Praktische Theologie

Affären mit Babylon

Wie verhängnisvolle Affären mit Babylon (der weltlichen Stadt) heute aussehen könnten, thematisiert Kevin DeYoung in einem aktuellen Beitrag und fordert die Leser heraus. Wie zeigt sich Weltlichkeit praktisch?

  • Finanzieller Profit ist wichtiger als die Menschen, denen man dient, und die Prinzipien, an die man zu glauben vorgibt.
  • Sie vernachlässigen Ihre Verantwortung, den Zehnten an Ihre Ortsgemeinde zu zahlen und großzügig an Missionare, lohnende christliche Organisationen und Bedürftige zu spenden.
  • Sie verschulden sich so sehr, dass Sie nicht mehr frei sind, dem Herrn so zu dienen, wie er Sie ruft, oder großzügig zu spenden, wie er Sie führt.
  • Sie entscheiden sich, keine Kinder zu haben, weil Sie denken, dass sie zu teuer sind oder nicht zu Ihren Träumen und Ambitionen passen. (Ich sage dies in Anerkennung der Tatsache, dass viele „Wunsch-Eltern“ mit dem Schmerz der Unfruchtbarkeit zu kämpfen haben).
  • Als Arzt, Apotheker, Anwalt, Unternehmer, Werbefachmann oder Regierungsangestellter ethische Kompromisse eingehen, weil Sie befürchten, Ihr Geschäft oder Ihren Arbeitsplatz zu verlieren.
  • Sie bejahen die Zeichen und Symbole der sexuellen Revolution, damit Ihre Freunde nicht negativ von Ihnen denken.
  • Sie treffen Entscheidungen über Ihre Zukunft ausschließlich auf der Grundlage des Einkommens, das Sie erzielen können, und nicht auf der Grundlage wichtigerer Faktoren wie Dienstmöglichkeiten und Nähe zu einer gesunden Kirchengemeinde.
  • Sie opfern die Zeit, die Sie für geistliche Disziplinen, die Nachfolge in der Familie und den persönlichen Dienst benötigen, um mehr Geld zu verdienen und Ihren Besitz eindrucksvoller aussehen zu lassen.

Mehr: clearlyreformed.org.

Säkularisierungstempo nimmt zu

Die Kirchen in Deutschland verlieren massiv Mitglieder. Im Jahr 2023 werden mehr als 400.000 Katholiken und 380.000 Protestanten ausgetreten sein. Das Phänomen ist noch nicht wirklich verstanden. Derzeit gibt es zwei große Erklärungsansätze: Es könnte sich einmal um einen sogenannten „Kohorteneffekt“ handeln. Demnach wäre der Mitgliederverlust der Kirchen damit zu erklären, dass Menschen jüngerer Kohorten zwar noch getauft und religiös sozialisiert wurden, diese Bindung aber schwach geblieben ist und mit dem Eintritt ins Erwachsenenalter endet. Demgegenüber postuliert andererseits die Theorie des „Periodeneffekts“ zur Erklärung der Kirchenaustritte, dass bestimmte Ereignisse, wie z.B. die Berichterstattung über die Missbrauchsfälle in den beiden deutschen Amtskirchen, auch ältere, religiös gefestigte Menschen dazu veranlasst haben, ihre Religionsgemeinschaft zu verlassen.

Der Soziologie Daniel Lois hat sich mit beiden Ansätzen beschäftigt und der Artikel „Wie der Mitgliederverlust der Kirchen zu erklären ist“ erlaubt Einblicke in die Debatte. Alles in allem zeigt sich, dass das Säkularisierungstempo zunimmt:

Für die Kirchen sind das alles schlechte Nachrichten. Die aktuelle Entwicklung ihrer Mitglieder sei durch drei parallel wirkende Mechanismen gekennzeichnet, die das Säkularisierungstempo weiter beschleunigten: Ungebrochen negative Kohorteneffekte gingen einher mit sich jüngst verstärkenden, negativen Periodeneffekten sowie einer zunehmenden Abkopplung von der Kirche bei jungen Erwachsenen. Das heißt, auch wenn die Kirchen in Zukunft keine negativen Schlagzeilen mehr produzieren, werden sich die Kohorteneffekte noch verstärken: Die Kinder von bereits religiös kaum noch sozialisierten Personen werden selbst kaum noch den Kirchen beitreten.

Mehr: www.faz.net.

„Bewahre uns vor dem Bösen“

Helmut Thielicke predigte in den Jahren 1944 bis 1945 in Stuttgart unter anderem über „das Böse“ (Das Gebet, das die Welt umspannt, 1983, S. 140–141):

Liebe Zuhörer! Wir sind in unserer Zeit viel zu sehr mit dämonischen Mächten in Berührung gekommen, wir haben viel zu deutlich gespürt und gesehen, wie Menschen und ganze Bewegungen verführt und gesteuert wurden von geheimnisvollen, abgründigen Mächten – dorthin, wohin sie selber nicht wollten –; wir haben allzu oft beobachtet, wie ein fremder Geist in manche Menschen fahren und sie (die vorher vielleicht ganz nett und vernünftig waren) bis in die Substanz hinein verwandeln konnte, wie er sie zu Grausamkeiten, Machträuschen und Wahnsinnsausbrüchen zu bringen vermochte, deren sie vorher niemals fähig zu sein schienen; wir sahen außerdem, wie sich von Jahr zu Jahr mehr eine Atmosphäre der Vergiftung um unseren Erdball legte, wie wirklich etwas spürbar wurde von den bösen Geistern in der Luft, und wie eine unsichtbare Hand einen unsichtbaren Taumelkelch von Volk zu Volk reichte und die Nationen bis in die Tiefe verwirrte; ich sage: wir haben das alles viel zu sehr gesehen, wir sind viel zu sehr von alledem erschreckt worden, als daß ich euer und mein Gehirn erst präparieren müßte, damit es, ohne sich zu genieren, die Frage nach dem Teufel überhaupt zu stellen wagt. Die Übergewalt und der Starkstrom dieser Erlebnisse sind so stark, daß sie alle Sicherungen unseres Intellektes – die wir so gern und geschickt einbauen, um uns jene dunklen Mächte vom Halse zu halten – einfach durchschlagen.

So lassen wir die Frage, ob es einen Teufel gebe, dahingestellt und fragen lieber gleich, wer er ist, um dann sein biblisches Porträt mit dem zu vergleichen, was uns in unserer apokalyptischen Zeit entgegentritt. Vielleicht ist es gar nicht so schwer, die beiden Bilder zur Deckung zu bringen.

Warum ist eigentlich der Versucher so gefährlich? Denn wäre er nicht mit der höchsten Gefahr gleichsam beladen, so würde uns Jesus gewiß nicht darum zu beten lehren, daß wir von ihm erlöst werden. Dann wäre er vermutlich auch selber nicht gegen ihn angetreten und hätte nicht sein ganzes Erdenleben hindurch gegen diese unsichtbare Front kämpfen müssen. Ich würde auf diese Frage, warum die dämonische Macht so gefährlich ist, zunächst ganz einfach antworten: Sie ist darum so gefährlich, weil man sie nicht erkennen kann, und weil sie eben nicht jenen charakteristischen „Pferdefuß“ besitzt, an dem man sie erkennen könnte. Hätte sie einen Paß, so stünde in der Spalte „Besondere Kennzeichen“ zweifellos: „Keine“. Der Teufel ist ein Meister der Tarnung, und eine wichtige Spezialität seiner Taktik besteht darin, daß er sich hinter positiven Werten und Idealen versteckt.

„Dein Name werde geheiligt“

Helmut Thielicke sagt über „Dein Name werde geheiligt“ aus dem Vaterunser (Das Gebet, das die Welt umspannt, 1983, S. 41–42): 

Luther sagt einmal in seiner Auslegung des Vaterunsers über diese Bitte das erschütternde Wort: „Ich weiß in der ganzen Schrift keine Lehre, die unser Leben mächtiger und mehr schwächt und vernichtet als dieses Gebet“; und als Begründung fügt er hinzu: „Wir leben alle ein Leben, in dem Gottes Name und Ehre ständig gelästert werden, wir haben andere Götter und wollen selber die Herren unseres Lebens sein.“ So ist die erste Bitte des Vaterunsers ein heimliches Bußgebet, ein Sündenbekenntnis von zermalmender Wucht, und keiner kann beten, der nicht diese Instanz des Gerichts, diesen Abgrund des Am-Ende-Seins durchläuft.

Denn zu jedem Gebet gehören zwei Voraussetzungen: Einmal: Ich muß wissen, zu wem ich rede. Darüber belehrt uns Jesus ja auch als allererstes. Wir dürfen sagen: „Unser Vater!“ Diese Anrede ist recht eigentlich ein stilles, gleichsam nur angedeutetes Dankgebet. Wenn ich dieses Dankgebet in Worte fassen sollte, würde ich sagen: „Gottlob, daß du da bist und uns hörst; gottlob, daß wir dir alles sagen dürfen – von den größten Dingen, die unsere Vernunft ausdenken kann, bis zu den alltäglichen Bagatellen, die unser Leben bedrängen. Gottlob, daß wir dir sagen dürfen von unserer Sehnsucht nach deinem Reich und zugleich von etwas so Kleinem wie unserer täglichen Brotration, die du deinen Kindern nicht versagen wirst; gottlob, daß wir so mit dir reden dürfen, und daß wir durch Jesus Christus deine lieben Kinder sind.“

Nicht wahr, das ist die erste Voraussetzung alles Betens: Wir müssen wissen, mit wem wir reden – und daß es der Vater ist, der uns hört.

Die zweite Voraussetzung aber, die erfüllt werden muß und ohne die es kein echtes Beten gibt, besteht darin, daß wir auch wissen, wer wir selber sind. Im Gebet appellieren wir ja nicht nur an das Herz des Vaters, sondern wir schlagen auch an unsere Brust. Niemand kann „Vater“ sagen, der nicht gleichzeitig sagt: „Ich komme aus einer großen Fremde und bin nicht wert, daß ich dein Sohn heißen soll. Vater, dein Name ist mir nicht heilig gewesen, ich habe ihn hundertfältig verleugnet.«

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Fünf Antworten des Glaubens

Wie sollen Christen auf die fortschreitende Säkularisierung reagieren? Andrew Wilson gibt fünf hilfreiche Antworten – nicht aus Verzagtheit, sondern aus Glauben heraus:

Wie auch immer wir die religiöse Haltung unserer Gesellschaften nennen – Säkularismus, Post-Säkularismus, Post-Christentum oder ganz anders –, die Menschen stehen dem Christentum skeptisch und in einigen Fällen geradezu feindlich gegenüber.

Die heidnischen Götter Mammon, Aphrodite, Apollo, Ares, Gaia und Dionysos plagen die Moderne noch immer und in unterschiedlichster Erscheinungsform. Sich von ihnen abzukehren, um Christus zu folgen, ist immer noch kostspielig. Es ist immer noch leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr geht, als dass ein Reicher in das Reich Gottes hineinkommt (vgl. Mt 19,24). Die Gemeinde hat nach wie vor viele Schwachstellen, und der kulturelle Einfluss des Christentums hat diese Schwachstellen für diejenigen, die nicht zu ihr gehören, oft noch vergrößert.

Zu den externen, kulturellen Herausforderungen kommt eine innere, psychologische hinzu: Manche Christen haben das Gefühl, eine Niederlage einzustecken. In manchen Ländern entsteht dieser Eindruck bereits, wenn man nur auf die Zahlen schaut. Aus verschiedensten Gründen (darunter Wohlstand, Fruchtbarkeit und die Privatisierung des Lebens in der Nachkriegszeit) ist der Prozentsatz der Menschen, die sonntags in den Gottesdienst gehen, in vielen westlichen Ländern seit dem Zweiten Weltkrieg stetig gesunken (während er in Teilen der Dritten Welt im gleichen Zeitraum erheblich gestiegen ist). Sogar in Amerika (das oft als Ausnahme betrachtet wird) sind über zwei Drittel der Gemeinden zahlenmäßig rückläufig. Gleichzeitig herrscht die weitverbreitete Auffassung, dass christliche Überzeugungen im öffentlichen Leben immer mehr an den Rand gedrängt werden, was in vielen Fällen eindeutig zutrifft.

Mehr: www.evangelium21.net.

Treu und gewöhnlich

Eric Brown beschreibt in dem Artikel „Treu und gewöhnlich“, wie sehr er und seine Familie auf Gottes Barmherzigkeit angewiesen sind. Das Gemeindeleben ist herausfordernd, die Organisation des Familienlebens noch herausfordernder. Doch Gott zeigt seine Treue oft dann besonders leuchtend, wenn man den Eindruck hat: es geht nicht mehr weiter:

Vor ein paar Jahren schrieb ich in einer schrecklich dunklen Nacht 2. Korinther 1,8–9 auf einen Notizzettel:

„Denn … wir hatten übermäßig schwer zu tragen, über unser Vermögen hinaus, sodass wir selbst am Leben verzweifelten; ja, wir hatten in uns selbst schon das Todesurteil, damit wir nicht auf uns selbst vertrauten, sondern auf Gott, der die Toten auferweckt.“

In der Tat, wir sind mit unseren Kräften am Ende. Wir haben am Leben selbst verzweifelt. Manchmal haben wir das Gefühl, dass Gott uns ein Todesurteil auferlegt hat. Aber wir wissen auch, dass er derjenige ist, der uns von den Toten auferwecken wird.

Ja, die Erziehung von Kindern mit Behinderungen ist anstrengend. Eine kleine Gemeinde zu leiten ist überwältigend. Aber diese Herausforderungen lassen uns nach dem guten Hirten rufen, dessen Güte und Barmherzigkeit uns alle Tage unseres Lebens begleiten, und der uns den ganzen Weg nach Hause führen wird.

Mehr: www.evangelium21.net.

Der Brief, der das Leben von Augustinus, Luther und Wesley veränderte

John V. Fesko stellt drei Grundwahrheiten des Römerbriefes heraus und zeigt, wie diese herausragende Persönlichkeiten der Kirchengeschichte „erweckt“ haben. Ein Punkt lautet: Wenn Gott uns allein aus Gnade durch den Glauben an Christus rettet, dann mit einem Ziel:

Wenn Gott uns allein aus Gnade, allein durch den Glauben und allein in Christus rettet, dann tut er das mit dem Ziel, damit wir in einem neuen Leben wandeln können, in Heiligkeit und Gerechtigkeit. Die Gabe des Evangeliums und der Glaube an Christus sind kein Freibrief zur Sünde, wie Paulus nachdrücklich betont: 

„Sollen wir in der Sünde verharren, damit das Maß der Gnade voll werde? Das sei ferne! Wie sollten wir, die wir der Sünde gestorben sind, noch in ihr leben? Oder wisst ihr nicht, dass wir alle, die wir in Christus Jesus hinein getauft sind, in seinen Tod getauft sind? Wir sind also mit ihm begraben worden durch die Taufe in den Tod, damit, gleichwie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters aus den Toten auferweckt worden ist, so auch wir in einem neuen Leben wandeln.“ (Röm 6,1–4)

Gott konfrontierte Augustinus mit dieser Wahrheit, als er die Kinder „Nimm und lies“ singen hörte und Römer 13,13–14 öffnete. Augustinus wusste, dass er von seinen Sünden umkehren musste, und nur die Gnade Gottes in Christus konnte ihn befähigen, in Heiligkeit zu leben.

Mehr: www.evangelium21.net.

Autogene Training – eine dunkle Entstehungsgeschichte

Seit vielen Jahren ist das autogene Training ein Renner. Die These: Mit Hilfe der eigenen Vorstellungskraft könne man sich durch autogenes Training in einen Zustand der Entspannung versetzen, Stress abbauen und sogar Schlafstörungen lindern. Die sanfte Form der Selbsthypnose wird nicht nur von verschiedensten Krankenkassen empfohlen (vgl. hier), sondern hat sich hin und wieder auch in christliche Seelsorgeangebote eingeschlichen. Und Jesusnachfolger, die einst Esoteriker waren und heute vor der Methode warnen, werden nicht selten schief angeschaut.

DIE WELT präsentiert den Artikel eines Arztes, der dem autogenen Training abgeschworen hat, nachdem er auf die dunkle Geschichte des deutschen Erfinders Johannes Heinrich Schultz gestoßen ist. Schultz, als „international herausragende Persönlichkeit der Neuropsychiatrie und Psychotherapie“ gefeiert, war ein echter Nazi und Förderer des „Euthanasie“-Programms.

Zitat: 

Das Autogene Training wurde vor rund hundert Jahren von dem deutschen Psychiater Johannes Heinrich Schultz (1884 – 1970) entwickelt. Schon als junger Arzt begann Schultz, der Medizin in Lausanne, Breslau und Göttingen studiert hatte, sich für Hypnose zu interessieren und hierzu seine eigene Methode zu entwickeln. Zunächst hatte er, der 1924 nach Berlin gezogen war, sie als „autogene Organübungen“ benannt, aber in seinem Buch von 1932 änderte er dann den Namen in „Autogenes Training“, ein Begriff, der so viel bedeutet wie ein Training, das aus sich selbst heraus entsteht.

Schultz kann als überzeugter Nazi gelten. Er war zwar in erster Ehe mit einer jüdischen Kinderärztin verheiratet gewesen, machte dennoch rasch Karriere. Schultz wurde 1933 Vorstandsmitglied der Deutschen Medizinischen Gesellschaft für Psychotherapie unter Matthias Heinrich Göring, Arzt und Cousin des Reichsmarschalls Hermann Göring.

Von 1936 an war er Vorstandsmitglied des Deutschen Instituts für Psychologische Forschung und Psychotherapie. Er trat dem Nationalsozialistischen Kraftfahrerkorps (NSKK) bei, das 1935 in der SA aufging, und war Mitglied der Nationalsozialistischen Ärztekammer.

Schultz war ein aktiver Befürworter der Zwangssterilisation von Personen, die damals als genetisch belastet eingestuft wurden, und des „Euthanasie“-Programms der Nazis, das die Vernichtung von Behinderten und anderen „lebensunwerten“ Menschen betrieb. Durch seine Diagnosen fällte Schulz zahlreiche Todesurteile und er prägte sogar den Begriff „Todesurteil in Form einer Diagnose“. Schultz wurde schließlich stellvertretender Direktor des Göring-Instituts in Berlin. 

Mehr: www.welt.de.

Die Entkirchlichung Deutschlands

Die Entkirchlichung Deutschlands hat im vergangenen Jahrzehnt rasant an Geschwindigkeit zugelegt. Die NZZ berichtet darüber, dass sich diese Entwicklung besonders im Westen des Landes in immer mehr Städten und Gemeinden ausweitet. In der Bundesrepublik gibt es keine einzige Grossstadt mehr mit evangelischer Mehrheit.

Hier: 

Besonders stark traf es traditionell evangelisch geprägte Grossstädte. Viele hatten bereits im Jahr 2011 keine evangelische Mehrheit mehr, etwa Bremen oder Kiel. Elf Jahre später existierte dann keine einzige westdeutsche Stadt mehr mit über 100 000 Einwohnern, wo Protestanten auch nur in der relativen Mehrheit sind. Stattdessen liegt die Gruppe der Konfessionslosen oder Angehörigen anderer Religionsgemeinschaften mittlerweile überall vorn.

In der norddeutschen Stadt Lübeck etwa hatten im Jahr 2011 die mehr als 100 000 Mitglieder der evangelischen Kirche mit 48 Prozent noch die grösste religiöse Gruppe gebildet, 2022 waren es nur noch 80 000. Ihr Anteil schrumpfte auf 37 Prozent; mehr als die Hälfte der Bewohner war nun konfessionslos oder gehörte keiner der grossen deutschen Kirchen mehr an.

Gemessen an der Bevölkerung war der Rückgang unter deutschen Grossstädten nur in Kassel und Bremerhaven ähnlich stark. Absolut betrachtet war der Einbruch in Berlin am grössten: Dort gab es im Jahr 2022 145 000 Protestanten weniger in der Stadt. Die grösste noch mehrheitlich evangelische deutsche Stadt ist Bayreuth in Bayern.

Mehr: www.nzz.ch.

VD: BS

Francis Schaeffer: Wenn der Heilige Geist den Finger auf mein Leben legt

Francis Schaeffer sagt über die progressive Heiligung (Geistliches Leben – was ist das?, 1972, S. 99):

Je mehr der Heilige Geist den Finger auf mein Leben legt, je tiefer er in mein Leben eindringt, desto mehr begreife ich, daß es in meinem Wesen tiefe Abgründe gibt. Die moderne Psychologie befaßt sich in der Begrifflichkeit von Unter- und Unbewußtem damit. Wenn auch die philosophischen Voraussetzungen der modernen Psychologie oft grundfalsch sind, hat sie doch sicher recht, wenn sie darauf hinweist, daß wir mehr sind als wir oberflächlich zu sein scheinen. Wir sind wie ein Eisberg: ein Zehntel ist sichtbar an der Oberfläche, und neun Zehntel sind uns selbst und anderen verborgen. Deshalb geschieht es so leicht, daß wir uns über uns selbst täuschen, und darum müssen wir dieses Wort „wissentlich“ in Frage stellen. Wenn ich behaupte, daß ich von aller „wissentlichen“ Sünde frei sein kann, muß ich mich der berechtigten Frage stellen: Was weiß ich denn überhaupt? Bevor ich diese Frage nicht beantworten kann, ist es doch sinnlos, weiterzufragen, ob ich von „wissentlicher“ Sünde frei sein kann. Je mehr der Heilige Geist im Laufe der Jahre an mir gearbeitet hat, desto mehr bin ich mir der Abgründe meines eigenen Wesens bewußt geworden. Ich bin mir als Mensch selbst entfremdet.

Das Buch gibt es als Logos-Version unter: www.logos.com.

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