Nicht ohne das Alte Testament?

Wie viel Altes Testament braucht die christliche Kirche? Notger Slenczka hatte nicht weniger als die Streichung des Alten Testaments aus dem christlichen Kanon gefordert. Sein Argument: Man müsse anerkennen, dass mit der Hebräischen Bibel das Volk Israel angesprochen werde – und nicht die Christenheit.  Der Berliner Theologe Rolf Schilder zitiert Positionen seines Kollegen Notger Slenczka wie folgt:

Ihm gehe es darum, der Vereinnahmung des Alten Testamentes zu wehren. Die Verheißungen und die Gebote des Alten Testamentes gelten nun einmal ausschließlich Israel und nicht der Kirche. Dass sich Christen sozusagen in diesen exklusiven Bund hinein mogeln wollen, sei, ich zitiere ihn, eine Unverfrorenheit. Und ein weiteres Zitat: wenn Christen sagen, sorry Leute, durch Jesus Christus gehört das halbe Wohnzimmer hier uns und das richten wir jetzt neu ein, dann sei das eben eine Respektlosigkeit gegenüber dem Judentum und inakzeptabel.

Traurig!

Der Beitrag des DLF berichtet erfreulicherweise auch darüber, dass sich schon bei Schleiermacher eine starke Abneigung gegenüber dem Alten Testament manifestiert hat. Übrigens zeigt Klaus Beckmann in seinem Buch Die fremde Wurzel auf, wie stark der Impuls, der von Schleiermacher ausging, die liberale Theologie des 19. Jahrhunderts insgesamt geprägt hat.

Hier der DLF-Beitrag:

 

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Schandor
Schandor
4 Jahre zuvor

Ja mei, er hat halt einen Betroffenheitsvorsprung ganz besonderer Art, wenn es typisch deutsch darum geht, seine Kompensationswut in Sachen „Wir-Deutschen-sind-ein-Tätervolk“ abzureagieren. Das verflüchtigt sich dann schon auch mal in die Theologie.

Aber zugegeben: Derlei Äußerungen sind respektlos gegenüber dem Deutschen und daher inakzeptabel.

Roderich
Roderich
4 Jahre zuvor

Um es genauer zu formulieren:
Der Beitrag des DLF berichtet erfreulicherweise auch darüber, dass sich unerfreulicherweise schon bei Schleiermacher eine starke Abneigung gegenüber dem Alten Testament manifestiert hat.

Moderner Marcionismus.
Schleiermacher dürfte das übrigens von Kant haben, mit dessen Philosophie er großgeworden ist, und unter dessen Einfluss er das traditionelle Verständnis des Christlichen Glaubens über Bord geworfen hat.

Rudolf Drabek
4 Jahre zuvor

Ich habe mir das angehört. Zum Teil ist ja sogar meine Argumentation zu erkennen. Also bin ich nicht alleine mit meiner Meinung zum AT.
Jemand der Respektlosigkeit gegenüber der jüdischen Religion zu zeihen ist natürlich falsch.
Solange das AT nicht zur Einschränkung der Freiheit von Andersgläubigen verwendet wird hat es seine Berechtigung.
Man kann ja vieles über Menschen daraus lernen. Gutes und Schlechtes.

Stephan
Stephan
4 Jahre zuvor

Der Heilsplan Gottes zieht sich wie ein roter Faden durch AT und NT und wird immer mehr entfaltet – es fängt mit den ersten Stellvertreteropfern bei Adam und Eva an (die Felle, damit die Menschen nach dem Sündenfall Gott wieder gegenübertreten können), geht weiter über die Opfervorschriften, den geschlachteten Lämmern in Ägypten bis hin zu Stellvertretertot Jesu am Kreuz. Erste Abschattungen auf das Kommende sehen wir bei Melchisedek (er brachte Brot und Wein), und selbst David ist in diversen Begebenheiten eine Vorwegnahme des Kommenden. Der Hebräerbrief ist ohne AT kaum verstehbar, die Lasterkataloge des NT (die teilweise sogenannten „Totsünden“) sind… Weiterlesen »

rolf eicken
rolf eicken
4 Jahre zuvor

Ich war vor einiger Zeit in Jerusalem und habe dr. ein Mitglied der UNI die Ausgrabungen um den Salomonischen Tempel besichtigen können. Prof. Finkelstein von der UNI Tel Aviv schreibt in seinem Buch über das AT aufgrund seiner archäologischen Tätigkeiten – „Keine Posaunen vor Jericho“: „Offensichtlich haben sich viele Ereignisse der bibl. Erzählungen nicht in der beschriebenen Zeit oder Weise zugetragen. Einige der berühmtesten Ereignisse haben n i e stattgefunden.“ Das verunsichert mich natürlich. Auf der anderen Seite ist Prof. Finkelstein in Israel eine Kapazität ersten Ranges. Das Buch wurde übrigens von mehreren Kapazitäten verfaßt, gibt also nicht nur die… Weiterlesen »

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