bundesamt, gelte insgesamt immer noch der Grundsatz „Mehr Geld, mehr Güter, mehr Energieverbrauch“. So stiegen die Konsumausgaben der privaten Haushalte von etwa 1,4 Milliarden Euro im Jahr 2011 auf 1,5 Milliarden Euro im Jahr 2014 – genauso wie die Zahl der Autos zwischen 1995 und 2013.

Da könnte doch jetzt ein findiger Mathematiker oder Statistiker ausrechnen, was es für die Umweltbilanz bringen würde, wenn es in Deutschland keine Scheidungen und selbstgewählten Singlehaushalte gäbe. Das Ergebnis könnte sich bestimmt sehen lassen.

Tim Kellers Center Church deutschsprachig

61ZzZHC62KL SX391 BO1 204 203 200Tim Kellers Buch Center Church ist inzwischen in deutscher Sprache erschienen (vgl. hier). Dem Verlag pulsmedien sei Dank für die Umsetzung des herausfordernden Projektes.

Michael Herbst schreibt in seinem Vorwort zur deutschen Ausgabe:

In Center Church entfaltet Timothy Keller seine theologische Vision für Gemeinde im 21. Jahrhundert: Wie kann Kirche in einer säkularen, nachchristlichen Gesellschaft aussehen, jenseits von Anpassung oder Abschottung, Liberalismus oder Gesetzlichkeit? Was bedeutet es, das Evangelium ins Zentrum zu stellen? Wie lassen sich Kontextualisierung, Gesellschaftstransformation und missionale Gemeinde biblisch bestimmen? Und was passiert, wenn Gemeinden, Organisationen und Projekte vor Ort sich miteinander vernetzen und zu einer Bewegung zusammenschließen? Der erfahrene Gemeindegründer aus Manhattan entwirft ein großartiges Panorama von Gemeinde und zeigt auf, wie Gottesdienst, Gemeinschaft, soziale Arbeit und die Integration des Glaubens in säkulare Berufe zusammenwirken können. Gastbeiträge von Praktischen Theologen und Gemeindegründern kommentieren, wie Kellers Ansätze auch im deutschsprachigen Raum anwendbar sind. „Der Anspruch, der uns bei Timothy Keller begegnet, ist ungemein attraktiv: Wie wäre es, wenn wir so intensiv in der Welt unserer Hörer und zugleich in der Welt des Evangeliums leben, dass wir die Geschichten unserer Hörer in der Sprache des Evangeliums neu erzählen können? Keller bleibt uns praktische Hinweise nicht schuldig und bearbeitet Themen, bei denen wir in Deutschland eine Stimme von außen hören sollten. Lassen Sie sich überraschen!

Hier eine Leseprobe mit dem vollständigen Vorwort: CenterChurch_Leseprobe mit Vorwort.pdf.

Vielleicht ist das Buch ja ein passendes Weihnachtsgeschenk?

Themelios 40.3 online

Themelios40 3Die neue Ausgabe des Journals Themelios steht online. Wieder sind hervorragende Artikel dabei. Zum Beispiel:

  • On Disputable Matters (D.A. Carson)
  • Is the Wrath of God Extremist? (Michael J. Over)
  • More than a Game: A Theology of Sport (Jeremy R. Treat)
  • The Amorality of Atheism (Rob Smith)
  • Rooted and Grounded? The Legitimacy of Abraham Kuiper’s Distinction between Church as Institute and Church as Organism, and Its Usefulness in Constructing an Evangelical Public Theology (Daniel Strange)
  • “Not to Behold Faith, But the Object of Faith”: The Effect of William Perkins’s Doctrine of the Atonement on his Preaching of Assurance (Andrew Ballitch)

Hier gibt es das Journal im PDF-Format und hier gibt es das Logos-Format.

Mit Präzision den Glauben verteidigen

Hanniel hat das Buch On Guard von William Lane Craig rezensiert:

NewImageMit Präzision den Glauben verteidigen

William L. Craig (geb. 1949), Philosoph und Theologe, legt mit diesem Buch in verständlichen Worten die Ergebnisse seiner Forschungsarbeiten vor. Eine „Stimme zum Buch“ kündigt an, dass hier der christliche Glaube „mit Leidenschaft und Verstand“ verteidigt werde. Nun, manche Zeitgenossen sprechen Christen ja vor allem den Verstand ab; andere beides! Um es vorwegzunehmen: Ich fand Verstand und Leidenschaft. Nicht nur tauchen schnauzende Professoren (S. 66) und ein Craig auf, der vor Verwunderung schon mal fast vom Stuhl fallen kann (S. 237). Das Buch trägt eine aussergewöhnlich persönliche Note. In zwei Einschüben beschreibt der Autor seinen persönlichen Weg. Zu den besonders berührenden Abschnitten gehört zweifellos die Geschichte einer schwerkranken alten Dame (S. 184–186).

Natürlich kommt auch der Verstand kommt auf seine Rechnung. Die Fragen sind so klar gestellt, dass sie es wert sind, wiedergegeben zu werden: Welchen Unterschied macht es, wenn Gott existiert? Warum existiert überhaupt etwas? Warum begann das Universum zu existieren? Warum ist das Universum so fein abgestimmt, dass Leben möglich ist? Können wir ohne Gott gut sein? In diesem ersten Teil werden die wichtigsten Argumente für Gott – das ontologische, kosmologische und moralische Argument – besprochen. Wer die Antworten überblicken möchte, kann sich am Anfang und am Schluss der Kapitel einen Überblick verschaffen. Craig baut gern persönliche Erlebnisse, kurze Geschichten und Vergleiche ein, was die Lektüre erleichtert. Um persönliche Stellungnahmen ist er nicht verlegen. Zum Beispiel: „Meiner Erfahrung nach ist das moralische Argument von allen das wirksamste Argument für die Existenz Gottes. Ich sage dies nur widerwillig, weil das kosmologische Argument mein Lieblingsargument ist“ (S. 155).

Leider sind wir die logischen Beweisführungen zu wenig gewohnt. Insofern muss sich der Nichtkundige erst mit diesem Vorgehen vertraut machen. Das Argument für die Feinabstimmung wird beispielsweise so aufgebaut (S. 118):

(1) Die Feinabstimmung des Universums ist entweder auf physikalische Notwendigkeit, Zufall oder Design zurückzuführen.

(2) Sie ist nicht auf physikalische Notwendigkeit oder Zufall zurückzuführen.

(3) Also ist sie auf Design zurückzuführen. Einwände darauf gehören selbstverständlich mit zur inhaltlichen Auseinandersetzung. Hier beeindruckt die Leichtigkeit, mit welcher der debattenerprobte Craig die Widerlegung vornimmt.

Im zweiten Teil entwickelt Craig schrittweise einen Überblick für die Glaubwürdigkeit der Person und Auferstehung Jesu. Er stellt fest: „Wir haben einen Mann vor uns, der sich selbst für den verheißenen Messias, Gottes einzigen Sohn und Daniels Menschensohn hielt, dem alle Herrschaft und alle Autorität gegeben würde, der den Anspruch erhob, mit göttlicher Autorität zu handeln und zu sprechen, der sich selbst für einen Wundertäter hielt und der glaubte, dass das ewige Schicksal der Menschen davon abhing, ob sie an ihn glaubten“ (S. 235). Die Auferstehung ist nach den Massstäben zeitgenössischer Geschichtswissenschaft so gut wie kein anderes Ereignis belegt.

Craig weiss natürlich nur zu gut, dass nach der Beantwortung der sachlichen Fragen zwei wichtige emotionale Themen im Raum stehen bleiben: Die Frage nach dem Leid und die nach der Exklusivität des christlichen Glaubens. Diese nimmt er sich am Schluss der beiden Teile gesondert vor.

Die vernünftige Beweisführung bildet jedoch nicht das Ziel des Buches. Craig schliesst sein Buch mit den Worten: „Meine Hoffnung ist, dass das Material in diesem Buch dazu beiträgt, dass Sie ein effektiverer Verkünder des Evangeliums an eine verlorene und sterbende Welt werden“ (S. 309). Seiner Leidenschaft gehört also das letzte Wort. Die angemessene Haltung des Christen beschreibt er so: „So wie es Fechter gelernt haben, im Wettkampf alle Angriffe zu parieren sowie selbst in die Offensive zu gehen, müssen auch wir immer „on guard“ (dt. sie bereit, dich zu verteidigen) sein“ (S. 12).

Wer soll dieses Buch lesen? Meine Antwort lautet pauschal: Es wäre schade, hier eine Einschränkung vorzunehmen. Das Buch ist für Skeptiker wie auch für Christen gleicherweise geeignet. Ich habe einen Sohn, der schon mit acht Jahren genau diese Fragen stellte, auf welche dieses Buch Antworten formuliert. Craig ist sich bewusst, dass Argumente allein keinen Glauben bewirken. Doch er nimmt den Leser, wo er auch immer stehen mag, auf die Reise mit. Er tut dies mit der Zuversicht, dass der souveräne Gott den Verstand und die Leidenschaft eines jeden Menschen erleuchten und entfachen kann.

Franziskus hat das Heilige Jahr ausgerufen

2017 feiern wir 500 Jahre Reformation. Kurz vor dem Jubiläum hat Papst Franziskus das Heilige Jahr ausgerufen. So sind Petersdom und Ablass wieder große Themen.

Ich zitiere DIE WELT ohne weitere Worte:

Ablass? Das gibt es noch?

Selbstverständlich, das Fegefeuer gibt es nach katholischer Auffassung ja auch noch. Es wird in der offiziellen Lehre beschrieben als „Läuterung nach dem Tod“. Wie genau die aussieht, ist noch unklar. Die Kirche betrachtet es jedenfalls als ihre Aufgabe, den Gläubigen bei der Verkürzung dieses Fegefeuers beizustehen. Ablässe sind, anders als die Beichte, aber nicht „heilsnotwendig“, also nicht vorgeschrieben. Man kann in den Himmel kommen, ohne je einen Ablass erhalten zu haben. Umgekehrt können Ablässe allein auch niemanden vor der Hölle bewahren.

Was genau ist ein Ablass?

Der Kurienkardinal Mauro Piacenza hat gerade in einem Interview mit Radio Vatikan gesagt, ein Ablass „nimmt gewissermaßen als Staubsauger Gottes die Krümel der Sünde weg“. Wer sich als gläubiger Katholik falsch verhalten, also gesündigt hat, kann zur Beichte gehen. Dort werden ihm alle seine Sünden vergeben. Damit ist das Problem nach Überzeugung der Kirche aber noch nicht gelöst: Eine „zeitliche Strafe“, also Sühnehandlung wird zusätzlich fällig, obwohl die Vergebung schon geschafft ist, weil die Folgen der Sünde noch in der Welt sind (das, was der Kardinal mit „Krümeln“ meint). Lebende können ihre Schuld etwa mit Gebeten, Pilgerfahrten, Almosen und Askese abzutragen versuchen. Was sie bis zum Tod nicht wieder gut gemacht haben, müssen sie anschließend im Fegefeuer abgelten. Um diese „zeitlichen Strafen“ für die Lebenden und die Toten zu verkürzen oder ganz zu erlassen, kann die Kirche Ablässe gewähren.

Kommen Ablässe in der Bibel vor?

Nein.

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