Das glücklichste Volk und eine Entkehrung

In seinem Buch Das glücklichste Volk beschreibt der Linguist Daniel Everett, wie er auszog, im brasilianischen Urwald das Volk der Pirahã zum Christentum zu bekehren (München: DVA, 2010). Fast alles kam anders als erwartet. Die Eingebohrenen wollten seinen Jesus nicht. »Die Ablehnung des Evangeliums durch die Pirahã führte« sogar dazu, dass »ich selbst meinen Glauben infrage stellte«, schreibt Everett (S. 395). Am Ende verlor er nicht nur seinen christlichen Glauben, sondern auch seine Familie.

Bevor Everett als Bibelübersetzer und Missionar zu arbeiten begann, ließ er sich am Moody Bible Institut und auf der Biola University ausbilden. Als Jahresbester sammelte der Student nicht nur Erfahrungen bei Evangelisationsveranstaltungen, er belegte auch das Fach Apologetik. Gelernt hatte er dort allerdings eine Glaubensverteidigung, die vor allem aus dem Reichtum der eigenen Erfahrung schöpfte. Diese Apologetik blieb bei den Pirahã ohne den erwünschte Erfolg, wie Everett selbst eindrücklich beschreibt: »Für das, was ich sagte, konnte ich nur subjektive Begründungen anführen, nämlich meine eigenen Gefühle« (S. 396). Warum sollte er ihnen überhaupt von Jesus erzählen? »Mein Problem war: Warum sollte ich sie von Gott überzeugen? Damit sie ein besseren Leben hätten?« (siehe den nachfolgenden Filmbeitrag).

Warum hat Everett sich »entkehrt«?. Er glaubte an einen Jesus, den er selbst noch nicht gesehen hatte. Aus der Sicht der Pirahã einfach lächerlich. »Wie ich heute weiß« schreibt Everett, »liegt das daran, »dass die Pirahã nur glauben, was sie sehen. Manchmal glauben sie auch Dinge, die ein anderer ihnen erzählt hat, vorausgesetzt, diese Person war tatsächlich Zeuge der geschilderten Ereignisse« (S. 389). Everett war es also, der mit einer Wahnvorstellung lebte, nämlich »der Illusion der Wahrheit« (398). Die Pirahã sind so glücklich wie sie sind, weil sie ohne Wahrheit leben. »Sie kennen nicht das Streben nach Wahrheit als transzendenter Realität. Schon dieses Konzept hat in ihrem Wertesystem keinen Platz« (400).

Nun, das Buch enthält viele Beispiele dafür, dass auch die Pirahã ohne ein »Konzept von Wahrheit« nicht leben können. So sagen sie beispielsweise, es sei falsch, an jemand zu glauben, den man nicht gesehen hat. Es sei auch falsch, Jesus zu vertrauen oder nur eine Frau zu lieben (S. 386). Everett selbst zeigt in seinem Buch, wie hilfreich die Unterscheidung von Wahrheit und Einbildung sein kann. Er lehnt z.B. inzwischen das Evangelium ab, weil es aus seiner Sicht ein falscher Wahn ist. Oder: Als eines Tages ein Pirahã aufgeregt erzählte, dass letzte Nacht Jesus in ihr Dorf kam und Sex mit den Frauen haben wollte, war Everett sich sicher, dass der Indianer sich das weder ausgedacht hatte, noch es tatsächlich Jesus war, der versucht hatte, die Frauen zu vergewaltigen. Solche Unterscheidungen zwischen Trug und Wirklichkeit können in der Tat sehr hilfreich sein. Gelegentlich können sie Leben retten.

Everett glaubt nicht mehr an Jesus, weil er ihn nicht gesehen hat. Es scheint an dieser Stelle wichtig zu sein, dass bereits den Autoren der neutestamentlichen Schriften dieses Problem bekannt war. Schon damals gab es Zeugen aus erster Hand und ganz viele andere Jünger, die das Evangelium nur vom Hörensagen kannten. Deshalb stellten die Autoren des Neuen Testamentes heraus, dass es sich bei der Nachricht von Jesus Christus nicht um eine erfundene Geschichte oder eine esoterische (im Sinne von rein innerliche) Erfahrung handelt. Denken wir an den Prolog des Lukasevangeliums. Wir lesen dort (1,1–4): »Schon viele haben es unternommen, über das, was unter uns geschehen und in Erfüllung gegangen ist, einen Bericht abzufassen nach der Überlieferung derer, die von Anfang an Augenzeugen und Diener des Wortes waren. So beschloss auch ich, nachdem ich allem von Anfang an sorgfältig nachgegangen war, es der Reihe nach für dich aufzuschreiben, verehrter Theophilus, damit du die Zuverlässigkeit der Lehren erkennst, in denen du unterrichtet wurdest.« Im Zweiten Petrusbrief lesen wir (1,16): »Denn nicht weil wir klug ausgedachten Mythen gefolgt sind, haben wir euch die Macht und das Kommen unseres Herrn Jesus Christus kundgetan, sondern weil wir Augenzeugen seines majestätischen Wesens geworden sind.« Und auch Johannes betont, um eine letzte Stelle zu nennen, dass die Apostel zuverlässige Zeugen des Christusgeschehens sind (1Joh 1,1–4): »Was von Anfang an war, was wir gehört haben, was wir mit unseren Augen gesehen haben, was wir geschaut und was unsere Hände berührt haben, das Wort des Lebens — das Leben ist erschienen, und wir haben gesehen und bezeugen und verkündigen euch das ewige Leben, das beim Vater war und uns erschienen ist —, was wir nun gesehen und gehört haben, das verkündigen wir euch, damit auch ihr Gemeinschaft habt mit uns. Die Gemeinschaft mit uns aber ist Gemeinschaft mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus. Und dies schreiben wir, damit unsere Freude vollkommen sei.« Die Autoren legten also viel Wert auf gründliche Arbeit und Authentizität in der Berichterstattung.

Jedenfalls haben sie das von sich behauptet. Nun, ich höre schon den Einwand von Everett und vielen anderen: »Ach, das ist zweitausend Jahre lang her und wer sagt uns denn, dass diese Zeugenberichte tatsächlich verlässlich sind? Nur was ich aus erster Hand erfahre, kann ich glauben! Vielleicht haben sie das alles nur erfunden, um sich Geltung zu verschaffen?«

Wäre diese Rückfrage ein ernstzunehmender Einwand, hätte Daniel Everett sein Buch über die Lebensphilosophie der Pirahã besser nicht geschrieben. Was ich über die Indianer weiß, stammt aus seinem Buch. Ich muss mich darauf verlassen, dass seine Eindrücke und Erfahrungen den Tatsachen entsprechen, er sich also weder getäuscht hat, noch mich belügt. Zudem muss davon ausgehen, dass ich seine »Sprachspiele« akkurat verstehen kann. Viel mehr Gründe gibt es, die Berichte der Apostel ernst zu nehmen. Sie haben, anders als Everett mit seinem Buch, mit ihren Evangelien, Berichten und Briefen kein Geld verdient (also vordergründig die Lebensqualität gesteigert). Das Leben dieser Apostel wurde durch ihre Begegnung mit Jesus Christus völlig auf den Kopf gestellt (vgl. z.B. 2Kor 11,23ff). Viele von ihnen sind als Märtyrer gestorben. Was, wenn nicht die Echtheit ihrer schriftlich niedergelegten Erfahrungen, soll sie bewegt haben, diesen für sie so entbehrungsvollen Weg zu gehen?

Für Everett ist es eine reizvolle Vision, ohne absolute Werte, ohne Rechtschaffenheit, Heiligkeit oder ein Konzept von Sünde und Schuld zu leben (S. 399). Jedenfalls vermittelt er uns den Eindruck, als sei das das höchste zu erstrebende Glück. Der aufmerksame Leser seines Buches wird freilich schnell bemerken, dass es auch unter den Pirahã jede Menge von Schulderfahrungen gibt. Nicht nur Diebstal, auch brutaler und hinterlistiger Mord gehören zur Wahrheit des glücklichsten Volkes. Das Schuldproblem wird, so beschreibt es Everett eindrücklich, durch Ächtung oder durch Schweigen gelöst. So hat man dann eben Freunde, die man besser nicht auf ihre Morde anspricht (vgl. S. 222–223). Eine überzeugende Vision für ein Leben, dass von Vertrauen und Glück geprägt ist?

Zwei abschließende Bemerkungen:

Zum einen macht das Beispiel von Everett deutlich, wie wichtig für Missionare eine solide theologische Ausbildung ist, in der auch fundamentaltheologische Fragen durchdacht werden. Everett hat sich nach einer Zeit im Exzess und mit Drogen durch die Begegnung mit evangelikalen Christen bekehrt. Der Erfahrung seiner Schuld entsprach der erfahrene Zuspruch der Vergebung. Solche Erlebnisse sind existentiell. Nichts daran ist verwerflich. Allerdings kann aus ihnen ein Frömmigkeitsstil erwachsen, der diese Erfahrung zur Grundlage des Glaubens erklärt. Wird dann irgendwann, z.B. durch einen Kulturwechsel, die Schulderfahrung relativiert, bleibt nicht mehr viel übrig. Everett, ein nachdenklicher Mensch, scheint grundlegende Fragen des christlichen Glaubens nie wirklich durchdacht zu haben und hatte so auf dem Missionsfeld der Mystik des Augenblicks bei den Pirahã nicht mehr viel entgegenzusetzen. Leidenschaft reicht also bei einem Ruf in die Mission nicht aus. Die Klärung wichtiger theologischer Fragen gehört zur Zurüstung hinzu.

Auf Seite 394 seines Buches legt Everett ein erstaunliches Bekenntnis ab: »Hätte ich mir die Zeit genommen und etwas über dieses Volk gelesen, bevor ich es zum ersten Mal besuchte, so hätte ich erfahren, dass Missionare sich schon seit über hundert Jahren um ihre Bekehrung bemüht hatten.« Ich musste den Satz zweimal lesen. Everett hat sich tatsächlich mit seiner damaligen Familie bei einem bis dahin unerreichten Stamm niedergelassen, ohne sich vorher gründlich über die Geschichte dieses Volkes zu informieren (obwohl es Literatur dazu gibt)? Ein guter Missionar kennt seine Bibel und die Zielkultur! Also auch hier: Leidenschaft reicht nicht. Es gehört zur Pflicht eines Missionars, sich so gut als möglich über die Kultur, in der er sich niederlässt, zu informieren.

Kommentare

  1. Ein weiterer Beweis dass Erfahrungstheologie gerade in schweren Zeiten nicht weiter hilft. Welch eine Tragödie.

  2. O, wie wichtig war diese Unterweisung, wie eindrücklich. Am Ende sagen sie: „Brannte nicht unser Herz, als er auf dem Weg zu uns redete?“ Die Herzen brannten. Man sagt, dass das Herz der Ort unserer Gefühle ist und nicht des Verstandes. Aber das Herz ist der Ort unserer ganzen Persönlichkeit – Gefühle und Verstand. Was wir nötig haben, sind brennende Herzen. Denn dadurch wird unser Gefühl geöffnet, unser Verstand wird geöffnet. Da wird alles unter die göttliche Regie gebracht. Deshalb wird der Heilige Geist nicht ausgeschüttet in unser Gefühl oder in unseren Verstand, sondern in unsere Herzen, damit Er so unsere ganze Persönlichkeit leiten kann. Darum macht der Herr nicht Wohnung in unserem Gefühl oder unserem Verstand, sondern in unseren Herzen, um so unseren Verstand, unsere Gefühle und unseren Willen zu regieren. Da brannten ihre Herzen. Das ist echte göttliche Unterweisung. Es ist eine Unterweisung, die unsere Herzen nicht kalt lässt, wenn wir dem Herrn Jesus Gelegenheit geben, zu unseren Herzen zu reden. Aber noch immer ist das Ziel nicht erreicht. Sie brauchen noch den direkten Kontakt mit Ihm, damit ihre Augen geöffnet werden. Noch immer registrierten ihre Herzen nicht das, was ihre Augen sahen. Da musste noch etwas geschehen. Die Schriften sprachen in vorbildlicher Weise.soundwords.de

  3. eindrücklich, in der Tat.

  4. Leider machen viele amerikanische Missionare den selben Fehler wie Everett auch hier in Deutschland. Da ist oft sehr viel Eifer aber ohne Verstand.

  5. Da hat es Gott offenbar zugelassen, daß ein vermeintlich frommer Lebensweg als falsch entlarft wird.

    Es wäre interessant, den Fall daraufhin zu untersuchen, ob Everett „vorher“ wirklich von sich gedacht hat, er sei gerettet. Und ob er es für möglich gehalten hat, daß man seine Rettung auch wieder verlieren kann. Ich kann mir die Antwort schon denken.

    Der Fall wirft insofern kein gutes Licht auf seine Ausbildungsstätten. Es sollte zum Pflichtprogramm einer Bibelschule gehört, die Auszubildenden an genau solche Glaubensherausforderungen heranzuführen, die Everett durch seinen Umgang mit den Pirahã machen mußte.

  6. Roderich meint:

    Das ist auch genau der Grund, warum wir in BRD heutzutage viel mehr Fundierung im Glauben brauchen.
    Denn wenn mal eine Verfolgung der Christen hier losgehen wird, dann wird die „momentane Erfahrung“ dem Einzelnen nur sagen: „Wenn ich glaube, tut es mir weh oder ich komme gar um“. Also besser nicht glauben – waere aus der Perspektive die Schlussfolgerung.

    Es ist auch dieser gleich „Nur Erfahrungs“- Glaube, der dazu fuehrt, dass viele Christen, wenn sie an eine Universitaet gehen, vom Glauben abkommen.
    (So auch an der SMD in unserer Uni. Staendig ging es ausschliesslich um „Wie hast Du diese Woche Jesus erfahren?“, und leider gar nicht um: „Was ist die biblische Sicht von Geschichte, Soziologie, Wirtschaft, Politik, Recht, Kunst, Mathematik, Sprache“ etc.)

    Uebrigens: was muss man davon halten, dass der DVA Verlag zwar eine „Ent-Bekehrungsgeschichte“ veroeffentlicht, aber (meines Wissens) keine „Bekehrungsgeschichte“? Ist nach Sicht der DVA ein Erfahrungsbericht nur dann wissenschaftlich, wenn er Atheismus oder anti-christliches zum Erfahrungsgegenstand hat? Also nur bestimmte „Resultate“ und Weltanschauungen duerfen herauskommen bzw. zugrunde liegen? (Da diese „Resultate“ bzw. Weltanschauungen selber aber nicht Gegenstand der Wissenschaft sind, sondern selbst vorausgesetzt werden, muss man schliessen, dass DVA gewisse weltanschauliche Vorurteile pflegt, und zwar zu Ungunsten des Christentums. Dann sollte sich der Verlag aber lieber ideologisch nennen, bzw. „humanistisch“, aber nicht neutral und nicht (nur) wissenschaftlich. Denn sonst waere das bewusste oder unbewusste Taeuschung der Leser.

    @aLI: Danke fuer Deinen Beitrag. Das stimmt. Die Bibel setzt den Ort der Gefuehle uebrigens eher in der „Magengegend“ an, wohingegen das „Herz“ in der Tat der Sitz der ganzen Persoenlichkeit ist. Diese Unterscheidung ist von fundamentaler Wichtigkeit.

  7. philipp meint:

    ich glaube nicht, dass der „fehler“ dieses mannes darin bestand, seinen glauben auf erfahrungen zu stützen. ein rein kognitiver glaube ist genauso wertlos wie das ständige berufen auf einen einzelnen moment der radikalen veränderung. und man hört selten, dass den stärksten glauben die bestausgebildeten theologen besitzen. man lernt ja nicht zu glauben, indem man sich in apologetik übt. ich habe es als wichtig erlebt, die eigene kultur und ihre schwächen zu kennen und den horizont genau in richtung der kulturell dunklen flecken zu erweitern. und, bitte nicht falsch verstehen, wie es scheint neigen amerikaner zu eifriger oberflächlichkeit. eine beziehung zu gott, die wirklich tief geht, führt menschen dahin, ihre dunklen flecken zu erkennen, vergebung zu empfangen und in weisheit zu wachsen.

  8. @Philipp: Richtig. Das Problem von Everett ist, dass er seinen Glauben nur (oder vor allem) auf innere Erfahrung gegründet hat.

    Liebe Grüße, Ron

  9. Sehr traurig, dass es so gekommen ist, ich will aber keinen Stein werfen.
    Es sollte uns auf der einen Seite eine Warnung sein, auf der anderen Seite sollten wir aus gerade solchen Fehlern lernen und diese dann vermeiden…

  10. Lieber Ron,
    ich muss Dir für Deinen Mut danken, dass Du Dich immer wieder der Lektüre solcher kontroverser Bücher stellst. Dein Kommentar ist sehr fair und weise. Ich habe über Everetts Erlebnisse unter dem Volk der Pirahã schon vor etwa einem Jahr gelesen und war, ehrlich gesagt, schon etwas verwirrt. Der Schweizer Tagesanzeiger widmete diesem Mann (und vorallem dem so glücklichen, vom Christentum unverdorbenden Urwald-Volk) eine ganze Seite.
    Was der Tagesanzeiger natürlich ausblendete, waren die ebenso schockierenden wie ernüchternden Details über Mord unter den Pirahã.

    LG

  11. dazu bleibt nur eins zu sagen:

    Jesus erwiderte: »Jetzt, wo du mich gesehen hast, glaubst du. Glücklich zu nennen sind die, die nicht sehen und trotzdem glauben.« (Joh 20,29)

  12. Roderich meint:

    Vielleicht kommt bald ein Film ueber das Buch: Pirahã 3D
    😉

  13. Stefan meint:

    Den Fehler in dem Glauben dieses Mannes und in seiner Ausbildungsstätte zu suchen scheint naheliegend ist aber Falsch…… Den Grund in einer falschen Anwendung von Apologetik zu suchen scheint auch naheliegend aber Apologetik ist meiner Meinung nicht das Evangelistische Zaubermittel auch nicht in einer griechisch geprägten westilchen Kultur…(und vor allem nicht im Amazonas) Einen Gottesbeweis erbringen zu wollen kann auch nur von uns westlern als den evangelistischen Joker empfunden werden…..
    Paulus ließ Demas auch gehen der die Welt lieb gewonnen hatte 2.Timotheus 4,10
    Und nach Jesus gibt es wohl keine bessere Ausbildungsstätte wie Paulus…
    Ich glaube er hat die Welt wieder lieben gelernt weil er in einem Kopfgeprägten „Gottesbeweis“ Christentum die Freisetzung von seiner Vergangenheit und auch die Freiheit seiner Zukunft in der Vergebung Jesus nie ERFAHREN hat, und deswegen es bei diesem Stamm der scheinbar in Freiheit lebt… gefunden hat…. sehr Traurig… wir sollten der Stamm sein bei dem das Vergangene vergangen ist und die Gegenwart in einer Christus zentrierten Freiheit erlebt werden sollte….

  14. Schandor meint:

    Nun, es wird seine Zeit dauern. Ist Everett Eigentum Jesu Christi, so wird Christus sich ihn wieder holen. Oder etwa nicht?

  15. Johannes G. meint:

    Nun, es wird seine Zeit dauern. Ist Everett Eigentum Jesu Christi, so wird Christus sich ihn wieder holen. Oder etwa nicht?

    Wenn Everett Eigentum Christi ist, so braucht er ihn sich nicht wieder zu „holen“. Dann ist und bleibt er sein Eigentum – auch wenn wir das nicht warhnehmen. Oder etwa nicht? 😉

    Mich würde allerdings grundsätzlich einmal interessieren, was reformierte Christen zum Status von Leuten wie Daniel Everett, Charles Templeton, Gerd Lüdemann oder auch Bart Ehrmann sagen. Diese Menschen sagen „bekehrte Christen“ gewesen zu sein und trauern ihrem Christsein teilweise sogar hinterher…

  16. Ich bin zwar nicht „reformiert“, aber…die Antichristen gaben vor Christen zu sein, doch sie waren „nicht von uns“(1. Jh 2,19). Genauso hat hat Jesus die Verführer „nie gekannt“ (Mtth 7).

  17. Johannes G. meint:

    Die Schriftstellen sind mir gut bekannt. Die Frage ist, ob man das so einfach sagen bzw. auf diese Leute anwenden kann.

    Was ist, wenn ich Morgen nicht mehr Glauben kann…?

  18. Schandor meint:

    Johannes G.
    Ich stimme natürlich zu: Wer Christi Eigentum *ist* den braucht er sich nicht erst wieder zu holen. Ja, aber Deine Fragestellung beschäftigt mich auch schon lange, obwohl:

    Ich weiß nicht, ob es möglich ist, nach Röm 10,8-10 zu *glauben* (ein mentaler Vorgang!) und dann wieder nicht? Wenn ich doch glaube, dass Gott Jesus Christus von den Toten auferweckt habe, dann gilt das doch, oder nicht? Es gibt ja viele Menschen, die vom Glauben „abfallen“, aber hier sprechen wir jedenfalls von der Phänomenologie, nicht vom noumen, denn davon können wir kaum sprechen (wie Du ja angedeutet hast mit Deiner Frage: ob man das so einfach sagen bzw. auf Menschen anwenden kann?).

    Nun, das alles ist auch psychologisch höchst interessant, finde ich. Die banal-biblizistisch-remonstranten Aussagen kennen wir ja: wer abfällt (Stichwort „backsliding“), ist weg. Gerne würzt man sein Urteil noch ein wenig mit Hebräer 6,4ff. und anderen griffigen Scheuchmethoden. Dass es so etwas überhaupt gibt, scheint mir den Gedanken zu bestätigen, dass der Weg eines Menschen in der Hand Gottes steht. Seien wir uns doch ehrlich: Es ist die alte Frage. „Kann ein Gläubiger blablabla“. Sicher kann er — wir sehen es ja gelegentlich. Ist er wegen seines Unglaubens aber verloren? Nein. Unglaube ist doch Sünde, nicht wahr? Und ist nicht auch diese Sünde dem Kind Gottes vergeben? Vor 2000 Jahren?

    Zu Everett: Kann man jahre-, ja, vielleicht jahrzehntelang glauben und dann abfallen? Was hat man da geglaubt? Woran kennt man den Unterschied? Kann man ihn den überhaupt erkennen?

  19. Johannes G. meint:

    Es ist die alte Frage. “Kann ein Gläubiger blablabla”. Sicher kann er — wir sehen es ja gelegentlich. Ist er wegen seines Unglaubens aber verloren? Nein. Unglaube ist doch Sünde, nicht wahr? Und ist nicht auch diese Sünde dem Kind Gottes vergeben? Vor 2000 Jahren?

    In diesem Punkt sind wir uns doch mal völlig einig 🙂 Ich bin ebenfalls davon überzeugt, dass ein gläubiger Mensch, der den Glauben „verliert“, nicht verloren gehen kann – in dieser Hinsicht bin ich grundsätzlich ziemlich „reformiert“ 😉

    Ich meine das gilt selbst dann, wenn er in diesem Leben nicht mehr zum Glauben an Christus zurückfindet. Andernfalls ist meiner Ansicht nach prinzipiell nicht möglich, dass ein Mensch jemals wirklich Heilsgewissheit haben oder mit Augustinus sagen kann: „Unruhig ist unser Herz, o Gott, bis es Ruhe findet in dir“. Wer diese Ruhe gefunden hat, dem bleibt sie meinem Verständnis nach erhalten – auch wenn er sie überhaupt nicht mehr wahrnehmen kann und / oder die alte Natur das „irdische Ruder“ übernimmt. Diesen Punkt sehe ich daher dann wohl doch etwas anders als so manche reformierte Theologen…

    Liebe Grüße
    Jo

  20. Schandor meint:

    „Diesen Punkt sehe ich daher dann wohl doch etwas anders als so manche reformierte Theologen…“

    … die vielleicht der puritanischen Heiligkeitsperfektionismustradition verhaftet sein mögen, weil ihnen persönlich „animalische Sünden“ (C. S. Lewis) ferner sind als anderen Christen (Rauchen, Alkohol, sexuelle Gezogenheit usw. usf.).

    Besonders gut gefällt mir das „irdische Ruder“ — ja, wenn sie Gott gehören, wie sollten sie dann je verlorengehen können? Sie mögen verloren gehen; verlorengehen werden sie nicht. Lässt schon der Feind okkult verhaftete Menschen kaum los, um wieviel weniger dann der, der sie mit dem eigenen Blut erkauft hat?

    Die Ruhe allerdings, die bleibt nur auf die Verheißung hin erhalten; wer sie in diesem Leben findet, strebt nicht nach mehr…

    LG
    S.

  21. @DanielV: Danke für den Link. Übrigens haben die Indianer ein gewaltiges Alkoholproblem. Everett selbst schreibt bereits, dass die Konflikte innerhalb des Stammes (oder die mit anderen Stämmen) auf sehr rabiate Weise gelöst werden.

    Liebe Grüße, Ron

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  1. […] er seinen Dienst quittiert hatte. Er stellt in seinem Buch seinen missionarischen Dienst in Frage. Ron hat einen hilfreichen Kommentar zum Buch geschrieben. Hier seine zwei abschliessenden Bemerkungen: […]

  2. […] habe bei Ron auf Theoblog.de einen sehr interessanten Artikel über eine Missionsgeschichte ohne Happyend gelesen. Berührend, […]

  3. […] Siehe zum Thema auch: Das glücklichste Volk und seine Entkehrung. […]

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