David Precht: „Luther war ein widerlicher Geselle“

Wenn ein Pop-Philosoph über die Entstehung des Christentums und die Reformation schreibt, klingt das so:

Aber ich zeige in meinem Buch ja auch, wie das Christentum entstanden ist. Erstaunlich eigentlich, denn es hatte zuvor schon so viel Klügeres gegeben. Die Philosophie war schon auf einem viel höheren Niveau als das, was dann kam. Das Christentum war ein enormer kultureller Rückschritt.

Das Christentum entwickelte den personellen Gottesbezug, das hat die Menschen extrem angesprochen. Und man durfte alle töten, die nicht an Gott glaubten. Bei den Juden war das anders. Es gab ja andere Götter neben Jahwe, die waren aber schwächer. Im Christentum gibt es nur den einen Gott, und wer nicht an den glaubt, der hat sein Leben verwirkt. Die Radikalität der Frühchristen findet man heute wieder bei denen, die sich für den IS rekrutieren lassen. Glücklicherweise hat sich das Christentum dann weiterentwickelt.

[Luther] war ein widerlicher Geselle, ein Verbrecher an der Menschheit. Den haben wir noch nicht richtig aufgearbeitet. Wir gehen mit Luther um, als sei er ein „Heiliger“ der evangelischen Kirche. Er war aber ein für die damalige Zeit untypisch aggressiver Antisemit, Frauen verachtend bis ins Mark und vom Denken her völlig mittelalterlich. Teufel war sein Lieblingswort. Die Gesellschaft war sehr viel weiter.

Grober Unfug! Da aber davon auszugehen ist, dass David Precht seine Eingebungen mit erhabenen Gesten medial üppig auftischen wird (ich sehe ihn schon vor meinem Auge in zahlreichen Talkrunden sitzend), werden sie ihre Wirkung gleichwohl entfalten.

Hier das gesamte Interview: www.abendzeitung-muenchen.de.

Erkenne die Welt: Geschichte der Philosophie 1 von Richard David Precht

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Kommentare

  1. Als ich das Bild von Herrn Precht in der Abendzeitung in Verbindung mit dem Text sah fiel mir die Geschichte von Simson aus dem Buch Richter im AT ein. Das lange Haar. Und auch die Geschichte von Absalom der hatte auch lange Haare.
    Aber vielleicht ist doch alles nur an den Haaren herbeigezogen.

  2. Tim-Christian meint:

    Ach wie prechtig, ach wie nichtig! Der Herr Philosoph ist übrigens der Ansicht, dass es Paulus war, der nachträglich aus dem, natürlich gescheiterten, apokalyptischen Wanderprediger Jesus von Nazareth den präexistenten Gottessohn gemacht hat, der um unserer Sünden gestorben und auferstanden ist. Angeblich hat der Heidenapostel zu diesem Zweck Elemente des persischen Zoroastrismus sowie des griechisch-römischen Heidentums verhackstückelt. Ne, wie originell. Gähn … das 19. Jh. lässt freundlich grüßen.

  3. Schandor meint:

    Die Mähne fällt ihm in den Rücken, die listig-leninistischen Äuglen glänzen ganz weltoffen aus dem Antlitz – so sieht ein zeitgenössischer Philosoph zweifellos aus! Der André Rieu der Philosophie, der

    Geistesschönling Precht … der es einer weiblichen Inkarnation der höheren TV-Dummheit, nämlich Elke Heidenreich, verdankt, als Smartschwätzer die deutsche Nation aus ihrer platonischen Höhle fader Alltäglichkeit heraus und hinauf ans hell strahlende Licht des existenziellen Banalitätenhimmels zu führen.
    (Peter Strasser)

    LOL!

  4. Roderich meint:

    Die Kommentare unter dem Interview mit Precht sind aber recht erfreulich (meist mit Kritik an Precht).

    Precht sagt in dem Interview:

    Zumindest hängen das Gute und das Nachdenken über das Gute nicht eng miteinander zusammen. Sonst würde es ja bedeuten, dass Philosophieprofessoren die besseren Menschen wären – eine abwegige Vorstellung.

    Die heutigen Philosophieprofessoren denken ja meist nicht über das Gute nach, meditieren jedenfalls nicht speziell darüber.

    Wir wissen aus der Sozialpsychologie, dass ethisches Verhalten in erster Linie emotional bedingt und keine Frage von Einsicht ist.

    Das kann man so platt nicht sagen. Precht verkauft hier bestimmte (naturalistisch beeinflusste) Interpretation als „Wissen“. (Als ob die Emotionen nicht vorher vom Denken geprägt würden.)

    Wie ich gerade las, sagte Precht bei der Präsentation des Buches auf der Buchmesse, Aristoteles sei ein „Vordenker aller Graswurzel-Bewegungen, der heute wohl die Piratenpartei wählen würde“. (Information Philosophie, 4/2015, S. 151). So ein Unsinn offenbart wieder den eklatanten Mangel an Urteilsvermögen bei Precht.
    Aristoteles war ein tiefer und umfassender Denker, der einer konzeptionslosen wirrköpfigen Partei wie den Piraten nicht nur aus einem formalen Nebengrund (angebliche Graswurzel-Orientierung) seine Stimme geben würde.

    Oder er will einfach nur provozieren – das wäre schade.

  5. Richard David Precht: „Das Christentum war ein enormer kultureller Rückschritt.“

    Heinrich Böll: „Selbst die allerschlechteste christliche Welt würde ich der besten heidnischen vorziehen, weil es in einer christlichen Welt Raum gibt für die, denen keine heidnische Welt je Raum gab: für Krüppel und Kranke, Alte und Schwache und mehr noch als Raum gab es für sie: Liebe für die, die der heidnischen wie der gottlosen Welt nutzlos erschienen und erscheinen.“

  6. Precht: „Und je länger ich mich damit beschäftigt habe, umso mehr hat Plotin mein religiöses Bedürfnis angesprochen. Gerade in Abgrenzung zum Christentum, das ja danach kommt, muss man fragen: Hat es im Abendland je eine bessere Religion für Intellektuelle gegeben als den Neuplatonoismus Plotin’scher Prägung?“ (HOHE LUFT kompakt. DIE GROSSEN MOMENE DER PHILOSOPHIEGESCHICHTE)

    Vielleicht ist Precht dieser ideengeschichtliche Hintergrund nicht geläufig: Die philosophische Theologie der Antike erreicht im System von Plotin ihren Höhepunkt. (…) Der Vergleich mit der christlichen Trinität ist unvemeidlich, und zweifellos hatte Plotin, der starb, bevor die Konzile von Nicäa und Konstantinopel eine definitive Aussage über die Beziehung der drei göttlichen Personen machten, einen Einfluss auf das Denken einiger Kirchenväter. (…) Plotins Theologie wurde, mit einigen Änderungen gelehrt, bis die heidnische Philosophie des Abendlandes mit der Auflösung der Schule in Athen ihr Ende fand. Sein Einfluss lebte jedoch fort und tut dies – wenn auch uneingestanden – noch immer: und zwar durch die Ideen, die durch seine ersten christlichen Leser aufgenommen und weitergegeben wurden. Der wichtigeste von ihnen war Augustinus, der als junger Mann Plotin in der Übersetzung von Marius Victorinus las. Diese Lektüre brachte ihn auf den Weg, der zu seiner Bekehrung zum Christentum führte, und auf vielen Seiten seiner “Bekenntnisse (Confessiones)“ und seiner Schrift “De Trinitate“ sind Nachklänge von Plotin zu hören. (Kenny, Geschichte der abendländischen Philosophie)

  7. Der nächste Verführer. Und dreimal darf man raten, wer ihn am meisten unterstützen wird.
    Frauen !

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